Gänsehautstellen

  • Es gibt drei Bäche, die mir Gänsehaut machen:


    Matthäuspassion: "Ich will Jesum selbst begraben" (Fischer-Dieskau und Münchinger aus den 60ern)


    "Widerstehe doch der Sünde" a. Satz mit Yoshikazu Mera und dem Japanischen Bach Collegium unter Suzuki (BIS)


    und


    "Ich habe genug" mit Siegfried Lorenz und dem Neuen Bachischen Collegium Musicum unter Max Pommer (Capriccio).



    LG
    M



  • Ganz meine Meinung! Die ganze CD ist großartig! Und sie enthält gleich mehrere Gänsehautstücke. Besser als das Huelgas Ensemble kann man´s nicht machen.



    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Zitat

    Zitat Michael Becker: "Widerstehe doch der Sünde" a. Satz mit Yoshikazu Mera und dem Japanischen Bach Collegium unter Suzuki (BIS)


    Ja, Mera hat's wirklich drauf! Und das Bach collegium ist phänomenal: Die agieren stilistisch so einwandfrei, dass sich so manches Ensemble aus good old Europe eine Scheibe davon abschneiden könnte. Geradezu pervers perfekt ist das Deutsch des Chores.


    LG :hello:
    Daniel

  • dafür ist Meras Deutsch aber ziemlich goldig: Er lispelt wie die Hölle und hat ansonsten wahrscheinlich beim Chor Unterricht genommen.


    Wusstest Du, dass er in Japan als Schnulzensänger angesagt ist? Butterfly Lovers und ähnliches.


    LG
    M

  • Sagitt meint:


    es war ja meine erste Platte,1959, das fünfte Beethoven-Konzert mit Kempff. Der zweite Satz fiel mir nicht besonders auf, ich fand ihn eher ein wenig dröge zwischen den mächtigen anderen beiden Sätzen.
    Bis ich die Aufnahme von Michelangeli bekam. Er zelebriert diesen Satz ungeheuer,gibt ihm klassische Würde, mit überaus gleichmäßigen Trillern, einem perfekten Anschlag, dass man den dritten gar nicht mehr hören möchte ( insbesondere, wenn er geholzt wird, wie Gilels mit Masur, bei dem man den Eindruck hat, er ist froh, dass es wieder zur Sache geht)

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Gerade wieder gehört:


    In Bachs Matthäuspassion die Stelle nach dem Erdbeben, das einem schon durch Mark und Bein geht mit diesen rasenden Läufen - und dann die Takte: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen. Dieser plötzliche Umschwung in der Atmosphäre, in der Partitur sieht es ganz einfach aus, klingt aber so, dass ich wirklich Gänsehaut bekomme.


    Das ist für mich eine der Stellen an denen sich entscheidet, ob ich eine Aufnahme gelungen finde oder nicht.


    Es grüßt Euch Carola :hello:

  • "Jesus Christus, Gottes Sohn" von Johann Pachelbel.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Hallo Anna-Beate,


    keine Arie zwar,aber der Finalgesang Sarastros,nachdem Blitz und donner die Königin der Nacht samt ihrem Hofstaat zur Hölle fahren ließ und B-Dur sowie Es-Dur-Akkorde die Welt der Eingeweihten öffnet.
    "Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht,
    zernichten der Heuchler erschlichene Macht."


    Bei mir stellt sich auch immer ein wohliger Schauer ein,wenn ich diese Musik höre.


    Vielleicht stellt sich bei dir doch noch so etwas wie Freude an der Oper ein.Fang mit Mozart an,das ist nie falsch.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo,


    Einiges aus Opern von Mozart gefällt mir durchaus. Teilweise sind das die sehr populären Stücke wie die Registerarie aus Don Giovanni. Oder auch die Arie des Papageno "Ein Männchen oder Weibchen" aus der Zauberflöte.


    Aber Oper am Stück ist zur Zeit nicht das, was mich anspricht. Weder als Vorführung noch als Gesamtaufnahme für zu Hause.


    Das ist merkwürdig, denn als Kind / junges Mädchen bin ich mit meiner Mutter nur in Opern, Operetten gegangen. Und hatte meine Freude daran.

    Anna-Beate

  • Hallo,


    eben ist mir eine herrliche Gänsehautstelle begegnet:


    Dvorák - Symphonie Nr.8 op.88, 4.Satz


    Und zwar fast am Ende.
    Wir sind noch einmal in der letzten ruhigen Phase, die Querflöte (nach meinem Laiengehör) hält den Ton aus, das Orchester im Hintergrund scheint zu verstummen, es ist kaum hörbar - in mir fängt es an zu kribbeln, Spannung baut sich auf - die Sehnsucht nach dem folgenden Ausbruch wächst, die Stelle scheint aber unglaublich lang, sie dehnt sich immer mehr, schier ohne Ende und dann ganz plötzlich - der Ausbruch - Fantastisch :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: (Dito das Finale :yes: )



    Liebe Grüße, Maik

    Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.


    Sirach 32, 7

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Maik: So wie du das beschreibst erinnert mich das auch an den Schluss von Beethovens 4. Sinfonie :) genial!!!

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Hallo Rappy,


    die kenne ich gar nicht - auf alle, wenn ich sie jemals gehört haben sollte, kann ich mich nicht erinnern.


    Genial war es allemal :D


    Liebe Grüße, Maik

    Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.


    Sirach 32, 7

  • Ein Stück mit Nazivergangenheit,wofür der Komponist jedoch nichts kann:
    Franz Liszt : Les Préludes.
    Grandios,wenn das Blech einsetzt,das macht Gänsehaut.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Stimmt, Siegfried, dieses Stück gehört rehabilitiert!

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Es wurde sogar im vorigen Jahr in einer Live-Übertragung von Ö1 gespielt. Und das ist insoferne auffallend, dass es das erste Mal war, dass ich es sozusagen direkt hören konnte. Auch auf Tonträgern kam es in den letzten 50 Jahren nur eher selten vor (im Vergleich zu ähnlichen Zugstücken). Aber langsam scheint sich der Bann doch zu lösen...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Sagitt meint:


    Fischer-Dieskau ist gelegentlich im thread schon erwähnt worden. Seine Darstellung der Baßpartie in der Matthäus-Passion 1959 mit Richter ist eine einzige Gänsehautstelle. Unüberbietbarer Gesang. So warm und innig. Absolute Referenz.
    Das wurde aber bereits erwähnt. Ich will auf eine andere Gänsehautstelle hinweisen. Schlummert ein aus BWV 82. Reine Trostmusik gegen das Elend der Welt, der Sterbens und des Todes. Wie Dieskau das singt, vor allem in seiner frühen Aufnahme von 1950, ist schlicht perfekt. Die Stimme ist ganz warm timbriert, die Süße, das Trostreiche ist perfek gestaltet. Ein Gefühl von Aufgehobensein wird vermittelt. Das Timbre war ja noch dunkler.Mir gefiel diese Stimme am besten aus der langen Zeit einer Sänger-Karriere.

  • Lieber Sagitt,


    das " Schlummert ein, ihr matten Augen" aus BWV 82 gehört zu meinen ganz wichtigen Trostmusiken!Es ist wie eine sanfte aber sichere Umarmung!


    Die von Dir genannte Aufnahme mit Fischer-Dieskau kenne ich leider nicht - könntest Du vielleicht nähere Angaben machen? Vielleicht sollte ich mich da dem " edlen Mono" stellen? Sie interessiert mich in jedem Fall sehr!


    Mir gefällt Thomas Quasthoffs Interpretation derzeit am Besten. Durchaus nicht glatt gesungen- eine seltsam warme Gebrochenheit geht für mich von dieser Bass- Arie aus.


    Gruß
    Stefan

    Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

  • Hallo Oolong-Stefan


    Fischer-Dieskau hat diese Kantate mehrfach aufgenommen. Ich kann leider keine Bilder einstellen,deswegen die Beschreibung: 1950 mit Karl Ristenpart, bei der DG( Archiv), 1970 mit Karl Richter ( ebenfalls Archiv).
    In dieser Arie ist er durch niemanden zu "toppen", weil die Fähigkeit,die Stimme einzufärben ohnehin nur wenigen zu Verfügung steht. In guten Momenten Thomas Hampson und Max van Egmond, aber beide nie so perfekt wie Fischer-Dieskau. Thomas Quasthoff ist ein großartiger Sänger,aber seine Stärke ist die Kraft der Stimme und deren Umfang, nicht der lyrische Charakter. Gerade die von Dir beschriebenen Gefühlsmomente werden dadurch nicht optimal realisiert.


    Schöne Grüsse


    Sagitt

  • Danke, Sagitt!


    Ich habe mir diese diese Aufnahme beim Dreibuchstabenversand vorgemerkt!


    So unterschiedlich ist der musikalische Geschmack: Während ich in Quasthoffs Kantaten- Aufnahme diese durchaus lyrische Gebrochenheit heraushöre, gelang mir dies in den Aufnahmen, die ich von Thomas Hampson kenne überhaupt nicht.Ich gebe gern zu,daß ich nicht all zu viel von ihm gehört hab ( Kantaten gar nicht)- dennoch steht er bei mir für eher geglätten Schöngesang :stumm: ! Wohl daher kann ich wenig mit ihm anfangen


    Viele Grüße nach Bremen :hello:


    Stefan

    Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Banner Strizzi
  • Sagitt meint:


    Erstes Grün, Nr. 4 von op. 35,Schumann.
    Gesungen von Fischer-Dieskau,begleitet von Günter Weissenborn,Wien 1957.
    Perfekt
    Ergreifend
    Gänsehaut PUR

  • Was für ein Zufall, habe mich gerade entschlossen, eine meiner Gänsehautstellen zu nennen: auch Schumann - nämlich


    Aus den Märchenbildern op 113 No 4:


    Langsam, mit melancholischem Ausdruck


    am liebsten in dieser Aufnahme mit Kim Kashkashian und Robert Levin



    Das höre ich oft als versöhnlichen, ja tröstlichen Abschluss von intensiven Hörabenden.


    Mit besten Grüßen


    Matthias

    Tobe Welt, und springe,
    Ich steh hier und singe.

  • Hallo Oolong,


    ich wollte mich gar nicht für die Intrepretationen von Hampson einsetzen, sondern nur darauf hinweisen, dass er die Technik der Mischung von Ober-und Bruststimme sehr gut beherrscht.
    Man höre, wie er "Tränen" ih BWV 56 singt, das ist zwar zurückgenommen, aber doch eigentlich Bruststimme. Schon wie er diese Kantate beginnt, klingt das mehr nach " Ich will...gerne..," und weniger nach Kreuzstab.
    Ich will diese Aufnahme keinesfalls abwerten. Quasthoff beherrscht seine Stimme optimal,auch in den Koloraturen, aber hier geht es um "Gänsehaut"- und die erzeugt er mit dieser Aufnahme bei mir nicht.


    Schöne Grüsse


    Sagitt


    P:S. Nimm die frühere Aufnahme mit Fischer-Dieskau ( Ristenpart 1950), wenn Du Dich für eine interessierst.

  • Hallo Sagitt,


    genauso hatte ich Dich auch verstanden, keine Sorge! Mir ging es ebenso nicht darum, Hampson herabzusetzen, da ich seine Kantate ja nun gar nicht kenne. In anderen Aufnahmen von ihm hab ich aber gespürt, daß seine Art zu singen nicht meinen Geschmack trifft.


    So werde ich dem geschätzten Herrn Quasthoff bald den jungen Fischer Dieskau nebst Herrn Ristenpart zur Seite stellen.


    Danke nochmal!


    :hello:
    Stefan

    Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

  • Doch nun nochmal eine richtig dicke Gänsehaut:


    das Finale von Mozarts Figaro!!!


    Wenn nach eher bewegtem Geschehen Almaviva sein " Contessa perdono" ansetzt und ihm die Gräfin mit " Piu docile io sono..." antwortet, möchte ich mit dem Salieri aus " Amadeus" sagen: " dies ist die Musik der vollständigen Vergebung!"


    Und ich steh mit offenen Mund dabei... :jubel: :jubel:


    Gruß
    Stefan

    Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Hallo!!


    Das Finale aus der Hochzeit des Figaro ist wohl Mozarts intimste Musik. Er zeigt hier so unbeschreiblich einfühlsam, wie der leichtlebige vor der Frau seines Herzens um Vergebung bittet. Einfach nur wunderschön. ;( ;( ;( ;( ;(


    Aber auch die Höllenfahrt des Don Giovanni ist einfach umwerfend. Die bedrohende Stimme des Komturs macht Angst und Gänsehaut. Mozarts Musik ist voll von Gänsehautstellen, sie aufzuzählen, wäre Eulen nach Athen Tragen.


    LG Joschi

  • lieber Siegfried, mir ergeht es auch bei Sarastros "In diesen Heil'gen Hallen" und bei der Schlussszene mit den Strahlen genauso wie Dir... wobei mir kommen noch die Tränen, weiss nicht warum.


    ... und die Obergänsehautmusik ist für mich das Adagio auf dem Klarinettenkonzert von Mozart, und das nicht nur wegen dem Robert Redford :jubel:

    WHEN MUSIC FAILS TO AGREE TO THE EAR;
    TO SOOTHE THE EAR AND THE HEART AND SENSES;
    THEN IT HAS MISSED ITS POINT
    (Maria Callas)

  • Liebe nala,


    ich mag das Adagio durchaus sehr- muß hier aber sagen TROTZ Robert Redford!


    Wurde ich doch von meiner Frau bei Androhung ewiger Verbannung gezwungen, diesen Film anzuschauen und hoffte die ganze Zeit auf einen Löwen, der den Fernsehabend durch kulinarisches Eingreifen abkürzt. :stumm:
    Doch er blieb aus!
    Nicht mal Wolferls Klarinette konnte da mein Leiden mildern...


    Pfui, böser Stefan... :angry: :motz:


    Nichts für ungut bitte :hello:


    Viele Grüße
    Stefan

    Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

  • Hallo Oolong,



    Das Verhallen des letzten Akkordes von "Jesu joy of man's desiring" (Klavierbearbeitung von einem Choral aus Bachs Kantate 147 - Myra Hess).
    Da werde ich noch immer zum Tiefsten gerührt.


    LG, Paul


  • Salut,


    fast ein Jahr ist's schon her:


    Magische Momente in der Oper


    :hello:

    You might very well think that. I couldn't possibly comment.“ (Francis Urquhart)

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Banner Strizzi