Die liebsten Klaviersonaten der Taminos

  • Also eine Klaviersonate ist für mich ein Solowerk für Klavier in Sonatensatzform.

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Zitat

    Davon abgesehen würde mich immer noch interessieren, welche Werke als die frühesten Klaviersonaten gelten.


    Das ist insoferne schwer zu beantworten, weil die Definition einer Klaviersonate nicht ganz klar ist. Aber Scarlatti ist sicher einer der ersten, der etwas in dieser Richtung komponiert hat.


    So richtig los mit der "klassischen" Klaviersonate geht es aber wieder einmal mit Haydn...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo,


    Der Begriff "sonata" heißt ja nur "klingen" (zur Abgrenzung von der Vokalmusik). Eine frühes und berühmtes Beispiel wäre da die Sonata pian e forte.
    --> zwei Sonatentypen: Sonata da camera (3 sätzig), Sonata da chiesa (4 sätzig)


    Ab wann spricht man aber nun von der "Klaviersonate" so wie wir heute? Kuhnau (1660-1722) hat zwei Sonatenzyklen veröffentlicht. Domenica Alberti (1710-1740) hat viele Sonaten geschrieben, der eben erwähnte Scarlatti (einsätzig), Carl Phillipp Emanuel Bach, Johann Christian Bach (vorallem zwei- und dreisätzig), aber für den Sonatentypus mit Sonatenhauptsatzform, da gelten Haydn und Mozart als Initiatoren.


    Viele Grüße,
    Daniel :hello:

  • Die Scarlatti-Sonaten sind Grenzfälle. Sie sind alle einsätzig und meist in einer (her zweiteiligen, jeder Teil wird wiederholt) Vorform der Sonatensatzform geschrieben. Sonaten, die wir vermutlich eher als solche in unserem Sinne erkennen und akzeptieren würden, gibt es aber von CPE Bach (weiß nicht genau, aus welcher Zeit, ca. 1750er)
    Man darf bei alledem nicht vergessen, dass "Sonatensatzform" eine (nachträgliche) Abstraktion ist. Weder Haydn noch Mozart hatten ein Schema "1. Thema, Überleitung, Modulation, 2. Thema, Schlußgruppe, Durchführung usw." vor sich:, sondern bis auf sehr wenige Grundstrukturen (Modulation zur Dominante in der Expo, Auflösung dieser Spannung im Rest des Satzes) herrschte große Freiheit (was Haydns Werk ausführlich demonstriert). Wen das interessiert, der sollte mal in Rosen "Der klassische Stil" reinschauen; sehr lesenswert (leider nicht ganz einfach, ein Minimum an Musiktheorie ist notwendig)


    Es gibt von Haydn und Beethoven etliche zweisätzige Sonaten, es gibt Sonaten ohne echten "Sonatenhauptsatz" (z.B. Mozart KV 331 und Beethoven op. 26); später fünfsätzige (Brahms #3) oder einsätzige Werke wie die Liszt-Sonate, die dennoch in ihren Abschnitten teils die "alten" Satztypen erkennen läßt. Mir harten Kriterien kommt man hier nicht weit...
    (bei der Klaviersonate von Ives benötigt man sogar eine Bratsche und eine Flöte, nebst deren Spielern!)


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Liebe Leute,


    Die Sonate (kommt von "sonare", lat.: klingen) entstand offenbar im ausgehenden 16, Jahrhundert und bezeichnete ursprünglich nichts anderes als ein Instrumentastück ohne festliegendes Formschema.
    Im Barock kam es zur Ausdifferenzierung in Kirchen- und in Kammersonate und zur von Johannes bereits erwähnten Zweiteiligkeit der Sätze, die auch in den Scarlatti-Sonaten zum Tragen kommt (A B, meist wiederholt, also AABB). Besetzungsmäßig gehören Kammer- und Kirchensonate meist zum Typ der Triosonate (2 Oberstimmen + Continuo-Stimme).
    In der Klassik organisierte sich die Form zunehmend auf die Sonatenhauptsatzform hin (Exposition mit zumeist 2 Themen, Durchführung, Reprise, Coda, wie wir's brav im Musikunterricht gelernt haben...). Bei Beethoven verdichtete sich das "musikdramaturgische" Geschehen in der Durchführung, die äußerste Eigenständigkeit im musikalischen Prozess erreicht.
    Die Romantik arbeitete mit oftmals noch mehr Themen (als den zwei in der Klassik üblichen), die Sonatensatzform weichte weiter auf, der Formaufbau entwickelt sich aus dem Prinzip "vorherbestimmter Konstruktion" (das eigentlich schon durch den späten Beethoven gesprengt wurde) immer weiter in Richtung "Intuition"bzw. formaler Vielfalt.
    Das führte letztenendes dazu, dass der Begriff "Sonate" ein Sammelbegriff für vielerlei Formprinzipien wurde. Am besten ist es wohl, man hält sich an die Definition der Komponisten - überall, wo Sonate draufsteht, ist auch Sonate drin...


