Anna Netrebko - Einzigartig oder nur Marketing?

  • Dieser Thread scheint mir ein genauer Spiegel des Rummels um Anna Netrebko zu sein: die wenigsten Beitraege interessieren sich fuer ihren Gesang als solches und ihre gesangliche/musikalische Interpretation der Manon.
    Statt dessen geht es um (Sensations-)Journalismus, Publicity, Management etc
    Nicht dass ich das nicht legitim und diskussionswuerdig finde. Das ist kein Werturteil sondern eine Feststellung. Und sehr spannend anzusehen, finde ich.


    Lieber Mikko, wie gut, dass du hier bist!!! Deine Punkte finde ich sehr gut beobachtet.
    Zu 1:
    Natuerlich ist Beverly Sills stimmlich eher bei Nathalie Dessay anzusiedeln (die die Manon sicher auf ihre Art auch grandios verkoerpern wird, allerdings vom Typ her GANZ anders als Anna)
    Aber Beverly Sills ist keine REINE Koloratursopranistin, sie hat auch viele lyrische Anteile und keine kleine zarte Stimme. Die Manon ist auch eigentlich keine Koloraturrolle, bis auf die besagte Arie im dritten Akt wird das sehr viel mehr Lyrisches verlangt. Renée Fleming hat sie ja auch gesungen und es gibt auch eine Gesamtaufnahme mit ihr.
    Und selbst eine etwas schwere Stimme kann phrasieren, Pausen einhalten und Verzierungen singen. Und die stehen wirklich ausdruecklich in den Noten. Wer die Rolle singt, muss auch den Stil einhalten. :yes:


    Zu 2:
    hoffe ich nicht! :boese2:


    zu 3: das kann gut sein, aber da muessten wir Herrn Barenboim fragen.
    Wahrscheinlich hat man aber als Superstar doch die Freiheit, seine Arien relativ nach eigenem Gusto zu gestalten. Wenn sie einem schon nicht in die Kehle komponiert werden wie zu seligen Haendels und Mozarts Zeiten.


    zu 4: Massenet hat das Barock natuerlich nur zitiert, aber er hat Eindeutiges in die Noten geschrieben. Es soll nicht barock gesungen werden, aber barocke Stilmittel sollen angewendet werden und der Tanzcharakter ist in der ganzen Szene bei Hofe eindeutig. Der kam NULL zum Vorschein, eher im Gegenteil.


    zu 5: das Argument erscheint mir recht einleuchtend. Aber seltsam finde ich es dann doch, wirklich den Notenkontext so ausser acht zu lassen. Man haette leicht in den 50iger Jahre dann eine Baby Doll- oder Marylin- Schmollmund -Version draus machen koennen. Sozusagen barocke Manon der 50iger......




    Lieber Edwin,
    sollte das "Touché" eine Auffforderung zum Duell sein?
    Ich nehme an, als echter Wiener Kavalier ueberlaesst Du mir die Wahl der Waffen? :pfeif:
    Ich bin aber auch eine echte Kavalierin und Dir zum imaginaeren Wohlgefallen mit der (spitzen) Feder einverstanden!
    Als Alternative haette ich noch Quietscheentchen in der Kloster- Badewanne
    oder knallende Champagnerkorken ausserhalb des Klosters anzubieten. :D
    Bleibt nur die Frage des Sujets unseres Duells ?( Anna.N. ist ja allmaehlich doch ausgeschoepft. Vielleicht sollten wir uns mal auf Cosima Wagner verlegen oder Alma Mahler?
    Da knallen bei mir dann wirklich die Korken(und Sicherungen) durch :motz: :stumm: :untertauch:
    Fairy Queen :angel:

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Dieser Thread scheint mir ein genauer Spiegel des Rummels um Anna Netrebko zu sein: die wenigsten Beitraege interessieren sich fuer ihren Gesang als solches und ihre gesangliche/musikalische Interpretation der Manon.
    Statt dessen geht es um (Sensations-)Journalismus, Publicity, Management etc


    Das ist ja auch der Titel des Threads. Aber ich glaube, der neigt sich sowieso dem Ende zu, es ist alles bereits x-mal durchgekaut ;-)


    Zitat

    Vielleicht sollten wir uns mal auf Cosima Wagner verlegen oder Alma Mahler?
    Da knallen bei mir dann wirklich die Korken(und Sicherungen) durch :motz: :stumm: :untertauch:
    Fairy Queen


    Gute Idee, die beiden gäben wirklich etwas her :D - "Komponistenfrauen" oder "Komponistenmusen".


    :hello:
    Austria


    EDIT:
    PS: ich fände es ja gut, wenn Eure sachlichen und fachlichen Beurteilungen (Mikko, FairyQueen, Severina, etc.) in einem eigenen Thread stünden, sie sind sehr interessant. Das wird aber wohl schwierig abzutrennen sein ?(

    Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)


