Ludwig van Beethoven - Klavierkonzert Nr 1 in C-dur op 15

  • Hier muss ich Joseph II. beipflichten, ich habe Chrstoph Eschenbach über die Jahre immer wieder mal im Konzert erlebt, mal mit seinem damaligen Pariser Orchester, mehrere Male mit dem NDR-Orchester, und am 13. 12. 2019 werde ich ihn wieder erleben in meinem WDR-ABO, wenn er Strauss' Vier letzte Lieder und Mahlers Neunte dirigiert. Das ist eigentlich immer "Spitze", wenn er dirigiert.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • die Krips-Aufnahmen hatte ich vor mehr als einem Jahr bei amazon zu bestellen versucht. Leider sind sie vergriffen. Ich habe erst 6 Monate gewartet und dann wurde die Bestellung storniert.

    Lieber Holger,


    Wer suchet, der findet:)! Hier sind sie, sogar zu einem ziemlich moderaten Preis:

    Beim großen Urwaldfluß z.Zt. gebraucht-gut für € 14,29 + Versandspesen zu haben. Bei Interesse würde ich unverzüglich zugreifen, es gibt weiters nur noch ein Exemplar für ca. 150 €!

    Ich habe eine andere, ältere 3 CD-Box, da ist noch Beethovens Sonate Nr. 18 drauf; die Haydn-Variationen habe ich auf einer anderen CD, die sind ebenfalls große Klasse.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich würde insgesamt eher sagen, dass Eschenbach eine ziemlich spektakuläre Dirigentenkarriere hingelegt hat

    Lieber Joseph II. und lieber Willi,


    ich muß gestehen, daß ich da ziemlich voreilig etwas geschrieben habe, was den Fakten nicht standhält. Vielen Dank für die Informationen, von denen einige tatsächlich neu für mich waren.

    Es mag damit zu erklären sein, daß hierzulande vorrangig von Nagano, Thielemann, Rattle, Jansons etc. die Rede ist, wenn es um Dirigenten geht. Eschenbach hat viele Jahre in den USA gelebt und gearbeitet, und auf dem Tonträgersektor hat er auch nicht die Fülle vorgelegt wie die vorgenannten Kollegen. Ich habe zugegebenermaßen Eschenbachs Dirigentenkarriere nicht minutiös verfolgt, auch in der Vergangenheit die eine oder andere negative Kritik über ihn gelesen. So hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, daß er das NDR SO jahrelang geleitet hat, auch sein Wirken in Philadelphia war mir nicht mehr präsent.

    Deshalb möchte ich meine Aussagen in dieser Richtung nicht aufrecht erhalten. Trotzdem bedauere ich zutiefst, daß Eschenbach seine so hoffnungsvoll begonnene Pianistenlaufbahn nicht weiter verfolgt hat, d.h. als namhafter Liedbegleiter war und ist er bis in die jüngere Zeit tätig gewesen.

    Ich lese übrigens, daß er ab der kommenden Saison das renommierte Konzerthausorchester Berlin (früher: Berliner Sinfonie-Orchester) leiten soll. Immerhin vollendet der Künstler im kommenden Jahr sein 80. Lebensjahr.

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Wer suchet, der findet :) ! Hier sind sie, sogar zu einem ziemlich moderaten Preis:

    Lieber Nemorino,


    ganz herzlichen Dank! Ich weiß noch nicht, ob ich die CDs bestellen soll. Es sind wohl wegen dieser Papphüllen leider doch Kratzer drauf, da weiß man nie. Die Haydn-Variationen sind ein Rubinstein-Highlight, die habe ich auf einer anderen CD! :)

    Ich habe zugegebenermaßen Eschenbachs Dirigentenkarriere nicht minutiös verfolgt,

    Er war gern gesehener Gast beim Schleswig-Holstein-Festival. Meine verstorbene Tante, die in Kiel wohnte, hat ihn immer wieder gehört dort und schätzte ihn sehr. Die folgende CD ist wirklich sehr empfehlenswert:



    Und er war Mentor von Lang Lang - begleitet ihn beim 1. Beethoven-Konzert. Das ist eine der Lang Lang-Aufnahmen, die wirklich anhörbar ist (was man vom 4. Konzert auf derselben CD leider nicht sagen kann!):



    Glenn Gould höre ich mir (wieder) an. Ich habe aber auch einen sehr positiven Eindruck bei mir abgespeichert.


    Von Gieseking hatte ich mir zuletzt die kompletten Beethoven-Sonaten zugelegt - leider habe ich von ihm aber kein einziges Beethoven-Konzert ;( - aber folgende Veröffentlichung des verdienstvollen Labels apr entdeckt:



    :hello:


    Herzlich grüßend

    Holger

  • Lieber Nemorino,


    Ja, es geht oft so, daß wenn man ein Werk mit einem bestimmten Interpreten kennen und lieben gelernt hat, es dann andere Interpretationen etwas schwer haben, daneben im Vergleich zu bestehen. Und zwischen dem Spiel des jungen ESCHENBACH und dem des ausgesprochenen BACH-Interpreten GLENN GOULD bestehen doch deutliche Unterschiede, wobei man sich aber in diesem Fall sicher für beide Varianten erwärmen, ja begeistern kann.


    Obwohl heute in der Tat der Name CHRISTOPH ESCHENBACH wohl für die meisten Klassik-Liebhaber mit dem des Dirigenten ESCHENBACH verbunden wird - und es ist höchst bemerkenswert, wie sich der adoptierte Vollwaise zu einem doch bedeutenden Dirigenten hochgearbeitet hat - habe auch ich ihn immer noch als großartigen Pianisten - vor allem der Werke MOZARTs in Erinnerung. Ich erlebte den noch ganz jungen CHRISTOPH ESCHENBACH wohl 1963 bei einem MOZART-Rezital in Würzburg, und ich fand erst kürzlich wieder meine Steno-Notiz über meine Eindrucke zu diesem Konzert, wonach diesem Pianisten wohl eine große Karriere bevorstehen dürfte. Erst danach erfuhr ich dann, daß er als 10-Jähriger beim Hamburger Steinway-Wettbewerb den 1. Preis gewonnen hatte, und 1962 mit dem Internationalen ARD-Musikpreis ausgezeichnet wurde. Drei Jahre später gewann der dann sogar den erstmals ausgetragenen "CLARA-HASKIL-Wettbewerb"!! HERBERT VON KARAJAN erkannte das pianistische Talent frühzeitig und förderte ihn, ähnlich wie GEROGE SZELL. 1970 präsentierte ihn KARAJAN bei den SALZBURGER FESTSPIELEN mit MOZART's Klavierkonzert KV 488. Er spielte dann als Solist mit großen Orchestern unter namhaften Dirigenten und erntete auch als solcher große Erfolge. In dieser Zeit machte er sich dann auch einen Namen als höchst kompetenter Interpret - zusammen mit JUSTUS FRANTZ- von 4-händiiger Klaviermusik, vor allem von MOZART - auch von Konzerten für mehrere Klaviere. Auch begleitete er u. a. DiIETRICH FISCHER-DIESKAU am Klavier. Dennoch entschied er sich dann - zum großen Bedauern vieler Anhänger von ihm als Pianist - für die Karriere als Dirigent, obwohl er immer wieder auch einmal pianistisch auftritt.


    Sein Spiel als Pianist ist eigentlich zeitlos, klar, natürlich, jugendlich-frisch, sensibel und pianistisch immer auf höchstem Niveau

    So ist auch seine frühe Einspielung von MOZART's Klaviersonaten KV 330 und 331, sowie der Rondos KV 485 und 511 für mich das absolute Nonplusultra. Nie wieder habe ich diese Sonaten so wunderbar schlicht, ungekünstelt, so unverzärtelt, mit so feiner Phrasierungs- und Anschlagkunst gehört, wie man sich deren Wiedergabe aus der Feder des noch jungen unbeschwerten MOZART vorstellt.

    Doch ich muß hier meiner Begeisterung über das Spiel ESCHENBACHs als Pianist Einhalt gebieten, denn es geht hier ja um BEETHOVEN's Klavierkonzert!



    In die WÜHRER-Aufnahme von BEETHOVEN's 1. Klavierkonzert solltest Du doch einmal hineinhören, es lohnt sich, denn WÜHRER war nicht nur ein wunderbarer SCHUBERT-Interpret, sondern auch dieses Klavierkonzert spielt er sicher auch nach Deinem Gechmack. (siehe meinen youtube-link)


    Viele Grüße

    wok

  • RE: Golschmann / Gould


    Hallo nemorino und Wok,


    Ich bin zur Zeit im Urlaub ... deshalb nur kurz. (Sonst hätte ich mich schon längst zu Wort gemeldet.)

    Wie ich in früheren Beiträgen hier schon bekundet habe, gehört die Golschmann - Aufnahme auch zu meinen Favoriten. Dies liegt aber nicht nur an Gould, sondern an der überragenden Orchesterleistung im Zusammenspiel.


    :angel:Und ... lieber nemorino ... achte mal bei einem weiteren Hördurchgang darauf: 8) Es gibt eigentlich keine Aufnahme bei der die Pauken so prägnant in Szene gesetzt werden wie hier. Du weisst ... auf sowas stehe ich absolut.

    Die Aufnahme hatte ich schon zu "LP-Zeiten". Meine Nächste auf Aufnahme auf CD war dann Brendel/Haitink und die war dahingehend weit weniger überzeugend. Da auch vom Tempo her absolut stimmig, blieb Gould mein Favorit ... und die Gould Kadenz finde ich nebenbei Klasse.



    Ansonsten möchte ich Dich nochmals auf die unterschätzte Aufnahme mit Gilels / Masur (Brillant) hinweisen, die auch Holger inzwischen auch als wirklichen Schatz erkannt hat (siehe weitervoben), obwohl er Gilels allgemein für das KK1 keine gute Prognose erstellt hatte.

  • Hallo Wolfgang,


    Danke für Deinen ergänzenden Kommentar zu dieser Einspielung. In der Tat kam zuletzt die große Orchesterleistung unter dem vorzüglichen Dirigat von VLADIMIR GOLSCHMANN durch unsere starke Konzentration auf den Pianisten GLENN GOULD etwas zu kurz. Auch ist das ausgezeichnete Zusammenspiel zwischen dem Solisten und dem Orchester besonders hervorzuheben.


    Viele Grüße, und noch einen erholsamen Urlaub!


    wok

  • Es gibt eigentlich keine Aufnahme bei der die Pauken so prägnant in Szene gesetzt werden wie hier. Du weisst ... auf sowas stehe ich absolut.

    Die Aufnahme hatte ich schon zu "LP-Zeiten". Meine Nächste auf Aufnahme auf CD war dann Brendel/Haitink und die war dahingehend weit weniger überzeugend. Da auch vom Tempo her absolut stimmig, blieb Gould mein Favorit ... und die Gould Kadenz finde ich nebenbei Klasse.

    Lieber Wolfgang,


    ich werde mir die Aufnahme bald vornehmen. Momentan mache ich eine Pause, damit ich nicht die Lust an einem meiner Lieblingskonzerte verliere, das ich in den letzten Tagen mindestens 5 x gehört habe, satzweise sogar noch öfter. Warum ich die Gould-Box mit den Beethoven-Konzerten nach dem ersten Hören gleich in die hinteren Reihen gestellt habe, muß ja einen Grund gehabt haben. Ganz sicher lag es nicht an Goulds Kadenz im ersten Konzert. Ich habe grundsätzlich nichts gegen eigene Kadenzen, im Gegenteil, sie bieten oft interessante neue Einblicke und vor allem Abwechslung.

    Wie ich schon früher geschrieben habe, bin ich wahrscheinlich durch meine ersten Hörerfahrungen (das waren Foldes/Leitner, Eschenbach/Karajan und Richter/Münch) für weit davon abweichende Sichtweisen "verdorben" bin. Sobald ich die Gould-Version wieder gehört habe, werde ich berichten.


    Im übrigen wünsche ich Dir noch schöne, vor allem entspannte und ruhige Urlaubstage.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Obwohl heute in der Tat der Name CHRISTOPH ESCHENBACH wohl für die meisten Klassik-Liebhaber mit dem des Dirigenten ESCHENBACH verbunden wird - und es ist höchst bemerkenswert, wie sich der adoptierte Vollwaise zu einem doch bedeutenden Dirigenten hochgearbeitet hat - habe auch ich ihn immer noch als großartigen Pianisten - vor allem der Werke MOZARTs in Erinnerung.

    Lieber wok,


    herzlichen Dank für Deinen Eintrag 335.

    Ich habe leider Christoph Eschenbach nie im Konzert erlebt, aber wenn ich seinen Namen lese, so denke ich spontan immer gleich an seine Pianistenkarriere, weniger an seine zweite Laufbahn als Dirigent. Deshalb ist er mir in den letzten Jahren auch ein wenig aus dem Blickfeld geraten.

    Auch als Liedbegleiter habe ich ihn sehr geschätzt; ich denke da vor allem an die Zusammenarbeit mit Fischer-Dieskau (Schumann-Lieder!).

    Immerhin wurde er um die Jahrtausendwende für würdig befunden, in die Philips-Serie "Great Pianists of the 20th Century aufgenommen zu werden:

    In diesem 2 CD-Album ist er u.a. auch mit Mozarts Sonate F-dur, K. 332 vertreten, sowie den schönen "C-dur-Variationen über 'Ah, vous dirai-je, Mamam" K. 265, außerdem mit Werken von Schumann, Schumann, Haydn und Beethovens Konzert Nr. 1 (mit Karajan).

    Besonders interessant ist der Essay von Peter Cossé über den Künstler. Leider ist das Album nur noch für teures Geld zu haben.

    Die kompletten Mozart-Sonaten habe ich nicht, aber die Mozart-Stücke für 2 Klaviere (bzw. zu 4 Händen) mit Justus Frantz sind bei mir vorhanden. Und dann noch diese (für mich) besonders kostbare CD:

    Konzerte für zwei & drei Klaviere [Vinyl LP]


    LG nach Málaga,

    Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).


  • Wenn man verschiedene hochkarätige Aufnahmen hintereinander gehört hat, kann es leider sein, dass manchmal die Maßstäbe etwas zurecht gerückt werden. Diese Gould-Aufnahme mit Vladimir Golschmann als Dirigenten ist zugute zu halten, dass sie jugendlich frech ist, sich nicht um Konventionen und Aufführungstraditionen schert, sondern frisch und munter drauflos musiziert. Ganz objektiv betrachtet ist das von der Orchesterseite her nicht die allererste Garnitur. Golschmann dirigiert das sehr rustikal und ist nicht gerade liebevoll in der Detailarbeit. Kein Vergleich zum meisterlichen Niveau des Perfektionisten George Szell, der zwar militärisch zackig klingt, aber ausgefeilt und ausgewogen bis ins letzte Detail musiziert. Das ist bei Golschmann im Vergleich die Statue eines Bildhauers im Rohzustand. Besonders im langsamen Satz ist das alles andere als ideal. Und Gould? Wenn man mal vom Gould-Mythos absieht, musiziert er frisch und natürlich. Aber die ganz großen interpretatorischen Einsichten vermittelt die Aufnahme nicht und auch er gestaltet nicht gerade sich liebevoll in jedes Detail versenkend, sondern spielt die großen Linien stromlinienförmig entlang. Das allerdings sehr gefällig freilich. Nicht zu verschweigen ist aber, dass es zwei wirklich kauzige, so überhaupt nicht zu Beethoven passende Kadenzen gibt. Die erste ist ein Beispiel für how to write a fugue - "Beethoven goes Bach-Gould". Die zweite im dritten Satz ist ein Stilbruch sondergleichen, hat etwas von einer Abrißbirne, die in ein altes Haus knallt. :P Der Orchestereinsatz kommt dann so befremdlich, dass man sich fragt, ob dieses Beethoven-Haus überhaupt noch steht. :D Die Aufnahme ist natürlich hörenswert und man hat sie, weil sie eben ein Zeugnis des Exzentriker-Phänomens Gould ist. Aber abgesehen vom Gould-Mythos gibt es dann nüchtern-objektiv betrachtet doch einige andere Aufnahmen, die interpretatorisch und gestalterisch mehr bieten. Da ist Goulds wirklich fabelhafte Aufnahme des 3. Konzerts mit Karajan bedeutender und auch vom interpretatorischen Niveau her auf einer anderen Ebene, finde ich. 8-)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Zitat von Nemorino

    Auch als Liedbegleiter habe ich ihn sehr geschätzt; ich denke da vor allem an die Zusammenarbeit mit Fischer-Dieskau (Schumann-Lieder!).

    Auch auf die Gefahr hin, offtopic zu geraten, sei mir hier der Hinweis gestattet, dass es eine neuere Winterreise gibt, in der Christoph Eschenbach einen der "Nachfolger" Fischer-Dieskaus, Matthias Goerne, begleitet:

    Das Gespann gefällt mir ausnehmend.


    Liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Maurizio Pollini und Eugen Jochum


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    In meiner Sammlung habe ich Pollinis erste Aufnahmen der Beethoven-Konzerte - das 1. ist mit Eugen Jochum. Hat man zuvor Vladimir Golschmann als Begleiter von Glenn Gould gehört, ist Jochum in der Einleitung eine Offenbarung: Da merkt man den Beethoven-Sachverstand des deutschen Dirigenten, der weiß, was ein klassischer Tonsatz ist, was thematische Kontraste und ein symphonischer Aufbau bedeuten. In dieser Aufnahme kann man realisieren, was sonst auf den Tondokumenten der DGG kaum nachzuvollziehen ist und Pollinis Spiel in den 70igern und 80igern auszeichnet: die ungeheure Wucht seines kraftvollen Zugriffs. Pollini nimmt dieses Konzert sehr dynamisch-kraftvoll und spielt dabei an Rubinstein erinnernd klassisch klar und rund. Besonders im 1. Satz geht dieser Ansatz auf, finde ich. Dabei werden die stacheligen Akzente gemildert, was auch Jochum mit dem Orchester klug sekundierend aufnimmt. Der langsame Satz ist in seiner klassischen Schlichtheit, organischen Rundung und unauffälligen Treffsicherheit bemerkenswert. Lediglich im Finale fehlt mir dann doch der rhythmische Stachel, der Humor und Witz. Insgesamt ziehe ich bei diesem Konzert Rubinstein vor, weil er einfach eine mehr persönliche Note hat und auch feiner spielt, den burschikosen Humor des jungen Beethoven nicht unterschlagend. Ich müsste mir allerdings doch noch einmal Pollinis spätere Aufnahmen mit Abbado besorgen. :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • RE: Golschmann / Gould


    Wie ich in früheren Beiträgen hier schon bekundet habe, gehört die Golschmann - Aufnahme auch zu meinen Favoriten. Dies liegt aber nicht nur an Gould, sondern an der überragenden Orchesterleistung im Zusammenspiel.


    [...] 8) Es gibt eigentlich keine Aufnahme bei der die Pauken so prägnant in Szene gesetzt werden wie hier.

    Ich habe mir eben diese Einspielung auch vor ein paar Tagen angehört und kann die Begeisterung voll teilen. Zu einem Klavierkonzert gehört eben auch ein Orchester, und Golschmann legt hier auch m. E. ein wirklich astreines Dirigat hin.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • In meiner Sammlung habe ich Pollinis erste Aufnahmen der Beethoven-Konzerte - das 1. ist mit Eugen Jochum.

    Lieber Holger,


    ich denke ich werde nachsitzen müssen! Die Pollini-Konzerte mit Jochum bzw. Böhm habe ich auch, das 1. Konzert in dieser Ausgabe:


    BEETHOVEN - KLAVIERKONZERTE 1 & 2 / JOCHUM  WP / POLLINI / CD

    Eugen Jochum hat seinerzeit die geplante GA Pollini/Böhm vollendet. Karl Böhm verstarb während der Aufnahmen, und so hat Jochum die Konzerte Nr. 1 & 2 mit Pollini in Wien nachträglich eingespielt.

    Diese Gould-Aufnahme mit Vladimir Golschmann als Dirigenten ist zugute zu halten, dass sie jugendlich frech ist, sich nicht um Konventionen und Aufführungstraditionen schert, sondern frisch und munter drauflos musiziert.

    Vielen Dank für Deine hochinteressante Analyse der Gould/Golschmann-Aufnahme des ersten Konzerts. Nun bin ich doppelt neugierig auf meine neuen Eindrücke davon. Leider bin ich heute nicht zum Musikhören gekommen, aber es wird baldigst nachgeholt. Ich muß nur aufpassen, daß ich des Konzertes nicht überdrüssig werde; in den letzten Tagen habe ich es zu oft gehört, deshalb ist jetzt eine kurze Pause angebracht.


    Ich habe mir eben diese Einspielung auch vor ein paar Tagen angehört und kann die Begeisterung voll teilen.

    Lieber Joseph II.,


    es ist schon spannend, wie unterschiedlich die Aufnahme beurteilt wird. Teleton (Wolfgang) war des Lobes voll, und auch Du bist begeistert, Holger hat zwar einige Aspekte hervorgehoben, war aber insgesamt doch eher zurückhaltend in seinem Urteil. Wie gesagt, ich habe die Aufnahme nur einmal gehört, das ist fast 2 Jahre her, und war ziemlich enttäuscht. Nun bin ich gespannt, ob ich beim zweiten Durchgang zu anderen Einsichten gelange.


    LG und schönes Wochenende,

    Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Eugen Jochum hat seinerzeit die geplante GA Pollini/Böhm vollendet. Karl Böhm verstarb während der Aufnahmen, und so hat Jochum die Konzerte Nr. 1 & 2 mit Pollini in Wien nachträglich eingespielt.

    Das war mir jetzt gar nicht präsent, lieber Nemorino! :)

    Vielen Dank für Deine hochinteressante Analyse der Gould/Golschmann-Aufnahme des ersten Konzerts. Nun bin ich doppelt neugierig auf meine neuen Eindrücke davon. Leider bin ich heute nicht zum Musikhören gekommen, aber es wird baldigst nachgeholt. Ich muß nur aufpassen, daß ich des Konzertes nicht überdrüssig werde; in den letzten Tagen habe ich es zu oft gehört, deshalb ist jetzt eine kurze Pause angebracht.

    So geht es mir auch! :hello:


    Einen schönen Sonntag wünscht

    Holger