Dieser thread gehört dem STREICHSEXTETT!

  • Hallo!


    Ich wußte nicht, wo ich das sonst unterbringen soll. Ein eigener thread über Streichsextette lohnt ja wahrscheinlich nicht.


    Das Streichsextett erfunden hat Luigi Boccherini mit seinen sechs Sextetten op. 23.
    Zwischen den Boccherini-Werken und den beiden Brahms-Sextetten gab es nur eine einzige Streichsextett-Komposition, nämlich die von Louis Spohr (op. 140).
    Die Gattung erfreute sich also nicht unbedingt Beliebtheit. Daß Brahms die Werke Boccherinis kannte, ist wohl kaum anzunehmen. Und wie populär Spohrs Sextett in den 1860ern war, weiß ich nicht - ich nehme aber an, eher wenig.


    Also kann man durchaus sagen, daß Brahms mit seinen beiden Sextetten die Werkgattung in der Kammermusik etabliert hat.
    Denn in der Folge entstanden zahlreiche Streichsextette (bei Klassika sind insgesammt 69 solche Kompositionen aufgelistet), die bekanntesten darunter die von Tschaikowsky (op. 70) und Schönberg (op. 4).


    Streichsextette an sich haben durchaus mehr Beachtung verdient. Mir sagt diese Besetzung sehr zu (zwei von jeder Art...).
    Zu beginn des Jahres kannte ich nur die beiden Brahms-Werke. Inzwischen habe ich sechs weitere Sextette auf CD - es loht sich!


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo,


    Pius:

    Zitat

    Streichsextette an sich haben durchaus mehr Beachtung verdient. Mir sagt diese Besetzung sehr zu


    ...nicht nur Dir!! Das Streichsextett ist eine wunderbar klingende, sehr homogene und in sich stimmige Besetzung.


    Du hast allerdings unter den "großen" Streichsextetten das von Max Reger vergessen. Ein tolles Werk.


    Wenn das Streichsextett, wie Pius sagt, mehr Achtung verdient hat, dann sollten wir ihm doch diese Achtung mit einem eigenen Thread entgegenbringen...


    Gruß,


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Hallo, Uwe!


    Zitat

    Original von Uwe Schoof
    Wenn das Streichsextett, wie Pius sagt, mehr Achtung verdient hat, dann sollten wir ihm doch diese Achtung mit einem eigenen Thread entgegenbringen...


    Du hast mich überzeugt!
    Nach einigen Mißgeschicken (es ist schon spät...) ist es mir gelungen, die beiden Beiträge für den neuen thread abzuspalten.


    Stell das Werk von Reger am besten hier mal vor!


    Und nun links zu bestehenden Streichsextett-threads:


    Brahms: op. 18 & op. 36


    Dvorak: op. 48


    Außerdem wurde hier schon etwas zum Sextett von Tschaikowsky und hier etwas zu den Sextetten von Boccherini geschrieben.


    Kennt jemand das Streichsextett von Spohr?


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo,


    es gibt ein wundervolles Streichsextett von Korngold.


    Es wurde 1917 komponiert und wurde damals zu Recht als eine gleichwertige Komposition im Vehältnis zu Schönberg's "Verklärte Nacht" gesehen.


    Beste Grüße,


    Michael

  • Hallo!


    Im Boccherini-thread hatte ich schon etwas über seine Streichsextette geschrieben. ich kopiere das mal hierher:


    Zitat

    Ich möchte nochmals darauf hinweisen, daß Boccherini die Ehre gebührt, das Streichsextett erfunden zu haben.
    Eine CD der Box ist diesen gewidmet. Darauf finden sich vier seiner sechs Sextette op. 23 (G 454-459), nämlich Nr. 1 Es-dur, Nr. 3 E-dur, Nr. 4 f-moll und Nr. 6 F-dur.
    Bis auf Nr. 1, bei dem Menuett und Finale einen Satz bilden, sind alle viersätzig (schnell-langsam-menuett-schnell).


    Die Werke sind sehr interessant anzuhören, sind keineswegs Schema-F-Serienprodukte. Sie haben mehr Beachtung verdient. Diese blieb wohl aber auch im Boccherini-Jahr 2005 aus...


    Eine Frage noch: Im booklet ist von einem "apokryphen D-dur-Sextett" (G 460) die Rede. Ist das ein Streichsextett eines anderen Komponisten oder ein Werk Boccherinis, das eigentlich kein Streichsextett sein sollte oder keines von beidem?


    Dazu möchte ich noch anmerken: Die CD mit den Sextetten kristalliert sich inzwischen als meine liebste aus der 10-CD-Capriccio-Box heraus:



    Das mit dem


    Zitat

    sind alle viersätzig (schnell-langsam-menuett-schnell).


    stimmt so nicht ganz. Boccherini variiert jedes Mal die Reihenfolge - es sind experimentelle Werke.


    Die Frage nach dem apokryphem G 460 kann mir hier jemand beantworten? Bei Klassika scheinen sie das Problem nicht zu kennen - dort sind sieben Boccherini-Streichsextette aufgelistet inclusive G 460.


    Wie auch immer, die Streichsextette sind allesamt 1776 entstanden. Das erste - und damit das allererste Streichsextett überhaupt - ist wahrscheinlich das Es-dur-Sextett G 454.
    Es ist, wie gesagt, nur dreisätzig. Der dritte Satz ist ein Menuett mit drei Trios (!), der einen gewissen Finalchsrakter hat und harmonisch recht kühn (es-moll !) ist.
    Kühn kann man auch den Kopfsatz des f-moll-Sextetts nennen (liegt wohl auch an der Tonart an sich) - soave e appassionato.


    Es ist Schade, daß die Werke - und lange Zeit auch die ganze Gattung - in den Hintergrund gerieten. 1851 schrieb Louis Picquot in seiner "Notice sur la vie et les ouvrages de Luigi Boccherini":
    Obwohl das Streichsextett eine überaus glückliche Kombination von Instrumenten darstellt, hat es nie besonders viele Liebhaber gehabt. Das erklärt auch, weshalb diese Stücke so unbekannt geblieben sind, die doch eine Vielzahl der herrlichsten Schönheiten enthalten und zu den Meisterwerken ihres Komponisten gehören.


    Dem kann ich mich voll und ganz anschließen.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo!


    @ Maik:


    Wie bereits im Tschaikowsky-thread gesagt, habe ich nun die selbe CD wie Du, und sie gefällt mir sehr gut. Ich habe beide Werke (Tschaikowsky und Dvorak) zunächst jeweils einmal gehört, um mich zu entscheiden, mit welchem ich mich zuerst beschäftige: Tschaikowsky hat um Längen gewonnen...es ist inzwischen mein Lieblings-Sextett! :yes:


    @ Michael:


    Es wäre toll, wenn Du ausführlicheres über Schönbergs und/oder Korngolds Sextett schreiben könntest!


    Dem Streichsextett zuliebe könnte ich mir gar eine Annäherung meinerseits an Schönberg vorstellen...


    Auf jeden Fall ist diese Naxos-CD auf meinen Wunschzettel gewandert:



    Viele Grüße,
    Pius.

  • Ein ganz wundervolles hoch romantisches Sextett in einer ausgezeichneten Einspielung ist dasjenige von M. Glinka.
    Voila:



    LG
    Wulf.

  • Hallo!


    Wulf: Das Sextett von Glinka ist ein Klaviersextett, kein Streichsextett!



    Nun eine (vollständige?) Liste von Streichsextetten aus dem für mich interessanten Zeitraum:


    6 (oder 7) von Boccherini (1776)
    Spohr (1848 )
    2 von Brahms (1860, 1865)
    David (1861)
    Gade (1865)
    Raff (1873)
    Hofmann (1875)
    Dvorak (1878 )
    Rubinstein (1878 )
    Tschaikowsky (1890)
    Schönberg (1899)
    3 von Glier (1902, 1904, 1906)
    Reger (1910)
    Korngold (1917)
    D'Indy (1927)
    Martinu (1929)
    Strauss (1943)


    Die Sextette von David und Gade entstanden, bevor die Brahms-Sextette veröffentlicht wurden, insofern war meine Bemerkung


    Zitat

    Zwischen den Boccherini-Werken und den beiden Brahms-Sextetten gab es nur eine einzige Streichsextett-Komposition, nämlich die von Louis Spohr (op. 140).


    nicht ganz korrekt.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Salü,


    ich habe mir neulich diese CD zugelegt:


    3119JRV3SYL._AA240_.jpg


    Luigi Boccherini
    Sextuors á cordes
    Ensemble 415
    Chiara Bianchini


    Ich mag diese CD überaus - die Musik fasziniert und begeistert mich. Aber: Hätte Boccherini nicht auch schlicht "Divertimento" über jedes Werk schreiben können? Ich weiß nicht, was diese Werke unbedingt zur Kammermusik machen soll? Bis zum Quintett gehe ich ja gerne mit, allerdings eher bei Schubert und Druschetzky als bei Bochherini. Sechs Streicher passen schon noch ganz gut in eine "Kammer" - aber es ist doch schon eher ein kleines Kammerstreichorchester, nicht?


    Bach hätte das vielleicht "Brandenburgische Konzerte" oder so ähnlich genannt...


    Dennoch kann ich die CD nur empfehlen. Wirklich berührende Töne! Und phänomenal gespielt!


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Ich kenne eigentlich nur Tschaikowskys Souvenirs de Florence und Brahms Streichsextette (und Verklaerte Nacht ein bisschen). Allerdings hat mir Tschaikowskys Sextett am meisten gefallen, es riss mich gleich beim ersten Anhoeren mit. Ich frage mich wirklich, warum es nicht bekannter ist - weil es eher lang ist, oder weil Tschaikowsky wenig fuer seine Kammermusik bekannt ist?


    Ich kenne bis jetzt davon nur die Aufnahme mit dem Kocian-Quartett (plus zwei Mitglieder des Prazak-Quartetts), und das nur vom Radio... Die Borodin-Aufnahme auf Chandos habe ich mir jetzt vorgemerkt, leider ist sie nicht billig.


    Wie gut findet ihr Dvoraks Streichsextett im Vergleich zu seinen Quartetten und Quintetten?


    Viele Gruesse,


    Flo

  • Hallo Flo,


    da stellst du aber mal ne Frage...also im Vergleich zu einigen Quartetten und Quintetten steht es hinten an - aber da hat Dvorák eben ein paar große Werke geschaffen.
    Ob nun sein 12.Streichquartett oder sein 2.Klavierquintett um nur zwei Beispiele zu nennen und beim allgemein bekannten zu bleiben.


    Mir persönlich gefällt sein Streichsextett auch - es gibt auch schon einen eigenen, aber spärlich besuchten und beschriebenen Thread: hier.


    Eine Einordnung fällt mir schwer und ist auch immer von der Tagesform abhängig.
    Nun wie oben erwähnt erreicht es eben nicht die Großen...meiner Meinung nach. Muss man so sagen, da mir gerade auch Dvoráks 1.Streichquintett und 1.Streichquartett sehr, sehr gut gefallen und ich sie teilweise - eben auch abhängig von der Tagesform - mindestens auf die gleiche Schiene stelle wie seine Streichquartette Nr.13 op.106 und Nr.14 op.105.


    Dagegen konnte ich noch nicht so recht mit Dvoráks Klavierquartetten warm werden - im Vergleich dazu steht dann das Streichsextett deutlich höher in der Anerkennung und im Stellenwert...


    Vielleicht konnte ich dir etwas weiterhelfen...wenn nicht, dann hake einfach nach.


    Lieben Gruß, Maik

    Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.


    Sirach 32, 7

  • Hallo, Flo!


    Zitat

    Ich kenne eigentlich nur Tschaikowskys Souvenirs de Florence und Brahms Streichsextette (und Verklaerte Nacht ein bisschen). Allerdings hat mir Tschaikowskys Sextett am meisten gefallen, es riss mich gleich beim ersten Anhoeren mit. Ich frage mich wirklich, warum es nicht bekannter ist - weil es eher lang ist, oder weil Tschaikowsky wenig fuer seine Kammermusik bekannt ist?


    Eher weil es ein Streichsextett ist und es kaum Kammerensembles gibt, die sich darauf spezialisiert haben. Auch Streichquartette holen sich sehr selten einen Bratscher und einen Cellisten hinzu zum Sextett-Spielen. Verglichen mit anderen, ähnlich guten Werken von Tschaikowsky ist dieses Sextett tatsächlich zu unrecht unbekannt. :(
    Jedenfalls ist es nach wie vor mein Lieblings-Sextett. :yes:


    Zitat

    Wie gut findet ihr Dvoraks Streichsextett im Vergleich zu seinen Quartetten und Quintetten?


    Das kann ich so nicht beantworten, da die Quartette von Dvorak IMO sehr unterschiedlich im Niveau sind. Während ich mich bei den frühen Quartetten zum Zuhören zwingen muß (lang und langweilig), halte ich die späten für hervorragend, op. 106 halte ich für das beste Streichquartett nach 1828 überhaupt.
    Das Sextett rangiert IMO irgendwo dazwischen, sonderlich begeistert hat es mich nicht.
    Schreib ruhig mal Deine Eindrücke zum Werk in den thread dazu (der Link ist in Maiks Beitrag oben), dann freut sich der Maik. :D


    Ulli: Sind auf Deiner CD alle sechs Sextette aus op. 23 drauf? In der Capriccio-Box sind nur vier davon enthalten.
    Und: Auf jeden Fall bis zum Nonett wird üblicherweise alles zur Kammermusik gezählt, egal wieviel Krach es macht.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von Pius
    Ulli: Sind auf Deiner CD alle sechs Sextette aus op. 23 drauf? In der Capriccio-Box sind nur vier davon enthalten.


    Schön wär's - dann hätte ich sechs Sechstette für sechs Euro erhalten... es sind nur die Nos. 1-3 drauf. Vielleicht gibt's ja nochmal eine zweite Edition mit dem Rest?


    Zitat

    Und: Auf jeden Fall bis zum Nonett wird üblicherweise alles zur Kammermusik gezählt, egal wieviel Krach es macht.


    [SIZE=7]N[/size]Onett ??? ?( :D
    - spätestens nach dem Oktett hören die Divertimenti auf und werden zu Sümpf... Sinfonien.


    Auch viele Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo Maik!


    Du hast recht, ich hab die Frage nicht gut gestellt, aber Deine Antwort war sehr hilfreich! Mir gefaellt uebrigens sein 1. Quartett auch sehr gut, und finde vor allem das 2., 3., 4. weniger gut gelungen (wenn ich mich richtig erinnere). Das 1. Quintett kenne ich leider noch nicht.


    Die Klavierquartette kenne ich auch noch nicht so richtig, vielleicht mal im Radio gehoert - das Sextett werde ich mir aber jetzt zusaetzlich vormerken.


    Pius: Dass es an fehlenden Ensembles liegt, klingt wirklich plausibel. Ich habe mich nur gefragt, warum man immer wieder etwas von den Sextetten von Brahms hoert, aber ich auf das von Tschaikowski nur durch Zufall im Radio gestossen bin...


    Ulli: Und was ist mit Enescus Deztett? :D Zugegebenermassen kenne ich es nicht...


    Viele Gruesse,


    Flo

  • Zitat

    Original von Ulli
    ...es sind nur die Nos. 1-3 drauf.


    Korrektur eines Irrtumes meinerseits: Enthalten sind die Sextette op. 23 Nos. 1, 2 und 5.


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Salut Ulli,



    Zitat

    Original von Ulli


    Korrektur eines Irrtumes meinerseits: Enthalten sind die Sextette op. 23 Nos. 1, 2 und 5.


    Das paßt ja prima! In der Capriccio-Box sind nämlich die Sextette Nr. 1,3,4,6 drin. Mit der obigen CD könnte ich also op. 23 komplettieren. =)


    Übrigens mußt Du Dir die Box doch kaufen, sonst kennst Du das Sextett Nr. 4 f-moll nicht, das IMO ein Hauptwerk Boccherinis ist. ;)


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Salve,


    Zitat

    Original von Pius
    Das paßt ja prima! In der Capriccio-Box sind nämlich die Sextette Nr. 1,3,4,6 drin. Mit der obigen CD könnte ich also op. 23 komplettieren. =)


    dann habe ich also richtig entschieden, den Fehler zu korrigieren.


    Zitat

    Übrigens mußt Du Dir die Box doch kaufen, sonst kennst Du das Sextett Nr. 4 f-moll nicht, das IMO ein Hauptwerk Boccherinis ist. ;)


    Hm... oder ich warte, bis Teil 2 der Musique-d'abord-Serie mit dem Ensemble 08/15 erscheint. ;) Wer spielt eigentlich in der von Dir lobgepriesenen Box?


    Ja, f-moll ist berüchtigt für Obertonarmut, was diese Tonart offenbar wegen des besonderen Klanges in jener Zeit so beliebt machte. So selten ist sie garnicht anzutreffen, wie man meint.


    Mir persönlich gefällt er erste Satz des ersten Sextettes [es steht in meiner Lieblingsdurtonart Es] bisher am besten: Er ist so innig und voller Hoffnung. Das gefällt mir derzeit sehr gut! Jenes höre ich zur Zeit immer zur mentalen "Erholung" nach D 956. Das zweite Sextett steht übrigens in B-, das fünfte in D-Dur. Beide - Dir offenbar noch unbekannten - Sextette warten im Gegensatz zum nur dreisätzigen ersten Sextett mit jeweils einem Menuett auf, weshalb sie aus je vier Sätzen bestehen.


    Grüßle
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Ich sehe gerade das ein wichtiges Werk fehlt:


    Hans Kößler (1853 - 1926)


    Streichsextett f-moll


    Die Aufnahme mit dem Frankfurter Streichquartett ist unbedingt empfehlenswert.




    Davidoff

    Verachtet mir die Meister nicht

  • Ups, das habe ich noch eine wichtiges Repertoirestück entdeckt:


    Erwin Schulhoff (1894 - 1942)


    Sextett für Streicher




    Davidoff

    Verachtet mir die Meister nicht

  • Eduard Franck (1817 - 1893)


    Streichsextett Es-Dur op. 41


    Allegro
    Andante
    Allegro
    Presto



    Streichsextett D-Dur op. 50


    Allegro
    Andante
    Allegro
    Presto



    Es ist doch unglaublich, dass diese Musik des Brahmsianers Eduard Franck erst jetzt in Ersteinspielungen vorgelegt wird, wo aus ihr doch eine derartige Meisterschaft spricht. Der Komponist schuf mit seinen beiden Sextetten zwei großartige Werke: sie enthalten einen wundervollen Stimmungszauber. Hier wird alles wesentliche durch den melodischen Einfall gesagt. Franck benutzt dabei keine deklamatorischen Mittel, er trumpft nicht mit seiner Musik auf, sondern fasziniert mit viel klassischem Gefühl und im Rhythmus mal schneller, mal langsamer wiegenden Melodien.


    Das erweiterte Edinger Quartett zeigt, was es heißt, diese Kammermusik richtig aufzuführen. Das plastische und differenzierende Spiel ist souverän, prachtvoll abgetönt und fährt die Bewegungskurven der Musik schwungvoll aus, ohne dass die Reifen quietschen. Kein Überschwang also, sondern natürlich fließende Musik, deren Reize in dieser Natürlichkeit voll übermittelt werden.



    Davidoff

    Verachtet mir die Meister nicht

  • In den letzten Wochen habe ich zwei Streichsextette neu kennengelernt, das von Dvorak und das von Korngold. Letzteres zusammen mit zwei Fragmenten von Zemlinsky, zwei Sätzen eines Quintetts und ein Stück für Sopran + Sextett "Maiblumen blühten überall" (Text von Dehmel wie bei Verklärte Nacht)


    Der Korngold geht gut ins Ohr, ist stellenweise ein ziemlicher Schmachtfetzen, besonders im langsamen Satz, aber insgesamt schon hörenswert (wie oft, weiß ich noch nicht). Die Quintettsätze Zemlinskys sind frühe Stücke, sehr brahmsnah (er hat sie ihm noch gezeigt), strenger, vielleicht auch weniger eigenständig. Das Maiblumenstück ist moderner und origineller, angeblich das erste Kammermusikwerk mit Gesang (1899). Es verdiente sicher, parallel zur Verklärten Nacht oder Schönbergs 2. Quartett u.ä. bekannter zu sein.


    Wer Musik des Wiener fin de siecle schätzt, sollte sich die Sachen anhören, sonst aber vielleicht eher etwas für Spezialisten.



    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zemlinskys "Maiblumen blühten überall" ist eine wirklich schöne Vertonung eines Richard-Dehmel-Gedichts, von dem ja auch Schoenberg einiges vertont hat. Es ist wirklich sehr jungendstilhaft. Das Gedicht, das zu den etwas besseren, heute noch einigermaßen lesbaren Dehmels gehört, wird kongenial in Töne umgesetzt mit einem eher heiteren, frühlingshaften zu Beginn leichten, dann fast schwelgerischem Anfang, in dem sich schließlich langsam das düstere Ende anzukündigen scheint, dann einem düsteren, dramatischen Teil, auf den ein eher elegisches "Nachspiel" ohne Gesang folgt.


    Neben der genannten Aufnahme habe ich noch eine Bearbeitung für Streichorchester von Antony Beaumont eingerichtet, die ich auch sehr gelungen finde. Beaumont, der für Zemlinsky eine gute Adresse ist, hat es mit dem Symphonieorchester des Norddeutschen Rundfunks eingespielt mit der hier sehr guten Sopranistin Edith Mathis:



    Andere Aufnahmen, die mich interessieren würden:



    Conlon mit dem Gürzenich-Orchester Köln. Handelt es sich hier auch um eine Orchesterfassung?


    Und auch auf dieser ist das "Maiblumen"-Sextett mit drauf:



    Kennt die vielleicht schon jemand und kann Vergeiche anstellen?



    Zu Eduard Franck: Kompositionen und Einspielung finde ich auch sehr gelungen. Von dem Komponisten kenne ich sonst gar nichts, aber diese Sextette halte ich für eine wirklich lohnende Entdeckung. Trotz(?) seiner Brahms-Nähe, sind sie eher klassisch, als romantisch.



    Zu Spohrs Sextett op.40: Hier ist der Untertitel von 1848 des engagierten, demokratischen Republikaners Spohr noch ganz interessant: "Geschrieben im März und April zu Zeit der glohrreichen Volksrevolution zur Wiedererweckung der Freiheit, Einheit und Größe Deutschlands" Danach war er dann erst mal einige Zeit in Egland.
    Anders, als bei einigen anderen Stücken Spohrs, ist dies kein Violinsolo-Stück mit Begleitung, sondern wirklich klug aufgebaut und die einzelnen Stimmen gut miteinander verwebt. Ein Meisterstück des Vielschreibers Spohr! Ich habe es in einer empfehlenswerten Version von den L´Archibucelli & Smithsonian Chamber Players u.a. mit Anner Bylsma. Auf der Sony-CD von 1993 sind außerdem Spohrs erstes Doppelquartett und das mich weniger berauschende Quintett op.33Nr.2. Ein Bild kann ich leider nicht finden. Die CD scheint schon wieder gestrichen zu sein.
    Eine aber wahrscheinlich ebenso gute Einspielung gibt es vom Academy of St.Martins in the Fields Chamber Ensemble, - würde ich jedenfalls schätzen, dass die auch sehr gut ist. Ich habe von diesem Ensemble Spohrs Doppelquartette und diese Aufnahmen sind ganz ausgezeichnet.




    :hello: Matthias

  • Zitat

    Original von Matthias Oberg


    Zu Eduard Franck: Kompositionen und Einspielung finde ich auch sehr gelungen. Von dem Komponisten kenne ich sonst gar nichts, aber diese Sextette halte ich für eine wirklich lohnende Entdeckung.


    Lieber Matthias,


    denn darfst Du dich auf eine tolle Entdeckungsreise freuen. Ich habe die Musik von Eduard Franck erst 2007 kennen gelernt. Vor allem seine Violinkonzerte haben mich begeistert (trotz der Brahmsnähe, was mich aber nicht stört). In der Kammermusik wartet aber auch so mancher Leckerbissen auf Dich.


    Ich kann nur sagen, viel Spaß!


    Davidoff

    Verachtet mir die Meister nicht

  • Lieber Davidoff,
    danke für den Tip. Dann werde ich mir wohl zunächst erst einmal die Violinkonzerte besorgen. Ich freue mich schon auf weitere Entdeckungen =)


    Gegen Brahms oder Brahms-Nähe habe ich auch nichts. Ich meinte bloß, zugegeben kryptisch, dass in in diesen Sextetten Francks Brahms-Nähe, die ich dem CD-Text entnahm, gar nicht so heraushören konnte, Aber ich laß mich gerne belehren.


    :hello:Matthias

  • Nicht original, dafür aber sehr originell sind die Bearbeitungen von Beethovens Pastoral-Sinfonie F-Dur op. 68 und Mozarts Sinfonia Concertante Es-Dur KV 364 für Streichsextett, jeweils in der bewährten Besetzung für Violine, Geige, Viola, Bratsche, kleine Violone und Violoncello.



    Ludwig van Beethoven [1770-1827]


    Sinfonie F-Dur op. 68
    Streichsextettfassung von Michael Gotthardt Fischer [1773-1829]


    Kölner Streichsextett



    Wolfgang Amadé Mozart [1756-1791]


    Sinfonia Concertante Es-Dur KV 364
    Streichsextettfassung eines anonymen Bearbeiters


    Mitglieder des Baseler Kammerorchesters


    Während im Falle von Beethovens Sechster Sinfonie der Bearbeiter namentlich bekannt ist, kann in Bezug auf Mozarts Concertante nur der Auftrageber, nämlich der Verleger André (der zuweilen selbst als Bearbeiter in Erscheinung trat) genannt werden. Mozarts Werk wurde 1808 bei André publiziert. Der Verleger heuerte die damals bekanntesten und begehrtesten Komponisten an, verschiedene Werke „für den gemeinen Hausgebrauch“ zu arrangieren. Darunter befanden sich etliche Arrangements von Sinfonien Mozarts, Beethovens und Haydns für Klaviertrio, Klavierquartett, Streichquartett und eben auch Streichsextett. Unter den vom Verleger bevorzugten Komponisten befand sich u.a. Johann Nepomuk Hummel, um damit wenigstens einen der heute noch bekannteren genannt zu haben. Wer allerdings diese geniale Sextettfassung schuf, muß leider im Dunkeln bleiben. Dabei wurde der Orchesterpart sowie die beiden solistischen Teile gerecht auf die sechs vereinten Solisten verteilt: so erklingt so manche originäre Bratschenstelle im Violoncello, was wiederum einen besonderen Klangreiz ergibt. Von besonderer Schönheit sind natürlich die ausgefeilten hochvirtuosen Kadenzen!


    Zu Beethovens Sinfonie-Sextett habe ich bereits andernorts berichtet.


    Viel Spaß beim Hören


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Mihkel Kerem ist ein estnischer Komponist und Violinist, Jahrgang 1981. Er begann bereits als 12-jähriger zu komponieren. Neun Streichquartette hat er bereits auf dem Buckel, davon kenne ich aber noch keins. Kerem lebt und konzertiert vor allem auf der britischen Insel.


    Das Streichsextett von 2004 ist von Arnold Schönbergs "Verklärte Nacht" inspiriert und stellt quasi einen Prolog dar, der die Nacht davor beschreibt, als die schwangere Frau überlegt, wie sie ihrem Geliebten erklären soll, dass sie ein Kind austrägt, das nicht von ihm gezeugt wurde. Diese Musik verwendet Zitate aus Schönbergs Werk und könnte - so Kerems Idee - gemeinsam mit diesem aufgeführt werden. Die Musiksprache ist vergleichbar und die Länge des Werkes ebenso.


  • Die beiden Strecisextette von Brahms sind schon im ersten Beitrag erwähnt worden. Brahms' Streich mit den Sextetten (Sie waren ja als Vorbereitung zu den Quartetten gedacht) scheint tatsächlich eine Inspirationsquelle für Nachfolger gewesen zu sein, wobei Schoenbergs Tätigkeit in der verklärten Nacht bei mir regelmäßig Freude auslöst, während die Brahmsschen Werke nicht so häufig gehört werden.


    Allerdings scheint die Neuaufnahme mit dem Belcea-Quartett und Jean-Guihen Queyras und Tabea Zimmermann meine Einstellung zu ändern. Abgesehen von der ausgezeichneten akustischen Qualität der Aufnahme bin ich von der musikalischen begeistert.



    Was bei einem Sextett schnell mal untergeht sind die einzelnen Stimmen (Der Tutti-Klang ist ja schon fast orchestral) Belcea artikuliert jede Stimme einzeln heraus. Klar wird's manchmal auch voll, so mag das der Brahms eben auch ....



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