Beethoven, Ludwig van: Violinsonate Nr 9 "Kreutzersonate"

  • Liebe Taminos!


    Ich konnte 1993, lang, lang ist es her, für Sony-Columbia die "Kreutzersonate" einspielen.
    Für einen Künstler mit 23, Jahren ein Husarenritt, der denke ich sehr gut ausgegangen ist.
    Jedoch muss ich sagen, soetwas geht auch nur dann, wenn der Pianist genial ist, in meinem Fall war es der Wiener Pianist, Meinhard Prinz!
    Da der Klavierpart solch technische und musikalischen Anforderungen stellt.
    Eben dieser Klavierpart verfrachtet den Geiger zu 90% in ein wahnsinnig strenges und enges Korsett.
    Da dieses Sonate aber von Beethoven so klar komponiert wurde und jede Tempoabweichung durchkomponiert ist, kann man auch wieder von einer Gesamtkunst reden. Die Urtextausgabe ist hier besonders exakt. Besonders sind diese Einträge im 1. und 3. Satz "Lebenswichtig". Da diese Sätze durch die komponierten Tempiwechsel leicht aus den Fugen gerät und die ganz wichtige Motorik stört.
    Der einzige Satz ist der 2.te, wo man sich doch bei Thema und manchen Variationen einen kleinen Freiraum nehmen kann.


    Für mich ist die "Kreutzersonate" eines der genialsten Werke von Beethoven!
    Ich hätte euch gerne das CD-Cover hier gezeigt, jedoch Musiker und Technik :boese2:


    Liebe Grüße Maximilian

  • Ich höre in letzter Zeit vermehrt Beethoven Violinsonaten, echte Schätze, wie ich finde! Als Thread zum Thema habe hier nur den "Kreutzer"-Thread gefunden! So habe ich auch gestartet, wie wahrscheinlich viele ....


    Meine erste Platte mit Beethoven Violinsonaten


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    hat mich nicht sonderlich beeindruckt, ganz anders als zu der Zeit schon seine Streichquartette... Die Erweckung kam über das Duo Argerich/Kremer und kurz danach Schneiderhan/Seemann.


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    wobei ich die Argerich/Kremergeschichte noch in Einzel-CDs besorgt hatte .... beide Einspielungen können mich heute noch begeistern. Witzigerweise ist die später entdeckte Einspielung von Wolfgang Schneiderhan noch 25 jahre älter als die mit Gidon Kremer.


    Nun ist die Kreutzersonate nicht einmal meine Lieblingssonate unter den zehnen, aber natürlich ist es sehr leicht, ihre Originalität anzuerkennen. Die Geschichte mit der Leidenschaft aus dem ersten Beitrag von sagitt lässt sich auch leicht akzeptieren.


    Ich möchte im Hinblick auf Leidenschaft auf eine im Vergleich recht junge Einspielung aus dem Jahre 2008 aufmerksam machen


    Fazil Say und Patricis Kopatschinskaja



    Absolut eigenwillig. Der rohe Klang von Kopatschinskajas Spiel und und das notwenidigerweise virtuose Spiel Says geben durch die Kontrastschärfe in in Dynamik und Klang der Sonate einen sehr eigenwilligen Schwung, durchaus auch musikantisch .... Ob da jetzt Ehen zerbrechen müssen, sollte jeder für sich selbst entscheiden ;)



    Die deutsche Geigerin Clara-Jumi Kang hat 2020 zusammen mit dem koreanischen Pianisten Sunwook Kim alle Violin-Sonaten Beethovens im teldex-Studio Berlin eingespielt. Die Vorstellung der beiden steht in scharfen Kontrast zum Spiel von Kopatschinskaja/Say. Extrem subtile Klangkultur, der alles untergeordnet ist, in den leisen Stellen fast überirdisch schön. Ist das eigentlich Beethoven? Ich weiß es nicht, aber es funktioniert ...


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    Manche sehen das anders! :) Dazu aus der Fanfare


    Zitat von Fanfare März/April 2022


    From the moment she put bow to strings, I was immediately taken by the simplicity, directness, responsiveness, and communicativeness of Kang’s playing. It was like a breath of fresh air...for now, Kang and Kim’s Beethoven violin sonatas are the only ones I want to listen to.Fanfare März/april

  • Das berühmteste Stück der Kammermusik braucht einen eigenen thread.

    Umso erstaunlicher, daß dieser Thread, im Jahr 2004 eröffnet, seit 2007 keinen einzigen Eintrag aufweist. Zum Glück hat sich "astewes" heute seiner "erbarmt"!


    Trotz der eingängigeren, auch bekannteren Frühlingssonate steht für mich die "Kreutzer" unter Beethovens 10 Stücken diese unangefochten auf Platz 1. Dementsprechend sieht auch meine Diskothek aus.

    Meine allererste Bekanntschaft mit dem Werk machte ich nach der Lektüre von Leo Tolstois Novelle gleichen Namens mit folgender LP:

    Beethoven:Violin Sonatas 5 & 9

    die einer GA aus dem Jahr 1959 entnommen ist. Bis heute zählt sie zu den berühmtesten Einspielungen des Stückes, und das zu Recht. Sauberes, großartiges Zusammenspiel zweier berühmter Franzosen.

    Außerdem gibt es bei mir noch folgende Versionen, die alle ihre Meriten haben:

    Szeryng/Rubinstein (RCA), Grumiaux/Haskil, Szeryng/Haebler (beide Philips), Oistrach/Oborin (EMI), Menuhin/Kempff, Schneiderhan/Seemann (beide DGG), und vielleicht noch ein paar andere, die mir im Moment nicht einfallen. Besonders nachhaltig beeindruckt hat mich die Aufnahme mit Zehetmair/Frager (Teldec), in der der Pianist (leider) ein historisches Instrument benutzt. Sie zeichnet sich auch durch die gewissenhafte Beachtung der Wiederholungsvorschriften aus.

    An der Spitze steht für mich aber seit vielen Jahren diese:


    Heifetz Beethoven Complete Violin Sonatas Vol 3 Sonatas # 8,9,10


    die ich in einer 3 CD-Box habe. Heifetz wird von dem Pianisten Brooks Smith begleitet, die "Kreutzer"-Sonate ist übrigens die einzige Stereo-Produktion dieses Zyklus, der zwischen 1947 und 1960 entstand. Das virtuose, schlackenlose Spiel des Meistergeigers ist einfach atemberaubend!


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Bei mir steht die letzte Sonate op.96 und die c-moll aus op.30 auf Platz 1, aber die Kreutzer ist schon ein Reißer (fällt m.E. nach dem grandiosen Kopfsatz etwas ab, mit dem zu langen, überladen verzierten Variationensatz und dem etwas flachen Finale).

    Mein Favoriten sind wohl Argerich mit Kremer und live mit Perlman (in so einer Argerich-Sammelbox, EMI, evtl. auch mal einzeln, vermutlich mit der Franck-Sonate gekoppelt).


    Zehetmair/Frager ist auch gut, wenn man histor. Instrumente "verträgt".

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich habe eine GA die es leider bei unserem Werbepartner nicht mehr gibt, da gibt es nur die sicher sehr gute, aber auch sehr teure UHQCD :


    Das wäre sie mir nicht wert, aber man findet die 4 CD Box wenn man sie sucht. Ich bin jedenfalls damit sehr zufrieden.


    Gruss


    Kalli

  • man findet die 4 CD Box wenn man sie sucht.

    Und so sieht sie aus (neueste Ausgabe):

    Smtliche Violinsonaten 1-10 (Ga)


    Leider mit dem irritierenden Logo "DECCA" auf dem Cover, was mich als Sammler stört:)! Es ist eine Original-PHILIPS-Aufnahme ...


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Kennengelernt habe ich die Kreutzer- und Frühlingssonate von einer LP, die sich zu meinen Schülerzeiten in unserem Elternhaus befand. Es war die Aufnahme von Yehudi Menuhin mit seiner Schwester Hephzibah am Klavier. Vielleicht muss ich sie mir irgendwo nochmals besorgen - im Alter wird man schließlich nostalgisch! :D


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    Schöne Grüße

    Holger

  • Seit 1986 kenne ich nur noch eine Referenzaufnahme, Thomas Zehetmeier geigt mit jugendlicher Unbekümmertheit und zeigt uns allen, welche Leidenschaft in diesem Stück steckt. Leider hatte irgendjemand die Schnapsidee, er solle von einem historischen Flügel begleitet werden. So quält Malcolm Frager einen Broadwood aus der Beethovenzeit. Schade. Für immer schade.

    Ich kenne bei weitem nicht sämtliche Aufnahmen, die nach Thomas Zehetmairs glänzender Aufnahme hinzugekommen sind, aber als Sagitt diese Aussage machte, konnte man ihr vorbehaltlos zustimmen.

    Mit einem jugendlichen - Zehetmair war damals 25 - Feuer und einer Leidenschaft, wie ich sie ähnlich nur bei Heifetz festgestellt habe, ging der Geiger zu Werke. Man ist am Schluß versucht zu rufen: "Noch einmal, lieber Bursch", wie es Beethoven am 24. Mai 1803 nach der Uraufführung durch den Mulatten George Bridgetower im Wiener Augarten getan hat. Da spielt es wirklich eine untergordnete Rolle, daß der Pianist Malcolm Frager, aus welchen Gründen auch immer, sich auf einem Instrument aus dem späten 18. Jahrhundert abmüht. Wenn Zehetmair nur diese eine Aufnahme gemacht hätte, so wäre ihm ein Eintrag in der Musikgeschichte sicher. Sie ist übrigens, wenn auch nur gebraucht, immer noch erhältlich, und das zu einem mehr als moderaten Preis:

    Classical Diamonds - Beethoven (Violinsonaten)


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

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