• Sagitt meint:


    Ingmar Bergman war einmal mit einer Pianistin verheiratet, der Finnin Kääbi Laretei. Ich will jetzt nicht über seinen Film " Herbstsonate" schreiben, der zum Gegenstand einen Mutter-Tochter-Konflikt hat, der unter anderm am Klavier ausgetragen wird, die Mutter spielt eh immer besser als die Tochter.
    Sondern von Frau Laretei selbst schreiben. Sie spielt die c-moll Fantasie KV 475 von Mozart in den unglaublich starken Film " Von Angesicht zu Angesicht"- eine Ärztin kehrt in die Ängste der Kindheit zurück und kommt darin fast um.


    Einmal geht sie mit zu einem Konzert. Dort wird eben diese Fantasie gespielt und die Düsternis dieses Stücks ist mir in diesem Kontext erst richtig deutlich geworden.


    Auch hier wieder die obligate Frage an die Forianer. Kennt einer eine DVD-Version ? Überall wird mit Wiederveröffentlichungen von Filmen große Reklame gemacht ( diese Beiträge erscheinen anlässlich der SZ-Aktion von heute) ,aber jede Menge Filmkunst schlummert bei den Rechte-Inhabern und ist nicht zugänglich.

  • Sagitt meint:


    Momentan läuft ein Film von Bertolucci, den dieser schon vor Jahren gedreht hat, der aber erst jetzt in die Kinos kommt. Shandurei und der Klavierspieler. Der Pianist Kinski, beziehungsgestört, lebt mit einer Afrikanerin unter einem Dach, die als Asylantin in Italien ist, verliebt sich heftig in diese und verändert sich aus Liebe zu dieser Frau, seine der Frau sehr fremde Musik assimiliert sich in Richtung auf afrikanische Rhythmen. Überdies setzt er sein ganzes Vermögen ein, um den Wunsch der Frau zu erfüllen, ihren Mann aus einem afrikanischen Gefängnis zu befreien, einschließlich des Flügels. Diese Geschichte einer großen Liebe kommt recht leise daher ( fand sie deswegen keinen Verleiher ?). Die Musikspur war ein wenig gestört, deswegen der Genuss des Pianos eingeschränkt.
    Es ist zwar ein Film über einen Musiker, aber Musik ist eher zufällig das Sujet. Es geht mehr um die Konfrontation von unterschiedlichen Lebensweisen und natürlich ....um die Liebe.

  • Hallo sagittarius,


    das war ja gar nicht leicht. Wie ich herausgefunden habe, handelte es sich dabei ursprünglich um einen Fernseh-Mehrteiler (300 min), der dann auch in einem Stück als Film herauskam (260 min!). War das die Version, die du kennst, denn du hast nichts von dieser epischen Überlänge erwähnt.
    Der Film scheint nie käuflich erhältlich gewesen zu sein, aber es gibt ihn seit vorigem Jahr in Frankreich auf zwei DVDs!


    Ciao

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo Theophilus,


    Danke für den Hinweis, ich werde ihm nachgehen. Ja, der Film hat sog. Überlänge. Da er aber keine Minute langweilig ist, schien mir das nicht erwähnenswert. Im Kino wurde sogar eine Pause zwischen zwei Teilen gemacht. Ich habe das immer bedauert. Man wurde rausgerissen. Ich könnte ihn an einem Stück sehen.
    Mal sehen, ob die Franzosen Untertitel spendieren, denn dafür würde mein Französisch nicht ausreichen.


    Freundliche Grüße aus Bremen



    Sagitt


    P.S. ich schaue nie ins web, sondern immer nur in die deutschsprachigen, da war nichts. Ich habe es bei amazon france gefunden, aber es sieht so aus, als wenn sie ohne Untertitel liefern würden.

  • Salut,


    mir berichtete neulich - kurz vor Weihnachten - eine gute Freundin von einem Film, in dem eine taube Frau (oder junge Dame?) ihre ganz eigene rhytmische Musik fand. Der Film soll sehr professionell und faszinierend sein... leider wusste sie auch nicht, wie der Film heißt.


    Hat jemand davon schon gehört oder besser noch: den Film gesehen und kann etwas dazu sagen?


    Viele Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallihallo,


    hier zwei kleine Entdeckungen:


    Im Remake von Kubricks Lolita (1996) werden vom im nächsten augenblick erschossenen "Entführer" Lolitas aus reiner Verzweiflung ?( die Eröffnungstakte von Griegs Klavierkonzert gespielt. Und das schon bis zum Erbrechen bekannte bachsche Orgelwerk Toccata&Fuge BWV 565 erklingt auch bei Monty Pythons "Der Sinn des Lebens" in einer wüsten und eigenartigen Rugbyszene.


    Grüße
    nubar

  • Sagitt meint:


    Eben läuft ein Film über die Sterbehilfe: Das Meer in mir. Der Protagonist, aufgrund eines Badeunfalls total gelähmt, möchte sterben, die Gesellschaft verweigert es. Ein sehr eindrucksvoller Streifen zu diesem Thema.


    Die Filmmusik ist der übliche Hintergrund-Schmonzes, aber eine Leidenschaft des total gelähmten Mannes ist die klassische Musik. Einmal wird eine Traumreise zum Meer gezeigt, darunter wird nessun dorma gelegt.


    Da ich das Kino aus Termingründen zeitig verlassen musste, weiss ich nicht, wer dies gesungen hat.Vielleicht kann jemand helfen. Es war jedenfalls keiner der üblich verdächtigen Brüller. Diese eher zurückhaltende Version passte sehr gut zu einer Sequenz, die ihn aus seiner Hölle ins geliebte Meer zurückführte.

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  • Hallo Theophilus,


    Danke für die Aufklärung. Mir gefiel die Interpretation nicht nur als Bestandteil der Filmsequenz, zu der mit Sicherheit nicht eine Version eines Pavarotti gepasst hätte. Das Vincero für jemanden, der sich das Sterben wünscht, muss sicher anders als strahlend heldenhaft ausfallen. Auch sonst fand ich diese Version interessant,auch wenn sie im Kontext des Turandot-Stoffes natürlich problematisch ist- da muss der Kalaf von seinem Sieg deutlichst überzeugt sein ( oder ?).


    Herzliche Grüße, schöne Ostern


    Sagitt

  • Sagitt meint:


    Ein Kultregisseur war der Russe Andrej Tarkowski- eine Art Kafka des Kinos- mit mythischen Bildern und einer großen Liebe zur Musik. In seinem letzten Film Ofret-Opfer, kurz vor seinem frühen Krebs- Tod vollendet- spielt die Musik Bachs eine große Rolle- die erbarme dich-Arie aus der Matthäus-Passion ist nicht Untermalung, sondern Programm,integraler Bestandteil des Films.
    Mit dieser Arie spricht Tarkowski unmittelbar einen Aspekt des Films an. Die Hingabe an Gott, der Erlösung bringen könnte aus übergroßer Not ( unglaublich, wie es der Regisseur vermag, ein Grauen ohne jedes Bild davon zu erzeugen. Man weiss, es ist etwas Schreckliches passiert, aber man sieht es nicht).
    In einem früheren Film Nostalghia wird ein russischer Komponist mit der Seele gesucht von einem russischen Dichter. Alles in dunklen fascinierenden Bildern ausgedrückt
    Tarkowski sollte in diesem thread nicht fehlen....

  • Hallo Prokofiew-Experten,


    kann mir jemand sagen, welche Musik Prokofiews Woody Allen in seinem charmanten Film "Love and Death / Die letzte Nacht des Boris Gruschenkow" verwendet??? In diesem Film gibt es übrigens auch eine hübsche Anspielung an Tolstojis "Kreutzersonate".


    Auch sehr schön, die geschmackvolle Verwendung von Schuberts Streichquartett Nr. 15 in dem sensiblen Film "Verbrechen und andere Kleinigkeiten" von Woody Allen.


    Gruß, Markus

  • Hallo TB ,
    wenn ich mich Recht erinnere war der Prokofieff bei Woody Allen aus der "Leutnant-Kije-Suite".
    Laut imdb auch aus "Alexander Nevsky" und "Liebe zu den 3 Orangen".
    Kann ich mich nicht mehr so erinnern, aber wenn die es sagen =)

    "Du siehst mein Sohn, zum Raum wird hier die Zeit"

  • Zitat

    Original von Spatz
    Der Film, der das Mozart-Klarinettenkonzert für die Öffentlichkeit bekannt gemacht hat, ist "Jenseits von Afrika".


    Ich glaube, Spatz hat den Film von Caroline Link "Nirgendwo in Afrika" gemeint. Komischerweise, sind ein paar Noten (2-3 Sekunden) aus dem 2. Satz des gleichen Mozartschen Konzertes auch in einem anderen bekannten Film der gleichen Regisseurin zu hören und zwar in "Jenseits der Stille".


    Gruß,
    Eugen

  • Hallo!
    Ein paar weitere interessante Beispiele wurden hier noch nicht erwähnt (falls ich sie nicht überlesen haben sollte):


    In Fritz Langs Meisterwerk "M" mit Gustaf Gründgens erkennt ein blinder Bettler den gesuchten Kindermörder (Peter Lorre hervorragend), da er vor der Tat stets "In der Halle des Bergkönigs" von E. Grieg pfeift - eine Schlüsselszene des (zugegebenermaßen nicht mehr allzu aktuellen) Films.


    In einem weiteren hervorragenden deutschen Film, "Fitzcarraldo" mit Klaus Kinski, ist es ein mitgenommenes Grammophon, das Arien (ich weiß leider nicht, aus welcher Oper) gesungen von Caruso abspielt, das die Indianer des Amazonasdschungels vor Ehrfurcht erstarren läßt anstatt wie üblich alle Weißen auf dem Boot zu töten. Diese erhabenen Gesänge im nächtlichen Dschungel geben dem Film seine besondere Atmosphäre.


    Zum Schluß eine Frage: Weiß jemand, welches geistliche Chorwerk nach der Schlacht in der Shakespeare-Verfilmung "Heinrich V." ,von und mit K. Branagh, erklingt? Auch hier paßt die Musik hervorragend zum bewegendsten Moment eines meiner Lieblingsfilme.
    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von Pius


    Zum Schluß eine Frage: Weiß jemand, welches geistliche Chorwerk nach der Schlacht in der Shakespeare-Verfilmung "Heinrich V." ,von und mit K. Branagh, erklingt? Auch hier paßt die Musik hervorragend zum bewegendsten Moment eines meiner Lieblingsfilme.
    Viele Grüße,
    Pius.


    Ha! Das ist lustig, daß das bei dir auch hängen geblieben ist....
    Das ist ein Te Deum, gell!? (Jedenfalls von der Funktion her) hatte ich auch wochenlang als ohrwurm aber ich habe ihn längst wieder vergessen und wußte nie, ob es komponierte Filmmusik ist oder ein Originalwerk.
    Bin sehr gespannt, ob wir es ermitteln werden.

  • Hallo Pius,


    soweit ich weiss, wurde der ganze Soundtrack von Patrick Doyle komponiert, und von Simon Rattle und dem CBSO eingespielt!


    Welches Stück Du genau meinst, weiss ichleider nicht, aber den OST gibt's bstimmt zu kaufen...


    Liebe Grüsse, Moritz

    "Das beste, an dein Übel nicht zu denken, ist Beschäftigung."
    Ludwig van Beethoven

  • Hallo, Markus!
    Ich gehe stark davon aus, daß es nicht extra für den Film komponiert wurde - ist für einen Filmkomponisten zu anspruchsvoll :stumm: - aber vielleicht täusche ich mich ja.
    Zu Beginn des Filmes (habe ihn auf Video) wird gesagt, daß Rattle mit dem Birmingham Orchestra die Musik für den Film eingespielt hat. Leider hat 3sat den Abspann nicht gesendet X( - sonst müßten wir nicht rätselraten...
    Viele Grüße,
    Pius.

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  • Zitat

    Original von Pius
    ist für einen Filmkomponisten zu anspruchsvoll :stumm:


    Ich entschuldige mich vielmals, Herr Doyle! Wirklich großartig!

  • Hallo!
    Mir ist da noch eine Frage zum Thema eingefallen:
    Weiß jemand, welches Orchesterwerk im Hitchcock-Film "Der Mann, der zuviel wußte" (mit J. Stewart, D. Day) in London im Konzert aufgeführt wurde, als der Mord geschehen sollte?
    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo!
    In einer halben Stunde beginnt in 3sat übrigens der Film "Der Tod und das Mädchen" von Roman Polanski nach dem gleichnamigen Theaterstück des argentinischen Schriftstellers Ariel Dorfman.
    Wie der Titel nahelegt, spielt das Streichquartett d-moll von Schubert eine große Rolle in diesem Film.
    Viele Grüße,
    Pius.

  • Salut,


    es gab mal vor geraumer Zeit einen BigFootBoom, der u. a. den Film "Bigfoot und die Hendersons" oder ähnlich hervorbrachte. Der Film selbst ist natürlich platt und jede Szene ist vorhersehbar. Aber: Mich interressiert seit langem, von wem die Titelmusik ist? Sie klingt wie eine unbekannte Serenade Mozarts und das Stück müsste in D-Dur gewesen sein, wenn ich nicht irre... lange her, dass ich den Film sah.


    Entweder gibt es einen modernen Komponisten, der im Stande war, mich so zu entzücken, oder es wartet ein unbekannter Komponist aus dem 18. Jahrhundert auf eine Wiederentdeckung.


    Liebe Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Wo ich gerade in dem Thread zugange war:


    In Mike Nichols "Closer" (auf deutsch: "Hautnah"), der Verfilmung eines Theaterstückes von Patrick Marber, setzt Nichols in Anbetracht der Handlung des Filmes ausgesprochen geschickt immer wieder Auszüge aus Mozarts "Cosi fan tutte" ein. Mag man zwar normalerweise "Hintergrundklassik" nicht leiden, so ist mir doch ein solch geschickter Einsatz der Musik wie bei der Auseinandersetzung von Alice und Dan im Foyer der Oper (die sie eigentlich besuchen wollten), die mit der Abschiedsszene aus dem ersten Akt hinterlegt ist, selten bei einem Film neueren Datums aufgefallen. Ähnliches gilt für den sehr musikalischen Schnitt der "Chatszene" recht zu Beginn auf Rossinis Ouvertüre zu "La Cenerentola".



    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Hallo!
    Weiß jemand, was das für ein "Sanctus" ist, das am Ende des Films Nosferatu (D, 1978; mit Klaus Kinski und Bruno Ganz) gesungen wird?
    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo Pius,


    das müßte das "Sanctus" aus der "Messe Solennelle de Sainte Cécile" von Charles Gounod sein.
    Bei Fragen nach Filmmusik hilft übrigens http://www.imdb.com sehr gut weiter.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    Original von Pius
    Weiß jemand, was das für ein "Sanctus" ist, das am Ende des Films Nosferatu (D, 1978; mit Klaus Kinski und Bruno Ganz) gesungen wird?


    Das Sanctus ist aus:
    Charles Gounod: Messe Solennelle


    Gruß
    Karsten

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