Michel Corrette [1709-1795]

  • Salut,


    beim CD-Stöbern stieß ich eben auf den Komponisten Michel Corrette [1709-1795]. Die Lebensdaten faszinieren mich gerade, denn er umspannt quasi die Höhepunkte Bach/Händel und Mozart/Haydn :rolleyes:


    Diese Musik muß sehr interessant sein. Entdeckt habe ich diese CD:



    Darauf:


    Sonate für Cello & Bc d-moll
    Sonate für Viola da Gamba, Cello, Fagott & Bc G-Dur
    Sonate für 2 Violen da Gamba D-Dur
    Sonate für Fagott & Bc B-Dur
    Sonate für 2 Fagotte C-Dur
    Sonate für Viola da Gamba & Bc F-Dur


    Kennt jemand diese CD oder andere dieses [offenbar französischen oder belgischen?] Komponisten?


    Danke für Hinweise!


    Cordialement
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo Ulli,


    Hier habe ich auch wieder etwas für Dich.
    Seine 6 Orgelkonzerte Opus 26 (1 = Sol majeur, 2 = La majeur, 3 = Ré majeur, 4 = Do majeur, 5 = Fa majeur und 6 = ré mineur).
    Es klingt ziemlich Barock-artig. Und dann meine ich nicht Händel.



    Zu Hause habe ich diese Konzerte auch auf eine LP. Daneben glaube ich noch eine LP von ihm zu haben.
    Ich war so clever(!) um doch noch das Einlageheft mal durchzulesen, und ändere mein Bericht. Er war Franzose, geboren in Rouen und gestorben in Paris.
    Sowohl Nationalität als Verbindung mit Paris stimmten.
    Aber sonst nichts, da werde ich also doch noch auf die LPs naschauen.


    LG, Paul

  • Hallo Ulli,



    Corrette gehört zu der gleichen Riege wie Boismortier, die beiden haben einen regelrechten Schwall an Kompositionen ausgestoßen.
    Doch sind ein paar Dinge wirklich ganz nett.


    eine weitere CD, mit seinen berühmten "Concerts Comiques"





    diese Concerts zeichnen sich durch seltsame Solo Instrumente aus, sie sind im typischen italienischen Concerto Stil ( Vivaldi ) geschrieben, nur mit dem Unterschied, dass er Volksmelodien und eben einige der damaligen Modeinstrumente verwendet, wie Vielle ( Drehleier) und Musette ( eine Art Dudelsack )



    Allerdings kenne ich bisher nur Werke von ihm bis etwa zur Jahrundertmitte - aber er komponierte auch Sinfonien und Divertissements sowie Ballette.


    sein wohl berühmtestes Werk ist das "Concert - Les Sauvages et La Furstemberg"
    darin persifliert er zwei damals sehr bekannte Werke, den berühmten Tanz der Wilden aus Rameaus "Les Indes Galantes" und La Furstemberg, das mittlerweile Purcell zugeschrieben wird und zu einer ganzen Reihe beliebter "Contredanses" gehörte die am Hofe Louis XIV aufkamen.


    Corette war ein Sohn des Organisten Gaspard Corette und eben selbst auch Organist. Er schrieb bedeutende Regelwerke für diverse Instrumente und war als Musikpädagoge bekannt.
    Eine besonders lustige Emphelung daraus:


    "Wer eine Lektion zu schwierig findet, kann die jeweilige Seitennummer bei der königlichen Lotterie ( die ja vom berühmten Cassanova eingeführt wurde ) setzen, so lange bis er die Lektion beherrscht,
    auf diese Art hat er zweifach Gewinn."



    :D

  • Servus,


    eine Aufnahme Correttescher Musik, die mir sehr gut gefällt, ist diese:




    Michel Corrette: Messe pour le tems de Noel


    Olivier Vernet (Orgel)
    Ensemble "...in Ore mel..."



    Hauptsächlich ist das Orgelmusik - eigentlich nicht so mein Fall. Aber diese CD fasziniert mich. Es hat aber nicht sofort gefunkt. Das ist eine jener Scheiben, die sich langsam und unbemerkt anschleichen, sich dann aber umso tiefer ins Gemüt graben...



    :hello:
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Corrette war ein Chamaeleon. In seinen Orgelkonzerten klingt er fast wie Vivaldi. Die mir bekannte beste Aufnahme ist die leider vergriffene von Jean-Patrice Brosse:



    Brosse hat auch zwei CDs mit Correttes Cembalo-Piècen aufgenommen - die klingen wie zwischen Couperin und Rokkoko angesiedelt.



    Bei den CDs von Disques Pierre Vérany, die jetzt zu Arion gehören, versagen die deutschen Importeure in der Regel, bei Label direkt klappt es problemlos, allerdings sind die Orgelkonzerte auch dort nicht mehr zu bekommen. "http://www.arion-music.com"


    Keine so sehr tiefschürfende Musik, aber äußerst unterhaltsam.


    Seine Orgelfassungen französischer Weihnachtslieder sind auch sehr schön, aber da muß ich erst nachschauen.

  • Die CD mit Orgelwerken von Corrette:


    Stefan Johannes Bleicher, Die Orgel in Weißenau - Musik von Michel Corrette


    1. Premier Livre d'Orgue - Magnificat du 1er ton
    2. Premier Livre d'Orgue - Magnificat du 2e ton
    3. Premier Livre d'Orgue - Magnificat du 3e et 4e ton
    4. Premier Livre d'Orgue - Magnificat en a Mila 3 #
    5. Livere des Noels - Suite II
    6. Livere des Noels - Suite III


    deutsche harmonia mundi MH-930-2 (1989)


    Leider weder noch lieferbar, auch auf dem Marktplatz nicht zu finden, und nicht mal auf der Website des Organisten Bleicher findet sich ein Bild. Sie enthält das komplette erste Orgelbuch von Corrette, das aus vier magnificat-Vertonungen besteht, und zwei der Suiten, die auf französischen Weihnachtsliedern basieren. Die Holzhey-Orgel in Weissenau ist ein äußerst interessantes Instrument zur Darstellung dieser Stücke - eine süddeutsche Orgel mit starkem französischem Einfluß im Klangbild.


    Corrette war der Sohn eines Organisten und bekleidete hohe Ämter im Zusammenhang mit dem Orgelspiel in Frankreich. Die Musik ist von hoher Qualität, bedauerlich, dass diese CD vergriffen ist ...


  • Diese CD ist ausgesprochen unterhaltsam! Manches klingt wie eine leichte Parodie auf die zu Correttes Zeiten schon zu Klassikern gewordenen Stücken von François Couperin, verwenden die gleichen rhythmischen Muster, sind melodisch aber fast schon humoristisch. Da gibt es eine Nummer aus Hornmotiven, inclusive Büchsenknall - ein leichter Scarlatti-Einfluß schimmert da durch?
    Jean-Patrice Brosse ist auf dieser CD in Hochform, der Klang des ihm seit Jahren zur Verfügung originalen Kroll-Cembalos von 1778 ist hier besser denn je eingefangen und passt hervorragend zu dieser Musik.


    Neben den vier kurzen Suiten des ersten Cembalobuchs sind hier die zwei Divertissements von 1779 eingespielt - das zweite versieht Brosse selbst mit den textlichen Erklärungen von Corrette: "Le combat Naval" gehört in jede ernstzunehmende Sammlung von musikalischen Schlachtengemälden!

  • Zitat

    Original von miguel54
    Die CD mit Orgelwerken von Corrette:


    Naja, da wären noch andere. Nur sind die ebensowenig lieferbar.


    Empfehlenswert:


    Corrette: Premier Livre d'Orgue 1737. Dominique Ferran an der Orgel der Kathedrale von Saintes.


    Noch empfehlenswerter:


    Orgues d'Ile-de-France, Vol. 5:
    Olivier Vernet an den Orgeln in Aubervilliers und Rozay-en Brie mit beiden Orgelbüchern von Corrette (2 CD).


    Von beiden habe ich keine Abbildungen gefunden.


    Wer Gefallen an vorrevolutionärem Geplänkel und Geschmettere findet, sollte besonders nach der Ferran-CD Ausschau halten. Vernet geht es etwas 'seriöser' an, ohne in Langeweile zu verfallen, nur verwendet er auch die kleineren Orgeln.


    Correttes Bedeutung kommt hier ein bisschen zu kurz weg:
    Er war einer der maßgeblichen und stilbildenden Lehrer der 2. Hälfte des 18. Jhs. in Frankreich. Zeitweilig war er so gesucht, dass seine Kollegen sich in neidisch-hämischen Äußerungen über ihn und seine Schülerschar ergingen.
    Außerdem war er wohl einer der ersten, die sich halbwegs konsequent :D mit zweithemigen Satzgestalten auseinandergesetzt haben. Jedenfalls kommt das wesentlich häufiger vor als in MGG attestiert.
    Immer jedenfalls ist er höchst publikumswirksam. :yes:

  • Hier bekommt man einen Überblick über revolutionäres Orgelschaffen in Frankreich unter reger Beteiligung des Herrn Corrette:



    Schon im ersten Stück packt Isoir Cluster zwischen Marsellaise und Ca ira, es kracht nur so. :D
    Jedenfalls scheint Corrette christlich geblieben zu sein, denn von ihm gibt es das Magnificat du 8e ton und ein Noel provencale.


    Die CD lohnt sich wirklich; es gibt sie in verschiedenen Aufmachungen (meine Version heißt "l'orgue francais à la Révolution" und hat ein gelbes Cover) und zu unterschiedlichen Preisen.


    Auf dem Cembalo gibt es etwas Ähnliches:



    Wie gewohnt gibt Sempé jedwedem Affen reichlich Zucker und kann das auch ganz alleine. Allerdings lässt er die langsamen Stücke auch zu ihrem Recht kommen und hetzt nicht herzlos durch die Noten.


    Für Leute wie miguel55 :D ein MUSS! :yes:
    Andere finden's wahrscheinlich auch ganz nett.


