Alle sprechen über dasselbe Musikwerk

  • Danke für den interessanten Vorschlag, lieber Jakobus. Weder hatten wir hier im Thread bisher Cavalli, noch ein Requiem (nur eine Trauermusik). Und dann auch noch ein für die eigene Beerdigung komponiertes Requiem.


    Was mir deshalb auffiel ist, dass vor dieser Folie des Weltlichen der "alte Stil" dann um so mehr etwas archaisierend wirkt

    Meinst du mit dem alten Stil den 'Stile antico' im Sinne Palestrinas?

    Wir sehen Cavalli heute immer so ein bisschen als den Nachfolger Monteverdis und damit natürlich vom Stile antico schon etwas entfernt. Im Bereich der Oper stimmt das auch. Die geistliche Musik Cavallis stellt da eher noch eine Mischform dar. Ich würde aber nicht sagen, dass die Musik im eigentlichen Sinne archaisierend ist (so wie später dann bewusst Poulenc oder Respighi das manchmal machen), denn Cavalli kommt grade in seiner Funktion als Kirchenmusiker und Komponist von Sakralmusik noch direkt aus dem Stile antico, also der vor-monodischen Musik. Mit der Erfahrung Monteverdis vermischt sich das bei Cavalli: Ja der polyphone, imitatorische Stil überwiegt, es gibt keine Soli, keine Tanzrhythmen und eine symmetrische Melodieführung im Sinne Palestrinas. Hinzu kommt aber auch der expressivere und glänzendere spätere Stil und eine venezianisch geprägte Doppelchörigkeit. Auch Ansätze von Tonmalerei, besonders im Dies irae, heben sich vom alten Stil ab. Bei Cavalli könnte man eher von einem organischen Übergang sprechen.


    Wenn Bach z.B. das "Confiteor" in der h-Moll-Messe oder sogar Beethoven im "Et incarnatus" der Missa solemnis Anleihen am Stile antico haben, dann ist es viel eher archaisierend, weil ein Bruch mit der barocken bzw. klassischen Kompositionsweise.


    Mir schien es aber so, dass die Form schon sehr "weltlich" ist in ihrem Abwechslungsreichtum, eine Art kleine Oper.

    Diese Abwechslung und im zentralen "Dies irae" auch sehr emotionale und inhaltsgemäße Vertonung scheint uns heute weltlicher, als die Musik damals wahrgenommen sein dürfte. Wir kennen es aus den Lamentiones und aus noch früheren Messen, dass Sakralmusik auch am Übergang von Renaissance zu Frühbarock keineswegs nur eine gregorianische oder rein polyphon-glänzende aber trockene Angelegenheit ist. Schon die Missae Papae Marcelli rund 100 Jahre vor Cavalli beginnt Affekte des gesitlichen Textes zu Musikalisieren. Immerhin angeblich so erfolgreich, um das Verbot polyphoner Musik beim Tridentinum zu verhindern.

    Geistliche und weltliche Musik sind sich zu jener Zeit wesentlich näher, als später. Das reicht bis ins Barock, wo Händels weltliche und geistliche Oratorien stilistisch kaum bzw. nicht zu unterscheiden sind. Bei Bach werden viele Kantaten mit kleinen oder auch größeren kompositorischen Kniffen zu lebendigen und teilweise auch opernhaften Szenen. Man denke an Dialog-Kantaten wie BWV 49 o.ä.


    Insofern gebe ich dir recht, besonders das Dies Irae ist wie eine "Art kleine Oper" der alten Musik. Allerdings würde ich grade das nicht als besonders ungewöhnlich bezeichnen. Ein tolles und wirklich bedeutendes Stück Sakralmusik am Übergang zum Frühbarock!

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Geistliche und weltliche Musik sind sich zu jener Zeit wesentlich näher, als später. Das reicht bis ins Barock, wo Händels weltliche und geistliche Oratorien stilistisch kaum bzw. nicht zu unterscheiden sind. Bei Bach werden viele Kantaten mit kleinen oder auch größeren kompositorischen Kniffen zu lebendigen und teilweise auch opernhaften Szenen. Man denke an Dialog-Kantaten wie BWV 49 o.ä.

    Lieber Tristan,


    Deine Ausführungen sind sehr aufschlussreich für mich! Ich bin halt völlig "fremd" auf diesem Gebiet! :D Das ist natürlich auch kulturgeschichtlich interessant, wenn ich an das Buch von Mircea Eliade Das Heilige und das Profane denke, wo sehr stark die Trennung betont wird: "Tempel" kommt von griech. temno "schneiden", d.h. der heilige Bezirk ist aus dem profanen "herausgeschnitten". Woher kommt es eigentlich, dass selbst die heilige Messe so einen "unterhaltsamen" ästhetischen Charakter bekommt, der ja eigentlich dem liturgischen Charakter widerspricht? :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Geistliche und weltliche Musik sind sich zu jener Zeit wesentlich näher, als später. Das reicht bis ins Barock,

    ... sogar viel weiter: vergleiche die frühen Oratorien Haydns (Il ritorno di Tobia) oder von anderen Gesellen (Myslivecek et al. - Metastasios „Passione“). Opern waren zu bestimmten Zeiten aus rel. Gründen untersagt. Man behalf sich damit, geistliche Texte zu vertonen und die Party trotzdem starten zu lassen. Auch damals schon wurde kritisiert, daß die Musik zu opernhaft sei. Oratorien waren sozusagen die Maultaschen der Oper.

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Lieber Tristan2511, deine wissenschaftlichen Ausführungen fand ich sehr interessant. Das motiviert mich sehr da weiter zu forschen. Ich finde das "Dies irae" ebenfalls sehr beeindruckend. lieber Dr. Holger Kaletha - vielleicht können wir Dich doch noch eines Tages zur Alten Musik bringen - Ansätze sind zweifellos da 8o, lieber Fiesco - für Dich noch ein schöner Auszug aus einer der bekannteren Opern Francesco Cavallis "Xerxes - Ombra mai fu" unter Rene Jacobs



    Dieser kurze Auszug zeigt doch durchaus Qualität auf.

  • Lieber Jakobus, das ist lieb von Dir, aber diese Aufnahme liegt mir näher, weil... die Jacobs Aufnahme hatte ich, bis diese hier kam. Nun freut sich vielleicht ein anderer darüber!





    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

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  • Nur ausgehend vom Vergleich beider Aufnahmen dieser einen Arie finde ich die mit René Jacobs deutlich besser. Die mit Sardelli ist mir klanglich nicht schlank und präsent genug. In der Arie selbst kommt es zwar nicht zum Tragen, doch ist der Orchesterapparat in Sardellis Aufnahme viel luxuriöser ausgestattet. Ich finde indes, dass bei Musik dieser Epoche weniger oft mehr ist (z.B. Blockflöte statt Zink).

    Bei Cavallis Requiem gefällt mir ja auch die schlankere Aufnahme mit einfacher Basso-Continuo-Besetzung (nur drei Instrumentalisten), und ganz ohne Colla-Parte-Instrumentalisten, besser.

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Ich möchte nochmals auf das "Dies Irae" zurückkommen, welches mich sehr beeindruckt. Der Teil des Confutatis maledictis kommt mir von einem anderen Stück bekannt vor. Aber ich kann mich nicht mehr erinnern, von welchem. Ich muss auch an das denken, was Tristan2511 mit großem Kennerblick geschrieben hat. Und dieses als "Art kleine Oper" der alten Musik bezeichnet. Könntest Du das nochmals etwas erläutern?

  • Und dieses als "Art kleine Oper" der alten Musik bezeichnet. Könntest Du das nochmals etwas erläutern?

    Das Dies Irae (Tag des Zorns = Gericht) ist nicht Bestandteil des römischen Ordinariums für normale Messen wie er sich über die Jahrhunderte herausgebildet hat (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei), sondern er ist ein Hymnus, der als Sequenz üblicherweise Teil eines Requiems ist. Eine Sequenz ist eine Einfügung an Feiertagen. Es gibt allerhand Sequezen die an entsprechenden Feiertagen ins Ordinarium eingefügt werden. Der Feier-Charakter eines Requiems ist der einer Totenfeier, deshalb dieser spezifische Text. Er stammt aus dem kleinen Propheten des Dodekapropheton Zefanja. Das Tridentinum hat diese Form festgezurrt.

    Die Vertonung des Dies Irae geht, wie die anderen Messbestandteile auf Gregorianik zurück, allerdings auf die Spätform. Die ursprüngliche Sequenz beginnt mit dem markanten absteigenden Motiv, das sich durch die Musikgeschichte bis hin zu Liszt oder Rachmaninow zieht.


    Das entscheidende auch im Unterschied zu den meisten anderen Bestandteilen des Ordinariums ist, dass diese Sequenz Bibelwort vertont. Keine reine Kirchenlehre bzw. liturgische Texte (wie z.B. das Kyrie oder das Credo - ja auch in Texten wie Gloria oder Sanctus steckt Bibelwort, allerdings liturgisch eingesetztes), sondern im höchsten Maße dramatisches Bibelwort. Die Ankündigung des Untergangs, ein Tag des Zorns, im Verlaufe der Sequenz christologisch überhöht. Die alttestamentliche Vorlage aus Zefanja erfährt ab dem "Recordare Iesu Pie" also eine messianische Erweiterung. Ein solch drastischer Text hat nichts mit der eher nüchternen Bitte um Erbarmen eines gewöhnlichen Kyrie zu tun (welches trotz seines Bitt-Charakters bis zu Bachs h-Moll-Messe und auch danach in der Regel eher wenig dramatisch komponiert wurde), sondern stellt eine lebendige Szene mit drastischen Bildern dar. Es liegt auf der Hand, dass diese Sequenz bei den meisten Requiem-Vertonungen das meiste Material für ausufernde Vertonungen und eben auch Gestaltung enthält. Dieser Text weckt bzw. steckt voller Emotionen, bzw. im barocken Sinne Affekte. Cavalli - so sehr das Requiem im Stile antico verfasst ist - gehört eben schon eher ins Frühbarock als Palestrina oder noch ältere. In diesem beeindruckenden Zentrum dieses Requiems gestaltet er durchaus schon Affekte. Er steigert und betont, er komponiert teilweise expressiv. Das Dies Irae entwirft konkrete und dramatische Bilder, es ist ein Szenario wie in einem Opernlibretto. Der Ort in einer Messe, um das in der Sakralmusik offiziell verpönte Opernhafte zu integrieren.


    Der Teil des Confutatis maledictis kommt mir von einem anderen Stück bekannt vor.

    Wahrscheinlich aus Mozarts Requiem. Dort ist der Teil sehr markant vertont und er spielt auch eine Rolle im Film "Amadeus".

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Lieber Tristan2511 - sehr beeindruckend Dein Wissen über die Vertonung des Requiems im Allgemeinen bzw. deren entsprechende Umsetzung. Aber das macht absolut Sinn, jetzt verstehe ich was Du meinst. Der dramatische Text kann in Inszenierungen wirkmächtige Bilder in der jeweiligen erzeugen - wie in einer Oper. Vermutlich ist mein Gedächtnisschnipsel aus "Amadeus" - ich kann mich gut an die Szene mit "Salieri" erinnern (wirkmächtig wenn es so lange im Gedächtnis bleibt :)). Eigentlich sollte dort - wenn überhaupt - F.X. Süssmayr sein.

  • Das ist Musik aus einer Epoche, die ich häufig höre und die mir im Prinzip gut gefällt.


    Grundsätzlich ist die Musik prächtig, wie das häufig in der Renaissance so ist, wobei das Dies Irae auch etwas bedrohlichere Sentenzen hat. Aber es ist doch weit entfernt von Mozarts Dies Irae, das eine ganz andere Intensität vermittelt. Überhaupt kann man Mozarts Requiem und dieses hier nicht vergleichen. Denn auch wenn Cavalli zwischen Renaissance und Frühbarock angesiedelt ist, ist doch die Formsprache Cavallis weiter weg vom Barock als die Mozarts, gilt doch das Requiem als Mozarts barockaffinstes Stück. Cavallis Requiem würde ich noch ganz der ausgehenden Renaissance zuordnen, Barockelemente höre ich eher nicht.


    Wenn man sehr kritisch hört, könnte man eine über manche Strecken sich einstellende gewisse Gleichförmigkeit bemängeln, die nicht so sehr auf Melodie-Ideenarmut basiert, sondern eher dem weitgehend Mangel an dynamisch unterschiedlichen Passagen geschuldet ist.


    Querstand meinte, Blockflöte statt Zink sei eine gute Idee, da gehe ich entschieden nicht mit. Der Zink ist eines der ausdrucksstärksten Blasinstrumente, während eine Blockflöte, na ja, eben eine Blockflöte ist.


    Ansonsten fand ich Tristans Ausführungen interessant und erhellend, das Stück eher in die Nachfolge von Monteverdi denn in die von Palestrina zu stellen.

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  • In meinem Leben als Musikhörer gab es verschiedene "Umbrüche". Gutbürgerlich großgeworden mit der Klassik, lernte ich im Kirchenchor meiner Mutter als etwas unsicherer Tenor die großen Passionen und Chorwerke von Bach, Haydn und Brahms kennen. Mit 30 dann die Entdeckung Janaceks, praktischerweise sowohl auf Platten (die durchaus hörenswerten Aufnahmen unter Bohumil Gregor) und dann live im Düsseldorfer Opernhaus: Jenufa, Füchslein, Katja, Makropulos, Totenhaus, alle dirigiert von Peter Schneider, für das Orchester noch etwas ungewohnt. Die Sänger waren allerdings schon sehr gut, etwa Colette Lorand als Emilia Marty. Später kamen sogar Osud und Broucek dazu. Da habe ich kaum eine Aufführung verpasst. Etwa (!) gleichzeitig startete die Rheinoper zwei neue Zyklen, dreimal Monteverdi und dann Cavalli. Cavalli war eine absolute Neuentdeckung, zuerst in England unter Raymond Leppard, wobei die Tatsache der Erstentdeckung die musikalische Dürftigkeit nicht verdecken konnte. Dann kamen die erste Opernaufnahmen, "La Calisto" in einer prachtvollen Jacobs-Wernicke-Inszenierung, als CD und als DVD; diese Oper (in einer anderen Inszenierung) wurde dann live in Gelsenkirchen gezeigt, das blieb aber die Ausnahme. "La Calisto" gehört bis heute zu meinen Top 10.

    Inzwischen hatte der WDR auch "Giasone" produziert, das wurde letztes Jahr in Münster gespielt und ich habe es leider nicht sehen können.

    Die Opernsprache Cavallis basiert natürlich auf Monteverdi, aber Cavalli legte großen Wert auf Melodie und Sangbarkeit.

    Das Requiem habe ich dann vor einiger Zeit in der Essener Philharmonie erlebt, mit der Capella de la Torre, in einer Bearbeitung von Katharina Bäuml und dem Ensemble. Mir fiel damals auf, dass ich die Komposition als Rückkehr zum Palestrina-Stil empfand. Das hatte ja Monteverdi auch einmal gemacht, ich weiß jetzt nicht, ob es die Messe von 1610 oder die posthume war. Ich weiß nur, dass es eine gibt, weil ich sie schon gesungen habe.

    Die Capella de la Torre hat die Totenmesse auch produziert, siehe die YT-Beiträge.

    Ich betone ausdrücklich, dass ich die Version, um die es hier geht, noch nicht gehört habe, das aber natürlich noch machen werde, besonders um zu verifizieren, wohin sie zielt, entweder zurück zu Palestrina oder nach vorne zu Mozart. Dann werde ich natürlich auch die wichtigsten Beiträge hier noch einmal lesen.


    https://www.capella-de-la-torre.de/wann-was/transitions

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  • Lieber m-mueller Michael, natürlich ist Cavallis Requiem und Mozart's nicht zu vergleichen. Es ging vielmehr um die Intensität des Confutatis. Ich möchte die Aufmerksamkeit noch auf ein anderes geistliches Werk von Cavalli lenken. Die Missa a 8 voci concertata



    Ebenfalls ein beeindruckendes Werk. Aber ich finde da ist Palästrina und Monteverdi besser zu finden als im Requiem.

  • Giasone von Cavalli in Münster habe ich gesehen und gehört. Das war toll! :) Den Janacek-Zyklus mit Peter Schneider (auf ihn war Verlass, er war immer Garant für eine musikalisch gelungene Aufführung) damals auch! :hello:

  • Heute bin ich dran mit einem Werk. Leider bin ich immer noch sehr in Beschlag genommen und habe wenig zeit. Hin und wieder höre ich Musik. Da fiel mir diese kleine Werk von György Ligeti auf, dass zwischen 1951 und 1953 entstanden ist, seine "Musica Ricercata" für Klavier solo. Es handelt sich um eine kleine Suite, die unter anderem einen kleinen Walzer enthält (Stück 4) . Die Stücke fanden viele Freunde. Sie sind wenn man so will aus der Frühphase Ligetis, aber sein Personalstil ist in einigen Werken deutlich heraushörbar. Ich mag diese kleinen Stücke sehr, auch, wenn sie vielleicht nicht seine bedutenden Werke heranreichen. Sie unterhalten und machen Lust auf mehr (zumindest bei mir)


    Es spielt Roman Rabinovich live in der Wigmore Hall. Ein Konzert aus dem Jahre 2019



    Aufnahmen von dem kleinen Zyklus gibt es doch einige. Hier eine persönlich getriebene Auswahl

    Hier eine Aufnahme mit Herbert Schuch


    Ganz frisch erschienen und imo sehr empfehlenswert eine Einspielung mit Cédric Tiberghien



    Auch wenn ich momentan nicht so häufig erscheine, lese ich doch hin und wieder mit und stelle fest, dass alle meine Lehrer, soweit ich sie überhaupt akzeptiert habe (das schließt definitiv einige auf dem Gymnasium aus :)) immer an einem Austausch mit ihren Schülern interessiert waren. Keiner wollte ein Abziehbild von sich erzeugen und hat versucht, die Fähigkeiten des Schülers zu entwickeln, damit dieser eigenständig denken kann. Natürlich sind solche Auseinandersetzungen auch bereichernd für die Lehrer. So stelle ich mir einen wichtigen Leherer in der Musik natürlich auch vor. Er muss kreatives Potential seines Schülers freisetzen und nicht unterdrücken. In diesem Sinne finde ich die Kombination Alfred Brendel und Kit Armstrong eben sehr interessant ...

    und um zum Thema zurückzukommen. Armstrong hat auf einem früheren Album einen teil der musica ricercata eingespielt



    Viel Spaß beim Hören... :hello:

  • Eine sehr interessante Wahl, lieber Axel! :) Mit diesem Zyklus von Ligeti habe ich mich gar nicht beschäftigt! Wieder eine schöne Entdeckung! Das 2. Stück kenne ich aus einem Film als Filmmusik, wenn ich mich richtig erinnere. Ich weiß aber nicht mehr, welcher das war! :hello:

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  • Eine sehr interessante Wahl, lieber Axel! :) Mit diesem Zyklus von Ligeti habe ich mich gar nicht beschäftigt! Wieder eine schöne Entdeckung! Das 2. Stück kenne ich aus einem Film als Filmmusik, wenn ich mich richtig erinnere. Ich weiß aber nicht mehr, welcher das war! :hello:


    "Eyes Wide Shut" von Stanley Kubrick. Es war sein letzter Film, erschienen 1999.


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Mir geht jetzt die Verfilmung von Schnitzlers "Traumnovelle" durch den Kopf. Da haben sie vielleicht Motive aus dem Sostenuto Nr. 2 verwendet. Ich will mich aber nicht festlegen...

  • Mir geht jetzt die Verfilmung von Schnitzlers "Traumnovelle" durch den Kopf. Da haben sie vielleicht Motive aus dem Sostenuto Nr. 2 verwendet. Ich will mich aber nicht festlegen...


    Das ist "Eyes Wide Shut" (s.o.).


    LG :hello:

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  • Lieber Dr. Holger Kaletha vielen Dank für Deine Glückwünsche. Es ist zum Schluss etwas eingeschlafen, aber mein Wunsch war es den Komponisten und sein Werk etwas mehr zu beleuchten und das fand ich ist mir gelungen - somit bin ich zufrieden. :cheers:

  • Zum Schluß wird es dann nochmal etwas schwieriger, mal wieder ein Ligeti, nicht so furchtbar wie beim erstenmal, aber ein relativ zusammenhangloses Geklimper, teilweise an Fingerübungen erinnernd. Melodien sind in diesen immerhin fast 30 Minuten eher selten (z.B. mal bei 15 min rum), aber dann auch nicht so besonders attraktiv mit dem Stakkato in der linken und den paar ruhigeren Tönen in der rechten Hand. Satz 8 beginnt einigermaßen lebendig und melodisch, das ist aber auch sofort wieder vorbei. Dann kommt wieder eine längere Rumgeklimper-Strecke mit dem Über-Alles-Eindruck, daß für mich hier mal wieder überhaupt nichts Dauerhaftes zu holen ist. Die Wiederhörwahrscheinlichkeit ist so nah an NULL, wie sie nur sein kann. Ich werde in diesem Leben kein Ligeti-Freund mehr oder der irgendeines atonalen Klangsalats.


    Und damit endet meine Zeit in diesem Thread; manchmal war es schön, öfters auch mal lehrreich - tatsächlich habe ich das eine oder andere mitgenommen. Aber insgesamt komme ich zu dem Schluß: ich muß meine Geduld hier nicht weiter auf die Probe stellen und werde bleiben, was ich bin: ein Liebhaber barocker und vorbarocker Klänge mit einigen Ausnahmen (ordentlich Mozart, einiges von Beethoven, fast alles von Chopin) im Bereich der Musik ab der Wiener Klassik, ganz wenig aus der Romantik und praktisch nichts aus der E-Musik danach, außer ein paar Stücke, meist für Chöre oder Gitarre, von Komponisten, die sich der Musik und nicht dem Krach verschrieben haben.


    Ich fürchte, die Musik, die ich mag, kenne ich im Wesentlichen bereits - so ganz viel gibt es anscheinend nicht mehr zu entdecken. Das ist auf der einen Seite traurig, auf der anderen aber auch beruhigend. Ich verpasse nichts, wenn ich mich jetzt mehr dem Fotografieren als dem Musikhören zuwende. Und andererseits gibt es ja auch sicherlich noch unbekannte Renaissance- oder Barock-Komponisten, die als weitere Bereicherung in mein (enges ?? wenn, dann sei es so!) Weltbild passen.

  • Lieber Michael,

    deine Kritiken über die Musikstücke hier, besonders über die unbeliebten und kantigen Klavierwerke, fand ich immer erhellend und besser formuliert als ich es konnte oder wollte. Mein Entschluss, dabei zu bleiben, ist andersherum motiviert. Ich denke mit großer Dankbarkeit an die sehr gute Resonanz, die meine Vorschläge erfahren haben:

    -Byrd, Ne irascaris

    -Lobo, Versa est in luctum

    Janacek, Amarus

    Schütz, Ist nicht Ephraim.. und Auf dem Gebirge

    Ich habe noch eine reiche Auswahl von ähnlichen Stücken, die doch meist positive Resonanz erzeugen werden.

    Ich mache aus deinen Einsichten aber den Entschluss, weiter mitzumachen, um neue Welten der Musik zu öffnen. Das hast du mit deinen Beiträgen auch getan; vor allem auf deinem Feld der Laute, Guitarre, Theorbe.

    Aber ich will dich nicht unbedingt umstimmen, denn auf deinen Seiten sind diese Werke ja zugänglich.

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  • Lieber Dr. Pingel, sorry, liege gerade mit Knie-OP im Kkhs und werde häufiger unterbrochen, die Gesamtantwort könnte sich aus mehreren Stückchen zusammensetzen -


    ich war hier anfangs auch ganz optimistisch, daß man sich gegenseitig Stücke zeigt und das den eigenen Kanon erweitert. Wir beide haben einen ziemlich kompatiblen Geschmack, uns gegenseitig Empfehlungen zu geben ist also nicht allzu schwierig, da wird es eher schwieriger, etwas zu erwischen, das nicht schon Schnittmenge ist.


    Aber bei vielen anderen Vorschlägen hat es mich dann nicht so richtig gepackt, es gab gute Ansätze, aber Highlights waren doch eher selten. Also angehört mit nur kleinem oder gar keinem Gewinn - und dann schreib mal was dazu.

  • Zum Glück kein Barock-Gedudel!


    Ich höre diese Einspielung – und auch wenn sie hier noch nicht genannt wurde, so gehe ich einfach davon aus, dass ich mit Aimard mal nichts falsch machen kann.

    Klar spricht mich diese Musik an. Das Bruchstückhafte, das Nicht-Ausformulierte werden mich immer anziehen. Hier mag ich insbesondere, wie unterschiedlich die Stücke sind. Eine Wundertüte im besten Sinn. Danke für den Hinweis, ich kannte die Musica ricercata bislang nicht.

    (Die auf dem gezeigten Album ebenfalls enthaltenen Etudes höre ich gleich mit – und sie gefallen mir noch besser.)

    "Jein".

    Fettes Brot

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  • Die von lohengrins verlinkte Einspielung besitze ich ebenfalls - eine weitere vermutlich nicht.


    Auch sonst Zustimmung zum letzten Beitrag. Die (frühen) 1950er sind bei Ligeti zumeist ohnehin Garanten für eine eher konventionelle Haltung, entweder mild folkloristisch eingefärbt oder eben eher verspielt. Ein Personalstil deutet sich an - wobei es schwer ist, Ligeti schlechthin diesbezüglich zu bestimmen, weil er viel deutlicher als ein Strawinsky eher durch seine wechselhafte Grundhaltung auffällt. Die ist dann in der Sechzigern radikal flächig experimentell und geht später wieder in eine lineare Richtung, die instrumentale Verfremdungen herausfiltert.


    Vom Klavier her erkunden seine Etüden neue Welten, eine befremdlich andere Virtuosität - da ist die Musica ricercata harmloser. Reizvoll ist sie gewiss, wobei es vom Ungarn nur wenig Musik gibt, mit der ich mich nicht so gerne befasse [- ;)also weil sie von Ligeti stammt. Manche Besetzungsformen kommen bei mir in der Kunst-Musik stets zu kurz, das weiß ich schon.]


    Dank an Axel für die Anregung, die Komposition mal wieder zu hören!


    :hello: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Lieber Dr. Pingel, sorry, liege gerade mit Knie-OP im Kkhs und werde häufiger unterbrochen,

    Lass dir Zeit, und denk an "Knee first"! Vielleicht hilft auch das Singen geistlicher Musik, wie z.B. "Ruhet wohl, ihr heiligen Gebeine....":untertauch::cheers:.

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  • Ja die Einspielung von Aimard ist sicher empehlenswert. Auf den ersten Blick fand ich über 18 Einspielungen der kleinen Suite, was für ein wie oben angemerkt, unbeliebtes Werk, dann doch nicht so wenig ist. Für das offensichtlich als beliebt empfundene Requiem von Francesco Cavalli finden sich bei mir auf die Schnelle für die letzten 35 Jahre gerade 3 Einspielungen. So spielen kognitive Verzerrungen dem einen oder anderen hin und wieder Streiche. Aber es wäre soweiso albern, die Qualität einer Musik von ihrer Beliebtheit abzuleiten ... :hello:


    Wie zu erwarten (obwohl ich ja überrascht werden kann) kommt unser Kollege m-mueller mit den kleinen Werken nicht so richtig zurecht. Ich persönlich finde sie eher wie unser Kollege lohengrins unterhaltsam. Sie sind tänzerisch, rhythmisch und haben sicher ein wenig bei Bartók abgelauscht und bilden einen emotionalen Gegenpart zum Requiem eines Cavalli. Wobei ja erfreulicherweise kein gutes Musikstück ein anderes ersetzt ...

  • Aber bei vielen anderen Vorschlägen hat es mich dann nicht so richtig gepackt, es gab gute Ansätze, aber Highlights waren doch eher selten. Also angehört mit nur kleinem oder gar keinem Gewinn - und dann schreib mal was dazu.

    Da wir wahrscheinlich beide schon die Adoleszenz überschritten haben (manchmal kommt der Zweifel ;)), werden sich einige Geschmacksurteile festgesetzt haben, für die es etwas braucht, um ins Wanken zu kommren. Ich fand es jedenfalls großartig, dass Du doch im Gegensatz zu einigen anderen immer versucht hast zu hören. Dass es nicht klappen will, finde ich nicht so schlimm.

  • Lieber m-mueller - Michael, ich verstehe was du meinst, aber mir ist schon viel Neues begegnet, was mich "weiterbringt" (auch aus der "Moderne" sprich 19.Jahrhundert ^^) - aber sicher nicht alles. Und hie und da auch ein Kopfschüttler. Das gibt es bei anderen Mitglieder über meine Auswahl sicher ebenfalls - so what?. Ich sehe das pragmatisch. Und niemand zwingt Dich alles zu hören oder zu kommentieren. Es wäre ein unsagbar großer Verlust, wenn Du dem Thread abhanden kommst.

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