Die Hardangerfiedel (Hardingfele): Norwegens klingendes Kulturerbe

  • Die Hardangerfiedel (norwegisch hardingfele) zählt zu den faszinierendsten Streichinstrumenten Europas. Sie gilt als das Nationalinstrument Norwegens und prägt seit Jahrhunderten die Volksmusik des Landes. Ihr unverwechselbarer Klang entsteht durch zusätzliche Resonanzsaiten, die einen schwebenden, obertonreichen Klangteppich erzeugen.

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    Geschichte

    Die Hardangerfiedel entstand in der Region Hardanger im Südwesten Norwegens. Das älteste erhaltene Instrument wurde 1651 von Ole Jonsen Jaastad gebaut und gilt als frühester bekannter Vertreter dieses Instrumententyps. Ursprünglich war die Bauform kleiner und schmaler als die heutige Version. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich die moderne Bauweise, die der Violine deutlich ähnelt.

    Im 18. Jahrhundert machten Instrumentenbauer wie Isak Nielsen Botnen und Trond Isaksen Flatebø die Hardangerfiedel in Norwegen weit verbreitet. Sie wurde zum zentralen Instrument traditioneller Tänze wie Springar, Gangar und Halling.

    Die Bedeutung der Hardangerfiedel reicht weit über die Volksmusik hinaus. Edvard Grieg studierte die Melodien berühmter Hardangerfiedler und integrierte deren musikalische Sprache in seine Kompositionen. Sein Zyklus Slåtter op. 72 basiert direkt auf überlieferten Hardanger-Melodien des Fiedlers Knut Dahle.

    Aufbau

    Auf den ersten Blick ähnelt die Hardangerfiedel einer Violine, unterscheidet sich jedoch in mehreren wesentlichen Merkmalen.

    Spielsaiten und Resonanzsaiten

    • Vier Spielsaiten werden wie bei einer Violine mit dem Bogen gestrichen.
    • Zusätzlich besitzt das Instrument meist vier oder fünf Resonanzsaiten, die unter dem Griffbrett verlaufen.
    • Diese schwingen bei passenden Frequenzen mit und verleihen dem Instrument seinen charakteristischen, silbrig schimmernden Klang.

    Verzierung

    • Aufwendige Perlmutt-Einlagen
    • Schwarze Ornamentmalerei (Rosing)
    • Reich geschnitzte Köpfe von Drachen, Löwen oder mythologischen Wesen statt der ViolinschneckeBedeutende traditionelle Werke

    1. Fanitullen

    Fanitullen ist die berühmteste Hardanger-Melodie überhaupt. Der Überlieferung nach wurde sie vom Teufel bei einer Hochzeit gespielt und später von einem Geiger belauscht. Sie gehört heute zum Standardrepertoire nahezu jedes Hardangerfiedlers.


    2. Huldresølvet

    Ein poetisches Stück, das sich auf die Huldra, eine Figur der nordischen Mythologie, bezieht.


    3. Hallingrosa

    Ein moderner Klassiker des norwegischen Virtuosen Knut Buen.


    4. Hildalen

    Traditioneller Gangar aus Telemark.


    Berühmte Bearbeitungen und klassische Werke

    Edvard Grieg: Slåtter op. 72

    Die bedeutendste Übertragung von Hardangerfiedel-Musik auf das Klavier. Grieg transformierte dabei traditionelle Tanzmelodien in kunstvolle Konzertstücke.


    Geirr Tveitt: Konzerte für Hardangerfiedel und Orchester

    Geirr Tveitt komponierte die wichtigsten klassischen Konzertwerke für Hardangerfiedel. Seine beiden Konzerte verbinden norwegische Volksmusik mit spätromantischer Orchestersprache.

    Einspielung mit Arve Moen Bergset:

    Howard Shore: Das Rohan-Thema aus Der Herr der Ringe

    Für die Darstellung des Volkes von Rohan verwendete Howard Shore die Hardangerfiedel als zentrales Klangsymbol. Dadurch wurde das Instrument weltweit bekannt.


    Bedeutende historische Interpreten

    Torgeir Augundsson („Myllarguten“, 1801–1872)

    Der berühmteste Hardangerfiedler des 19. Jahrhunderts. Er wurde bereits zu Lebzeiten zur Legende und inspirierte Generationen von Musikern.

    Knut Dahle (1834–1921)

    Einer der bedeutendsten Überlieferer traditioneller Hardanger-Melodien. Seine Musik bildete die Grundlage für Griegs Slåtter op. 72.

    Haldor Meland (1884–1972)

    Prägte die Weiterentwicklung der Hardanger-Tradition im 20. Jahrhundert maßgeblich.

    Aktuelle bedeutende Interpreten

    Benedicte Maurseth

    Benedicte Maurseth zählt zu den wichtigsten Hardangerfiedlerinnen der Gegenwart. Sie verbindet historische Aufführungspraxis mit moderner Konzertkultur und Komposition.


    Nils Økland

    Nils Økland gilt als einer der innovativsten Hardangerfiedler Norwegens. Seine Musik bewegt sich zwischen Volksmusik, Jazz, Improvisation und zeitgenössischer Kunstmusik.


    Knut Hamre

    Als mehrfacher Gewinner der Landskappleik und Lehrer zahlreicher jüngerer Musiker ist Knut Hamre eine Schlüsselfigur der traditionellen Hardangerfiedel. [


    Annbjørg Lien

    Die international bekannteste Hardangerfiedlerin der Gegenwart. Sie hat durch ihre Aufnahmen und Tourneen erheblich zur weltweiten Verbreitung norwegischer Volksmusik beigetragen.


    Fazit

    Die Hardangerfiedel ist weit mehr als eine regionale Variante der Violine. Mit ihren Resonanzsaiten, ihrem reichen Obertonspektrum und ihrer kunstvollen Gestaltung verkörpert sie die musikalische Identität Norwegens. Von traditionellen Meisterwerken wie Fanitullen über Griegs Slåtter und Tveitts Hardanger-Konzerte bis hin zur Filmmusik von Der Herr der Ringe hat sie einen bemerkenswerten Weg von den Fjorden Hardangers auf die internationalen Konzertbühnen gefunden. Heute sorgen Künstler wie Benedicte Maurseth, Nils Økland, Knut Hamre und Annbjørg Lien dafür, dass dieses einzigartige Instrument sowohl seine Tradition bewahrt als auch neue musikalische Horizonte erschließt.

    Ich sitze im kleinsten Raum des Hauses und habe ihre Kritik vor mir.

    Bald werde ich sie hinter mir haben :baeh01: (Max Reger)

  • Ach Herrje, da habe ich im Eifer des Gefechts Ragnhild Hemsing vergessen, der aktuelle Shootingstar der norwegischen Violin- und Hardangerfiedel-Szene. Sie schreibt eigene, sehr melodiöse, teils hypnotische Werke, bearbeitet aber auch klassische Stücke.




    und bei der Recherche gerade entdeckt, dass sie auch ein schönes Erklärvideo gemacht hat:


    Ich sitze im kleinsten Raum des Hauses und habe ihre Kritik vor mir.

    Bald werde ich sie hinter mir haben :baeh01: (Max Reger)