Carl Ditters v. Dittersdorf [1739-1799]

  • Die Aufgabe, sieben Adagios, wovon jedes gegen 10 Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leichtesten“, schrieb Haydn im Vorwort, welches er für die spätere Ausgabe (1801) der Vokalfassung seiner „Sieben letzten Worte“ von 1796 beim Verlag Breitkopf & Härtel verfasste.


    Ähnliches könnte man von Dittersdorfs Divertimento D-Dur für 2 Oboen, 2 Hörner oder Trompeten in D und Streicher behaupten, das in (ebenfalls) acht Sätzen, sieben davon langsam (das poco Allegro kann man nicht wirklich als schnell betrachten), unterschiedliche menschliche Gemütszustände darstellt und dabei sogar fast immer in der gleichen Tonart bleibt. Ohne Ouvertüre / Intrada (wie bei Haydn) schließt er ebenfalls mit dem schnellsten Stück:


    I - Andante. Il Superbo („Der Stolze/Kühne“) D-Dur

    II - Andante. L'umile („Der Bescheidene“) d-moll

    III - Menuetto poco Allegro. Il Matto („Der Verrückte“) D-Dur

    IV - L'istesso tempo. Il Dolce („Der Sanfte/Milde“) D-Dur

    V - Andante. Il Contento („Der Glückliche/Zufriedene“) G-Dur

    VI - Menuetto. Il Costante („Der Beständige/Standhafte“) D-Dur

    VII - Adagio. Il Malincolico („Der Melancholische“) d-moll

    VIII - Allegro assai. Il Vivace („Der Lebhafte/Vergnügliche“) D-Dur


    Einige Empfindungen sind musikalisch nicht beschrieben, beispielsweise „Zorn, Wut, Hass“, „Lust und Begierde“, „Angst/Furcht“ - ich tue mich jedenfalls schwer, sie einem der Sätze zuzuordnen. „Trauer und Schmerz“ würde ich unter „Il Malincolico“ subsumieren.


    Das Werk entstand vermutlich um 1771, mithin deutlich früher als Haydns „Pendant“ - ob er es kannte? Qualitativ ist Dittersdorf hier Haydn vielleicht unterlegen, aber wenn man sich auf die Stimmungsbilder einlässt, ist das Divertimento im wahrsten Wortsinn ein Vergnügen ... die nachfolgende Einspielung für meinen Geschmack hingegen nicht unbedingt:



    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Clavierkonzert B-Dur (1773)



    Robert Veyron-Lacroix, Cembalo

    Pro Arte Chamber Orchestra

    Kurt Redel


    Interessant: nur im wunderbaren 2. Satz gesellen sich zu den Streichern der Ecksätze 2 Flöten und 2 Hörner (deux cors de chasse in F) dazu ... Im Vorwort der Noten-Ausgabe von Dr. Walter Upmeyer (IMSLP) steht: „Die Bläser im langsamen Satz sind nicht obligat behandelt und können im Notfalle, allerdings auf Kosten des Tonkolorits, fortbleiben.“ Zuvor: „Das [...] Cembalokonzert wurde einige Monate vor Mozarts Klavierkonzert in D-Dur (KV 175, Dez. 1773) geschrieben, dürfte also gerade in die Zeit des Wiener Aufenthalts Mozarts im Sommer und Herbst 1773 fallen“ - und in der Tat klingt Mozarts Mittelsatz (zumal mit den von mir ergänzten Flötenstimmen) recht ähnlich.


    Die Einspielung scheint es lediglich auf LP zu geben (bzw. gegeben zu haben).

    Der Glaube kann Sätze verbergen.