Alle sprechen über dasselbe Musikwerk

  • Niemand, der den Walzer mit Nikolaus Harnoncourt hört? NH hat selbigen mehrfach eingespielt.

    Hier im Rahmen des Neujahrskonzertes 2003 mit den Wienern:


    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Harnocourt hatte ich in der Tat schon auf dem Radar, hate im Auto aber die Strauss CDs von Frenec Fricsay:



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Die Einspielung mit Harnoncourt - querstand hat das Cover verlinkt, das mit meinem identisch ist, und vielleicht gibt es auch keine Alternative zumindest als CD - besitze ich auch. Mag sein, dass Harnoncourt einen gewissen Gegenpol zu der mir auch geläufigen Neujahrssicht von Pretre darstellt - also wesentlich näher bei Berlin quasi als bei Paris. Aber bei diesem Spektrum kann ich gut hören.



    Sagen wir so: Charme haben sie beide, unterschiedlichen Charme - so wie der Kaiserwalzer selbst unterschiedlichen Charme ausstrahlt. Bei dem (von Orffeus) bereits genannten Walzer Rosen aus dem Süden, der unter meinen Lieblingen auch ganz vorne sich befindet, ist der Charme nicht ganz so doppelbödig. ;):)

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • HIP gesucht, HIP gefunden:


    Musica Saeculorum spielt unter der Leitung von Philipp Steinaecker den Kaiserwalzer op. 437 in einer Salonorchester-Fassung aus dem umfangreichen Archiv des Meraner Kurorchesters.



    CD, Fra Bernardo, 2019 (Live-Aufnahme 18. Oktober 2017, Kursaal, Meran)

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Nun, der gute Ravel hatte einen ziemlichen Rochus auf die k.u.k. Monarchie und hat mit "La Valse" ein Werk geschrieben, daß die gehobene Gesellschaft verzerrt und am Ende kollabieren lässt.


    Ich habe ja versucht, für Ravels Abneigung gegen den Wiener Walzer, wie Du meinst, Hinweise zu finden - finde sie aber nicht. ^^


    La Valse – Wikipedia


    Da steht:


    "In La Valse werden Elemente des Wiener Walzers aufgegriffen, die mit den Mitteln impressionistischer Harmonik und Rhythmik ausgeweitet werden. Dadurch sollte eine Art Apotheose des Wiener Walzers dargestellt werden, mit dem Ravel den „Eindruck einer fantastischen und tödlichen Art eines Derwischtanzes“[1] verband. Zur Verdeutlichung stellt Ravel seiner Partitur folgendes Programm voran: „Flüchtig lassen sich durch schwebende Nebelschleier hindurch walzertanzende Paare erkennen. Nach und nach lösen sich die Schleier auf: man erblickt einen riesigen Saal mit zahllosen im Kreise wirbelnden Menschen. Die Szene erhellt sich zunehmend; plötzlich erstrahlen die Kronleuchter in hellem Glanz. Eine kaiserliche Residenz um 1855.“ Nach und nach treten an die Stelle der Walzerseligkeit verzerrte Rhythmen und dissonante Harmonien. Das Stück endet in einem Ausbruch von Gewalt und Chaos.


    Das Stück trug ursprünglich den Titel Wien. Da dies im Nachkriegs-Frankreich nicht angemessen erschien, wurde er in La Valse geändert."


    Da sehe ich keinen Hinweis auf irgend eine "Gesellschaftskritik". Es ist die Impression von einem Walzer und Ravel wollte offenbar so etwas ausdrücken, dass sich der Tanz in eine Tanz-Ekstase steigert - das ist der Derwischtanz der Sufis. Dazu gibt es auch Parallelen: Das Stück war ursprünglich als Ballettmusik konzipiert - genauso wie der berühmte Bolero - auch beim Bolero gibt es diese extreme, ekstatische Steigerung von ganz leise bis sehr laut. Ebenso beim Ballett Daphnis et Chloe: Die Eröffnung ist auch wieder ein riesiges Crescendo von extrem leise bis extrem laut. Das wiederholt sich dann in der Schluss-Apotheose Lever d´un jour. Da ist bei Ravel also ein Muster zu erkennen: der Tanz als Ekstase. Ihm geht es offenbar nicht um den Tanz an sich, sondern musikalisch darum, das zu schildern, was der Tanz beim Tänzer an innerer Bewegung auslöst.


    Sagen wir es mal so: der gute Karajan war ein Technikfreak. Und die Wiener Walzer behandelt er nicht tänzerisch.

    Ja! Aber andererseits: Karajans Neujahrskonzerte in Wien waren herausragend. Zum Wiener Walzer hatte er eine große Affinität. ^^


    Niemand, der den Walzer mit Nikolaus Harnoncourt hört? NH hat selbigen mehrfach eingespielt.

    Hier im Rahmen des Neujahrskonzertes 2003 mit den Wienern:

    Natürlich werde ich mir Harnoncourt anhören und bin sehr gespannt! :)


    :hello:

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  • Es gibt eine Paraphrase über den Kaiserwalzer für Klavier von Alfred Grünfeld (1852-1924), sein Opus 62.

    Hier mit Rudolf Buchbinder (aus seinem Album "Waltzing Strauss")




    Teldec, 1999 (Aufnahme 1998)

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Von den vielen Aufnahmen, die ich mir bisher vom Kaiserwalzer angehört habe (Abbado, Boskovsky, Fricsay, Karajan, Harnoncourt, Muti, Sawallisch), gefällt mir diese hier mit dem San Juan Symphony Orchestra unter der Leitung von Emmanuel Siffert bislang am besten (bei JPC nicht gelistet). Da wird klanglich - mit großem Orchester - aus dem Vollen geschöpft, was auch durch die sehr präsente Aufnahme gut rüberkommt:


    1646x600.jpg


    VDE-Gallo

    https://vdegallo.com/de/produi…estra-emmanuel-siffert-2/

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Ich kann eure Begeisterung für den Kaiserwalzer nicht so recht teilen. Es ist gekonnte Musik, ohne Zweifel, aber es enthält auch einige martialische Elemente, die doch sehr preußisch klingen.

    Und da wir gerade dabei sind: ich staune, was es jedes Jahr für einen Riesenauflauf um das Neujahrskonzert in Wien gibt, auch hier. Da wird bis ins Einzelne der Dirigent in allen Facetten gezeigt und erklärt, was er dieses Mal toll oder falsch gemacht hat, dabei würden die Junx das ohne Dirigenten genauso gut spielen! :untertauch:

    Einen ganzen Abend Walzer und Märsche, das ist nichts für mich. In meinem Essener Vokalensemble haben wir mal bei einem Konzert mit populärer Musik den Frühlingsstimmen-Walzer, der ja einen Text hat, aufgeführt, bzw. wir haben ihn vom Programm wieder gestrichen, weil wir mit der Leichtigkeit, die da erforderlich ist, nicht zurecht kamen. Also, dieses Stück war sehr gut, wir aber nicht.

    Damit ihr jetzt mich nicht komplett in die Hölle verbannt (da bin ich ja eh schon; wir singen oft mit einigen Unterteufeln polyphone Messen), bekommt dieser kleine Beitrag einen zweiten Teil. Hier geht es um das "Wienerlied"; davon habe ich in meinem Wiener Semester viele gehört und mir auch eine Reihe von Platten gekauft und die natürlich später auch durch CDs ersetzt. Da gibt es wunderschöne Texte und ebensolche Melodien und als Krönung originale Schrammel-Musiker dazu. Daher dient der Kaiserwalzer hier auch dazu, diese Sachen mal wieder hervorzuholen.

    Computer kaufen keine Autos (Jochen Hensel)

  • Es gibt noch so kleinere Reste aus meiner Jugend als Linksliberaler, die mich diese Musik als ein wenig aus der Zeit gefallen ansehen läßt. Mit Kaiserhöfen hatte ich es nie so, Bunte und ähnliche Klatschblätter habe ich nicht mal im Wartezimmer beim Arzt angefaßt, und die "bessere" Gesellschaft fand ich eher fade. Man kann aber diese Musik kaum hören, ohne daß der gesellschaftliche Kontext mitschwingt (für die meiste andere Musik behaupte ich immer das Gegenteil), ich sehe mich hier nicht selbst beim Walzen, sondern Stutzer und Rauschekleid-Damen. Insofern ist die Musik mit Kontext befrachtet, die sie mir nicht unbedingt näher bringt.


    Ansonsten ist es zunächst einmal fröhliche, unbeschwerte Musik, obwohl man sie auch verwenden könnte als Eingangsmusik zu Stefan Zweigs Erzählung "Phantastische Nacht", dann käme sie "doppelbödig" mit ein paar versteckten Schatten im Gepäck daher.


    Jedenfalls vielen Dank an Thomas, der diese bei mir völlig vergessene musikalische Ecke reaktiviert hat.

  • Ich kann eure Begeisterung für den Kaiserwalzer nicht so recht teilen. Es ist gekonnte Musik, ohne Zweifel, aber es enthält auch einige martialische Elemente, die doch sehr preußisch klingen.

    Und da wir gerade dabei sind: ich staune, was es jedes Jahr für einen Riesenauflauf um das Neujahrskonzert in Wien gibt, auch hier. Da wird bis ins Einzelne der Dirigent in allen Facetten gezeigt und erklärt, was er dieses Mal toll oder falsch gemacht hat, dabei würden die Junx das ohne Dirigenten genauso gut spielen!

    Ich glaube, da unterliegst Du dem verbreiteten Missverständnis, dass Märsche Militärmusik seien. :D Nein, Märsche sind ursprünglich keine Militärmusik, sondern Festaufzugs-Spielmusiken. Zur antiken Tragödie wurde Marschmusik gespielt. Max Brod, der Kafka-Freund, schreibt in seinem Aufsatz über Gustav Mahler, dass jüdisch-chassidische Musiken oft Märsche sind und dass Mahlers Vorliebe für Märsche ein jüdischer Zug bei ihm sei. Der erste Militärmarsch überhaupt war der sogenannte "Dessauer" - er stammt aus dem 17. Jhd.! Hier im Kaiserwalzer ist der klanglich sehr delikate Marsch offensichtlich eine Festaufzugs-Musik und nicht militärisch. Die Tänzer versammeln sich zur Tanz-Veranstaltung. Man sollte meinen, die Wiener Philharmoniker brauchten keinen Dirigenten für die Strauss-Walzer. Trotzdem geben die verschiedenen Dirigenten doch eine sehr unterschiedliche eigene Note dazu. Harnoncourt gefällt mir sehr gut - auch Pretre, schade, dass ich die CD nicht habe. Siffert habe ich leider nicht - vielleicht finde ich ihn bei Youtube. ;)


    Nach der französischen Revolution kam die Stagnation der Restaurationszeit. Die hochfliegenden revolutionären Träume waren verflogen. Also verlagerte sich das Leben auf das entpolitisierte "Gesellschaftliche". Die gute bürgerliche Gesellschaft ersetzte die höfische Gesellschaft. Da ist noch die höfische Eleganz und Herrlichkeit da - jedoch nun von der Emanzipation des bürgerlichen Individuums erfasst. Die höfische Gesellschaft lebte vom Intrigenspiel (was man in den Barockopern gut nachvollziehen kann), die bürgerliche Gesellschaft von romantischen Träumen des Auslebens ihrer Individualität von Liebe und Zweisamkeit. Die Musik, die daraus entsteht, ist einfach wunderbar. Heute ist die Unterhaltungsmusik und die Tanzmusik im Niveau abgesunken. Musikalisch ist die zumeist grottenschlecht, so dass man sie kaum ertragen kann. Hier gibt es noch den aristokratischen guten Geschmack und die feine musikalische Bildung. Deshalb finde ich den Wiener Walzer auch betörend. Der Kaiserwalzer ist sehr schön - bei mir bleibt aber die Nr. 1 der Donauwalzer als Inbegriff des Wiener Walzers. :) :hello:

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  • Obwohl ich Walzer sehr gerne höre, besonders kunstvoll verarbeitet wie bei Chopin, Tschaikowsky, Verdi, R. Strauss und Co, höre ich Musik von Johann Strauß zumindest explizit und bewusst so gut wie nie. Natürlich taucht die Donau und manches mehr in verschiedensten kulturellen Kontexten immer wieder auf. Aber wenn ich das richtig sehe, besitze ich bei weit über 3000 CDs genau eine einzige von Strauss, mit einer Auswahl bekannter Walzer und Polkas.


    Komisch eigentlich, denn ich habe wie gesagt gar nichts gegen Walzer. Jedenfalls fast nichts: Bei Dr. Pingel s kleinem Rant gegen das Neujahrskonzert musste ich doch schmunzeln, denn es geht mir exakt genau so! Ich wundere mich immer, wie genau diese belanglose Konzert seziert, analysiert und gewürdigt wird. Es interessiert mich persönlich gar nicht, welcher Dirigent nun welche Auswahl an Walzern + Radetzky-Marsch zum besten gibt. :P


    Zurück zum Kaiserwalzer. Schöne Musik, natürlich! Wenn das marschartige, 'staatstragende' als Einleitung erstmal durch ist, etabliert sich das weltbekannte getragene Walzerthema, prächstigst gesteigert natürlich. In wie vielen Filmen und Filmsequenzen diese Melodie wohl auftaucht? Zweifelsohne eine der bekanntesten Melodien der Menschheit, zumindest der westlichen Hemisphäre, aber eigentlich auch darüber hinaus.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Kurz vor Ende der zwei Wochen freue ich mich über die munteren Reaktionen auf Straussens Kaiserwalzer. Diese Vorschläge -so geht es zumindest mir- nötigen einen selbst, noch einmal gründlich reinzuhören und nachzufahnden. Und habe noch ein paar Zitate aufgespießt, auf die ich gerne noch antworten möchte:


    HIP gesucht, HIP gefunden:


    Musica Saeculorum spielt unter der Leitung von Philipp Steinaecker den Kaiserwalzer op. 437 in einer Salonorchester-Fassung

    HIP ist ja so eine Manie hier im Forum und scheint sich gerne darum zu drehen, vertraute Orchestergrößen zu schrumpfen und das als Originalklang anzusehen. Wir müssen uns nicht darüber unterhalten, daß vielfach die Strausswalzer großorchestral eingebreit werden. Die Strauss-Sippe hatte ihr eigenes Orchester, mit dem sie regelmäßig tourte. Dessen Mächtigkeit betrug 46 Musiker. Also schon deutlich mehr als ein Salonorchester. Der hier gerne geschmähte Andre Rieu spielt mit einem Orchester dieser Größe, und die Strauss-Walzer und sonstige Tänze hat er auch gut verstanden. Von ein paar anderen Sachen sollte er besser die Finger lassen, aber das gehört nicht hierher. Aber eine HIP-Annäherunge wäre wohl -so leid's mir tut- das in Maastricht beheimatete Orchester. Die treten auch in authentischer Kleidung auf 8):D.


    Salonorchester-Aufnahmen sind allerdings schon reizvoll, nicht zuletzt, weil diese kleinen Ensembles in Ermanglung von Tonträgern neue Musik verbreiteten. Bis man "La Boheme" vielleicht im Opernhaus hören konnte, waren die wichtigsten Melodien bereits durch Salonorchester verbreitet. Der Kaiserwalzer als Tanzwalzer ist auch ein wenig lang, die Tanzfassungen für durchschnittliche Tanzdielen sind zumeist auf drei bis vier Minuten geschrumpft (ein paar Beispiele hatte ich ja angegeben). Wie gesagt, man muss dieses Werk vom Tanzen her denken (und damit meine ich jetzt nicht einfache Tanzveranstaltungen in Straßenkleidung sondern an einen feinen Ball und angemessener Kleidung (Herren: Smoking)). Der "Kaiserwalzer" hat einen solch langen, marschartigen Anlauf, um als Tanzpaar von wo auch immer her gemessen zur Tanzfläche zu schreiten. Sonst macht das keinen Sinn. Immerhin: mit gut 6 min Tanzzeit bei (hoffentlich) korrekter Tanzhaltung und Blickrichtung sowei Smoking und Abendkleid ist das schon ein sportliche Herausforderung. Aber schön isset.


    Nun mein Freund Pingel:

    Da gibt es wunderschöne Texte und ebensolche Melodien und als Krönung originale Schrammel-Musiker dazu. Daher dient der Kaiserwalzer hier auch dazu, diese Sachen mal wieder hervorzuholen.

    Eine Schrammel-Version des Kaiserwalzer habe ich oben eingestellt. So ganz glücklich bin ich mit speziell dieser Version nicht, da sie auf mich wie Kunst-Schrammeln wirkt, das Heurigenbegleitende Temperamentvolle geht der Version ab, schade.

    Da wird bis ins Einzelne der Dirigent in allen Facetten gezeigt und erklärt, was er dieses Mal toll oder falsch gemacht hat, dabei würden die Junx das ohne Dirigenten genauso gut spielen! :untertauch:

    Das ist so ähnlich wie beim Opernball, wo jedesmal gerätselt wurde, mit wem Mörtel Luger aufkreuzt. Oder welches Kleid Angela Merkel oder die strunzendumme Schnackselfürstin tragen. Musikalisch finde ich das Neujahrskonzert durchaus ansprechend und erholsam im Vergleich zu den Sylvesterabendprogrammen mit ihrem kruden Gedudel, vorgestellt von schwach belichteten Moderator:Innen, zu dem sich Menschen in konvulsivischen Zuckungen ergehen, die sie auch noch Tanzen nennen. Du siehst: alles eine Frage der Bezugspunkte.

    Einen ganzen Abend Walzer und Märsche, das ist nichts für mich.

    Du darfst Polka und Ländler nicht vergessen, dann geht die Mischung.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
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  • Salonorchester-Aufnahmen sind allerdings schon reizvoll, nicht zuletzt, weil diese kleinen Ensembles in Ermanglung von Tonträgern neue Musik verbreiteten. Bis man "La Boheme" vielleicht im Opernhaus hören konnte, waren die wichtigsten Melodien bereits durch Salonorchester verbreitet.

    Ich hatte eine Studienkollegin (die Nichte eines bekannten Philosophen, Professor an der Kölner Universität), die ich in Villigst kennengelernt hatte, die in einem Kölner Salonorchester spielte. Da habe ich damals ein Konzert von denen in Köln auch besucht - und das hat mir sehr gefallen. Das Repertoire war zumeist aus den 1920iger Jahren. Ich mag das! :) Von Andre Rieu habe ich mal einen Wiener Walzer ausschnittsweise gehört, fand das aber ziemlich kitschig schlagermäßig. Das, was ich gehört habe, hat mir dann auch gereicht. :D :hello:

  • Das hat mich aus der Reserve gelockt:

    hate im Auto aber die Strauss CDs

    Ja, schön laut - wirkt ggfs. besser als ein HUP-Konzert.


    Zu op. 437:


    Der Beginn hat ja nun erstmal mit „Walzer“ nichts zu tun, sondern steht im Zweiviertel- resp. alla-Breve-Takt; erinnert mich sogleich an Beethovens Marcia alla turca aus den „Ruinen von Athen“ (was wohl mitunter an der kleinen Trommel liegen mag). Aber das erklärt sich natürlich:


    Der "Kaiserwalzer" hat einen solch langen, marschartigen Anlauf, um als Tanzpaar von wo auch immer her gemessen zur Tanzfläche zu schreiten.

    Von dem Kaiserwalzer zu sprechen, finde ich etwas seltsam: nach der Einleitung folgen insgesamt vier Walzer (C-, As-, C- und F-Dur), jeweils durch kurze Ein- bzw. Überleitung unterbrochen. Der erste Walzer wird dann am Schluß in der Coda wiederaufgenommen, so daß sich der Kreis schließt. Dazu muß es doch eigentlich auch Choreographien geben oder laufen diese Walzerfolgen alle nach dem gleichen Schema F ab? Der Tänzer bzw. das Tanzpaar muß doch wissen, wann und wie es zu tanzen oder (in der Überleitung) ggfs. kurz innezuhalten hat?


    Tante Vicky schreibt zudem:


    Zitat

    Die Uraufführung des Werkes fand nicht bei der Eröffnung des Konzertsaales, sondern zwei Tage später unter der persönlichen Leitung des Komponisten statt. Schon am 11. November 1889 wurde der Walzer den Wienern im Ronacher von Carl Michael Ziehrer erstmals zu Gehör gebracht. Ziehrer hatte den Kaiserwalzer nach einem Klavierauszug instrumentiert und damit das Missfallen von Strauss erregt. Am 24. November – im Rahmen eines Benefizkonzertes seines Bruders Eduard – stellte der Komponist als Dirigent der Strauss-Kapelle seinen Walzer dem Wiener Publikum in der „originalen Instrumentation“ vor.

    Von diesem Arrangement finde ich allerdings keine Einspielung.


    Jedoch BuBi am Klavier:



    Ab 0:48 erklingt dann - hier in der Klavierversion besser zu verorten, weil der Klavierklang vllt. vertrauter ist? - Schuberts Taubenpost.

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Verlängerung, nicht nur bei der WM


    Eigentlich hatte ich vor, heute abend meinen neuen Vorschlag zu präsentieren. Die Verlängerung des Finales der WM hat das verhindert. Aber spätestens morgen abend steht es.

    Der zweite Punkt ist etwas kompliziert. Alex Ross, der sehr kompetente Musikkritiker des "New Yorker", hat in seinem letzten Artikel angekündigt, dass er in den Ruhestand geht. In einer letzten Besprechung hat er enthusiastisch über das "schwierigste Violinkonzert", das es gebe, einen Artikel verfasst: Ligetis Violinkonzert.

    Da habe ich gedacht, dass das etwas für mich und vor allem für euch wäre. Allerdings gab es bei YT keine sofort abspielbare Aufnahme, sodass ich davon Abstand nehmen musste.

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  • Cher Dottore, jetzt bin ich aber traurig! Habe ich mich doch an den hier bereits angespochenen Ligetis schon ganz gut warmgeschrieben. Und dann hast du mir gerade das "schwierigste Violinkonzert" vorenthalten??? Wo ich doch ein so kompetenter Geigist und Ligetiversteher bin! Und gerade bei der aktuellen kleinen Zwischeneiszeit weiteres Warmschreiben gut gebrauchen könnte.

  • Von dem Kaiserwalzer zu sprechen, finde ich etwas seltsam: nach der Einleitung folgen insgesamt vier Walzer (C-, As-, C- und F-Dur), jeweils durch kurze Ein- bzw. Überleitung unterbrochen. Der erste Walzer wird dann am Schluß in der Coda wiederaufgenommen, so daß sich der Kreis schließt.

    Das kommt bei den Strauss-Walzern ziemlich häufig vor, daß mehrere Walzermelodien zu einem Walzer zusammengefasst werden. Die Ein leitung ist tatsächlich ungewöhnlich lang, vergleichbar vielleicht mit den "G'schichten aus dem Wienerwald" oder "An der schönen blauen Donau", die allerdings schon den Deiviertel-Takt durchklingen lasssen.

    Dazu muß es doch eigentlich auch Choreographien geben oder laufen diese Walzerfolgen alle nach dem gleichen Schema F ab?

    Die Anzahl Turnierrelevanten Figuren beim Wienerwalzer ist überschaubar, als normaler Tänzer hast du in aller Regel Linksdrehung, Rechtsdrehung und Pendelschritt. Ist der Saal sehr voll, lässt sich das auch am Platz tanzen, auch wenn der Wiener Walzer ein wunderbarer Raumtanz ist. Beim Wiener Hofball gibt's tatsächlich einen Zeremoniemeister, der die Tanzpaare anleitet.


    Habe ich mich doch an den hier bereits angespochenen Ligetis schon ganz gut warmgeschrieben.

    Ein gutes Stichwort, denn ich habe noch bei astewes Abbitte zu leisten. Mir hat mein mangelnder Zugang zur Musica Riccercata keine Ruhe gelassen. Die wundersame Wandlung kam, als ich jüngst am Aben ziemlich genervt überlegte, ob ich überhaupt Musik hören wollte und, wenn ja, was. Ich nahm den Ligety in der von querstand verlinkten wergo-Aufnahme, und fand das Werk plötzlich: entspannend. Ohne begründen zu können, ob es das zuweilen Fragmentarische war, das mich abgeholt hatte, oder repetetive Elemente wie im "tempo giusto". Einen weiteren Versuch habe ich vor einer Woche währen einer Wochenendgrische in Cuxhaven unternommen (mit Seeblick, gleiche Aufnahme). Wiederum gegenete mir sehr entspannte, angenehm zu hörende Musik. Was freilich die Frage in den Raum stellt, warum man zu bestimmten Zeiten für ein und dieselbe Musik völlig indisponiert ist, die man kurz später als angenehm und so hörenswert empfindet, daß man -in diesem Falle ich- sie wiederholt hört?


    Nun gut, hier beim "Kaiserwalzer" lassen sich biographisch-soziologische Implikationen ausmachen, die zu Skepsis oder auch Zuneigung zu dem Werk führen und ich kenne selbst gewisse kontextbezogene Aversionen gegen bestimmte Aufführungen und Interpreten. Anfang der 1990er gab es eine Miniserie im deutschen Fernsehen über die Strauss-Dynastie. Die hat seinerzeit meinen Blick auf Komponisten und Werk durchaus verändert. Ganz sicher sind die Strauss-Walzer einem Erstarrungsprozess zum Opfer gefallen, das Neujahrskonzert gibt davon beredten Eindruck. Dagegen stehen die oftmals belanglosen Tanz-Platten mit ihren ADTV-Vorgaben von Spielzeit und Taktanzahl pro Minute. Rieu ist das gewiss ein bracubarer Mittelweg, da er die Fröhlichkeit der Musik spiegelt (wenngleich zuweilen auch arg vereinfacht). Aber die Leute haben daran ihren Spaß wie weiland, als die Sträusse selbst mit ihren Geigen ihrem Orchester vorstanden. Speuiell in diesem Falle halte ich HIP für vollends unwichtig.


    Jetzt freue ich mich auf den Vorschlag von Dr. Pingel verbunden mit der Hoffnung, daß der mit was um die Ecke kommt, wo HIP-Aufnahmen wichtig sind.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Meinen ausdrücklichen Dank zum Schluss an Thomas Pape für die gute Wahl! :):thumbup: Es ist immer spannend zu erfahren, wie unbekannt eigentlich das vermeintlich Bekannte und sogar das Bekannteste ist und man dann tiefer darüber nachdenken kann! :hello:

  • at er enthusiastisch über das "schwierigste Violinkonzert", das es gebe, einen Artikel verfasst: Ligetis Violinkonzert.

    Da habe ich gedacht, dass das etwas für mich und vor allem für euch wäre. Allerdings gab es bei YT keine sofort abspielbare Aufnahme

    Oh, da helfe ich doch gerne aus. Die wundervolle Patricia trägt beim Auftritt schwer an den Noten, insofern wird das Konzert wohl auch schwer sein. Aber danke für den Tipp: das lässt sich gut anhören.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Was für ein wundervolles Werk! Eben ein Werk voller Wunder.


    Wenn man nicht schwermütig ist, wird man es, auch mit gesunden Ohren bittet man um Hörhilfe (sowas, das man auf völlig lautlos stellen kann) und dem Orchester spendieren auch nicht so gut betuchte Leute Sessions beim Instrumentenstimmer.


    Die Klapse hat eine neue Erkennungsmelodie und Folterspezialisten freuen sich auf den nächsten Einsatz. Auch bei sadistisch veranlagten Musiklehrern wird das Werk einhellig begrüßt.


    Also tatsächlich ein Stück für so ziemlich fast alle.


    Allenfalls verbohrt grenzdebil Vorgestrige wie ich wundern sich, wie man sowas zu Papier bringen kann.

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  • Oh, da helfe ich doch gerne aus. Die wundervolle Patricia trägt beim Auftritt schwer an den Noten, insofern wird das Konzert wohl auch schwer sein. Aber danke für den Tipp: das lässt sich gut anhören.

    Mir gefiel der Tumult am Schluss am besten. Allerdings war nicht zu sehen oder zu hören, ob das Publikum in den Tumult einstimmte.

    Mich erinnert dieses Stück an einen Scherz des Satiremagazins "Postillion", den ich leicht angepasst habe.

    Entsetzen breitete sich im Auditorium des Schloßgymnasiums Benrath aus, als in einem Konzert des Schulorchesters beim Einstimmen versehentlich das Violinkonzert von Ligeti aufgeführt wurde, allerdings ohne Sologeige.

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  • Allerdings war nicht zu sehen oder zu hören, ob das Publikum in den Tumult einstimmte.

    Doch, das tat es unüberhörbar. Um später kräftig zu applaudieen. 8)

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Doch, das tat es unüberhörbar. Um später kräftig zu applaudieen. 8)

    Ich bin nicht ganz sicher, ob der Ligeti nun der Vorschlag unseres geschätzten Dr. Pingel ist, aber eine wirklich schöne Einspielung durch Kopatschinskaja und die Symphoniker aus Tokio. Es ist immer etwas anderes die Musik live vorgteragen zu sehen, also zu kapieren, wie sie erzeugt wird. Zumal die Geigerin an manchen Stellen den emotionalen Gehalt gut herausspielt. Eine kleine Schwäche meine ich bei Minute 23 gehört zu haben aber, das ist Pingeln auf habilitiertem, hohem Niveau und also eigentlich unnötig... :P


    ntsetzen breitete sich im Auditorium des Schloßgymnasiums Benrath aus, als in einem Konzert des Schulorchesters beim Einstimmen versehentlich das Violinkonzert von Ligeti aufgeführt wurde, allerdings ohne Sologeige.

    Eine kleine Wahrscheinlichkeitsüberlegung zeigt, dass selbst bei einer Einstimmung des Orcchesters von der Länge des Alters des Universums diese Ereignis noch unwahrscheinlich bleibt. Eigentlöich sollte man in der Lage sein, zufällige Klangkombinationen von organisierten unterscheiden zu können. Zumal Ligetis Violinkonzert deutlich die Tonsprache des Meisters erkennen lässt, ob man sie mag oder nicht.


    Sollte es der Vorschlag Dr. Pingel s für die kommenden zwei Wochen sein, danke ich schon einmal.

  • Tallis: Lamentationes Jeremiae Prophetae


    1. Einleitung


    Tallis und seine Zeit sind im Forum gut vertreten. "Spem in alium" wurde hier vorgestellt, weiter oben auch "Ne irascaris" von Byrd; dort gibt es auch Informationen zur Geschichte von 586 v. Chr. Außerdem gibt es die "Lamentationen" auch in meinem "Schreibtisch". Auch der von mir hier vorgestellte Tómas Luis de Victoria hat die lamentationes komponiert.



    Diese Aufnahme enthält die Noten und den Text des ersten Teils. Dieses Stück ist in England ein Klassiker, jeder Chor und vor allem jedes Vokalensemble hat dieses Stück im Programm. Dieses Stück habe ich in drei verschiedenen Vokalensembles gesungen, beim ersten Mal sogar im 2.Alt, was hoher Tenor bedeutet, denn die Stimmverteilung ist variabel.


    2. Die Geschichte


    Das Jahr 600ante ist für die damalige Welt eine entscheidende, denn die Babylonier besiegten die Ägypter. Damit stand das Königtum Juda schutzlos da, denn sie waren Verbündete Ägyptens. Im Jahr 586 eroberten die Babylonier unter Nebukadnezar das Königreich Juda, töteten den König, setzten einen Vasallen ein, vernichteten den Tempel und die ganze Stadt. Die Oberschicht wurde nach Babylon verschleppt, die Landbevölkerung blieb, um die Felder zu bestellen.

    Diese Zeit wird beschrieben in Jeremia 52 und 2. Könige 25. Dieses Ereignis war für die Israeliten absolut entscheidend, wie später die Zerstörung des 2. Tempels und der Stadt Jerusalem durch die Römer (70post), was die Auflösung des ganzen Staates bedeutete und die Juden in die ganze Welt zerstreute.

    Die einzige Erinnerung ist die sog. Klagemauer in Jersusalem, das einzige Bauwerk des 2. Tempels, das durch die israelische Armee im Sechstagekrieg (1967) zurückerobert wurde.


    3. Der Text

    Die jüdische "Bibel" (für Juden gibt es kein "Altes Testament") besteht aus drei Teilen: die Torah (5 Bücher Mose), den Propheten (nebiim) und den sog. Schriften (ketuvim). Bei den Schriften haben auch die Lamentationen ihren Platz. Als die jüdische "Bibel" im Christentum zum Alten Testament wurde, wurden die lamentationes hinter den Propheten Jeremia verschoben. Der Verfasser ist aber nicht Jeremia, allerdings jemand, der den Untergang miterlebt hat. Jeremia und der Verfasser flohen und sind verschollen.

    In der lateinischen Vulgata wurde das Buch "lamentationes Jeremiae" genannt oder in latinisiertem Griechisch "Threni" (Tränen). In der Lutherbibel heißt es "Klagelieder".

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  • 4. Der Komponist


    Tomas Tallis war Organist an der Royal Chapel. Er war ein glühender Katholik geblieben (wie auch Byrd), als Heinrich VIII. die römisch-katholische Kirche verließ und die anglikanische Kirche gründete, wobei dies mit der Verfolgung von Katholiken einherging. Allerdings blieben Tallis und Byrd verschont, weil sie berühmt waren. Byrd und Tallis aber sahen im Verbot des katholischen Glaubens eine Parallele zum Untergang Jerusalems. Der schmerzliche Ton der Lamentationes ist also auch persönlich begründet.


    5. Die Musik


    Bei "ne irascaris" (Byrd) wie bei den "lamentationes" ist besonders auffällig die Vertonung der Worte "Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Deum tuum"; hier fließen wohl historische Erinnerung und persönlicher Schmerz zusammen: "convertere" zum katholischen Glauben.

    Bemerkenswert für uns ist, dass Tallis die Zahlen der Verse mit komponiert hat, wobei die Zahlen im Hebräischen auch die Buchstaben des Alphabets sind.

    Also: alef, beth, gimel, dalet, he (erster Teil).

    Die Komposition der Buchstaben sind von atemberaubender Intensität und Schönheit.

    Ich habe bei meinem letzten Vokalensemble einen Auszug des ersten Teiles gemacht, der nur die Noten der Buchstaben alef bis he enthielt, worauf einmütig beschlossen wurde den ganzen ersten Teil zu singen.

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  • Schade, ich dachte, die etwas umständliche Einführung des Ligeti-Violinkonzertes wäre tatsächlich Ernst gemeint.


    Hier erklärt Ligeti selbst das Werk - es ist also gar nicht so schwer zu verstehen:


    Konzert


    Da muss ich dann das nächste Mal wohl etwas wirklich "Schweres" bringen. ^^ Der Stockhausen, an den ich gedacht habe, kommt nicht in Frage, denn was man bei Youtube hört, ist von der Ausführung her leider meist schlecht. Man braucht schon die große Klasse einer Kathinka Pasveer oder eines Markus Stockhausen, um das zu spielen.


    Tallis ist natürlich sehr gut! :thumbup:

  • Ich weiß nicht, was ich da falsch gemacht habe, denn jeder, der mich kennt, weiß doch, dass Ligeti für mich nur als Komponist von "Lontano" gilt.

    Zu der natürlich erfundenen Anekdote mit dem Benrather Schulorchester hatte ich sogar dazugeschrieben, dass es eine Satire ist. Eine Pointe habe ich da sogar noch vergessen, denn Holger war wie ich auf dieser Schule, nur viel später. Ich ergänze also hier:

    "Das Stimmen der Instrumente ging deshalb schief, weil Dirigent Holger Kaletha das Konzert vergessen hatte, weil er damals schon an einem Vergleich von Kant zu Hegel arbeitete.":untertauch::cheers:

    Dies zum Verdruss seines Philosophielehrers, der immer große Mühe hatte, seinem Schüler Holger gewachsen zu sein.

    Computer kaufen keine Autos (Jochen Hensel)

  • Ich hatte ja geahnt und gehofft, daß unser Freund Pingel wieder in die Renaissance zurückweisen würde.


    Jetzt freue ich mich auf den Vorschlag von Dr. Pingel verbunden mit der Hoffnung, daß der mit was um die Ecke kommt, wo HIP-Aufnahmen wichtig sind.

    Tallis geht nun mal nicht anders als HIP. Die "katholische" Wahl freut mich sehr (bin mir auch sicher, mehr als eine Aufnahme von den "Lamentationes" zu besitzen.


    Mir gefiel der Tumult am Schluss am besten. Allerdings war nicht zu sehen oder zu hören, ob das Publikum in den Tumult einstimmte.

    Hier muss ich noch mal nachlegen: ich habe gestern Abend noch zwei weitere Aufnahmen des Violinkonzertes gehört (schon sehr beeindruckendes Werk). Der "Tumult" scheint eine spontane Eingebung der Kopanchinskaya zu sein. Bei den beiden mir vorliegenden Studioaufnahmen kommt er nicht vor (hätte mich bei dem Dirigenten Pierre Boulez auch sehr gewundert). Aber dieser Einfall ist dann nochmal ein Sahnhäubchen obendrauf. Würde in der Kölner Phil auch ganz hervorragend funktonieren. Jedenfalls, lieber Dr. Pingek, hast Du mir mit dem Hinweis auf das Violinkonzert eine unverhoffte Freude gemacht, dankeschön dafür (und auch Dank an astewes dessen Werkvorschlag der Musica Riccercata mir mehr und mehr ins Ohr geht).


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

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