  • Ist schon bestellt! Kommt nur mit was anderem zusammen, daß noch nicht erschienen ist. Bei Sempés Rameau CD ist als Bonus eine DVD mit ähnlichem Programm - bei Royers Scythenmarsch macht die linke Hand eine Dauerüberschlag. Die waren all ziemlich fingerfertig, die Mss. clavecinistes francaises ... die obige von Brosse kann ich übrigens genauso empfehlen, die zweite ist an mich unterwegs.


    Ich meinte nur die, nicht die Orgel CD von Corrette - war mir klar, daß es da noch mehr gibt, aber die von Bleicher ist sehr schön. War glaube ich seine erste.

  • Zitat

    Original von Hildebrandt
    Orgues d'Ile-de-France, Vol. 5:
    Olivier Vernet an den Orgeln in Aubervilliers und Rozay-en Brie mit beiden Orgelbüchern von Corrette (2 CD).


    Ist das diese hier?



  • Dass diese beiden CDs bei Jottpeezee etc. momentan nicht zu bekommen sind hat den Grund, daß Arion/Pierre Vérany seinen deutschen Vertrieb verloren hat - die Firma Zyx hat nur noch Reste aus dem Programm dieses Labels. (Die haben ja sonst mit Klassik auch nicht viel am Hut ...) Wer eine Kreditkarte besitzt, bekommt die CDs ruckzuck in maximal drei Tagen vom Label direkt zu vernünftigen Preisen - Englisch kann der Monsieur beim Vertireb auch.


    Ich kann diese beiden CDs nur empfehlen. Den Wandel in der französischen Cembalomusik vom Barock eines Couperin zu sehr rokkokohaften Klängen, die heftig in Richtung Klassik zeigen, ist bei Corrette sehr gut nachzuvollziehen.
    Sein erstes Cemablobuch verneigt sich andauernd vor Couperin, kommt dermaßen leichtfüßig daher, daß man den Stücken weder die technischen noch die kompositorischen Raffinessen auf Anhieb anmerkt - beim genaueren Hinhören bemerkt man das hohe Niveau und die Originalität, die einiges mit der geschickten Einarbeitung italiensicher Einflüsse zu tun hat.
    Die andere CD "Les amusements de Parnasse" enthält die zweiten und dritten Bücher; im zweiten allerlei programmatische Stücke, im dritten eine ganze Reihe Bezugnahmen auf Pergolesis Stabat Mater, das in Paris einiges ausgelöst hatte. Jede Menge allerdings sehr originell geschriebener Alberti-Bässe usw. - Jean-Patrice Brosse und sein sagenhaft schönes Kroll-Cembalo sind hier ganz in ihrem Element, voller Spielwitz und -Freude.

  • Hat er nun eigentlich dieses Jahr seinen 200ten Geburtstag oder ist die Angabe (z.B. bei jpc) mit 1709 falsch und jene bei Tante Wiki mit 1707 corrette?


    ?(

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Guten Morgen,


    Zitat

    Original von Ulli
    Hat er nun eigentlich dieses Jahr seinen 200ten Geburtstag oder ist die Angabe (z.B. bei jpc) mit 1709 falsch und jene bei Tante Wiki mit 1707 corrette?


    ?(


    Ich habe eine Quelle, die sein Geburtsjahr auf 1709 ( in Rouen ) angibt; somit 300. Geburtstag.
    Über seine Lebensumstände und musikalische Ausbildung ist wenig bekannt, als Komponist zu Lebzeiten wenig anerkannt.
    Seine zahlreiche überlieferten Werke umfassen einen Zeitraum von 75 Jahre französischer Musik des 18. Jhd.
    Als versierter Lehrer veröffentlichte er ganze 17 Instrumentalschulen für verschiedene Instrumente,
    in denen er die Schüler mit den Merkmalen des damaligen französischen und italienischen Stiles vertraut macht.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Heuer sind es 220 Jahre her, dass Michel Corrette, der (nach meinem Lexikon) am 10. April 1709 in Rouen geboren wurde, in Paris starb. Wie sein Vater Gaspard Corrette war auch Michel sowohl Komponist als auch Organist. Nach der Berufung zum Organisten am Grand Collège des Jesuitenordens in Paris, aus der er 1762 vertrieben wurde, ernannte ihn der Herzog von Angoulême 1780 zu seinem Hoforganisten.


    Michel Corrette komponierte Ballette und Divertissements, zahlreiche Konzerte für Orgel, Kanons, Kontretänze, Sinfonien und Lieder, außerdem Kirchenmusik wie Kantaten und Motetten. Er war zudem Autor von Lehrwerken für Instrumente wie Querflöte, Harfe, Fagott, Mandoline, Cello, Cembalo und Drehleier (sic!). Als sein wichtigstes Lehrwerk gilt heute die „École d'Orphée“ von 1738 für Violine, in der er italienischen und französischen Stil miteinander verglich und wichtige Anweisungen für die Spieltechnik gab. Als Fortsetzung dieses Lehrbuchs erschien 1782 „L'Art de se perfectionner sur le violon“, später auch ein ähnliches Buch für Sänger: „Le Parfait Maître à chanter“.


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER