• Hallo,


    ich bin bei der Suche nach Mozarts KV 332 zufällig über Earl Wild gestolpert. Ich weiß nichts über ihn, außer dass er 1915 in Pittsburgh geboren wurde (er lebt wohl noch, oder?) und in den USA sehr viel bekannter und angesehener war als in Europa. Sein Stil wird als „US-typisch brillant und sehr objektiv bis leicht unterkühlt“ beschrieben.


    Es existiert eine CD, für die mich interessiere – Earl Wild soll sie im hohen Alter von 88 Jahren eingespielt haben. Sie enthält neben Werken von u.a. Beethoven, Balakirev und Chopin eben jene Mozart-Sonate. Irgendwo las ich auch, dass Wild als Mozart-Interpret sehr angesehen war.



    Kennt jemand diese CD? Oder kann und möchte generell etwas zu Earl Wild sagen?


    Gruß, Cosima

  • hallo Cosima,


    also dass earl wild als mozart-interpret sehr angesehen war , mag auf bestimmte kenner zutreffen (ich hörte ihn nicht), aber bekannt war er für das hochvirtuose repertoire und gershwin ! mozart auf dem US-markt wurde vereinnahmt von serkin, casadesus, horscowski und dem späten rubinstein.


    gruß, siamak

  • Hallo Siamak,


    mir geht es vorrangig ja gar nicht um Mozart. Mir fiel der Name Wild schon öfter im Zusammenhang z.B. mit den Rachmaninow-Konzerten auf. Und mein Gedanke war gestern: Wenn ein Pianist mit 88 Jahren noch eine (vorrangig wohl in den USA) hoch gelobte CD einspielt… wie war er dann erst in jungen Jahren?


    Gruß, Cosima

  • Liebe Cosima,


    wenn ich mich richtig erinnere meine ich in einer der letzten Ausgaben der blau-gelben Gazette die Rezension einer Mozart-CD von Earl Wild gelesen haben- Tenor ziemlich mäßig.


    Ansonsten ist mir Earl Wild nur dem Namen nach ein Begriff. Aus irgendwelchen Gründen habe ich nie den Drang verspürt mir eine Aufnahme von ihm zu kaufen.


    Herzliche Grüße, :hello: :hello:


    Christian

  • Liebe Cosima, liebe Taminos,


    ... naja, für seine Mozart-Interpretationen hat sich Wild seinen in den USA funkelnden Namen meines Wissenes nach nicht verdient. Er ist ein absolutes Ass, wenn's um Transkriptionen, Opernparaphrasen und ähnliche "Fingerbreakers" geht. In diesem Repertoire hat sein Spiel wirklich eine weltläufige Nonchalance, sehr aristokratisch und Klangschön, mit einem zarten Anflug von Décadence (das liegt sicher auch am Repertoire), ein wenig wie Cherkassky in seinen besten Tagen, aber manuell zuverlässiger. Er wurde auch mit einer Doppel-CD in der "Great Pianists"-Reihe veröffentlicht. Es lohnt sich ein paar Virtuositäten mit ihm zu hören.


    Liebe Grüße :hello:
    Daniel

  • Hallo,


    auch mir ist Earl Wild nur als Interpret für das typische amerikanische Repertoire Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt.
    Ich besitze eine CD mit ihm, die mir sehr gut gefällt. Zumindest so gut, dass ich nicht nach einer Alternative Ausschau halte:



    George Gershwin:
    Rhapsody in Blue + Klavierkonzert in F; Ein Amerikaner in Paris;
    I got Rhythm-Variationen
    Earl Wild, Boston Pops Orchestra, Arthur Fiedler


    Das dürfte ja sowieso fast die Optimalkonstellation für solche Musik sein!



    Gruß, Peter.

  • Hallo allerseits,


    es ist ein Elend mit mir, ich bin furchtbar leicht durch euphorische Rezensionen neugierig zu machen.


    Auf c*lassics*today vergab ein Kritiker Höchstnoten für künstlerische und Klang-Qualität. Außerdem schrieb er: „When you hear this disc, you'll believe in miracles. Buy it.“ Vielleicht meint da aber auch jemand nur, dass es ein Wunder sei, wenn ein 88-Jähriger überhaupt noch Klavier spielen kann :rolleyes:. Ich werde es herausfinden.


    Kurzum: Ich habe die Recital-CD doch geordert und berichte dann in einigen Wochen, ob ich zum Wild-Fan geworden bin.


    Die CD aus der Great-Pianists-Edition wird übrigens derzeit für rund 200 Euro angeboten. Soviel würde ich nicht mal für S. Richter ausgeben.


    Gruß, Cosima

  • hallo Cosima,


    also wenn du einen greis mit höchstleistungen am flügel erleben möchtest, der selbst jungen göttern großes erstaunen abverlangt, dann greife doch zu vladimir horowitz und arthur rubinsteins last recital !


    gruß, siamak

  • Hallo,


    Earl Wild gehört zu meinen absoluten Lieblingspianisten.
    Es ist ja schon einiges zu ihm berichtet worden, was ich gerne noch ergänzen möchte.
    Die Rachmaninoff-Konzerte mit ihm unter Horenstein sind in der Tat ganz hervorragend, obwohl es einige Ungenauigkeiten gibt, was sich wohl damit entschuligen läßt, daß dies Aufnahmen für "Readers Digest" waren, sogenannte "Schnellschüße" halt und 1965 in nur 2 Tagen komplett aufgenommen wurden.
    Wild hat eine ganz bemerkenswerte Oktavtechnik und mit seine beste Aufnahme und überhaupt eine der beeindruckensten Einspielung eines romantischen Konzertes ist diejeinige des sehr schönen Paderewski a-moll Konzertes und seiner Fantasie über polnische Themen unter Fiedler.Leider ist die CD gestrichen.Man kann aber über Wild's Hausfirma Ivory-Classic versuchen, noch ein Exemplar zu ergattern.
    Wild war der Pianist des NBC-Sinfonieorchesters unter Toscanini und es gibt eine sehr empfehlenswerte Aufnahme der Rhapsody in blue von Gershwin mit ihm unter Toscanini.
    Mit dem Nachfolger des NBC-Orchesters, der "Symphony of the Air", welche noch bis 1962 bestand, machte er Aufnahmen der Konzerte von Menotti und Copland für Vanguard, welche ich ebenfalls sehr liebe.
    Außerdem hat er recht viel in den 60ern für "Readers Digest" aufgenommen.Grieg unter Leibowitz, Liszt unter Sargent, Dohnanyi unter Chr.von Dohnanyi, Macdowell unter Freccia, alles Beispiele seiner überwältigenden, nie donnernden Technik.Seltsam blaß ist für mich allerdings seine Einspieung des Tschaikowsky b-moll Konzertes unter Fistoularie.
    In seinen Bearbeitungen hat man ihm des öfteren vorgeworfen, nur zeigen zu wollen, wie virtuos er spielen kann, aber zum Beispiel die Aufnahme der "Porgy and Bess"-Suite ist für mich ein Beispiel dafür, wie ein Pianist scheinbar mit drei Händen spielt, das eigentliche Orchester und auch die enormen Technikanforderungen vergessen macht, übrig bleibt purer Musik-und Hörgenuß.Schade nur, daß er meistens einen etwas flach klingenden Baldwin-Flügel bevorzugt.
    Zu seinen Mozart-Aufnahmen kann ich leider nichts sagen, aber warum sollte ein geschmackvoller, in allen Stilen bewanderter und mit einem sehr schönen Anschlag gesegnter Pianist nicht eine interessante Aufnahme hinkriegen.Jedenfalls ist es schon ein Wunder, wie Earl Wild sich seine Technik bis ins Greisenalter bewahrt hat.Ich bin sehr gespannt auf die Eindrücke von Cosima.


    Viele Grüße,


    Michael

  • An Siamak: Von den anderen alten Herren habe ich schon Einspielungen aus jüngeren Tagen. Jetzt muss es der wilde, alte Wild sein.


    An Michael: Schön, dass sich noch ein glühender Fürsprecher gefunden hat, das steigert meine Vorfreude enorm. Ich werde berichten.


    Gruß, Cosima

  • Liebe Cosima,
    ich freue mich sehr über Dein Interesse für diesen von mir sehr verehrten Pianisten.Hoffentlich gefällt er Dir! :)
    Natürlich ist Wild nicht für seine Mozart-Interpretationen bekannt, seine Stärken liegen mit Sicherheit im romatischem(es gibt eine sehr gute Einspielung der Chopin-Etuden bei Ivory-Classics)und spätromantischem Repertoire, ich bin also wirklich sehr gespannt, welche Figur er als Mozart-Interpret macht.



    Viele Grüße,


    Michael


    P.S.So "wild" ist Earl Wild garnicht.Er hat oft viel Temperament, wehalb er von einem Kritiker einmal mit einem perfekt eingestelltem Ferrari verglichen wurde, und dieser Vergeich trifft es eigentlich, da er sehr kontrolliert spielt, mit Verve und erfreulich unsentimental(z.Bspl. in seinen Rachmanninoff-Aufnahmen).

  • Hallo allerseits,


    ich hatte mich - wegen der Zusammenstellung – dann doch für diese Aufnahme aus 2005 entschieden, die ebenso positive Rezensionen erhalten hat:



    Bach: Partita Nr. 1
    Skrjabin: Klaviersonate Nr. 4
    Franck: Prélude, Chorale und Fugue
    Schumann: Fantasiestücke


    Auch auf dieser Einspielung ist Wild bereits 88 Jahre alt. Ich war ehrlich gesagt etwas skeptisch, aber nun bin ich doch sehr angetan. Ich möchte nicht lange hin und her vergleichen, wer nun was besser gespielt hat, sondern die Aufnahmen einfach für sich stehen lassen. Sie klingen in meinen Ohren sehr frisch und farbig; angenehm unsentimental und klar sein Schumann, lebhaft und natürlich sein Bach. Insgesamt nie belanglos oder nur routiniert, da hat er tatsächlich für jeden Komponisten eine eigene Sprache gefunden. Ich will keine Empfehlung aussprechen für diesen Pianisten oder die o.g. Aufnahme – mir gefällt einfach, was ich höre. Für mich hat sich das Kennenlernen gelohnt; die Gershwin-CD werde ich mir auf jeden Fall noch gönnen.


    Übrigens arbeitet Wild an seinen Memoiren, die in 2006 noch erscheinen sollen.


    Gruß, Cosima

  • Nachtrag zu oben, weil ich es gerade höre: Ich muss doch noch ein dickes Lob aussprechen, denn was dieser alte Herr in den Fantasiestücken teilweise zaubert, ist beachtlich. Die „Traumes-Wirren“ legt er genauso rasant hin wie Richter in seinen besten Zeiten, aber klarer und akzentuierter. Alle Achtung!


    Vielleicht werde ich doch noch mehr Vergleichshören und am Ende eine Empfehlung aussprechen. Sehr hübsch finde ich, was der Rezensent auf classics today am Ende schrieb: „In sum, keep your eye on this talented young pianist: he's going places!“ :D


    Gruß, Cosima

  • Meine erste Platte mit Earl Wild waren die Liszt Etüden.
    Später bekam ich über einen Bekannten als mp3 dateien seltene Eigenkompositionen Earl Wilds ( ca 24 Stück) unter anderem eine Zugabenimprovisation des Chopin Walzers op64 No2 in verjazzter Form im 4/4 Takt.
    Das genialste Stück aller Zeiten :jubel:


    An verschiedenen Stellen hört man die Zuhörer laut lachen wegen dem Erfindungsreichtum der Jazzvariation.
    Seit dem höre ich Earl Wild recht oft