    Bei Gelegenheit poste ich dann auch noch meine Lieblingssonaten.
    Liebe Grüße :hello:
    dab

  • cpeb "württembergische" nr1 wq 49/1

    moz a-moll kv310


    moz a-dur kv331 (gould 8o )


    beet nr15 d-dur op28 "pastorale"


    beet nr21 c-dur op53 "waldstein"


    schub a-moll d784


    schub a-dur d959 (afanassiev auf denon, nicht meine lieblingssonate, aber meine lieblingsinterpretation :D )


    liszt


    janacek 1.X.1905


    und die geforderte nummer eins:


    schub b-dur d960 (auch mit afanassiev auf (wichtig!) denon)



    große einschränkung: ich habe mir sämtliche von haydn gekauft und bin aber noch nicht durch damit. da kommt sicher was unter die ersten 10...

  • Hallo observator,


    leider kann ich Deine Auflistung nicht mit in die Wertung aufnehmen, da mir die Komponisten Cpeb, Moz, Beet und Schub nicht bekannt sind.


    LG, Cosima ;)

  • Liebe Cosima, liebe Taminos,


    ich habe, wie manch anderer auch, meine Schwierigkeiten mich auf 10 Sonaten zu beschränken, mit den Interpreten ist es auch nicht so einfach, da sich meien Präferenzen im einen oder anderen Fall schon mal verschieben. Daher: Alle Angaben wie immer ohne Gewähr!


    Mozart: D-Dur KV284 (Zacharias), a-Moll KV310 (Pires)


    Beethoven: C-Dur op.53 "Waldstein" (Brendel), B-Dur Op.106 (Pollini), As-Dur op.110 (Gilels)


    Schubert: a-Moll D845 (Pollini), A-Dur D959 (Lupu)


    Prokofjew: B-Dur op.83 (Gavrilov)


    Skrjabin: gis-moll op.19 (Hamelin)


    Und, eine schummle ich jetzt ganz bewußt:


    Ravel: Sonatine(Moravec)


    Ich finde die Beschränkung auf Klaviersonaten schwierig - ein gewichtiger Anteil der vor- und nachklassischen Klaviermusik bleibt bei dieser Gattungsbeschränkung schlichtweg auf der Strecke - Klavierkomponisten wie Chopin bleiben bei mir außen vor, da seine 3 Sonaten nicht zu meinen Favoriten zählen. Wären ganz allgemein 10 Klavierstücke gefragt gewesen, hätte Chopin sicher Eingang in meine Liste gefunden. Knapp verfehlt haben meine "Bestenliste" die KS von Samuel Barber und die eine oder andere Scarlatti- und Haydn-Sonate - bei beiden konnte ich mich angesichts der Fülle nicht recht entscheiden...


    LG :hello:
    Daniel

  • Also ich finde die a-Moll Mozart Sonate von Glenn Gould eine Meisterleistung und nach einmaligem Hören konnte ich mir keine andere Interpretation mehr anhören, ohne einzuschlafen. Das Virtuose von Gould ist beeindruckend, sowie die Klarheit und das Tempo - ich meine hiermit vor allem den ersten Satz.

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • ... Ja, das ist die Gefahr bei den (zweifelsohne fulminaten) Gould-Aufnahmen - wenn man sich erst mal an seinen explodierenden Mozart gewöhnt hat, kommt'e einem vor, als spielten die anderen mit angezogener Handbremse...


    LG :hello:
    dab

  • Beethoven
    Op.2 Nr.2
    Pathetique
    Waldstein
    Berg
    Op. 1
    Mozart
    KV 545
    KV 333
    KV 330
    Liszt
    h-moll
    Schubert
    D958
    D960


    Kenne meistens nur eine Aufnahme, kann daher keinen Lieblingspianisten benennen. Die Angabe erfolgte ohne Favorisierungen, kann keine Wertung vornehmen. Vielleicht Beethovens Op. 2 Nr.2, der ich seitdem ich sie das erste mal gehört habe verfallen bin.

  • Ludwig van Beethoven:
    Sonate Nr. 14 cis-moll op. 27.2. "Mondscheinsonate" (mein Top-Hit)
    Sonate Nr. 21 C-Dur op. 53 "Waldstein"
    Sonate Nr. 8 in c-moll op. 13 "Pathétique"
    Sonate Nr. 21 C-Dur op. 106 "Waldstein"


    W.A. Mozart:
    Sonate in A-Dur, K 331
    Sonate in B-Dur, K 281


    Franz Schubert:
    Wandererfantasie in C-Dur D 760 (meine Nr. 2)
    Sonate in G-Dur D 894


    Leos Janácek:
    Auf verwachsenem Pfade


    Pierre Boulez:
    Deuxième Sonate pour Piano


    Danke für die Eröffnung dieses Threads. In Vorbereitung hörte ich wieder die Werke, die ich gerne höre - etwas schizophren, warum muß ich auf einen Denkanstoß warten?

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Um mein uninteressantes Jugendleben preiszugeben:
    Es ist wirklich die Mondschein-Sonate. Sie war eine der ersten "Füllschriftplatten", die ich in meiner Post-Presley-Aera kaufte.
    Der Interpret war Geza Anda, das Label Columbia.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Zitat

    Original von Rienzi
    Franz Schubert:
    Wandererfantasie in C-Dur D 760 (meine Nr. 2)
    Sonate in G-Dur D 894


    Na wenn die Wandererfantasie zugelassen ist dann verstoße ich für sie D 845 (oder doch lieber D 894 ?).

  • Verstehe ich nicht, verehrter Theophilus


    R

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")


  • :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • gleich doppelt verdoppelt...


    op. 106 [Sonate Nr. 29] ist dem Erzherzogkollegen Rudolph gewidmet und steht in B-Dur.


    :hello:

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Danke, das kommt von der hirnlos angewandten Kopier-Funktion.
    Ich meinte die Sonate für Hammerklavier.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • sehr geehrter Rienzi,


    ich hoffe du fasst es als spass auf, aber die waldsteingeschichte passt irgenwie zu deinem avatar ;)


    gruß, siamak

    Siamak

  • fasse ich es als Spaß auf.
    Wie sagte doch der große Philosoph Heinz Erhard: "Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung".

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Eine zweite Zwischenbilanz:


    Liszt h-moll (9 Stimmen)
    Beethoven, Nr. 21 op. 53 Waldsteinsonate (8 Stimmen)
    Beethoven Nr.29 op.106, 'Hammerklavier' (8 Stimmen)
    Beethoven Nr.23 op.57 'Appassionata' (7 Stimmen)
    Chopin Nr.2 op.35 (7 Stimmen)
    Schubert D.960 (6 Stimmen)
    Mozart KV 310 (6 Stimmen)
    Beethoven Nr. 32 op. 111 (5 Stimmen)


    Mozart ist aufgerückt, Liszt geht in Führung - ansonsten hat sich nicht viel getan.


    Ich würde gerne das Augenmerk auf ein paar Außenseiter-Nominierungen lenken, die ich nicht kenne, die mich aber interessieren könnten:


    Grieg, e-moll, op. 7
    Alban Berg: Klaviersonate op. 1
    Paul Hindemith: Klaviersonate Nr. 3
    Pierre Boulez: Deuxième Sonate pour Piano


    Gibt es Meinungen und Empfehlungen dazu?


    Gruß, Cosima

  • Zitat

    Original von Cosima


    Alban Berg: Klaviersonate op. 1
    Paul Hindemith: Klaviersonate Nr. 3
    Pierre Boulez: Deuxième Sonate pour Piano


    Gibt es Meinungen und Empfehlungen dazu?


    Liebe Cosima,


    Bergs Klaviersonate habe ich in einer Einspielung mit Maurizio Pollini- Pollini hat sich ja immer sehr für die Moderne stark gemacht. Und die Tugenden seines Spiels (Neben einer gwissen Kühle- anaytische Durchdringung, Formbewußtsein und ein stählern-federnder Zugriff) bekommen Berg´s Komposition ausgesprochen gut:



    Glenn Gould hat Hindemiths drei Sonaten eingespielt. Die Platte habe ich aber seit Ewigkeiten (so, sechs, sieben Jahre nicht gehört) liegt aber gerade im Player( im Moment Sonate No. 1)- später dann mehr dazu:




    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian


    P.s.: Gould hat auch Berg eingespielt, die Aufnahme kenne ich allerdings nicht.

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Ist echt eine verdammt schwierige Frage dich ich - ehrlich gesagt - nicht beantworten kann.
    Sicherlich gibt es bei mir klavierSTÜCKE die ich mein Leben lang in und auswendig kenne, aber ob das jetzt meine Lieblingssonate ist...


    Ich versuchs halt mal: (Die Reihenfolge ist unerheblich)


    Schuman - Kreislerinan
    Beethoven - Waldsteinsonate
    Schubert - Wandere Fantasie
    List - Dante Sonate (meine Lieblingssonate!)
    (und jetzt: hoffe das zählt auch dazu)
    Liszt - Horowitz: UR Nr. 13 (dem Schluss wegen)
    Sousa . Horowitz: Stars und Stripes (gespielt von Volodos)
    Liszt: Sämtliche Opernparaphrasen


    es gint auch einige Haydn- Mozart- Schubert Sonaten die ich hier aufzählen könnte, aber ich weiß leider auf Anhieb nicht welche das jetzt sind, da ich sie schon ewig nicht mehr gehört habe :rolleyes:

  • Mozart:KV 310,331
    Beethoven:Mondschein,Waldstein,Pathétique,Appassionata,
    Hammerklavier
    Schubert:Wanderer, G-Dur
    Liszt:h-moll

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Liebe Taminos,


    uuups- dieser Thread ist doch ziemlich eingeschlafen. Aber es wäre doch wirklich interessant welche Klaviersonaten unsere "Neuen" schätzen. Also traut Euch!:D


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

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