Tom Krause

  • Sagitt meint:


    Ich könnte meine Zuneigung zu dieser Stimme in irgendeinem thread verstecken, aber das würde ihm nicht gerecht.


    1934 in Helsinki geboren, hat Tom Krause eine große internationale Karriere gemacht, darunter 12 Jahre in Hamburg, eine gewisse Zeit an der MET.


    Sein Repertoire war sehr gross,wenn man Kutsch-Riemens studiert.


    Ich höre gerade mal wieder seine Darstellung der Bass-Partie ( Matthäus-Passion von Solti dirigiert). Anders als Fischer-Dieskau, der diese Partie deutend durchdringt, singt Krause mehr vom Herzen- absolut überzeugend, Krause hat ein wunderbar warme Stimme ( singt völlig akzentfrei). Er mischt nicht so perfekt Ober-und Bruststimme, aber die Stimme klingt sehr emotional.


    Ich hoffe, andere Bewunderer tragen zu diesem großen Sänger bei !

  • Auch als Graf in Figaros Hochzeit finde ich Krause ganz ausgezeichnet!!!
    Trotz das Fi-Di der Graf schlecht hin ist muss ich sagen, dass mir die "Hai gia vinta la causa" Arie im 3.Akt von Krause zum Teil noch ein ganzes Stück besser gefällt als von Dieskau gesungen!!!
    Leider habe ich sonst, wenn ich grad überlege, nichts von ihm!


    sagitt: was kannst du denn noch empfehlen?


    Mfg Richard

  • Sagitt meint:


    Ich kenne Tom Krause bisher nur als Bach-und Mozartsänger, weiss aber, aus der genannten Quelle, dass er ein großes Repertoire hatte. Als Liedersänger will ich ihn noch kennen lernen.


    Vielleicht kann uns Sune von Live-Erlebnissen berichten ?

  • Zitat

    Original von sagitt
    Sagitt meint:
    Vielleicht kann uns Sune von Live-Erlebnissen berichten ?


    Das kann er.


    Mein erstes Live-Erlebnis mit Tom Krause war am 6. Dezember 1961 in der Hamburger Musikhalle. Im ersten Teil des Konzerts gab es Rolf Liebermanns Streitlied zwischen Leben und Tod; Solisten sollten u.a. Christa Ludwig und Walter Berry sein, doch beide sagten ab, und für Berry sprang der damals 27jährige Tom Krause ein, von dem ich bis dato nur wußte, daß er in einem deutsch gesungenen "Carmen"-Querschnitt (mit Sonja Draksler und Waldemar Kmentt) der Escamillo war und in Soltis "Tristan" als Kurwenal mitwirkte.


    Der Eindruck, den Tom Krause hinterließ, war umwerfend : ein groß gewachsener junger Mann mit einem ungewöhnlich dunkel timbrierten dramatischen Baßbariton, fast ein Heldenbariton (Kritiker verglichen ihm damals mit George London; ein Vergleich, den ich heute nicht mehr nachvollziehen kann).


    Wer sich einen Eindruck von Tom Krause in dieser Phase verschaffen will, sollte zum o.g. "Tristan" greifen, zum "Fidelio" unter Maazel (Pizarro), zu seinem ersten Lieder-Recital : Sibelius- und Strauss-Lieder mit Pentti Koskimies am Klavier oder zu seinem Heerufer in Sawallischs Bayreuther "Lohengrin" von 1962.


    Dieses Einspringen sollte für Krause entscheidende Bedeutung haben, denn Rolf Liebermann verpflichtete ihn von der damaligen Städtischen Oper Berlin an die Hamburgische Staatsoper, wo er bis Liebermanns Weggang nach Paris (Krause folgte ihm) von Händels "Jephta", über Rossinis "Liebesprobe" und "Türke in Italien", über Mozart (Guglielmo, Giovanni, Figaro-Graf, Sprecher), über Strauss (Orest), Wagner (Wolfram, Heerrufer, Donner, Nachtwächter) bis hin zur Moderne (Kreneks "Der goldene Bock", Searle's "Hamlet u.a.) alles sang, was ein Ensemblemitglied zu tun bekam.


    Etwa 1964 begann mit der Wiederaufnahme von Rennerts "Don Giovanni" die zweite Phase in Krauses Karriere. Bis dahin war er nach seinem Studium in Helsinki und Wien von einer Gesangslehrerin in Berlin betreut worden, die (nach seinen Worten) "Heldensöhne" produzieren wollte, seine Stimme also in eine dramatische Tonproduktion presste, mit der Krause (wiederum nach seinen Worten) nicht lange hätte singen können. Er ging dann in Hamburg zu Sergio Nazor, dem Lehrer Arturo Sergis, und stellte seine Technik total um : heller, aufgelichteter, leichter, ohne das (für mich so interessante) dramatische Fundament. Für Krause, der schon bei Festspielen in Bayreuth (1962 Heerrufer) und Glyndebourne (1963 "Capriccio"-Graf) mitgewirkt hatte, begann spätestens 1968 der internationale Durchbruch (ein Jahr zuvor hatte er mit dem "Figaro"-Grafen bereits an der Met debütiert) : er sprang für Nicolai Ghiaurov als Don Giovanni bei den Salzburger Festspielen ein (unter Karajan) und wurde in den Folgejahren oftmals dorthin verpflichtet.


    Der Übergang zur dritten "Technik"-Phase war ein gleitender; spätestens als seine Frau nach einem "Rheingold" meinte, sein Donner sei nicht von der Stimme des Froh-Sängers zu unterscheiden gewesen, fühllte er sich mit der "Nazor-Technik" nicht mehr wohl und ging zu Rudolf Bautz, der eine Synthese aus beiden Techniken entwickelte, die letztendlich mit dafür verantworrtlich war, daß Krause eine so erfolgreiche und lange Karriere hatte.


    Zuletzt hörte ich ihn (als Sänger) 2000 bei einem Liederabend in einem der wunderschönen finnischen Gutshöfe, den er wegen einer Indisposition nur mit Ach und Krach beenden konnte; danach noch einmal (als Sprecher) als Bassa Selim in der Finnischen Nationaloper.


    Tom Krause ist heute ein viel gesuchter Pädagoge (u.a. Professor in Madrid), Juror und Jury-Vorsitzender. Hier in Mikkeli gab er 2000 eine Meisterklasse im Rahmen der Mariinsky-Sommer-Akademie.


    Meine Einschätzung : Tom Krause hatte meiner Meinung nach eine Stimme, die vom Timbre her Bariton, aber vom Tonumfang her eher Baß oder Baßbariton war, d.h. für einen Bariton eine eher "kurze" Stimme. Dies verhinderte, daß er in den Baritonpartien Verdis (er sang u.a. Amonasro, Jago, Germont, Carlos) mehr reüssierte, und führte dazu, daß er zeitweilig (z.B. in Savonlinna) Filippo und den Aida-König sang. Was er jedoch innerhalb dieses Rahmens machte, war für mich von hohem künstlerischen Wert, vor allem im Bereich des Liedgesangs oder Oratoriums.


    Dabei möchte ich es für heute bewenden lassen. Es gäbe (und gibt) noch so viel über Tom Krause zu berichten, den ich live viele Male erlebt habe. Bei Bedarf und Interesse werde ich gerne darauf zurückkommen.


    Herzliche Grüße


    Sune

  • Hallo Sune,


    gäbe es das Internet nicht, wie würde man dann so umfassend und kompetent über einen Sänger erfahren, der so vieles geleistet hat,ohne tief in das Bewusstein von Klassikfreunden eingedrungen zu sein( ausser den Spezialisten natürlich). Ich habe ihn nie live erlebt, auf den mir zugänglichen Bilder war er auch optisch ein sehr ansehnlicher Sänger, den man sich vom Bild und der Stimme her als einen idealen Don Giovanni vorstellen kann.


    Schöne Grüsse nach Mikkeli


    Sagitt


    P.S. Bekommen wir die Polarluft von Euch ab ? Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr

  • Hallo sagitt!


    Danke für die Blumen!


    Tom Krause hatte anfangs einen Vertrag mit Decca und nahm abgesehen vom Kurwenal zunächst einige kleinere Partien auf, so den 1. Nazarener in Soltis "Salome" (ein Kritiker bedauerte, daß nicht er, sondern Eberhard Wächter den Jochanaan sang), Silvano in Soltis "Ballo" und Montano in Karajans zweitem "Otello".


    Im "Otello" gibt es eine pikante Besetzungskonstellation. Als Herold ist ein gewisser Libero Arbace (derselbe, mit dem einer der beiden Verschwörerer in Soltis "Ballo" besetzt ist) angegeben, doch wenn man genau hinhört, ist es Tom Krause, der diese Partie singt.
    Die Wiener werden besser als ich wissen, daß Libero Arbace Wirt eines Restaurant in Wien war ("Grotta azzurra") und offenbar Tom Krause für diese Aufnahme seinen Namen lieh. Mich würde nun also interessieren, wer sich beim "Ballo" hinter diesem Namen verbirgt. Weiß jemand aus dem Wiener Umfeld Bescheid?


    Den von mir konstatierten Technikwechsel vom (fast) Helden- zum eher lyrischen Bariton kann man übrigens genau auf der von Kertész dirigierten "Pasquale"-Einspielung aus dem Jahre 1964 hören.


    In dieser Zeit entstand auch eine Aufnahme, die meines Wissens vor nicht langer Zeit auf CD wieder veröffentlicht wurde. Ihr Titel "Tom Krause - The Heroic Baritone", doch das war er trotz Holländers und Fürst Igors, die er hier sang, schon nicht mehr.


    Eine ganz großartige Partie von Tom Krause war der Orest, doch leider spiegelt die Solti-Aufnahme nur wenig von diesem Eindruck wider; zu sehr läßt die Aufnahmetechnik die Stimmen (auch die der Nilsson) im Orchesterrausch "einbetten".


    Somit spiele ich den Ball wieder nach Bremen zurück!


    Viele Grüße aus dem mit -9° "normal" kalten Mikkeli


    Sune

  • Zitat

    Original von sagitt
    Ich höre gerade mal wieder seine Darstellung der Bass-Partie ( Matthäus-Passion von Solti dirigiert).


    Wie ist Krause in dieser Partie, verglichen mit Münchingers MP?


    LG, Paul

  • Hallo Paul,


    die Frage kann ich gar nicht beantworten, weil ich die Aufnahme mit Münchinger ziemlich verkramt habe, nicht wegen der Solisten,Ameling,Wunderlich oder Krause,sondern wegen der Interpretation und des Chores.
    Ich habe aber andere Aufnahmen mit Krause und Münchinger aus dieser Zeit ( Weihnachtsoratorium und Kantaten) und finde, die Stimme von Tom Krause hat in den Jahren gewonnen, wie ein Diamant, der durch weiteren Schliff gewinnt. Sune hat ja ausführlich über die sängerische Entwicklung von Tom Krause berichtet. Seine warme Tiefe hatte er schon, die hatte er zwanzig Jahre später auch noch. Aber die Stimme war " feiner" geworden. Sollte ich diese Matthäus-Passion wiederfinden und einen anderen Eindruck gewinnen, werde ich das mitteilen.


    Schöne Grüsse


    Sagitt

  • Sagitt meint:


    Endlich habe ich Tom Krause auch als Liedersänger gehört.Ich mag die Stimme und haben hohen Respekt vor seinem Können ( so akzentarm zu singen).
    Tom Krause hat ein wunderbar warme Stimme.
    Ich habe die Winterreise mit ihm gehört. Das ist eine Version für Melancholiker, die Trauer wohlig geniessen wie einem warmen Regen. Ein Kranz schauriger Lieder ist dies bei Krause nicht.
    Man fühlt sich von dieser Stimme warm umhüllt- vom Schrecken der Winterreise bleibt nicht übrig.
    Aber: ich mag die Stimme von Tom Krause.

  • Ich hatte das Glück, Tom Krause 1981 in "La Bohème" in Berlin zu erleben. Die Aufführung war eine "Sternstunde" in Sachen Gesangskunst, das Ensemble (Lorengar, Cupido, Conwell, Sardi, Mc Daniel) perfekt im Zusammenspiel.


    LG, Guido

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Hallo Guido,
    ich hatte das Glück, Tom Krause !980 in Hoffmanns Erzählungen
    zu erleben.Er sang die vier "Bösewichter".
    Edda Moser sang die vier"Geliebten"und Placido Domingo
    den Hoffmann.Der Dirigent war John Pritchard,
    im Kölner Opernhaus.(100.Todestag von Offenbach)


    Gruß Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Hab ihn in oben erwähnter "Boheme" gehört in Berlin,
    auch als Escamillo und sehr oft als Graf in "Figaro" alles in Berlin.
    Er war ein echt toller Sänger, aber auch als Darsteller KLASSE!


    :)

    mucaxel

  • @ sagitt, ich kann Dich verstehen ... ich höre gerade Tom Krause als Don Pizarro ... auch ich mag die Stimme und die Sangeskunst von Tom Kraues sehr!

    Viele Grüße aus dem Bergischen Land
    Basso

  • Wenn ich richtig unterrichtet bin, ist der 72jährige Tom Krause noch als Sprecher tätig. Zuletzt sah ich ihn als Bassa Selim in Helsinki. Daneben ist er in vielen Gesangswettbewerben Mitglied der Jury oder sogar (wie beim Mirjam-Helin-Wettbewerb in Helsinki) deren Vorsitzender. Neben seinen Unterrichtsverpflichtungen als Professor in Madrid gibt er jeden Sommer eine Meisterklasse in Savonlinna.


    Mikko


    BTW - hat Krause Don Pizarro auch auf der Bühne gesungen?

  • Bei meinen Recherchen über den kürzlich verstorbenen Bassisten Bengt Rundgren bin ich mehrfach auf den finnischen Bariton Tom Krause gestoßen. Schön, dass er sogar einen eigenen Thread hat.


    Es war Schuberts "Winterreise", die ich für mich entdeckte:



    Tom Krause - A Lieder Collection
    3 CDs
    Schubert: Winterreise D. 911
    + Schumann: Dichterliebe op. 48
    + Lieder von Sibelius, Brahms, Mussorgsky
    Tom Krause, Bariton
    mit Gustav Djupsjöbacka & Irwin Gage, Klavier
    Label: Finlandia , DDD, 94/97


    Sein bekanntes Opernrecital habe ich schon länger im Regal (und vorher auch schon als LP mit gleichem Cover):



    Hörproben gibt es bei amazon.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Aus Australien kommen in diesen Tagen diverse CDs der Universal-Serie "Eloquence" zu uns, die viele Jahre verschollen waren, so z. B. auch Lieder-Aufnahmen des finnischen Baritons Tom Krause:



    Franz Schubert (1797-1828)
    Schwanengesang D. 957

    Künstler: Tom Krause, Bariton,
    Irwin Gage, Klavier
    Label: Decca , ADD, 1973
    - Australien-Import -


    +++++++++++++++++++++++++++++



    Jean Sibelius (1865-1957)
    Lieder

    +Strauss: Lieder


    Tom Krause, Bariton,
    Pentti Koskimies, John Williams
    Decca , ADD, 1967/1963
    - Australien-Import -



    Nähere Infos gibt es bei jpc.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Wie soeben gemeldet wird, ist der finnische Bariton heute von uns gegangen.



    Tom Gunnar Krause (* 5. Juli 1934 in Helsinki, gestorben am 6. Dezember 2013) war ein finnischer Opernsänger (Bassbariton). Der Sohn eines Versicherungsdirektors studierte in Helsinki zunächst Medizin. Ab 1956 studierte er Gesang in Hamburg und an der Wiener Musikakademie.
    Tom Krause wurde besonders bekannt mit seinen Mozart-Interpretationen und seine Liederabende.
    Er hat mehrfach bei den Salzburger Festspielen mitgewirkt.
    Seine bekanntesten Opernrollen waren in L'elisir d'amore, Don Pasquale, Rigoletto, La traviata, Fidelio, Tannhäuser, Tristan und Isolde, La bohème, Andrea Chénier, Faust und Carmen.


    R. I. P.

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Das tut mir sehr leid. Ich habe ihn in Erinnerung als m. E. heute noch gültige Referenz in der Rolle des Don Pizarro, in der ich ihn im nächsten März vor 50 Jahren in der nachfolgenden Box kennlernte mit Birgit Nilsson als Leonore, James Mc Cracken als Florestan, Kurt Böhme als Rocco, Hermann Prey als Don Fernando, Donald Grobe als Jacquino und Graziella Sciutti als Marzelline unter dem mitreißenden Dirigat von Lorin Maazel, dem Wiener Staatsopernchor und den Wiener Philharmonikern. Hier waren mit Birgit Nilsson und Kurt Böhme gleich noch einige referenzwürdige Protagonisten vertreten:


    R.I.P.

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich habe Tom Krause erst vor Kurzem in einem Querschnitt aus "Carmen" gehört. Er gefiel mir sehr gut als Escamillo. Seine Partner waren Helga Pilarczik und Herbert Ernst Groh.

    W.S.

  • Ab 1956 studierte er Gesang in Hamburg und an der Wiener Musikakademie...
    Seine bekanntesten Opernrollen waren in L'elisir d'amore, Don Pasquale, Rigoletto, La traviata, Fidelio, Tannhäuser, Tristan und Isolde, La bohème, Andrea Chénier, Faust und Carmen.


    Auch mich erschüttert Tom Krauses Tod sehr; er war ein großartiger Künstler, dem ich in Bayreuth, Hamburg und Finnland viele unvergessliche Abende verdankte. Trotz meiner Trauer sei mir erlaubt, Haralds Beitrag zu ergänzen. Krause hatte ab 1956 Gesang in Helsinki, nicht in Hamburg studiert (ich weiß, so steht's im deutschen Wikipedia, aber das ist falsch - siehe finnisches bzw. englisches Wikipedia). Von den angeblich bekanntesten Opernrollen hat er meines Wissens nie L'elisir d'amore, Rigoletto und Andrea Chénier gesungen. Hingegen sollte man seinen Don Giovanni und seinen Figaro-Grafen nicht vergessen.


    R.I.P. Tom Krause


    Peter

  • Auch ich bedaure den Tod Tom Krauses, den ich als Sänger sehr geschätzt habe. Unter anderem kommen mir diese Einspielungen ins Gedächtnis:





    Auch ich habe seine Stimme als sehr warmtönend und klangschön empfunden. Ich werde seine Aufnahmen in Ehren halten und versuchen, mir noch weitere Tondokumente von ihm zu erschließen.

    viele Grüße von Boris alias Don_Gaiferos

  • Sagitt meint:


    Über Krause ,lieber Peter,tauschten wir uns schon vor manchen Jahren aus.


    Wie gut, daß mit dem Leib nicht die Stimme verschwindet.
    So hat man den Künstler immer ein wenig bei sich.


    Schöne Grüße


    Hans

  • Lieber Hans,


    darank kann ich mich noch gut erinnern! Als ich von Tom Krauses Erkrankung erfuhr, telefonierte ich mit seiner Frau und war erleichtert, sie recht optimistisch zu hören. Umso mehr trifft mich sein Tod jetzt. Ich hatte das Glück, ihn und seine Frau und Tochter mehr als 50 Jahre zu kennen, ja, sogar mit ihnen befreundet zu sein. Abgesehen von meiner Begeisterung für seine Stimme, verdanke ich ihm sehr viel, vielleicht sogar, dass ich jetzt in Finnland lebe, denn durch ihn lernte ich die Musik von Jean Sibelius kennen. Er "versorgte" mich mit seinen LP, so dass ich vieles von Sibelius erstmalig hören konnte.


    Unsere intensivere Bekanntschaft begann durch eine Bemerkung meinerseits, dass ich (ich glaube, es war 1963) gerade Brittens War Requiem auf Tonband aufgenommen hatte. Das machte ihn hellhörig, denn er war gerade daran, sein USA-Debüt mit diesem Werk (in Tanglewood?) zu feiern. Ich machte mich also mit meinem ziemlich schweren Tonbandgerät auf zu seiner Wohnung, wo wir beide Geräte zum Überspielen miteinander verbanden.


    Ich hatte ja vorher schon über die 3 Phasen in Krauses Gesangstechnik geschrieben. Deshalb empfehle ich jedem, der mit seiner Stimme vertraut werden will, die Solti-Aufnahme des Tristan (Kurwenal), den Bayreuther Lohengrin von 1962 unter Sawallisch (Heerrufer) sowie den Maazel-Fidelio (Pizarro), die noch den frühen Krause präsentieren mit einer Stimme, die ins Dramatische wies. Zugegeben, für den "kompletten" Krause sind diese Aufnahmen nicht repräsentativ, denn Kurwenal sang er nie auf der Bühne, Heerrufer außer in Bayreuth und Mailand nur an seinem Hamburger Stammhaus und Pizarro nur einmal in den USA (wo?). Aber was für eine Stimme! Einen ähnlichen Eindruck bekommt man auf seiner ersten Liederplatte mit Sibelius und Strauss (Pentti Koskimies am Flügel).


    Ich bin traurig und denke in diesem Augenblick an seine Frau Jeanie und Tochter Danielle. Jeanie und Tom Krause waren ein Vorbild für eine außerordentlich glückliche und harmonische Ehe.


    Grüße aus Finnland, wo ich Tom Krause vor wenigen Jahren bei einer seiner Meisterklassen in Savonlinna zuletzt traf.
    Peter

  • Tom Gunnar Krause (* 5. Juli 1934 in Helsinki; † 6. Dezember 2013 in Hamburg) war ein finnischer Opern- und Liedersänger im Fach Bassbariton.


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Von Tom Krause besitze ich auch einige sehr interessante Aufnahmen. Wie es der Zufall will, hörte ich ihn erst gestern in einer Gesamtaufnahme der Oper "Hoffmanns Erzählungen" in den Rollen der drei Bösewichter Lindorf, Coppelius, Dapertutto und Mirakel. Eine unvergessene wunderbare Baß-Bariton-Stimme.

    W.S.

  • Heute hat Tom Krause Geburtstag. Dazu habe ich wieder meine Lieblingsaufnahme aus meiner Sammlung ausgesucht, mit der ich ihn vor über 50 Jahren kennenlernte, den meiner Meinung nach überzeugendsten, dämonischsten Pizarro, den ich je kennengelernt habe, und Fidelios habe ich reichlich auf CD und auf DVD:



    Heute wäre er 81 Jahre alt geworden.



    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

    Einmal editiert, zuletzt von William B.A. ()

  • Da heute Tom Krauses Tochter Danielle sich hier im Forum registriert hat, sollte man sich an den Sänger erinnern. YT hat allerhand Clips und komplette Opernaufführungen mit ihm, aber ich habe noch eine Rarität gefunden, die sich anscheinend nur bei einm russischen Anbieter befindet:

    The Palace (Aulis Sallinen) Savonlinna 1995

    mit Jorma Silvasti, Tom Krause, Ritva-Liisa Korhonen, Veijo Varpio, Jaana Mäntynen, Sauli Tiilikainen

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt

  • Es ist ohnehin lohnend, sich an Tom Krause zu erinnern.

    Kennengelernt habe ich ihn bewußt zuerst als Pizarro in Lorin Maazels "Fidelio"-Aufnahme von 1963 (Decca), die (für mich) leider unter einem ständig schnaufenden, ziemlich überdrehten Florestan leidet, den John McCracken darstellt. Auch halte ich Birgit Nilsson als Leonore für grenzwertig; sie wäre besser bei ihren Brünnhilden geblieben. Doch Tom Krause ist einer der Lichtblicke dieser Aufnahme; sein Pizarro kann sich mit den besten Rollenvertretern messen.


    Wenig später hörte ich den Sänger als Silvano in Georg Soltis "Maskenball" und als Montano in "Otello" unter Karajan. Kleine Rollen, aber auch sie geben Zeugnis von Krauses Gesangskunst.


    Schließlich ist der Sänger ein hervorragender Conte in Karajans GA von "Le nozze di figaro" aus dem Jahr 1979, inmitten eines erlesenen Ensembles. Diese Aufnahme schätze ich sehr hoch ein, nicht zuletzt wegen Krause. An seiner Seite singt José van Dam einen glanzvollen Figaro:

    Le Nozze di Figaro KV 492 | 3-CD (1988, Pappschuber, Re-Release,  Remastered) von Wolfgang Amadeus Mozart


    Sehr gut gefallen hat mir auch Krauses Rafael in Münchingers Aufnahme von Haydns "Schöpfung" (Decca), mit Elly Ameling und Werner Krenn. Kann es sein, daß diese nicht auf CD überspielt wurde?


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich habe Tom Krause leider nur einmal live erleben dürfen. Es war 1968 in Salzburg als "Don Giovanni" unter Karajan. Er war elegant, bravourös und hat uns im letzten Bild noch Nerven gekostet. Der Tisch, an dem getafelt wurde, hat in der Mitte eine Bruchstelle für die Höllenfahrt. Er lehnte und saß genau an der Bruchkante und der Tisch begann sich zu biegen und zu biegen ... Aber er ist nicht gebrochen.


    Erich

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.