Könige und Adlige als Musiker

moderato · 16 Beiträge · letzte Antwort von moderato

  • Könige regieren nicht nur. Sie Fördern die Künste. Sie erhalten eine umfassende Bildung, wozu auch das Erlernen eines Musikinstrumentes gehört. Sie komponieren zuweilen auch.


  • Der König der Franzosen, der Sonnenkönig Ludwig XIV (1638-1715) war den Künsten zugetan.


    Ludwig XIV hatte nicht nur den Ruf eines ausgezeichneten Tänzers, er betätigte sich auch als Musiker. Unter dem erzieherischen Einfluss seiner Mutter, Anna von Österreich, erlernte der junge Ludwig das Lauten- und später das Gitarrenspiel.



  • Als Förderer der Künste gilt auch Friedrich II. von Preussen "Friedrich der Große" (1712-1786).


    Er war ein begabter Musiker, der ein Hoforchester aufbaute, das sowohl für seine Qualität als auch für seine Größe bekannt war. Große Musiker wie Graun, Quantz und C. P. E. Bach waren Mitglieder und trugen wesentlich zu dessen Ansehen bei. Als Förderer der schönen Künste war Friedrich ein hochbegabter Flötist, dessen Werke, die in kleinen Privatkonzerten aufgeführt wurden, eine bemerkenswerte Vielfalt an Formen und expressiven Effekten aufweisen, wobei langsame Sätze mit langatmigen Melodiebögen aufwarten.



  • Vom englischen König Henry VIII (1491-1547) sind Werke überliefert, die eine CD füllen.


    Übereinstimmenden Berichten zufolge war er ein begabter und angesehener Musiker. Seine Leidenschaft für das Sammeln von Musik und die Förderung von Musikern ließ zeitlebens nicht nach, wenngleich er als Komponist und Interpret vor allem in seinen Zwanzigern und Dreißigern besonders aktiv war. Zwar wurden seine Leistungen als Komponist von seinen Untertanen und der Nachwelt überhöht dargestellt, doch hinterließ er mehr Kompositionen als jeder andere englische Monarch.


    Im Laufe seines Lebens baute Heinrich die königliche Hofmusik und deren Instrumentenbestand – der auf verschiedene königliche Residenzen verteilt war – stetig aus.


    In der Handschrift Heinrichs VIII. – einer Musiksammlung, die das Repertoire am Hofe des Königs widerspiegelt – werden dem König vierunddreißig Kompositionen zugeschrieben, die eine beeindruckende Vielfalt an Vokal- und Instrumentalstilen umfassen. Nur eines dieser Stücke – „Pastime with good company“ – ist auch in einer anderen Quelle überliefert. Dasselbe Lied findet sich zudem zweimal in der Handschrift Heinrichs VIII., allerdings in zwei leicht voneinander abweichenden Fassungen. Viele der Stücke sind kurz und dienten wahrscheinlich als Vorspiele zu umfangreicheren Liedern ... Seine Instrumentalstücke zählen zu den allerersten englischen mehrstimmigen Kompositionen für reine Instrumentalbesetzung und spiegeln den gestiegenen Status jener neuen Art von Hofmusikern wider, die über Notenkenntnisse verfügten.



  • Oh schade, dass der Titel nicht "Adlige als Musiker" heisst, dann könnte ich Landgrafen, Grafen und Großherzöge hier aus der Gegend beitragen 8o

    Mehr Musik ins Leben, mehr Leben in die Musik.

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    Zwar kein Komponist, aber ein sehr beachtlicher Dirigent (und insofern natürlich ein Musiker) war König Frederik IX. von Dänemark (1899-1972, Kg. 1947).


    DaCapo hat eine ihm gewidmete 4-CD-Box auf den Markt gebracht.



    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Oh schade, dass der Titel nicht "Adlige als Musiker" heisst, dann könnte ich Landgrafen, Grafen und Großherzöge hier aus der Gegend beitragen 8o

    Ich habe den Titel des Threads geändert. ;)


    Lieber Joseph II.


    Auch ein Dirigent ist selbstverständlich ein Musiker. Vielen Dank für deinen Hinweis auf den dirigierenden dänischen König Frederik IX.


  • moderato

    Hat den Titel des Themas von „Könige als Musiker“ zu „Könige und Adlige als Musiker“ geändert.
  • Friedrich Karl Graf zu Erbach-Erbach (1680–1731)

    Er war nicht bloß komponierender „Dilettant“ im heutigen abwertenden Sinn, sondern betrieb Musik offenbar recht ernsthaft, unterhielt eine Hofkapelle und stand in engem Austausch mit Georg Philipp Telemann und Johann Friedrich Armand von Uffenbach. Telemann besuchte ihn 1727 in Erbach; Friedrich Karl wollte seine Trios vor der Drucklegung von Telemann korrigieren lassen. Umgekehrt widmete Telemann ihm Musik.


    Besonders interessant – gerade wegen des Graupner-/Darmstadt-Hintergrundes – ist die Verbindung zum Darmstädter Hof. Die Christoph-Graupner-Gesellschaft hat sich 2018 auf ihrer Tagung über Landgraf Ernst Ludwig ausdrücklich mit Friedrich Karl beschäftigt: Gabriela Krombach behandelte „Der musikalische Austausch des Grafen Friedrich Karl zu Erbach mit Landgraf Ernst Ludwig. Die Divertimenti armonici“. Die Quelle beschreibt sogar eine gegenseitige Dedikation zwischen Friedrich Karl und Landgraf Ernst Ludwig.


    Damit haben wir 30 erhaltene Instrumentalwerke/Sätze bzw. Werkkomplexe. IMSLP führt die Handschrift unter dem ausführlichen Titel Divertimenti armonici che contengono XII. Sinfonie a due Violini e Basso altre XII. a due Flaute e Basso e VI Duetti per il Violoncello o Fagotto. Als Entstehungszeit wird etwa 1720 angegeben; die Quelle stammt aus der ULB Darmstadt und ist mit RISM 450002525 verknüpft. Besonders erfreulich: Der vollständige Scan umfasst 198 Seiten und ist online zugänglich.


    Telemann komponierte 1720 sechs Kantaten auf Texte Friedrich Karls. Friedrich Karl war also nicht nur Komponist, sondern auch geistlicher Dichter. Aufnahmen existieren zur Zeit keine, im November 2018 wurden in Darmstadt Stücke von ihm aufgeführt.

    Mehr Musik ins Leben, mehr Leben in die Musik.

  • Und wo gehört dies dann nun hin?



    Zitat

    Dieses Stück wurde von Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1894 komponiert und getextet. Die Erlöse aus dem Verkauf der Noten kamen der Baufinanzierung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin zugute. Heute ist diese Komposition des Kaisers fast vergessen, seinerzeit wurde das Lied häufig aufgeführt, sogar dem osmanischen Sultan Abdülhamid II. soll es gefallen haben. Johannes Brahms hingegen amüsierte sich über die Komposition Wilhelms: So soll er im Lokal des Öfteren einen „Sang an Aegir“ bestellt haben, wenn er einen „Kaiserschmarrn“ wollte...

    Erinnert zuweilen an Hob. I:103, 2. Satz und „Ein Mädchen oder Weibchen ...“

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

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  • Der beste ist natürlich immer noch:



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    Clavierquartett f-moll op. 6


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    Clavierquintett C-Dur op. 1


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    Claviertrio As-Dur op.2


    Brian Connelly, Hammerflügel Conrad Graf 1826 (Sammlung Connelly)

    Sergiu Luca, Violine

    Kenneth Goldsmith, Violine

    Paul Cortese, Viola

    Nicholas Selo, Violoncello



    Notturno F-Dur op. 8
    Clavierquartett Es-Dur op. 5


    Beni Araki (Hammerklavier)
    Ensemble Sans Souci Berlin

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

  • Angeregt durch diesen Thread habe ich einmal vor der eigenen Haustür gesucht: Welche Landgrafen und späteren Großherzöge von Hessen-Darmstadt haben eigentlich selbst komponiert? Mindestens vier regierende Mitglieder des Hauses Hessen-Darmstadt lassen sich als Komponisten nachweisen.


    Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (1667–1739)

    Der Dienstherr Christoph Graupners war nicht nur ein ausgesprochen musikbegeisterter Fürst, sondern selbst Musiker und Komponist. Besonders bemerkenswert ist seine 1718 überlieferte Sammlung Partition de 12 Suites et Symphonies mit zwölf Orchesterwerken für Streicher und Basso continuo.


    Noch interessanter ist jedoch sein unmittelbares Eingreifen in Graupners Opernschaffen. Für Graupners 1715 in Darmstadt uraufgeführte Pastorale La costanza vince l’inganno (GWV 1011) komponierte der Landgraf selbst die Ouvertüre und Ballettmusik. Als das Werk 1719 in überarbeiteter Form erneut auf die Bühne kam, steuerte Ernst Ludwig offenbar wiederum eine eigene Ouvertüre bei.


    Das ist eine bemerkenswerte Konstellation: Der Landesherr beschäftigte Graupner nicht nur als Hofkomponisten und Kapellmeister, sondern wurde bei dessen Oper gewissermaßen selbst zum Mitkomponisten. Graupner schrieb die eigentliche Oper, sein Dienstherr lieferte Teile der Instrumental- und Tanzmusik. Gerade deshalb erscheint mir die Frage nach dem musikalischen Verhältnis zwischen beiden besonders reizvoll: Wie stark beeinflussten sich Graupner und sein komponierender Dienstherr Ernst Ludwig gegenseitig? Die Vorliebe des Landgrafen für französische Musik und Tanz dürfte für die Darmstädter Hofmusik jedenfalls nicht ohne Bedeutung gewesen sein.


    Landgraf Ludwig VIII. (1691–1768)

    Auch der Sohn Ernst Ludwigs komponierte. Sicher nachweisbar ist beispielsweise eine Ouvertüre E-Dur für Trompete, Streicher und Basso continuo. Eine kommerzielle Aufnahme davon habe ich bislang nicht gefunden. Gerade unter Ludwig VIII. entstand jedoch ein beträchtlicher Teil von Graupners Instrumentalmusik. Auch Telemann stand mit dem Darmstädter Hof in Verbindung.


    Landgraf Ludwig IX. (1719–1790)

    Bei ihm verschiebt sich das musikalische Interesse erheblich. Ludwig IX. war geradezu ein Enthusiast der Militärmusik und komponierte selbst zahlreiche Märsche für seine Truppen in Pirmasens. Er wurde deshalb später sogar als „des Reiches Erz-Tambour“ bezeichnet. Hier scheint mir allerdings noch einiges an Forschungsarbeit nötig: Welche dieser Märsche sind tatsächlich erhalten und eindeutig Ludwig IX. zuzuschreiben? Und welche davon existieren auf Tonträgern?

    Danach scheint die kompositorische Tradition bei den regierenden Darmstädtern zunächst abzubrechen. Für Ludwig I. bis Ludwig IV. habe ich bislang keine überzeugenden Belege für ein eigenes kompositorisches Œuvre gefunden.

    Umso interessanter ist der letzte Darmstädter Großherzog.


    Großherzog Ernst Ludwig (1868–1937)

    Auch er komponierte – und offenbar mehr, als man zunächst erwarten würde. Er erhielt musikalische Ausbildung bei dem Darmstädter Hofkapellmeister Willem de Haan und hinterließ Klavierwerke und Lieder. Zu den nachweisbaren Werken gehören unter anderem:

    • Erinnerungen an Ilinskoe (1890)
    • Tscherkessenlied nach Puschkin (1890)
    • Draußen – Sechs Stimmungen für Klavier (1915)
    • Walzer-Suite (1915)
    • sowie mehrere Liedsammlungen.

    Besonders interessant finde ich Draußen – Sechs Stimmungen für Klavier. Die Stücke tragen die Titel: Heimweh – Kindergeplauder – Sehnsucht – Frühlingsnebel – Morgenluft – Hoffnung. Die Uraufführung am 24. April 1915 in Darmstadt spielte immerhin Wilhelm Backhaus. Und die Musik ist keineswegs vollständig vergessen: 2024 wurde Draußen bei einem Konzert auf der Darmstädter Mathildenhöhe zusammen mit Werken von Debussy, Skrjabin und Reger aufgeführt und vom Deutschlandfunk aufgezeichnet.


    Damit ergibt sich eine kleine Darmstädter Reihe komponierender Regenten:

    • Ernst Ludwig (1667–1739) – Orchestersuiten und Sinfonien
    • Ludwig VIII. (1691–1768) – u. a. Ouvertüre E-Dur
    • Ludwig IX. (1719–1790) – Militärmärsche
    • Ernst Ludwig (1868–1937) – Klaviermusik und Lieder

    Besonders reizvoll finde ich die beiden Ernst Ludwigs: Der eine komponiert um 1718 französisch geprägte Orchestermusik, der andere fast 200 Jahre später spätromantische Klavierminiaturen. Kennt jemand von Euch weitere Aufnahmen dieser Werke – insbesondere Musik von Ludwig VIII. und Ludwig IX.? Und hat vielleicht jemand die alte LP 300 Jahre Musik in Darmstadt oder kennt weitere Einspielungen der zwölf Suiten/Sinfonien Ernst Ludwigs?


    Mich würde außerdem interessieren, ob es unter den nicht regierenden Mitgliedern des Hauses Hessen-Darmstadtweitere ernsthaft komponierende Prinzen oder Prinzessinnen gegeben hat.

    Mehr Musik ins Leben, mehr Leben in die Musik.

  • Ich würde noch Philipp zu Eulenburg (1847-1921) nennen, dessen Rosenlieder einst sehr beliebt waren. Aufgenommen wurden sie u.a. von Franz Völker, Walther Ludwig, Lotte Lehmann und Jochen Kowalski.

  • Ich korrigiere den Satz mal, denn aktuell fällt mir kein musikalisch begabter Adliger ein.

    Könige regierten nicht nur. Sie Förderten die Künste. Sie erhielten eine umfassende Bildung, wozu auch das Erlernen eines Musikinstrumentes gehörte. Sie komponierten zuweilen auch.

    Früher war eben alles besser, auch bei Königen.

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  • Lieber Orfeo


    Fakten sind immer gut. Ich habe mich mal schlau gemacht.


    Ich habe einen Blick in die Regenbogenpresse gewagt und erfahren, dass in der englischen Königsfamilie in der Vergangenheit und Gegenwart durchaus Musikinstrumente erlernt wurden und werden.


    https://www.gala.de/royals/bri…chen-royals-24124442.html


    Der dänische König Frederik X. spielt mehrere Musikinstrumente.


    Zum schwedischen Königshaus habe ich keine Angaben gefunden.


    Im norwegischen Königshaus gibt es musikalische Talente. Das bekannteste Beispiel ist König Haakon VIII. . Er spielt leidenschaftlich gerne Gitarre. Es gibt diverse Aufnahmen und öffentliche Auftritte, bei denen er sein Können an der akustischen oder elektrischen Gitarre unter Beweis gestellt hat.


    Kronprinzessin Leonor von Spanien, die ältere Tochter von König Felipe VI. und Königin Letizia, beherrscht ein Musikinstrument. Sie spielt seit ihrem sechsten Lebensjahr Cello. Die kürzlich verstorbene Schwester ihrer Grossmutter Sofia, Prinzessin Irene von Griechenland, war eine ausgebildete Profi-Pianistin.


    Ein Blick auf Übersee:

    Mehrere Mitglieder der kaiserlichen Familie von Japan spielen Instrumente auf hohem Niveau. Die klassische Musik hat in der Familie eine lange Tradition, und es ist üblich, dass die Mitglieder Streich- oder Tasteninstrumente erlernen.

    Der amtierende Tennō Naruhito spielt leidenschaftlich Bratsche (Viola) sowie Geige. Er trat in der Vergangenheit bereits öffentlich mit Universitäts- und Amateurorchestern auf. Die Tochter des Kaisers Prinzessin Aiko beherrscht das Klavier und die Geige.

    Der emeritierte Kaiser Akihito spielt Cello. Die Frau des emeritierten Kaisers Michiko ist eine versierte Pianistin. Sie begleitete ihren Ehemann und ihren Sohn früher oft bei privaten Hauskonzerten.


    In meinem Musikzimmer hängt eine Fotografie des zurückgetretenen Kaisers Akihito, das ihn vergnügt beim Bratschespielen aus einer Schubert-Partitur zeigt. Es ist mir täglicher Ansporn bei meinem Erlernen dieses Streichinstrumentes.