Kunstkniffe an fremden Werken - Adaptierungen, Bearbeitungen, Kürzungen Verbesserungen

  • Liebe Forianer:


    Der Ausgangspunkt für diesen Tread ist jener:


    Zitat

    .....dass Mahler auch an Teilen des Figaro sowie des Don Giovanni "herumgedoktert" hat,....


    Was heute so verwerflich kennt - war in der Vergangenheit der Musikgeschichte gang und gäbe - Da gabe es Adaptierungen en masse - zumeist mit der Begründung "das Werk retten " zu wollen.


    Letztlich ist ja die Orchesterversion von den "Bildern einer Ausstellung" von Ravel nichts anderes. - Aber auch Mozart adaptierte.......und wurde adaptiert - und das nicht nur einmal....


    So und nun lautet das Thema und die Frager


    Welche Adaptionen/Bearbeitungen und Verbesserungsversuche welcher Komponisten/Werke kennt ihr - gibt es dabei solche, die ihr dem Original vorziehen würdet ?


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

  • Hallo Alfred,


    Wenn ich mich nicht irre, hat Mozarts Bearbeitung von Händels Messiah das KV Nummer 572.
    Ich erinnere mich, daß jedenfalls Klarinette hinzugefügt waren. Es könnte sein, daß Fagott und Horn, oder sogar noch meht Blasinstrumente hinzugefügt waren.
    Ich habe diese Version gehört, aber war nich sonderlich beeindruckt. Vielleicht lag es am Dirigenten, Orchester oder Solisten. Jedenfalls, diese Version blieb nicht im Gedächtnis haften.


    LG, Paul

  • hallo, paul, nicht nur dies: er fügte auch trompeten und paukenstimmen hinzu und amchte den ganzen orchestersatz 'dichter'. ab und zu hör ich's als ergänzung zu händels original ganz gerne .
    sehr schön vor allem: 'warum toben die heiden?' mit pauken und trompeten ... :D


    :hello:

  • Salut,


    nicht ganz zum Thema - aber ich fand den Thread nicht mehr -


    Ludwig van Beethoven komponierte jede Menge Variationen zu Opernarien:


    Mozart


    12 Variationen für Klavier und Violine [?] in F-Dur über Se vuol ballare [1792/93]
    Variationen op. 66 in F-Dur über Ein Mädchen oder Weibchen [1798]
    Variationen Es-Dur über Bei Männern, welche Liebe fühlen [1801]
    Variationen für 2 Oboen und Englischhorn über La ci darem [1792/93]


    sowie viele Variationen über Themen von Händel, Dittersdorf, Paisiello, von Winter, Vranicky, Salieri, W. Müller...


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Die Barockspezialisten werden mich jetzt steinigen, aber eine meiner Lieblings-CDs ist diese hier:



    Buxtehudes Sarabande und Courante sowie Händels Trauermarsch aus "Saul" reißen mich in Stokowskis Bearbeitungen regelrecht vom Stuhl.


    Händels Messias verfügt zwar über großartige musikalische Substanz, ist aber zumindestens für meine Ohren grottenöde instrumentiert. Mozarts Bearbeitung gefällt mir schon besser, aber noch viel lieber höre ich die Version von Eugene Goosens.


    Mit Bachs grandioser d-moll-Chaconne kann ich in der Klavierbearbeitung von Busoni sehr viel anfangen - wenn das Stück auf der Geige gespielt wird, kapiere ich die Musik höchstens ansatzweise.


    Viele Grüße


    Bernd

  • Zitat

    Original von Bernd Schulz
    Die Barockspezialisten werden mich jetzt steinigen, aber eine meiner Lieblings-CDs ist diese hier:





    Also ich gewiß nicht, denn ich finde die Stokowski-Bearbeitungen auch richtig gut. :yes:




    herzliche Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Freut mich, daß ich das nicht alleine so empfinde.
    Die CD habe ich mir übrigens auch nur gekauft, weil ich die Buxtehude-Transkription im Radio gehört habe und unglaublich fasziniert davon war. Wobei ich zugebe, daß die Grenze zum Kitsch hier nicht mehr weit weg ist...


    Viele Grüße


    Bernd

  • Stokowskis Version der "Bilder" habe ich offengestanden noch nie gehört, aber ich kann mir gut vorstellen, daß sie zu plüschig ausgefallen ist (ich finde auch Rimskys Neuinstrumentierung des" Boris", die früher fast ausschließlich gespielt wurde, katastrophal).


    Die "Bilder" schreien ja auf der einen Seite nach einer Orchestrierung, aber andererseits scheint es sehr schwer zu sein, ihnen damit wirklich gerecht zu werden. Auch mit der raffinierten Ravelschen Version werde ich nicht hundertprozentig froh. Sie ist mir eine Spur zu raffiniert und klingt zu sehr nach Ravel.....


    Viele Grüße


    Bernd

  • Salut!


    Für Freunde von Bearbeitungen geeignet, die sich zudem noch als solche der Blasmusikarrangements outen wollen:


    Martin Joseph MENGAL: Sämtliche Bläserquintette



    Der Titel täuscht ein wenig: Es handelt sich nicht direkt um „eigene“ Werke des Komponisten Martin Joseph Mengal [1784-1851], sondern vielmehr um reizende Bearbeitungen von Einzelsätzen der Komponisten Haydn, Mozart, Beethoven und Rossini für die Besetzung Flöte, Oboe, Clarinette, Horn und Fagott [Bläserquintett].


    Da es von den genannten Komponisten keine Originalwerke in dieser Besetzung gibt, ist das natürlich eine willkommene Ergänzung! Mengal benutzt bei Mozart, Haydn und Beethoven überwiegend Material aus Violinsonaten und Klaviertrios, der „Rossini“ ist ein Potpourri aus verschiedenen Opernmelodien. Die Güte des Meisters ist grenzenlos, wenn er im Quintett nach Beethoven als dritten Satz ein Menuett selbst komponiert – im Stile von Beethoven. Der Schenker dieser CD legte fest, dass dieses Menuett als zweites sehr gut in Beethovens Septett passen würde.


    Ich bin bei solcherlei Bearbeitungen nie objektiv genug, zumal wenn ich die zugrunde liegenden Werke gut oder besonders gut kenne. Man erschrickt doch jedes Mal bei einer Abweichung von Original. Allerdings fand ich den 2. Satz des „Quintetts nach Haydn“ ganz wundervoll: Mengal verwendet hier den 2. Satz [Andante] des Klaviertrios A-Dur Hob. XV:18. Im „Mozart-Quintett“ ist der erste Satz der Sonate e-moll KV 304 entnommen, der zweite der Violinsonate D-Dur, der dritte [als Menuett] wiederum KV 304 und als Schlusssatz das Allegro der Sonate KV 379 G-Dur/g-moll [der moll-Teil natürlich].


    Ich mag den Klang solcher Bläserkonstellationen überaus, da sie immer wieder für überraschende Momente sorgen können, zugleich würzt Mengal mit kompositorischem Geschick und sorgt damit für weitere Erkenntnisse!


    Das Doppelalbum wird bespielt vom Reicha’schen Quintett auf Originalinstrumenten bzw. Nachbauten:


    Michael Schmidt-Casdorff Flöte
    nach Heinrich Grenser, Dresden, um 1800
    von Rudolf Tutz, Innsbruck


    Hans-Peter Westermann Oboe
    nach Vincenzo Panormo, London, Ende 18. JH
    von Hans-Peter Westermann, Nümbrecht


    Guy van Waas Clarinette
    A-, B- und C-Clarinette nach Theodor Lutz, Wien, um 1800
    von Peter van der Poel, Bunnik


    Ulrich Hübner Horn
    Naturhorn von Coutois, Paris, um 1820


    Christian Beuse Fagott
    nach Heinrich Grenser, Dresden, um 1800
    Von Guntram Wolf, Kronach


    Für mich eine absolute Bereicherung!


    Liebe Grüße
    Ulli