Oper für Einsteiger - Beratung

  • Zitat

    Original von Fairy Queen


    Ich kenne auch recht viele echte Musikfreunde, die Operngesang erstmal als Geschrei und eine Art unterschwelliger Geräuschbelästigung empfinden.
    Fairy Queen :angel:


    Geschrei als unterschwellige Geräuschbelästigung?


    Diese Musikfreunde sollten vielleicht zu ihrer Affinität zu Beethoven stehen und sich entweder ein Hörgerät anschaffen oder den Lautstärkeregler nutzen.


    :hahahaha:


    Ansonsten ein wunderbar anschaulicher und völlig zu Recht differenzierender Beitrag, liebe Feenkönigin.


    :D Magister Rideamus

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Mein Mann, mit dem ich ja regelmässig die Oper besuche, ist ebenfalls eigentlich kein Opernfreak sondern liebt vor allem Instrumentalmusik. Er ist zwar offen und immer neugierig für Alles, was gespielt wird, aber da ist ganz klar, dass Rideamus auch in diesem Fall in Sachen wie Freischütz und Lortzing Recht hat: totales Unverständnis für die verstaubten Libretti.


    Liebe Titania,


    Kann es ein, daß Dein Gatte die Deutsche Sprache nicht so beherrscht wie Du?
    Ich finde Lortzing einen wunderbaren Librettist und genieße von seinen Libretti. Ja, die Libretti seiner Opern schätze ich fast noch mehr als die Musik. Und die mag ich schon so gerne.


    LG, Paul

  • Caro Maestro, dass kommt davon, wenn Sonnambule mitten in der Nacht Beiträge schreiben. :untertauch:
    Unterschwellig war nciht auf die Lautstärke sondern auf die "böseAbsicht" bezogen. Das versteht aber ein echter Opernfreundwie du und ich kaum. :no:
    Man geht mit erheblicher Skepsis an eine Sache ran und sieht sie zunächst mal als unterschwellige Belästigung an. Bis eben der Gegenbeweis erbracht ist. So wie ich , falls ich mich zufällig in der Elektra wiederfinde, obschon ich dachte, es werde Händels Alcina gespielt.
    Capito? ?(
    Bonne nuit :angel:

  • FQ,


    Deine Tochter kann ich verstehen... ;-)


    Also: Oper ist eine der am weitesten entwickelten Kulturformen (Darreichungsformen) der Musik, denn es umfaßt alle Dinge (Musik, Thema (Plot), und auch die Aufführung), und ist jedesmal live (und insofern etwas anderes al z.B. Branagh's Filme).


    Daher würde ich auch bei der Auswahl der ersten Oper immer auf das "Ambiente" und "wer ist dabei", "wie wurde 'vorbereitet'" achten...


    Ich habe einen Vater, der Deutsch- und Musiklehrer war. Mein Bruder lehnte und lehnt klassische Musik bis heute ab, ich liebe sie, und höre sie fast ausschließlich. Liebe zu oder "gegen" (also "Abneigung";) ) hat also was mit Sozialisation zu tun (s.o.).


    Ich selbst kam zur Oper über (könnt Ihr auch im Operrätsel-Thread nachlesen): Freischütz (da muß ich so 8 gewesen sein), Zauberflöte (oder war es andersrum?)... Und dann kam erstmal wieder nur Musik, primär Mahler (wegen des Films "Tod in Venedig";) ). Parallel dazu schwärmte ich für Sinatra (mein Bruder kotze! Er hörte Prince, und heute weiß ich, wie genial "Purple Rain" als Album ist! Da war mir mein Bruder meilenweit voraus!).


    Nun ist Mahler ja schon fast das "Ende" der Klassik, somit also sehr fortgeschritten, was die Komplexität betrifft, und dann kam für mich Wagner (fragt mich bitte nicht, welche Opern in welcher Reihenfolge, ich lag auf dem Sofa im Arbeitszimmer meines Vaters, mit Kopfhörern auf den Ohren, und den Klavierauszügen in der Hand. Es mag gut sein, daß ich damals als erste Wagner Opern die Chereau/Boulez Live-Übertragungen aus Bayreuth gehört habe, ich bin mir sogar fast sicher, daß es die waren... Kein Bild, nur den Text, die Noten, und glasklare Übertragung der Musik. Ich habe mich damals in den "Wanderer"/"Wotan" verliebt (Donald McIntyre)... Gesehen habe ich diese Opern alle erst viel später (in einem anderen Thread fragte mal hier jemand, ob es Live-Übertragung im Fernsehen aus Bayreuth gab: Ja, gab es in den Achtzigern, sogar parallel mit Stereoton im Radio!)...


