Engelsstimmen

  • Sagitt meint:


    Die Anregung stammt von Theophilus. Der Begriff von Toscanini (?) über die Stimme von Renata Tebaldi. Aber auch die Stimme der Ameling, die ich heute vorstellte, wurde so bezeichnet.
    Wie kann man den Begriff definieren ?


    Eher knabenhaft ? Knaben können "himmlisch" klingen,man höre einen Knabensopran im Miserere von Allegri. Dann wären vor allem englische Sängerinnen zu nennen, wie Emma Kirkby oder Gillian Fisher.


    Oder glockenrein ? Da gehört sicher Elly Ameling dazu, aber auch Maria Stader, Rita Streich, auch Kathleen Battle.


    Oder ? Wie wäre der Begriff für eine Tebaldi, die junge Caballé und Gruberova ?



    Diskussion ist erbeten


    P.S. Von Helen Donath kenne ich zu wenig, um dazu schreiben zu können

  • Helen Donath gehört mit einigen Aufnahmen sicher dazu.
    Auf alle Fälle Ruth Ziesak mit ihrem wunderbaren Sopran.
    Und die unvergessene Lucia Popp, die leider so früh von uns ging.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Meiner Meinung nach sollte eine Engelsstimme möglichst instrumental und rein klingen, wenig erdhaft-menschliches besitzen. Nicht jedes besonders hohe Koloraturgezwitscher ist gleich eine Engelsstimme (Gruberova und Popp würde ich eher als "mädchenhaft" bezeichnen, zumindest, als sie noch jung waren).
    Und diese un-erdigen, aber trotzdem warmen Stimmen sind meinen Erfahrungen nach oft in Spanien bzw. Lateinamerika zu finden: Montserrat Caballé, Montserrat Figueras, Victoria de los Angeles, Ana María Martínez...

  • Sagitt meint.


    In diese Kategorie möchte ich Christiane Oelze einreihen.In Köln geboren,inwzischen mit vielen Großen der Branche musiziert, etabliert.


    Als Beispiel dient mir ihre Pamina mit Gardiner. Allererste Klasse. Engelsstimmenhaft.

  • Zitat

    Original von Siegfried
    Und die unvergessene Lucia Popp,die leider so früh von uns ging.


    Genau! Lucia Popp ist fast schon meine erste Wahl.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • na wenn wir Renata Tebaldi und Kethleen Battle (zu Recht!) sagen, dann lasst uns doch auch Barbara Bonney sagen.


    Nur ein Beispiel:


    Die himmlischen Tröstungen im "ihr habt nun Traurigkeit" gelingen ihr unter Giulini noch englischer als Lucia Popp unter Sinopoli.


  • Neben den bereits genannten:
    Charlotte Lehmann(nicht zu verwecheln mit der Namensvetterin Lotte Lehmann!) mit "En sourdine" und "Clair de lune" von Fauré :angel: :angel: :angel:
    Dïese Stimme habe ich einmal vor vielen Jahren per Zufall bei einem Bekannten auf einer alten LP gehört und war so von den Socken, dass ich der Dame sofort geschrieben habe. Sie war die Lehrerin von Thomas Quasthoff.



    Natalie Dessay-
    für mich das schlechthinnige Engelstimbre und eigentlich der Hauptgrund, warum ich sie so anbete.
    In Reinform auf ihren frühen CDs "Mozart-Konzertarien" und "Vocalise". :angel: :angel: :angel:


    F.Q.

  • Allen bisherigen Nennungen würde ich zustimmen und sie um Barbara Hendricks ergänzen wollen.



    Nicht, weil das auf dem Cover dieser cd drauf steht, sondern weil sie für meine Ohren in der Karajan-Aufnahme von TURANDOT, den Duparc-Liedern (auf m,einer Aufnahme gekoppelt mit Ravels SHÉHÉRAZADE und vor allem LE ROI MALGRÉ LUI genau diesen Eindruck hinterlässt.


    Die frühe Kiri Te Kanawa und Renée Fleming fallen für mich auch in diese Kategorie.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Für mich verbindet sich mit dem Ausdruck "Engelsstimme" immer etwas androgynes. Will sagen, das Geschlecht des Sängers/der Sängerin darf der Stimme nicht anzuhören sein (ist das jetzt richtiges Deutsch *grübel* :untertauch:).


    Mir fallen daher als allererstes der Countertenor Philippe Jaroussky und die bereits genannte göttliche Emma Kirkby ein. Bei beiden denke ich nicht mehr daran, aha, jetzt singt ein Mann oder eine Frau. Trotzdem sind sie nicht gefühllos, sondern drücken Emotionen pur aus.


    VG, Bernd

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  • Der Ausdruck "Engelsstimme" steht m.e. für hohe, klare und sauber singende Stimmen, die mich beim Anhören "selig" machen.


    Eine Fachabgrenzung ist daher nicht notwendig. Auch nicht ob Weiblein oder Männlein ! Neben all den oben angeführten Beispielen reicht für mich die Engelsstimme bis zum "Ave Maria" aus dem Caruso - Film, gesungen von Maro Lanza.


    Ich bin mir bewusst, daß man darüber trefflich streiten kann, aber jeder Hörer kann darüber seine eigene Meinung haben.


    :yes: euer Operngernhörer :hello:

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Arrivierte Sängerinnen haben durch die Partien, die sie singen und die Dramatik der Gestaltung quasi die engelsgleiche Ausstrahlung verloren.
    Selbst die für mich z. Zt. emgelhafteste Sopranistin, Elina Garanca, ist spätestesten seit ihrer überzeugend erotischen Carmen "ein gefallener Engel".
    Im Weihnachtskonzert 2008 des Heilbronner Sinfonie Orchesters stellte Ingeborg Hallstein zwei blutjunge Studentinnen , Leona Kellerbauer und Susanne Pemmerl, vor. Das waren in der Tat richtige Engelein in Erscheinung, Ausdruck und zartem Stimmklang. Allerdings war auch das Repertoiere mit dem Duett aus "Das Christelflein" von Pfitzner, "Marias Wiegenlied" von Max Reger, Weihnachtsliedern von Peter Cornelius usw. dementsprechend gewählt.
    Der Preis für das Erwachsensein ist, dass unsere Kinderträume platzen.
    Deshalb sind Engel auch in der Realität der Oper leider selten.


    Herzlichst
    Operus
    :angel: :angel: :angel:

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Mit dem Begriff „Engelsstimmen“ assoziiere ich Reinheit, Klarheit, Losgelöstheit von allem Irdisch-Profanen, auf der anderen Seite auch die Ausstrahlung des Beschützenden.


    Es ist für mich aber immer ein Zusammengehen von Stimme und Ausdruck im Singen und weder an ein Geschlecht noch an eine Stimmlage gebunden.


    Die niederländische Altistin Aafje Hejnis strahlt gerade in ihren Aufnahmen mit geistlicher Musik manchmal eine vergeistigte Losgelöstheit, in anderen Partien auch viel beschützende Wärme aus; aber es ist immer ein starker Ausdruck von Reinheit und Klarheit in ihrem Singen.


    Und sollte ich von ihr einen „Engelston“ wählen, wäre es der Schluss von Mahlers „Urlicht“: Ihre Tongebung bei „das ewig selig Leben“ kommt für mein Empfinden dem Ideal, das ich oben versucht habe zu beschreiben, sehr nahe.


    :hello: Petra


  • Hallo,
    Engelsstimme? - das letzte Zitat finde ich sehr passend - androgyn? - ja, aber nicht in dem Sinn, dass ihre Stimme mit Knabensopranen und Falsett-Tenören verglichen wird.
    Aber sonst stehe ich zu allen nachstehenden Zitaten.


    Zwei Jahrzehnte hat Emma Kirkbys klare, behende Stimme den makellosen Klang der Alten Musik verkörpert”,


    Emma Kirkby kann wohl als Anti-Typus der Primadonna oder der Diva bezeichnet werden


    Emmas Stimme ist für viele Werke vom Mittelalter bis zum Hochbarock geradezu eine Idealbesetzung.


    Ich mag diese Stimme persönlich in IHREM Repertoire sehr und mich berührt gerade das scheinbar körperlose, schwebende, androgyne und engelhafte Element darinnen.


    Gerade mit Sopranstimmen tue ich mich oft schwer und da ist Emma Kirkby für mich die große Ausnahme. Und zwar, weil sie - in meinen Ohren - eben nicht nur sehr schlank, hell und mühelos schwebend singt, sondern weil in diesem Timbre auch noch eine leichte Abschattierung und Herbheit durchklingt. Genau dieser Einschlag macht die Stimme in meinen Ohren unverkennbar und ich finde sie wunderbar.


    Mit dem Begriff „Engelsstimmen“ assoziiere ich Reinheit, Klarheit, Losgelöstheit von allem Irdisch-Profanen, auf der anderen Seite auch die Ausstrahlung des Beschützenden.


    Als Beleg für diese Zitate habe ich obige CD eingestellt - quasi als Quintessenz: "An Evening Hym"


    Viele Grüße
    zweiterbass


    Nachsatz: Schade, dass alle zitierten Mitglieder, bis auf Andrew, ausgeschieden sind.

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Leider gibt es, anders als bei JPC, keine Hörbeispiele, sodaß ich nicht hören kann ob deine Meinung dem Stimmausdruck der Sängerin oder der Stimme der Rolle geschuldet ist.

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Hallo, zweiterbass!


    Bei Youtube gibt es genug Hör-Beispiele, z. Bsp. die "Glöckchenarie" aus LAKMÈ oder die "Wahnsinnszene" aus LUCIA DI LAMMERMOOR. Ich liebe diese Stimme.

    W.S.

  • Ich liebe diese Stimme


    Das ist dir selbstverständlich unbenommen, diese Stimme hat jedoch einen ganz anderen Charakter. Deine Beiträge gehen leider an der Intention der Zitate vorbei, es geht nämlich nicht um Opern(-diven)-sängerinnen.

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Arleen Auger muss ich hier nochmals erwähnen - "musicophil" ist wohl schon länger gesperrt. Dazu fällt mir Camilla Tilling ein, die ich schon engelsgleich habe singen hören. Und ein bisschen wie ein Engel sieht sie auch aus... ;)
    Diana Damrau liegt hier noch auf CD herum und hat mich sehr begeistert.
    Weniger bekannt, aber neulich im Lobgesang so sensationell, dass es meinen Vater völlig verspult hatte (ich war leider nicht dabei, hörte aber einen kleinen Teil auf France Musique):
    Christiane Karg und Christina Landshamer.


    Beste Grüße
    Accuphan

    "Das Thema, welches die Pauke zuletzt hat, findet gewiß keiner heraus!" (Gustav Mahler)

  • Zitat

    Das ist dir selbstverständlich unbenommen, diese Stimme hat jedoch einen ganz anderen Charakter. Deine Beiträge gehen leider an der Intention der Zitate vorbei, es geht nämlich nicht um Opern(-diven)-sängerinnen.


    Deine Meinung sei Dir auch unbenommen! Du forderst andere Taminos zum Lesen auf. Aber Du selbst scheinst dies nicht zu tun. Mit was bringst Du denn die meisten genannten Namen in Verbindung?

    W.S.

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  • Ich möchte hier mal keine Sänger zitieren, sondern Musikbeispiele selbst. Das erste ist natürlich das Engelskonzert und der Tod der Regina (die das Lied "Es sungen drei Engel" an ihrem Ende singt)lischen" Sopran. Das zweite Beispiel ist der Schluss des ersten Aktes von Pfitzners "Palestrina", wo ein Engelchor die von Palestrina zu komponierende Messe vorsingt. Das interessanteste Beispiel ist der "Paulus" von Mendelssohn. Auf dem Weg nach Damaskus erscheint Jesus dem Paulus - gesungen von einem hohen Frauenchor! Sehr bemerkenswert.

    ...wieweit soll unsere Trauer gehn? Wieweit darf sie es, ohne uns zu entwurzeln? (Die Tote Stadt)

  • Zitat

    Der Begriff von Toscanini (?) über die Stimme von Renata Tebaldi. Aber auch die Stimme der Ameling, die ich heute vorstellte, wurde so bezeichnet.


    So, Taminos!


    Auf diesen Begriff und nichts Anderes bezog sich das Einbringen der Stimme von Miliza Korjus. Ihre helle Stimme hat für mich etwas "engelhaftes". Wenn das jemand nicht versteht, tut mir das leid. Auch Erna Berger könnte ich hier noch anführen, deren Stimme auch der eines Engels gleicht. Das hat mit Operndiven nichts, aber auch garnichts zu tun!

    W.S.

  • Für mich ist ELISABETH GRÜMMER eine Engeslsstimme
    Brahms Requiem, Schöpfung, Agathe, Evchen, Elisabeth, Elsa!!!!!
    :hello::jubel:

    mucaxel

  • Ich komme bei diesem Titel nicht vorbei an Mahlers 8. Sinfonie und auch nicht an Mahlers 2. (da kam ein Engelein - berührend schön).


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Engelsstimme mag nicht jeder auf gleiche Weise definieren. Für mich ist das eine klare, sehr helle Stimme, die sich regelrecht von allem Irdischen abzuheben scheint, als würde sie schweben.


    Eine "himmlische" Stimme hat für mich die unvergleichliche Kathleen Battle.




    Sie ist auf DVD eine hinreißende Adina an der Seite Pavarotti's in einer Aufführung aus der MET. Auch als Mozart-Sängerin absolut traumhaft.
    Schade, dass ihre große Opernkarriere in den 90er Jahren ein so unschönes, abruptes Ende gefunden hat.


    Gregor

  • Mit den bisher angeführten Engelsstimmen gehe ich d'accord. Allerdings fehlen mir zumindest noch zwei Vertreterinnen der himmlischen Flügelwesen: Reri Grist und die junge Mirella Freni.


    Wer Reris Sophie oder Zerbinetta oder Mirellas L'altra notte aus Boitos "Mefistofele"oder ihre ungemein berührende große Arie (mit Duett) im Schlußbild des "Carlo" gesehen bzw. gehört hat, wird sicherlich dieser magischen Verzauberung erlegen sein!

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Mit Gregor's Definition einer "Engelsstimme" stimme ich weitgehend überein. Konkret denke ich dabei an eine Sängerin wie ELLY AMELING, deren glockenreiner Sopran von subtilster Stimmkultur und größter Leuchtkraft in der Höhe mit Recht tatsächlich von manchem Kritiker schon als eine "Engelsstimme" bezeichnet wurde. Ich denke dabei z. B. an ihre Aufnahmen verschiedener Mozart-Konzertarien: "EXSULTATE, JUBILATE", "DULCISSIMUM CONVIVIUM", "LAUDATE DOMINUM", VOI AVETE UN COR FEDELE", "BASTA VINCESTI", und "A QUESTO SENO....OR CHE IL CIELO" in der vorzüglichen Philips-Einspielung unter RAYMOND LEPPARD und dem ENGLISH CHAMBER ORCHESTRA, oder auch an ihrer Mitwirkung in BACH's Kantate "WACHET AUF RUFT UNS DIE STIMME" in der EMI-Electrola-Aufnahme mit dem CONSORTIUM MUSICUM und dem SÜDDEUTSCHEN MADRIGALCHOR unter WOLFGANG GÖNNEWEIN.


    Wenn man aber schon den Vergleich mit einem Engel zur Beschreibung eines überirdischen Gesangs gebraucht, dann sollte man nicht zuletzt an geistliche Musik denken, und da kommt mir dann sogleich die Stimme von AGNES GIEBEL in den Sinn, für deren Sopran sich ähnliche Attribute wie die für ELLY AMELING anwenden lassen, nämlich größte Reinheit, höchste Klarheit der Diktion, Leuchtkraft, Stimmkultur, feinsinnige Ausdruckskunst. Die eindrucksvolle Gestaltung ihres Parts z. B. in BACH's "WEIHNACHTSORATORIUM" mit dem GEWANDHAUSORCHESTER unter KURT THOMAS , oder wie z. B. in MOZART's "SPATZENMESSE" mit den BERLINER SYMPHONIKERN unter KARL FORSTER, belegen m. E. sehr gut dieses Urtei und rechtfertigen die Anwendung des Begriffs "Engelsstimme auch auf sie!


    Viele Grüße


    wok


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