Wow, verglichen mit der 4+ für Beethoven ein Erfolg! Auf Deinen Hörbericht war ich sehr neugierig.
Alle sprechen über dasselbe Musikwerk
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Beim zweiten Hören habe ich mir M.Müllers Bericht (990) daneben gelegt, weil mir Beschreibungen von Sinfonien überhaupt nicht liegen.
Satz 1: Beim 2. Hören nicht ganz so chaotisch, aber vieles wird angerissen und nicht fortgeführt, mir scheint es eine Art Flickenteppich zu sein bzw. eine Aneinanderreihung kleiner Motive (von Melodien würde ich nicht sprechen). Der Schluss ist sehr gut, weil er kurz und bündig daherkommt.
Satz 2: Dieser Satz ist der Satz, der mir am besten gefiel, er erinnerte mich so an Brahms' langsame zweite Sätze. Schon wegen des Tempos sind hier größere Linien gefragt. Das gelingt Pepping.
Satz 3: Mit diesem Satz kann ich gar nichts anfangen, es ist ein sehr ausgefranster Flickenteppich; er "hoppelt daher" (M.Müller).
Satz 4: Dieser Satz schleppt sich so dahin, bis mit der Oboe (36:36) der richtige Schluss beginnt, der durchaus flüssig ist.
Ab 40' beginnt dann das eigentliche Finale. Ich höre gerade Pfitzners "Palestrina", im Konzilsakt gibt es eine Parole, die hier auch passt: "Schnell zum Schluss, das soll sie sein!"
Fazit: ich werde noch Furtwängler hören, dann wird es gut sein, es sei denn, es gibt noch einmal eine Live-Aufführung, woran ich zweifle.
Nachtrag: ich kenne Pepping natürlich von seinen Chorwerken, die in evangelischen Kirchenchören durchaus verbreitet waren. Diese Chöre sangen in der Regel Schütz, Bach, Schein, Prätorius, Buxtehude und andere barocke Komponisten auf der evangelischen Seite. Das modernste, das wir sangen, waren Pepping und Distler, wobei Distler sehr viel beliebter war. Das lag auch den musikalischen Substanz, daher wird Distler heute noch gesungen, Pepping selten.
Nachtrag: die Furtwängler-Aufnahme konnte ich nur kursorisch hören, denn, wie M.Müller ja schon bemerkt hat, lässt die Tonqualität keine Rückschlüsse auf die Komposition bzw. die Aufführung zu.
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Ich habe mein Versprechen gehalten, oder meine Drohung wahrgemacht - wie man es sehen will - und mir das Werk ein weiters Mal anghört in der Hoffnung ich werden zwischen den anderen zahlreichen Statements noch einen Platz hier finden.
Er war mir heut nicht Pflicht, sondern eher Vergnügen, oft schiebt man sowas tagelang vor sich her, wenn einem ein Werk nicht behagt. Aber davon kann hier nicht die Rede sein, wenngelich das Wort "eingängig" vielleicht übertrieben schein, aber stellenweise trifft es durchas zu.
Beim 2. mal hören weiß man schon, daß das zu Beginn des ersten Satzes von mir als "Trauermarsch" bezeichnet Thema bald durch freundlichere Passagen abgelöst wird, wobei immer wieder dunkle Passagen erscheinen, die aber irgendwann mehr feierlich als düster empfunden werden - jedenfalls von mir. Tiefer Ernst ja- Trauer nicht unbedingt. -Auslegungssache.
Der zweite Satz ist durchwegs "innig" gehalten - nicht nur- aber bemerkenswert oft. Man kann hier "versinken", wird aber immer wieder ins reale Leben zurückgeholt.
Der dritte Satz ist - im Gegensatz zu anderen Mitgliedern - mein Lieblingssatz. Der "Flickenteppich ist übrigens IMO ein Merkmal der ganzen Sinfoninen, wie vieler Sinfonien ab 1900. Aber irgendwann akzeptiert man das (oder auch nicht) Es mag vielleicht übertrieben erscheinen den 3. Satz als "fröhlich" zu bezeichnen, aber er ist auf jeden Fall anspringen und extrovertier, verfügt über interessant und wirkungsvolll instrumentierte Passagen über das gesmate Spektrum hindurch und wartet mit zumindest einem Ohrwurmthema auf, daß sich über weite Teile hindurchzieht. Ab hier hat - schon beim Ersthören - dies Sinfonie - bei mir gewonnen.
Vermutlich ist es auch die Liebe zu diesem Satz, daß mir zum 4. nicht wirklich etwas einfällt.
Pepping war bewusst, daß er nach einem Stilwechsel quasi zwischen den berüchtigten 2 Stühlen saß - und er hat es akzeptiert und nach einer Kritik seines Freundes (die erste Sinfonie betreffend) zynisch kommentiert:
Zitat"Nach dem konventionellen, längst dagewesenen Geklimpere der Sonaten klimperts nun per Orchester. Und wenn ich so um mich herumschaue, merke ich mit Erschrecken immer mehr, wie gänzlich unmodern ich geworden bin. Von Genie kannicht mehr die Rede sein, der brave Pepping, sehr respektabel und etwas langweilig"
Von Langeweile war bei der Zweiten indes nichts zu bemerken, die 40 Minuten vergingen jedesmal wie im Fluge.
mfg aus Wien
Alfred
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Ernst Pepping kannte ich eigentlich nur durch seine Orgelwerke, weil ein befreundeter Organist eine Schwäche für sie hat.
Beim Hören der Sinfonie war ich anfangs überrascht, wie konservativ bzw. 'klassizistisch' sie klingt. Der Kopfsatz ist durchaus spannend, manchmal auch mitreißend. Die allgegenwärtige Fanfaren-Motivik mag zum Jahr 1942 passen, der eigentlich durchwegs freudige Duktus nicht. Ich war dann doch erfreut, im Laufe des Satzes ein wenig Kontrapunktik zu vernehmen. Denn insgesamt scheint mir der Satz doch insgesamt recht einfach konzipiert zu sein, was allerdings auf der positiven Seite sicher eine gewisse Eingängigkeit zur Folge hat. Wagner und Strauss vermag ich übrigens kaum zu erkennen, obwohl (oder weil) ich mit beiden recht gut vertraut bin. Der marschartige Schluss gefällt mir sehr.
Der langsame Satz ist harmonisch sicher interessanter. Die großen Bögen wurden schon beschrieben - so ganz konsequent scheinen mir diese allerdings nicht auskomponiert zu sein, der Satz verliert sich manchmal ein wenig in Kleingliedrigkeit. Einige Holzbläserstellen erinnern mich witzigerweise an Sibelius.
Das Scherzo klingt im ersten Moment sehr klassizistisch, hat aber auch Momente drinnen, die mich an Filmmusik erinnern (z.B. Alan Silvestri). Kurzweilig allemal, aber auch in Ordnung wenn es vorbei ist.
Das Finale bringt klanglich nochmal eine Erweiterung und ein wenig Ernst in die gelöste Stimmung. Ich würde sagen, dieser Ernst verwandelt sich schnell in Pathos. Ich finde hier arbeitet Pepping ein wenig wie mit den Registern einer Orgel. Das kanonische Thema (man könnte auch eine strenge Fuge erwarten) wird duch Blechbläser, teilweise recht stufig, erweitert. Schade, dass es dann ein bisschen viel des Guten für meinen Geschmack ist. Die ganz große Schlussapotheose bleibt aber aus, hier gibt sich das Werk dementsprechend 'klassizistisch'.
Gehört habe ich Albert, weil mich der schlechte Klang bei Furtwängler nach fünf Minuten hat verzweifeln lassen. Ich bin da recht empfindlich (was mir manch legendäre, sehr alte Aufnahme unmöglich macht). Insgesamt Musik, die noch vollständig in meinem Wohlfühlspektrum liegt und die ich vom mir bekannten Pepping mancher Orgelwerke so nicht erwartet hätte. Danke also, für die Horizonterweiterung, ich werde mir den Albers (2 CD.G-GA) sicher zulegen; als interessante Erweiterung meiner 'zweiten Reihe'.
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Auch meinerseits herzlichen Dank für die Empfehlung. Offen gestanden kannte ich Pepping zuvor gar nicht. Dass es Furtwängler wichtig war, die zweite Sinfonie aufzunehmen, spricht auch für das Werk. Gestern hatte ich die CD in der Post, insofern erst mal ein flüchtiger Höreindruck (mit yt und co kann ich nur eingeschränkt was anfangen, nicht meine Welt). Beim ersten Hören war ich sofort von dem Werk angetan, in der Weise, dass ich es auch sofort einmal durchgehört hatte (meinerseits ein Kompliment an das Werk). Der guten Ordnung halber: bestellt hatte ich mir die DCD von Werner Andreas Albert.
Ein wenig verdutzt war ich über die Heiterkeit und Leichtigkeit des Werkes über weite Strecken hinweg, teilweise hat die Musik etwas ländlich-pastorales. Zuweilen klingt in meine Ohren die Stimmung von Pfitzner kleiner G-Dur Sinfonie aus 1939 an. Nun gut, 1942 waren die Verhältnisse in Deutschland noch nicht so dramatisch wie bereits 1943, aber das sind auch nur Gedanken eines Nachgeborenen. Ich werde mir die beiden CDs in Ruhe anhörne und versuchen, die zweite zwischen Nr. 1 und Nr. 3 einzuordnen. Alles in allem schon mal: eine Horizonterweiterung. Dankeschön dafür.
Liebe Grüße vom Thomas

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Ich muss zugeben, dass ich mit dieser Symphonie nicht viel anfangen kann, und dass es mir deshalb schwer fällt, meiner Pflicht genüge zu tun, hier etwas darüber zu schreiben. Ich will auch niemanden kränken, dem das Stück etwas bedeutet, finde aber doch, dass es viel musikalischen Leerlauf und hohles Handwerk enthält, und außerdem zu oft von einer klanglichen Idee zur nächsten springt. Das Scherzo fand ich am Anfang noch ganz nett, aber auch das langweilite mich dann recht schnell.
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und dass es mir deshalb schwer fällt, meiner Pflicht genüge zu tun, hier etwas darüber zu schreiben.
Es wird ja nirgendwo verlangt, daß das Geschriebene positiv sein muß
Im Beitrag 993 finden wir - wenn auch scherzhaft (oder bitter ?) gemeint ein Zitat von Pepping, das irgendwie den Kern trifft.
und außerdem zu oft von einer klanglichen Idee zur nächsten springt.
Das ist in der Tat der Fallund wurde auc schon von einem anderen Mitglied und mir festgestellt. Dies "Unart" finden wir aber bei vielen BRITISCHEN Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ich habe das immer mit den Ergebnissen verglichen, die zustandekommen, wenn ein Neuling den Umgang mit einem DTP Programm "übt" - soll heissen viele Schriftarten und Formatierungsstile miteinander vermischt, die dann letztlich doch nicht überzeugend zusammenpassen. IMO Eine Zeiterscheinung...
mfg aus Wien
Alfred
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In 993 wird Pepping zitiert, was er über seine 1. Sinfonie schrieb. Seinem Urteil, auf die 2. übertragen, muss ich mich anschließen.
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Ich habe das Stück gewählt, weil es zuvor hieß "lieber Alma Deutscher als Ligeti". Da war ich doch neugierig, wie sich Pepping in diesem Biotop schlagen würde, schließlich gehörte Ligeti zu der Gruppe von Komponisten, die gerade diese Art durch die Nazis "kontaminierter" Musik in Romantik-Nachfolge ablehnten und der Erfolg der atonalen und seriellen Musik nach 1950 hatte ja durchaus mit dieser Ablehnung zu tun. Mir war Peppings 2. eigentlich auch immer zu "altmodisch", erst beim Durchhören anlässlich dieses Threads hat es mir erstmals so richtig gefallen. Persönlich sind mir natürlich Stefan Wolpe oder Ernst Krenek wichtiger und näher, aber Parteilichkeit finde ich rückblickend immer uninteressanter. Jedenfalls denke ich, dass sich für die Konservativeren unter uns aus den meisten Generationen des 20. Jahrhunderts etwas finden lässt, man muss nicht zu gehypten Wunderkindern Zuflucht nehmen.
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Da ich morgen einen langen Arbeitstag habe, ziehe ich meinen Beitrag um ein paar Stunden vor:
Als Stück für die nächsten zwei Wochen habe ich Robert Schumanns Davidsbündler-Tänze op. 6 ausgesucht. Sie finden anscheinend sowohl bei vielen Pianisten als auch bei Hörern weniger Beachtung als etwa der Carnaval op. 9 oder die C-Dur-Fantasie op. 17 (die beide trotz ihrer höheren Opus-Zahlen vor den Tänzen entstanden). Schumann komponierte das Werk 1837, also im Jahr seiner heimlichen Verlobung mit Clara Wieck, aus deren Mazurka op. 6 Nr. 5 er auch das vorangestellte "Motto" entnahm. Dessen zwei Sprungfiguren in G-Dur widerspricht er sofort und entschlossen mit einer Antwort in H-Dur, womit gleich zu Beginn die beiden zentralen Tonarten des gesamten Zyklus‘ markiert werden.
Der "Davidsbund" war ein von Schumann ersonnener imaginärer Künstlerbund, bestehend aus fiktiven sowie verstorbenen und lebenden Personen. Sich selbst repräsentierte der Komponist in den beiden gegensätzlichen Charakteren "Florestan" und "Eusebius", und die Davidsbündler-Tänze tragen nicht nur die Widmung "Walther von Goethe zugeeignet von Florestan & Eusebius", sondern sind auch abhängig vom Stück-Charakter jeweils mit "F.", "E." oder "F. und E." unterschrieben.
Die 18 Charaktertänze, angeordnet in zwei Heften, sind voller Leidenschaft, Poesie, Humor, Skurrilität und Überraschungen. Der erste Tanz spielt nach der Einleitung raffiniert mit den Taktschwerpunkten und gerät erst allmählich in einen Walzer-ähnlichen Schwung, der wunderbar innige zweite schwebt harmonisch lange um die Grundtonart h-moll. Der dritte beginnt "Mit Humor" und "Etwas hahnbüchen" mit einer erweiterten Version des Mottos von Clara Wieck, gefolgt von kanonischen, tänzerischen Abschnitten und einer überraschenden Coda. Der vierte Tanz ist "Ungeduldig" zu spielen, was Schumann durch den einfachen aber höchst wirkungsvollen Kunstgriff erreicht, im gesamten Stück die rechte Hand synkopisch um ein Achtel nach hinten zu verschieben. Nummer fünf balanciert perfekt zwischen dem liedhaften Beginn ("Einfach") und der tänzerisch punktierten Fortsetzung. Im Mittelteil wird dasselbe Thema mit Triolen umspielt und variiert, bevor es "Etwas langsamer" in Originalgestalt zurückkehrt. Der sechste Tanz ("Sehr rasch und in sich hinein"), einer der größten und auch technisch anspruchsvollsten des Zyklus‘, setzt die Idee der "verschobenen Hände" aus Nr. 4 fort und steigert sie in höherer Komplexität bis zum virtuosen und leidenschaftlichen Schluss, der auch im Ganzen den ersten zusammenhängenden Abschnitt beendet. Wenn dieses der erste Höhepunkt der "Florestan"-Seite war, dann folgt mit dem siebten Tanz ("Nicht schnell – Mit äußerst starker Empfindung") das umfangreichste und in seinen ständigen Tempostauchungen und Verzögerungen fast affektierte "Eusebius"-Portrait. Im scherzohaften Tanz Nr. 8 hat die lebendige Begleitung ein solches (vor allem rhythmisches) Gewicht, dass sie fast zur Hauptsache wird, über der sich nur Melodiefragmente behaupten können. Mit dem zuckenden, aufgeregten und harmonisch instabilen neunten Tanz ("Lebhaft. Hierauf schloß Florestan und es zuckte ihm schmerzlich um die Lippen") endet das erste Heft (wie auch später das zweite) in C-Dur.
"Balladenmäßig. Sehr rasch" beginnt das zweite Heft mit einem Tanz, der vor allem durch das Gegeneinander von 3/4- und 6/8-Metrum, also Zweiteilung gegen Dreiteilung geprägt ist. Wieder beeindruckt die großartige Wirkung einer im Grunde simplen Idee (das "Sehr rasch" sollte deshalb nicht "zu rasch" sein, weil man sonst die Spannungen zwischen den beiden Metren nicht mehr wahrnehmen kann). Der zweite Tanz ("Einfach") besteht aus einem ausdrucksvollen liedhaften Thema in Oktaven, das dann in der zweiten Hälfte in tieferer Lage variiert wird. Es folgt "Mit Humor" ein scherzohaftes, witziges Florestan-Portrait, der hier offenbar besonders guter Laune ist. Mit der schönen Bezeichnung "Wild und lustig" setzt der vierte Tanz an, bei dem im A-Teil beide Hände im rhythmischen Kanon spielen, wobei führende und imitierende Stimme mehrfach plötzlich wechseln. Dieser Aufregung wird im B-Teil ein beschwichtigender Choral entgegengesetzt, bevor die überraschende Coda "Immer schneller und schneller" und im Pianissimo Decrescendo verschwindet. Der folgende fünfte Tanz "Zart und innig" ist wohl eines der schönsten Stücke, mit einer innigen Melodie in höherer Lage über ausdrucksvoll aufsteigenden Achtelketten. Seine Coda verströmt eine unvergleichliche klangliche Wärme, was Schumann wiederum ganz einfach dadurch erreicht, dass er nach dem langen Diskant-Gesang wie zum Abschied in die untere Mittellage wechselt. Der sechste Tanz leitet den letzten Abschnitt des Werkes ein und besteht aus zwei verschiedenen Teilen: einem "Frisch" und selbstbewusst auftretenden Dreier-Tanz (Florestan) und einer großen Kantilene über wogenden Achtelbegleitungen (Eusebius), die etwas an Schumanns Lied "Du meine Seele, du mein Herz" erinnern. Die drei letzten Tänze bilden eine zusammenhängende Einheit: Der siebte beginnt "Mit Humor", es folgt ein augenzwinkernd polternder Kanon und, vielleicht als Reminiszenz an den vierten Tanz des ersten Heftes die Variation des Themas mit verschobener rechter Hand. "Etwas langsamer" und überraschend in Fis-Dur beginnt die Überleitung zum achten Tanz, bei dem über leise pulsierenden Synkopen "Wie aus der Ferne" eine Art Abschiedsmelodie erklingt. Und dann geschieht etwas vollkommen Unerwartetes: Plötzlich erscheint aus dieser synkopierten Begleitung der zweite Tanz des ersten Heftes und wird wortgetreu wiederholt. Als wäre das noch nicht genug der Überraschung, steigert sich das ganz verträumte Stück beim Da-capo plötzlich zu einem wilden, leidenschaftlichen Aufschwung, bevor es dann doch am Ende geheimnisvoll und leise endet. Hiermit wäre eigentlich der stimmige Schluss des Werks erreicht, aber es folgt noch eine letzte Überraschung: Nach einer kurzen Wendung nach C-Dur hat Eusebius das letzte Wort im 3/4-Takt ("Ganz zum Überfluß meinte Eusebius noch Folgendes; dabei sprach aber viel Seligkeit aus seinen Augen").
Es gäbe noch manches z.B. zu den Unterschieden zwischen der Erst- und der Zweitausgabe, zur teilweise offenen Form mit ad-libitum-Wiederholungen, zur wichtigen Bedeutung der Polyphonie, zum Hintergrund der Widmung, zur Frage der Wiederholungen und der Metronomzahlen usw. zu sagen, aber für den Anfang soll es erst einmal reichen.
An guten und sehr verschiedenen Aufnahmen der Davidsbündler-Tänze herrscht trotz der oben genannten Zurückhaltung vieler Pianisten kein Mangel, ich empfehle z.B. die von Mitsuko Uchida, Maurizio Pollini, Claudio Arrau, Vladimir Ashkenazy und anderen. Arcadi Volodos spielt in diesem Jahr die Tänze bei seinen inzwischen leider recht seltenen Klavierabenden, in Deutschland konnte man ihn damit u.a. im Februar in der Elbphilharmonie und zuletzt im Theater Münster hören (die illegalen Mitschnitte, die davon im Netz kuriseren, verlinke ich aus Prinzip nicht). Um wenigstens eine Version direkt zu verlinken, ist hier die von Claudio Arrau von 1971:
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Hier noch mein Nachtrag zu Peppings 2. Sinfonie (dank arbeits- und urlaubsbedingtem Zeitmangel erst jetzt).
Ich habe die Sinfonie über die vergangenen Tage etwa 4-5 Male gehört, mal nebenbei, mal wirklich rein ohne etwas anderes dabei zu tun. Meistens wählte ich dabei die cpo-Aufnahme, die Furtwängler-Aufnahme ist klanglich leider doch zu schlecht, interpretatorisch kam sie mir dennoch energetischer vor.Ich werde aus dem Stück leider nicht wirklich schlau. Die Klangsprache gefällt mir, ihre starke Rückwärtsgewandtheit und Orientierung an vergangenen Musikstilen irritiert mich aber immer wieder. Quasi bei jedem Hördurchgang ertappte ich mich dabei, Langeweile zu verspüren, die dadurch erzeugt wird, dass mir das Stück einfach zu lang ist. MMn täte jedem Satz eine Kürzung gut. Außerdem sorgte das unerwartete Ende des 1. Satzes jedes Mal für Verwunderung, das mag auch an der cpo-Aufnahme liegen, Furtwängler kriegt dieses Satzende etwas besser hin.
Am besten gefallen hat mir der dritte Satz, den ich gar nicht „dahergehoppelt“ finde. Ich finde auch diesen Satz zu lang, mag aber seine unbeschwerte Energie und das Ohrwurmthema.
Das Stück ist aufgrund der Entstehungszeit und Klangsprache wirklich interessant, ich werde aber wohl noch viele Hördurchgänge zur Erschließung brauchen. Da ging es mir bei Peppings anderen Sinfonien etwas einfacher.
Liebe Grüße
Amdir
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Zunächst einmal vielen Dank an ChKöhn für den Vorschlag!
Nun kann ich nicht sagen, dass es eine Erstbegegnung ist, so dass ich mir erst einmal einen kurzen Überblick durch ein paar verschiedene Interpretationen verschafft habe.
Immer wieder beeindruckt mich das musikalisch Fantastische und das dauernde Wechselbad der Gefühle beim jungen Schumann. Jeder Interpret macht da tatsächlich etwas völlig Eigenes draus, was ich auf die Schnelle kaum beurteilen kann. Gefallen hat mir, zu meiner eigenen Überraschung, die Interpretation Arraus am besten. Ich habe sie nicht einmal in meiner Sammlung. Kein anderer spielt die rhythmische Vertrackheit der Stücke und die Bedeutung für die Gefühlsschwankungen für mich so klar heraus, wie dieser bei mir als "bieder" abgeheftete Pianist. Uchida und Luisada gehen das Werk völlig anders an. Bei Uchida höre ich noch einen großen Zusammenhang.
Das sind alles nur erste Eindrücke.
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Ich bin im Moment durch Beruf und Nachwuchs sehr eingespannt, aber ich möchte den Pepping auf jeden Fall noch nachholen. Auf die Davidsbündler-Tänze freue ich mich, gerade weil ich sie nicht so gut kenne, wie man das als Klassik-Liebhaber sicherlich sollte. Es gibt auf youtube übrigens auch ein Video mit Noten (zu der Aufnahme von Wilhelm Kempff):
LG

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Ich habe mir nun auch noch die Aufnahmen von Pollini und Ugorski angehört und muss gestehen, je mehr ich höre, um so weniger glaube ich, zum Werk sagen zu können
. Es fehlt eine gewisse Naivität, die man hat, wenn man etwas zu ersten Male hört. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass jeder Künstler hier etwas zu sagen hat, auch wenn die Interpretationen weit auseinanderliegen mögen.Da man aber irgendwie anfangen muss, wähle ich Claudio Arrau und sein Spiel. Mittlerweile konnte ich mir die Einspielung im Download besorgen. Als CD ist sie momentan wohl nicht zu erhalten.
Schumann betitelt die Teile immer mit einem kurzen Text, der vermutlich den Charakter beschreiben soll. Da ich die Noten nicht habe, komme ich mit F + E natürlich nicht weiter. Wenn man sich diese Kurzbeschreibungen ansieht, kommt Arrau mit den Teilen für Humor und lustig nicht so gut zurecht, wie zum Beispiel Ugorski, der diese Komponente offensichtlich im Blut hat. Aber am Ende sagt das natürlich nichts, weil die Musik ohne Texte zu uns sprechen sollte und das tut Arrau für mich auch so.
Das erste Stück des Zyklus ist mit "lebhaft" betitelt und leitet ebenso den Zyklus ein. Was mir bei den Interpretationen auffällt, ist, dass es nicht einfach ist auf der einen Seite das richtige Gewicht als einleitendes Stück für den Zyklus mit Lebhaftigkeit zu verbinden. So mancher meint ein ADHS-Symptom entdecken zu müssen.
Das geht natürlich, schleudert den Rezipienten aber gleich mit Wucht in den Zyklus und beim zweiten Stück "innig" kommt die Vollbremsung. Mir persönlich fehlt da etwas Subtilität an der Stelle und der Blick auf die Gesamtkonstruktion.Arrau meistert das für mein Ohr vorbildlich. Ich kann das wahrscheinlich nicht annähernd so gut beschreiben wie Arrau es spielt. Sein Spiel verleiht der Einleitung keine Wucht, aber eben Gewicht. Man erkennt, dass wir etwas Bedeutendem lauschen. Die Techniken wird ein Berufener sicher besser beschreiben können, aber Arrau kommt mit Andeutungen durch das Stück. Indem er die Rhythmik sehr transparent macht, kommen die verschiedenen "Stimmen" gut zur Geltung. Die Temposchwankungen im Spiel Arraus reichen völlig aus, um eine kommende Verworrenheit anzudeuten. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich es besser fände, könnte ich meine Betrachtungen am Notentext mit Harmoniewechseln und Motivähnlichkeiten belegen, leider bleibt es nur bei Eindrücken.
Dann muss ich leider schon mit dem Tagwerk loslegen und für "innig" auf den nächsten Beitrag vertrösten ...

PS: Noten zu finden war jetzt keine echte Herausforderung: http://de.instr.scorser.com/D/289905.html
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Schumann betitelt die Teile immer mit einem kurzen Text, der vermutlich den Charakter beschreiben soll. Da ich die Noten nicht habe, komme ich mit F + E natürlich nicht weiter. Wenn man sich diese Kurzbeschreibungen ansieht, ist Arrau mit den Teilen für Humor und lustig nicht so gut zurecht, wie zum Beispiel Ugorski, der diese Komponenete offensichtlich im Blut hat. Aber am Ende sagt das natürlich nichts, weil die Musik ohne Texte zu uns sprechen sollte und das tut Arrau für mich auch so.
Bezeichnungen wie "Mit Humor" oder "Lustig" können bei Schumann schnell auf die falsche Fährte führen. Gemeint ist anscheinend nicht "witzig", sondern eher so etwas wie skurril, grotesk, schrullig. Z.B. enthält die Humoreske op. 20 (die noch seltener gespielt und gehört wird als die Davidsbündlertänze) praktisch keine "witzigen" oder im heutigen Sinne "humoristischen" Elemente, aber eine Reihe von sonderbaren, fantastischen Charakteren. Typisch ist die Bezeichnung "Wild und lustig" für den 13. Davidsbündler-Tanz: Der klingt überhaupt nicht lustig, aber er stellt vielleicht jemanden dar, der sich so fühlt, das enthemmt auslebt und dabei von außen mit etwas Befremden, vielleicht auch leicht amüsiert beobachtet wird. Die Vortragsbezeichnung beschreibt also eher den Blick auf das Stück als dieses selbst. Dazu passt auch, dass die (später gestrichenen) poetischen Überschriften in der Vergangenheitsform stehen: Florestan "schloß", es "zuckte" ihm schmerzlich um die Lippen, Eusebius "meinte" noch Folgendes. Das heißt, dass der ganze Zyklus die musikalische Erzählung von etwas Geschehenem darstellt. Das ist vielleicht als inneres Konzept der Distanzierung notwendig, um dem Ganzen mit seiner Fülle von Übertreibungen, Abgedrehtheiten usw. eine gewisse Stabilität zu verleihen. Und an dem Punkt hätte dann auch die allgegenwärtige polyphone Struktur ihren tieferen Sinn.
Das erste Stück des Zyklus ist mit "lebhaft" betitelt und leitet ebenso den Zyklus ein. Was mir bei den Interpretationen auffällt, ist, dass es nicht einfach ist auf der einen Seite das richtige Gewicht als einleitendes Stück für den Zyklus mit Lebhaftigkeit zu verbinden. So mancher meint ein ADHS-Symptom entdecken zu müssen.
Das geht natürlich, schleudert den Rezipienten aber gleich mit Wucht in den Zyklus und beim zweiten Stück "innig" kommt die Vollbremsung. Mir persönlich fehlt da etwas Subtilität an der Stelle und der Blick auf die Gesamtkonstruktion.Interessanterweise ist Schumanns Metronomzahl (Viertel = 160) für diesen ersten Tanz eher gemächlich, wie ein tanzbarer Walzer. Auch "lebhaft" ist also nicht mit "schnell" gleichzusetzen. Der zweite Tanz ist hingegen mit Viertel = 138 nur etwas langsamer. Ich kenne keine Einspielung, die dieses Verhältnis wörtlich nimmt, und ich finde das auch musikalisch nicht sinnvoll, aber natürlich sollte man sich als Interpret damit beschäftigen und es bei seinen Tempoentscheidungen nicht einfach übergehen.
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Ich habe jetzt mal ohne irgendwo nachzusehen (außer bei 9 und 18 (ich zähle durch), wo es unvermeidlich ist) die Florestan & Eusebius Zuordnungen hörenderweise versucht. Wobei eine Pointe freilich die wechselseitige Durchdringung & Vermischung dieser Aspekte sein könnte. Ergibt 11:7 für Florestan, daher stimmt es vermutlich nicht, wobei es natürlich nicht gleich viele Stücke sein müssen, zumal E die langsameren & von der Dauer oft längeren Stücke hat wie 7 und 17.
1 F
2 E
3 F
4 F
5 E
6 F
7 E
8 F
9 F
10 F
11 E
12 F?
13 F
14 E
15 F
16 F
17 E
18 E
op. 6 ist vielleicht mein Favorit unter den ähnlichen Zyklen kürzerer Klavierstücke, wobei ich es früher auch eines der schwierigsten Werke Schumanns fand (o..k. Humoreske noch viel seltamer). Carnaval ist so ein Feuerwerk, leichter zu mögen, ebenso die "klassischeren" Symphonischen Etüden, und Kinderszenen oder op.12 sind allein durch die Kürze leichter erfassbar und auch eingängiger.
Charles Rosen war ein großer Verehrer des Werkes, hat es mehrmals eingespielt (verbreitet Sony/CBS 1960er) und ausführlich in Büchern/Aufsätzen kommentiert. Wie Schumann zB mit der Offenheit/Abgeschlossenheit spielt, da das vorletzte Stück eigentlich den Abschluss mit der offensichtlichen Reprise des 2. zu bilden scheint, dann aber eben ein weiteres als "Nachklang" (vgl. den oben zitierten Kommentar) folgt. Vgl. auch Dichterliebe, bei der das 1. Lied "mittendrin" zu beginnen scheint und das letzte mit einem ausführlichen Klavier-Nachspiel endet.
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Ich habe jetzt mal ohne irgendwo nachzusehen (außer bei 9 und 18 (ich zähle durch), wo es unvermeidlich ist) die Florestan & Eusebius Zuordnungen hörenderweise versucht. Wobei eine Pointe freilich die wechselseitige Durchdringung & Vermischung dieser Aspekte sein könnte. Ergibt 11:7 für Florestan, daher stimmt es vermutlich nicht, wobei es natürlich nicht gleich viele Stücke sein müssen, zumal E die langsameren & von der Dauer oft längeren Stücke hat wie 7 und 17.
Nr. 1 ist "F. und E." unterschrieben, ebenson Nr. 13 (wegen des konstrastierenden Choralteils), Nr. 15 sowie (zusammen) Nr. 16 und 17. Alle anderen hast Du richtig zugeordnet. Ich habe jetzt nicht nachgezählt, aber wenn es nach Deiner Liste 11:7 stand, müssten ja jetzt noch vier "E." dazugekommen sein, also ausgeglichen 11:11.
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Von meinem musikalischen Werdegang her kam Schumann noch nach Stockhausen in mein Hörrepertoire und ganz anders als ein Chopin, der sich richtig in die Gehörgänge einschmeichelt, war Schumann für mich ein sperriger Musikpartner. Die Unvermitteltheit der Stimmungswechsel war für mich nur schwer verdaulich und da mich auch Jean Paul und E.T.A. Hoffmann nicht interessierten, war kein leichter Zugang zu finden. Die Live-Erfahrung brachte für mich wichtige Erkenntnisse. Hier konnte ich wahrnehmen, wie absolut originell Schumann mit den Klängen dieses Instrumentes spielt, um seine Fantasien zu realisieren. Ich meine damals ein wenig von dem begriffen zu haben, was musikalische (romantische) Poesie sein kann. Ganz anders als die von mir sonst gehörte Musik scheint Schumann einen unvermittelt "anzuspringen". Es gibt kaum einen musikalischen Rahmen, der hier gestaltend wirkt. Die poetischen Bilder entwickeln Kräfte, deren Zusammenkommen, ob schlüssig oder kontrovers, der Sache erst ihren Sinn geben. So viel Getexte erst einmal zu den Gedanken, die mir in den letzten zwei Wochen beim Hören so durch den Kopf gegangen sind. Ich kann nur hoffen, dass sie nicht durchgehend unverständlich formuliert sind.

Was mir nun bei heutigem Hören auffällt ist Schumann Kurzatmigkeit. Er entwickwelt ganz anders als sein Freund Mendelssohn keine Liebe zur Melodie, sondern arbeitet mit kurzen Motiven, die er, so scheint es mir, geschickt rhythmisch und kontrapunktisch gegeneinanderstellt. Auf diese Art gelingt es ihm, die wildesten Stimmungen und "einfache" Stimmungen zu kombinieren. Schon der erste Tanz weist solche Kontraste auf, womit ich es als "F+E"-Stück sehen würde. Der Begriff "Einfach" wird von Schumann selbst bei einigen Tänzen verwendet. Im 5. Tanz gibt Schumann dann der Melodik etwas mehr Raum und polyphone Setzungen scheinen zu verschwinden. Im 6. Tanz "Sehr rasch" wird dann wieder alles verwirbelt. Am Ende meine ich doch ein Spiel mit Formen, also auch eine formale Struktur, zu erkennen, die aber sehr schumanneigen zu sein scheint.
.... wird fortgesetzt
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Ich kannte bisher sehr wenig von Schumann, an Klavierwerken aus der weiteren Epoche fand ich bisher eigentlich nur Chopin fast durchgängig gut. Der Klavier-Brahms sagt mir z.B. wenig (ok, ist ein paar Jahre später, aber das nehme ich nicht so genau), Schumann stand für mich irgendwie in seiner Ecke, jedenfalls fiel er bisher immer durchs Rost.
Ich dachte, ich tue meine Pflicht, es reicht, ihn auf einem rugged phone in der Badewanne zu hören - wasserdicht, aber nicht unbedingt die highfidelsten Lautsprecher - und: Überraschung, ich bin von der Musik eingesaugt worden, sie gefällt mir, fast jedes kleine Stück, einige Stücke sogar ausnehmend gut, gerade die stillen, leisen, langsamen!
Hier im Urlaub, etwas erkältet - und eine heiße Wanne ist dann das richtige - habe ich keine anderen Lautsprecher zur Verfügung, aber wenn wir am Sa wieder zu Hause sind, werde ich mir eine Stunde Zeit nehmen, die Sennheiser HD 800 auf den Ohren, und dann nochmal sehr aufmerksam lauschen. Und aufgrund der Kommentare hier, die ja verschiedenen Interpretationen sehr unterschiedliche Wirkungen zuschreiben, werde ich wohl auch zwei möglichst gegensätzliche Interpretationen hören.
Jedenfalls schon mal vielen Dank für die überraschende Entdeckung.
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Was mir nun bei heutigem Hören auffällt ist Schumann Kurzatmigkeit. Er entwickwelt ganz anders als sein Freund Mendelssohn keine Liebe zur Melodie, sondern arbeitet mit kurzen Motiven, die er, so scheint es mir, geschickt rhythmisch und kontrapunktisch gegeneinanderstellt. Auf diese Art gelingt es ihm, die wildesten Stimmungen und "einfache" Stimmungen zu kombinieren. Schon der erste Tanz weist solche Kontraste auf, womit ich es als "F+E"-Stück sehen würde.
Ja, unter den großen Komponisten ist Schumann ohne Zweifel der "nervöseste" (das hat, wenn ich mich recht erinnere, Peter Gülke in seinem Schumann-Buch geschrieben, das ich aber gerade irgendwo verlegt habe und nicht finden kann
). In seinem Spätwerk, z.B. in Teilen der späten Violinsonaten geht das dann so weit, dass man manchmal das Gefühl hat, er habe zwei oder drei Stücke gleichzeitig aufs Papier gebracht. Auf der anderen Seite ist bei ihm die oft geradezu wilde Fantasie viel stärker polyphon gebunden als bei seinen Zeitgenossen. In einem anderen Forenleben habe ich mal viel Gegenwind für die These bekommen, dass Schumann in dieser Hinsicht näher an Bach als an seinen romantischen Zeitgenossen wie Liszt ist, was aber meines Erachtens eindeutig zu belegen ist. Natürlich klingt seine Musik nicht wie Bach, aber der Einfluss ist allgegenwärtig. Er selbst hat das auch Zeit seines Lebens betont: Seine ersten Kompositionsstudien als Jugendlicher hat er anhand von Friedrich Wilhelm Marpurgs "Abhandlung von der Fuge" betrieben, später hat er eine Klavierfassung der "Kunst der Fuge" und Klavierbegleitungen zu den Sonaten und Partiten für Violine solo geschrieben, hat immer wieder selbst Fugen komponiert, die er als "Charakterstücke höchster Art" ansah, hat in seinem Tagebuch von "Fugenwuth" und "Fugenpassione" geschrieben und bekannt, "Fugen u. canonische(n) Geist in all meinem Phantasieren" zu erleben. Er war Gründungsmitglied der Bach-Gesellschaft und unterstützte Mendelssohns Bach-Pflege publizistisch. Das Wohltemperierte Klavier bezeichnete er 1832 in einem Brief als "meine Grammatik" und sechs Jahre später allgemein Bachs Musik als sein "täglich Brod". In Bach fand er die "Verbindung von Unbewusstem und höchster Besonnenheit" am klarsten ausgeprägt und strebte dasselbe für sein eigenes Schaffen an. Er war der Meinung, dass "das Tiefcombinatorische, Poetische und Humoristische der neueren Musik" bei Bach seinen Ursprung habe. An Liedkomponisten wie Berger, Burgmüller, Loewe und Marschner lobte er das "Bachische" Verfahren, "auf wenige Takte, oft Noten, ganz wundersam gefügte Stücke" zu gründen, "durch die sich jene Anfangslinien in unzähligen Verschlingungen hindurchziehen". Wenige Noten als Basis zu ganz "wundersam gefügte(n) Stücke(n)": Das klingt fast wie eine Kurzzusammenfassung der Davidsbündler und ihrem zweitaktigen Motto. Das erste Stück der Kinderszenen ("Von fremden Ländern und Menschen") enthält übrigens gleich zu Beginn in der Tenorstimme die Folge B-A-C-H.Ich meine damals ein wenig von dem begriffen zu haben, was musikalische (romantische) Poesie sein kann.
Ja, die Verbindung zur Poesie ist ein weiterer Punkt, der Schumann von seinen Zeitgenossen unterscheidet, und für sein musikalisches Denken enorm wichtig ist, ganz besonders in den Davidsbündler-Tänzen mit ihren poetischen Überschriften und Anspielungen.
Ich dachte, ich tue meine Pflicht, es reicht, ihn auf einem rugged phone in der Badewanne zu hören - wasserdicht, aber nicht unbedingt die highfidelsten Lautsprecher - und: Überraschung, ich bin von der Musik eingesaugt worden, sie gefällt mir, fast jedes kleine Stück, einige Stücke sogar ausnehmend gut, gerade die stillen, leisen, langsamen!
(...)
Jedenfalls schon mal vielen Dank für die überraschende Entdeckung.
Das freut mich wirklich sehr!
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Ja, unter den großen Komponisten ist Schumann ohne Zweifel der "nervöseste"
Wie treffend !!
Ich habe neulich vorgeschlagen - nein sogar verlangt - daß auch (in diesem Thread eingetragene) Mitglieder sich äussen sollen, denen ein hier vorgeschlagenes Werk NICHT gefällt.
Dieser "Pflicht " komme ich hier nach. Wobei gesagt werden muß, daß ich grundsätzlich ein gestörtes (oder besser gesagt : kaum bestehendes ) "Verhältnis" zu Schumann habe. Vielleicht mit den "Kinderszenen" oder "Jagdzenen"der einigen davon - als Ausnahme. Welch ein Unterschied zu Mendelssohns "Lieder ohne Worte" die ich für wesentlich ansprechender,und eingängiger halte.
Dieses hier zur Debatte stehende Werk habe ich in der - an sich unangefochtenenen - Aufnahme mit Pollini gehört. Und es sir IMO noch schlimmer als die anderen (was man vermutlich auch daran erkennen kann, daß es "unbekannter" ist. Das Zuhören macht MICH nervös, Unheimliche Kontraste und Stimmungsschwankungen, nichts wirklich eingängiges, das mich zum Hören "verführt" - ein ungefällige Musik eines (IMO) fragwürdigen Charakters, dem immer wieder (obwohl auch immer wieder widersprochen) zumindest eine TENDENZ zu einer Gesteskrankheit attestiert wurde. Zu lebzeiten wurde an diesem Tatbestand am Ende seines Leben überhaupt nicht gezweifelt - obwohl es keine gesicherte Diagnose gegeben hat. Clara war anscheinend nicht unglücklich drüber.
Ein Mann, der seine Ehefrau kontrollieren wollte, ein "Ehetagebuch" anregte, einen halbiktiven Bund "Davidsbündler" anregte, bzw. erfand, wo er den einzelnen Kunstfiguren spezielle Charaktär zuwies, oder andichtete. Ein "Bund" der lebende und Verstorbene beeinhaltete, wobei sich erwachsene Männer in "Rollenspielen" übten. Als Kritiker war er unbarmherzig uns teilweise ungerecht. Hören wir uns jene Stücke an, die er (von anderen Komponisten) in seiner Zeitung veröffentlichte - streng seinen Richtlinien folgend. - dann darf man auch gelegentlich an seinem guten Geschmack zweifen. Zahlreicvhes Mittelmaß (um es freundlich zu formulieren) war da dabei - während er zu gleicher Zeit in Frage stellte ob Joseph Haydn in jenen Tagen noch beliebt , bzw hörenswert sei. Den Thread hab übrigens ich damals gestartet und betreut - aus musikhistorischem Interesse.
Sammlung von Musikstücken alter und neuer Zeit
Es gibt VEREINZELT Klavierstücke von Schumann, die ich mag, aber sie sind selten, die meisten vermögen nicht , mich für sie einzunehmen- geschweige denn zu begeistern. Schumann wirds egal sein......
mfg aus Wien
Alfred
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Gerade dieses Kleingliedrig-Verwinkelte habe ich immer gemocht, auch beim Selber-Spielen. Von einer breiten Kenntnis des Werks dieses großen Komponisten bin ich aber weit entfernt, stattdessen zu viele „Kleinmeister“ gesammelt.
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Ich höre das Stück jetzt gerade über gute Lautsprecher, keine Lust auf Kopfhörer. Tiffany Poon spielt 2023 in Dresden, gute Tonqualität.
1. "Nervös" als Charakterisierung fiele mir dazu nicht ein. Eher das, was auch der Titel sagt
2. Schöne Melodie
3. Klarer Tanz, es hopst und springt, auch hier wieder lebhaft
4. Schöner Anfang, kein Tanz, ausdrucksstark, ich finde es sehr gut, kann auch nichts Ungeduldiges entdecken
5. Eher simpel und nichtssagend
6. Gut gehämmert, stark!
7. Ziemlich lyrisch, allerdings keine äußerst starke Empfindung, vielleicht auch besser so, sonst wäre es schnell zu schmalzig,
Ansätze zu guter Melodie, aber es fehlt Zündendes, das Triolenartige (?) wird übertrieben
8. Geht gut ab, mag ich - "frisch" ist die richtige Bezeichnung
9. Ein bißchen orientierungslos
10. Gleich im Einstieg viel Gedonner, kerniger Baß! Guuut!
11. "Einfach" ist wohl die richtige Bezeichnung, man hat nicht den Eindruck, daß mit der simplen Melodie Besonderes vermittelt werden soll
12. Es hopst und springt wieder, schön
13. Wieder Gehämmer, und zwar von der Sorte, die man gern hört. Ruhige Zwischenphase, danach nimmt es wieder richtig gut Fahrt auf, hinten leider wieder ruhiger. "Lustig" kommt zwar imho nicht vor, aber insgesamt gut
14. Lyrisch, sehr schöne Melodie zum Einstieg, bleibt auf hohem Niveau
15. Jahrmarktartiger Anfang, wird aber schnell lyrisch und hört sich dann sehr gut an, bisher stärkstes Stück, abgesehen vom Schluß, die Klopper sind kontraproduktiv
16. Komplizierte Versetzungen der Hände, melodisch eher schwach
17. wieder gute Melodie, im weiteren Verlauf noch stärker werdend, auch die zum Ende hin schnellen Rhythmen passen
18. Ruhiger, tanzenden Abschluß, am Ende freut man sich nicht, daß es vorbei ist
Im Vergleich zur Badewannensession (siehe Beitrag 1009) haben die schnellen, lauten Stücke eher an Wertschätzung gewonnen und die lyrischen sind leicht zurückgefallen. Insgesamt sehr schön, Gefahr des wiederholten Hörens, macht Lust auf mehr Schumann. Im Unterschied zu anderen Rezensenten hier kann ich weder Nervosität noch Kurzatmigkeit bemerken.
1,7
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Ich bin nicht der große Liebhaber und Kenner von Klaviermusik, was für Schubert und auch für Brahms nicht gilt. Daher habe ich auch die Angewohnheit, bei Vorschlägen aus dem Bereich Klavier erstmal abzuwarten, was die Kenner schreiben. Dann warte ich auf die Darstellung von Michael Müller, der weiß mehr als ich, aber nicht so viel wie die Pianisten hier, also, wie so oft, meine "Kragenweite"; "Blindenhund" träfe es auch, ist vielleicht etwas respektlos, aber hier angebracht, denn er sieht (=hört) unbedingt mehr als ich.
Für den neuen Vorschlag, Schumann, habe ich die gleiche Pianistin wie Michael ausgewählt, vor allem, weil sie live zu sehen ist und man dadurch die Stücke besser verfolgen kann. Am Schluss gab es einen Blick in den prachtvollen Saal; den hätte man öfter zeigen können.
Zum Hören habe ich die eingeblendeten Überschriften mitgelesen, vor allem aber hatte ich Michael Müllers Beschreibung und Wertung der einzelnen Stücke ausgedruckt und danebengelegt, um für mein Urteil eine Basis zu haben.
Hier führe ich nur die Stücke auf, die mir gut gefielen. Das heißt nicht, dass alle anderen jetzt schlecht waren, aber eher neutral.
2: innig. In der Tat; dazu eine schöne Melodie.
8: frisch
14: zart und singend; das war es in der Tat. Leider gibt es dieses "singende" hier nicht so oft.
15: wunderschön, bis auf den Schluss
16: (negativ) "wuselig"
17: wie aus der Ferne. Ein wunderbares Stück, mein liebstes aus dieser Serie. Es wäre auch als Schluss besser geeignet als der eigentliche Schluss (18).
Einige Bemerkungen hier über Schumanns Kompositionstechnik als "kleinteilig" oder "nervös" habe ich auch so empfunden (ich hätte es ohne die vorherige Analyse z.B. von astewes nicht so ausdrücken können).
Alfreds Vorliebe der "Lieder ohne Worte" von Mendelssohn gegenüber Schumann teile ich.
Eine Konsequenz haben die Davidsbündler doch gehabt: ich werde mir morgen von der gleichen Pianistin im gleichen Saal die "Kinderszenen" anhören; die habe ich 60 Jahre nicht gehört.
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Heute morgen noch einmal die Aufnahme von Tiffany Poon gehört, Kinderszenen und Davidsbündlertänze. Die Arabesque hat mich heute gestört und wurde weggelassen...
Fortsetzung der Eindrücke:
Der Hinweis von ChKöhn auf die polyphon barocke Natur des Werkes hat mich zusammen mit der Interpretation auf die rhythmische Gestaltung des Werkes hören lassen. In Hintergrund treibt trotz aller Poesie eine klare (manchmal etwas variiert) rhythmische Kraft das Geschehen an.
Als großer Freund von Passacaglien liebe ich die musikalische Entfaltung aus dieser schreitenden Bewegung. Man kann das noch an Stefan Wolpes bekannter Passcaglia mit allem Nachdruck wahrnehmen. So kamen mir heute auch die Davidsbündler vor. Es sind tatsächlich Tänze, allerdings nicht wie in der barocken Suite, nur kontrastierend aneinandergereiht, sondern "poetisch" gegeneinandergesetzt und von einem Rhythmus getrieben.
Es kommt einem manchmal vor, als wolle Schumann verführen. Gerade der 14. Tanz "Zart und singend" entfaltet eine zauberhafte Pracht nach "Wild und lustig" und birgt den Wunsch nach Bleiben, aber ... es wird weitergeschritten. Die für mich wahrnehmbare Taktung des Werkes verhindert das Verweilen. Irgendwie will es mir vorkommen wie ein Symbol des Lebens und erklärt auch für mich das schwelende Nervöse oder Kurzatmige in dieser Musik.
Nun zu meinen Lieblingstänzen. Einen auszusuchen will mir nicht gelingen. Tatsächlich finde ich die Trias "Ungeduldig - einfach - Sehr rasch und in sich hinein" sehr gelungen, ebenso die Trias "Balladenmäßig sehr rasch - einfach - Mit Humor". Das Einfache bleibt nur ein "frommer Wunsch". Das Ende ist auch interessant. Anders als in der Passacglia beendet Schumann sein Werk nicht mit einem Höhepunkt, sondern lässt es "wie aus der Ferne" und "nicht schnell" ausklingen.
Je häufiger ich es nun in letzter Zeit gehört habe, umso beeindruckender war das Erlebnis für mich. Die zwei Wochen haben mir dieses Werk tatsächlich näher gebracht, während es sonst hinter der Kreisleriana und der Fantasie zu verschwinden drohte.
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Es ist ja viel über die Interpretation von Tiffany Poon gesagt worden. Auch wenn die jetzt vorgestellte Live-Aufnahme nicht die ist, die ich gehört habe, scheinen aber einige andere sich darauf zu beziehen. Also
Tiffany Poon - Schumann - Davidsbündlertänze Op. 6 vom Dresden Music Festival 2023, Palais im Großen Garten
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Ein Interview mit Tiffany Poon über Schumanns Klaviermusik.
Ich bin niemand, der gerne Interviews mit Musikern sieht, aber das hier war eine große Überraschung. In einer bunten, nie langweiligen Mischung, werden hier Szenen aus ihrem Leben (sie war ein "Wunderkind"), ihrem Studium (8 Jahre Juilliard),ihrem Engagement für klassische Musik auf YT vorgestellt. Man erlebt eine lebendige junge Frau, die viel über Musik nachdenkt - und sie perfekt spielt.
Auch über das Dresdener Konzert wird berichtet, etwa, wie sie einzelne Stücke probt (mit Noten von einem tablet), dann auch weitere Konzertausschnitte. Bei den kleinen Ausschnitten der Proben der "Davidsbündler Tänze" schien (!) mir, dass sie da energischer spielte als im Konzert.
Ich muss an dieser Stelle sagen, dass dieser kleine Film mir gezeigt hat, dass ich als nächstes dieses ganze Konzert noch einmal hören werde, natürlich nicht auf einmal. Dazu gehören dann noch die Kinderszenen und die Klaviersonate Nr. 2.
Ein wenig habe ich mich schon an den "rauheren Ton" von Schumanns Klaviermusik gewöhnt; er erinnert mich ein wenig an Janaceks Klaviermusik.
Ich muss sagen, dass sich hier unser Unternehmen ("Alle hören...) wieder als voll wirksam erwiesen hat, denn vorige Woche hätte ich nicht im Traum dran gedacht, ab heute Schumannsche Klaviermusik zu hören. Dazu hat allerdings auch die intensive und lebendige Art der Interpretin viel beigetragen.
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Ich muss gestehen, dass ich die Davidsbündlertänze von Schumanns Klavierwerken mit am wenigsten mag. Eine wohl etwas unpopuläre Meinung. Ich erkenne die kompositorische Qualität dieser Musik zweifelsfrei an und viele der kleinen Stücke gefallen mir auch gut. Vergleichswert ist hier ja das Klavierwerk Schumanns und a gefallen mir viele Sammlungen/Zyklen und Einzelwerke teilweise erheblich besser. Seien es die Sonaten/Fantasie, oder Opp. 9, 12, 13, 16, 18 oder auch 82 und 111. Da die Qualität der Davidsbündlertänze unbestritten ist und viele Musikfreunde einen guten Zugang finden, liegt meine zurückhaltende Meinung definitiv an mir und vielleicht ändert sich das auch nochmal irgendwann.
Möglicherweise sind mir einige der kürzeren Stücke zu wenig prägnant. Einige vielleicht zu wenig 'schön'. Die Beschreibung vom "nervösen Schumann" gefällt mir und scheint mir passend. Bei der von mir heißgeliebten Violinsonate Op. 121 gefällt mir das zum Beispiel sehr.
Dennoch gefällt mir auch einiges. Meine Favoriten sind die Nummern 4, 11, 13 & 14 und damit sauber aufgeteilt zwischen Florestan und Eusebius.
Nr. 4 "Ungeduldig" lässt auf kleinstem Raum eine tolle gedrängt-dramatische Stimmung entstehen.
Nr. 11 "Einfach" singt so wunderschön ein einfaches, feierlich-tröstliches Motiv aus.
Nr. 13 "Wild und lustig" ist vielschichtig: Zunächst mitreißend, dann feierlich choralartig.
Nr. 14 "Zart und singend" bringt den lyrischen, singenden Schumann zu Gehör - da könnte ich ewig weiterhören.
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Ich bin nun auch mit dem Hören der Davidsbündlertänze fertig. Ich muss gestehen, dass mich dieser Zyklus bei nur einmaligem Hören erstmal etwas überfordert, so voll ist er mit Einfällen und Wendungen (vom "Programm" mit den beiden fiktiven Charakteren mal ganz abgesehen). Das ist aus meiner Sicht eher etwas, das man sich erarbeitet und dessen Zauber sich schrittweise erschließt. Die Beschreibung als "nervös" finde ich durchaus treffend.
Meine Favoriten sind im Moment erstmal die etwas ruhigeren Stücke Nr. 2, 11, 14 und 17. Den Schluss mit der Nr. 17 und der "drangeklatschten" Nr. 18 finde ich sehr pfiffig.
Ich kann schon nachvollziehen, dass dieser Zyklus nicht ganz die Popularität anderer Schumannscher Klavierwerke genießt, weil man sich die Welt der Davidsbündlertänze eher etwas erschließen muss. Im Vergleich dazu gehen z. B. die Kinderszenen eher direkt ins Ohr (zumindest in meins
).In jedem Fall bin ich für die Stückauswahl sehr dankbar! Das Tolle an diesem Thread ist für mich, dass man durch ihn viel kennenlernen kann, das man bisher vernachlässigt und versäumt hat.
LG

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Ich hatte mit Schumanns Klaviermusik und generell seiner Musik bisher nicht viel am Hut, in den letzten Jahren habe ich aber zumindest seine Sinfonien schätzen gelernt. Die Davidsbündlertänze habe ich vor den letzten zwei Wochen noch nie gehört, jetzt habe ich mir die Aufnahmen von Pollini (meine einzige Aufnahme auf CD) sowie von Kempff (Youtube, für die Noten) zu Gemüte geführt.
Tatsächlich hat mir das Stück weitestgehend gut gefallen, auch ohne Noten konnte ich die Florestan-Eusebius-Zuschreibungen größtenteils blind gehört korrekt vornehmen. Für mich hat das Stück durch Zuhilfenahme der Noten allerdings sehr gewonnen, dadurch konnte ich die Feinheiten der Musik noch mehr wertschätzen.
Die bewusste Kontrastierung der Einzelstücke durch die beiden gegensätzlichen Charaktere gefällt mir sehr. Gerade wenn aber mehrere Florestan-Stücke aufeinander folgen (3+4 und ibs. 8-10) empfand ich das dann aber doch als etwas ermüdend. Grundsätzlich gefallen mir wohl die ruhigeren Eusebius-Stücke insgesamt besser.
Hier ein paar Worte zu jedem Einzelstück:
1: Die überraschende Ausweichung in den ersten Takten lässt aufhorchen. Das Wechselspiel zwischen beiden Stimmungen finde ich sehr schön, durch die Synkopen mit Akzent in der rechten Hand meine ich auch in den Eusebius-Passagen etwas Florestan-Einfluss zu erkennen.
2: Ein wunderbar fließendes, grüblerisches Stück, gefällt mir sehr gut!
3: Mir persönlich etwas zu grobschlächtig, das Ende mit den Wellenbewegungen mag ich aber sehr.
4: Eines meiner Favoritenstücke. Ich liebe die Vorhaltsbildungen und -auflösungen sowie das melodische Auf und Ab im ersten Teil des Stückes.
5: Klangschön, mir aber zu sehr repetitiv/sequenziert.
6: Der erste Abschnitt ist nicht mein Fall, auch wenn ich den zeitweisen Wechsel der Rhythmen der linken und rechten Hand interessant finde. Der piano beginnende Schlussteil sagt mir da schon eher zu.
7: Sehr schön, tolle emotionale Bandbreite. Besonders gefällt mir der Teil mit den Orgelpunkt-Achtelpendeln.
8: Kurz, knackig und mit viel Drive, gefällt mir! Erinnert mich irgendwie an Schubert.
9: Mir zu viel sforzato und zu grobschlächtig. Schöner Kontrast aber durch die weicheren Schlusstakte.
10: Das "Balladenmäßig" höre ich da nicht wirklich raus, mir ist das zu sehr gewollt dramatisch. Ein schöner Einfall aber mit den Melodiepassagen im Bass.
11: Toll, ein Favoritenstück! Gefällt mir von vorne bis hinten sehr gut, insbesondere die zusätzliche Schaffung von Bewegung durch die Sechzehntel nach Klammer 2 hat einen fabelhaften Effekt!
12: Wieder etwas wilder und sprunghaft, gefällt mir aber gut! Die piano-Passage finde ich wundervoll. Allein schon die Noten sehen mit den vielen Sechzehnteln sehr kunstvoll aus, schöne Abwechslung von den sonstigen mir persönlich zu grobschlächtig wirkenden Florestan-Parts.
13: Spannende Kombination! Interessante rhythmische Verschiebung Achtel + Viertel vs. Viertel + Achtel zu Beginn, schöner Kontrast mit dem Choral. In der Coda finde ich faszinierend, wie Elemente beider Charaktere auftauchen und sich in rechter und linker Hand abwechseln.
14: Eines meiner Favoritenstücke, wunderbar gesanglich und innig. Erinnert mich irgendwie an das von mir sehr geliebte Ges-Dur-Impromptu Op. 90 Nr. 3 von Schubert. Tolle Schlusstakte mit Dominante mit Sextvorhalt, wahrscheinlich meine liebste Schlusswendung.
15: Wieder schöne Kontraste, die Eusebius-Passage ist großartig! Ebenfalls einer meiner Favoriten.
16: Nicht mein Fall (beide Teile), der erste Teil ist mir zu stampfend und monoton, die klangliche rhythmische Unheitlichkeit und Uneindeutigkeit des Trios verwirrt mich. Den attacca-Übergang zu Nr. 17 finde ich aber sehr schön gelöst. Erinnert mich von der Machart an den Übergang von Variation 8 "W.N." zu Variation 9 "Nimrod" aus Elgars Enigma-Variationen.
17: Auch ein Favoritenstück. Ich liebe die Orgelpunkte und die zusätzliche Schaffung eines dichteren Klanges durch die Synkopenbegleitung zu Beginn. Unerwartet kam für mich der Callback zu Stück Nummer 2, das direkt in die Coda übergeht, Florestan pfuscht herrlich in Eusebius Musik herum. Auch dieser Florestan-Part gefällt mir wunderbar, mit hervorragendem Schluss.
18: Beim Ersthören gefiel mir das "Ankleben" dieses Stückes nicht, durch die Noten verstehe ich es aber vollkommen, Schumann schreibt ja selber davon, dass dieses Stück eigentlich überflüssig sei: "Ganz zum Überfluss meinte Eusebius noch Folgendes, dabei sprach aber viel Seligkeit aus seinen Augen.". Hier kommt auch Figurenentwicklung hervor, der überstürzt wirkende Florestan gibt nicht noch im Nachhinein seinen Senf dazu und der zurückhaltende Eusebius nimmt sich die Freiheit, das letzte Wort beizutragen. Schumanns textliche Beschreibung passt fabelhaft. Auch hier gefällt mir die Verwendung von Orgelpunkten (insbesondere in den Schlusstakten) ausnehmend gut. Ein toller Abschluss, rein vom Hören wäre ich aber auch mit Nr. 17 als Schluss zufrieden gewesen. Angeblich soll es ja ein unvollendetes 19. Stück geben, ich kann mir noch nicht wirklich vorstellen, wie sich das hätte einfügen sollen.
Auch wenn mir nicht jedes Stück gefallen hat, habe ich das Werk insgesamt mit Gewinn gehört, dafür liebe ich diesen Thread. Die Tanzzuschreibung kommt mir allerdings gerade in den Eusebius-Teilen nicht wirklich in den Kopf. Interessiert wäre ich auch noch daran, wie sehr sich die Erstfassung und die Zweitfassung unterscheiden, auf Wikipedia konnte ich nur Unterschiede der Spielanweisungen herauslesen. Vielen Dank für den Vorschlag!
Liebe Grüße
Amdir
