Ist Filmmusik klassische Musik?

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Ich finde, man muss differenzieren. Es gibt zumindest zwei Filmmusiken, die im Konzertsaal sehr gute Figur machen, nämlich "Alexander Newskij" und "Iwan der Schreckliche", beide von Prokofjew.


    generell ist für mich filmmusik keine klassische. ausnahmen - wie von edwin angesprochen - gibt es. auch z.b. die auf filmmusik beruhende sinfonia antartica von ralph vaughan williams oder dei filmmusiken von honegger etc. zähle ich definitiv dazu.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Zitat

    Original von Aquarius
    @ Kurzstückmeister


    bitte nicht schon wieder solche Aussagen, die letztendlich in ein verbales schwarzes Loch führen.


    Ein kaputtgemachter Thread reicht!


    ?(
    Die "Virtuosität" war von Dir, ich war nur bemüht, ein etwaiges Mißverständnis (im Sinne von: Du mißverstehst Michael) aufzudecken.


    Die schwarzen Löcher in anderen Threads sollten eher Diskussionsmaterial sein, als Ursachen dafür, dass die Threads "kaputt" sind. Allerdings kann ich mit "1/x = 0" wenig anfangen, das hättest Du dort etwas klarer formulieren können ...
    ;)

  • Wie schon weiter oben erwähnt handelt es sich meiner Meinung nach bei der Filmmusik von den kompositorischen Anforderungen her, die aus dem letztendlichen Verwendungszweck resultieren, um beschreibende Musik. Dies führt dazu, dass der Komponist gewissermassen dazu gezwungen wird ein der Handlung folgendes und damit in der Regel ausgewogenens Verhältnis zwischen harmonischen und dissonanten Klängen zu erzeugen. Da der beschreibende Charakter im Vordergrund steht ist gibt es damit bei der Filmmusik nur wenig Spielraum für – sagen wir mal – „virtuose Mätzchen spieltechnischer und kompositorischer Art“ – obwohl es natürlich auch hier, was den solistischen Einsatz einzelner Instrumente betrifft, einige Ausnahmen gibt (siehe den Linckusschen Beitrag weiter oben beispielsweise).
    Damit lässt sich vielleicht auch erklären, warum John Williams nur in seinen ungebundenen Werken mitunter eindeutig atonal komponiert.


    Unabhängig davon, dass es leider in letzter Zeit insbesondere in Hollywood Bestrebungen gibt der Filmmusik einen austauschbaren anonymen Anstrich zu verpassen ( Hans Zimmer usw. ) erzieht ansonsten dieses strenge Programm die Komponisten dazu Musik mit einem gewissen Hörgefallen zu schreiben, denn eine Musik mit ausgewogenem Verhältnis zwischen Harmonik und Dissonanz kann nicht durchgehend atonalen und oder seriellen Gesetzen folgen. Hier sind eben letztendlich auch MELODIEN und klare wieder erkennbare THEMEN gefragt. Kurzum: Diese Musik muss im Sinne des Wortes symphonisch sein ( sym = zusammen oder auch wohl, phonein = klingen ) und nicht konzertant ( im Sinne des instrumentalen und kompositionstechnischen Bestrebens aufzufallen ). Eine Eigenschaft, die insbesondere vielen „freien“ Werken aus der Schaffensperiode zwischen ca 1920 und ca der Jahrtausendwende bestimmt nicht nur mir einfach fehlt...


    Natürlich werden jetzt wieder einige Stimmen laut werden, um zu verkünden, dass es insbesondere in der Frühphase des Films durchaus auch eher vorwiegend atonale Filmmusik gab. Doch das sind ohne Ausnahme alles Werke von und für Intellektuelle.


    Diesen Ausführungen folgend kann ich nun zwei Dinge ableiten:


    Filmmusik kann „klassische“ Musik sein. Im Falle von Elliot Goldenthal, John Williams, James Newton Howard, Danny Elfman, James Horner ( teilweise ), Ryuichi Sakamoto
    ( teilweise ), Philip Glass und natürlich auch Erich Korngold, Franz Waxman, Leonard Bernstein, Dimitri Schostakowitsch und wie sie alle heissen handelt es sich sicherlich nicht nur meiner Meinung nach eindeutig um „klassische“ Musik. Auch Ennio Morricone zählt in gewisser Hinsicht dazu, auch wenn sich dieser Komponist oftmals nicht orchestraler Mittel bedient.


    Desweiteren hat eben die Anforderung streng beschreibend zu komponieren meiner Meinung auf wundersame Weise gewissermassen rückbesinnend auf die Evolution der Musik eingewirkt: Nämlich weg vom mangelndem Hörgefallen oder auch anders ausgedrückt dem bewussten Abwenden von einer grossen Hörerschaft der rein atonalen und seriellen Musik zurück zur „Melodie“, was nicht heisst, dass dabei auf atonale und serielle Klangergebnisse ganz verzichtet wird. Nein diese tragen dabei einfach einer weiteren evolutionären Verbesserung der Ausdrucksstärke dieser Musik bei.


    Auf die folgenden Ausführungen könnte "mein Thread" doch tatsächlich doch noch wieder aufleben:


    Leider hat mir bisher immer noch niemand in diesem Forum sagen können, was es für Musikbeispiele ab ca 2000 gibt, die nichts mit Filmmusik zu tun haben. Mich würde sehr interessieren, ob es da wirklich etwas mit „Hörgefallen“ gibt, oder ob bei der aktuellen „freien“ Musik immer noch andere Prinzipien die Oberhand haben.


    Ich kenne eben von der Musik ab ca 2000 nur Beispiele aus der Filmmusik. Sind etwa alle Beispiele der „freien“ Musik ab ca 2000 ganz und gar avantgardistisch, oder warum erfährt man davon auf „normalem“ Wege nichts? Es kann doch nicht sein, dass ausser Goldenthals Fire Paper Water nichts dergleichen „freies“ komponiert wurde und komponiert wird.


    Also, wenn jemand darauf antworten möchte ( und ich hoffe darauf ), dann kann das im Thread "Eine neue symphonische Richtung" geschehen. Schon mal um den vorliegenden Thread nicht in eine völlig andere Richtung abrutschen zu lassen.

    alle Menschen werden Brüder ...

  • Zum Komponisten James Newton Howard kann ich nur bestätigenderweise sagen, dass auch ich sein innovatives Auftreten schätze.


    So möchte ich die Qualität von Signs nicht mehr missen.


    Wie sich da das minimalistische Hauptmotiv von einer anfänglich zerfahrenen handlungskonformen Ruppigkeit in ein von Pattern umwobenen harmonisch ruhigen zart gespielten Ostinato verwandelt: Klasse.


    Auch The Sixth Sense und The Village gefallen.

    alle Menschen werden Brüder ...

    Einmal editiert, zuletzt von Aquarius ()

  • Zitat

    Original von Aquarius
    Hier sind eben letztendlich auch MELODIEN und klare wieder erkennbare THEMEN gefragt. Kurzum: Diese Musik muss im Sinne des Wortes symphonisch sein ( sym = zusammen oder auch wohl, phonein = klingen ) und nicht konzertant ( im Sinne des instrumentalen und kompositionstechnischen Bestrebens aufzufallen ). Eine Eigenschaft, die insbesondere vielen „freien“ Werken aus der Schaffensperiode zwischen ca 1920 und ca der Jahrtausendwende bestimmt nicht nur mir einfach fehlt...


    Kurz ein paar Worte zu diesem Gedanken, ohne darüber jetzt zu sehr auszuschweifen:


    Vielleicht wär's schön, wenn schon jede Filmmusik an sich ein kleineres oder größeres Kunstwerk wäre, in vielen Fällen ist sie allerdings doch nicht mehr als der Mittel zu Zweck - vielleicht zu recht, denn obwohl die Musik nachweislich einen großen Einfluss auf die Zuschauer hat, sollten doch vor allem die Bilder das Kunstwerk sein, bzw. von mir aus auch die Zusammenführung aus Bild und Ton. Aus diesem Grund habe ich auch nicht den Anspruch, dass die Filmmusik für sich alleine stehend vielleicht den Film sogar letztendlich in der künstlerischen Bedeutung übertrifft. In den großen Studios wird meines Eindrucks nach ganz gutes Handwerk geleistet - nicht mehr, aber auch nicht weniger: Es wird eine die Bilder ergänzende Musik geschaffen, die nicht zu sehr in den Vordergrund treten möchte.


    Das zum einen. Zum anderen hat meines Erachtens nach gerade (!) die atonale Musik eine Chance im Film, weil sich doch beides gegenseitig ergänzt und sie hier auch ihren Platz finden kann. Mir ist es schon manches Mal so gegangen, dass ich einen Film sah und mir irgendwann beswusst wurde (weil ich desöfteren auch einfach bewusst versuche hinzuhören), dass die Musik ja doch ungewöhnlich atonal ist, aber auch einfach gut passt - und es den meisten Zuschauern noch nicht einmal auffällt.


    Nun gut, das nur dazu. Jetzt werde ich ein bisschen Off-Topic, aber für mich liegt die Zukunft übrigens nicht in herkömmlichen Melodien, Motiven und Themen, die auf irgendeine Weise verarbeitet werden - dort sind wir an Grenzen gelangt. Das bekannte Gebiet kann zwar auf immer wieder neue Arten erkundet werden, aber letztendlich war das Brechen mit den alten Regeln der Tonalität die richtige Konsequenz daraus. In 'modern times' möchte man irgendeinen verträglichen Kompromiss finden, der manchem Komponisten auch gelang und gelingt.
    Letztens sah ich einen Bericht darüber, wie wenig Zeit wir doch alle haben und wie schwierig es für den heutigen Menschen ist, einer Sache ausreichend Aufmerksamkeit zu schenken. Genauso kann man wohl auch leider nicht mehr erwarten, dass sich ein Durchschnittsverbraucher in die Symphonie eines Mahlers vertieft. Entweder ihm gefällt der Klang oder eben nicht, und was mir nicht gefällt, das hör ich nicht. Natürlich, mir gefällt der Klang einer solchen Symphonie auch, aber es steckt eben doch ein bisschen mehr dahinter. Aber ich glaube, dass es doch genau darauf zuläuft: Nicht auf die rationale Erfassung von Musik, sondern auf Klangerlebnisse, auf das Experimentieren mit Räumen, Geräuschen und Klängen (jaja, ich weiß, dass es sowas auch schon gibt - eigentlich schon lange). Bestätigt wird das für mich in dem Erlebnis, wie sich auch der moderne Mensch, der damit eigentlich nichts am Hut hat, für gregorianische Melodien begeistern und einnehmen lässt, die aus der Stille heraus in einem großen Kirchenraum erklingen - das ist einfach ein Klangerlebnis!


    Viele Grüße

  • Hallo erstmal ;)


    Ich muss sagen, dass ich über Filmmusik zur Klassik erst gestoßen bin (Ich bin ja auch noch sehr jung, da hört man zunächst erstmal das, was im Radio gespielt wird... 8o). Das fing mit Ennio Morricone an, der mich mit "Once upon a Time in America" erstmal weg von der Richtung Pop/Rock geführt hat. D.h. ich habe anschließend bewusst Filmmusik-CDs gekauft. Doch so langsam merkte ich auch den Unterschied zwischen Hans Zimmer (als Beispiel gewählt) und der richtigen Klassik. Als ich dann in "Apocalypse Now" das erste Mal Wagners Walkürenritt hörte, war es um mich geschehen. Ich kaufte mir meine erste Wagner CD (Lohengrin war es) und von da an wandte ich mich immer mehr von der Filmmusik ab, zur Klassik hin. Hörte ich also vor 2 Jahren noch Zimmer, Williams und Co, lausche ich jetzt lieber den Tönen von Mozart, Wagner, Beethoven, Rachmaninoff und Tchaikovsky. Aber Morricone kann mir niemand mehr nehmen, der ist auch ein Teil von mir :]


    Egal, was ich damit sagen will: Ich denke, Filmmusik besitzt das Potenzial, als "Einstieg" in die Klassik zu funktionieren. Ist sie Klassik? Größtenteils nicht. (Shostakovich wäre hier nämlich eine durchaus erwähnenswerte Ausnahme). Es ist auch wichtig zu bedenken, dass die Filmmusik gar nicht den Anspruch erhebt, "Klassik" zu sein.

    Einmal editiert, zuletzt von seli ()

  • Das aktuelle Partituren-Heft behandelt übrigens Filmmusik. Meist für meinen Geschmack ein wenig zu abgegriffen, aber trotzdem ein schöner Einstieg in die Welt der bewegten Töne.
    Außerdem kann Aquarius mit dem Heft in der Hand viel leichter von Filmmusik als Neuer Klassik reden. :angel:
    In diesem Thread gibt's momentan die Tendenz, Hans Zimmer die Lizenz zum komponieren entziehen zu wollen... Als Auftragsschreiber für Disney oder "Black Hawk Down" hat er aber, finde ich, tolle Arbeit geleistet. Ich bin mir nicht sicher, wie groß sein Beitrag bei den Gladiator-Stücken mit Lisa Gerrard war, aber speziell die blieben mir in bester Erinnerung.
    Die "Herr der Ringe"-Geschichten fand ich außerhalb des Films unglaublich öde - für mich der klare Beweis, daß Filmmusik häufig nur genau mit dem Medium, für die sie geschrieben wurde, wirklich funktioniert. Zusammen mit den Bildern entfaltet die Musik erst ihre ganze emotionale Bandbreite, ohne Bilder verkommt sie zu einem ziemlichen Kitschbrei... Das einzig positive an "Herr der Ringe"-Soundtracks für mich: die Entdeckung von Emiliana Torrini (Die zwei Türme, "Gollum's song).


    Ich würde Filmmusik nie als Fortführung klassischer Musik bezeichnen. Und auch so einiges von Schostakowitsch klingt nach Zeichentrickfilm.


    :hello:Jürgen

    Ich brauche keine Millionen, mir fehlt kein Pfennig zum Glück...

  • Auch ich höre gern viele Sachen von Hans Zimmer. Ich besitze sogar mehrere Aufnahmen von ihm. Nur lasse ich mich durch seine durchaus hörenswerte Musik nicht darüber hinwegtäuschen, dass sein Kompositionsstil mit fertigen ganzen Orchestersamples einen ganzen Klangteppich zusammenzusetzen eben diesen austauschbaren und anonymen Sound produziert. Und ausserdem verbirgt sich hinter Hansz Zimmer nicht ein Komponist im herkömmlichen Sinne, nein hier muss man eher von einem "Bandleader" sprich einem Chef von mehreren zusammenarbeitenden Komponisten reden.


    Insbesondere das bewusste Verwenden von Samples ist es aber, womit er seiner Musik den Weg zu innovativ Neuem kategorisch selbst versperrt. Letztendlich kann nur ein richtiges Orchester die Ideen von Komponisten kunstvoll umsetzen. Somit ist letztendlich auch die Filmmusik als moderne Programmsymphonik von den Interpreten abhängig.

    alle Menschen werden Brüder ...

  • Hi , Aquarius!


    Genau auf das wollte ich auch noch hinweisen.


    Ein soundtrack von hans zimmer entsteht folgendermaßen:


    In mehreren räumen sitzen komponisten, die ihm brav folgen :D


    Er geht dann immer wieder durch, gibt themen, korrigiert, belässt und so funktioniert das :yes:


    Aber alles von ihm ist immer noch besser und abwechslungsreicher als klaus badelt :motz:


    LG florian


    :hello:

    Gustav Mahler: "Das Wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten."


  • Ich muss gestehen, den Soundtrack zu Equilibrium von Klaus Badelt mag ich doch sehr gerne ;)

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  • Hi , seli!


    Meine ablehnung von badelt ist vielleicht etwas überstürzt.
    Ich kenne ja nur fluch der karibik 1 von ihm und einige andere unbedeutende filmmusiken.
    Anfangs war ich von fdk 1 total begeistert, als ich dann jedoch den zweiten teil von zimmer hörte, fiel klaus leider total ab :(


    LG florian


    :hello:

    Gustav Mahler: "Das Wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten."


  • In der Hinsicht muss ich dir vollkommen Recht geben. :hello:


  • So, nun mal wirklich wie etwas über die Filmmusik und ihre Komponisten das interessant sein dürfte...


    fangen wir mit Hans Zimmer an:


    Media Ventures, Remote Control Productions heutzutage genannt beschäftigt weltweit mehr als 70 Komponisten.
    Hauptkomponist natürlich Hans Zimmer!
    Seine "Untertanen" so will ich sie mal nennen sind zb. Klaus Badelt, Harry Gregson-Williams, Steve Jablonski, Trevor Rabin, Lisa Gerrard etc.


    Bei einer Hans Zimmer produktion läuft es ja meist so ab das sich alle in einen Raum setzen (wie gesagt wurde) und das besprechen, (so würd ich es machen) und dann die ideen kommen. Ich meine ich kann mir keinen Komponisten vorstellen der 30 Filme im Jahr vertont und alle haben qualitative Musik (was ansichtssache ist) das wäre rein aus Zeitgründen nicht machbar. RCP verfolgt eben das auch die nicht so großen Komponisten eine Chance haben mit Musik geld zu verdienen, in dem sie für einen großen Namen arbeiten, in diesem Fall Hans Zimmer!
    Hans Zimmer schrieb übrigens das Thema zu Fluch der Karibik selbst, eigentlich stammt die Musik nicht von Klaus Badelt! sondern vom Hans selbst! Daher klingt sie auch Zimmerisch und nicht nach Badelt. Der Referenzen wegen wurde allerdings Klaus Badelt genannt.
    Aber FdK zusammen mit FdK2 sind beides Filmmusiken die in meinen Augen im Film wirken aber so einfach verkackt haben! Zimmerfans lieben die Musik, weil sie einfach ist und so jedes Kleinhirn deren Thematik verstehen mag. Ich für meinen Teil finde die Musik zum kotzen lahm! (es möge sich mit Kleinhirn niemand angegriffen fühlen!)
    Aber letztendlich geht mir diese Media Ventures Mukke sowas von auf die nerven und ich bin heilfroh das einige von Hollywoods Regisseuren ähnlich denken und von Zimmer abstand halten!


    James Horner:
    Der Mann der meint sich nie selbst zu zitieren... ein witz des Tages...
    Seine Musik ist zum Teil doch schön, einfach und wirkt, aber wirklich etwas dahinter steckt bei den neuen Sachen nicht mehr!
    Aliens, grandiose Musik, Capster, grandios und wunderschön. Ja auch Titanic war noch sehr schön, aber mitte drin kopiert er sich immer nur selbst und viele klassiker!. Braveheart will ich nicht vergessen, wirklich toll!


    James Newton-Howard:
    Der Mann ist grandios. Seine Filmmusiken zu den Shalamaylanfilmen alle wirklich groß und vor allem innovativ gegenüber Zimmer und dem rest.
    Auch wenn Zimmer und er recht gut befreundet sind! So hat James Newton-Howard nicht nötig sich dem Zimmerschen Actionstil zu bedienen sondern hat irgendwo seinen eigenen gefunden und das macht ihn zu einem Komponisten dessen kreativität ich mit einem Elfman gleichsetzen würde.


    Danny Elfman:
    Genialer Mann. Kranke Musik. Tolle Themen. Einfach Danny Elfman, mehr kann und will ich zu ihm nicht sagen, ich achte ihn sehr!


    John Williams:
    Einige neider verabscheuen ihn. Einige Menschen bewundern ihn.
    Ich zähle zu den Bewunderern. Ich finde es gerade bei JW immer interessant das sich Menschen ein Urteil bilden die vielleicht 3-4 oder 5 Stücke von ihm kennen. Hör ich ein Stück weiß ich gleich WILLIAMS. Dieser Mann hat einen wiedererkennungswert wie kein anderer geschaffen. Seine Musik einfach toll! Einige Klassikliebhaber hassen ihn,... andere wiederum lieben ihn dann doch!
    Das ist nicht aus dem Grunde er klaut. Das "zitieren" darf man bei John Williams schon als Ehrung der alten Meister ansehen, aber was er aus den Zitaten macht ist nicht ein Mahler, ein Dvorak etc, sondern etwas neues! Warum sich nicht eines Themas bedienen, klassiker taten dies auch. Was wäre Beethovens 5. geworden wenn er das dadadadaaaaa Motiv nicht vielleicht aus einem Choralsatz von 1776 entnommen hätte (Gerüchten zu folge!) aber das ist ne andere Geschichte.
    Dem Mann kann keiner etwas vorhalten. Er hat es einfach geschafft, auch wenn er kein Rad erfunden hat so hat er vielerlei (lebende) klassische Komponisten in den Schatten gestellt. Mit dieser Wahrheit muss leider auch der größte Kritiker von ihm leben! Da sag ich, einfach vielleicht genau in John Williams hinein schauen und nicht nur Star Wars etc hören sondern mal eine menge mehr aus seinen gut 180 Filmmusiken.


    So,... wie wird Filmmusik eigentlich komponiert?


    Filmmusik wird heut nach einem Standart komponiert in dem der Komponist an sich wenig mitzureden hat. Er ist Dienstleister und aus ist.
    Wenn ein Regisseur ankommt mir 25.000EUR anbietet und meint die Musik soll so und so klingen mache ich das oder schicke ihn weg und er sucht sich jemanden der das macht. Oder ich nehme den Auftrag an kann vom komponieren leben, gehe seinen Ideen nach und arbeite dennoch nach meinen Vorstellungen und verbinde beides zu einem Ergebnis das ihn vom Hocker haut und auch funktioniert.
    Bedenkt man die alten Zeiten zurück so hatten Komponisten wie Bernhard Herrmann und co nicht den Druck den ein heutiger Filmkomponist aushalten muss. Damals gab es Wörter wie canceln nicht. Und es wäre niemand auf die idee gekommen Psycho auszutauschen nur weil es kein fettes Orchester ist! Heutzutage hat man als Komponist der Filmmusik viel mehr zu beachten als damals. Wer mit den großen mitspielen will muss sich fügen! seine eigene kreativität gar anfangs einfach abschalten. Filmmusik ist Filmmusik und Klassik ist Klassik.
    Ich habe bei einem Film gar nicht die Zeit meine Ideen so zu verarbeiten das sie jedem Klassikliebhaber gerecht wird.
    Aber das ganze heißt doch nicht gleich das es schlechte Orchestermusik ist. Herr der Ringe wird als bsp. sehr gern in dieser Sinfonie aufgeführt und gehört, ich für meinen Teil finde das 3std. Musik die sich ewig wiederholt einfach zu viel ist. 1 1/2std. hätten es auch gemacht, mehr Inhalt ist nicht drin. Auch die Star Wars Suite wird gern in Konzerten professioneller Orchester aufgenommen und neben Beethoven gestellt. Warum auch nicht? Die Musik ist beliebt. Und meint einer es stecke in Williams kein Mensch der es verdient hat neben Beethoven aufgeführt zu werden ist das einfach Penisneid (einige "Komponisten") oder zu enges Denken. Sehe so, der Mann musste das machen was ihm vorgelegt wurde,... wenn Holst drin sein sollte ist es drin.


    Ich meine das allgemein, niemand wird gezwungen einen John Williams, Hans Zimmer etc zu mögen. Aber bedenkt das man diese Komponisten nicht mit den damaligen vergleichen kann. Wären die Studios nicht so hart würde der ein oder andere Soundtrack sicherlich auch ganz anders klingen, aber diese Komponisten als kreativlos und schlecht zu betiteln ist einfach nur betuhe. Sie meinen ein Medium beurteilen zu können von dem sie keinen blassen haben. Ich bin offen. Filmmusik wird oft unterschätzt und das ist schade. Aber NEIN sie ist keine Programmmusik und kommt sie ins Programm rein dann eben weil es gute Orchester/Instrumentalmusik ist. Es geht um einfache Themen die der Zuhörer verfolgen kann. Man DARF diese Musik nicht vergleichen. Mahler sich geniale Orchestermusik aber wenn mir einer erzählen will das John Williams nicht auch ein guter Orchestrator ist, dann ist dieser Mensch für mich engstirnig und hört nicht hin. Vielleicht habe ich andere Orchestervorstellungen als manch geschulter Klassikhörer, aber mein Gott mir gefällt das was mir gefällt und keiner wird gezwungen Filmmusik zu hören.


    Filmmusik ist keine klassische Musik, dennoch stammt sie aus der Klassik und hat das Recht auch in Konzerten gespielt zu werden.


    Meine Meinung dazu, wem diese nicht passt, der möge argumente bringen die hand und fuß haben!


    FL

  • Oh, natürlich, Ennio Morricone, wie konnte ich ihn vergessen zu erwähnen?


    Für mich stellt er auf jeden Fall einen Komponisten dar, der es weiß zu vertonen. Sein damaliger Trieb eigentlich klassischer Komponist zu werden wurde vom Filmkomponisten besiegt und man stelle sich einmal vor wieviel wundervolle Filmmusik ohne ihn gefehlt hätte. Dieser Mann strotzt meines Erachtens auch absolut vor genialität. Sein Ehrenoscar dieses Jahr war verdient und leider auch viel zu spät!


    Phillip Glass,... nunja ich habe meine Meinung über ihn. Er scheint sehr arrogant zu sein wenn er zu John Williams und bspw. James Horner sagt sie seien "nur" Talentiert, aber er sei der Erfinder. Ich hörte auf Classic-FM in Wales einmal ein Klavierstück von ihm das mich ehrlich nicht gerade begeisterte und wo ich persönlich so arrogant war/bin zu sagen dieses Stück klatsch ich dir in 2min hin. Ich habe hier noch ein Chor/Orgelstück von ohm "koyaquatsi" oder wie das heißt. Auch das, klar minimalismus eben, zeigt nicht das der Mann genial ist. Das kann jeder Komponist im Anfangsstadium. Über seine Sinfonien etc kann und werde ich mich nicht großartig äußern da ich diese nicht kenne.
    Die Musik zu "The Trueman Show" war gut aber einfach schlecht produziert. Ich kenne nicht viel von ihm aber das was ich kenne ist m.E. einfach Musik die ich auch hinklatschen kann und das absolut lustlos!
    (Klingt vielleicht arrogant aber es entspricht der Wahrheit *grins*)


    Wie Gesagt Morricone=TOP!
    Glass=bin mir unsicher!

  • @ Florian Linckus


    Das glaube ich Dir gern, dass Du vieles von Philip Glass einfach mal so "hinklatschen" kannst. Dazu braucht man nur Deine bisherigen Musiken anhören ( Allegretto, Last Duell, Canon, das leider noch nicht erhältliche Receptacle... ).


    Aber in einer Sache muss ich Dir dennoch gefühlsmässig wiedersprechen, auch wenn Du ja schon praktische Erfahrungen mit dem Komponieren von Filmmusik sammeln konntest: Filmmusik ist gerade eben weil sie an eine feste Handlung gebunden Programmusik. Und da sie sich dabei symphonischer Prinzipien bedient kann man sie gewissermassen auch als Programmsymphonie verstehen.


    Franz Liszt, Friedrich Smetana und noch einige anderen haben sogenannte symphonische Dichtungen geschrieben. Diese haben zwar keinen Film als Programm wurden aber genauso beschreibend komponiert wie Filmmusik. Insofern dienen sie neben vielen anderen "klassischen" Werken gewissermassen immer noch als "technologische" Vorlage von vielen Filmmusiken. Auch Richard Wagners nonverbale Tonsprache in seinen Bühnenwerken hat dabei ein gehöriges Wort mitzusprechen.


    Deshalb: Für mich war, ist und wird Filmmusik eines immer bleiben: Programmusik mit symphonischem Anspruch und daher kann ich sie folgerichtig einfach nur als eine moderne Strömung der "klassischen" Musik ansehen.


    Ich wünsche mir, dass diejenigen, die Filmmusik immer noch geringschätzen von dieser Einstellung Abstand nehmen und sich unvoreingenommen etwas näher damit auseinandersetzen. Als Freund symphonischer Musik schlechthin kann ich nur sagen: Es lohnt sich!

    alle Menschen werden Brüder ...

  • Nein nein,


    muss dir wiedersprechen. Filmmusik ist keinesfalls Musik die fürs Konzert geschrieben wird. Filmmusik ist KEINE Programmmusik! Sie wird für den Film komponiert, dient lediglich dem Zweck den Film zu unterstützen und ggfls. eigens zu verkaufen. Aber es gibt nur 2-3% von Filmmusiken die auch in Suiten zusammengesetzt werden. Und dort landen meist nur wirkliche Blockbustermusiken! Star Wars, Harry Potter, Titanic, Herr der Ringe, nur um einige zu nennen.


    Sicherlich haben einige klassiker sinfonische Dichtungen komponiert, aber diese kann man keineswegs mit Filmmusik vergleichen, weil dort z.T. viel mehr Spielraum ist als es in der Filmmusik möglich ist.
    Und zumeist sind diese Dichtungen auch in einer Form komponiert.


    Filmmusik ist für mich keine direkte Programmmusik, sondern eher gelegentliche Programmmusik wenn die Filme zusammen mit deren Musiken erfolgreich sind. Sie locken automatisch ganz andere Gesichter in die Konzerte. Aber sind eben leider auch zu selten vorhanden. Du wirst niemals in deutschland Musik von James Newton-Howard in einem Laienorchester oder gar Profiorchester hören, wenn doch möchte ich informiert werden *grins*


    Nur als beispiel. Extra aufgesetzte Konzerte wie für HdR zählen ja nicht unbedingt zur Programmmusik.

  • Zitat

    Original von Aquarius
    Ich wünsche mir, dass diejenigen, die Filmmusik immer noch geringschätzen von dieser Einstellung Abstand nehmen und sich unvoreingenommen etwas näher damit auseinandersetzen. Als Freund symphonischer Musik schlechthin kann ich nur sagen: Es lohnt sich!


    Ich schätze Filmmusik nicht gering. Ich bewundere Morricone, Williams und Elfman. Aber eben als Filmkomponisten. Ich besitze auch diverse Soundtracks (hauptsächlich Morricone), aber nur 2 davon ("Once upon a time in America" und "Die Legende vom Ozeanpianisten" kann ich wirklich am Stück anhören bzw. losgelöst von ihrer eigentlichen Bestimmung genießen. So großartig z.B. "The Mission" von Morricone ist: losgelöst vom Film funktioniert ein Großteil der Musik nicht mehr. Da kann Yo-Yo Ma noch so oft Stücke daraus spielen.


    :hello:Jürgen

    Ich brauche keine Millionen, mir fehlt kein Pfennig zum Glück...

  • Hallo,


    Howard Shore, Haus-Komponist des großartigen Regisseurs David Cronenberg, wird 2008 in Paris und Los Angeles eine Oper auf die Bühne bringen. Oder vielleicht sollte man besser sagen: David Cronenberg inszeniert eine Oper - nämlich die Adaption seines Remakes von "Die Fliege" - und Shore komponiert dazu. Da ist dann die Frage: Interessiert einen das, weil Cronenberg Oper macht oder weil Shore womöglich tolle Musik schreibt (was er manchmal tut!). Für mich gilt allerdings ersteres, hier hoffe ich auf ganz großes Regie-Kino ...äh -theater.


    LG
    B.

  • Hallo Barbirolli,


    danke dafür, dass Du diesen Thread aus der Versenkung geholt hast. Leider haben wir nun zwei halbwegs aktive Threads zum Thema Filmmusik, nämlich auch diesen hier, in dem auch schon viel Beachtenswertes geschrieben wurde: Soundtrack - Die neue Opernform?!?


    Ob man die nicht besser unter diesem hier zusammenfassen sollte, denn er ist der ältere und hat m. E. einen passenderen Titel.


    :hello: Rideamus

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  • also filmmusik kann man gar nicht mit klassik vergleichen, denn filmmusik ist logischerweise sehr an das geschehen innerhalb des filmes gebunden, allerdings kann sie auch ohne die szenen wirken.


    also ich habe bisher noch nie eine filmmusik gehört, die wirklich "klassisch" ist. alexander nevsky, ivan grozny, lt. kijé von prokofiev habe ich und von shostakovich habe ich bisher nur the fall of berlin und the unforgettable year 1919. die sind kompositorisch auch auf hohem niveau und mit dem einheitsbrei von heute nicht mehr zu vergleichen, aber man merkt ihnen dennoch an, dass sie an filmische szenen gebunden sind.

  • Zitat

    Original von iLLumination
    also filmmusik kann man gar nicht mit klassik vergleichen, denn filmmusik ist logischerweise sehr an das geschehen innerhalb des filmes gebunden, allerdings kann sie auch ohne die szenen wirken.


    ..., aber man merkt ihnen dennoch an, dass sie an filmische szenen gebunden sind.


    Hallo Illumination,


    zunächst einmal herzlich willkommen unter den Taminos. Ich hoffe, Du wirst hier sehr viel Anregendes zu lesen und zu schreiben finden.


    Deiner These von der Bindung an ein Geschehen kann ich so leider nicht zustimmen, denn das würde für jede Oper, Ballettmusik und mindestens ein Großteil der sogenannten Programmusik ebenfalls gelten, die heute fraglos zum klassischen nKanon gehört.


    Selbst das Argument, dass in dem Fall der Komponist die Entscheidung hat, welches Geschehen er komponiert, gilt für frühere Zeiten, in denen sie einfach bestimmte Stoffe und Libretti geliefert bekamen, die sie zu komponieren hatten, allenfalls nur bedingt.


    Natürlich hängt auch hier alles von der Definition von "Klassik" ab, die ja unmöglich zu treffen ist. Geht man dagegen einfach von guter Musik egal welcher Gattung aus, so handelt es sich um eine Musikgattung, die nicht mehr oder weniger ernst zu nehmen ist als die Sinfonik, die Kammermusik oder was auch immer. Man sollte ja nie vergessen, dass ALLE Musik mindestens in ihren Anfängen mal Teil eines in Abhängigkeit geschriebenen Kontextes war. Nur hat manches davon eben nicht nur den Anlass, sondern auch die Zeiten überdauert und ist so zum Bestand des "klassischen" Repertoires geworden.


    Ich bin sicher, dass die Zukunft mit der Filmmusik genauso verfahren und deren beste Werke dann ebenfalls fraglos zur Klassik zählen wird, wie heute, sagen wir, Strawinskys Ballettmusik zu DER FEUERVOGEL. Dann bedarf es auch nicht mehr der Krücke der Komponisten, die in anderen Bereichen selbstredend zur Klassik zählen.


    :hello: Rideamus

  • Zitat

    Original von Rideamus
    Ich bin sicher, dass die Zukunft mit der Filmmusik genauso verfahren und deren beste Werke dann ebenfalls fraglos zur Klassik zählen wird


    Freilich:
    Schönberg: Begleitmusik zu einer Lichtspielszene
    Eisler: 14 Arten den Regen zu beschreiben
    Antheil: Ballet mecanique
    Kagel: Match
    :D

  • Seit meiner Jugend habe ich einige Lieblingsfilme, die sich über die Zeit gehalten haben:


    - Die Zehn Gebote
    - die glorreichen Sieben
    - Wer die Nachtigall stört
    - Gesprengte Ketten
    - Die Brücke von Remagen


    Was haben diese Filme gemeinsam?
    Die Musik zu allen stammt von dem Komponisten ELMER BERNSTEIN.(*1922 NewYork - +2004 Kalifornien), von dem bisher in diesem Thread noch nicht die Rede war, obwohl er zu den ganz großen seiner Zunft gehörte.


    14 mal war er mit seiner Filmmusik für den Oscar nominiert, einmal hat er ihn bekommen.
    Für über 200 Filme hat er in 50 Jahren die Musik komponiert. Mit seinem Namensvetter Leonard Bernstein war er nicht verwandt, aber eng befreundet.


    Fast jeder kennt bis heute die Hauptmelodie aus „Die glorreichen Sieben“.
    Zum Film „Gesprengte Ketten“, der zu meinen besonderen Lieblingen gehört, habe ich ein ganz besonderes Verhältnis: Die Aussenaufnahmen wurden in meiner Heimat im Allgäu gedreht, als 14jähriger war ich hautnah dabei, als Steve McQueen mit einem alten Motorrad der Wehrmacht durch die hügeligen Wiesen bretterte und Zäune übersprang (er hat alle Stunts selbst gemacht). Wann hat man schon mal die Möglichkeit, seinen Hollywood-Stars so nahe zu sein?

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Rideamus


    Ich bin sicher, dass die Zukunft mit der Filmmusik genauso verfahren und deren beste Werke dann ebenfalls fraglos zur Klassik zählen wird, wie heute, sagen wir, Strawinskys Ballettmusik zu DER FEUERVOGEL. Dann bedarf es auch nicht mehr der Krücke der Komponisten, die in anderen Bereichen selbstredend zur Klassik zählen.


    :hello: Rideamus


    DAS kann man nicht mehr besser formulieren !!!

    alle Menschen werden Brüder ...

  • Zitat

    Original von Aquarius
    DAS kann man nicht mehr besser formulieren !!!


    Genau: Der Rettungsanker in der nicht falsifizierbaren Zukunft ist ungefähr genauso diskussionstauglich wie der Verweis auf Gottes Wille ...

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Genau: Der Rettungsanker in der nicht falsifizierbaren Zukunft ist ungefähr genauso diskussionstauglich wie der Verweis auf Gottes Wille ...


    Lieber KSM,


    ich weiß auch nicht, ob es Gottes Wille ist, dass wir uns streiten und frage mich ernsthaft, warum es, jedenfalls in meiner Wahrnehmung, Deiner zu sein scheint.


    Ich für mein Teil habe keine Lust darauf, lese aber gerne auch mal in einem längeren Stück, was Du zur verbindlichen Klassifizierung vorschlägst. Dann brauchst Du auch nicht so ungestüm um Dich zu schlagen, denn vielleicht lerne ich dann von Dir oder höre auf Dich.


    :hello: Rideamus

  • Es ist ja überflüssig, auf die Zukunft zu spekulieren. Wenn der Vergleich mit dem Feuervogel nur halbwegs trägt, müßte es jetzt schon etliche Kandidaten geben. Allerspätestens in den 40er/50er Jahren waren Strawinskijs Ballettmusiken mindestens so präsent als reine Konzertmusik wie als Musik zu einem Ballett (wahrscheinlich schon 20 Jahre vorher).
    Also welche Filmmusik aus Filmen bis ca. 1960 (die also >40 Jahre Zeit gehabt hätte, sich als filmunabhängig zu etablieren) wird seitdem wenigstens ab und zu als Konzertmusik, unabhängig von dem jeweiligen Film aufgeführt oder auf Platte eingespielt?
    Wirklich häufig (also so häufig wie etwa Le Sacre oder auch nur wie Apollon Musagete) vermutlich keine einzige, mir fällt nämlich keine ein.
    Eine Handvoll Suiten o.ä. nach Filmen mag es geben, die ab und zu mal aufgeführt werden. (Ein Freund von mir hat vor Jahren mal in einem Uni-Orchester eine La-Strada-Suite o.ä. gespielt, aber ein gängiges Stück ist das beim besten Willen nicht).


    Mich wundert das insofern wenig, als dass der Vergleich mit Feuervogel/Petruschka/Le Sacre u.ä. von vornherein nicht funktioniert. Ich weiß von überhaupt keinem einzigen Film, für den die originale Musik ein so wesentliches Element wäre wie die Musik für diese Ballette. Das war natürlich von Beginn an Musik, die viel mehr war als "Begleitung" für Tänzer. Das Verhältnis von Film und Filmmusik ist einfach ein völlig anderes, vielleicht nicht prinzipiell, aber in der erschlagenden Mehrheit der tatsächlichen Fälle, also wenn jetzt drei hochkünstlerische Filme genannt werden können, bei denen das anders ist, ist das egal.
    Das muß überhaupt keine Abwertung der Filmmusik sein, es zeigt bloß, dass es verfehlt wäre, von ihr überhaupt Konzerttauglichkeit zu erwarten.
    Die Glorreichen Sieben oder Gesprengte Ketten (bitte "Chicken Run" ansehen, falls noch nicht geschehen) sind tolle Filme und die packende Musik trägt ganz wesentlich zu ihrer Wirkung bei. Aber will man die sich wirklich separat im Konzert oder auf CD anhören??? Ich wage, Zweifel anzumelden...


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Lieber Harald,

    Zitat

    nicht verwandt oder verschwägert: ELMER BERNSTEIN


    vielen Dank, daß du auf Elmer Bernstein aufmerksam machst.
    Einige seiner Filmmusiken liebe ich über alles, vor allem "Wer die Nachtigal stört" -traumhaft!


    Elmer Bernstein hat sich auch als Dirigent und Produzent für andere Filmkomponisten stark gemacht und einiges von Herrmann, Newman, Rozsa, Steiner ,Tiomkin, Waxman u.a. in Eigenregie und exemplarischen Aufnahmen herausgebracht.


    Die LPs sind gesucht und die 12 CDs kosten leider 199 Dollar.
    Wohl dem, der die alten LPs besitzt..... :D


    Ich persönlich möchte an dieser Stelle auch noch an einen von mir äußerst geschätzten Filmkomponisten erinnern:


    Alex North (1910-1991)
    Er studierte in Moskau und bei Aaron Copland.


    Von mir besonders geschätzt sind seine Arbeiten zu "Endstation Sehnsucht" und "Spartacus" .


    In seinem Stil finden sich kraftvolle Jazz-Anleihen gepaart mit einer eher "trockenen" und kantigen Instrumentation.


    Interessant ist, daß seine "Liebesthemen" für die jeweiligen Filme allerdings von ausgesucht banaler und einfacher Art waren (es wird sogar behauptet, daß dies seine Verachtung vom Hollywood-Sound wiederspiegelt) , diese aber stellenweise trotzdem- oder gerade deswegen- sehr eindrucksvoll gerieten.
    Z.B. das "Lovetheme" von "Spartacus", über welches dann der große Bill Evans mehrfach unglaublich erfindungsreiche und in ihrer Intimität wohl nicht zu steigernde Variationen vorstellte.


    @Johannes

    Zitat

    Also welche Filmmusik aus Filmen bis ca. 1960 (die also >40 Jahre Zeit gehabt hätte, sich als filmunabhängig zu etablieren) wird seitdem wenigstens ab und zu als Konzertmusik, unabhängig von dem jeweiligen Film aufgeführt oder auf Platte eingespielt?


    Da gibt es eine solche Menge an Einspielungen und zahlreichen Konzerten(allerdings leider nicht unbedingt in Deutschland oder Österreich), daß ich wirklich zu faul bin, das alles suchen zu müssen.
    Sehr häufig wird z.B. die "Sea Hawk" Suite von Korngold gespielt-ziemlich häufig sogar.

    Zitat

    Aber will man die sich wirklich separat im Konzert oder auf CD anhören??? Ich wage, Zweifel anzumelden...


    "Gesprengte Ketten" für mich eher nicht, aber "Die glorreichen Sieben" oder "Wen die Nachtigal stört" in jedem Fall, nur um bei E.Bernstein zu bleiben.
    Ansonsten sammel ich seit 25 Jahren Filmmusik, natürlich nur die, welche für mich lohnend ist.
    Und da gibt es eine Menge an interessanter Musik, welche ich mir nach wie vor sehr gerne im Konzert, auf LP oder auf CD anhöre.

    Zitat

    (Ein Freund von mir hat vor Jahren mal in einem Uni-Orchester eine La-Strada-Suite o.ä. gespielt, aber ein gängiges Stück ist das beim besten Willen nicht).


    Die nach der Filmmusik erstellte Ballettmusik bezw. Suite nach "La Strada" von Nino Rota ist öfters aufgeführt worden, ich besitze mehrere Aufnahmen davon und habe das Ballett 1989 selber in Verona gesehen.
    Es ist zwar nicht gängig, aber deswegen noch lange nicht völlig unbekannt und vernachläßigbar.
    Nicht, daß Du das behauptet hast, aber weshalb sollte ein Werk "gängig" sein, um kompositorische Qualität zu beinhalten und lohnend für den Konzertsaal zu sein- oder weshalb ist es für Dich ein Kriterium, daß diese Musik nicht "gängig" ist ?


    Gegenüber Filmmusik gibt und gab es immer schon allergrößte Vorbehalte und Vorurteile, welche anscheinend nicht aus der Welt zu schaffen sind.
    Schade, daß es bei diesen ganzen Vorbehalten eine recht große Anzahl von wirklich lohnender Musik und tüchtiger bis genialer Komponisten trifft, die dann einfach nicht zur Kenntnis genommen wird.
    :hello:
    Michael

  • Dem Lob für Elmer Bernstein möchte ich mich gerne anschließen. Natürlich kann nicht alles von Ewigkeitswert sein, wenn jemand - oft in wenigen Tagen - Musiken zu 238 Filmen schreibt (laut IMDB), aber es gibt einige Werke Bernsteins, die schon heute dauernden Rang beanspriuchen können. Neben den bereits genannten Filmen sind das vor allem seine verjazzte, aber ungemein einfühlsame Musik zu Otto Premingers Suchtdrama DER MANN MIT DEM GOLDENEN ARM (1955), der mitreißende Soundtrack
    zu Vincente Minnellis Melodram SOME CAME RUNNING / VERDAMMT SIND SIE ALLE (1958), die für ein Hollywood-Epic erstaunlich sensible Untemralung von Gerioge Roy Hills unterschätztem HAIWAII (1966) und die herrlich paraphrasierte 20er-Jahre - Musik zu dem Julie Andrews Musical THOROUGHLY MODERN MILLIE (1968) für die er seinen einzigen Oscar (von 11 Nominierungen) gewann.


    Gegönnt hätte ich ihm den auch für seine Scores zu Martin Scorseses AGE OF INNOCENCE (1993) und Todd Haynes atemberaunbender Hommage an die Melodramen von Doiuglas Sirk, FAR FROM HEAVEN (2002). Man sollte aber nicht ganz vergessen, dass viele der besten Filmmusiken, auch der von Elmer Bernstein in Filmen stecken, von denen seit ihrer ersten Herausbringung nicht mehr viel zu hören war, und die auch hier jaum jemandem etwas sagen würden. So einer war zum Beispiel das ungewöhnliche Melodram 7 FRAUEN (1966), der heute vor allem als der letzte Film des Meisterregiosseurs John Ford bekannt ist, was nicht heißt, dass ihn noch viele der Wenigen, die ihn damals gesehen haben, erinnern werden. Das Gleiche gilt für seine Partitur zu dem verkannten JOHNNIE STARLIGHT (1996), bei dem er bewies, dass sein melodischer Einfallsreichtum keineswegs unter der Überproduktion gelitten, seine kunstvolle Motivverarbeitung jedoch über die Jahre ungemein gewonnen hatte.


    Dass auch Alex North zu den ganz Großen zählt, ist wohl unbestreitbar. Für mich wird er aber immer mit dem einzigen Komponisten verbunden bleiben, der die Partitur zu einem Erfolgsfilm veröffentlichen konnte, obwohl sein Werk in dem Film nicht verwandt wurde. Er hatte sie in sehr genauer Befolgung von Stanley Kubricks Anweisungen und dem von diesem gewählten "Temp Track" geschrieben, d.h. der Zusammenstellung musikalischer Themen, die dem Kompnisten und Cutter eine Vorstellung von der gewünschten Musik geben sollten. Im Verlauf des Schnittes hatte sich Kubrick aber so sehr in den Temp Track verliebt, dass vor allem die Erben von Richard Strauss davon profitierten. Der fragliche Film war natürlich 2002 - ODYSEE IM WELTRAUM. Norths Musik zu diesem Film ist besonders eindrucksvoll deshalb, weil man seine Kunst bewundern muss, die vorgegebenen Muster in seiner ganz eigenen Art nachzuempfinden. Dennoch war Kubricks Entscheidung die richtige. Es ist aber auch zu verstehen, dass die beiden nie wieder zusammen arbeiteten.


    :hello: Rideamus

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