Walter Schneiderhan - Der Bruder

wok · 3 Beiträge · letzte Antwort von wok

  • Wenn schon hier von dem berühmten WOLFGANG Schneiderhan die Rede ist, so will ich diese Chance nutzen und auch ein paar Anmerkungen zu seinem älteren Bruder WALTER SCHNEIDERHAN machen, der das Pech hatte, einen Bruder zu haben, der bereits mit 5 Jahren als Wunderkind in die Öffentlichkeit trat und frühzeitig als großer Geiger weltweit gefeiert wurde. So stand er ein Lebenlang in dessen Schatten. Dabei verfügte auch WALTER SCHNEIDERHAN über alle Anlagen eines erstklassigen Geigers und genoß durchaus hohes Ansehen im österreichischen Orchester- und Musikleben. In Wien hatte er u. a. bei dem berühmten Pädagogen OTAKAR SEVCIK studiert. Ab 1928 war er 1. Konzertmeister beim Sender Köln, 1936 wechselte er an die Oper in Stutgart, 1939 an die Grazer Oper. Ab 1948 war er 1. Konzertmeister der WIENER SYMPHONIKER. 1948 erhielt er für seine besonderen Leistungen den BRUCKNER-RING. Geschätzt wurde er auch als Pädagoge am KONSERVATORIUM DER STADT WIEN. Für Remington Records, Vox und Philiips machte er wichtige Aufnahmen. MENDELSSON's Violinkonzert op. 64 spielte er mit dem WIENER KONZERTVEREIN ein, mit dem Pianisten ERICH BERG nahm er BEETHOVEN's Kreutzer-Sonate Nr. 9 op. 47 auf, wie auch die Sonate Nr. 7 op 30. Ich besitze mit ihm eine wunderbar gefühlvolle Aufnahme von MOZART's Sinfonia Concertante KV 364 mit PAUL ANGERER und dem WIENER FESTSPIELORCHESTER unter FRANZ LITSCHAUER;, sowie die BOCCHERINI-Trios op. 35, Nr. 1 und 2 mit GUSTAV SWOBODA und SENTA BENESCH. Besonderes Ansehen gewann er auch durch sein Spiel des Soloparts in einer Aufnahme von RIMSKI-KORSAKOWs Scheherazade 1959 mit den WIENER SYMPHONIKERN. Ich sollte mit diesem Beitrag an etwas deplatzierter Stelle eigentlich einen eigenen Thread gewählt haben, doch hatte ich zunächst eigentlich nicht vor, so viel über den Bruder WALTER SCHNEIDERHAN zu schreiben!


    wok

  • Damit einige seiner Aufnahmen, die er aufgenommen aufgenommen hat, in Erinnerung bleiben: Sie waren nicht immer auf erstklassigen Labeln, gepaart mit Künstlern, die allenfalls lokale Bedeutung hatten, auch für den Bertelsmann Schallplattenring*. einer Buchgemeinschaft, die selber Platten aufnahm, so etwas, das man heutzutage als "Hausmarke bezeichnen würde Die Aufnahme stammen aus den früher 50ern, waren in Mono und auf "Mikrograve" aufgezeichnet


    mfg aus Wien

    Alfred


    *?Buchgemeinschafts ausgaben waren stigmatisiert, niemand wollte ihen Lizenzen geben, da sie ja den einträglichen Fixpreise der Platten unterminierten. Man bekam allenfalls "zweite Wahl" in Lizenz. Daher gründete Bertelsmann Ende der 50er Jahre ine eigene Schallplattenfirma "Ariola" aus der später "Ariola-Eurodisc" wurde...

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Die Labels, bei denen die meisten Aufnahmen von WALTER SCHNEIDERHAN erschienen, und auch seine Musikpartner, mit denen er spielte, waren durchaus nicht unbedeutend, denn REMINGTON RECORDS, VOX, PHILIPS und vor allem WESTMINSTER, nahmen auch für HERMANN SCHERCHEN, PAUL BADURA SKODA, JÖRG DEMUS, ARTUR RODZINSKI und andere auf. Und die Abspielqualität von all den Aufnahmen, die ich von diesen Labels besitze, ist durchaus erstklassig. Auch die Partner, mit denen er spielte, waren meist sehr angesehene Musiker mit anerkannten Leistungen. Die von mir besonders geschätzte Aufnahme mit WALTER SCHNEIDERHAN ist MOZART's Sinfonia Concertante KV 364 mit dem erstklassigen Bratschisten PAUL ANGERER und dem WIENER FESTSPIELORCHESTER unter dem einfühlsamen Dirigenten FRANZ LITSCHAUER müssen keine Konkurrenzaufnahme scheuen, wenn auch die von mir ebenfalls hoch eingeschätzte SZELL-Einspielung mit RAFAEL DRUIAN und ABRAHAM SKERNICK in puncto Präzision kaum zu überbieten ist, doch geht diese verglichen mit der LITSCHAUER-Aufnahme dann doch etwas zu Lasten des Gefühls und des intimen Charakters dieses Werkes. Die beiden Solisten verstehen sich bei dieser Aufnahme blind und führen einen eindrucksvollen musikalischen Dialog. Vor allem das so melancholische Andante geht nach meinem Gefühl noch mehr unter die Haut als bei ider SZELL-Einspielung. SCHNEIDERHAN's Partner, PAUL ANGERER, war ein hochangesehener Bratschist, und er gelangte schnell an die Spitze renommierter Orchester wie bei dem ORCHESTRE DA LA SUISSE ROMANDE unter ANSERMET, und von 1952 bis 1957 war er Konzertmeister der WIENER SYMPHONIKER, mit denen auch HERBERT VON KARAJAN arbeitete. Er galt als stilsicherer Vertrter der Wiener Geigenschule. Bemerkenswerterweise waren WALTER SCHNEIDERHAN und PAUL ANGERER in Wien jahrelang im Orchester Stimmführer. Beide traten aber auch als Solisten und Kammrmusiker mit großem Erfolg auf. Und beide spielten auch bei WESTMINSTER BOCCHERINIS Streichtrios op. 35 Nr. 1 und 2 ein. Eine sehr hörenswerte Aufnahme. Da die damalige Musikwelt seinen Bruder WOLFGANG jahrelang feierte, war es für ihn trotz seiner geigerischen Fähigkeiten sehr schwierig, noch stärker auf sich aufmerksam zu machen.


    wok