  • Hallo Alviano, das kannst du mir jetzt glauben oder nicht: NICHTS! Übrigens passiert dir das in Wien relativ häufig, dass dir ein Sänger über den Weg läuft, mit dem Florez bin ich vor zwei Wochen erst im "Caruso" unser (CD-Laden) zusammengetroffen. Er hat gestöbert, ich hab gestöbert - und das war's. Es ist wirklich meine ehrliche Überzeugung, dass ein Künstler das Recht hat, außerhalb seiner Wirkungsstätte nicht behelligt zu werde. Außer er setzt deutliche Signale angesprochen werden zu WOLLEN (Der Bonisolli war bekannt dafür) Wenn mir der Sinn nach privatem Kontakt steht, dann gehe ich zum Bühnentürl, dort kann ich Fragen stellen, Komplimente anbringen, auch kritisieren, von mir aus auch ein Foto machen, wenn's denn sein muss usw. usw. Aber es ist doch naiv, von einem small-talk am BT eine "persönliche Bekanntschaft" abzuleiten und damit das Recht, diesen Mensch immer und überall in Beschlag zu nehmen. Und sich dann womöglich zu mokieren, wie "unfreundlich" er ist, weil er nicht vor Begeisterung Purzelbäume schlägt, wenn er den Löffel aus der Hand legen und eine Serviette unterschreiben muss. (Alles schon erlebt!)
    Was glaubst du, wie oft ich früher dem Araiza über den Weg gerannt bin.(Schlicht und einfach deshalb, weil seine Agentur unmittelbar neben meiner Arbeitsstelle lag!) Wir haben einander gegrüßt, und manchmal ist er stehen geblieben, weil er halt gerade Zeit zu einem kleinen Tratsch hatte, mir wäre es nie im Traum eingefallen ihn aufzuhalten.
    lg Severina :hello:

  • Hallo severina,


    danke für Deine Antwort. Das, was ich meine trifft am ehesten auf Deine Begegnungen mit Araiza zu. Ich käme auch nicht auf die Idee, im Restaurant einen Sänger zu stören, damit er mir eine Serviette unterschreibt (das würde ich mich gar nicht trauen, dazu bin ich viel zu schüchtern). Nur ein einziges Mal habe ich sowas ähnliches gemacht. Ich hatte in einem Konzert eine CD dabei, die ich von FiDi im Anschluss signieren lassen wollte. Im Zuschauerraum sass Julia Varadý. Da hab ich mir ein Herz genommen und bin hingegangen (sie sang auf der CD auch mit) und war wirklich sehr freundlich.


    Die Situation, die ich meine, setzt schon voraus, dass der ausführende Künstler Dich "von Angesicht zu Angesicht" schon kennt, nämlich vom Podium herunter. Und wie das so ist, wenn man sich schon mehrfach gesehen hat: plötzlich begegnet man sich z. B. auf der Strasse, stutzt und der Blick bleibt genau den Moment am jeweils anderen hängen, der ein einfaches ignorieren nicht mehr ermöglicht.


    Was würdest Du dann tun? Sagst Du "Hallo" oder nickst Du als Gruss...?

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  • Hallo lohengrins,
    tut mir Leid, wenn ich dich in deiner beruflichen Ehre gekränkt habe, aber ich denke, hier wird nicht Journalismus an sich diskutiert, sondern die ganz konkrete Berichterstattung im Falle AN - und ja, da trifft deine einleitende Zusammenfassung ziemlich genau meine Meinung. Damit will ich bei Gott nicht alle Kulturjournalisten über einen Kamm scheren, aber dass der allgemeine Tenor in diese Richtung läuft, ist doch wirklich nicht zu übersehen. An welche Instinkte wird deiner Meinung nach mit dem unsäglichen "AN-spreizt-die-Beine-Bild" appelliert, das in beinahe jedem Artikel zur Manon auftaucht?? Warum gibt es in keinem der vielen von mir gelesenen Beiträge ein Bild aus dem 1. Akt? Weil eine züchtig verhüllte AN halt nicht so "interessant" ist. Ich hätte als Kritikerin ein Foto aus dem letzten Bild gewählt, wo beide - AN&RV - ungemein intensiv gespielt haben, das wäre eine echte Werbung für diese Aufführung. Ich bezweifle also sehr, dass es für mich eine Nische im Kulturjournalismus gegeben hätte.....
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von Mikko


    Ich bin tatsächlich auf das Erbarmen eines der Moderatoren angewiesen. Es geht mir wie Tamino. Immer, wenn ich irgendwo eindringen will, schallt mir ein "Zurueck" entgegen.
    Also, lieber Moderator, ich hätte gerne eine private Nachricht von Severina empfangen. Was muss ich tun?


    Mikko


    Hallo Mikko,


    ich habe in Deinen Einstellungen nichts gefunden, was den Empfang von PNs verhindert.
    Wende Dich bitte an Alfred wegen der Freischaltung der PN-Funktion.


    Norbert als Moderator

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler



  • Hallo Alviano,
    Wenn ich voraussetze, dass mich die/derjenige kennt, ist gegen den Austausch eines höflichen Grußes nichts einzuwenden, aber viele Leute überschätzen leider den "unauslöschlichen Eindruck", den sie auf einen Künstler machen, ich finde es immer recht witzig, wenn jemand sagt "Aber der muss mich doch kennen, ich bin immer beim BT!" Für einen Künstler gibt's ja nicht nur in Wien ein BT!! Villazon z.B. hat im Vorjahr dreimal an der WSO gesungen, hinterher war er von ca. 100 Leuten belagert - der müsste ja ein wahres Mammutgedächtnis haben, wenn er sich an all diese Gesichter ein Jahr später noch erinnern könnte. Aber genau das erwarten viele Fans. Ich hab mich da nie besonderen Illusionen hingegeben und war höchstens überrascht, wenn einmal Zeichen eindeutigen Erkennens kamen. So, als mich z.B. Eva Lind im Goya-Saal im Prado ansprach. "Sie sind doch ein Fan von Francisco aus Wien, schön, dass Sie gekommen sind!" (Es handelte sich um eine Werther-Aufführung) Da war ich ziemlich platt, denn ich hatte mit Frau Lind nie auch nur ein Wort gewechselt. Witzigerweise hat sie auch Araiza sofort von unserer Begegnung berichtet, denn seine erste Frage beim BT lautete: "Na, wie hat Ihnen der Goya gefallen?"
    lg Severina :hello:

  • Hallo Severina,

    Zitat

    An welche Instinkte wird deiner Meinung nach mit dem unsäglichen "AN-spreizt-die-Beine-Bild" appelliert, das in beinahe jedem Artikel zur Manon auftaucht?? Warum gibt es in keinem der vielen von mir gelesenen Beiträge ein Bild aus dem 1. Akt? Weil eine züchtig verhüllte AN halt nicht so "interessant" ist.


