Ich bin das Faktotum der schönen Welt - Der ideale Figaro (Rossini)

  • Liebe Opernfreunde, liebe Forianer,


    Nach der Frage um den "besten" Tamino, und die "beste" Carmen "aller Zeiten" widem ich ich heute der Frage nach dem "überzeugendsten " Figaro - womit ich jenen von Rossini aus dem Barbier meine.


    Kaum ein Bariton der dafür geeigent war hat die Rolle ausgelassen, und auch wenige, die dafür nicht geeignet waren.


    Und schon haben wir wieder ein wunderschönes Thema: Wer war in Euren Augen, der überzeugenste, rollendeckenste Figaro ? Hiebe könnt man unterscheiden in den besten lebenden und den "besten" überhaupt. Wer will kann auch noch begründen , warum er sich für einen bestimmten Sänger entschieden hat.


    Der "Sinn " des ganzen ?
    Wir alle (oder zumindest einige von uns) werden unsere "Barbiere" aus den Plattenschränken holen und vergleichen ....


    (oft lernt man dabei eine lange im Besitz befindliche Aufnahme erst so richtig kennen--- und lieben.



    LG


    aus Wien


    Alfred

  • Weil ich mit den Begriffen sehr vorsichtig bin, möchte ich gestehen, dass auch mir zunächst Hermann Prey sehr gut gefällt - auch auf italienisch (Abbado)!
    Thomas Hampson ist aber auch bei mir gleichauf.
    Ein gewisses Kuriosum ist die Darstellung von Tito Gobbi. Ich kann Ihr eine gewisse Sympathie nicht versagen aber, er erscheint mir doch ein wenig --- schwerfällig.
    Ein für mich eher fragwürdiges Unternehmen ist bis hin zum Coverbild die Aufnahme mit Placido Domingo.

  • Siegfried
    Ich nehme ganz stark an das du auch in Besitz dieser wunderbaren "Barbier" Aufnahme(also Dvd oder Video) aus der Münchener Staatsoper aus dem Jahre 1959, mit Prey,Wunderlich,Köth,Hotter etc bist?
    Dieses Mitschnitt ist für deine Aussage das Prey der besten Figaro ist einfach nur ein glanzvoller Beleg!!! Einfach wahnsinn, einfach Prey!!!

  • Sagitt meint:


    Ich sah und hörte einmal einen, ich meine, es wäre eine Aufführung aus Dallas gewesen mit der Battle als Rosina,Enzo Dara als großartiger Dr. Bartolo. Er karikierte die Präpotenz von Tenören auf das beste und recht gemein,zB indem er auch seine hohen Töne bis ultimo dehnte.


    Leider habe ich den Namen vergessen, aber vielleicht kennt jemand diese Aufführung.

  • Hallo Ulli,


    der sang wohl auch mit. Aber ist der nicht Tenor ? Dann hätte er nämlich den Grafen gesungen.
    Ich meine, es war ein Italiener, sollte ich die Aufnahme wiederfinden, GRUND GENUG gäbe es, weil sowohl Battle sehr gut als auch Enzo Dara einfach überragend, auch als Schauspieler, werde ich das posten


    schöne Grüsse


    Sagitt

  • Ohne die Verdienste Hermann Preys einschränken zu wollen oder zu können, möchte ich auf einen Figaro verweisen, der diese Oper in den frühen 60er Jahren zum Ereignis werden ließ: Ettore Bastianini. Er zählte seinerzeit zu den Größten seines Fachs. Bei den Gastspielen in Wien standen sich die Opernliebhaber wegen der Karten Beine in den Bauch. Der Mann hatte ein Timbre und eine Ausstrahlung, die Ohren und Augen verführte. Kaum vierzigjährig starb er an Krebs. Sic transit gloria mundi.


    Florian

  • Hallo Richard,


    genau so ist es.Diese Aufnahme,leider damals nur schwarzweiß produziert,hüte ich wie meinen Augapfel.Sie ist in mehrfacher Hinsicht ein Vermächtnis.Ich habe sie als VHS-Videomitschnitt von einer Fernsehübertragung,werde mir die neuerdings erhältliche DVD aber noch zulegen.An all den Stimmen und an der guten Laune,die von den Darstellern hier verbreitet wird,kann man sich berauschen.Das beste Antidepressivum und garantiert ohne schädliche Nebenwirkungen. :hello:

  • Hallo,
    als Neuling, der schon eine Weile mitgelesen hat, freue ich mich, dass ich jetzt endlich auch selbst schreiben darf. Ich habe ja sehr lange nach so einem Klassikforum gesucht und bin dann ganz zufällig draufgestoßen. Das Wissen und die Kompetenz der hier Schreibenden ist ja erstaunlich groß, war aber in so einem Spezialforum eigentlich auch nicht anders zu erwarten. :]


    Aber jetzt zum Thema:


    Auch ich halte Herrman Prey für einen nahezu optimalen Figaro, sein Vortrag lässt nichts missen und er ist in mancher Hinsicht "italienischer" als viele seiner Kollegen aus dem Land südlich des Brenners.


    Mein persönlicher Favorit ist allerdings der schon erwähnte Ettore Bastianini, der über die deutlich schwerere und dunklere Stimme verfügte, kein Wunder, er stammt ursprünglich ja auch aus dem Bassfach. Überhaupt muss ich sagen, dass ich die gesamte Aufnahme unter Alberto Erede für maßstäblich halte: Giulietta Simionata, Luigi Alva, Cesare Siepi, Fernando Corena, da war wirklich alles versammelt, was damals in diesem Fach Rang und Namen hatte. Leider besaß ich nur die Schallplattenversion, auf CD besitze ich nur ein paar Arienausschnitte daraus.


    Tito Gobbi ist in der Tat ein Fall für sich, meiner Meinung nach zählt er nicht zu den eigentlichen Belcantisten, sondern steht eher in der Tradition eines Boris Christoff oder eines Schaljapin, die den Ausdruck über den reinen Schöngesang stellten. Verdi z.B. soll das ja angeblich auch so gewollt haben, zumindest für gewisse Rollen, ich denke da an Macbeth.


    Erwähnen sollte man vielleicht auch noch Sesto Bruscantinini, bei dem das komödiantische Talent eindeutig im Vordergrund steht.


    Einen überraschend flexiblen und agilen Figaro - gemessen am mächtigen Kaliber seiner Stimme - sang wohl auch Laurence Tibbett, allerdings kann ich mich da nur auf die berühmte Auftrittsarie beziehen, die auf seinem Sängerporträt von RCA-Victor enthalten ist.


    Auf CD nenne ich die Aufnahme mit Thomas Allen unter Neville Mariner mein eigen. Ich bin da nicht wirklich begeistert, weder vom Figaro, noch von den anderen Protgonisten, Agnes Baltsa vielleicht ausgenommen. Allen singt solide, aber irgendwie fehlt da einfach das Feuer, der komödiantische Schwung, da steht ein biederer englischer Gentleman auf der Bühne, zumindest kommt es mir so vor. Andere mögen es durchaus anders sehen, aber an Prey oder Bastianini kommt er für mich trotz guter Stimme nicht ansatzweise heran.


    So, und jetzt höre ich lieber auf, bevor alle schon bei meinem ersten Beitrag einschlafen, weil er zu langatmig ist. :D


    Kurt

  • Sagitt meint:


    ich hoffe, niemand schläft bei längeren Beiträgen ein. Die Kurz-äh-und sonstige Beiträge sind eher das Problem.


    musiphil machte mich darauf aufmerksam, dass Nucci dieser großartige Figaro war in Dallas. Ja, Spitze.


    Irgendwann finde ich die Aufnahme wieder. Dann gibt es einen Bericht darüber

  • Wer ist euer Lieblingsinterpret der Arie "Largo al factotum" aus dem "Barbier von Sevilla"?


    Es gibt viele hervorragende Interpreten, dürfte also spannend werden.


    :hello:

  • Ich würde lieber ein Lieblings-Trio nominieren:


    - Pasquale Amato (1912)
    - Tito Gobbi (1947)
    - Titta Ruffo (1912).


    Im übrigen auch bei youtube nachhörbar.


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    Original von oper337
    in der Verfilmung mit Mirella Freni und Dietrich Fischer - Dieskau,


    ich glaube es war eine Zefirellei Inszenierung, in italienischer Sprache.


    Lieb Grüße Peter aus Wien


    Lieber Peter aus Wien,


    ich sitzte gerade etwas verwirrt, denn eine solche Verfilmung war mir bislang völlig unbekannt.


    Rossinis Barbier gibt es meines Wissens in filmischer Form mit Prey in der wunderschönen Aufführung aus München


    Gioacchino Rossini (1792-1868 )
    Der Barbier von Sevilla (in dt. Spr.)


    Erika Köth, Hermann Prey, Chor & Orchester der Bayerischen Staatsoper, Joseph Keilberth
    Label: DGG , FSKoAB, 1959



    und dieser Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle


    Gioacchino Rossini (1792-1868 )
    Der Barbier von Sevilla


    Künstler: Alva, Dara, Berganza, Prey, Montarsolo, La Scala Orchestra, Abbado (142 Min.)
    Label: DGG , FSK6, 1971



    Die Besetzung Prey/ Freni/ Fischer-Dieskau schein mir eher in diese Aufnahme zu gehören, die aber auch von Ponnelle inszeniert ist:


    Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
    Die Hochzeit des Figaro

    Künstler: Fischer-Dieskau, Kanawa, Freni, Prey, Montarsolo,
    Wien PO, Böhm (181')
    Label: DGG , FSK6, 1980




    Verwirrte Grüße


    Elisabeth

  • Lieber Felipe,


    da Du nur nach der Arie fragst, gehe ich mal davon aus, dass neben Gesamtaufnahmen auch Recitals genannt weden dürfen.


    Für mich am schönsten singt die Arie Wolfgang Brendel, zu hören auf dieser CD:


    Wolfgang Brendel singt Arien
    von Rossini, Mozart, Offenbach, Gounod,
    Wagner, Verdi
    Brendel, RO München, Wallberg
    Label: Orfeo , ADD, 81




    LG, Elisabeth

  • Die Ouvertüre und diese Arie sind die beiden Nummern, weswegen ich den "Barbier" zumindest auszugsweise gerne höre, der Rest na ja ...
    Aber zum Thema: Ich kenne bislang von CD nur Hermann Prey (auf italienisch), der macht das sehr gut. Ganz vorzüglich auch der Bariton Song-Hu Liu, den ich Anfang des Jahres in dieser Rolle am Staatstheater Nürnberg sah. Der hat einen richtig mitgerissen :jubel:


    Beste Grüße, Florian


  • Das ist ein taminooffenes Geheimnis!!!! Was kann ich dafür das der Typ so gut ist. :pfeif:


    :hello: Maggie

  • Ich werde jetzt den Teufel tun und ausgerechnet an diesem schönen Pfingstag alle meine Faktoten durchhören, zumal der BARBIER wohl meine allererste Lieblingsoper war und ich schon entsprechend viele - wenn auch kaum welche aus der Schellackzeit - gehört habe, aber zwei davon ragen in meiner Erinnerung heraus:


    Hermann Prey ist wohl wirklich der beste deutschsprachige Barbier, und das schon gar auf italienisch. Es war nicht von ungefähr, dass Abbado ihm in seiner - allerdings ohnehin sehr internationalen - Besetzung dies Partie anvertraut hat.


    Dennoch möchte ich eine Lanze für einen Engländer (bzw. Walliser) brechen, den ich mir soeben noch einmal anhöre, und den ich nach wie vor (wie überhaupt die ganze Aufnahme der Oper) sehr überzeugend finde, zudem er das Stück wirklich sehr flexibel singt und selbst die Paradestellen nicht nur "spielt" oder gar durch zusätzliche Improvisationen "anreichert".


    Ich spreche natürlich von Thomas Allen und dieser Aufnahme unter der Stabführung von Neville Marriner, die mit Agnes Baltsa auch die m. E. beste Rosina und mit Francisco Araiza sowieso den allerbesten Almaviva bietet:



    Bei den Italienern, die natürlich einen gewissen Vorsprung in der Zungenfertigkeit haben, die allerdings bei Dr. Bartolo noch relevanter ist, müsste ich noch mal meine Erinnerung an Tito Gobbi überprüfen. Den habe ich aber nur auf LP.


    Eine gute Erinnerung habe ich übrigens auch an John Rawnsley in der Glyndebourne-Aufnahme mit Maria Ewing, die wir einmal bei Topaz Classic herausgebracht haben, aber das liegt vielleicht auch nur daran, dass die ganze Inszenierung wegen der Spielfreude aller Beteiligten ungeheuren Spaß macht.


    Einen wirklich schlechten Figaro habe ich übrigens nicht einmal live in Erinnerung (oder verdrängt). Dazu ist die Rolle einfach zu dankbar.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Auf einer alten Kassette habe ich eine noch ältere Aufnahme mit Giuseppe de Luca, und das ist meine Lieblingseinspielung des "Largo al factotum". Da ich die Ansage im Radio seinerzeit verpasst habe, weiß ich nicht, aus welchem Jahr sie ist, ich schätze aus den 20ern des vorigen Jahrhunderts.


    Giuseppe de Luca singt mit viel Witz, Leichtigkeit und "atemberaubendem" Tempo und führt die unterschiedlichen "Rollen", die er in dieser Arie verkörpern muss, sehr plastisch vor. Buffo vom Feinsten!


    :hello: Petra