Liebe Taminos,
eigentlich hatte ich ein Neues Thema vor, welches sich mit angenehmerem Inhalt beschäftigt.
Eim Woche nach der desaströsen Vorstellung des "Rosenkavalier" zur Opernhaus-Neueröffnung im desaströs erbauten Gebäude, Köln, erreicht mich in Würzburg die
Meldung zum komplett gestoppten Bauwerk "Mainfrankentheater": Weiterbau oder doch nachträglicher Beschluss zum Komplettabriss.
Und noch einen Tag später - heute - zerreißt die inzwischen eingetretene Beruhigung - dass wenigstens Irgendetwas geschieh - folgende Meldung:
Theaterneubau Würzburg als besonders krasses Beispiel für Steuergeldverschwendung im Schwarzbuch des Bundes Deutscher Steuerzahler!
Erste Bewertung: Für Entscheider im Rahmen ihrer Tätigkeiten ist diese Meldung fatal.
Komme ich zurück auf die Premiere in Köln, so ist auch beim wenig kulturaffinen Zuschauer der Fernsehübertragung die Reaktion verheerend.
Was ich selbst hörte, war ohne großen Tadel. Aber Oper ist für TV-Zuseher ein optisches Event, weniger ein akustisches. Und dieses überwog dann auch.
Der Kölner Stadtanzeiger hat in seinerm Bericht eine wachsweiche fifty-fifty-Kritik zur Premiere geschrieben - die sogenannte veröffentlichte Meinung kann wegen des
Bestrebens der Redaktionen, keine Abonnenten zu verlieren, insofern nicht als Kriterium für die künstlerische Qualität des Gezeigten/Gebotenen genommen werden.
Vielmehr sind es die Stimmen, derer man beispielhaft in seinem Umfeld habhaft werden kann, die sich einen eindeutigen Rechtfertigungsbeweis gewünscht hätten angesichts des skandalträchtigen Baubeispiels für Opern- und Theaterhäuser in Deutschland nach dem Motto: Seht her, dafür hat sich das Ganze doch letztlich gelohnt.
(Eine Gruppe vorher informierter Bekannter - zugegebenermaßen musikaffin - vertrat überwiegend die Meinung eines vertanen Abends.)
Nicht nur der Bund der Steuerzahler wird bei den Entscheidern gehört und gelesen.
Pars pro toto sind nun erneut zwei Bauten mit dem Apostroph "desaströs" und darum "ab in die Tonne" versehen. Das färbt auch auf weitere Kulturentscheidungen ab. Sondern es ist auch die Menge der weniger häufigen Kulturnutzer, die abgeschreckt wurden.
Es soll hier keinesfalls ein neues Fass aufgemacht werden betr. "Regietheater" ja oder nein, oder manchmal oder nie - aber eine Neueröffnung unter dem Gesichtspunkt
der Belohnung des Publikums im Saal und am TV für die vielen Negativberichte während 14 Jahren Bauzeit fehlte am Eröffnungsabend. Dafür hätte es auch andere Stücke gegeben. Stattdessen brachte der Sender Interviews vor der Vorstellung. Die freudige Erwartung "jetzt geht es endlich los" kann nichts vertuschen.
Die psychologische Wirkung einer solchen Geschichte vom Bau über die Skandale bis hin zur Eröffnungsvorstellung kann eine Lawine gegen künftige Entscheidungen anderswo auslösen, wie sie jetzt am Beispiel Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes zu erkennen ist.
Es gibt Listen mit gelungenen, vollendeten Bauvorhaben für Opern-, Theater- und Konzerthäuser.
Und es gibt Listen mit solchen wie hier beschrieben. Es muss nicht einzeln beschrieben werden, wo die Mehrheit liegt.
Aber vielleicht haben Taminos Beispiele zur Hand, die incl. Eröffnung in den letzten Jahren tadellos funktioniert haben (zB. München)
und gleichzeitig auch die Programme der Eröffnungsvorstellungen (noch) zur Hand haben. Evtl. noch mit Videos?
Das herauszusuchen fehlt mir momentan die Zeit.
Meint
GC