Geht endlich in Rente ! über heruntergekommene Butterfahrt-Barden und abgehalfterte Bierzelt-Diven !

  • Liebe Forianer,
    2006 war ich hier noch nicht dabei und habe diese Seiten erst jetzt gelesen. Die meisten Beurteilungen sind durchaus stimmend, aber es ist auch Unverschämtes dabei, das möchte ich nicht einfach so stehen lassen.
    Wenn unter dem 03.04.2006 (von einem Teilnehmer, der nicht mehr dabei ist) geschrieben wird:
    "Dietrich Fischer-Dieskau versucht sich als Sprecher und ist jämmerlich...", dann muss ich dem aus meiner persönlichen Anschauung heftig widersprechen.


    Mein Eindruck von Fischer-Dieskau als Sprecher war sehr positiv und ein gut gefüllter Saal von Mithörern war offensichtlich der gleichen Meinung - das war übrigens bei der Schubertiade zu Schwarzenberg im September 2004.
    Für mich kaum vorstellbar, dass diese Klasse 2006 nicht mehr vorhanden gewesen sein soll.

  • Lieber hart,


    das sind doch persönliche Ansichten und sollten nicht so hoch bewertet werden, jeder hat einen anderen Geschmack und das ist auch gut so. Doch in einem muss ich dir recht geben, die Ausdrucksweise läßt schon manchmal sehr zu wünschen übrig.
    Das gilt schon für die Überschrift, die ich unverschämt finde.


    :hello:

  • Hallo Musica,
    auch sehe diesen Threadtitel jetzt zum ersten Mal und finde ihn absolut unverschämt, geradezu menschenverachtend formuliert.
    mehr sage ich dazu nicht


    LG
    Fides :hello:

    La vita è bella!

  • Zitat

    Original von Fides
    Hallo Musica,
    auch sehe diesen Threadtitel jetzt zum ersten Mal und finde ihn absolut unverschämt, geradezu menschenverachtend formuliert.
    mehr sage ich dazu nicht


    LG
    Fides :hello:


    Dem kann ich nur Recht geben. Bitte umbennen. Über die Sache selbst darf man ruhig, aber bitte auch im Ton angemessen diskutieren.

  • Zitat

    Original von WotanCB


    Dem kann ich nur Recht geben. Bitte umbennen. Über die Sache selbst darf man ruhig, aber bitte auch im Ton angemessen diskutieren.


    ja, genau so sehe ich das auch. :hello:

  • Es gab hier bei Tamino einenThread "Hass-Sänger". Schon dagegen
    habe ich argumentiert. Bitte wir sollten doch nicht vergessen, dass alle die genannten Sängerinnen und Sänger Menschen in aller Welt durch ihre Kunst unendlich viel Freude schenkten. Wägt man also Verdienste und eventuelle Versäumnisse ab, dann überwiegt bei weitem das Positive und darauf sollten wir den Blick werfen und ganz schlicht Dank sagen für die Leistungen.
    Im letzten Jahr hörte ich Montserat Cabalé mit ihrer Tochter. Natürlich hatten ihre Gesangsbeiträge nicht mehr den Glanz vergangener Tage.
    Welche natürliche Autorität, welche Souveränität welchen Charme und welches Charisma die immer noch große Diva ausstrahlte, war umwerfend und begeisternd. Meine Frau und ich waren froh, dass wir uns diese Begegnung nochmals gegönnt haben. Wobei ich auch glaube, dass Künstlerinnen wie Cabalé so viel Leidenschaft und Feuer für ihren Beruf haben, dass sie einfach nicht aufhören können. Die Bühne und der Kontakt zum Publikum ist ihr Leben. Bezeichnendes Beispiel das Schicksal von Maria Callas nach ihrem Rückzug ins Privatleben.
    Bei Lena flippt ein Großteil der deutschen Bevölkerung aus. Einfach deshalb weil ein ganz natürliches, gewinnendes Mädchen auf der Bühne steht und Herzen erobert. Das Können in Gesang und Tanz wird dabei zur Nebensache. Übrigens sie gefällt uns auch.
    Haben langjährig verdiente Künstlerinnen und Künstler, auch wenn sie ihren Zenit überschritten haben, nicht eine ähnliche Behandlung und Toleranz verdient?
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Verdienste sind sicher hoch anzurechnen, aber wenn die Stimme nicht mehr mitspielt, sollte man größe beweisen und sich auf sicheren Posten zurückziehen - auch wenn es sicher schwer fällt.
    Aber Verdienste kann man halt vergessen, den Respekt vor den Menschen aber bitte nicht!

  • Natürlich fällt es schwer irgendwann aufzuhören, wenn man ein erfülltest Sängerleben hat. Doch wichtig ist sich selber zu hören, Selbstkritik zu üben, hinzuhören, wie ist meine Stimme, kann ich mich noch in der Öffentlichkeit präsentieren oder reicht die Stimme nicht mehr. Einen Schlußstrich selber zu ziehen ist immer besser als wenn man hört "die könnte langsam mal aufhören zu singen".


    Ich habe es so gemacht, habe schöne Erinnerungen und blicke auf eine fast 50-jährige Sängerkarriere zurück. Heute fördere ich junge Sänger, gebe ihnen Gelegenheit auf der Bühne in Konzerten zu stehen und es ist für mich das Schönste, ihren weiteren sängerischen Lebensweg zu beobachten, was will ich also mehr?


    Besser ist es eine Stimme gut in Erinnerung zu behalten, so wie sie war.

  • Für viele Sänger ist die Bühne, das Singen vor Publikum das, was ihr Leben ausmacht. Ich kann mir gut vorstellen, dass manche Sänger die Kurve einfach nicht rechtzeitig kriegen und ihre Karriere rechtzeitig beenden.


    Ich bedaure immer sehr, dass der Sänger(in) oft nur noch an dem gemessen wird, was er gegen Ende seiner Karriere leistet und dass man ganz vergisst oder verdrängt wie hervorragend dieser Sänger in jungen Jahren gewesen war.


    Keiner von uns kann beurteilen, was man heute über einen Fritz Wunderlich sagen würde, wenn er nicht so früh gestorben wäre.


    :hello:
    Jolanthe


  • wie recht du hast.... :yes: :hello:

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  • Ich möchte operus ja uneingeschränkt zustimmen, aber wenn in diesem Thread Sängerleistungen im hohen Alter (zB. Kollo in der Marktkirche, darüber schreibt hinterher nicht einmal eine kleine Provinzzeitung), mit Dirigentenleistungen im hohen Alter (Wand) verglichen werden, geht das so nicht. Ich selbst habe den alten und kranken Wand noch in der Musikhalle in Hamburg erlebt, trotz Gebrechen hat er das Orchester zu Höchstleistungen ermuntert. Wie soll den ein Sänger mit sagen wir 70-80 seine Stimme noch zu Höchstleistungen trimmen, zumal ein Tenor. Das ist doch Wahnsinn. Nur einige wenige haben doch ihre Stimme bis ins hohe Alter bewahrt, weil sie ökonomisch damit umgegangen sind. Dies lässt doch der heutige Kulturbetrieb gar nicht mehr zu. Ich wünschte mir auch, ein Künstler sollte im richtigen Zeitpunkt abtreten und sich zB. der Ausbildung des Nachwuchses widmen (Metternich, Hotter, Dieskau uvm). Kann ja sein, dass auch in dem einen oder anderen Fall finanzielle Probleme dafür verantwortlich sind. Aber dieses Risiko tragen wir doch alle.


    Liebe Grüße, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"


    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Ich habe ein Musik-Video aus der Arena in Verona von August 1990. Was da ein Carlo Bergonzi am Ende seiner Karriere für Schwierigkeiten mit der Arie "O paradiso" hat und das Publikum trotzdem laut applaudiert, das fand ich schon bemerkenswert. Auch ein Franco Bonisolli, am Ende seiner Karriere, mit der schwierigen Arie " O muto asil del pianto" aus Wilhelm Tell bekam noch Applaus. Beide Sänger gehörten und gehören noch heute zu meinen Lieblingstenören. Wenn aber anschließend ein Salvatore Fisischella die gleiche Partie des Arnold viel dynamischer und einfach besser singt, dann kommt man schon ans grübeln. Meiner Meinung nach sollte ein Sänger auf dem Höhepunkt seiner Karriere abtreten, damit man ihn in bester erinnerung behält. Nicht jeder Sänger haushaltet mit seiner Stimme so gut wie etwa Nicolai Gedda.


    Gruß Wolfgang

    W.S.

    Einmal editiert, zuletzt von 9079wolfgang ()

  • Ich würde es so sehen.:


    Fast jeder stimmt überein, dasß man rechtzeitig abtreten sollte. Das aber nur solange bis derjenige selber an der Reihe ist.


    Dasnn werden tausende ASusreden gefunden, warum das bei einem selbst anders sein sollte. Und natürlich hat jeder Sänger seinen Anhang, der ihm bis ins hoheAlter treu bleibt, und auch bei problematischen Leistungen nuch in Jubel ausbricht. Derlei verlockt dann schon weiterzumachen -" solange das Publikum es verlangt"


    Stimmen Alter. das ist eine traurige Tatsache, selbst gut gepflegte , rationell geführte Stimmen unterliegen einem Verschleiß, welcher heutzutage an Hand von verfügbaren Tonaufnahmen leider meist genau dokumentiert werden kann.


    Jeders Klassikhörer kann Besetzungslisten lesen, kann Kritiken lesen und kann selbst entscheiden ob er einen älteren Sänger noch hören will - oder nicht. Andrerseit liegt es in der Verantwortung des einzelnen Sängers, zu entscheiden, was er seinem Publikum noch zumuten kann - und was nicht - Irrt der Künstler hier in Bezug auf die Selbsteinschätzung, so zahlt er einen hohen Preis.


    Somit liegt es in der Hand von Künstler und Publikum, den Zeitpunkt des Aufhörens zu bestimmen...


    mfg aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Auch wenn ich dem respektlosen Threadtitel nichts abgewinnen kann, möchte ich doch gern etwas dazu beitragen, denn ich bin auch der Meinung, dass gerade Sänger wissen sollten, wann sie sich besser ins Privatleben zurückziehen.
    Vor zwei Jahren sah ich Tosca in der DOB, mit Ruggero Raimondi als Scarpia. Er fing beim Te Deum noch gut an. Dann im zweiten Akt baute er massivst ab, es war stellenweise so, dass er die Töne nur noch rief. Ob das nun eine momentane Beinträchtigung oder einfach eine allgemeine Ermüdung war, kann ich nicht sagen, aber mehr als Achtungsapplaus konnte er von den Berlinern nicht bekommen. Abgesehen von den stimmlichen Mängeln war es auch so, dass er auch äußerlich absolut kein glaubwürdiger Scarpia mehr war. Seltsam schlurfend bewegte er sich auf der Bühne, und die Knie wollten wohl auch nicht mehr so, denn er bekam sie nicht mehr durchgedrückt. Als er dann "erstochen" war, lag er so wohlig mit weit ausgestreckten Beinen auf dem Rücken, dass es schier eine Freude war, einen so glücklich und unverkrampft gestorbenen Scarpia zu sehen. Man war versucht, ihm noch eine Decke zu bringen. Ich meine das nicht böse, Raimondi habe ich immer sehr geschätzt, übrigens auch als Darsteller, aber in dieser Vorstellung jedenfalls war nicht mehr viel von der bedrohlichen einstigen Bühnenpräsenz spürbar.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Hallo, Strano Sognator!


    Das wirst du mit Sicherheit auch wissen. Helge Rosvaenge hatte bis zuletzt eine noch intakte Stimme. Ich habe ihn noch vor Jahren im TV in "Banditenstreiche" von Suppé gesehen. Auf seiner letzten LP (mal sehen ob ich die wieder finde) mit Arien hört man ihm sein Alter kaum an. Ein Kommentator aus Wien schrieb etwa so ähnlich: "Man hätte ihn noch länger unter Vertrag nehmen sollen, denn er ist noch immer besser als mehrere Zampieris":

    W.S.

  • Ja, Wolfgang, das ist richtig. Rosvaenge war ein Phänomen. Diese Frische basierte auf seiner immensen Technik, obgleich man natürlich schon hörte, dass es nicht mehr die Stimme aus den Zwanzigern und Dreißigern war. Aber das erwartet man ja auch nicht. ich glaube aber auch, seine nervliche Konstitution war eine der besten, die ein Sänger haben konnte, was ja auch kein unwichtiger Faktor ist und deren Fehlen letzenendes auch Franco Corelli, ebenfalls eine meiner großen Gesangslieben, zu Fall brachte. Ich finde, solange ein Sänger eine Rolle stimmlich befriedigend und darstellerisch überzeugend bieten kann und sich dabei fit fühlt, soll er es machen. Da gibt es keine Altersbeschränkung. Nur wenn eben wirklich hör-und sichtbare Mängel auftreten, sollte man sich überlegen, ob man nur noch mit dem Namen singen möchte.

    "Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

  • Es muss schmerzen, wenn Bergonzi um 1990 "O Paradiso" singt, denn diese Arie war eigentlich nie sein Fach. Wer weiss, was ihn damals für ein Teufel geritten hat, sich daran zu versuchen. Schade, dass er damit in Erinnerung bleibt.


    Im Gegensatz dazu war Helge Rosvaenge auf dem Konzertmitschnitt von 1959 ganz toll bei Stimme, und bei seinen Auftritten bis gegen 1970 konnte man ihm nur die körperliche, aber nicht die stimmliche Abnützung anmerken.


    Erich

  • Bezogen auf Hildegard Behrens hat Edwin Baumgartner recht.
    Hätte sie sich 1977 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere nach der Salome unter Herbert von Karajan von der Bühne zurückgezogen, wäre sie uns allen in angenehmer Erinnerung

  • Über Rosvaenge - mein Lieblingssänger - habe ich mich gerade ausgelassen im Thread "Welche Arie von welchem Tenor". Alls ich ihn zwischen 1957 und 1961 hören durfte, war er noch voll bei Stimme, und er war 1961 schon 64 Jahre!!

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

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  • Über Rosvaenge - mein Lieblingssänger - habe ich mich gerade ausgelassen im Thread "Welche Arie von welchem Tenor". Alls ich ihn zwischen 1957 und 1961 hören durfte, war er noch voll bei Stimme, und er war 1961 schon 64 Jahre!!


    Voll bei Stimme schon, dafür aber doch etwas derb. Ich habe erst dieser Tage den Mitschnitt einer "Macht des Schicksals" von 1958 aus der Berliner Staatsoper gehört und habe einen ziemlich gemischten Eindruck gewonnen. Nach meinem Eindruck hat Rosvaenge zu lange gesungen. Trotzdem beeindruckt es mich, dass Du ihn auch in seiner späten Zeit die Treue hältst.


    Herzlich grüße Rheingold

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Servus, Rheingold


    natürlich hatte Rosvaenge seine beste Zeit von 1930 bis 1950. Und seine Aufnahmen aus dieser Zeit sind klar besser als 10 Jahre später, seine Stimme wurde wie bei allen Tenören "dunkler". Aber dieses kleine Männchen auf der Bühne herumhopsen zu sehen,) im Herzog war er in Gera immerhin schon 63 Jahre), das hatte etwas. Er hatte Ausstrahlung.


    Übrigens ist Rosvaenge nicht mehr in Wien aufgetreten, als man verlangte, er solle zukünftig die italienischen Rollen nicht mehr deutsch, sondern in Originalsprache singen. Das konnte man von ihm nicht verlangen. Was hätte er wohl gemacht, wenn er als Herzog mit dem Moped oder in Jeans hätte auftreten sollen? Er hätte hingeschmissen!! Das würde man sich heute von den Sängern auch wünschen.

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Helge Rosvaenge, einer der größten deutschen Tenöre des 20. Jahrhunderts. Was für eine Stimme. Man höre sich nur etwa die Ausschnitte aus der deutschsprachigen "Turandot" von 1944 (?) an.


    Die Konsequenz von Herrn Ks. Rosvaenge finde ich beeindruckend. Sowas gibt es heute echt nicht mehr bzw.: man kann es sich gar nicht mehr erlauben.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Mein lieber Rheingold1876!


    Über das, was Du über Helge Roswaenge schreibst, kann ich nur staunen. In meinem Schreiben unter 106 habe ich schon auf das Konzert 1959 zu seinem 60. Geburtstag hingewiesen. Dort erhielt er nur positive Kritiken und wurde noch über Giuseppe Zampieri gestellt. Natürlich, die frische der Stimme zu seiner Glanzzeit in den 40er und 50er Jahren war nicht mehr da, aber stimmlich konnte er noch mit vielen anderen Tenören seines Faches mithalten.



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Übrigens erinnert mich das an eines meiner betrüblichsten Konzerterlebnisse: Mstislaw Rostropowitsch ist für mich so eine Art Halbgott. Der hat mit Schostakowitsch gearbeitet, war mit Britten befreundet, hat ein halbes Hundert (wenn nicht noch mehr) Werke in Auftrag gegeben, viele davon erstklassige Stücke. Und dann kommt Rostropowitsch endlich nach Wien - und wirklich als Cellist, nicht als Dirigent.
    Und er spielt das Dvorák-Konzert, dass es unbeschreiblich ist: Falsche Töne, rücksichtslose Tempoverzögerungen, eine Klanggestaltung, als würde er das Cello mit einer Säge bearbeiten. Ich habe dieses Werk weder vorher noch nachher auch nur annähernd so schlecht gehört.


    LG


    Da ich auf diesen Thread erst heute gestoßen bin, kann ich erst jetzt auf diesen Eintrag reagieren, was wohl erforderlich ist, auch wenn der Autor nicht mehr Forums-Mitglied ist.


    Es handelt sich hier um ein Konzert vom 19.6.2005 aus dem Musikvereinssaal unter Ozawa, das ich ebenfalls live erleben durfte.


    Dazu muß ich festhalten, dass Rostropowitsch dieses Dvorák-Konzert trotz seines Alters nicht nur ausserordentlich bewältigte, sondern auch mit großer Ausdrucksstärke, farbiger Interpretation - zum Teil atemberaubende Diminuendi und himmlische Legatobögen - darbot. Lediglich zu Beginn des Finalsatzes waren (verständlicherweise) leichte Ermüdungserscheinungen erkennbar, die er aber sehr rasch überwinden konnte und dieses Konzert zu feurig-fulminantem Abschluß brachte.


    Wie der Autor zu solch einem vernichtenden Urteil kommen konnte, ist mir völlig unerklärlich. Aber gottlob besitze ich von diesem Konzert auch einen Mitschnitt des ORF, der diese unverständliche Kritik jederzeit zurechtzurücken vermag.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Über das, was Du über Helge Roswaenge schreibst, kann ich nur staunen.


    Mein lieber Wolfgang, damit wir uns verstehen: Ich schätze Rosvanege sehr. Mich spricht spricht aber nun mal der junge Sänger mehr an als der späte. in seinem stimmlichen Draufgängertum, das keine Hürden kannte. Hinreißend und unnachahmlich. Hüon, Bacchus, Florestan, Parsifal, Faust. Man kann die Rollen gar nicht alle nennen. Nichts geht zum Beispiel über Hugo Wolfs "Feuerreiter", der - obwohl ein Lied - sehr exemplarisch ist für ihn. Den Mitschnitt des besagten Konzerts kenne ich auch, und besser als Zampieri zu sein, da gehört nicht so viel zu. Ich kann gut nachvollziehen, dass Sänger über ihren Zenit hinaus singen wollen. Schließlich ist es auch ihr Job, an dem sie hängen, mit dem sie gutes Geld verdienen. Aber es ist oft der Abstieg in den Ruhm, wie das Brecht nannte.


    In herzlicher Verbundenheit Rheingold

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Zitat

    Übrigens ist Rosvaenge nicht mehr in Wien aufgetreten, als man verlangte, er solle zukünftig die italienischen Rollen nicht mehr deutsch, sondern in Originalsprache singen. Das konnte man von ihm nicht verlangen. Was hätte er wohl gemacht, wenn er als Herzog mit dem Moped oderin Jeans hätte auftreten sollen?


    Helge Rosvaenge sah ich um 1960 herum als Sou Chong auf der Bühne; nur wegen ihm hatte ich überhaupt eine Operette angesehen. Man konnte nur noch ahnen, dass das mal eine ganz große Stimme war, wie sie auf der Platte noch erhalten ist.


    Aber in dieser Zeit war ich noch sehr oft in der Oper, denn damals war von Regietheater dort noch nichts zu sehen und das in Originalsprache-Singen kam erst viel später auf, sage ich mal so aus dem Gedächtnis …

  • Es muss schmerzen, wenn Bergonzi um 1990 "O Paradiso" singt, denn diese Arie war eigentlich nie sein Fach. Wer weiss, was ihn damals für ein Teufel geritten hat, sich daran zu versuchen. Schade, dass er damit in Erinnerung bleibt.


    Im Gegensatz dazu war Helge Rosvaenge auf dem Konzertmitschnitt von 1959 ganz toll bei Stimme, und bei seinen Auftritten bis gegen 1970 konnte man ihm nur die körperliche, aber nicht die stimmliche Abnützung anmerken.


    Erich


    was genau gefällt Dir daran nicht? Im großen und ganzen hätte sich Bergonzi einige seiner späteren und ganz späten Auftritte und vor allem den Otello sparen können - dann hätte ich ihn aber nicht mehr gehört - aber er zeigte eine gesangliche Disziplin, eine technische Meisterschaft und eine Lehrstunde was Gesangs-Stil betrifft, dass so mancher junger Kollege nur mit offenem Mund staunen konnte.

  • Verehrte Gioconda,


    meine Kritik an dieser Arie war nicht vom gesanglichen oder stimmlichen Standpunkt her zu sehen, sondern subjektiv von meinen Stimmvorlieben. Diese Arie höre ich lieber von schwereren Stimmen, ich denke da eher an Corelli und Del Monaco, und nicht von Sängern wie B. Gigli, A. Kraus und auch Carlo Bergonzi.


    Bergonzi's Stimme ist wie immer technisch sauber geführt und ohne Fehl und Tadel. Und doch .... Er hätte mit einer anderen Arie mehr Meriten ernten können und hat es meiner Meinung nicht notwendig, sein Publikum mit immer "schwereren Brocken" bis hin zum Othello zu erfreuen. Ich denke da an seine Konzerte bzw. Liederabende, wo er bis zu seinen letzten Auftritten in seinem "angestammten Fach" das Publikum immer begeistert hat.


    Ich hoffe, dass Du meinen Standpunkt verstehst und auch dass man eine Kritik aus Liebe zu einem Sänger von sich gibt. Velleiht ergibt sich darüber noch eine Diskussionsmöglichkeit.




    Herzliche Grüße -


    Erich


  • Verehrte Gioconda,


    meine Kritik an dieser Arie war nicht vom gesanglichen oder stimmlichen Standpunkt her zu sehen, sondern subjektiv von meinen Stimmvorlieben. Diese Arie höre ich lieber von schwereren Stimmen, ich denke da eher an Corelli und Del Monaco, und nicht von Sängern wie B. Gigli, A. Kraus und auch Carlo Bergonzi.


    Er hätte mit einer anderen Arie mehr Meriten ernten können und hat es meiner Meinung nicht notwendig, sein Publikum mit immer "schwereren Brocken" bis hin zum Othello zu erfreuen. Ich denke da an seine Konzerte bzw. Liederabende, wo er bis zu seinen letzten Auftritten in seinem "angestammten Fach" das Publikum immer begeistert hat.


    Natürlich - persönliche Vorlieben sind immer subjektiv.


    Trotzdem muss man sagen, dass Bergonzi mit der schwierigen (wenn man sie genauso singt, wie sie geschrieben ist und sie sich nicht an seine Stimme adaptiert) "Africana"-Arie sogar genau in seinem Fach, in dem seiner Stimme entsprechenden Repertoire, war. - Corelli und Del Monaco von ihren stimmlichen und vor allem STILISTISCHEN Voraussetzungen her nicht, auch Gigli eigentlich nicht. Für Corelli und Del Monaco war das keine typische Rolle - Del Monaco hat sie ganz zu Beginn seiner Karriere aufgenommen, Corelli hat sie erst gegen Ende auf Platte und in Konzerten gesungen (und SEHR approximativ). Da wirkt so mancher wie ein Elefant im Porzellan-Laden. - Dass heißt natürlich nicht, dass sie diese Rollen nicht singen dürfen und dass es einem nicht gefallen darf. ;) Den Otello hätte er sich sparen sollen - aber was bin ich froh, dass ich ihn noch in einer handvoll Konzerten hören durfte.

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