    Das ist genau der Punkt, auf den auch ich immer wieder ziele: Wenn eine Sängerin als Sängerin positioniert ist, wird man sie in Posen abbilden, die vielleicht die Inszenierung charakterisieren oder eine besonders intensive Szene zeigen oder die einfach ein schönes Bild ergeben. Das kann nun in züchtiger Verhüllung sein oder in einer extremen Stellung oder auch mit gespreizten Beinen oder vielleicht bei einer Kuss- oder einer Sterbeszene.


    Wenn eine Sängerin aber als Erotikstar positioniert ist, dann wird sie auch, entsprechend dem Mechanismus von Nachfrage und deren Befriedigung, als Erotikstar abgebildet werden.


    Der Journalist macht nicht die Welt, er spiegelt sie nur wider. Nicht die Journalisten haben Anna Netrebko zum Erotikstar der Opernbühne gemacht, sie wurde aus dem Wissen heraus, daß Klassik-Käufer überwiegend männlich sind (das beweisen Statistiken), gezielt so positioniert. Und das spiegeln die Artikel und die Bildauswahl wider.


    Aber ich merke, daß Lohengrins und ich uns Dir und Austria gegenüber im Kreis drehen. Es ist auch völlig logisch, da Lohengrins und ich aus der beruflichen Praxis kommen, während Du und Austria die Stimme von Anna Netrebko schön findet und deshalb das weniger Schöne, das mit diesem Star zusammenhängt, lieber ausgeblendet hättet. Was aber nicht möglich ist, denn Anna Netrebko ist eben nicht als Opernstar positioniert, sondern als Gesamtpaket von Austrahlung plus Erotik plus Glamour plus Party plus Naivität plus starke Frau plus interessante Frau plus Stimme.
    Ein Journalist, der das nicht wahrnimmt und entsprechend reagiert, hat seinen Beruf verfehlt.


    :hello:

    ...

  • Ein Blick in die heutige BILD-Ausgabe (ist die Netrebko JEDEN TAG da drin?) offenbart, dass Kai Diekmann sein Blatt auf Hochkultur ausrichtet. Neben der Netrebko ist auch ein Bericht über Julia Fischer enthalten. Nicht, dass die Zeitung was an ihrem Spiel auszusetzen hätte, aber sie betont, dass sie sooo jung schon Professorin ist und auf einer Geige von 1750 spielt. Aber das machte die Mutter doch auch, wobei ich jetzt nicht weiß, ob Previn tatsächlich Jahrgang 1750 ist :wacky:
    Auffallend: Madame Fischer wurde nicht in Unterwäsche abgebildet!

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  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    ...
    Das ist genau der Punkt, auf den auch ich immer wieder ziele: Wenn eine Sängerin als Sängerin positioniert ist, wird man sie in Posen abbilden, die vielleicht die Inszenierung charakterisieren oder eine besonders intensive Szene zeigen oder die einfach ein schönes Bild ergeben. Das kann nun in züchtiger Verhüllung sein oder in einer extremen Stellung oder auch mit gespreizten Beinen oder vielleicht bei einer Kuss- oder einer Sterbeszene.


    Wenn eine Sängerin aber als Erotikstar positioniert ist, dann wird sie auch, entsprechend dem Mechanismus von Nachfrage und deren Befriedigung, als Erotikstar abgebildet werden.


    Der Journalist macht nicht die Welt, er spiegelt sie nur wider. Nicht die Journalisten haben Anna Netrebko zum Erotikstar der Opernbühne gemacht, sie wurde aus dem Wissen heraus, daß Klassik-Käufer überwiegend männlich sind (das beweisen Statistiken), gezielt so positioniert. Und das spiegeln die Artikel und die Bildauswahl wider.


    Für mich ist das eine bemerkenswert naive und blauäugige Sicht der Dinge. Was sind die Journalisten doch für Unschuldslämmer! Ich behaupte in oben genannten Beispielen das Gegenteil. Egal, wer dort gesungen hätte, wenn die Protagonisten nur prominent genug gewesen wären, um ihnen überhaupt einen Zeitungsartikel zu spendieren, es wäre immer das gleiche Photo gewesen. Es ist nun einmal so, Sex sells, und was wäre bei dieser Oper charakteristischer gewesen als ein Photo des Liebespaares. Das hätte jeder Journalist so gewählt, unabhängig von AN.


    Ist das nun schlecht? Grundsätzlich eigentlich nicht. Wenn es in ausreichend geschmackvollem Rahmen geschieht, ist gegen solche Berichterstattung nichts einzuwenden, so sind unsere Zeiten nun einmal, sie zielen in allem primär auf fundamentale Gefühlsregungen, da die Wirkung so am größten ist.


    Ärgerlich wird es erst, wenn in Leierkastenmanier ständig AN als vokaler Sex-Star apostrophiert wird und man sich als journalistisches Unschuldslamm hinter dem Gesellschaftsspiegel verschanzt. Das ganze Thema kam überhaupt erst mit der ungewöhnlich erotischen Salzburger Traviata aus Tapet, und es waren die Journalisten, die danach die Schlagzeilen schrieben, nicht das Publikum. Und es sind die Journalisten, die das Thema ständig am Köcheln halten, weil es publikumswirksam ist, weil es zur Zeit keine entsprechend berichtenswerte Alternative für sensationshungrige Schreiber auf der Opernbühne gibt, und weil sich AN nach fast zwei Jahren als standfest genug herausgestellt hat, dass man einen großen Teil der lesenden Gemeinde mit immer dem gleichen Thema ausreichend beglücken kann.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Hallo Theophilus,

    Zitat

    Das ganze Thema kam überhaupt erst mit der ungewöhnlich erotischen Salzburger Traviata aus Tapet,


    Nein, keineswegs.
    Es war nur das erste Mal, daß Anna Netrebko ganz gezielt auf der Bühne so präsentiert und im Bewußtsein nicht der je nach Argumentation bald blauäugigen bald bösartigen Journalisten sondern durch die TV-Übertragung im Bewußtsein der breiten Öffentlichkeit so positioniert wurde. Allerdings ist bereits das erste Video von ihr voll mit eindeutigen erotischen Posen, und es gab auch die entsprechenden Fotos (die, die man jetzt offenbar unterdrückt - à la Anna sich lasziv auf dem Bett räkelnd). Daß weder die Bilder noch das Video entsprechend wahrgenommen wurden, ändert nichts daran, daß beides in eine eindeutige Richtung der Positionierung weist.
    :hello:

    ...

  • Tag,


    die Positionierung als Pop-Ikonen-Paar ist längst vollbracht. Die zweite Serie von Postern des schmachtend hergerichteten Paares hängen in Hamburg seit Monaten. Madonna hatte bei H & M ihre "Collection designed by Madonna", Trenchcoat und Leder, demnächst eine Anna & Ricardo-Collection? - Die NZZ zeigte das Pop-Paar aus der Berliner Adaption der Los Angeles-Version, Pop-gerecht am Bistrotisch aufgebaut, die Angekommene im Trench mit keckem roten Käppi, der Verfallende mit Männertäschchen, bestickt. Fesch, in Posterqualität. Im Pop gilt der Eros des Geldes. So ist es hier.


    Mit freundlichen Grüßen
    Albus

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Hallo Theophilus,


    Nein, keineswegs.
    Es war nur das erste Mal, daß Anna Netrebko ganz gezielt auf der Bühne so präsentiert und im Bewußtsein nicht der je nach Argumentation bald blauäugigen bald bösartigen Journalisten sondern durch die TV-Übertragung im Bewußtsein der breiten Öffentlichkeit so positioniert wurde. Allerdings ist bereits das erste Video von ihr voll mit eindeutigen erotischen Posen, und es gab auch die entsprechenden Fotos (die, die man jetzt offenbar unterdrückt - à la Anna sich lasziv auf dem Bett räkelnd). Daß weder die Bilder noch das Video entsprechend wahrgenommen wurden, ändert nichts daran, daß beides in eine eindeutige Richtung der Positionierung weist.
    :hello:


    Hallo Annaphobiker


    Aha, jetzt ist also eine Art Opern-Mafia am Werk! Wird ja immer besser! Gegen diese Bedrohung könnt ihr euch Journalisten natürlich nicht wehren! ;)


    Aber du brauchst dir ja nur selbst zuzuhören. Das erste Video hat keinerlei Aufregung verursacht, und zwar deshalb, weil es sich vollkommen innerhalb der natürlichen Bandbreite der Opernstoffe bewegte. Wenn man dir so zuhört, kommt man in Versuchung, dich dahingehend zu belehren, dass es in den meisten Opern um Liebe geht, und Erotik daher zumindest unterschwellig immer vorhanden ist. Erotik in der Oper ist also in Maßen etwas völlig Natürliches, noch dazu, wo moderne Regisseure diesen Aspekt ohnehin gerne überzeichnen und Erotik oft in Situationen darstellen, wo man gar nicht daran gedacht hat.


    Aber es sind ja die Obergescheiten, die heute rückblickend alles schon gewusst haben. In Wirklichkeit wäre ohne Salzburg gar nichts gelaufen. Salzburg musste einfach passieren, wobei ich der Meinung bin, dass da schon der Regisseur die Initialwirkung hatte. Allerdings brauchte er dazu eine Darstellerin vom Kaliber der AN, um das Konzept auch überzeugend zu realisieren. Das hätte auch gewaltig daneben gehen können, aber der fulminante Erfolg machte es den Journalisten leicht, die "geeignete" Schublade für AN zu finden, die offenbar noch immer nicht ausgeleiert ist. Es ist geradezu erheiternd, mit wie wenig Schmierung der Mythos am Leben erhalten wird, denn wenn du es auch ignorierst, in den Jahren 2006/2007 ist die Manon die einzige Rolle von AN, die in diese Schublade passt. Für einen lyrischen Sopran fast schon eine keusche Rollenauswahl, aber es scheint zu reichen. Willst du uns wirklich weismachen, dass dies die Journalisten förmlich zwingt, der Öffentlichkeit das Klischeebild des Sexsymbols zu vermitteln? Nee, es ist einfach der bequemste Weg, um leicht fasslich und werbewirksam Artikel für ein breites Publikum zu verfassen. Ein wenig mehr Differenzierung würde womöglich nur Verwirrung stiften...


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Zitat

    Original von Theophilus
    In Wirklichkeit wäre ohne Salzburg gar nichts gelaufen. Salzburg musste einfach passieren, wobei ich der Meinung bin, dass da schon der Regisseur die Initialwirkung hatte. Allerdings brauchte er dazu eine Darstellerin vom Kaliber der AN, um das Konzept auch überzeugend zu realisieren.



    Hm, Du meinst jetzt die "Traviata" von 2005? Das war sicher der ganz große Durchbruch, aber ins Bewusstsein einer operninteressierten Öffentlichkeit ist AN doch schon 2002 mit ihrer Donna Anna in der Salzburger Kusej/Harnoncourt-Produktion getreten. Jedenfalls habe ich damals ihren Namen zum erstenmal bewusst gehört und im Gedächtnis abgespeichert, weil überdurchschnittlich viele Rezensenten die Sängerin in den höchsten (allenfalls leicht abgedunkelten :D) Tönen gelobt haben. Allerdings war es 2003 bei der Wiederaufnahme dieses "Don Giovanni" noch wenige Wochen vor der Aufführungsserie ohne Probleme möglich, Karten für eine Vorstellung zu bekommen: ich habe sie damals das einzige Mal live gehört und fand sie sehr gut - rauschender Beifall, aber (nach meiner schwachen Erinnerung) nicht mehr als z.B. für Harnoncourt. Zwischen 2003 und 2005 muss dann irgendwas passiert sein, was ich höchstens am Rande mitbekommen habe, denn bereits lange vor der Traviata-Premiere war der Hype so angeheizt (einschl. Fernsehen etc.), dass an Karten für Normalsterbliche nicht mehr zu denken war. Die Traviata-Produktion selbst hat dann offenbar alle Schleusen geöffnet.


    Viele Grüße


    Bernd

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  • Zitat

    Original von Zwielicht



    Hm, Du meinst jetzt die "Traviata" von 2005? Das war sicher der ganz große Durchbruch, aber ins Bewusstsein einer operninteressierten Öffentlichkeit ist AN doch schon 2002 mit ihrer Donna Anna in der Salzburger Kusej/Harnoncourt-Produktion getreten. ...


    Hallo Bernd


    Es geht darum, ab wann AN als singendes Sexsymbol in das Bewusstsein Leute geschrieben wird. Dies ist erst seit Salzburg 2005 der Fall, während vorher kein Hahn danach gekräht hat (zumindest nicht mehr als bei jeder anderen vergleichbar attraktiven jungen Sopranistin).


    Den Durchbruch hatte sie 2002. Dann kam ein Plattenvertrag, zwei Platten, ein Video und dann war seitens der Plattenfirma Funkstille, während AN erfolgreich an vielen Häusern sang. Der Hype entstand wenige Wochen vor den beiden Liebestrank-Aufführungen im April 2005 an der WSO. Irgendwie hatte es sich herumgesprochen, dass das Paar Netrebko/Villazon für ungewöhnlich gute Vorstellungen garantierte, und die WSO wurde mit Vorbestellungen überflutet. Man hätte locker mit der Austria Wien tauschen können, das Horr-Stadion wäre bequem zu füllen gewesen. Die beiden Aufführungen wurden auch ein großer Erfolg und die Leute kamen gleich darauf, dass diese Kombination in Salzburg ihren nächsten Auftritt haben würde, worauf die Kartenpreise explodierten (genauer gesagt: die Schwarzmarktpreise!). Der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt.....


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Zitat

    Zitat Theophilus
    Es geht darum, ab wann AN als singendes Sexsymbol in das Bewusstsein Leute geschrieben wird. Dies ist erst seit Salzburg 2005 der Fall, während vorher kein Hahn danach gekräht hat.


    Vor 2005 hat es damit nicht ganz geklappt, weil das Video bei den Klassikfans nicht so arg gut angekommen ist, und für breitere Käuferschichten war's einfach nicht interessant.


    :hello:

    ...

  • Zitat

    Original von Theophilus
    Hallo Bernd


    Es geht darum, ab wann AN als singendes Sexsymbol in das Bewusstsein Leute geschrieben wird. Dies ist erst seit Salzburg 2005 der Fall, während vorher kein Hahn danach gekräht hat.


    Hallo Theophilus,


    ok, das hatte ich missverstanden.



    Zitat

    Der Hype entstand wenige Wochen vor den beiden Liebestrank-Aufführungen im April 2005 an der WSO. Irgendwie hatte es sich herumgesprochen, dass das Paar Netrebko/Villazon für ungewöhnlich gute Vorstellungen garantierte, und die WSO wurde mit Vorbestellungen überflutet. Man hätte locker mit der Austria Wien tauschen können, das Horr-Stadion wäre bequem zu füllen gewesen. Die beiden Aufführungen wurden auch ein großer Erfolg und die Leute kamen gleich darauf, dass diese Kombination in Salzburg ihren nächsten Auftritt habe, worauf die Kartenpreise explodierten (genauer gesagt: die Schwarzmarktpreise!).


    Merci für die Informationen! Über den Wiener "Liebestrank" wurde zwar seinerzeit auch in den deutschen Zeitungen berichtet, aber richtig mitbekommen habe ich das nicht - vermutlich, weil ich erstens dann doch zuwenig Sängerfreak bin und zweitens Donizetti einfach nicht meine Baustelle ist ;).


    Viele Grüße


    Bernd

  • Zitat

    Original von Herbert Henn
    Hallo,


    Das ist ja toll, jetzt hat Schäfer Netrebko verdrängt. :D


    :hello:Herbert.


    ... nur temporär, lieber Herbert, da bin ich sicher... Netrebko ist doch ein echter Dauerbrenner... da kommt keine andere Sopranistin mit...


    :hahahaha:

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  • Zitat

    Original von Alviano
    ... nur temporär, lieber Herbert, da bin ich sicher... Netrebko ist doch ein echter Dauerbrenner... da kommt keine andere Sopranistin mit...


    Aber ich mag die Schäfer :(

  • Zitat

    Original von Theophilus
    Es geht darum, ab wann AN als singendes Sexsymbol in das Bewusstsein Leute geschrieben wird. Dies ist erst seit Salzburg 2005 der Fall, während vorher kein Hahn danach gekräht hat.


    Aber die Hahn vielleicht... !?


    :hello:


    Ulli

    You might very well think that. I couldn't possibly comment.“ (Francis Urquhart)

  • Zitat

    Original von musicophil


    Aber ich mag die Schäfer :(


    Hallo Paul,


    das bezog sich nur auf die Dauer der Diskussion hier und die Anzahl der Beiträge - da ist Netrebko z. zt. hier die absolute Spitzenreiterin.


    Rein sängerisch ist mit Christine Schäfer auch ganz klar näher...


  • Hallo Edwin,
    ich habe jetzt lange überlegt, ob ich mich überhaupt noch einmal in diesen Thread einklinken soll, weil ich allmählich wirklich resigniere. Ich habe nämlich nicht nur das Gefühl, mich im Kreis zu drehen, sondern gegen eine Wand anzurennen, denn egal, was immer ich vorbringe - deine Antwort ist immer die stereotype Formel: "AN ist als Erotikstar positioniert, die Presse ist daran unschuldig, die bringt nur, was die Leute lesen wollen." Gut. Offensichtlich lebe ich in einem Paralleluniversum, denn in meinem Bekanntenkreis ist eigentlich niemand an erotischen AN-Storys interessiert, und als ich unlängst so beiläufig die Frage lancierte, ob sie AN eigentlich mehr als Erotikstar oder als Sängerin sehen, hielten sie mich sichtlich für nicht ganz dicht. Was mich ungemein beruhigt, denn nach wochenlangem (und teilweise ja sehr vergnüglichem ;) ) Verbalduell mit dir in Sachen AN begann ich allmählich an meinem gesunden Menschenverstand zu zweifeln. Ob du's glaubst oder nicht, ich habe in AN nie etwas anderes als eine Sängerin gesehen, schlicht und einfach deshalb, weil ich lediglich an ihrer Performance auf der Bühne interessiert bin, nicht an der privaten. Ob sie Escada, Prada oder C&A-Klamotten trägt, interessiert mich ebenso wenig wie abgelegte, aktuelle oder zukünftige Lover. Natürlich ist sie auf die Bühne u.a. ein Erotikstar - was sonst sind Violetta und Manon???
    Ich wusste außerdem gar nicht, dass nicht nur Journalisten, sondern auch Regisseure dem Management von AN hilflos ausgeliefert sind, denn wenn du schreibst, in der Salzburger "Traviata" wäre sie erstmals als "Erotikstar positioniert worden", suggerierst du damit doch, dass der in meinen Augen absolut authentischen Interpretation des Liebespaares durch AN&RV nicht etwa ein Regiekonzept Willy Deckers zugrunde lag, sondern lediglich ein Werbefeldzug der Netrebkomafia, um s.o. Natürlich hat sich Decker die beiden bewusst ausgesucht, weil er wusste, dass sie seine Vorstellungen kongenial umsetzen würden - du aber drehst wieder einmal den Spieß um und verwechselst Ursache und Wirkung. (Zumindest tust du so, denn um es tasächlich zu verwechseln bist du zu intelligent!)
    Was dein "Gesamtpaket" betrifft: Einverstanden! (Bis auf die Party - diese Anspielung verstehe ich leider wirklich nicht!) Und was ist so schlimm daran? Wenn die letzte Ingredienzie "keine Stimme" lauten würde, könnte ich deine (in meinen Augen eher künstliche) Empörung ja noch verstehen, aber so? WAs ist so verwerflich, wenn eine Sängerin, Ausstrahlung, Erotik, eine starke Persönlichkeit, Glamour und Stimme in sich vereinigt? Ich habe dir schon einige Male weitere Beispiele für sängerische Gesamtpakete genannt (z.B. Domingo), ebenso wie ein Beispiel, wo die versuchte "Positionierung als Erotikstar" nicht geklappt hat (Eva Lind), eben weil der Faktor Stimme zu unterentwickelt war, aber darauf gehst du ja leider nie ein.
    Komisch ist schon, dass sich hier beinahe ausschließlich Männer über die Erotikschiene im Falle Netrebko echauffieren (Theophilus, MIkko und Siegfried sind rühmliche Ausnahmen). Eigentlich müssten es ja die Frauen sein, die geifern: "Stimme hat's keine, aber ein Dekollete und lange Hax'n, und darauf fallen die blöden Männer halt rein" (im Sinn von Neid der Besitzlosen... ;) ) Dass es hier genau umgekehrt ist, verwundert doch ein wenig.....
    Und jetzt noch eine erste und einzige Frage an den Journalisten: Findest du es wirklich so spannend, mit den Wölfen zu heulen und die x-te Variante zu einem in meinen Augen höchst unorigenellen und entbehrlichen Thema abzuliefern? Wäre es nicht spannender, das Klischee einmal zu hinterfragen, sich für den MENSCHEN AN zu interessieren? Und sag' jetzt nicht, das würde niemand lesen! Wenn dir dieses ganze Theater um "AN Superstar" wirklich so zuwider ist, wie du immer behauptest, müsste es dir doch geradezu ein Anliegen sein, dieses Spiel NICHT mitzuspielen. Versteh das jetzt bitte nicht als Angriff, es interessiert mich ehrlich, warum noch kein Journalist auf die Idee gekommen ist, den Spieß umzudrehen.
    So, und nun gute Nacht!
    lg Severina :hello:

  • Gestern hatte ich zum ersten mal die Gelegenheit Anna Netrebko singen zu hören, zwar nur im TV, aber immerhin.


    Es war eine Sendung bei Arte, die ich durch Zufall gesehen habe.


    Da ich ohne Vorurteile mir die Sendung angesehen hatte,
    war ich gespannt auf diese Stimme, die eine solche Diskussion entfacht.


    Ich war maßlos enttäuscht.


    Selten hat mich eine Stimme so dermaßen kalt gelassen, fast schon gelangweilt.
    Den ganzen Rummel um die Dame verstehe ich persönlich nicht, sie ist zwar schon eine ziemlich attraktive Frau – aber als Sängerin finde ich sie eher uninteressant.
    Aber um den Gesang geht es doch, oder ?


    Ich glaube nicht, dass ich mir nach diesem Erlebnis irgendwelche Einspielungen kaufen werde - es gibt so viele Sängerinnen die mich wesentlich mehr rühren.


    Ich würde mich auch nicht zu den A.N. Gegner zählen – sie interessiert mich einfach nicht. :no:

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  • Interessantes statement, lieber Lullist!
    Bevor ich Netrebko in Operninszenierungen auch AGIEREN sah und bevor ich ihre russische Cd hoerte, ging es mir ein wenig wie Dir:
    Man muss sie wohl wirklich als schauspeilernde OPERN-Saengerin erleben, um ihre Talente richtig zu wuerdigen.
    Und sie vielleicht auch in ihrem ureigenen "heimat"Repertoire hoeren, in dem sie fuer meine Ohren viel mehr Ausdruck zeigt.


    Liebe Severina,
    ich kann dienen Unmut/Resignation vollkommen nachempfinden, denn das dreht sich wirklich im Kreis. :(
    Zum Trost kann ich dir sagen: es gibt auch anderen Jornalismus in Sachen Netrebko: In "Le monde de la musique" gab es vor drei Monaten ien langes Interview mit Bericht, in dem ihr KEINE Erotik-star Fragen gestellt wurden und ihr Weg als Kuenstlerin der Fokus war.
    Ich bin leider erst naechste Woche wieder bei mir in Frankreich und kann dann gerne daraus zitieren.
    Sie gibt dort z.B. Renata Scotto als ihr grosses Vorbild und Mentorin an, spricht ueber Inszenirungen und kuenftige Rollen und auch, dass ihr ein gewisser Glamour schon gefaellt, aber nie ueber den Gesang gestellt wird.
    Sie ist eine ersnthaft bemuehte Kuenstlrin, das fand ich auch bei ihrer Susanna deutlich und in diesem sehr objektiven sympathischen Bericht kommt das nochmal mehr zum Ausdruck.
    Ja, es gefaellt ihr, im Pelzmantel und Highheels auf der Titelseite zu sein und vielleicht auch die Assoziationen zu lancieren, die bei Maenern davon geweckt werden: Hat MarleneDietrich nciht daesselbe getan? Spricht man ihr deswegen die Schauspielkunst ab?


    Und ist das bitte ein Verbrechen fuer eine schoene Frau?
    Tun wir nicht alle taeglich dasselbe auf die ein oder andere Weise?
    Ich selbst gehe, so das ein Verbrechen ist, sofort mit ihr zusammen in die journalistische Strafkolonie! :yes:
    Warum hier die Kritik vor allem von Maennern kommt, habe ich mich schon vor Tagen in einem Posting gefragt ?(
    Liebe Severina, ich wundere mich genauso wie du :rolleyes:
    Eine moegliche psychologische Erklaerung koennte sein, dass die Herren sie am liebsten selbst als Erotikobjekt sehen, aber das natuerlich nicht politcal /artistical correct ist und deshalb in einer Art Projektion abgewehrt und gleichzeitig beschworen werden muss. :boese2:


    Fairy Queen

  • Hallo Severina,
    das Problem zwischen uns beiden (und auch zwischen Austria und mir) ist, daß Du ausschließlich von Dir und Deinen Bekannten ausgehst: Ihr schätzt Anna Netrebko aufgrund ihres Gesanges.
    Die Mehrheit der (männlichen) Klassikkonsumenten, die Anna Netrebko schätzen (und von denen spreche ich), schätzen sie aber wegen des "Gesamtpakets" mit Betonung der Erotik. Wenn man etwa Unsummen ausgibt, um Anna Netrebko einen Blumenstrauß überreichen oder am Tisch in ihrer Nähe sitzen zu dürfen, scheint mir das mit ihrer Intonation und Wortdeutlichkeit relativ wenig zu tun zu haben.
    Aber es ist mir klar, ich sagte es schon einmal, daß ein Anhänger es nie besonders mögen wird, wenn man "seinen" Star aus den falschen Gründen mag.
    Mein Problem bei Anna Netrebko ist nur, daß sie bei den für mich richtigen Gründen nicht gut genug abschneidet, um sie wirklich zu mögen.
    :hello:

    ...


  • Lieber Edwin,
    so puristisch bin ich gar nicht, wenn du meine Statements wirklich genau liest, wird wohl klar, dass ich durchaus das "Gesamtpaket" (inklusive der Erotik!) schätze - wäre AN eine schlechte Schauspielerin, würde ich mich sicher nicht stundenlang für eine Manon-Karte angestellt haben. Denn dass sie stimmlich für mich nicht der Superstar ist, habe ich schon oft genug betont und beweist ja wohl auch mein Ranking im Lieblingssängerinnenthread, wo sie an 9. Position steht. Und wie Fairy queen völlig richtig anmerkt: AN muss man erleben, nicht bloß hören. Deshalb besitze ich auch nur eine einzige Solo-CD von ihr, das "Russian Album", wo mich aber auch in erster Linie das Programm gereizt hat , denn wo hört man schon eine derartige Zusammenstellung. Gut, für dich als Experten in russischer Musik ist sicher nichts Neues dabei, für mich hingegen ist's ein guter Einstieg.
    Was die Blumenstrauß/Dinner-Sache betrifft, finde ich das genauso absurd wie du, aber auch das ist keine Erfindung von AN, denn so etwas ist doch in den USA seit jeher üblich, dass man sich ein Essen mit einem Star erkaufen kann. Pavarotti hat das immer wieder gemacht, mit ebenfalls aberwitzigen "Eintrittspreisen", aber kein Mensch hat ihn deshalb als "Erotikstar" verdammt. Und wenn man so wie ich über viele Jahre hinweg das Verhalten von Fans am Bühnentürl beobachtet hat, wundert einen sowieso nichts mehr ;)
    Mein Problem in der ganzen Sache besteht eigentlich eher darin, dass ich mich ständig frage, was eigentlich dein Problem ist.... Gut, ich glaube dir also, dass AN ein Erotikstar ist - und?? Wo ist die Katastrophe? Ich könnte deine Empörung ja verstehen, wenn sie sich als Pornostar positioniert, dazu müsste sie aber die Regisseure wechseln ;), was an Erotik, so wie sie von AN eingesetzt wird (nämlich nie abstoßend oder peinlich, sondern immer ausgesprochen ästhetisch!), sooooooooo schlimm ist, kann ich nicht sehen. Im übrigen hat es Fairy queen auf den Punkt gebracht, ihren Worten kann ich mich 100% anschließen! :]
    lg Severina :hello:

  • Nachdem ich mich in den letzten Tagen durch diesen Thread gekämpft habe, möchte ich meine Sicht der Dinge darlegen -


    Ich finde, dass Anna N eine gute, interessante Stimme hat, aber teilweise Partien singt, für die die Stimme schon zu schwer geworden ist (Beispiel - Don Pasquale-Aufnahme von der Met, Puritani ebendort).


    Darstellerisch hat sie in den letzten Jahren dazugelernt - in der legendären Liebestrank-Aufführung an der STOP wurde sie besonder im 1.Akt von Villazon und Nucci von der Bühne gespielt (durch die Schnitte im Video/TV hat man das an Hand der Konserve gar nicht so gemerkt - es ist interessant, wie sehr da manipuliert werden kann). Ich fand sie in Manon (Wiener Inszenierung) hervorragend, in Berlin weniger.


    Mir gefällt sie - jetzt einmal abgesehen von der Aussprache - im französischen Repertoire sehr gut (Romeo et Juliette, Manon), als Violetta war sie in Wien seinerzeit besser als in Salzburg (wahrscheinlich stand sie da noch weniger unter Druck), ihre Münchner Mimi klang auch viel versprechend. Aber so 100%ig überzeugte sie mich erst mit einer einzigen Arie - sowohl auf Platte, als auch live in einem Waldbühnenkonzert - in "Mesicku na nebi hlubokem" aus Rusalka. Passt perfekt zu ihrem Timbre.


    AN ist auch keine Diva - wer sie schon einmal vor oder nach einer Aufführung am Bühnentürl erwischt hat, der wird mir bestätigen, dass sie im Prinzip ein junges, naives Mädl ist, das das Glück hatte zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, die sich durchaus willig von ihren PR-Agenten einspannen lässt und schlicht und ergreifend Spaß am Leben haben möchte. Ihr deswegen einen Strick drehen zu wollen finde ich eigentlich unfair. Diese "Attitude" kam auch rüber bei der Wiener Manon - glaubwürdig im 1.Akt und sehr künstlich dann als "Lebedame" kam sie mir vor. Ich kann sie mir gut als Mimi oder vielleicht sogar als Cio Cio San vorstellen.


    Und jetzt zu dem Punkt, warum ich trotz aller Einwände und ihrer durchaus vorhandenen Defizite ich versuche, diese Frau so oft wie möglich live zu sehen. Ja, sie sieht gut aus (wenn sie geschminkt ist), hat eine tolle Figur - und ich muss ganz ehrlich sagen, wenn ich in die Oper gehe, dann ist es für mich ein "Gesamtkunstwerk", das aus Aussehen, Schauspiel und Musik besteht. Und da gehört Anna N sicherlich zur Zeit zu den besten Gesamtpaketen, die es zur Zeit gibt. Intoniert sie vielleicht manchmal nicht ganz korrekt - so what! Diesen Makel machen dafür kleine Gesten auf der Bühne m.E. mehr als wett. Mir sind, wenn ich eine Aufführung live sehe, "wirkliche Menschen", die vielleicht nicht 100%ig korrekt singen (z.B. Struckmann - den ich auf der anderen Seite wieder nicht gerne auf Platte höre) bei weitem lieber als perfekt singende, aber kalt und teflonartig wirkende DarstellerInnen (z.B. Gruberova).


    Ich behaupte nicht, dass AN die Beste, Schönste etc. ist, doch sie gehört - IMO gemeinsam mit Petibon, Dessay, Damrau, Schäfer und besonders Garanca zu den sicherlich herausragendsten Singschauspielerinnen. Natürlich wird sie wahrscheinlich niemals eine Persönlichkeit a la Baltsa werden (da liegen meine Hoffnungen auf Elina G), aber sooo schlecht, wie sie von vielen gemacht wird, ist sie wirklich nicht, im Gegenteil.


    kv

    Hear Me Roar!

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