Klaviersonaten in Beethovennähe

  • Liebe Forianer


    Was soll denn das nun wieder bedeuten ?


    Beethovennähe ? Soll man darunter Klaviersonaten in zeitlicher oder aber in stilistischer Nähe zu Beethoven verstehen ?
    Ich würde sagen: Ganz nach Belieben - sowohl als auch, bzw entweder- oder.
    Schubert scheidet natürlich aus, obwohl er der wahrscheinlich nächste zu Beethoven sein dürfte - aber er ist schon zu bekannt, hat eigene Threads - muß hier also nicht erwähnt werden ?


    Wer also dann?


    Oh ich kenn da einige - aber schließlich ist das EUER Thread:
    Wer hat in diesem Zeitraum der "Wiener Klassik" AUCH Klaviersonaten geschrieben - wie sind sie stilistisch einzustufen (oh da gibt es Unterschiede - das sollte man gar nicht glauben...


    CD-Hinweise sind gern gesehen....


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Historisch dürfte C.M. v. Weber der nächstliegende unter wirklich bekannten Komponisten sein.
    Es gibt vier Klaviersonaten; ich habe die auch (Brilliant, aber die ist nicht so besonders toll), kann aus dem Stand nicht viel dazu sagen. Mindestens eine der Sonaten (d-moll) gehörte zu Richters Repertoire, da habe ich auch einen Mitschnitt.
    Die Stücke sind hochvirtuos, aber ein bißchen flach (d.h. sie benötigen wirklich einen herausragenden Interpreten, um zu funktionieren). Sie erinnern, wenn überhaupt, dann an einige der breit angelegten brillanten Sonaten des frühen Beethoven (z.B. op. 2,3, op. 22).


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)


  • Auf dieser CD wird deutlich in welch stilistischer Nähe manches (nicht jedes) Werk Dusseks zu Beethoven steht.
    Wie Andreas Staier in ein paar Sonaten die Vorwegnahme Beethovenscher Energie aufspürt, spricht sowohl für die Interpretation als auch für die Werke selbst.
    IMHO die beste momentan verfügbare CD mit Klavierwerken von Dussek.

  • Zitat

    Historisch dürfte C.M. v. Weber der nächstliegende unter wirklich bekannten Komponisten sein.


    Auch ein gewisser Joseph Haydn liegt nahe dran. Er schrieb seine drei letzten Sonaten 1794, Beethoven seine ersten 1795....

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!




  • Clementi, er erinnert mich insbesondere in seiner unbeschwerten Heiterkeit an Haydn und stellenweise an Mozart. Horowitz stellte Clementi (provokanterweise?) sogar auf eine Stufe mit dem Schwergewicht Beethoven.


    Ein eher unbekannter LvB-Zeitgenosse war Woelfl. Redet heute noch jemand über seine Klavierwerke?


    Gruß gaspard

  • Ich freue mich sehr, dass die beiden hervorragenden Klaviermusikkomponisten der "Londoner Klassik" vor(?) Field auch ohne mein Zutun genannt wurden: Dussek und Clementi. Neben Haydn und Beethoven sind sie nach Mozarts Tod Repräsentanten eines sehr modernen Stils, der ausdrucksmäßig schon in romantische Richtung weist. Interessant ist das Interesse am Klavierbau, Dusseks Intentionen haben (glaube ich) auf die Entwicklung des Klangstils der Broadwood-Flügel Einfluss gehabt. Dieser etwas veschwimmende Klang mit größeren dynamischen Möglichkeiten als die (bis heute berüchtigte) Wiener Mechanik ist wohl "fortschrittlicher" zu nennen als die wiener Variante.


    Eine wunderbare Einspielung von späten Clementi-Sonaten hat Immerseel gemacht:



    Wer dann noch an Clementis Qualitäten als Komponist zweifelt, dem ist nicht zu helfen ...

  • Zitat

    Ein eher unbekannter LvB-Zeitgenosse war Woelfl. Redet heute noch jemand über seine Klavierwerke?



    Ich weiß nicht, ob man heute über ihn noch redet, immerhin hat harmonia mundi USA eine CD mit Klaviersonaten von ihm am Markt gebracht...


    Die Sonaten atmen eindeutig den Geist Beethovens, wenngleich dessen Einfallsreichtum nicht erreicht wird.
    EDIT: Allerdings gibt es auch Stellen die schwer zuorenbar sicd: Sie sind leichter - aber keineswegs mozartnah - schwer zu beschreiben...


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

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    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....



  • Was für eine Falle :rolleyes:!
    Ich hab selektiv nur "Wölfl" und "Piano Sonatas" gelesen und dachte,
    dass nun ein ganz persönliches Mozartalbum auf den Markt gekommen ist.


    Allerdings haben mich die Kommentare


    Zitat


    Ich weiß nicht, ob man heute über ihn noch redet, immerhin hat harmonia mundi USA eine CD mit Klaviersonaten von ihm am Markt gebracht...


    dann doch stutzen lassen. ?(

    "Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten" Gustav Mahler

  • John Field (1787-1837) stand zeitlich Beethoven zwar nahe- stilistisch sind seine Sonaten aber eher an seinem Lehrer Muzio Clementi orientiert. Seine "Nocturnes" hingegen (Field war der erste der diesen Gattungsbegriff verwendete, bzw genauer gesagt, einführte) kann man als Chopin Vorläufer sehen....



    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

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    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Ich möchte in diesem Zusammenhang unbedingt die Sonaten von Jan Ladislav Dusík (Johann Ludwig Dussek) loben. Es gibt von ihm eine Vielzahl von Sonaten. Die vier wahrscheinlich bedeutendsten haben bilderreiche Namen:


    Grande Sonate The Farewell , Sonate Es-Dur op. 44 (1800)


    Elégie harmonique sur la mort de son Altesse Royale le Prince Louis Ferdinand de Prusse,
    Sonate fis-moll op. 61 (1806–7)


    Le retour à Paris, Sonate As-Dur op. 64 (1807)


    L'invocation, Sonate f-moll op. 77 (1812)


    Der Hannoveraner Pianist Markus Becker hat die ersten drei dieser Sonaten aufgenommen.


    The Farewell thematisiert den Abschied von Muzio Clementi. Dussek hatte gemeinsam mit seinem Schwiegervater in London einen Verlag betrieben. Als das Projekt schließlich scheiterte, musste Dussek vor seinen Gläubigern aufs Festland fliehen. In England ließ er Frau und Tochter ebenso zurück wie Muzio Clementi, den Widmungsträger und ersten Verleger der Sonate, der ihm gleichermaßen Rivale wie auch Freund geworden war.


    Nicht nur die Tonart der Farewell-Sonate legt den Vergleich mit Beethovens "Les Adieux" nahe. Gerade der erste Satz mit seiner pathetischen und chromatisch dichten es-moll-Einleitung und der Verbindung von Abschiedssignalen und Bewegung signalisierenden Rollfiguren im Allegro-moderato-Teil wirkt beinahe wie ein Vorbild des ersten Satzes von Beethovens Sonate. Allerdings gibt es dann doch eine Stelle, wo Beethoven weit über Dussek hinausgeht, nämlich seine Coda mit den ebenso schmerzerfüllten wie verschwommenen Überlagerungen der Posthornsignale. Auch der weitere Verlauf der Sonate ist anders als bei Beethoven. Insgesamt fällt die Spannweite der Kontraste geringer aus als in Beethovens "Les Adieux"-Sonate. Immerhin aber bietet Dusseks Werk dafür einen außerordentlichen Reichtum im Klaviersatz, insbesondere in der Balance zwischen den verschiedenen Lagen des Instruments und außerdem eine lyrische Grundfarbe des gesamten Werkes, die ausgesprochen einnehmend ist.
    Dussek legt sein Werk viersätzig an, mit knapp 30 Minuten Spieldauer. Auf einen Freudenausbruch wie in Beethovens Vivacissimamente-Finale verzichtet er - schließlich kehrte er auch nie mehr nach England zurück - sondern greift in seinem Finale die lyrische Bewegung des ersten Satzes auf, mit einem labyrinthartig-chromatischen Schluß, der an das Ende von Beethovens Opus 26 erinnert.


    Le retour à Paris aus dem Jahr 1807 bezieht sich wie die vorige Sonate auf eine markante Situation in Dusseks Leben. Nachdem er am Vorabend der französischen Revolution in Paris seine ersten großen Erfolge feierte und die Gunst von Marie Antoinette erringen konnte und sich anschließend in England eine zunächst sehr erfolgreiche Existenz als Verleger, Pianist und Klavierpädagoge aufgebaut hatte, kehrte er nach weiteren Stationen auf dem europäischen Festland wieder in die französische Hauptstadt zurück, um in die Dienste von Napoleons Außenminister Talleyrand zu treten.
    Die Sonate, die er zu seiner Rückkehr nach Paris schrieb, erweitert die formalen Proportionen und den pianistischen Anspruch der Farewell-Sonate noch. Von den vier Sätzen dürfte das E-Dur-"Molto adagio con anima ed espressione - dolcissimo" am eindrucksvollsten sein, insbesondere das erste Thema, eine lyrisch-pathetisch-sakrale Traummelodie.


    Die Èlégie harmonique sur la mort de son Altesse Royale le Prince Louis Ferdinand de Prusse ist nur zweisätzig und dauert gerade einmal eine Viertelstunde.
    Was sich in dieser kurzen Zeit ereignet, ist allerdings um so bemerkenswerter.
    Gerade der erste Satz, wie in "The Farewell" mit langsamer Einleitung, ist von großer chromatischer Dichte, ausdrucksstarker Melodik und einer wunderbaren Balance der harmonischen Gesamtproportionen. Der zweite Satz, "Tempo vivace e con fuoco quasi presto - sempre molto legato", bietet dramatische Ausbrüche und rhythmische Verrückungen, die in die Zukunft, etwa zu Schumanns Finale der f-moll-Sonate vorausweisen. Diese Sonate ist eine Totenklage anlässlich des Todes von Prinz Louis Ferdinand von Preußen am 10. Oktober 1806 im Gefecht bei Saalfeld gegen Napoleons Truppen. Dussek war seit 1804 in den Diensten des Prinzen, der selber nach Beethovens Einschätzung ein "tüchtiger Klavierspieler" war, eine Reihe von Kammermusikwerken und anderes komponierte und der von Dusseks Fähigkeiten so viel hielt, dass er ihn auch im Feldlager dabei haben wollte. Dussek erlebte den Tod des Prinzen aus unmittelbarer Nähe, eine Erfahrung, die manche Kühnheiten dieser Musik mit erklären könnte.


    Markus Becker meistert die gestalterischen und pianistischen Herausforderungen vorbildlich. Seine Aufnahme ist in jeder Hinsicht hörenswert.


    Hier noch das Cover seiner Einspielung, die hoffentlich eine Fortsetzung finden wird:


  • Ich habe vor ein paar Tagen eine Klaviersonate im Radio gehoert, die mich an Beethoven erinnert hat (wenn auch leichter im Charakter). Sie stellte sich als eine von Ries heraus, ich glaube die Grande Sonate Fantaisie, Op. 26. War eine lustige Ueberraschung, da es ja dieses Beethovenzitat ueber Ries gibt, dass er ihn zu sehr imitiere...


    Viele Gruesse,


    Flo

  • Da Alfred das Thema als nicht zwingend stilistisch ganz nahe präzisiert, kann ich vorbehaltlos den wichtigen Klaviermusikkomponisten Hummel empfehlen:

    Lt. Lexikon wichtige Figur auf dem Weg zur Romantik wegen aus dem aktiven Klavierspiel resultierender Gesanglichkeit neuer Qualität mit Pseudopolyphonie in der arpeggierenden Begleithand - das mag sicher stimmen, allerdings ward bereits JC Bach ob seines "singenden Allegro" gerühmt und diese abermalige neue Qualität der pianistischen Gesanglichkeit kann ich nicht festmachen - vor allem auch, da ich keine Klavierwerke von JC Bach kenne.


    Ob beethoven- oder schubertnahe - eigenständige großartige Musik, die ganz auf der Höhe der Zeit ist, keineswegs altmodisch, wie ich eigentlich erwartet hätte.


    Beethoven, Weber, Schubert, Haydn, Clementi, Dussek, Field und nun auch noch Hummel werden mit ihren Klaviersonaten sicher noch des öfteren ihren Weg in meinen Player finden:
    :jubel:

  • Hummel? Na ja. Ich habe irgendwo einmal gelesen, dass Beethoven seine Hammerklaviersonate als Konkurrenzprojekt zu Hummels fis-moll-Sonate Opus 81 entworfen haben soll. Und Robert Schumann soll gesagt haben, dass allein diese fis-moll-Sonate genüge, um Hummel unsterblich zu machen.


    Allerdings scheint diese Sonate im Vergleich zu denen von Dussek doch auch einige Defizite aufzuweisen. Für mich hinterlässt sie einen zwiespätigen Eindruck.
    Phantastisches scheint neben Unbedeutendem zu stehen. Wahrscheinlich ist das aber nur ein rein subjektives Urteil.


    Die fis-moll-Sonate beginnt natürlich mit einem großartigen und ungeheuer schwungvoll rhythmisierten Oktaventhema, das auf seine Art so eindrucksvoll ist wie die Anfänge der Pathétique oder der Appassionata und sogar auf die musikalische Gestalt am Anfang von Schumanns Klavierkonzert verweist. Auch das drohend kontrastierende Pianissimo-Motiv mit seinen Modulationen fesselt den Hörer. Das Wechselspiel dieser beiden musikalischen Gestalten schafft tatsächlich eine aufwühlende Sonateneröffnung, die eines Meisterwerkes würdig ist. Eindrucksvoll ist auch die Fortsetzung mit den neobarock modulierenden 16tel-Passagen. Aber Hummel scheint den Standart, den er mit dem Anfang dieser Sonate setzt, nicht halten zu können. Die hinabfahrenden 16tel-Passagen in C-Dur auf der zweiten Seite wirken doch insgesamt eher etüdenhaft als feurig, wild oder magisch. Und ob es sinnvoll ist, eine Durchführung nur auf spieltechnischen Steigerungen aufzubauen und weitestgehend auf einen spannenden harmonischen Plan und auf thematische Verarbeitung zu verzichten, ist fraglich. Auch das pianissimo-Thema des langsamen h-moll-Satzes finde ich unpersönlicher als entsprechende Stellen bei Dussek, von Beethoven ganz zu schweigen. Aber vielleicht ist das Thema doch außerordentlich, und der Komponist hat nur ein paar 64stel-Ornamente zu viel dazukomponiert. Das Finale bietet zwar ein virtuos glänzendes Hauptthema, aber die daraus resultierenden Steigerungen wirken für mich nicht immer aus dem Ablauf des Stückes motiviert, zum Beispiel auch nicht nach den Fugati, wo rauschende Feuerwerke aus Doppelterzenpassagen und hinabstürzenden Akkordbrechungen abgebrannt werden.


    Letztendlich hängt die Wirkung dieser Sonate davon ab, wie gut sie gespielt wird.
    Ein sehr gute Aufnahme ist die folgende. Die ersten drei Hörbeispiele bei jpc geben die Satzanfänge der fis-moll-Sonate wieder. Und Hörbeispiel Nr. 7 zeigt den Anfang des Finales der Sonate Opus 106 mit einem Hauptthema, das jeder echte Taminese lieben müsste.


  • Zitat

    Original von Kulturvermittler
    die daraus resultierenden Steigerungen wirken für mich nicht immer aus dem Ablauf des Stückes motiviert


    Hallo,
    ich habe gestern zwei Sonatenkopfsätze des Jahres 1807 vergleichsgehört:


    Dussek: Le retour à Paris
    Hummel: op. 20


    Während die Expositionen durchaus gleichrangig sein dürften, wirkt der Ablauf der Durchführung und Reprise bei Dussek schon wesentlich stringenter.
    :jubel:
    Ich finde trotzdem beides großartig.
    ;)
    :hello:

  • Inwischen hat Brilliant Classics mit dem mir bisher völlig unbekannten Pianisten Constantino Mastroprimiano eine Clementi-Gesamtaufnahme begonnen, die erste 3CD-Box gab es vor kurzem bei Zweitausendeins - ich war skeptisch, habe aber doch zugegriffen und es nicht bereut: die Stücke sind interessant, der Pianist spielt engagiert und lebendig, der Dulcken-Nachbau klingt toll, und der Begleittext ist äußerst lesenswert und erläutert Clementis Bedeutung und Karriere - insgesamt vorbildlich!
    Kostet bei JPC € 7,99!


  • Hallo Kulturvermittler!


    Zitat

    Original von Kulturvermittler
    Die Èlégie harmonique sur la mort de son Altesse Royale le Prince Louis Ferdinand de Prusse ist nur zweisätzig und dauert gerade einmal eine Viertelstunde.
    Was sich in dieser kurzen Zeit ereignet, ist allerdings um so bemerkenswerter.
    Gerade der erste Satz, wie in "The Farewell" mit langsamer Einleitung, ist von großer chromatischer Dichte, ausdrucksstarker Melodik und einer wunderbaren Balance der harmonischen Gesamtproportionen. Der zweite Satz, "Tempo vivace e con fuoco quasi presto - sempre molto legato", bietet dramatische Ausbrüche und rhythmische Verrückungen, die in die Zukunft, etwa zu Schumanns Finale der f-moll-Sonate vorausweisen. n Herausforderungen vorbildlich. Seine Aufnahme ist in jeder Hinsicht hörenswert.


    Diese Sonate hat mich auch beeindruckt. Leider ist die Interpretation auf der Supraphon-CD mit Novotny am Klavier nicht optimal. Ein Vivace con fuoco stelle ich mir jedenfalls anders vor.
    Mal sehen, vielleicht kaufe ich mir ja noch die Becker-CD (inzwischen gibt es übrigens Teil 2 der Reihe bei CPO).


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Nicht vergessen sollte man João Domingos Bomtempo (1775-1842) aus Portugal.


    Eingespielt wurde sein Piansitisches Gesamtwerk von der Grand Dame des portugisischem Klaviespiels: Nella Maissa


    Jonathan Woolf von Musicweb schrieb dazu auch:


    Zitat

    Turin-born pianist Nella Maissa triumphantly brings out the spine of song that runs throughout the work.


    In 1989, when this recording was made, Maissa was 75 but she plays with real fluency and élan even though the constricted acoustic doesn’t flatter her, tonally. She graces everything she plays with understanding and skill and brings distinction to this disc.

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Auch wenn Ferdinand Ries und seine Klaviersonaten bereits einen eigenen Thread bei Tamino haben - so gehört er dennoch hier erwähnt. Notabene, da seine Sonaten in der Tat einen Hauch von Beethoven ausstraheln, wenn auch nicht so ausgeprägt wie seine Sinfonien....



    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred Schmidt
    Tamino Klassikforum

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  • Ich habe jetzt mit Genuss (hoppla) Klaviersonaten von Wölfl gehört, die zwar nicht so rebellisch sind wie Beethovens und eher mit Mozart verwechselt werden könnten, aber man spürt vielleicht doch, dass er Beethovens Generation entstammt und nicht mehr zu der Generation gehört, die den klassischen Stil erst so richtig etabliert hat.


    Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich Vol 1 oder 2 habe:


    Im Booklet ist man sehr großzügig und sieht in mitunter vorkommender Modulationsfreudigkeit und melodischem Einfallsreichtum eine Vorankündigung der Romantik - weiß nicht ...

  • Schade, daß diese Aufnahmen schon gestrichen sind, das hätte mich interessiert. Auch die in meinem Besitz befindliche HM Aufnahme mit Woelfls Klaviersonaten op. 25 und op. 33 sind schon aus dem jpc-Angebot verschwunden. Ich hatte die CD 2006 in Beitrag 7 empfohlen.


    Wenden wir uns also einem anderen Komponisten aus Beethovens Umkreis zu: Carl Cerny
    Für die abgebildete CD - sie ist eine von 3 Folgen mit Klaviersonaten von Cerny - interessiere ich mich son lange, aber zum einen, waren zwei der drei Folgen lange Zeit nicht im Katalog - zum anderen waren meine Ansprüche wohl zu hoch. Dennoch - mit meiner planmässigen November-Bestellung - wird die erste Folge (2 CDs) in meine Sammlung wandern.
    Beim Hineinhören in die Soundschnippsel ist mir aufgefallen, dass vor allem die Sonaten Nr 5 und 8 eher Anklänge an Schubert als an Beethoven aufweisen. Leider kann Cerny den Level der beiden Vorbilder (?) nicht erreichen - aber vielleicht ist hier jemand anderer Meinung ?

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred Schmidt
    Tamino Klassikforum

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  • Diese Sonaten des jung verstorbenen Hyacinthe Jadin (1776-1800; die CD unten und jpc geben seltsamerweise 1769 als Geburtsdatum, ein Bruder Louis Emmanuel wurde 1768 geboren, keine Ahnung, woher die Angabe stammt, im Netz finde ich sonst nur 1776) dürften etwa gleichzeitig mit Beethovens frühen Sonaten entstanden sein (1794-1800).
    Sie erinnern allerdings stärker an Haydn und mit ihrem melancholisch-lyrischen Ton teilweise, an Schubert und andere Frühromantiker. Die Dimensionen sind durchweg eher knapp gehalten (besonders verglichen mit Beethoven), eher seltene Tonarten wie fis- und cis-moll weisen ebenfalls auf die Frühromantik. Es gibt anscheinend 12 Sonaten; ich besitze nur die Auswahl mit vieren. Durchaus hörenswert, auch wenn die Nähe zu Beethoven zwar zeitlich, weniger stilistisch gegeben ist.


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  • Ich besitze - abgesehen von der von Johannes Roehl erwähnten Aufnahme - unter anderem eine des verblichenen Klassiklabels Discover. Dort findet sich im Beiheft folgender interessanter Passus:


    Zitat

    "Seine Musik ist kultiviert, virtuos, handwerklich solid, angenehm und interessant. Aber er war mehr als bloß ein Musiker. Er erlebte mysteriöse Gefühle, die in seiner Musik spürbar sind und die ihr eine besondere Atmosphäre verleihen. In diesem Sinn war er ein Vorgänger der romantischen Epoche"


    Des weiteren ist sich der Verfasser des Booklet- Textes mit J.R. einige, daß die Grundtendenz zwischen Haydn und Schubert liegt.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • Wie sieht es eigentlich mit den Klaviersonaten von Pleyel aus, kennt die jemand hier? Zeitmäßig könnte es Überschneidungen mit dem frühen Beethoven geben, denn meines Wissens war Pleyel bis in die frühen 1800er Jahre als Komponist aktiv. Bei jpc habe ich einige Klavieraufnahmen gesehen.

  • Ich bin ein großen Pleyel Freund - siehe die anderen Threads.
    Jedoch mit seinen Klaviersonaten konnte ich mich bis dato nicht anfreunden. Sie wurden zumeist auf einem alten klappernden Pleyel Flügel eingespielt, der zudem noch dröhnt wie ein Broadwood. Daher habe ich mir keine einzige der existierenden Aufnahme gekauft, die ich lediglich via jpc Soundschnippsel kenne...
    Beste Grüße
    Alfred

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  • Ich habe soeben in die Pleyelaufnahmen von Mascha Dimitrieva, erschienen bei Gramola, reingehört. Kandidaten für diesen Thread wären die Sonaten ohnehin nicht, da sie so wie Haydns Klaviersonaten aus den 1770er Jahren klingen. Interessant wären noch die Klaviersonaten Kuhlaus, die vor einigen Wochen hier erwähnt wurden. Ich kenne sie leider nicht.

  • Auch Kuhlau klingt nicht nach Beethoven - "Beethovennähe" ist nur insofern gegeben, als daß sie Zeitgenossen waren und einander kannte, wobei bei einem Treffen viel Champagner floß.

    Kuhlau nennt seine Werke Sonatinen - die "Sonata Facile" von Mozart ist hier nicht weit, es gibt aber vorzugsweise helle und perlende Sätze von annähernd mozartischer Leichtigkeit, kaum Verträumtes oder schwermütiges. Beethoven ist weit von hier.


    Ich werde demnächst im Thread über die Kulau Klaviersonatinen etwas mehr dazu schreiben.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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