Der große Konkurrent - Hermann Prey

  • Ich mag Hermann Prey besonders in seinen Paraderollen Papageno und Figaro, auch im geistlichen Bereich (Bachs h-Moll-Messe etc.). Es ist sehr schade, daß er so wenige Wagner-Partien gesungen hat, war er doch ein wunderbarer Beckmesser und dem Vernehmen nach auch Wolfram. Ein interessantes Gedankenspiel wäre, ihn sich mal als Sachs vorzustellen – klingt abwegig, aber auch Berry wollte den ja mal singen.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • An den Großinquistor und andere hier:


    Glücklicher Weise entscheidet nicht der Herr Kesting über den Centenarwert einer sängerischen Leistung.


    Ich muß auch meinem Bedauern Ausdruck verleihen mit Menschen, die bei einem Künstler wie Prey bloß auf die technischen Defizite hören, Jaulen, Aspirieren, Koloraturschwächen, falsches Atmen usw.


    Für mich leben soche Hörer auf einem anderen Stern.


    Oder doch nicht: Die Schallaufzeichnung ist halt sehr genau, man muß nur die Ohren spitzen.


    Bloß als Klein-Inquisitor sei es hier angemerkt: Ich finde diejenigen Beurteilungen, die in Bausch und Bogen verfahren, also etwas vielleicht bloß Angelesenes als Chrarakteristikum über eine Stimme behaupten, ohne sich die Mühe zu machen, was wo auf welcher Aufnahme (bitte möglichst mit Ausgabedatum) wie klänge, zu belegen, schlicht indiskutabel.


    Ich habe daher bloß das Winterreise-Lied "Die Wetterfahne" einmal von Prey, einmal von Fischer-Dieskau verglichen.


    Ich stelle voran, daß man, um dieses Lied zu beherrschen, schon sehr gut singen können muß - wie man ja von Chopin zu sagen pflegt: dem singenden Laien unerreichbar (probieren Sie es mal!).


    Erst zu Fischer Dieskau: Von den drei mir zur Auswahl stehenden Zyklen (Emi WALP mono, dt. Erstausgabe), Emi stereo (dt. 1960) und DG 1972 (alle Gerald Moore) wähle ich die früheste.


    Was sich später bei DFD ändert, ist zum einen eine gewisse Glättung, eine durchstilisierte Einheitlichkeit in vokaler Klangfärbung auf Kosten der Expressivität. Das führt sogar zu gelegentlichem Zugewinn an Ausdruck; z.B. bringt m.W. erst die 72er DG-Einspielung in "Gute Nacht" bei "das Mädchen sprach von Liebe" ein leises Lächeln in die Stimme; "die Mutter gar von Eh´" erhält eine Andeutung von ironischem Protest ("Man denke bloß! Von Heirat!") - die früheren Aufnahmen leiern das ziemlich monoton herunter.


    Was das zweite Lied, die Wetterfahne betrifft, so sind alle drei Interpretationen DFDs erstaunlich ähnlich. Auffälligstes Charakteristikum ist die unerwartet frühe Klimax auf "sie pfiff den armen Flüchtling aus". Das wirkt etwas irre und paranoid; die folgenden Zeilen (bis "treues Frauenbild") sind voller Ingrimm, überspitzt und verhalten. Die Silben "Ha-auses a-hauf-" (-gestecktes Schild) werden noch nicht (wie 60 und 72, offensichtlich mit Absicht, um ein Heulen des Windes anzudeuten) verschliffen. Die rollenden Läufe (aufgestecktes Schild; eine reiche Braut) werden eine Spur grimmiger non legato akzentuiert als z.B. 1960.


    Die latente Bösartigeit und Paranoia Dieskaus bietet Prey nicht. Er steigert die erste Strophe kontinuierlich, die Klimax liegt (nach dem "armen Flüchtling") auf dem quasi mit zusammengebissenen Zähnen hervorgestoßenen "im Haus ein treues Frauenbild". Preys Piano ist auch in der zweiten Strophe nicht so hinterhältig wie das Dieskaus. Dennoch nimmt man Prey die hinreißende Expansion bei den ungefragten "Schmerzen" und der "reichen Braut" als einen zusammenhängenden Affekt bruchlos ab.


