Oper für Einsteiger - Beratung

  • Im Gegensatz zu MAsetto bin ich der Ansicht, daß es überhaupt nicht dumm zugeht, wenn irgendjemand den Einstieg mit Mozart.Opern nicht finden kann. Es gibt IMO keine Oper, die eine universal-verbindliche Einstiegs-Oper wäre.


    Mein Einstieg war Borodin: Fürst Igor.
    Anschließend kam Bizet: Carmen.


    Mozart fruchtete zunächst gar nicht. Und das regelmäßige Hören von verdi-Opern machte mir das ganze nur mies. Um der Wahrheit Genüge zu geben: ich kann auich heute mit Verdi nicht viel anfangen - im Gegensatz zu Mozart.


    Wie auch immer. Die oben genannten Opern dürften all das enthalten, was Alfred als Eingangsquali vorschlug....


    :hello:
    Wulf

  • In einem anderen thread wurde der Rosenkavalier als Einstieg vorgeschlagen.


    Nun, ich denke - auch meiner früheren Empfehlung zum Trotz, daß es keine Erfolgsgarantie gibt - egal, ob Mozart, Bizet, Borodin, Händel, Wagner oder Britten.


    Anderen Gattungen habe ich mich am schnellsten durch Komponisten genähert, den ich eh schon viel abgewinnen konnte.


    So liegt es viele Jahre zurück, daß ich Klaviermusik durch Prokofieff schätzen lernte, das Kunstlied durch Vaughan-Williams, Ireland Britten.


    Vielleicht sollte der opernphobe Klassikliebhaber es am besten mit einem von ihm sehr geschätzten Komponisten versuchen, dessen Stil er bereits einigermaßen gut kennt und der natürlich auch Opern geschrieben hat.


    Wer also Tschaikowsky sehr schätzt, warum nicht einfach mit dem Eugen Onegin oder der Pique Dame beginnen?


    Oder Hindemithianer mit Cardillac?


    Vorausgesetzt, der bisher bekannte Personalstil ist auch in der Oper vernehmbar, gibt es vielleicht weniger Berührungsängste und mehr Kontaktfläche...


    :hello:
    Wulf

  • Mein Einsteiger war Mozart - Zauberflöte mit der Güden als Pamina, aber dann kam Verdi, noch im Theater a.d. Wien, Macht des Schicksals, Maskenball, beide mit Carla Martinis und Macbeth mit Elisabeth Höngen als Lady, komischerweise nicht Aida oder Otello (am Anfang),


    und seither kann ich mich nicht von Verdi, Puccini und den Italienern lösen.


    Bei Wagner war es der Holländer, Tannhäuser und Meistersinger,


    aber Wagnerianer wurde ich keiner,


    dafür aber


    Ariadne auf Naxos, meine erste Ariadne war Christl Goltz, aber sie war auch meine erste Senta,


    aber Richard Strauss liebe ich, Johann sowieso, mit der Güden als Rosalinde, diese Operette braucht ja Opernstimmen.


    Liebe Grüße sendet Euch aus Wien, Peter

  • Ich schrieb es ja schon andernorts - mein Einstieg, mein erster Besuch in der Oper - ich war ca. 8 Jahre alt - war Borodins Fürst Igor. Und was für einer!! War danach ob des schönen Gesangs der holden Damen bei den Polowetzer Tänzen zu Tränen gerührt.
    :hello:
    Wulf

  • Zitat

    Original von Wulf
    In einem anderen thread wurde der Rosenkavalier als Einstieg vorgeschlagen.


    Das ist, falls ernst gemeint, der bizarrste Einstiegsvorschlag, den ich je gehört habe. :rolleyes: :faint: Mal abgesehen von der Länge (und was man sonst noch gegen das Stücke sagen könnte ;)), ist das m.E. eine typische Opernliebhaber-Oper. Weitestgehend eine Hommage an Mozarts Figaro (und vielleicht noch Cosi), aber vierfach überzuckert, mit der Extra-Portion Marzipan. Die Wertschätzung dieses Stück ist so abhängig von der Kenntnis der Tradition der Gattung wie kaum eines (und die Verdammung vielleicht ebenfalls).


    :hello:


    JR (kein Rosenkavalier-Kenner, aber einmal live durchgesessen, man sollte die letzte Viertelstunde und zwei oder drei andre Highlights konzertant geben und den Rest weglassen :stumm: :D)

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Lieber Wulf aus Berlin!


    Das ist ja auch zu Tränen rührend,


    aber Fürst Igor, der war ja vor mehr als 30 Jahren nicht mehr im Repertoire der Wiener Staatsoper, ander Volksoper sowieso nicht.


    Lieb Grüße sendet Dir an dei die Spree ins schöne Berlin, Peter von der "blauen" Donau.

  • Ich habe Fürst Igor auch nur einmal gesehen.
    Damals war die Staatsoper hier zu Gast.
    Schade eigentlich ,das kein Opernhaus diese
    Oper im Spielplan hat.
    Rita

  • Lieber Johannes!


    Da bin ich Deiner Meinung- man hat letzthin in 3sat den Stummfilm


    Der Rosenkavalier, adaptiert von Richard Strauss,


    gegeben.


    Selbst da war er überlang und ich habe ihn gelöscht, obwohl ein Unikat, im wahrsten Sinn des Wortes.


    Liebe Grüße Peter aus Wien

  • Also, man kann und darf ja durchaus den ROSENKAVALIER zu lang finden (ich tue es allenfalls an sehr wenigen Stellen, die mir dennoch gefallen), aber das an dem rein instrumental begleiteten STUMMFILM festzumachen, der schon zu seiner Entstehungszeit visuell ziemlich altmodisch war, geht doch zu weit.


    Übrigens ist die von Strauss nicht nur bearbeitete, sondern in weiten Teilen unter Heranziehung von Passagen aus der Oper neu komponierte und instrumental eingerichtete Filmmusik als reines Hörstück erheblich kurzweiliger als der Film selbst. Ich beziehe mich da auf eine EMI - LP_Box mit dem Ensemble 13 Baden Baden unter Manfred Reichert, aber auch diese orchestrale Einspielung unter Marek Janowski, die ich nicht kenne, dürfte höchst empfehlenswert sein:



    Kann das jemand bestätigen?


    Aber all das ist in einem Thread für Operneinsteiger klar OT.


    Deshalb zum eigentlichen Thema: obwohl ich Strauss erheblich mehr schätze als JR, stimme ich ihm insoweit zu, als dieser für Operneinsteiger denkbar ungeeignet ist, weil er viel zu viel Vorwissen voraussetzt, und das nicht nur musikalisch, sondern auch textlich.


    Für Strauss-Einsteiger gibt es übrigens einen eigenen Thread: Richard Strauss fuer Anfaenger


    :hello: Jacques Rideamus

  • Lieber Jaques Rideamus!


    Ich habe mich vielleicht hier falsch ausgedrückt, aber der Stummfilm ist wirklich kaum zum aushalten,


    während ich selbst die Oper liebe,


    aber für Neueinsteiger ist diese Oper bestimmt nicht geeignet.


    Liebe Grüße Peter aus Wien

  • Banner Strizzi
  • In einer Familie aus lauter "Kulturbanausen" bin ich über Fernsehmusicals und meine heißgeliebten Musical- und Operettenschallplatten über diverse Fernsehoperetten und Filmopern (es war nur eine: Die Zauberflöte) das erste mal mit dem Holländer in Hamburg in der Staatsoper.
    Ohne die Fernsehreihe "Des Broadways liebstes Kind" im ZDF wäre ich nie im Leben auf Musiktheater gestossen.


    Bevor ich das erste Mal im Theater war, habe ich bestimmt 100 mal meine Fledermaus Gesamtaufnahme und meine West-Side-Story und Evita-LP gehört, alle Fernsehmusicals und diverse Opern im Fernsehen gesehen. (Damals gab es die auch mal vor 22.oo). Ich habe im Fernsehen u.a. Rheingold, die Walküre, Parsifal , Carmina Burana gesehen. Der Schritt vom Fernseher - von dem ich ja jederzeit aufstehen konnte - und meinem ersten Theaterbesuch war für mich groß.


    Deshalb glaube ich auch, dass jede Kontaktmöglichkeit mit guter Musik ein guter Einstieg in die Oper ist. Die Oper sollte gut und kurz oder zumindest spannend oder aufregend sein. Der Holländer ist sicherlich nicht kurz. Er ist aber spannend, bietet Theaterzauber und tolle Musik, die nicht schwer verständlich ist und diverse "greatest Hits" hat. Auf Nummer sicher geht man aber sicherlich mit der Zauberflöte.


    Übrigens: Auch wenn mein Einstieg auch über die Fledermaus ging, halte ich diese aber für Kinder für ungeeignet: Mir war die Story als 12jähriger zu frivol und es war mir peinlich, dass der ganze erste Akt vom Seitensprung oder zumindest vom Versuch davon handelt. "Täubchen das entflattert ist, stille mein Verlangen, Täubchen das ich oft geküsst, laß die wieder fangen..." Ich habe deshalb eine ganze Zeit mit dem 2ten Akt angefangen. Inzwischen weiß ich auch, dass es auch dort immer nur um das eine geht, aber damals hielt ich es für eine große Party. Diese Peinlichkeit hat nicht sehr lange gedauert, trotzdem bin ich davon überzeugt, dass viele Opern (und Operetten) solche Szenen haben, die junge Menschen abschrecken können.