    Während der Pubertät hatten wir dann zusammen (Klassenkameraden und mein Bruder und ich) ein sog. Jugendtheaterabo in Wiesbaden, da waren pro Saison 10 Eintritte, wir wählten die Version mit mehr Theater, und weniger Oper und noch weniger Ballett (6/3/1 war das Mischverhältnis), und so haben wir ebenfalls einiges gesehen.


    Mein größtes Erlebnis war dann 1987 während des Studiums der Mathematik mit Schwerpunkt Informatik die letzte Gesamtaufführung des Rings der Nibelungen in der Ruth Berghaus Inszenierung in Frankfurt.


    Danach hatte ich dann gelegentlich hier in Darmstadt Theater-Abos, leider gibt es hier keine "gemischten" Abos... So war der Besuch der Oper eher selten (meine Ex-Frau liebte das nicht! ("Ich weiß nicht, was Du an dem Geschreie findest..." ) ).


    Jetzt gehe ich wieder öfter, aber selektiv...


    Was also ist wichtig: Ich denke, es muß "zum Musikgeschmack" passen, und zur Art und Weise, wie man empfindet (und wie man selbst zur "Musik" kam). Für mich ist Oper die beste Verbindung von Emotionalität und Intellektualität, denn, wie schon gesagt, Oper ist "künstlich", also "gebaut". Und das erschließt sich nicht "einfach so", das muß, auch wenn es schwer fällt, "erarbeitet" werden, und braucht damit also "Lehrmittel". Für jemanden, der keine Noten lesen kann, klappt es also nicht, sich über den Klavierauszug daran zu machen. Da muß dann schon ein Opernführer her (Rideamus nannte ja welche, ich kenne die nicht, leider), und dann der Wunsch und Wille, sich damit auseinanderzusetzen, gegebenenfalls auch mehrfach!


    Manche kommen vielleicht über Bregenz (OpenAir) oder Verona zur Oper, andere über den Komponisten (weil sich schon Konzerte oder Sinfonien vom gleichen "Autor" kennen...)...


    Wie man sieht, der Zugang kann extrem unterschiedlich sein.


    Meine Lebensgefährtin und ich hören uns (auch, weil es mir Freude macht!) vor Wagner Oper-Besuchen immer die Besprechungen von Stefan Mickisch (http://www.mickisch.de/) an, das ist intelligent, und stellt nicht nur die Handlung, sondern auch die ausgefuchste Motivik vor, und bleibt bei allem kritisch... ;-)


    OK, nun mache ich hier mal Schluß, ich denke, es ist klar, der Zugang ist nicht so einfach, und er ist so unterschiedlich, wie wir individuell sind...


    Matthias

  • Lieber Paul, das spielt gewiss eine grosse Rolle.
    Gerade wenn es um komische Opern geht, ist die Beherrschung der Sprache absolut notwendig, Operetten werden hier auch immmer in frz. übersetzt!
    Allerdings ist der Freischütz ja nun keine komische Oper und der stiess noch vor ganz kurzer Zeit trotz einiger wriklich schön empfundener Stellen insgesamt auch nciht auf Wohlwollen. Den Lortzing hat mein Mann noch nciht auf der Bühne erlebt, aber ich habe mir in letzter Zeit zur "Weiterbildung" etlicihe Ariensammlungen deutschen Oper ( z.B. auch aus Zar und Zimmermann und Waffenschmied (von Rita Strecih gesungen!!!!! :yes: :hello:) angehört und wurde aufgefordert das bitte in seiner Abwesenheit zu tun...... War also nix........
    Vielleciht ist deise Art deutscher Oper für NIcht-Deutsche doch sehr speziell??????? ?(
    Denn die Zauberflöte etwa verursacht solche Probleme ja nciht und auch ohne italienische Sprachkenntnisse: Da Ponte Opern oder Verdi auch nciht.
    E strano......
    Bonne nuit

  • @Rideamus:


    Zitat

    Das ist von der Musik her trotz manch animierender Exotik nicht unbedingt eine Einsteigeroper, denke ich. Ich glaube nicht, dass das mit der WALKÜRE ähnlich gut funktioniert hätte.


    Doch, das glaube ich schon. Inhaltlich paßt es heute ja zu Harry Potter (OK, "inhaltlich", ich meine "Themenmäßig" kann man es da hin biegen...) Und wenn Du den großen Bogen spannst (und Deine Kinder Auguste Lechner gelesen haben, die die Märchen und Sagenwelt sehr "umgänglich" erzählt hat), dann kann das bestimmt klappen!


    Meine Lebensgefährtin und ich haben nun zusammen von Wagner gesehen (in den letzten 1,25 Jahren):


    Parsifal (Frankfurt), Lohengrin (Baden-Baden), Tannhäuser (Frankfurt), Holländer (Darmstadt), Tristan (Hamburg), am besten (und sie hatte gar keinen Zugang bisher zu Wagner, wir nutzen Mickisch und gelegentlich Videos oder DVDs zur Vorbereitung, machmal auch nur CDs!) gefielen ihr der Tannhäuser und Parsifal. Ich gebe ja zu, daß mit der letzten Oper von Wagner (Parsifal) anzufangen ein Wagnis ist, aber es klappt! ("In fernem Land, unnahbar euren Schritten...", aber auch das Vorspiel sind einfach "nur schön" . Das Vorspiel zu Parsifal ist nach meiner Meinung das Beste, was Wagner gemacht hat.)


    Matthias

  • Lieber Pfuetz, und ich dachte schon, Wotan hätte nur mich gestraft..... :wacky:
    Sehr beruhigend, dass es Anderen nciht besser geht...... :D


    F.Q. :angel:


    Übrigens muss ich etwa zur gleichen Zeit wie Du in Frankfrut im Berghaus-Ring gesesssen haben. Freiwilliig und begeistert. Daher habe ich durchaus Verständnis für meine Jung-Wagnerianerin . :yes:

  • Zitat

    Original von Rideamus
    Aber wenn ich richtig erinnere, gilt dieser Strang hier vornehmlich Leuten, die Opernempfehlungen zum Einsteigen suchen, als Hinweisen, mit welchen "didaktischen" Methoden man das am besten erleichtert. Das wäre allerdings ein sehr guter eigener Thread, wenn es ihn noch nicht gibt.


    Lieber Rideamus,
    ich glaube auch, dass Du Dich richtig erinnerst ;)
    Ich glaube aber nicht, dass man die Frage so strikt beantworten kann, weil ich nicht glaube, dass der Einstieg von der Wahl der Oper abhängt. Da spielen viele andere Faktoren rein.
    Ich würde z.B. nie jemandem die Zauberflöte empfehlen, weil mir andere Mozartopern viel näher sind, oder eine deutsche Spieloper, weil die mir nichts sagen. Ich hätte aber kein Problem, einen Opernanfänger in Tannhäuser mitzunehmen, weil dies auch eine meiner "frühen" Opern war und meiner Meinung nach jeder schon nach der Ouvertüre dem Stück verfallen sein müsste.


    Gruß
    Rosenkavalier

  • Zitat

    Rosenkavalier schreibt:


    Ich hätte aber kein Problem, einen Opernanfänger in Tannhäuser mitzunehmen, weil dies auch eine meiner "frühen" Opern war und meiner Meinung nach jeder schon nach der Ouvertüre dem Stück verfallen sein müsste.


    Dem kann ich nur zustimmen! Egal ob Dresdner oder Pariser Version... ;-)


    Matthias

  • Zitat

    Original von Rosenkavalier
    Ich glaube aber nicht, dass man die Frage so strikt beantworten kann, weil ich nicht glaube, dass der Einstieg von der Wahl der Oper abhängt. Da spielen viele andere Faktoren rein.


    Lieber Rosenkavalier,


    vielen Dank für den Hinweis, damit kommen wir langsam auf der Basisstation an ...


    Es ist doch - wie bei jeder Musik - eine sehr individuelle und überhaupt nicht zu verallgemeinernde Frage. Außer vom Alter (und damit verbunden von den Erfahrungen) hängt die Beantwortung von den anderen Vorlieben dessen ab, der den Einstieg sucht. Bei Kindern mag Spaß- und Märchenhaftes vermittelt über die Person des Federmenschen ja ankommen. Bei mir war einer der Einstiege übrigens meine Lektüre von Tirso da Molina, von dem aus ich zu Mozarts "Don Giovanni" kam, eine Oper, die mich so begeisterte, dass ich sie mit der Zeit auswendig konnte (ich hatte die Einspielung unter Elmendorff in deutscher Sprache). So könnte man auch zum "Wozzeck" von Berg kommen (kein schlechter Einstieg für einen Büchner-Verehrer). Man kann also die Frage - um hier nicht gleich wieder ausführlich zu werden - eigentlich nur konkret für eine Person beantworten, die den Einstieg sucht. Und von dieser Person braucht man einige Informationen.


    Stattdessen kann man natürlich sehr instruktiv berichten, wie bei einem selbst diese verschlingende Leidenschaft begann ... bei mir war es eine TV-Übertragung des Don Giovanni.


    Liebe Grüße Peter

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  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Lieber Paul, das spielt gewiss eine grosse Rolle.
    Gerade wenn es um komische Opern geht, ist die Beherrschung der Sprache absolut notwendig, Operetten werden hier auch immmer in frz. übersetzt!
    Allerdings ist der Freischütz ja nun keine komische Oper und der stiess noch vor ganz kurzer Zeit trotz einiger wriklich schön empfundener Stellen insgesamt auch nciht auf Wohlwollen. Den Lortzing hat mein Mann noch nciht auf der Bühne erlebt, aber ich habe mir in letzter Zeit zur "Weiterbildung" etlicihe Ariensammlungen deutschen Oper ( z.B. auch aus Zar und Zimmermann und Waffenschmied (von Rita Strecih gesungen!!!!! :yes: :hello:) angehört und wurde aufgefordert das bitte in seiner Abwesenheit zu tun...... War also nix........
    Vielleciht ist deise Art deutscher Oper für NIcht-Deutsche doch sehr speziell??????? ?(


    Das ist m.E weniger der Grund. Ich würde niemanden unter 50 versuchen, mit Lortzing zur Oper zu bringen. Wie von anderen schon gesagt, Entführung, Zauberflöte und Freischütz sind vom libretto her heikel genug, dramatisch und musikalisch aber eine ganz andere Liga. Lortzings Musik ist ungefähr "Mozart + Weber light" und der Humor wirkt heute verdammt altfränkisch, auch wenn er seinerzeit vormärzlich streitbar gewesen sein mag. Es ist keine mafiöse Verschwörung, dass diese Sachen kaum mehr auf der Bühne zu sehen sind...


    Es ist aber, wie auch schon hervorgehoben wurde, essentiell, woher der Neuling kommt. Ich neige ebenfalls dazu, dass wir als altgediente Musikfreunde die Rolle der Musik überschätzen. Es muß eine nachvollziehbare packende Handlung dabei sein, der Gesamteindruck muß stimmen. Geschmacklich fragwürdige Sex&Crime-Sachen wie Rigoletto, Trovatore oder Tosca scheinen mir hervorragend geeignet.
    Mozarts DaPonte-Opern wegen ihrer Länge und Komplexität nur bedingt, in lebendigen, witzigen Inszenierungen vielleicht. Zauberflöte & Entführung wirken dagegen schnell kindisch; es kommt auf die Darbietung an.
    Fidelio ja, Holländer evtl., von Tannhäuser, mit dem m.E. schmonzigsten Sujet aller Wagner-Opern würde ich dringend abraten.
    Eher die Sinnlichkeit und exotische Atmosphäre von Turandot oder Salome.


    Barockopern sind gewiß eine spezielle Sache. Sie könnten aber gerade für jemanden, der die Klischees der ital. Oper des 19 Jhds. ablehnt (it ain't over till the fat lady sings), eine Möglichkeit sein, bei entsprechender Inszenierung.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo zusammen,


    es kommt jeweils auf den Einzelfall an, welche Oper man wem als Einstiegsdroge zumuten kann.
    Meine Erfahrung reicht da von Hänsel und Gretel (8-jähriger Sohn) bis zu Tristan und Isolde, welche ich mit meinem 17-jährigen Neffen besucht habe und was einen nachhaltigen Eindruck bei ihm hinterlassen hat.
    Meine erste Oper war Die Zauberflöte mit 12 J. und ich finde sie auch heute noch nicht kitschig, obwohl ich sie schon ca.10 mal in der Oper gesehen und über 100 mal auf LP und CD gehört habe.
    Lortzing, Flotow und Nicolai für Jugendliche finde ich gut zum Schnuppern.
    Als Heranführung ins Italienische Fach scheint mir Il Barbiere di Siviglia oder auch La Bohème sehr gut geeignet.


    Doch Klassik besteht nicht nur aus Opern.
    Einen Serenadenabend zu besuchen oder ein Jugendorchester musizierend zu erleben kann oft die Initialzündung für eigene musikalische Aktivitäten werden. Und zu musizieren ist eine der sinnvollsten Freizeitbeschäftigungen nicht nur für Jugendliche.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von Siegfried
    Hallo zusammen,


    es kommt jeweils auf den Einzelfall an, welche Oper man wem als Einstiegsdroge zumuten kann.


    Doch Klassik besteht nicht nur aus Opern.
    Einen Serenadenabend zu besuchen oder ein Jugendorchester musizierend zu erleben kann oft die Initialzündung für eigene musikalische Aktivitäten werden. Und zu musizieren ist eine der sinnvollsten Freizeitbeschäftigungen nicht nur für Jugendliche.


    Lieber Siegfried,


    das hast Du sehr schön auf den Punkt gebracht.


    Ich hatte als Jugendliche die Gelegenheit, regelmässig in Sinfoniekonzerte zu gehen, mit Opern wurde ich nicht recht warm.


    Meine allererste Oper war eine Schüleraufführung von Bastien und Bastienne - und das fand ich sehr langweilig - im Gegensatz zu einer Lp mit der Zauberflöte, die mich sehr faszinierte. Aber den Rundgang durch die Welt der Oper im Musik Lk fand ich schrecklich - wir mussten einen Nachmittag extra antanzen, um die Meistersinger zu hören und mitzulesen... ich erinnere mich nur an widerwilliges Blättern in einem dicken Wälzer.
    Ich selbst habe erst mit dem Entdecken der Stimme auch die Oper für mich entdeckt - erzwingen kann man da m.E. nach nichts.


    Meinen Sohn habe ich dann mit 6 oder 7 Jahren in Hänsel und Gretel gezerrt - das war leider vergebliche Liebesmüh. Doch etliche Jahre später begleitete er im Zusammenhang mit der Betreuung eines behinderten jungen Mannes diesen mehrfach in die Oper - und er, der sich immer verweigert hatte, erzählte stolz, dass es ihm sogar gefallen hatte.


    Meine Töchter mussten ab und an ihren beruflich verhinderten Vater im Abonnement "ersetzen" - die jüngere hat beispielsweise den Grossteil des Barbiere de Seviglia verschlafen - während sie andere Werke aufmerksam verfolgte. Besonders gut kamen bei beiden Töchtern in den letzten Jahren Besuche der ganzen Familie in der Opera Comique (bei Meister Savary) an - ob La Vie Parisienne oder à la Recherche de Josephine - sie waren begeistert, während sie bei La Traviata in der Bastille sehnsüchtig das Ende erwarteten.
    Selbst eine zeitgenössische Produktion - ein Ballett um die kleine Tänzerin von Degas, das von der Pariser Oper in Auftrag gegeben wurde, haben sie "durchgestanden". Allerdings fanden sie die Musik nicht so toll, das Geschehen auf der Bühne aber spannend.
    Beide Mädchen musizieren und tanzen - und werden die Liebe zu den Künsten hoffentlich eines Tages weitertragen.


    Ich schliesse mich der Ansicht an, dass es auf den Einzelfall ankommt.


    Es grüsst LaCastafiore

  • Ja, und gerade weil es auf den Einzelfall ankommt, finde ich den Ansatz, von PERSÖNLICHEN Erfahrungen hier zu berichten, wesentlich fruchtbarer, als irgendwelche Opern wie z.B. Freischütz oder Zauberflöte als einstiegsgeeignet oder nciht anzubringen.
    Wie hier gesehn, haben die unterschiedlichsten Menschen unterschiedlichste Zugänge. Abgesehen davon kann ich mich Herrn J.R.im Punkte Bedeutung der Handlung- nur anschliessen. Das habe ich ja selbst im Hinblick auf meine Famlilie genau so erlebt.
    Und das "Altfränkische" an Lortzing oder Freischütz oder Meistersingern ist aber dann für Ausländer, auch über 50, noch viel schwieriger zu verstehen als für deutsche Eingeborene scheint mir.


    und was die Länge einer Oper angeht, sehe ich darin nciht das Problem: wenn eine Sache fesselt, verfliegt die Zeit in Windeseile. Ansosnten werden Minuten zur gähnenden Ewigkeit. :yes:


    Fairy Queen

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Und das "Altfränkische" an Lortzing oder Freischütz oder Meistersingern ist aber dann für Ausländer, auch über 50, noch viel schwieriger zu verstehen als für deutsche Eingeborene scheint mir.


    Danke. :D
    Oder bin ich ja eine Ausnahme. ?(


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Und das "Altfränkische" an Lortzing oder Freischütz oder Meistersingern ist aber dann für Ausländer, auch über 50, noch viel schwieriger zu verstehen als für deutsche Eingeborene scheint mir.


    Gilt das sinngemäß auch für Eingeborene aus anderen Ländern ?

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo zusammen,


    wie die meisten von euch wissen, beschäftige ich mich noch nicht allzulange mit der Klassik im Allgemeinen und mit der Oper im Besonderen.


    Ich brachte es fertig, einen glatten Fehlstart hinzulegen, nämlich mit "Salome". Ich habe es immer wieder versucht mir diese Oper anzueignen, aber erfolglos.


    Also kaufte ich mir die Klassiker der Oper schlechthin, nämlich "Die Fauberflöte", "Die Hochzeit des Figaro", "Don Giovanni" alles auf deutsch und siehe da der Einstieg war gemacht.


    Meine erste nicht deutschsprachige Oper war "Les Huguenots". Auch dieser Einstieg ist mir gelungen, wenn auch etwas holpriger, da ich ohne Libretto klar kommen musste. Aber zum Glück gibt es bei Tamino einen Opernforum mit einem Opernführer, siehe hier.


    Soviel zu meinen persönlichen Erstkontakten.


    LG


    Maggie

  • Lieber Paul, du bist KEIN deutscher Eingeborener , aber ÜBER 50 und liebst und verstehst Lortzing und überhaupt die deutsche SpielOper und Operette. Also würde ich mal sagen, Du bist eine 75% Ausnahme. :D
    Ansonsten bist Du natürlich 100% exzeptionell und Dein Kuchen ging heute mit der Post einmal quer durch Flandern über zwei Staatsgrenzen! :hello:


    Lieber Siegfried , wer in Deutschland EIN-geboren ist, kann es wohl schlecht anderswo auch noch sein.......nur solche doppelgenmanipulierten Bi und Tri-nationalen wie ich vielleciht. ?(
    Und da Du Deutscher und offenbar auch über 50 bist, bist du im Sinne von J.R. sowieso keine Ausnahme, sondern TOTAL normal =)


    Liebe Maggie, bei Salomé hat mich immerhin die Story so fasziniert, dass mir das Theaterstüc kvon Oscar Wilde ganz ohne Musik vollkommen ausreicht. ;) Und die Hugenotten als Start in ausländische Oper finde schon sehr beachtlich! :jubel:
    F.Q.

  • Hallo Theophilus und Rideamus,


    Zitat

    Zitat von Theophilus: Und nein, der Trovatore hat kein wirres Libretto! ;)


    Zitat

    Zitat von Rideamus: Ich habe das LIbretto aber gar nicht als wirr bezeichnet, denn mit etwas gutem Willen kann man sogar den roten Faden finden



    mea culpa, ich habe leider versäumt, das "wirre" Libretto in Anführungszeichen zu setzen und einen ;) dahinter zu schieben.
    Der Trovatore war meine Einstiegsoper, weil ich eines Sängers wegen
    zur Oper gelangt bin; vorher mochte ich zwar klassische Musik, aber eher Instrumentalaufnahmen. (Oper zu mögen galt in den 70ern unter Jugendlichen als mega-schräg).Und unter den ersten Björling-Aufnahmen, die ich gehört habe, waren Ausschnitte aus dem Trovatore, die mich damals als 14-jähriges Küken am meisten begeistert haben.
    Ich bin auch durch das Libretto "durchgestiegen", habe aber gerade bei Opern-Neulingen öfter Klagen über "diese wirre Geschichte" gehört.
    Leider wird diese Oper auch heute noch manchmal in Aufführungen mit sehr viel Folklore-Klimbim-Dämonie ausgestattet und gerät dadurch fast zur Parodie. Und eine solche sollte man den Marx-Brothers überlassen; über "One night at the opera" kann auch ich als Trovatore-Fan immer wieder lachen.


    LG, Petra

  • Zitat

    Original von petra
    ... eine solche (Opernparodie) sollte man den Marx-Brothers überlassen; über "One night at the opera" kann auch ich als Trovatore-Fan immer wieder lachen.


    LG, Petra


    Ein toller Hinweis für alle Opernfreunde!!!


    Für Einsteiger eher nicht, denn das könnte sie in ihren Vorurteilen bestätigen. Ich habe übrigens vor, demnächst mal einen Thread über Opern- und Operettenfilme zu starten. Fast alles, was darin empfohlen wird, ist für Einsteiger wahrscheinlich empfehlenswert, denn die guten ziehen jeden in Bann, solange die Geschichte stimmt.


    So hat mich als junger Spund nicht zuletzt ein alter Gino Lollobrigida-Film - er hieß DIE SCHÖNSTE FRAU DER WELT - in dem sie als Sängerin Lina Cavalieri die Geliebte des Zarenneffen (Vittorio Gassmann) spielt und nicht nur die TOSCA singt, sondern auch deren Schicksal samt erschossenem Liebhaber nacherleben muss, nicht wenig für die Oper eingenommen. In dem Alter kommt es wirklich auf die Geschichte an. Wenn die stimmt, will man meist gerne mehr über die Musik wissen - und schon hängt man am Haken, wenn man überhaupt einen Sinn dafür hat.


    Weiß jemand eigentlich, wer ihr da ihre Stimme geliehen hat? Die des Tenors war Mario del Monaco,aber nicht einmal IMDB (die unentbehrliche Motion Picture Data Base) verrät die viel wichtigere Sängerin.


    :hello: Rideamus

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  • Hallo Rideamus,


    da ich einmal einen italienischen Tosca-Film gesehen habe, bei dem Mafalda Favero der Protagonistin die Stimme "geliehen" hatte, hat mich auch interessiert, wer in dem Film mit der Lollo (den ich allerdings nicht kenne), gesungen hat.
    Beim Googeln fand ich heraus, dass die Gina selbst eine Arie gesungen haben soll ?(?(?(


    :hello: Petra

  • Zitat

    Original von petra
    Hallo Rideamus,


    da ich einmal einen italienischen Tosca-Film gesehen habe, bei dem Mafalda Favero der Protagonistin die Stimme "geliehen" hatte, hat mich auch interessiert, wer in dem Film mit der Lollo (den ich allerdings nicht kenne), gesungen hat.
    Beim Googeln fand ich heraus, dass die Gina selbst eine Arie gesungen haben soll ?(?(?(


    :hello: Petra


    Hallo Petra


    das halte ich für eine von "Gina Nazionales" PR-Agenten lanciertes Gerücht, dem die credits nicht widersprechen wollten/durften. Der Film (Originaltitel: LA DONNE PIÙ BELLA DEL MONDO) stammt aus dem Jahre 1956, als, von einigen Neorealisten abgesehen, in Italien JEDER Film voll nachsynchronisiert wurde, weil man selbst in Cinecittá den Straßenlärm nicht befriedigend abschotten konnte. Die Vorstellung, dass die Lollobrigida selbst "Vissi d'arte" sang übersteigt nicht nur mein Vorstellungsvermögen, sondern überfordert auch mein damals schon durchaus entwickeltes musikalisches Gehör. Der Film war ja nicht meine erste Begegnung mit der Oper. Hätte sie das wirklich gekonnt, wären mehr Gesangsleistungen von ihr bekannt. Leider ist es Jahrzehnte her, dass ich den Film gesehen habe, und es gibt ihn auf DVD meines Wissens (noch) nicht. Schade, ich würde ihn gerne noch einmal sehen, vor allem die wohl von Hitchcocks DER MANN, DER ZUVIEL WUSSTE, "entliehene" Szene, in welcher der Schurke aus einer Loge den Tenor erschießt, während Angelotti auf offener Bühne der Platzpatronensalve erliegt. Eine geniale Adaption der Tosca ins "richtige Leben".


    Man bedenke allein die vielen Täuschungsebenen in einer einzigen Sequenz:
    1. ein Tenor wird standrechtlich erschossen, aber natürlich nicht wirklich, denn kein Darsteller würde sich dafür hergeben.
    2. der Tenor wird nur scheinbar erschossen - denkt Tosca
    3. der Tenor wird zum Entsetzen Toscas wirklich erschossen (eine Schleife zu Nr. 1)
    4. der Darsteller des Tenors, der zum Schein erschossen werden soll, wird wirklich erschossen, nicht nur zum Entsetzen Toscas, sondern auch zum Entsetzen von Lina Cavalieri, der angeblichen
    der Sängerin der Tosca, dargestellt von Gina Lollobrigida.
    5. Das Theaterpublikum im Film merkt erst, dass etwas nicht in Ordnung ist, als Tosca NICHT von der Engelsburg springt und damit einen weiteren vorgtäuschten Todesfall vermeidet.


    Und das alles zu der herrlichen Musik, die alle Ebenen perfekt abdeckt.


    Das kann, und damit wären wir beim Ausgangspunkt dieses Threads, NUR die Oper


    :hello: Rideamus

  • Gefunden im italienischen Filmlexikon


    La donna più bella del mondo (Die schönste Frau der Welt)


    Ein Film von Robert Z. Leonard. Mit Vittorio Gassman, Gina Lollobrigida, Robert Alda, Tamara Lees, Gino Sinimberghi, Nanda Primavera, Enrico Glori, Nico Pepe, Enzo Biliotti, Loris Gizzi, Piero Palermini, Adriana Facchetti, Marco Tulli, Peter Trent, Rolf Tasna, Luciana Paoli, Valeria Fabrizi, Anne Vernon, Mimo Billi, Nino Milano, Guido Riccioli. Typ biographisch, in Farbe 104 Minuten. – Produktion Italien 1955.
    Spielt in Trastevere am Palast des Zaren: Leben, Liebschaften und Abenteuer der Lina Cavalieri (1874-1944), Schauspielerin und Sängerin der Belle époque. Der Film ist eine Reihe bunter Bilder gespielt von der Lollo, die selbst einige Arien aus der Tosca singt, die tanzt, mit dem Rad fährt, fechtet und anderes mehr. Das Drehbuch stammt großteils von 7 Bühnenbildnern unter der Leitung des Regieassistenten von Leonard (1889-1968 ), Piero Pierotti. Die Stimme des Schauspielers Gassman ist die von Enrico Maria Salerno. Dieser Film war in Italien in der Filmsaison 1955-56 der erfolgreichste.


    LG Micha

  • Zitat

    Original von Michael
    Der Film ist eine Reihe bunter Bilder gespielt von der Lollo, die selbst einige Arien aus der Tosca singt, die tanzt, mit dem Rad fährt, fechtet und anderes mehr.
    LG Micha


    Danke für diesen nützlichen Hinweis. Die Legende mit dem Selbst-Singen, deren Verbreitung in den Fanzeitschriften damals gang und gäbe war und in Varianten bis heute gerne gepflegt wird, glaube ich trotzdem nicht. Schon das Absingen "einiger Arien aus der Tosca" hätte sich bei der Quellenlage nicht leicht bewerkstelligen lassen und hätte zudem den Erfolg des Films sogar in Italien gemindert.


    Hilft alles nichts: der Film muss her!


    :D Rideamus

  • Das scheint mir auch so- das muss ja wirklich eine Turbo-Story sein!
    Und dann die Lollobrigida- Schwarm aller Kate-Moss resistenten Kurvenliebhaber...... :D


    Kann man den denn nciht in Italien auftreiben? Michael ist vor Ort und ich kann Ende August mich auch mal umsehen. Allerdings visiere ich diesmal eher toskansiche Landgüter und comaskische Bergnester und weniger grosse Städte an.
    Kann es sein, dass der Name Cavalieri sowas wie ein Markenzeichen grosser italiensicher Diven ist? ?(
    Caterina Cavalieri, Primadonna zu Mozarts Zeiten und Erzrivalin von Alyosia Lange hatte wohl auch ein wildbewegtes Leben. Immerhin haben sie und Aloysia si h dann doch so gut verstanden, dass sie die erste Madame Herz und Madame Silberklang im Schauspieldirektor waren, ohne sich gegenseitig umzubringen. Deises Stück hat Mozart ihnen nciht nur in die Nachtigallengurgeln komponiert sondern sogar ihrer beider Rivalität zum Thema gemacht. Wenn sie sich da auf der Bühne geprügelt haben, war das wie im genannten Tosca-Film: fast wie im richtigen Leben!


    Wie hat Oscar Wilde wo wunderbazr gesagt: Nicht die Kunst ahmt das Leben nach sondern das Leben die Kunst! Wie wahr wie wahr! :jubel: :jubel: :jubel:


    Fairy Queen :pfeif:

  • Zitat

    Zitat von Rideamus: Hätte sie das wirklich gekonnt, wären mehr Gesangsleistungen von ihr bekannt.


    Eben! Darauf bezogen sich auch meine drei ?(?(?(
    Ich konnte es mir auch nicht recht vorstellen, denn eine Schauspielerin, selbst wenn sie vielleicht irgendwann einmal Gesangsunterricht gehabt hat, singt nicht einfach so nebenbei das "Vissi d´arte"!


    Aber die Ebenen, auf denen die Film- und die Opernhandlung verschränkt werden, das ist wirklich genial!


    :yes: Petra

  • Zitat

    Original von Rideamus
    .... Leider ist es Jahrzehnte her, dass ich den Film gesehen habe, und es gibt ihn auf DVD meines Wissens (noch) nicht. Schade, ich würde ihn gerne noch einmal sehen, vor allem die wohl von Hitchcocks DER MANN, DER ZUVIEL WUSSTE, "entliehene" Szene, in welcher der Schurke aus einer Loge den Tenor erschießt, während Angelotti auf offener Bühne der Platzpatronensalve erliegt. Eine geniale Adaption der Tosca ins "richtige Leben".
    ...


    Wird wohl auch in diesem Film Cavaradossi sein, oder?

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    ...
    Und dann die Lollobrigida- Schwarm aller Kate-Moss resistenten Kurvenliebhaber...... :D


    Etwas OT, aber weil das hier in letzter Zeit schon das zweite Mal ähnlich behauptet wird: Gina Nazionale kann nicht wirklich für "Kurvenliebhaber" herhalten. Diese zierliche und ungewöhnlich wohlgeformt gewachsene Frau kann zwar jederzeit als Schönheitsideal durchgehen, aber Freunde üppiger Proportionen müssen sich an die um einen halben Kopf größere und in jeder Hinsicht "vollmundigere" Sophia Loren halten...


    :D

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Zitat

    Original von Michael
    Na ja die Barbara Streisand singt ja auch eine Arie aus einer Händeloper, halt eine Oktave tiefer.


    LG Micha


    Aber die Streisand ist eine schauspielende Sängerin (wenn auch in einem anderen Fach)...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


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