Jetzt habe ich noch die Gesamtaufnahme von Vladimir Stoupel durchhören können. Der Eindruck ist nicht recht eindeutig.
Stoupel spielt agogisch sehr frei, insgesamt eher langsam. Ich tue mir indes bisweilen schwer mit der dahinter stehenden Intention. Die Gefahr, dass das Werk zerfällt, scheint mir schon groß. Gegen die Finesse des Spiels hätte ich ansonsten keine Einwände.
Problematischer als die späten erscheinen mir die frühen und die mittleren Sonaten. Bei der vierten Sonate, die ja noch nicht wie bereits die fünfte von diabolischen Passagen quasi gefährdet wird, fällt für mich am deutlichsten der retardierte Begeisterungsimpetus ins Gewicht.
Am besten hat mir die Achte gefallen. Diese beinahe knusprige Transparenz, gerade bei den unangenehmen Quartlauf-Passagen, hört man nicht überall sonst.
Und insofern kann ich auch die Neunte eher akzeptieren, da sie manche Details sichtbarer macht als fast alle anderen Einspielungen, die ich kenne. Doch insgesamt reicht sie nicht an Größen wie Ashkenazy, Horowitz, Sokolov, Schukov oder Ugorski heran. Und eigentlich finde ich auch den romantisierenden und trotzdem präzisen Ansatz von Hamelin besser. Die immer wieder betätigte innere Handbremse scheint mir eine Art Alleinstellungsmerkmal von Stoupel. Und von daher bereue ich auch die Anschaffung keineswegs.
Wolfgang
