BLOCH, Ernest: MACBETH

  • Ernest Bloch (1880-1959):
    MACBETH

    Oper (Original: Lyrisches Drama) in drei Akten mit einem Prolog
    Libretto von Edmond Fleg nach William Shakespeare

    Originalsprache: Französisch.


    Uraufführung am 30 November 1910 in der Opéra comique, Paris.


    Personen der Handlung:
    Macbeth, Nachfolger des Königs Duncan (Bass)

    Lady Macbeth, seine Frau (Sopran)

    Macduff, schottischer Edler (Bariton)

    Lady Macduff, seine Frau (Sopran)

    Banquo, Feldherr (Tenor)

    Fléance, sein Sohn (stumme Rolle)

    Duncan, König von Schottland (Tenor)

    Malcolm, sein Sohn (Tenor)

    Lennox, ein schottischer Edelmann (Tenor)

    Drei Hexen (Sopran, Mezzosopran, Alt)

    Ein Mörder (Bass)

    Ein Türwächter (Bariton)

    Chor: Königsgefolge, Hofstaat, Edle bei Hofe, Wache, Soldaten, Dienerschaft, Volk

    Drei Erscheinungen


    Ort und Zeit: Schottland im 11. Jahrhundert.


    Prolog.
    Dunkle, leere Bühne.


    Nach dem Öffnen des Vorhangs ist Waffengeklirr zu hören; offensichtlich findet da, wenn man den Lärm näher analysiert, eine größere kriegerische Auseinandersetzung statt. Plötzlich erscheinen drei Hexen und prophezeien, dass Macbeth und Banquo, zwei der Feldherren von König Duncan, den Plan haben, Macbeth zum Than von Cawdor und später zum König von Schottland zu machen. Kaum ist das ausgesprochen, stürzt Macduff, ein schottischer Edler, auf die Szene und bringt Macbeth die Ernennung zum Than. Der Geehrte lässt durchblicken, dass Ehrgeiz ihn antreibt, König von Schottland zu werden. In Macbeth reifen Mordpläne gegen den aktuellen Herrscher der Schotten, König Duncan.


    Erster Akt. Erstes Bild.
    Spartanisch eingerichtetes Zimmer im Schloss Macbeths.

    In trauter Runde sitzen Macbeth und seine Gemahlin zusammen, wobei er ihr von den Ereignissen der letzten Zeit berichtet. Die Lady dringt in ihren Mann, alle Skrupel beiseite zu legen, damit die gesteckten Ziele erreicht werden können. In diesem Moment tritt ein Bedienter ein und meldet die Ankunft des König Duncans. Wie sich später herausstellt, ist die Majestät auf der Durchreise bei Anbruch der Dunkelheit auf eine Übernachtungsmöglichkeit angewiesen. Macbeth geht Duncan mit dem Diener entgegen in der Absicht, dem König den notwendigen Respekt zu erweisen.


    Allein in der Kammer zurückgeblieben beschließt Macbeths Frau den Tod des Königs. Ihr Mann kommt mit Duncan und anderen Edelleuten zurück zu seiner Gattin, und man sieht eine freundliche Begrüßung, was aber von den Zuschauern eindeutig als heuchlerisch anzusehen ist. König Duncan erklärt in einer Gesprächsrunde, dass er ab sofort seinen Sohn als Mitregenten einsetzen will. Das bedeutet natürlich, dass Malcolm nach der herrschenden Rechtslage automatisch Nachfolger Duncans sein wird. Plötzlich deutet er an, müde zu sein. Sofort erhebt sich Lady Macbeth und bietet sich als Führerin zu den Gemächern für die Gäste an. Macbeth ist eindeutig erschüttert über des Königs Aussage, seinen Sohn als Thronfolger zu installieren, und bleibt erstaunt zurück. Als seine Gattin wieder in den Raum tritt, dringt sie auf ihren Mann ein, König Duncan noch heute Nacht ins Jenseits zu befördern.


    Zweites Bild.

    Schlosshof.


    Es herrscht Ruhe in Macbeths Schloss - innen wie außen. Wolkenverhangen zeigt sich der Himmel, was auf eine unruhige Nacht mit Gewitter hindeutet.

    Der Feldherr Banquo hat Schlafprobleme, die durch ihn schwer bedrückende Gedanken hervorgerufen wurden. Er steht auf und geht in den Schlosshof, um frische Luft zu schnappen und trifft überraschenderweise auf Macbeth mit einem Bedienten. Die Herren tauschen sich natürlich gesprächsweise aus, wobei Banquo von seinem Traum erzählt, in dem ihm Hexen begegnet seien. Er erhoffe sich von der frischen Luft eine Beruhigung seiner Nerven. Macbeth äußert sich, Anteilnahme vortäuschend, und wünscht dem Gast eine gute Nacht. Dann begeben sich Macbeth und sein Diener ins Schloss und der Bediente erhält den Auftrag, zur Lady zu gehen und ihr zu sagen, dass sie die Glocke läuten solle, wenn der „Trank“ fertig sei.


    Allein auf der Szene grübelt Macbeth mit dem Blick auf seinen Dolch über den geplanten Mord nach. Er ist hin und hergerissen zwischen der Aussicht König zu werden und dem Gedanken, Mörder eines Menschen, eine Königs dazu, zu sein. Das vereinbarte Signal reißt ihn aus seinen Gedanken und er geht den Weg zu den Gemächern Duncans, um den Mord auszuführen.


    Die Bühne ist leer. Plötzlich erscheint Lady Macbeth, geht wartend auf und ab. Kurz darauf kommt ihr Gatte und erklärt durch Kopfnicken, dass er die Tat vollbracht habe. Lady Macbeth ihr Gatte aber „merkwürdig“ vor: er wirkt auf sie so, als hätte er nicht alle Sinnen beisammen. Und sie selbst hört Stimmen, denen sie nachgehen will, weil sie ihrem Gatten die Lösung des Problems nicht zutraut. Sie geht ins Schloss zurück, will die Gesichter der Wachen mit Blut beschmieren, um den Verdacht des Königsmordes vom eigenen Haus abzulenken.


    Auf die nur kurz leere Bühne tritt der Torhüter mit einem Lied auf. Macduff und Lennox, zwei schottische Edle, gehen in der Absicht, König Duncan zu wecken, über den Schlosshof; Lennox sieht sich plötzlich dem Schlossherrn Macbeth gegenüber und unterhält sich mit ihm, als plötzlich ein lauter Schrei ertönt. Wie sich herausstellt, hat Macduff, der weitergegangen war, den Toten entdeckt entdeckt und schlägt Alarm. Da er Verrat vermutet, bringt er die Söhne Duncans unter seine Gewalt und will sie in Sicherheit bringen.


    Im ganzen Schloss herrscht Ausnahmezustand und der erste Akt endet mit dem Auftritt eines alten Mannes, der betont, dass er in seinem durchaus ereignisreichen langen Leben, so etwas wie hier und heute noch nicht erlebt habe...

    Zweiter Akt. Erstes Bild.
    Festsaal im Schloss.

    Der zweite Akt beginnt mit der Erkenntnis, dass König Duncan einen Nachfolger gefunden hat, und das es nicht sein Sohn Malcolm ist, sondern Macbeth. Und der neue König hat große Sorgen, wenn man so will königliche Sorgen. Es gibt nämlich eine Prophezeiung, wonach die Kinder Banquos von dem Mord an Duncan profitieren sollen. Das aber kann Macbeth nicht tolerieren; er hat den Mord an Duncan schließlich nicht begangen, damit Banquos Kinder den Gewinn davon haben. Macbeth. dingt zwei Mörder, die das Problem mit dem Mord an Banquo und seinen Sohn Fléance lösen sollen.


    Während sich die Mörder zurückziehen führt Lady Macbeth die beiden, Banquo und Fléance, in den Saal. Die gedungenen Mörder sind jedoch ganz nahe und belauschen das nun folgende Gespräch: Macbeth befragt sie nach ihren Plänen, was aber für Macbeth nicht zur Zufriedenheit ausfällt, weshalb er beide, Vater und Sohn, entlässt. Sie entfernen sich, gefolgt von den Mördern.


    Lennox und andere Edelleute aus Schottland finden sich im Festsaal des Schlosses ein. Macbeth befragt sie nach Gerüchten, dass Macduff nach England geflohen sei. Das ist kein Gerücht, sondern eine Tatsache, wird ihm geantwortet, Es soll ihn aber nicht beunruhigen, bedeutet man ihm, denn jetzt sei Zeit zum Feiern. Während sich die Gäste zur Festtafel begeben, erscheint einer der Mörder und flüstert Macbeth ins Ohr, dass Banquo tot sei, sein Sohn Fléance jedoch entkommen konnte. Macbeth ist über diese Wendung natürlich einerseits erfreut, versucht aber, die üblen Gedanken wegen Fléance abzuschütteln, um an dem Gelage teilzunehmen.


    Dort erscheint, für die Gäste nicht sichtbar, plötzlich auf seinem Platz am Tisch der Geist Banquos; Macbeths Reaktion wirkt auf die Gäste schockierend. Lady Macbeth sieht sich veranlasst, die Gäste zu beruhigen. Der Geist verschwindet wieder und die Runde könnte weitermachen, doch Macbeth wirkt verstört, was dem Gelage nicht dienlich ist. Die ersten Gäste verlassen das Fest, was ein allgemeines Aufbruchssignal ist. Nachdem die Gäste gegangen sind, bemüht sich Lady Macbeth, ihren Mann zur Ruhe zu bringen. Aber er wird erneut von der Erscheinung heimgesucht und beschließt in seiner Angst, auch Malcolm, Macduff und deren Familien zu töten.


    Zweites Bild.

    Zimmer im Schloss der Macduffs.


    Lady Macduff und ihr Sohn beklagen die Flucht des Ehemanns und Vaters, der in England ein Heer, das gegen Macbeth vorgehen soll, aufbauen will. Die von Macbeth gedungenen Mörder sind inzwischen bis zu Lady Macduff und ihrem Sohn vorgedrungen und töten die beiden. Als sie danach geflüchtet sind, kommt Macduff und kann nur noch Rache schwören.

    Dritter Akt. Erstes Bild.
    Hexenhöhle.

    Das Treiben in der Höhle geht auf seinen Höhepunkt zu: die Hexen sitzen um ein Feuer, auf dem ein Kessel mit einer dampfenden Flüssigkeit steht, und beschwören Beelzebub und Lucifer. Die beiden Erwarteten treten allerdings nicht ein; aber der, der da kommt ist Macbeth, und der hat Fragen, die sein Königtum betreffen, und die will er beantwortet haben. Und die Hexen spielen tatsächlich mit. Das sieht zunächst so aus, als wollte man Macbeth in die Irre führen, denn es treten die verschiedensten Erscheinungen auf, deren Sinn Macbeth nicht begreift. Aber dann, als diese Erscheinungen verschwunden sind, kommen die Hexen mit der Warnung vor Macduff endlich „aus der Reserve“. Die Warnung besagt, dass er nicht besiegt werden kann, es sei denn, der große Wald von Birnam marschiere auf der Höhe von Dunsinane gegen ihn. Wer das Gesicht von Macbeth sehen konnte, dürfte bemerkt haben, dass von dem Mörder eine Last abgefallen ist. Soll heißen, Macbeth ist zufrieden, denn dass Bäume von A nach B marschieren können, hat man bisher noch nicht gesehen. Folglich ist König Macbeth beruhigt und verlässt die Höhle der Hexen.


    Zweites Bild.

    Saal im Schloss von Macbeth zu nächtlicher Stunde.

    Durch die großen Fenster des Saales kann man den Wald von Birnam sehen. Und hier steht Baum an Baum, ein Wald eben. Lady Macbeth nähert sich schlafwandelnd mit einem Leuchter in der Hand. Sie, von der man immer glaubte, dass sie mit beiden Beinen im Leben steht, phantasiert jetzt und glaubt in ihrem Wahnsinn, eine Glocke zu hören und bildet sich außerdem noch ein, überall Blut zu sehen, das sie nicht entfernen kann.


    Als sie das Zimmer verlassen hat, kommt Macbeth mit Edelleuten und anderem Gefolge von der entgegengesetzten Seite auf die Szene. Ein Diener tritt vor und meldet, dass sich ein gewaltiges Heer dem Schloss nähere. Das glaubt Macbeth ihm nicht und lässt durch den Bedienten den Edlen Lennox rufen, der die Meldung des Dieners jedoch bestätigt. Das ist für Macbeth Grund genug, sich seine Rüstung bringen zu lassen und dann zu den Waffen zu rufen.


    Das ist der Moment, da aus den Nebenzimmern Schreckensrufe von Frauen zu hören sind und Lennox sich verpflichtet fühlt, sich zu erkundigen, was geschehen sei. So erfährt er, dass Lady Macbeth Suizid begangen habe. Ist das für Macbeth schon schlimm genug, kommt nun ein Diener mit der irren Nachricht, dass er selbst gesehen habe, wie sich der Wald von Birnam in Bewegung gesetzt habe. Obwohl sich alle zunächst ungläubig ansehen, geraten sie dann jedoch schnell in Panik, zumal plötzlich Rufe aus dem sich bewegenden Wald zu hören sind: „Mort à Macbeth! Gloire à Malcolm!“ Es stellt sich heraus, dass sich generische Soldaten mit Baumzweigen „dekoriert“ haben und deren Vordringen so aussieht, als habe sich der Wald in Bewegung gesetzt.


    Die Soldaten erscheinen im Schloss und sind ganz offensichtlich zum letzten entschlossen. Das “Letzte“ ist allerdings der Machtkampf zwischen Macduff und Macbeth, und nicht der Streit zwischen den Soldaten von Macduff und Macbeth. Das Duell endet mit dem Sieg Macduffs und Tod von König Macbeth. Macduff bestimmt Malcolm, den Sohn von König Duncan, zum Nachfolger von König Macbeth...


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