Alle sprechen über dasselbe Musikwerk

  • Ich finde, dass der Anfang des Concert champêtre unerwartet archaisch klingt, gar nicht nach Barock, etc. Generell wirkt der 1. Satz sehr episodisch, es wechseln sich sehr häufig schroffe, archaische Abschnitte mit offensichtlich von barocker Musik inspirierten Teilen ab. Dabei wechseln sich Orchester und Cembalo häufig ab und spielen sich gegenseitig die Bälle zu. Es gibt immer neue Klänge zu entdecken, ich muss aber auch gestehen, dass der Satz nicht hätte länger sein dürfen, ansonsten hätte mich das Hin und Her angefangen zu langweilen.

    Beim zweiten Satz finde auch ich das Melodienreichtum herrlich, die Passagen, in denen Orchester und Cembalo zusammenspielen sagen auch mir deutlich mehr zu als die Solopassagen.

    Der letzte Satz gefällt mir am besten, die Tonsprache ist weniger schroff und Orchester und Cembalo spielen häufig zusammen oder ergänzen sich wirklich passend. Spannend sind hier die langsame Episoden, die an den ersten Satz erinnern und eine unheimliche, mysteriöse Ebene mit in den fröhlichen Tanz bringen. Auch das langsame Ende mit den dissonanten Bläsern und dem seltsamen, verklingenden Schlussakkord verwundern.


    Man merkt auf jeden Fall Poulencs Willen, unter Nutzung barocker Formen, Instrumente und Stereotype etwas Neues zu erschaffen, was mMn wirklich gut gelungen ist. Mir persönlich ist das Gesamtergebnis jedoch etwas zu weitschweifend, mir fehlt ein wenig der musikalische "rote Faden". Dazu kommt, dass ich einfach kein großer Cembalo-Fan bin ;)

    Trotzdem vielen Dank für den Vorschlag!


    Liebe Grüße

    Amdir

  • Ich bin mal wieder dran.


    Ich nominiere das Stück "Mediterranean Sundance" aus der LP "Friday Night in San Francisco", die von Al di Meola, John McLaughlin und Paco de Lucia aufgenommen worden ist. Auf dem besagten Stück spielen aber nur Meola und Lucia.


    Ich werde es später ausführlich kommentieren.


  • Ich nominiere das Stück "Mediterranean Sundance" aus der LP "Friday Night in San Francisco", die von Al di Meola, John McLaughlin und Paco de Lucia aufgenommen worden ist. Auf dem besagten Stück spielen aber nur Meola und Lucia.

    ^^ ^^ ^^ :thumbup: :thumbup: :thumbup:


    Du wirst Dich wundern - die CD habe ich. Das liegt an meinem Sohn. Er mag Jazz-Musik, spielt akustische Gitarre und E-Gitarre und ist ein großer "Fan" von Al di Meola. Das kann ich mir sehr gut anhören! :hello:

  • Ich nominiere das Stück "Mediterranean Sundance" aus der LP "Friday Night in San Francisco",

    :D:D:thumbup:

    Ist ja mal ne Idee, Jazz nach hierhin zu bringen. Die Platte kenne ich seit Schülerzeiten, sie ist so ziemlich Kult. In Dauerschleife lief der "Mediterranean Sundance" allerdings von dieser Platte (bin nicht unbedingt ein live-Fan):



    Paco de Lucia spielt auch hier mit. Ein wunderbares Flamenco-Stück und atemberaubende Gitarrenläufe. Ich habe mich nie mit der Entstehuing des Stückes beschäftigt, traue den beiden aber durchaus zu, daß der "Mediterranean Sundance" eher improvisativ in Rede und Gegenrede zwischen den beiden entstanden ist. Auf der Platte ist das Stück fast ein Solitäir, Meola ist da noch sehr stark elektronisch unterwegs, "Lady of Rome" geht da noch in die akustische, spanisch-folkloristische Richtung (weswegen ich die Platte immer auf diese beiden Stücke reduziert habe. Leider ist diese Art Musik nicht in den Tops der medialen Wahrnehmung, denn tatsächlich hätte ich neben Al di Meola noch den Gitarristen Juan Martin auf dem Radar (womit sich allerdings meine diesbezügliche Kenntnis bereits erschöpft), auf dessen Platten ich eher radiohörend in den Spätprogrammen von WDR gestoßen bin (auch schon 40 Jahre her). Mit diesbezüglichen Plattenempfehlungen werde ich diesen Thread nicht stören (sie kommen bei WHIGJ-Jazz), habe überdies noch ein paar Zeilen zum "Concert Champetre" nachzutragen, werde aber gerne wieder zu dieser lange nicht gehörten Platte greifen.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Die CD kenne ich zwar nicht, aber Nummern der drei Gitarristen, die dann auch oft gemeinsam spielen, habe ich schon vor Jahrzehnten per LP erworben - oder geschenkt bekommen, das weiß ich nicht mehr. Daher will ich mir gerne Michael Müllers Werk der Doppelwoche anhören und kann mir den Stil ein wenig ausmachen. Flamenco-Einfluss wird wohl dabei sein. "Jazz" ist natürlich ein weiter Begriff und in einem weiten Sinne wird das auch zutreffen. Ob in einem engeren? :)

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

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  • Die Studioaufnahme ist übrigens deutlich kürzer:



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Gerade höre ich mir die Version an, die Thomas Pape vorhin eingestellt hat. So habe ich die Musik erwartet und freilich ist das vom Flamenco stark und von einem Standard-Jazz nicht ganz so stark geprägt. Gut - da kann man lange und ziemlich sinnlos streiten.


    Nicht nur unterhaltsam, sondern auch in der Improvisation bestens gemacht! Dass gewisse barocke Ostinato-Modelle eine Rolle spielen, wird man sagen können. Ob der Vergleich geistreich ist, sei dahingestellt. :P:)

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • "Jazz" ist natürlich ein weiter Begriff und in einem weiten Sinne wird das auch zutreffen. Ob in einem engeren? :)

    Das Stück ist eine Fusion aus Jazz und Flamenco. Die Eingangsmelodie ist entlehnt dem Stück Rio Ancho, das Paco de Lucia geschrieben hat, und das eindeutig dem Flamenco zuzurechnen ist. Auch die zwischendurch gespielten Läufe mit ihren extrem kurz angerissenen Saiten ist Flamenco-Technik.

  • Die Studioaufnahme ist übrigens deutlich kürzer:



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Und auch nicht ganz so brillant, zumal ja anscheinend Paco de Lucia nicht mitspielt. Meola spielt hier also vermutlich beide Kanäle selbst ein.

  • ^^ ^^ ^^ :thumbup: :thumbup: :thumbup:


    Du wirst Dich wundern - die CD habe ich. Das liegt an meinem Sohn. Er mag Jazz-Musik, spielt akustische Gitarre und E-Gitarre und ist ein großer "Fan" von Al di Meola. Das kann ich mir sehr gut anhören! :hello:

    Lieber Holger, daß Du das Stück kennst, hat mich dann doch ein wenig gewundert. Umso mehr freut es mich natürlich.

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  • Und auch nicht ganz so brillant, zumal ja anscheinend Paco de Lucia nicht mitspielt. Meola spielt hier also vermutlich beide Kanäle selbst ein.

    Doch, Paco de Lucia hat mitgespielt, hier das Setting der Platte (hab's gerade im web kopiert): Al Di Meola (g, p, perc, synth), Paco de Lucía (g), Jan Hammer (keyb, synth), Barry Miles (keyb, p, synth), Anthony Jackson (b), Steve Gadd (dr), Lenny White (dr), Mingo Lewis (congas, synth, org, perc)


    Man kennt das u.a. von Miles Davis, daß ein Stück im Studio eingespielt wird, meist auch im lower Tempo, das dann im live-Auftritt ganz andere Dimensionen bekommt. Das schein bei Al di Meola auch so zu sein, wengleich die 11 min Version auf der von Dir geposteten Platte ein Blend von Mediterranean Sundance von Al di Meola und Rio Ancho von Paco de Lucia ist (was die lange Spieldauer erklärt).


    Der Sundance hat live für meine Ohren ein wenig zuviel Speed, aber wirkt dadurch temperamentvoller, das Studi-Original ist gediegener und artifizieller. Wie dem auch sei: ein Klasse-Stück.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • OK, mal wieder die Variante: keiner redet über dasselbe Musikstück -


    Ich habe es tatsächlich gewagt, ein klassisches Flamenco-Stück vorzuschlagen - nach Ligeti und anderen "Klassikern" ist das vielleicht etwas außergewöhnlich, aber tatsächlich handelt es sich um DAS beste Gitarrenduo, das je gespielt wurde.

    Ich mache Euch keinen Vorwurf, wenn Ihr das Stück nicht mögt - ich mag auch vieles nicht, was hier so vorgeschlagen wird - aber Ihr solltest wenigstens die Eier haben, Euer Mißfallen deutlich zu bekunden UND zu begründen.


    Es ist Freitag - bis Sonntag ist noch Zeit.

  • Ich glaube, das alte Pingel-Gesetz gilt trotz vieler Todesmeldungen weiter: "Erstmal schreibt keiner, der Themenersteller wälzt sich schlaflos, der Hauptstrom kommt am letzten Tag!"

    Lieber Michael, natürlich werde ich das noch hören, aber ich stelle fest, dass ich Rockmusik sehr mag; ein Schüler der 10. Klasse hat mir damals (70er) die wichtigsten Bands nahegebracht (Doors, Steppenwolf, Jethro Tull, Colosseum, Pink Floyd und noch so einige). Als die CDs erschienen, habe ich alles neu gekauft und höre sie bis heute. Aber dieser Junge ist mit dem Motorrad tödlich verunglückt, daher gab es keine Fortsetzung. Heißt: ich werde es hören, aber schreiben werde ich wohl nicht auf die Reihe kriegen.

    Trotzdem alle Achtiung, dass ihr auch auf diesem Gebiet sattelfest seid.

    Neue Sprichwörter: Leo leonis lupus - Leo leonis leo

  • OK, mal wieder die Variante: keiner redet über dasselbe Musikstück -

    Da muss ich mich entschuldigen - ich habe das Stück tatsächlich noch einmal gehört am letzten Wochenende mit dem Kopfhörer von der CD aber wegen der Diskussion über diese bestimmten Instrumente mit Vorschlagshämmern, die mehr auf Saiten eindreschen, also Deinen "Krach" statt Töne produzieren, dann versäumt, zu schreiben. ^^


    Das ist wirklich packend und begeisternd. Ein virtuoses Feuerwerk mit Rasse und Klasse! Es macht einfach Spaß die beiden Könner zu hören. Etwas ketzerisch dachte ich mir mit Blick auf den vorherigen Totentanz, warum man dem armen Liszt immer vorwirft, dass er Virtuose ist, aber in diesem Bereich das goutiert.


    Auf der CD steht: Al di Meola spielt rechts, Luca links.


    Über die große Anlage werde ich das dieses Wochenende noch einmal hören! Entdeckt habe ich bei dieser Gelegenheit, wie viele Al di Meola CDs mein Sohn angeschafft hat (er hört heute keine CDs, nur über PC, so dass die Sammlung in meinen Händen ist). Da werde ich immer mal wieder reinschnuppern. Einiges kenne ich schon. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Wir sollen die Eier haben uns zu äußern ^^

    Na dann: Ich persönlich bin leider überhaupt kein Gitarren-Fan. Und auch Jazz bzw. hier Flamenco ist ebenfalls nicht so mein Fall. Einfach überhaupt gar nicht meine Musikwelt. Na klar, mehr als Popmusik und die Zumutungen der heutigen Charts. Aber letztlich höre ich seit vielen Jahren quasi nur noch sog. Klassische Musik (Kinderlieder meiner Tochter und Zwangs-Pop-Beschallung in der Welt mal ausgenommen) und meine mit diesem Begriff quasi alles zwischen Palestrina und Pärt.


    Aber was ich sagen kann: Es ist immer erhebend, Könnern beim Musizieren zuzuschauen. Mein Bruder heiratete vor zwei Jahren in einer Jazz-Bar und auch da staunten wir über die intuitiven und improvisierenden Fähigkeiten der Musiker. Auch hier kann man nur Staunen, wie die beiden Gitarre spielen können! Das verdient meine ehrliche Anerkennung.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

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  • Gestern habe ich mir das Stück nochmals nochmals über Kopfhörer angehört - mit dem richtigen Kabel. Da war es noch präsenter und "fetziger". Mir hat der Mut von Michael für diese Wahl sehr gefallen. ^^ Gitarre mag ich, die klassische natürlich, aber ansonsten höre ich nahezu ausschließlich klassische Musik. Über meinen Sohn habe ich überhaupt einen Zugang zur Jazz-Gitarre. Was besonders dieses Stück ausstrahlt ist Lebensfreude pur. Das ist keine Musik, für die man irgendwelche "intellektuellen" Gedanken braucht, um sie zu verstehen. Sie ist unmittelbar eingängig. Das finde ich hat eine eigene Qualität: Sie ist mitreißend und einfach toll gespielt. Früher bei WDR 3, als ich in meiner Schul- und Studentenzeit viel Radio hörte, kam es immer wieder mal vor, das zwischen den klassischen Stücken ein Jazz-Stück kam. Ich fand das immer gut. Warum nicht ab und zu mal "fremdgehen", wenn es Vergnügen bereitet? ^^


    Jedenfalls vielen Dank Michael für die Wahl. Vielleicht hat sich doch der eine oder andere Forist die CD besorgt? Aber heute gibt es ja Streaming... :hello:

  • Vielen Dank, Holger! Es ist ja schon eher ungewöhnlich, daß das vorgeschlagene Stück überhaupt besprochen wird, zudem positiv. Der letzte der 14 Tage ist angebrochen, und ich hoffe noch auf den Strom, den Dr. Pingel angedeutet hat.


    Wie auch immer:


    Es gibt aufgrund des überragenden Erfolges der Originalversion einige Versionen, die zum Teil wesentlich später als das Original aufgenommen wurde: sie zeichnen sich mehr oder minder dadurch aus, daß sie die ursprüngliche Artistik nicht wiederholen konnten.



    Immer noch gut, aber doch schon deutlich weniger virtuos.


    Oder hier - na ja



  • Damit möchte ich keineswegs die Virtuosität älterer Herrschaften in Frage stellen - oder doch??


    Was es jedenfalls zeigt, wie herausragend das Original war - und immer noch ist.

  • Ich würde mich gerne als Guitarrenfan notiert wissen. Aber das ist keine Klassik.

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

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  • Das habe ich wieder mal nicht realisiert. Wie die Zeit vergeht... Heute ist Feiertag - wie Sontag. Zum Glück hatte ich ein Stück schon ausgewählt und bin also nicht unvorbereitet. Morgen früh also - zum Start der Arbeitswoche - kommt es und wird eingestellt. Heute ist für mich wie Sonntag. Ich muss jetzt erst einmal den Garten spritzen, damit die Blumen nicht verdursten.:D

  • Zu meiner Wahl, die diesmal eine "Herausforderung" darstellt, fällt auf den nicht zwölftönigen, aber "atonalen" (Schönberg lehnte den Begriff "atonal" ab) Schönberg, sein erstes Bühnenwerk, das Monodram Erwartung:


    Es ist dies ein klassisch expressionistisches Stück, sowohl von der Musik als auch dem Text her und zeigt Schönberg von seiner klangsinnigen Seite. Schönberg vollendete das Stück 1909, uraufgeführt wurde es dann in Prag 1924. Die Leitung der Aufführung hatte Alexander von Zemlinsky.


    Aus der Einführung von Therese Muxeneder (die Einführung und den Text zur Musik kann man herunterladen im Internet):


    »Erwartung«. Monodram in einem Akt op. 17


    "»Schreiben Sie mir doch einen Operntext, Fräulein!« – August 1909: Schönberg verbrachte zusammen mit seiner Familie, Alexander von Zemlinsky, Alban Berg, Anton Webern und Max Oppenheimer inSteinakirchen bei Amstetten seinen Urlaub. In den Kreis um Schönberg wurde durch Karl Kraus und Zemlinsky die angehende Wiener Ärztin Marie Pappenheim eingeführt, die während ihres Medizinstudiums an der Universität Wien unter dem Pseudonym Maria Heim Gedichte schrieb und in der Niederösterreichischen Sommerfrische von Schönberg gefragt wurde, ein Libretto zu schreiben. Pappenheim, deren Gedichte 1906 von Kraus in der »Fackel« publiziert wurden, hatte im Juni 1909 promoviert und praktizierte danach als Dermatologin, weil sie »nicht als Lyrikerin durchs Leben wandern« wollte. Zwei Tage nach Schönbergs Anregung reiste sie zu Freunden nach Traunkirchen weiter und verfaßte innerhalb von drei Wochen den Text zum Monodram »Erwartung«: »Ich schrieb im Gras liegend mit Bleistift auf großen Bogen Papier, hatte keine Kopie, las das Geschriebene kaum durch.«


    (...)


    Bereits 1910 begann Schönberg mit dem Dirigenten Arthur Bodanzky vom Mannheimer Nationaltheater über eine Aufführung der »Erwartung« zu verhandeln. Die Planung verzögerte sich bis 1913 und scheiterte an der
    Unterbesetzung des Mannheimer Orchesters. Auch Gespräche mit der Wiener Volksoper (1910) und dem Wiener Akademischen Verband (1913) blieben erfolglos. Die Uraufführung fand erst am 6. Juni 1924 im Prager Deutschen Opernhaus im Rahmen des Musikfestes der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik unter Alexander von Zemlinskys Leitung statt und wurde in der Fachpresse als »Protest gegen den Opernkitsch« (»Signale für die musikalische Welt«) und »ungeheuer dichte Konzentrierung auf einen Seelenzustand« (»Die Musik«) gewürdigt."


    Als Aufnahme empfehle ich Jessye Norman und James Levine:


    817rzOlMIGL._SS500_.jpg


    Es gibt bei Youtube auch noch eine Live-Aufnahme mit Jessye Norman:



    :hello:

  • Ich würde mich gerne als Guitarrenfan notiert wissen. Aber das ist keine Klassik.

    Der Titel lautet allerdings "...Musikwerk", nicht "....klassisches Musikwerk". Und ich finde, abgedrehter als einiges, das hier schon vorgeschlagen wurde, ist es nicht. Und Flamenco gehört durchaus zur klassischen Musik Spaniens.

  • Ich will es aber gar nicht weiter verteidigen, es ist sozusagen qua mehrheitlichem Schweigen durchgefallen: Pech gehabt - oder falsche Entscheidung getroffen.

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  • Ich will es aber gar nicht weiter verteidigen, es ist sozusagen qua mehrheitlichem Schweigen durchgefallen: Pech gehabt - oder falsche Entscheidung getroffen.

    Da widerspreche ich doch vehement. Zumindest mir ist das Stück seit Jahrzehnten vertraut, geläufig und geschätzt. Richtiger ist wohl eher, daß der "Mediterranean Sundance" aus dem Hörspektrum einiger reiner Klassikhörer rausfällt (in meiner Sammlung steht Elegant Gipsy" bei Jazz, was auf die Platte ja auch mehrheitlich zutrifft). Allerdings fällt schon auf, dß das Höspektrum der meisten Taminos Fokussierungen hat, in die zusätzlche Perspektiven schwer eindringen. Ist nicht schlimm und sogar verständlich, da das Hören ja auch Zeit erfordert und die entsprechende Resonanzbereitschaft. Mit Al di Meola hast Du bei mir offene Türen eingerannt, dafür kommt Holger jetzt mit einer für mich harten Nuss um die Ecke. Aber ich werde mich der Herausforderung stellen und meinen bescheidenen Kommentar abgeben.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Nun zur "Erwartung". Holger hat sinnigerweise von einer "Herausforderung" gesprochen. Immerhin, in meiner Sammlung findet sich eine Aufnahme des Werkes mit Pierre Boulez und der Sängerin Janis Martin. Von Schönerg kannte ich bislang lediglich "Pelleas und Melsiande", das ich als Jugendlicher gerne gehört hatte, mir sogar die Aufnahme von Barbirolli zulegte. Gepackt seinerzeit hat mich allerdings Bergs "Wozzeck". So richtig eine Zwölftonoper ist das nicht, die Entstehung deckt einen ähnlichen Zeitraum ab wie die "Erwartung". Und ich habe das Gefühl, daß es da Ähnlichkeiten gibt, aber da muss Holger aushelfen oder die kenntnisreiche Gemeinde. Bei "Wozzeck" laufen neben dem Gesang musikalische Abläufe, die die gesungene Szene illustrieren, aber nicht melodiös unterstützen, quasi ein Parallelkosmos. Den Eindruck habe ich bei der "Erwartung" auch. Bei dem (inneren) Monolog der namenlosen Frau schwirren die ganz Ängste der damaligen Zeit vor Nach, Wald, Dunkelheit umher, die wir heute dank Straßenbeleuchtung und Lichtverschmutzung gar nicht mehr kennen. Eine junge Frau läuft durch einen nächtlichen Wald, die Szenen 1-3 beschreiben diesen Weg, sie sucht den Liebsten, den sie schon längst erwartete, will ihm entgegenlaufen und erschrickt vor allerlei Wahnbildern. Szene 4 hat's in sich: sie stößt auf eine Leiche und erkennt ihren Liebsten. Der sich nun entspinnenden Monolog ist ein regelrechtes Psychodrama: Zunächst das Erkennen des toten Geliebten, sodann die Beschreibung seiner Züge, aber auch seiner tödlichen Wunde, ihre eigen Liebe zu ihm, ihre Erwartung an Wiedersehen und Nacht und dann die Blickrichtung des Geliebten im Tode, nicht in Richtung des Hauses der Frau sondern eine andere. Daraus folgend die Wahnhafte Unterstellung der Untreue, alles bleibt im Offenen, im Vagen (spätestens jetzt käme man auf die Idee, daß der Text von einer Frau verfasst sein muss) letztlich zum Schluß wird die Rede vergebend, trauernd, und endet mit einem Grundzweifel "Oh, bist Du da, ich suche..". Das Werk endet hier abrupt.


    Mit Melodie hat das alles wenig zu tun, vielmehr mit überbordendem Affekt, im Orchester vor allem Tonmalerei und da an Bergs "Wozzeck" erinnernd. Natürlich auch dem sehr expressiven Singen. Das hat keine Schönheit, das ist Affektübersetzung.


    In den Liedern op. 2 vertont Schönberg ein Gedicht von Richard Dehmel gleichen Titels, das, erheblich symbolischer und konzentrierter formulierend, den gleichen Inhalt zu haben scheint. Und auch das später orchestral umgesetze Maeterlinck-Schauspiel "Pelleas und Melsisande" -offenbar ein Schlüsselwerk der Zeit- dreht sich letztlich um diesen Komplex, der keinen Abgleich an dritten Bezugspersonen kennt, sondern die unglückliche Liebe, den Wald als Isolationsmotiv vor allem Unsicherheit und Selbszweifel und Generalzweifel. Hier nun ein Psychodramtischer Monolog. Wahrscheinlich hätte man das mit anderen musikalischen Mitteln als jenen Schönbergs gar nicht vertonen können, wahrscheinlich hätte ein solcher Text in früheren Zeiten kaum entststehen können (Paradigmenwechsel und Bruch?). Es würde mich interessieren, die Musik einmal ohne den Gesang zu hören (Berg hat ja einzelne Szene des "Wozzeck" als Orchesterstück isoliert). Einmaliges Hören reicht nicht, um hinter Schönbergs "Erwartung" zu kommen. Somit dies hier als erster Einddruck.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
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  • In der Tat eine Herausforderung: für mich gleich doppelt, da ich üblicherweise die hochgezüchteten Opern-Sopranistinnen-Stimmen nicht höre, die sind mir zu schrill, zu aufgeblasen, zu unnatürlich. Und nun nicht nur, daß sie überhaupt singt, sondern auch, was sie singt.


    Lieber Holger, Du warst so fair, meinen Vorschlag recht ausführlich zu besprechen und konntest ihm ja auch positive Seiten entlocken. Leider kann ich diese Freundlichkeit nicht erwidern, da mich hier so ziemlich alles abschreckt. Durch Eure Beiträge habe ich so ein bißchen mitbekommen, worum es sich handelt, und das Ganze hört sich vom Setting her durchaus interessant an, aber Tonsetzung und Ausführung sind halt so gar nicht meins. Deshalb habe ich es mir tapfer einmal angehört und komme anders als Thomas zu dem Schluß, daß mir ein einmaliges Hören als ausreichend erscheint.

  • Ich habe es doch noch geschafft, dieses Stück zu hören. Ich kannte alle drei Musiker, aber als Trio nicht. Die Virtuosität aller drei könnte man etwas übertrieben als die drei Paganinis der Guitarre bezeichnen, wobei ich zugeben muss, dass mir diese Guitarrenmusik besser gefällt als alle Paganinis (mit einer Ausnahme, wobei Paganini nur der Stichwortgeber ist: die Brahmsschen Variationen für Klavier, nach einem Thema von Paganini).

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