    Bei Dieskau wird gerade das zweimal gesungene "Was fragen sie nach meinen Schmerzen", mit hörbar verdunkeltem Timbre, bloß gemeinte Eindringlichkeit - viel zu dezidiert bereits das "was fragen sie", so daß für die "Schmerzen" kaum noch ein Akzent übrig bleibt (Dieskaus Wanderer erfüllt eher den rhetorischen Gestus der Empörung; für Prey ist der Schmelzpunkt des Liedes der Schmerz).


    Das mögen Nuancen sein, die ich als Laie eh schlecht beschreiben kann. Aber so höre ich halt Musik.


    :hello:

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Ich muß dagen, daß ich weder Dietrich Fischer-Dieskau noch Hermann Prey rezensieren kann und möchte - zu gerne höre ich die beiden.
    Alles wäre hier in meinen Augen Beckmesserei.


    Ich besitze von Prey ZWEI Einspielungen der Winterreise, jene mit Karl Engel als Begleiter aus dem Jahre 1962 (EMI) und die späte mit Philippe Bianconi an der Seite (1984 für DENON)


    In früheren Jahren hätte ich das als Geldverschwendung gesehen 2 Aufnahmen gleichen Inhalts mit dem gleichen Sänger zu kaufen.
    Welch eine Fehleinschätzung. Die Stimme at sich im Laufe der Zeit verändert, ist dunkler und auch etwas weniger flexibel geworden, und weis manchmlal gewisse Schäfen bei belatung auf. Dennoch ist die Aufnahme vorzüglich, weil eine gewisse Erfahrung in der Interpretation dazukommt.


    Der Leierkastenmann- für mich eine der Schlüsselnummern des Zyklus - weil schwierig zu interpretiern - zeigt die Unterschiede besonders gut.
    Die Melancholie gelingt bei der "Altersaufnahme " wesentlich besser als 22 vorher.


    Bei dieser Gelegenheit ist anzumerken, daß die Aufnahmen bei aller Gestltung - doch auch darauf angelegt sind, daß es "gut klingt - die Dramatik wird dadurch - im Gegensatz zu heutigen Aufnahmen - leicht in den Hintergrund gedrängt...


    mfg aus Wien


    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    (...) daß ich weder Dietrich Fischer-Dieskau noch Hermann Prey rezensieren kann und möchte - zu gerne höre ich die beiden.
    Alles wäre hier in meinen Augen Beckmesserei.


    Ich habe die Botschaft wohl vernommen :wacky:; ich will gleich gestehen, daß ich ohne Dietrich Fischer-Dieskau niemals meine Liebe zum romantischen Kunstlied hätte entwickeln können und ihn auch sonst sehr verehre, von Mozart über Wagner und Strauss bis zu Reimann.


    Prey mache ich quasi in der verteidigenden Position stark; seine frühen Aufnahmen sind übrigens auf Vinyl viel seltener als die von Dieskau.


    Eine schöne Vergleichs- und Genuß-Gelegenheit sind nebenbei die Kantaten "Ich habe genug" und "Ich will den Kreuzstab gerne tragen", von denen beide Künstler jew. sehr unterschiedliche, aber mustergültige Einspielungen vorgelegt haben.


    Schönen Abend aus Köln :hello:

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Zitat

    Ich habe die Botschaft wohl vernommen


    Und mißverstanden - sehr wohl mögen andere die beiden Herren kritisch rezensieren
    Ich habe versucht elegant zu formulieren, und darüber die eigentliche Aussage verfälscht.


    Was ich EIGENTLICH sagen wollte war íst in etwa:


    ICH bin in Bezug auf diese beiden Künstler befangen - im positiven Sinne - und sehe mich außerstande, ein neutrales Urteil zustandezubringen.
    ANDERE mögen dies ohne Weiteres tun.....


    mfg aus Wien


    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



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  • Hallo Prey- und FiDi-Fans,


    meine Datenbank verzeichnet 165 CD mit Hermann Prey und 101 mit FiDi, hinzu kommen diverse DVD mit Operngesamtaufnahmen.


    Mir geht es wie Alfred, ich liebe sie beide. Die Winterreise habe ich von beiden mehr als 5 mal und jede ist anders. FiDi singt in der Fledermaus und im Zigeunerbaron und in diversen Spielopern. Da gefällt mir Hermann Prey etwas besser, weil er mit mehr Schwung, Leichtigkeit und auch aus dem Bauch heraus singt. Genau das haben viele Rezensenten FiDi vorgeworfen, dass seine späteren Aufnahmen nur vom Intellekt, fast vergeistigt, vorgetragen werden. Ich kann dies nicht bestätigen, dazu habe ich beider Sänger zu häufig persönlich erlebt, Herrn Prof. FiDi und Ehefrau Varady sogar in der Kantine Bismarckstraße Würstchen mit Kartoffelsalat essend nach einer Vorstellung.


    Grüße aus Burgdorf


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"


    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • "Ich bin bisher an Prey vorüber gegangen und habe ihn nicht so recht beachtet".
    Und dann noch:
    "Ich bin auch absoluter Fischer-Dieskau-Hasser"
    Das sind zwei aufschlussreiche Sätze...
    Nebenbei bemerkt, natürlich habe ich mich auch "rückwärts" umgehört und weiß, wie Schellenberg und Schlusnus gesungen haben - aber das ist ein weites Feld...
    Mit Fischer-Dieskau hat schlicht und ergreifend eine neue Dimension des Lied-Gesangs begonnen! Und das war gut so.
    Dieskau und Prey - beide Sänger haben in ihren künstlerischen Bemühungen soviel geleistet, dass man als Hörender nur dankbar sein kann.
    Ich durfte beide während ihrer Karriere so oft live in Oper und Konzertsaal erleben und kann nur sagen: O holde Kunst, ich danke dir dafür.

  • Warum bist Du denn ein absoluter Fischer-Dieskau-Hasser?


    Ich habe die zwei aufschlußreichen Sätze nicht


    so recht verstanden. Eigentlich habe ich sie garnicht verstanden. ?(


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.


  • Lieber Herbert,


    das war ein Zitat vom Großinquisitor weiter oben Seite 2 im Thread


    Grüße vom Kleinen Inquisitor!


    :hello:

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  • Liebe Taminos,


    habe mir heute die 8-CD-Box mit Hermann Prey reingezogen. Lang, lang ist's her. Ich hatte alle Philips-Aufnahmen auf LP. Als CD gefällt mir alles noch viel besser. Prey begleitet von diversen Chören hatte nicht einmal Angst, in Tenorhöhen aufzusteigen. Wer dieses Genre mag, köstlich und sehr zu empfehlen.


    Grüße aus Burdorf


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"


    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Da hat, schon etwas her, in diesem thread jemand von Preys "betörendem Timbre" geschrieben. Und er hat recht. Sinnlich ist diese Stimme, fast wie honig. Natürlich hatte er technische Defizite, natürlich hat er sich hier und da vergaloppiert. Ich finde, er hätte in der "Nozze" Graf sein und bleiben sollen, der Figaro ist ihm charakterlich näher, aber stimmlich kaum greifbar, er klingt arg hell und in den Ensmbles sehr bemüht. Aber sonst hat Prey sich stets in seinem Fach gehalten. Die Stimme wuchs nicht sehr, also sang er Beckmesser statt Sachs. Bravo!


    Ein Wort zu Fischer-Dieskau, weil der hier so oft vorkam. Ich bewundere ihn sehr, stärker als Prey, vor allem seinen Liedgesang. Von seinen Opernaufnahmen gefallen mir Almaviva und Telramund am besten und, ja, Herr Kesting, auch der charmante, gebildete, selbstironische Falstaff.
    Aber er hat sich auch öfter verritten als Prey. Der Wotan unter Karajan ist und bleibt grauenhaft, den Sachs unter Jochum finde ich persönlich lächerlich. Hat er das nötig gehabt?


    Prey hat sowas nicht gemacht. Ich mag diese Volksliedersammlung nicht, weil er mir das zu sentimental angeht, aber stimmlich ist es super.
    Zwei Momente von Prey sind mir sehr kostbar:
    Sein Ottokar im Freischütz bei Keilberth. Wie er vor dem Eremiten ohne Netz und doppelten Boden stimmlich in die Knie bricht, ist unerreicht und eine modellhafte Interpretation frühromantischer Musik.
    Und dann, ich schäme mich fast es zu sagen, habe ich in einer Fernsehsendung anlässlich seines Todes gesehen, wie er mal im Studio den "impossible dream" aus dem Musical "Don Quichotte" gesungen hat - natürlich auf Deutsch. Nicht nur wegen des hohen Tons am Ende war das groß, war da in drei Minuten eine komplexe Figur hingestellt, die ich nicht mehr vergesse.
    Man muss ihn nicht in den Himmel heben, aber lasst ihn uns nicht zu klein machen! Immerhin ist er 10 Jahre tot, und wir reden noch drüber!!

    Der Jugendtraum der Erde ist geträumt
    Grillparzer
    Macht nix!
    grillparzer

  • Als Lanze für Dieskau: ich bewundere seinen Barak, seinen Jochanaan - Partien, in denen Prey, soviel ich weiß, nicht auftrat. Als Schnittmenge ergibt sich hier, bei Strauss, neben dem Capriccio-Olivier, vor allem der Mandryka - Dieskau hat ihn live dokumentiert, und ich liebe diese Aufnahme (Keilberth 63) um so mehr, als man sie Dieskau prima vista gar nicht recht zutraun möchte, diesen slavonischen Hitzkopf.


    Von Preys Mandryka kenne ich nur das youtube-Duett mit der Rothenberger, das mir etwas unglaubwürdig vorkommt, schön gesungen zwar. Aber gemessen an Partien wie Millöckers Oberst Ollendorf oder Jh. Strauss´ Graf Homonay, in denen ich Prey hinreißend finde und die Dieskau sehr fern gelegen haben dürften, muß Prey auch den Mandryka vorbildlich gespielt haben.


    Der bei youtube zu sehende Schluß des Onegin (mit der Jurinac) zeigt eine weitere Glanzpartie Preys, der ein sehr instinktsicherer, temperamentvoller Charakterformer war (auch der Posa-Ausschnitt ist aufschlußreich). Man mag ihm nicht jeden Charakter ohne Widerspruch abnehmen; aber was er spielt, singt er mit Leib und Seele.

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Zitat

    Original von Grillparzer
    ...
    Und dann, ich schäme mich fast es zu sagen, habe ich in einer Fernsehsendung anlässlich seines Todes gesehen, wie er mal im Studio den "impossible dream" aus dem Musical "Don Quichotte" gesungen hat - natürlich auf Deutsch. Nicht nur wegen des hohen Tons am Ende war das groß, war da in drei Minuten eine komplexe Figur hingestellt, die ich nicht mehr vergesse.
    ...


    Das Musical heißt Der Mann von La Mancha.


    Das könnte es übrigens auch auf Platte geben. Meiner Erinnerung nach hat er in den 70ern eine Platte mit Musical-Hits und Evergreens aufgenommen.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Lieber Herbert Henn,
    In der Tat steht das ganz komisch da, aber ich habe Il Grande Inquisitore in einem Beitrag vom 28.09.2007 zitiert.

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  • SWR 3 (TV) sendet am kommenden Sonntag, 7. November, ein Portait über Hermann Prey mit dem Titel: Prey- Stille meine Liebe



    9.30 - 10.30 SWR


    Der Sänger Hermann Prey


    Porträt




    :hello:


    Jolanthe

  • Über Hermann Prey als Liedsänger etwas zu sagen, hieße Eulen nach Athen tragen.


    Und im Opernfachzählt er zu den Unvergessenen ! Ich erlebte ihn live zum ersten Mal in Salzburg als "Barbier" anno 1968 und schätze bis heute seine Arien LP aus dem Jahr 1961 unter Horst Stein mit Arien aus deutschen Opern als Kostbarkeit.


    Er hat auch Maßstäbe im Operettenbereich gesetzt, wobei mir sein "Ollendorf" nicht ganz zusagt. Aber ich will auf diesem hohen Niveau nicht Beckmessern.


    Liebe Grüße vom


    Operngernhörer :yes:

  • Am letzten Samstag habe ich mir auf Ö1 den Barbiere von Siviglia aus der Met aus dem Jahr 1976 mit Hermann Prey als Figaro angehört. An diese Qualität kommt die heutige Sängergeneration leider nicht mehr heran. Was mir aufgefallen ist, das die höhen Töne bei fast allen Arien gefehlt haben, wie z.B. im ersten Akt in der Tenor Arie. Und Marylin Horne hat auch noch die dritte Arie der Rosina gesungen, die sonst immer wegfällt. Es war wirklich eine tolle Aufführung, wo man als Radiohörer und wie man gehört hat auch als Zuschauer seinen Spaß hatte.

  • Wer heute vormittag die TV - Sendung über Prey versäumt hat, kann sich auch die DVD kaufen ! Wunderbar die Aufnahmen aus seinen letzten Jahren, obwohl stimmliche Defizite unüberhörbar sind !


    Ich habe mich immer geärgert, dass man Prey und Dieskau immer verglichen hat. Sie waren so verschieden und man konnte bei beiden wunderbare musikalische Abende erleben. Bei beiden gab es natürlich Licht und Schatten aber wir können glücklich sein, dass wir zwei solch großartige Sänger im gleichen Stimmfach zur gleichen Zeit erleben durften. Ich bin jedenfalls sehr froh , dass ich sie beide auf der Opernbühne und im Konzertsaal erleben durfte.

  • Lieber Gunter Hämel,
    natürlich habe ich gestern im Südwestrundfunk die TV-Sendung mit bzw. über Hermann Prey gesehen. Das schreibt sich so lolocker dahin: " obwohl stimmliche Defizite unüberhörbar sind !"
    Im Laufe eines langen Musikhörerlebens habe ich sowohl Dietrich Fischer-Dieskau als auch Hermann Prey viele Male im Konzertsaal erlebt. Danach gab es eine größere Pause - am 29. September 1995 sang dann Hermann Prey hier im Schwetzinger Rokokotheater Lieder und Balladen - meine Erwartung war nicht besonders hoch, weil ich auch eher auf stimmliche Defizite eingestellt war, was altersbedingt vermutet werden konnte - Prey war damals 66 Jahre alt. Ich war damals angenehm überrascht, über das was da noch künstlerisch über die Rampe kam.


    Und gestern, bei den TV-Schnipseln aus der Suntory Hall in Tokio, dachte ich so bei mir ... ja, das kann man auch so singen, an stimmliche "Defizite" dachte ich weniger, auf keinen Fall würde ich es so ausdrücken wollen.

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  • Prey wie auch Fischer-Dieskau waren m. M. n. auch im Alter noch Ereignisse. Man denke nur an Preys Beckmesser aus Bayreuth 1984, gewiß nicht mehr gerade jugendlich, aber mehr als angemessen.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Lieber "hart",


    auch ich war überrascht, wie sehr seine Interpretation sogar gewonnen hat, gegenüber früheren Aufnahmen und finde auch die stimmlichen Möglichkeiten noch erstaunlich. Da ich H.P. aber in seinen "besten Jahren" einige Male - gerade als Liedinterpret - im Konzertsaal erleben durfte, empfand ich trotzdem "stimmliche Defizite" . Daß er auch in dem fortgeschrittenen Alter noch beeindruckender war, als manch junger Sänger würde ich unterstreichen. Was ich nicht glaube, ist das , was ich als "stimmliches Defizit" empfunden habe, gewollte Interpretation von ihm war. Aber das sind halt persönliche Empfindungen !

  • Prey, Jerusalem und Weikl sangen nach dem Triumpf in Bayreuth die Meistersinger in einer Galavorstellung in Hannover.
    Auch für Nicht-Wagnerianer ein Stimmenfest ohnegleichen. Erst bei der Winterreise von UraCant aus aus Bad Urach 1999 (zu der Zeit war er schon Krank, hat aber trotzdem durchgesungen) habe ich gemerkt, dass ihm das Singen schwer fiel.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"


    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Guten Abend!


    Hermann Prey und Dietrich Fischer-Dieskau waren für mich wie zwei Brüder, aber mit verschiedenen Charakteren. Hier der hemdsärmelige Prey, da der seriöse Fischer-Dieskau. Sie sangen auch fast die gleichen Opernpartien und Liedervorträge. Nur war Prey mir der volkstümlichere und bessere Sänger in den komischen Rollen. Seien es "Barbier", "Zar Peter", "Plumkett" oder "Graf Ebersbach", um nur einige zu nennen, war Fischer-Dieskau in den seriöseren Rollen führend. Sein "Rodrigo", "Carlos di Vargas" und "Macbeth" waren hervorragend. In den Liedvorträgen ähnelten sie sich schon eher. Da konnte nur der ganz persönliche Geschmack entscheiden. Von Fischer-Dieskau der "Erlkönig", eine Wucht.


    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Ein Leben lang haben mich die beiden begleitet. Zum ersten Mal erlebte ich FD, als ich 1954 zufällig bei einer Probe zur Matthäus-Passion "vorbeikam". Damals war es üblich, dass Familienangehörige des Orchesters jederzeit Zutritt zu Proben hatte. Ich blieb wie gebannt stehen, FD sang! Unvergesslich!
    Durch FD lernte ich ein Jahr später das Kunstlied kennen, ich weiß noch, wie nachhaltig aufgeregt ich auf die "Winterreise" reagierte. Mein Vater hatte die Schallplatte nach Hause gebracht, und meine kleine Schwester und ich "sangen" bald den ganzen Liederzyklus auswendig... :) . Dann kam der erste Liederabend, und ich stellte erstaunt fest, dass man nicht umblättern durfte, während FD sang, erst nach einem Zyklus von Liedern klatschen durfte - das war alles ungewöhnlich, eine neue Disziplin, die ab da Schule machte und heute eine Selbstverständlichkeit ist. In den nächsten Jahren gab es als Liedersänger nur Dieskau für mich.


    Ja, und irgendwann hörte ich Prey. Was ich hörte, weiß ich nicht mehr, aber sein Gesang drang direkt ins Herz, und das hat er dann immer getan. Mir war egal, ob er falsch sang (mein philharmonischer Vater mit seinem absoluten Gehör missbilligend kopfschüttelnd : "Warum er immer zu tief singt!?") oder sich wie einmal bei einem Salzburger Liederabend hoffnungslos in einem Liedtext (Schwanengesang-Die Ferne) verhedderte, Prey ging mir immer nah. Ein Leben lang. Und nicht nur mir, auch mein Mann kämpft jedes Mal mit den Tränen, wenn wir "Ich grolle nicht" (Dichterliebe) von HP gesungen hören.


    Schluchzend verließ ich tatsächlich einmal den Musikverein: Prey hatte schwerst indisponiert die "Winterreise" gesungen. Nie hat mich dieser Zyklus vorher und nachher so erschüttert wie an diesem Abend.


    Eine CD mit HP liebe ich besonders:



    Und damit ist es eigentlich gesagt: FD bewundere ich, HP liebe ich. In all seiner Menschlichkeit.

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  • Hier eine Opern-Aufnahme, in der beide Sänger auftreten.



    Wer verkörpert den Grafen Almaviva, wer seinen Diener Figaro?


    Jean-Pierre Ponnelle hat die Mozart-Oper mit Hermann Prey und Dietrich Fischer-Diskau verfilmt. Hier kann man sich nebst den stimmlichen Qualitäten auch ein Bild von den schauspielerischen Fähigkeiten der Sänger machen.
    (Übrigens, für mich eine der Opernverfilmungen, die mustergültig gelungen sind.)
    .


  • Wer verkörpert den Grafen Almaviva, wer seinen Diener Figaro?


    Hermann Prey sang den Figaro und Fi-Di den Grafen.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Zitat

    Hermann Prey sang den Figaro und Fi-Di den Grafen.

    Na, das hat ja wunderbar gepasst! Da waren die Rollen lebensecht verteilt ..

  • Hermann Prey war der ideale Figaro. Doch auch als Graf vermochte er zu überzeugen. In mindestens einer Aufnahme sang er diesen (wenn auch auf deutsch):


    Mozart: Figaros Hochzeit (Gesamtaufnahme 1966 - deutsch) Hermann Prey, Hilde Güden,



    Auch sonst ist diese Aufnahme von 1964 aus Dresden aufs Exquisiteste besetzt (den Figaro singt übrigens der ebenfalls hervorragende Walter Berry).


    Ich weiß gar nicht: Sang auch Fischer-Dieskau mal umgekehrterweise den Figaro?

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Hallo Josephus II.


    Du fragst


    Zitat

    Ich weiß gar nicht: Sang auch Fischer-Dieskau mal umgekehrterweise den Figaro?


    und ich kann, ziemlich sicher, sagen, daß er nie den Figaro gesungen hat.


    Herzliche Grüße vom

    .


    MUSIKWANDERER

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