  • Zitat

    original JL
    "Täubchen das entflattert ist, stille mein Verlangen, Täubchen das ich oft geküsst, laß die wieder fangen..." Ich habe deshalb eine ganze Zeit mit dem 2ten Akt angefangen. Inzwischen weiß ich auch, dass es auch dort immer nur um das eine geht, aber damals hielt ich es für eine große Party. Diese Peinlichkeit hat nicht sehr lange gedauert, trotzdem bin ich davon überzeugt, dass viele Opern (und Operetten) solche Szenen haben, die junge Menschen abschrecken können.


    Interessante Aussage! Ehrlich gesagt habe ich über diesen Aspekt noch nie nachgedacht, da ich als "Spätstarterin" aus dem Alter raus war, dass ich von solchen "frivolen" Inhalten mich hätte abschrecken lassen. Ich denke aber, dass Du zum Teil Recht haben könntest. Schließlich wird den Kindern in einer Ehe mit Vater und Mutter beigebracht, dass diese zueinander halten sollen und müssen. Es ist im Großen und Ganzen mit den Inhalten der Opern und Operetten diesbezüglich nicht anders als im normalen Leben. Nicht alles wird und soll von Kindern verstanden werden. Natürlich ist es um so wichtiger, Einstiegsopern für Kinder auszuwählen, mit deren Inhalt sich diese auch indentifizieren bzw. den sie verstehen können. Ich glaube auch, dass die Zauberflöte ein guter Einstieg ist. Es gibt einen mutigen Helden, einen fröhlichen Freund und ein gutes Ende.


    Ich habe mich entschieden meinen kleinen Neffen nicht als Erstkontakt mit einer Oper sondern mit "Peter und der Wolf" zu beglücken. Bin gespannt, wie er darauf reagiert.


    LG


    Maggie

  • Zitat

    Original von JL
    Übrigens: Auch wenn mein Einstieg auch über die Fledermaus ging, halte ich diese aber für Kinder für ungeeignet: Mir war die Story als 12jähriger zu frivol und es war mir peinlich, dass der ganze erste Akt vom Seitensprung oder zumindest vom Versuch davon handelt. "Täubchen das entflattert ist, stille mein Verlangen, Täubchen das ich oft geküsst, laß die wieder fangen..." Ich habe deshalb eine ganze Zeit mit dem 2ten Akt angefangen. Inzwischen weiß ich auch, dass es auch dort immer nur um das eine geht, aber damals hielt ich es für eine große Party. Diese Peinlichkeit hat nicht sehr lange gedauert, trotzdem bin ich davon überzeugt, dass viele Opern (und Operetten) solche Szenen haben, die junge Menschen abschrecken können.


    Nun, da kenne ich mindestens einen Pubertierenden, der sich durch solche Dinge beileibe nicht hat abschrecken lassen. Im Gegenteil! Deshalb fand ich zum Beispiel die SALOME schon sehr früh besonders faszinierend. Trotzdem würde ich die nicht Einsteigern empfehlen. Auch bei mir kam sie erst, als ich schon fest am Angelhaken der Oper hing.


    Ich möchte aber an einen meiner frühesten Einträge hier erinnern, nämlich den vom 27.7.07, und nach wie vor behaupten, dass vielen der Zugang über den Humor (und die Verständlichkeit von Musik und Text) zwischen Rossini und Offenbach bis hin zu CANDIDE oder starke Emotionen wie bei der WEST SIDE STORY oder, um bei der Oper zu bleiben, RIGOLETTO oder auch den FREISCHÜTZ besonders leicht fallen dürfte.


    Wer immer hier aber gesagt hat, dass es weniger auf das Was als auf das Wie ankommt, hat wahrscheinlich am universellsten Recht. Eine packend inszenierte TURANDOT macht sicher mehr Lust auf Weiteres als eine 08/15 - Vorstellung von ZAR UND ZIMMERMANN.


    @ Maggie: PETER UND DER WOLF oder auch der KARNEVAL DER TIERE sind in der Tat für Kleinere ein idealer Einstieg, denn die lieben Lautmalerei, und die Stücke sind auch nicht zu lang. Überhaupt sind gut erklärte Konzerte sehr zu empfehlen, etwa die hier:



    Wer die mag, für den ist die Oper gleich nur noch halb so schwer zugänglich, weil er schon gute Sprachkenntnisse hat.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Meine Nichte hat eigentlich den Einstieg zur Oper, weder in der Zauberflöte noch im Zar und Zimmermann, (auch den 1. Besuch der Wiener Staatsoper, für meine Nichte),


    sondern in einem Ballett gehabt, und hier meine ich:


    Die Puppenfee von Josef Bayer


    das war am 4. März 1984, und es hat ihr genauso viel Spass, wie mir gemacht.


    Denn ehrlich, die Erwachsenen, benutzen ihre Kinder doch oft als Ausrede, um dieses entzückende Werk zu sehen - und zu hören!


    Liebe Grüße Peter, aus Wien.


    :jubel: :jubel: :jubel: