Gustav Mahler: Sinfonie Nr 2 "Auferstehung"

  • Ich plädiere dafür, dass man diese Textstelle im Zusammenhang betrachtet. Und zwar insbesondre mit der, die sie paraphrasiert. Es ist meiner Ansicht nach ein Unterschied zwischen »Staub« und »Herz« sowie zwischen »nach kurzer Ruh« und »in einem Nu«. Und zwar doch wohl ei entscheidender Unterschied. Ich kann mich nicht entschließen, dass Mahler nur um der Abwechslung willen andere Wörter genommen hat, ohne sich weiter etwas dabei zu denken.

    (Und selbst wenn es so wäre, würde es nichts daran ändern, dass es so dasteht. Aber ich halte es für ausgeschlossen, dass Mahler so gedankenlos gearbeitet hat. Das wäre nach meiner Kenntnis das einzige Mal.)

  • Wer kann und mag, könnte bei Jens Malte Fischer reinschauen: Gustav Mahler, Der fremde Vertraute; V. "Es geht dir nichts verloren" - Glaube und Weltanschauung.

    Oder bei Frank Berger: Gustav Mahler, Vision und Mythos.


    Hat jemand die Briefe? Ich habe nur ein paar, die hier nicht passen. An Dr. A Seidl, 17.02.1897, könnte passen...

    „In sanfter Extase“ - Richard Strauss (Alpensinfonie, Ziffer 135)

  • Ich interpretiere den Satz "Sterben werd' ich um zu leben" nicht als Willensäußerung sondern als Hinweis auf das "Leben nach dem Tod". Ich bin allerdings auch bganz naiv in diesen Dingen. In dieser Interpretation würde ich das als christlichen Gedanken ansehen.

    Dieser Vers hat einen Bezug zum ersten Korintherbrief. Mahler zitiert: "Das, du säest, wird nicht lebendig, es sterbe denn".

    Damit widerlegt er seine Äußerung: "Ich habe die ganze Weltliteratur bis zur Bibel durchsucht, ohne das erlösende Wort zu finden"

    Er hat es ganz offensichtlich doch gefunden, und zwar in der Bibel.


    Mahler versteht diesen Vers im Sinne der Auferstehungs-Philosophie Gustav Theodor Fechners, dessen Schriften zu seiner Lieblingslektüre zählten. In seiner Schrift "Zend-Avesta" liefert Fechner eine "directe Begründung der Unsterblichkeitslehre", die er in keiner Weise im Widerspruch zur christlichen Auferstehungslehre stehend sieht. Sie mündet in das Resümee:

    "Das jenseitige Leben unserer Geister verhält sich zu dem diesseitigen ähnlich, wie ein Erinnerungsleben zu dem Anschauungsleben, aus dem es erwachsen ist".

    Mahler war von einer Wiederauferstehung des Menschen nach seinem Tode zutiefst überzeugt.

  • Das Problem ist lediglich, dass es in Mahlers Sinfonie ausdrücklich kein Jüngstes Gericht gibt. Das kann man leicht der Partitur entnehmen, wenn das nicht reicht, auch seinen eigenen Äußerungen. Sehr christlich kommt mir das nicht vor. Macht aber nichts. Wenn es denn unbedingt christlich sein soll, was Mahler hier verkündet (der freilich kein Christ war), dann soll es so sein.

  • Das Problem ist lediglich, dass es in Mahlers Sinfonie ausdrücklich kein Jüngstes Gericht gibt.

    ?


    Was ist dann das?


    Dies irae (dies illa,

    Solvet saeclum in favilla:

    Teste David cum Sibylla.


    Quantus tremor est futurus,
    Quando iudex est venturus,
    Cuncta stricte discussurus!

    Tuba mirum spargens sonum
    Per sepulcra regionum
    Coget omnes ante thronum).


    Klingt nicht gerade nach einem Festbüffet mit Ente in Aspik, es sei denn, man is(s)t die Ente ... 8-)

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Hat jemand die Briefe? Ich habe nur ein paar, die hier nicht passen. An Dr. A Seidl, 17.02.1897, könnte passen...

    Ich habe keine zur Hand. Aber ich warne grundsätzlich davon, solchen Selbstinterpretationen zu viel Gewicht beizumessen. Denn auf diese Weise schränkt man den Reichtum der Möglichkeiten ein und legt sich auf eine oder allzu wenige akzeptable Deutungen fest. Das ist schon mal ein Verlust.


    Außerdem ist gar nicht gesagt, dass die Äußerungen des Autors wirklich weiterhelfen. Wir erfahren aus ihnen vielleicht, was der Autor beabsichtigt hat, vielleicht aber auch nur, was er sich nachträglich dazu gedacht hat. (Bei Mahler kann man beides finden.)


    Mitunter trifft man auch auf Äußerungen, die dem Gegenstand ganz sicher nicht gerecht werden. Zum Beispiel in Bruckners kuriosen programmatischen Bemerkungen. Dann ist keineswegs immer klar, ob das wirklich ernst gemeint ist, ob sich der Autor selbst nicht verstanden hat, oder ob er bewusst in die Irre führen will. Das muss man dann immer noch am vorliegenden Material prüfen.


    Und schließlich ist, selbst wenn man eine sehr ausführliche und profunde Selbstinterpretation hat, immer noch die Frage zu klären, ob diese wirklich den Kern trifft und wirklich weiterhilft. Nehmen wir Wagners ausführliche Kommentartexte zum »Parsifal«, die das Werk als eine zutiefst rassistische Weltdeutung interpretieren. Ist das wirklich alles? Ist das wirklich der Kern? Müssen wir annehmen, dass Wagners Interpretation die gültige ist? Woran wollen wir das ermessen, wenn nicht an dem, was er realisiert hat, unabhängig davon, was er beabsichtigt haben mag, oder was er selbst geglaubt haben mag, realisiert zu haben.


    Natürlich ist es informativ, die Äußerungen der Autoren zur Kenntnis zu nehmen und gründlich zu studieren. Aber man wird auch sie interpretieren müssen und ggf. über sie hinausgehen müssen.


    Schließlich kommen wir immer wieder auf den wichtigen Punkt, dass nichts in der Welt unveränderlich ist, auch Kunstwerke nicht. Was etwas bedeutet (man kann auch sagen »ist«, oder anders, aber es ist jetzt nicht nötig, scheint mir, allzu tief in die philosophischen Komplikationen dieser Dinge einzusteigen) hängt davon ab, wo und wann es sich befindet und betrachtet wird. Nichts existiert unabhängig von Zeit und Raum, was eben bedeutet, dass sich alles fortwährend verändert. Der Autor eines Kunstwerks kann aber nicht wissen, was sich in der Zukunft zutragen wird, das den Gehalt seines Werks beeinträchtigt oder bereichert. Er kann bestenfalls eine Momentaufnahme geben, die nur für den Zeitpunkt stimmt, an dem er sie macht. Das ist zweifellos interessant, ist aber keineswegs zeitlos gültig. (Schon deshalb nicht, weil es nichts gibt, was zeitlos gültig ist.)


    Werfen wir einmal kurz einen Blick auf die musikalische Interpretation. Mir scheint, es ist unsinnig, zu sagen, wie Furtwängler Bach spielen ließ, ist und war falsch, während Harnoncourt es richtig gemacht hat. Oder umgekehrt. Beides ist gleich unsinnig. Harnoncourt selbst hat einmal, über den Unterschied seiner Mozart-Auffassung von denen früherer Zeiten (sinngemäß) gesagt: Sicherlich kommt und heute vieles grotesk vor, was man damals gemacht hat. Aber wir sollten nicht vergessen, dass diese Leute große Musiker waren, die sich sehr viele und genaue Gedanken gemacht haben über das, was sie taten. Sie lebten lediglich in einer anderen Zeit und haben so musiziert, wie es ihrer Zeit entsprach. Heute tun wird dasselbe: wir musizieren, wie es unserer Zeit entspricht, und es wird sicher die Zeit kommen, wo man es wieder ganz anders macht, weil es wieder ganz andere Zeiten sind, und dann wird man vielleicht über uns lachen.


    Ich finde, das ist eine sehr vernünftige Haltung und sie hilft auch in de Fragen, um die es hier geht, weiter. Nicht zuletzt darum, weil sich Harnoncourt eben nicht bemüht die Möglichkeiten zu beschränken, sondern im Gegenteil möglichst alles offen zu halten.


    Um da nicht missverstanden zu werden: Wenn ich meine, wir sollen uns an die Partitur halten, meine ich natürlich an die Partitur, wie wir sie hier und heute lesen. Nicht an die Partitur, wie sie ein für allemal in Stein gemeißelt und auf ewig unwandelbar vorliegt. Denn der Reichtum des Kunsterks ist eben der Reichtum der Möglichkeiten, die es eröffnet.


    (Darum, nebenbei bemerkt, bin ich dafür bei der Interpretation von künstlerischen Phänomenen langsam vorzugehen. Die Dinge so lange wie möglich in der Schwebe zu halten und allzu schnelle und allzu leichte Antworten auf die sich erhebenden Fragen – zum Beispiel die nach dem »dies irae«-Motiv zu vermeiden.)


    Viellicht noch eine Bemerkung aus eigener Erfahrung: Bei Publikumsgesprächen wird man oft gefragt, was dieses oder jenes Detail oder diese oder jene Aktion bedeuten sollte. Die Frage zielt darauf zu erfahren, was sich die Macher dabei gedacht haben. Ich habe solche Fragen nie gern beantwortet, es sei denn, es handelte sich um simple Unklarheiten oder Missverständnisse. Viel lieber habe ich die Zuschauer ermutigt, sich selbst einen Reim auf die Sache zu machen, also nicht zu glauben, dass sie aufgefordert sind, eine richtige Lösung zu finden, die die Macher dann abfragen und ggf. mit einem Bienchen belohnen können. Dabei ist es erstaunlich oft passiert, dass Deutungen dieser Sache präsentiert wurden, an die wir zwar nie gedacht haben, die aber nichtsdestoweniger sehr gut und klug waren und Dimensionen unserer eigenen Arbet eröffneten, von denen wir nichts wussten. Hätte ich einfach die scheinbar»richtige« Antwort gegeben, wäre dieses Ereignis verhindert worden und beide Seite wären um eine bereichernde Erkenntnis gebracht worden. Ich meine, das wäre bedauerlich.

  • Wenn es denn unbedingt christlich sein soll, was Mahler hier verkündet (der freilich kein Christ war), dann soll es so sein.

    Das ist es, wie ich meine, sehr wohl, - christlich. Allerdings in dem vorangehend dargestellten Verständnis von Fechners Auferstehungsphilosophie. Mahler vermochte christliche Glaubensinhalte sehr wohl in seinen Panentheismus zu integrieren.

    Constantin Floros meint: "Unsere Untersuchungen haben ergeben, daß Mahler alles andere als ein Freidenker war. (...) Die Beurteilung der Mahlerschen Gläubigkeit ist, wie es scheint, eine Frage der Interpretation. Ist man der Meinung, daß Christgläubigkeit und religiöse Problematik sich gegenseitig ausschließen, so war Mahler, der intellektuell Unruhige, gewiss kein strenggläubiger Christ."


    In diesem Zusammenhang verweist er auf eine Äußerung Mahlers auf die Frage von Alfred Roller, warum er eigentlich keine Messe schreibe. Daraufhin Mahler, so im Bericht von Roller:

    ">Glauben Sie, daß ich das vermöchte? Nun, warum nicht? Doch nein. Da kommt das Credo vor<. Und er begann das Credo lateinisch herzusagen. < Nein, das vermag ich doch nicht<. Aber nach einer Probe der >Achten< in München rief er mir in Erinnerung an dieses Gespräch fröhlich zu: >Sehen Sie, das ist meine Messe<".

  • Ich empfehle mal ein bisschen Fegefeuer: Ken Russels „Mahler“ (1974):



    Wenn ich noch nicht völlig taub auf beiden Augen bin, ist hier die Blidqualität gegenüber dem Original ziemlich cool aufmotzt worden?

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Ich habe keine zur Hand. Aber ich warne grundsätzlich davon, solchen Selbstinterpretationen zu viel Gewicht beizumessen. Denn auf diese Weise schränkt man den Reichtum der Möglichkeiten ein und legt sich auf eine oder allzu wenige akzeptable Deutungen fest. Das ist schon mal ein Verlust.

    Zunächst ein Hinweis: ich schrieb von einem Brief von Gustav Mahler selbst. Worte aus erster Hand, die, sollten sie Klarheit liefern, ggf. gar keiner Interpretation bedürfen.


    Selbstinterpretationen? Von wem? Einem Autor? Von mir selbst? Ja, warum denn nicht?

    Ob ich mich dadurch einschränke, steht doch dabei gar nicht fest.


    Außerdem ist gar nicht gesagt, dass die Äußerungen des Autors wirklich weiterhelfen. Wir erfahren aus ihnen vielleicht, was der Autor beabsichtigt hat, vielleicht aber auch nur, was er sich nachträglich dazu gedacht hat. (Bei Mahler kann man beides finden.)

    Das stimmt - und schließt wenigstens die Möglichkeit ein, dass sie doch wirklich weiterhelfen.

    „In sanfter Extase“ - Richard Strauss (Alpensinfonie, Ziffer 135)

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  • Ich denke, auch ein Brief von Mahler bedarf selbstverständlich der Interpretation. Denn man muss wohl berücksichtigen, an wen, unter welchen Umständen und mit welchem Ziel der Brief geschrieben worden ist. Und Klarheit schafft er bestenfalls darüber, was Mahler gemeint hat oder glaubt, gemeint zu haben oder für richtig hält, dem Adressaten als seine Absicht mitzuteilen.


    Er schafft aber keine Klarheit darüber, was die Sache nun tatsächlich ist, weil es nicht gesichert ist, dass diese genannten Ansichten verwirklicht wurden. Das muss man dann schon noch am Ggenstand selbst überprüfen. Und wenn man schon dabei ist, glaube ich, ist es klug, sich nicht von vornherein Scheuklappen aufzusetzen, damit man nur das sieht, was Mahler gesehen hat.


    Aber ich glaube eigentlich, das ziemlich ausführlich dargestellt zu haben. Das zu wiederholen führt ja zu nichts.

  • Aber ich glaube eigentlich, das ziemlich ausführlich dargestellt zu haben. Das zu wiederholen führt ja zu nichts.

    Stimmt. Und es wird dadurch nicht besser.

    Du wertest die möglichen Nachteile und Unsicherheiten eines Briefes, ohne den zu kennen. Viele Wörter, viel "müssen" und dies noch, und das noch, wenn aber, und man weiß ja nie so genau...


    Wenn man denn immerhin das sähe, was Mahler selbst gesehen hat - Bravo! Das wäre schon mal was.

    Die stets von Dir angesprochenen Unzulänglichkeiten, Fehler, Scheuklappen und so weiter, sehe ich für mich nicht als Gefahr. Gut für Dich, wenn Du mit großer Vorsicht den vielen Unsicherheiten begegnest.

    „In sanfter Extase“ - Richard Strauss (Alpensinfonie, Ziffer 135)

  • Ich werte überhaupt nichts. Schon gar nicht diesen Brief, den ich nicht kenne. Wenn Du gelesen hättest, was ich schrieb, wüsstest Du das. Also lassen wir es einfach.

  • Mahler versteht diesen Vers im Sinne der Auferstehungs-Philosophie Gustav Theodor Fechners, dessen Schriften zu seiner Lieblingslektüre zählten. In seiner Schrift "Zend-Avesta" liefert Fechner eine "directe Begründung der Unsterblichkeitslehre", die er in keiner Weise im Widerspruch zur christlichen Auferstehungslehre stehend sieht. Sie mündet in das Resümee:

    "Das jenseitige Leben unserer Geister verhält sich zu dem diesseitigen ähnlich, wie ein Erinnerungsleben zu dem Anschauungsleben, aus dem es erwachsen ist".

    Mahler war von einer Wiederauferstehung des Menschen nach seinem Tode zutiefst überzeugt.

    Lieber Helmut Hofmann,


    der Hinweis von Constantin Floros auf Mahlers Fechner-Lektüre ist für die hermeneutische Entschlüsselung in der Tat entscheidend. Nur so wird nämlich Mahlers synkretistische Umdichtung der Vorlage von Klopstock verständlich. Mahler macht in Verschmelzung von pantheistischen und christlichen Motiven aus dem religiösen Sinn eine Weltanschauung. Mahlers 2. Symphonie ist wenn man so will "Weltanschauungs-Symphonik". "Weltanschauung" hat im 19. Jhd. noch nicht die negative Konnotation, die der Begriff im 20. Jhd. bekommen hat. Durch Fechner gedeutet ist das Jenseits und der Glaube an die Auferstehung eine Transzendenz in der Immanenz, d.h. in der weltlichen Erfahrung angelegt. Es gibt da eine Kontinuität und keine Diskontinuität. Die Symphonie, die nach Mahler ja eine Welt ausdrückt und eine weltliche Kunst ist, nimmt so das Religiöse als weltlichen Sinn auf und macht ihn vor allem durch die Musik erlebnisfähig. Da spielt der Gedanke der Kunstreligion hinein - das was Nietzsche die "Artistenmetaphysik" genannt hat. Der Glaube wird zum ästhetischen Erlebnis. Bezeichnend gestaltet Mahler die zentralen Sätze "Sterben um zu leben" musikalisch als Apotheose - man muss das Finale ja auch in Entsprechung zu dem der 1. Symphonie sehen. Das ist der "Sieg" des Menschen und seines Glaubens über den Tod. (Die programmatischen Äußerungen Mahlers gehören selbstverständlich zum Werk, weil das keine absolute Musik ist, sondern die Musik Ausdruck eines Inhalts ist, eine "poetische Idee" verkörpert. Auch das ist musikhermeneutisch eindeutig belegbar und belegt.)


    Mahler hat den Gedanken der Auferstehung selbstverständlich Ernst gemeint. Daran kann kein Zweifel bestehen. Nicht zuletzt deshalb, weil Mahler die musikalische Passage "Sterben um zu leben" in seiner 10. Symphonie an entscheidender Stelle zitiert - ein intertextueller Bezug zwischen den Werken, der zeigt, dass Werksinn und Weltverständnis des Autors hier vermittelt sind und nicht voneinander getrennt werden können.


    Schöne Grüße

    Holger

  • Die letzten Minuten des Finales der 2. Sinfonie Gustav Mahlers in einer Zusammenstellung verschiedener Dirigenten, Chöre und Orchester.


    Hans Heukenkamp hatte in einem anderen Thread einen Link gesetzt, der allerdings nicht funktionierte und als Fehlermeldung erschien.


    Leonard Bernstein bekommt den ersten Preis für die Dirigenten-Performance mit grösstem Körpereinsatz.



  • Greife ich mal ins Regal nach dieser Aufnahme der 2. Sinfonie Gustav Mahlers des Labels Denon aus dem Jahr 1984.

    Ich hatte sie in einem Nebensatz im Thread erwähnt. Lange habe ich sie nicht mehr gehört.


    Helen Donath, Doris Soffel, Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt, Eliahu Inbal


    Es ist dieses Cover, allerdings nicht in diesem Format.



    Ich hatte mir den Thread durchgelesen. Man erfährt einiges, das informativ ist.


    Erhellend der Hinweis, dass es Dirigenten gab, die Mahler nie aufgeführt hatten. Da war ein gewisses Resentiment bestimmter Dirigenten, das heutige Dirigenten dieser Musik gegenüber nicht mehr haben.


    Das inaktive Mitglied @ s.bummer hat im Thread über die Würdigung Mahlers in den 50er Jahren geschrieben. Gustav Mahler: Sinfonie Nr 2 "Auferstehung"


    .




  • Erwähnenswert auch diese sehr gute Live-Aufnahme unter dem Dirigat des kürzlich verstorbenen Bernhard Klee. Es spielt das Radio-Symphonie-Orchester Berlin und es singen der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin sowie die Solisten Rosalind Plowright (Sopran) und Glenys Linos (Alt). Ein RIAS-Mitschnitt vom 30. Mai 1982 aus der Berliner Philharmonie, der klanglich keine Vergleiche zu scheuen braucht.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões



  • Erwähnenswert auch diese sehr gute Live-Aufnahme unter dem Dirigat des kürzlich verstorbenen Bernhard Klee. Es spielt das Radio-Symphonie-Orchester Berlin und es singen der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin sowie die Solisten Rosalind Plowright (Sopran) und Glenys Linos (Alt). Ein RIAS-Mitschnitt vom 30. Mai 1982 aus der Berliner Philharmonie, der klanglich keine Vergleiche zu scheuen braucht.

    Dank dir, werde ich wieder ein paar CDs aus Japan bestellen müssen. :)

    Wie es schient, gibt es sogar die Sinfonien 1 und 4.

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    Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie. Wem meine Musik sich verständlich macht, der muß frei werden von all dem Elend, womit sich die anderen schleppen.

    Ludwig van Beethoven


    Bruckner+Wand So und nicht anders :)

  • Dank dir, werde ich wieder ein paar CDs aus Japan bestellen müssen. :)

    Wie es schient, gibt es sogar die Sinfonien 1 und 4.

    Ich habe von Klee nicht sehr viel; aber was ich habe, ist alles hochkarätig. Ich denke, das trifft insofern auch auf die beiden weiteren Mahler-Sinfonien zu.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • ... dass es Dirigenten gab, die Mahler nie aufgeführt hatten.

    Sergiu Celebidache: "Ich habe nie Mahler dirigiert und werde es auch nicht tun. Mahler ist eine der peinlichsten Erscheinungen der Musikgeschichte."


    aus "Stenographische Umarmung - Sergiu Celibidache beim Wort genommen", herausgegeben von Stefan Piendl und Thomas Otto, ConBrio, Seite 67

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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  • Sergiu Celebidache: "Ich habe nie Mahler dirigiert und werde es auch nicht tun. Mahler ist eine der peinlichsten Erscheinungen der Musikgeschichte."

    Na, wenn Celi seine Ablehnung gegenüber Mahler so eindeutig formuliert hat und nachdrücklich klar gemacht hat, nie Mahlers Musik zu dirigieren, wird er sich ja sicher auch ganz bestimmt daran gehalten hab...


    Oh, Moment mal...



    ;)

  • Na, wenn Celi seine Ablehnung gegenüber Mahler so eindeutig formuliert hat und nachdrücklich klar gemacht hat, nie Mahlers Musik zu dirigieren, wird er sich ja sicher auch ganz bestimmt daran gehalten hab...


    Oh, Moment mal...

    Er war, euphemistisch ausgedrückt, meinungsstark und überschritt dabei nicht selten die Grenzen des guten Geschmacks. Ähnliche zweifelhafte Aussprüche Celibidaches über Dirigentenkollegen sind überliefert. All das sagt am Ende vielleicht mehr über ihn selbst aus als über die damit Bedachten. Und der Gipfel ist in diesem Falle, dass er darüber sogar noch wortbrüchig wurde. In einem Gespräch von 1986 soll er Mahler als "chaotische[n] Mensch[en], ein Genie, aber selbstherrlich" bezeichnet haben. Bei Mahler sei "kein Sinn für Architektur oder Konsequenz" erkennbar, "ihm fällt immer wahnsinnig Gutes ein, aber er kann nie aufhören, er weiß nie, wohin damit" (zitiert nach einem Artikel in der "AZ"). Der greise Klemperer brauchte 100 Minuten in seiner letzten Aufführung der "Auferstehungssinfonie" von 1971. Celibidache hätte vermutlich noch etwas drauf gelegt.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões


  • Diese Einspielung nominierte ich an anderer Stelle bereits als einen "Best Buy 2025". Es handelt sich nach meinem Dafürhalten um eine der bezwingendsten Interpretationen von Mahlers 2. Sinfonie. Der seinerzeit bereits hochbetagte Leopold Stokowski (damals 92) spornt London Symphony Orchestra and Chorus zu Höchstleistungen an. Solistisch ist diese RCA-Studioproduktion (Aufnahme: Walthamstow Town Hall, London, Juli/August 1974) mit Margaret Price und Brigitte Fassbaender mehr oder weniger optimal besetzt. Das neue Remastering dieser hybriden Super Audio CD (Stereo und Mehrkanal) lässt, so meine Erfahrung mit Dutton im Allgemeinen, abermals keine Wünsche offen. Die SACD ist unbedingt der problematischen alten CD-Ausgabe vorzuziehen. Ich meine, David Hurwitz von "Classics Today" lernte das Werk vor einem halben Jahrhundert mit exakt dieser Aufnahme kennen und räumt ihr nach wie vor einen Ehrenplatz in der Diskographie ein.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões