„Die Aufgabe, sieben Adagios, wovon jedes gegen 10 Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leichtesten“, schrieb Haydn im Vorwort, welches er für die spätere Ausgabe (1801) der Vokalfassung seiner „Sieben letzten Worte“ von 1796 beim Verlag Breitkopf & Härtel verfasste.
Ähnliches könnte man von Dittersdorfs Divertimento D-Dur für 2 Oboen, 2 Hörner oder Trompeten in D und Streicher behaupten, das in (ebenfalls) acht Sätzen, sieben davon langsam (das poco Allegro kann man nicht wirklich als schnell betrachten), unterschiedliche menschliche Gemütszustände darstellt und dabei sogar fast immer in der gleichen Tonart bleibt. Ohne Ouvertüre / Intrada (wie bei Haydn) schließt er ebenfalls mit dem schnellsten Stück:
I - Andante. Il Superbo („Der Stolze/Kühne“) D-Dur
II - Andante. L'umile („Der Bescheidene“) d-moll
III - Menuetto poco Allegro. Il Matto („Der Verrückte“) D-Dur
IV - L'istesso tempo. Il Dolce („Der Sanfte/Milde“) D-Dur
V - Andante. Il Contento („Der Glückliche/Zufriedene“) G-Dur
VI - Menuetto. Il Costante („Der Beständige/Standhafte“) D-Dur
VII - Adagio. Il Malincolico („Der Melancholische“) d-moll
VIII - Allegro assai. Il Vivace („Der Lebhafte/Vergnügliche“) D-Dur
Einige Empfindungen sind musikalisch nicht beschrieben, beispielsweise „Zorn, Wut, Hass“, „Lust und Begierde“, „Angst/Furcht“ - ich tue mich jedenfalls schwer, sie einem der Sätze zuzuordnen. „Trauer und Schmerz“ würde ich unter „Il Malincolico“ subsumieren.
Das Werk entstand vermutlich um 1771, mithin deutlich früher als Haydns „Pendant“ - ob er es kannte? Qualitativ ist Dittersdorf hier Haydn vielleicht unterlegen, aber wenn man sich auf die Stimmungsbilder einlässt, ist das Divertimento im wahrsten Wortsinn ein Vergnügen ... die nachfolgende Einspielung für meinen Geschmack hingegen nicht unbedingt:
