Mein Kulturportfolio

  • Hallo!!


    Hab vor einigen Wochen meine Matura bestanden, und ich war so "mutig" in Kultur zu maturieren. (1) :D


    Ich musste dazu ein Portfolio erstellen, dass öffentlich einsehbar ist.
    Nun möchte ich es hier reinstellen!! Zum Durchlesen und Kommentieren. Viele Inhaltsangaben werden euch bekanntvorkommen, sie wurden für das Portfolio geschrieben und dann in den Opernführer eingefügt!!


    Besonders stolz bin ich nicht auf meine Arbeit, da ich doch sehr kürzen musste und einfach schreiben sollte, da meine Prüfer nicht so viel Ahnung von dem hätten, über das ich schrieb:


    Also los gehts:
    China in der Opernliteratur


    Der ferne Osten, speziell China, war für die Europäer schon immer ein geheimnisvolles und rätselhaftes Stück Erde. Die chinesische Kultur, Lebensart, Architektur, Mythologie, vor allem aber ihre Erfindungen und technischen Fortschritte haben die Menschen in Europa beeindruckt. So auch die Opernkomponisten und Librettisten.
    Viele Stücke, seien es ernste Dramen oder heitere Operetten, wurden von den Textdichtern hier angesiedelt. Eine kleine Auswahl möchte ich Ihnen hier vorstellen.


    Wie schon gesagt, bildete China für viele Komponisten und Librettisten einen guten Ausgangspunkt für ihre Werke. Ein möglicher Grund mag die andere Lebenseinstellung der Chinesen zur damaligen Zeit sein. Ebenso bildete die chinesische Mythologie und Geschichte die Grundlage für viele Stücke. Dies gilt übrigens nicht nur für China, sondern für viele andere Regionen und Zeitepochen der Welt.


    Die wohl bekannteste „Chinesen-Oper“ heißt „TURANDOT“ von Giacomo Puccini. Turandot wurde am 25.4. 1926 an der Mailänder Scala uraufgeführt. Es war ein gigantischer Erfolg, den der Komponist nicht mehr erlebte. Puccini starb am 29.11.1924 an Kehlkopfkrebs. Er konnte die Oper nicht mehr fertig komponieren, deshalb wurde sie von Franco Alfano unter der Berücksichtigung der von Puccini hinterlassenen Skizzen vollendet. Die Uraufführung wurde vom Dirigenten, Arturo Toscanini, an der Stelle beendet, an der Puccini aufgehört hatte zu komponieren. Erst bei der zweiten Aufführung wurde das Stück zu Ende gespielt.


    INHALT DER OPER


    Schauplatz der Oper ist Peking, in sagenhafter Vergangenheit.
    „Turandot“ erzählt die Geschichte der gleichnamigen Prinzessin, die nicht heiraten will, außer einer der zahlreichen Bewerber löst alle drei Aufgaben, die sie ihm stellt. Löst er sie, wird sie ihn heiraten, löst er sie nicht, muss er sterben. Einer der zahlreichen Wagemutigen ist Kalaf, der unbekannte Prinz der Tataren. Er liebt das Risiko und möchte die Aufgaben, trotz vieler Warnungen lösen, da er sich in Turandot verliebt hat. Er löst (wider erwarten für Turandot) alle drei Rätsel und besteht auf seinem Recht sie zu heiraten. Turandot erfleht von ihrem Vater, sie nicht zu verheiraten. Der aber lehnt ab. Kalaf will Turandot aber um jeden Preis, daher gibt er ihr ein Rätsel auf. Hat sie vor Sonnenaufgang seinen Namen in Erfahrung gebracht, will er als Besiegter sterben, wenn nicht: Heirat.
    Liu´, die Kalaf liebt (der davon aber nichts weiß), weiß den Namen des Prinzen. Als sie nun von Turandot verhört wird, ersticht sich die Sklavin vor den Augen des ganzen Hofstaats selbst, um dem Prinzen das Leben zu retten. Turandot ist nun gezwungen Kalaf zu heiraten. Sie erklärt ihm, dass sie ihn hasse und will nun endlich seinen Namen erfahren. Für sie, so Kalaf, heiße er Liebe.


    Die Geschichte der Turandot


    Die Vorlage für diese Oper bildet ein gleichnamigen Schauspiel von Carlo Gozzi aus dem Jahre 1762. Puccini ist nicht der einzige, der es vertont hat. Weitere „Turandots“ stammen von Feruccio Busoni (1911), Carl Maria von Weber (1809). Dies sind aber nicht die einzigen Turandots der Opernliteratur. Insgesamt gibt es um die 15 Vertonungen.
    Puccinis Turandot ist aber die bekannteste. Warum??? In dieser, Puccinis ungekröntem Meisterwerk, wird der Zuschauer vom „Reich der Mitte“ derart in den Bann gezogen, sodass er diesen Ausflug nicht mehr beenden will. Puccini gelingt es die Stimmung und Athmosphäre perfekt in Musik umzusetzen. Er beschäftigte sich vor der Komposition intensiv mit chinesischer Musik, sodass man viele „echte“ Melodien aus China hören kann. Weiters findet man in Turandot mehrere große Arien und viele Ensemblestücke. Einige davon sind echte Ohrwürmer geworden. Allen voran „Nessun dorma“, die Arie des Kalaf im 2. Akt.
    Diese Arie ist auch vielen Nichtopernfreunden ein Begriff. Sie ist eine der schwierigsten Tenorarien der Opernliteratur, die von jedem großen Tenor schon gesungen wurde.
    Ein weiterer Grund sind die Kulissen und Kostüme. Die meisten Opernbesucher lieben exotische Orte und längst vergangene Zeiten. Turandot bietet beides. Dazu betreten viele Menschen auf einmal die Bühne (Anfangsszene des 1. Aktes; „Popolo di Pekino“), sodass jede Turandot-Aufführung ein Erlebnis der Extraklasse darstellt.
    Turandot ist eine Oper voller Dramatik, Leidenschaft, Humor (Ping, Pang und Pong, die Minister, hier erkennt man die Ursprünge des Turandot-Stoffes; es sind Überbleibsel aus der Commedia dell´ Arte) und Liebe aber auch eine sehr blutrünstige und gewalttätige Oper. Kurzum: die beste, bekannteste und meist gespielte Chinesenoper der Welt.


    Warum China??


    In der frühen Opernpraxis waren prächtige Kostüme und Kulissen sowie viele „Spezialeffekte“ außerordentlich beliebt. Wenn die Handlung dann auch noch in der Vergangenheit und nicht im Land, wo man selber lebt, spielt, waren das gute Voraussetzungen für den Erfolg der Oper. Daher bat sich China für die Komponisten der Renaissance und des Barocks als Schauplatz für ihre Opern an.
    Viele Opernstoffe waren der Mythologie oder Geschichte entnommen. Weiters kam es auch vor, das ein Libretto von mehreren Komponisten vertont wurde. Daher tragen viele Opern den selben Titel, haben aber oft nichts miteinander zu tun. Ebenso trugen die Opernhelden oft die selben Namen, die Opern selbst spielten aber an verschiedenen Ort und in verschiedenen Zeiten. (z.B. Ottone, Orlando...)


    Antonio Vivaldi (1678-1741), der bekannteste italienische Komponist des Barocks wird vor allem wegen seiner Concerti geschätzt und geliebt. Was viele nicht wissen, Vivaldi komponierte rund 50 Opern. Einige davon spielen in China. Z.B.: Teuzzone
    Sie ist Vivaldis bekannteste Chinesenoper, vor allem ist dies der Mezzosopranistin Cecilia Bartoli zu verdanken, die diese Oper bekannt gemacht hat, da sie Teile der Oper in ihren Konzerten gab.


    Nicht direkt in China, sondern in Persien spielt „Orlando“, eine Geschichte die sowohl von Vivaldi und auch von Georg Friedrich Händel genutzt wurde. Die Händel´sche Vertonung ist aber die bekanntere. Hier spielt die Zukunft Chinas eine Rolle, da der Kaiser von China in Persien gefangen wird und um seinen Thron wird hier erbittert intrigiert, geliebt und gestorben.


    Später wurden komische Opern immer populärer. Daher wurden immer mehr davon geschrieben. Manche davon spielen an exotischen Schauplätzen, die meisten im islamischen Kulturkreis, aber auch einige davon in China.


    Zum Beispiel:
    ¯ Le Cinesi (Die Chinesinnen) von Christoph Willibald Gluck (Uraufführung: in Schlosshof 1754 !!), es geht um einen kleinen Streit, da sich die feinen chinesischen Damen nicht einigen können, welches Theaterstück aufgeführt werden soll, am Ende werden beide gespielt.


    ¯ Bataklan von Jacques Offenbach (Uraufführung: Paris 1855); Bataklan ist das Codewort einer Verschwörung gegen den Kaiser Fenihan, der in Wirklichkeit ein Franzose ist. Die beiden Hauptverschwörer, die ertappt werden und hingerichtet werden sollen, lässt er frei, da die beiden ebenfalls Franzosen sind. Die beiden können fliehen und es gibt ein Festmahl.


    Auch in der Operette taucht das ferne China immer wieder auf. Als bekanntestes Beispiel möchte ich „Das Land des Lächelns“ nennen. Franz Lehar schuf hier, wie auch mit den meisten anderen seiner Operetten Melodien, die zu Ohrwürmern geworden sind. Allen voran „Dein ist mein ganzes Herz“, dass er gemeinsam mit dem Jahrhundert-Tenor Richard Tauber geschrieben hat und zum sogenannten „Tauber-Lied“ wurde, da kein Sänger nach ihm dieses Lied so unbeschreiblich interpretieren konnte.

  • Warum “Cosi fan tutte”???
    Weil ich alle Mozart-Da Ponte Opern grandios finde und mir komische Opern besonders liegen.


    Cosi fan tutte (So machen´s alle)


    Dramma giocoso in 2 Akten


    Uraufführung: 26.1.1790 Wien(Burgtheater)


    Musik: Wolfgang Amadeus Mozart
    Text: Lorenzo da Ponte


    Ort der Handlung: Landgut bei Neapel
    Zeit der Handlung: Mitte des 18. Jahrhunderts


    Personen:
    Dorabella, eine vornehme Dame aus Neapel (Sopran)
    Fiordiligi, deren Schwester (Mezzosopran)
    Guglielmo, Offizier, Verlobter Fiordiligis (Bariton)
    Ferrando, Offizier, Verlobter Dorabellas (Tenor)
    Despina, Kammerdienerin der Damen (Sopran)
    Don Alfonso, ein alter Philosoph (Bass)
    Soldaten


    Handlung:


    Dieses eigentlich als komische Oper gedachtes dramma giocoso („Tänzelndes Drama“) erzählt die Liebesgeschichte zweier Paare, die aus Lust und Laune ihre Liebe aufs Spiel setzen.


    1. Akt
    Terrasse eines Kaffeehauses in Neapel


    Don Alfonso, ein alter Philosoph, Ferrando und Guglielmo, zwei Offiziere und gute Freunde Alfonsos treffen sich wieder einmal in ihrem Stammlokal um über Gott, Frauen und die Welt zu diskutieren. Dieses mal geht es um Frauen. Die beiden jungen (sie sind erst knapp über 20) Offiziere rühmen ihre Verlobten, die sie nie belügen, betrügen oder gar einen anderen Mann lieben würden. Alfonso behauptet, dass alle Frauen ihre Männer betrügen würden, auch ihre Verlobten. Die beiden Offiziere fordern Alfonso zum Duell, der aber bietet ihnen eine Wette um 100 Zechinen an. Sie schlagen ein, da sie immer Geld brauchen und sie sich sicher sind, ihre Wette zu gewinnen. Die Wette lautet, dass die beiden je 100 Zechinen bekommen, wenn Alfonso ihnen beweist, dass ihre Verlobten ihnen untreu werden. Er hat auch schon einen Plan:
    Er, Don Alfonso wird zu den beiden Damen gehen und ihnen eine furchtbare Nachricht verkünden. Der Krieg sei ausgebrochen und die beiden sind natürlich aufgerufen worden dem Vaterland zu dienen. Falls die beiden fragen sollten, gegen wen der Krieg geht, bräuchte er sich nur irgendein beliebiges Land aussuchen, da ja zur damaligen Zeit immer Krieg geführt wurde. Die beiden Offiziere sollten Abschiedsschmerz vortäuschen und dann nach Neapel fahren. Kurz darauf würden sie verkleidet zum Landsitz der Damen fahren und jeder versucht die Verlobte des anderen für sich zu gewinnen. Man werde sehen was passiert!! Guglielmo und Ferrando sind mit dem Plan einverstanden und schmieden schon Pläne was sie mit dem gewonnenen Geld machen werden.


    Szenenwechsel
    Ein Garten im Palais der beiden Damen außerhalb von Neapel.


    Fiordiligi und Dorabella träumen. Sie träumen von ihren Geliebten und von der Hochzeit mit ihnen. Sie sehnen sich nach Ferrando bzw. Guglielmo. Sie schwören ihnen EWIGE TREUE und LIEBE! Da kommt Don Alfonso, der ihnen die furchtbare Nachricht von der Einberufung der beiden Offiziere erzählt. Die Damen verfallen in Wehmut, da sie Angst haben, die beiden könnten nicht lebend aus dem Krieg zurückkehren. Die beiden Offiziere schwören ihnen aufzupassen und schwören ihnen ebenfalls EWIGE TREUE und LIEBE! Dann ertönt ein Militärmarsch, der die beiden abholen soll. Es sind in der Tat die Soldaten der beiden, die einen Extralohn für dieses Aufmarschieren erhalten haben. Dann ziehen die Offiziere in den Krieg! Don Alfonso geht mit ihnen! Die beiden Herren wollen die Wette schon beenden, sie sind der Meinung dass man diese Liebesbande nicht zerstören kann. Don Alfonso rät ihnen zu warten.


    Szenenwechsel
    Ein Zimmer der Damen.


    Fiordiligi und Dorabella sind wehmütig und klagen ihr Leid. Die beiden Damen schwören sogar, sich umzubringen, wenn sie ihre Geliebten nicht wieder sehen sollten. Despina, ihre junge Dienerin, bringt ihnen Schokolade und rät ihnen nicht so wehmütig zu sein. Schließlich seien sie noch jung und sollten Spaß am Leben haben. Sie sollen sich vergnügen und daran denken, wie viele gut aussehende Männer es noch gibt. Die beiden Schwestern sind entsetzt über diesen Vorschlag und über Despinas Charakter. Auf die Frage was die Leute wohl sagen würden, wenn schon kurz nach der Abreise neue Männerbekanntschaften ein und aus gehen würden, verspricht Despina die eventuellen Bekanntschaften als die ihrigen auszugeben. Trotzdem wollen die Damen auf Guglielmo und Ferrando warten.


    Szenenwechsel
    Ein Gang.


    Alfonso weiht Despina in seine Wette ein und bittet (gegen ein kleines Entgeld) sie das Spiel mitzuspielen. Sie willigt ein, da sie sich sicher ist ihren Spaß an dem Intrigenspiel zu haben. Alfonso stellt den Damen die verkleideten Offiziere als gute Freunde aus Albanien vor. Guglielmo gesteht Dorabella seine Liebe, während Ferrando dasselbe für Fiordiligi tut. Die Damen fühlen sich unwohl und flüchten in den Garten. Die beiden Herren, die die Ablehnung des jeweils anderen mit Stolz registriert haben, wollen Don Alfonso schon das Geld abnehmen, doch der gibt nur eine seiner philosophischen Antworten: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten!“


    Szenenwechsel
    Ein Garten


    Die beiden Damen wollen die Annäherungen der Herren nicht dulden, ihnen aber aus Höflichkeit noch erlauben etwas zu bleiben. Sie schwören sich, sich nicht zu verlieben. Da stürmen die beiden Herren in den Garten, jeder von ihnen hat ein Fläschchen in der Hand. Es ist mit Gift gefüllt und die beiden drohen sich zu vergiften, wenn ihre Liebesschwüre nicht erhört würden. Die Damen warten weiter und so trinken die beiden, das angenommene Gift und fallen „tot“ um. Die Damen geraten in Panik, da sie ja keine toten Liebhaber im Garten wollen und verlangen nach einem Arzt. Despina verkleidet sich als solcher und heilt die beiden. Die Damen ziehen sich beeindruckt von der Heilskunst des Arztes auf ihr Zimmer zurück, während die Herren das gelungene Manöver bejubeln.


    2. Akt
    Das Zimmer der Damen


    Die beiden Damen sind entsetzt über die beiden dreisten Herren und beschließen ihre Liebsten nie zu vergessen. Despina aber fordert sie auf Spaß zu haben und mit den beiden Herren „anzubandeln“ ohne ihre Geliebten zu vergessen. Sie sollen einfach Spaß haben, fordert sie Despina auf. Dorabella ist dem nicht abgeneigt, Fiordiligi will aber standhaft zu ihrem Guglielmo halten. Don Alfonso bittet die beiden nun in den Garten zu kommen.


    Szenenwechsel
    Ein Garten am Meer


    Don Alfonso hat alles für ein Rendezvous der beiden Paare vorbereitet, die Herren kommen in einem Boot an. Die beiden steigen aus, und die Damen werden von den beiden „Intriganten“ Don Alfonso und Despina zu den Herren geführt. Nun entfernen sich die beiden.
    Die Paare wissen zuerst nichts miteinander anzufangen, also redet man über das, worüber man immer redet, wenn es eigentlich nichts zu sagen gibt: das Wetter. Es ist ihnen zu kalt.
    Guglielmo und Dorabella entfernen sich und spazieren im Garten. Es wird heftig geflirtet und er geht sogar so weit, sein Medaillon gegen das Ferrandos auszutauschen. Als Dorabella es zulässt, weiß er, dass sie ihm erlegen ist und ihn liebt.
    Ferrando kommt gegen Fiordiligis Treue zu Guglielmo nicht an, obwohl sie hin und wieder doch den Eindruck macht, dem Werben zu verfallen. Die beiden Damen ziehen sich auf ihr Zimmer zurück.


    Szenenwechsel
    Zimmer der Damen


    Despina lobt die beiden Damen, da sie nun endlich wie richtige Frauen gehandelt haben. Dorabella schwärmt vom jungen Mann, der ihr Herz erobert hat. Fiordiligi ist entsetzt wie schnell sie ihren Geliebten Ferrando vergessen hat und sich in einen anderen verliebt hat. Sie beschließt ihrem Guglielmo treu zu bleiben.
    Ferrando und Guglielmo besprechen nun die Erlebnisse im Garten. Ferrando kann Guglielmo nur Gutes von Fiordiligis Treue und Verbundenheit zu ihm berichten. Guglielmo umschreibt zuerst wie sich Dorabella verhalten hat. Als er schließlich die Wahrheit erzählt ist Ferrando natürlich stinksauer auf seine achso treue Verlobte. Guglielmo gibt an, wie viel besser er es getroffen hat und verlangt von Don Alfonso sein Geld. Der aber will nur noch eine Sache ausprobieren und danach zahlen.
    Fiordiligi verlangt nach Dorabella, da sie sich von Despina zwei Uniformen ihrer Verlobten bringen hat lassen. Sie will sich gemeinsam mit ihrer Schwester als Soldaten verkleiden, um ihre Geliebten vom Schlachtfeld zu befreien.
    Da geht Ferrando in die Offensive. Er gesteht Fiordiligi wieder einmal inbrünstig seine Liebe und er hat Erfolg, er erringt Fiordiligis Herz. Guglielmo, natürlich völlig baff muss sich nun die Retourkutsche auf seine Hochnäsigkeit von vorhin anhören. Die beiden machen sich Vorwürfe, die Beziehung zu ihrer Geliebten zerstört zu haben. Sie wissen aber genau, dass sie die beiden über alles lieben. Don Alfonso gibt Ihnen den Rat, dass sie sie genauso nehmen sollen wie sie sind, denn genauso lieben sie sie doch. Die beiden stimmen zu. Doch sie beschließen den beiden gemeinsam mit Don Alfonso noch einen Streich zu spielen.


    Szenenwechsel
    Saal im Hause der Schwestern


    Don Alfonso und Despina decken eine Tafel. Da kommen die beiden Paare und wollen speisen und feiern. Da fordern die Herren, dass die beiden Damen sie heiraten. Nach einigen Überredungen stimmen sie zu. Ein Notar wird von Don Alfonso herbestellt. Despina weiß, was sie zu tun hat und verkleidet sich als Notar, der die beiden Eheverträge aufsetzt. Die beiden Damen unterschreiben zuerst. Dann aber ertönt ein Militärmarsch. Don Alfonso geht ans Fenster und verkündet, dass Guglielmo und Ferrando nach Hause kommen. Die beiden „Fast-Verheirateten“ flüchten in den Kasten. Despina (der Notar) macht sich aus dem Staube, lässt aber die Kontrakte auf dem Tisch liegen. Guglielmo und Ferrando ziehen sich schnell ihre Uniformen an und kommen dann mit verstellter Freude zurück zu ihren Geliebten. Diese wirken nicht richtig glücklich und das merken die beiden auch. Da sehen sie die Eheverträge zwischen zwei Fremden und ihnen. Sie begeben sich auf die Suche nach den Verehrern. Die beiden Schwestern versuchen alles zu erklären, doch da öffnen die beiden die Kastentür und nehmen ihre Kleidung heraus und präsentieren sich so den Damen. Nun wissen die beiden, dass sie reingelegt wurden. Man feiert den gelungenen Streich und den weisen Don Alfonso. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie noch heute.

    Ich hoffe Sie haben den Inhalt von Cosi fan tutte gut verstanden, da es hier, wie in den meisten Opern schwer ist, ihn gut niederzuschreiben, am besten ist natürlich die Oper zu sehen.
    Über die Entstehungsgeschichte ist so gut wie nichts bekannt. Mozart selbst, erwähnt nur einmal Ende 1789, dass er an einer Oper mit dem Titel „So machens alle Weiber“ arbeitet, der Auftraggeber war Joseph II selbst, angeblich nach einer wahren Geschichte, die sich einige Monate vorher in Wien ereignet haben soll.
    Die Premiere am 26. Jänner 1790 war ein Erfolg, die Aufführungen wurden jedoch bald gestoppt, da der Kaiser verstarb und daher für einige Monate keine komischen Schauspiele und Opern aufgeführt werden durften.
    Bald darauf wurde das Werk als unmoralisch betrachtet und es kam in einigen mehr oder weniger gelungenen Bearbeitungen wie „Die Dame Kobold“, „Die flandrischen Mädchen“ oder „Die vergessene Weibertreue“ auf die Bühne. Erst Richard Strauss und sein Freund Karl Böhm brachten das Werk in der Urfassung auf die Bühne. Leider wird aber heute noch gekürzt. Meist werden „unwichtige“ Arien herausgenommen. Mozart selbst hatte die Arie des Guglielmo im ersten Akt, schon anders komponiert (sogar mit anderem Text, in der Urfassung hieß sie „Rivolgete a lui lo sguardo“). Er nahm sie aber wieder heraus und ersetzte sie durch die jetzt gesungene, da „Rivolgete...“ die Figur des Guglielmo zu stark hervorheben würde. Diese Arie ist aber heute im Repertoire jedes Bariton im Konzertsaal zu finden.


    DIE MUSIK UND IHRE BEDEUTUNG


    Die Musik „Cosi fan tuttes“ ist mit der der seiner beiden anderen da Ponte-Opern nicht zu vergleichen. Sie ist hier viel gefühlvoller, einfühlsamer und vor allem kommentiert er sehr ironisch mit seiner Tonartenphilosophie das Geschehen. Hier ein Beispiel: Das große Liebesduett Ferrandos und Fiordiligis im 2. Akt „Fra gli amplessi“, auf deutsch: „Deinen Armen eil´ ich entgegen“, das Duett des eigentlich falschen Paares (obwohl Tenor und Sopran zusammengehören) ist in A-DUR geschrieben, seiner Liebestonart. Er lässt damit keinen Zweifel aufkommen, dass die beiden sich wirklich lieben. Am Ende aber, im Schlussensemble kommt diese Tonart aber nicht vor, das heißt, dass sich die falschen Paare in die Arme fallen und heiraten.
    Mozart setzt hier viel mehr auf Duette, wie in anderen Opern. Die Duette der beiden Schwestern („Ah, guarda sorella“ und „Prendero quel brunettino“) sind höchst anspruchsvolle Partien für die Sängerinnen. Mit seinen Koloraturanforderungen nimmt er auf alle Fälle schon seine „Königin der Nacht“ vorweg und er weist in gewissen Stellen schon auf die Belcanto-Kultur von Rossini, Bellini, Donizetti und Verdi im 19.Jahrhundert hin.
    Die Ouvertüre gestaltet sich nach einem zentralen Thema der Oper dem Satz „Cosi fan tutte“, dieses Thema kommt in beiden Akten mehrmals vor und nach diesem Thema ist die Ouvertüre gestaltet.
    Genauso wie „Don Giovanni“ ist „Cosi“ in nur 2 Akte gegliedert. Der Grund: da Ponte wollte sich den Zwist mit Mozart nach dem Figaro nicht antun, da der „monumentale“ Textanforderungen für die Finali verlangte. Beim Figaro wären es 4, aber da Ponte schreib im Libretti nur zwei Finaltexte. Hier und im Don Giovanni schrieb er ebenfalls nur zwei Finaltexte, er gliederte das Stück aber nur in 2 Akte, um Streit zu vermeiden.
    Einige Komponisten späterer Zeit hielten Mozarts Musik zu „Cosi“ für musikdramatisch schwach, unter anderem Richard Wagner, der sagte, dass er es bedauere dass Mozart zu Cosi keine solch´ geniale Musik eingefallen sei, wie es ihm zum Don Giovanni gelungen sei. Er mag damit Recht haben, aber trotz alledem hat die Musik ihren Reiz und sie passt genau zum Charakter des Libretto. Monumentale Klänge, wie im Don Giovanni haben hier nichts verloren, sie würden nur die Athmosphäre zerstören, darum liebe Dirigenten, lasst die Blechbläser gleich ganz weg.
    Ich hoffe, meine Damen und Herren, sie haben Cosi fan tutte, Mozarts unterschätzte späte Oper nun kennen und vielleicht auch lieben gelernt.


    Meine Meinung zu Cosi fan tutte:
    Ich mag die Cosi zwar sehr gerne, aber die Musik ist nicht so traumhaft schön wie z.B. im Don Giovanni. Trotzdem gehört sie zu den ganz großen Opern!

  • Warum “Der Barbier von Sevilla”???
    Weil mir Rossinis Oper einfach gut gefällt und der Barbier ein Standartwerk des Opernrepertoires ist.


    Der Barbier von Sevilla (Il barbiere di Siviglia)


    Opera buffa in 2 Akten


    Uraufführung: 20.2.1816 in Rom (Teatro Argentina)


    Musik : Gioacchino Rossini
    Text: Cesare Sterbini (frei nach Beaumarchais)


    Ort der Handlung: Sevilla
    Zeit der Handlung: Mitte des 18. Jahrhunderts


    Personen:
    Graf Almaviva (Tenor)
    Doktor Bartolo, Arzt (Bass)
    Rosina, dessen Mündel (Mezzosopran)
    Don Basilio, deren Musiklehrer (Bass)
    Figaro, Barbier (Bariton)
    Marzellina, Hausmädchen Bartolos (Alt)
    Fiorillo, Diener Almavivas (Tenor oder Bariton)
    Ambrosio, Diener Doktor Bartolos (Bass)
    Ein Offizier (Bass)
    Ein Notar (Stumme Rolle)


    Handlung:


    Diese Oper ist die Vorgeschichte der „Hochzeit des Figaro“ und erzählt wie der Graf seine Gräfin gefunden hat.


    1. Akt
    Straße in Sevilla. Links das Haus Doktor Bartolos mit Balkon, alle Fenster sind vergittert. Morgendämmerung.


    Wie schon gesagt, ist es vor Sonnenaufgang im spanischen Sevilla. Fiorillo, ein Diener des Grafen Almaviva führt eine Gruppe von Musikern unter ein Fenster von Doktor Bartolos Haus und fordert sie auf ruhig zu sein, damit der davon nichts merke. Kurz darauf kommt ein Mann, tief in einen Mantel gehüllt, das Gesicht verdeckend, damit man ihn nicht erkennen kann. Erst als er bei den Musikern stehen bleibt, nimmt er den Mantel aus dem Gesicht und gibt sich zu erkennen: es ist der Graf Almaviva. Die Musikanten stimmen und beginnen zu spielen, der Graf singt ein Ständchen. Währenddessen wird es immer heller und heller. Als der Graf keine Antwort erhält, gibt er den Soldaten Geld. Die wollen sich bei ihm bedanken, machen dabei aber Lärm, sodass Fiorillo und er sie davonjagen.
    Der Graf ist traurig, dass er keine Antwort erhalten hat und er ist sich sicher, dass die lärmenden Soldaten alle Leute aus der Umgebung aufgeweckt haben und dass er damit seine Liebeswerbung wohl beenden muss. Er will aber nicht aufgeben, als er aber eine singende Stimme hört, versteckt er sich. Die Stimme wird lauter und ein Barbier mit dem Namen Figaro, mit einer Gitarre um den Hals, rühmt sich das „Faktotum der schönen Welt“ zu sein. Der Graf, der Figaro früher einmal als Diener eingestellt hatte, erkennt ihn wieder und gibt sich ihm zu erkennen. Auch Figaro erkennt seinen früheren Herren wieder und begrüßt ihn.
    Der Graf bittet ihn, seine Identität geheim zu halten, da er inkognito in Sevilla ist, woraufhin Figaro wieder gehen will. Doch Almaviva bittet ihn zu bleiben und erzählt ihm vom Zweck seiner Reise.
    Er erzählt ihm, dass er sich in die Tochter des Doktors verliebt habe und sie heiraten will, der Doktor aber lässt sie nicht aus dem Hause. Nicht einmal ihren Namen wisse er, teilt er Figaro ebenfalls mit. Figaro, der clevere Diener, heitert ihn auf, indem er ihm mitteilt, dass sie Rosina heißt, Bartolo nicht der Vater, sondern nur der Vormund sei und dass er, Figaro das Faktotum des Doktors sei. Der Graf ist überglücklich und bittet Figaro um seine Hilfe. Als sie hören, dass der Doktor das Haus verlassen will, verstecken sie sich.
    Bartolo, noch in der Türe stehend schreit ins Haus, er kurz fortgehe und dass niemand hineingelassen werden sollte. Als Bartolo die Haustüre verschlossen hat, geht er jubelnd von dannen, da er noch heute die Hochzeit mit Rosina fix machen will.
    Der Graf ist davon natürlich nicht übermäßig begeistert. Fagaro jedoch rät ihm, jetzt wo der alte Doktor nicht daheim ist noch ein Ständchen zu bringen. Er tut es und bekommt von Rosina eine positive Antwort. Er erfährt (wieder) ihren Namen und verkündet ihr seinen: Lindoro.
    Der Doktor kommt heim und die beiden grübeln wie sie den Grafen in das Haus bringen. Figaro erinnert den Grafen, dass ihm seine besten Ideen immer mit etwas Nachhilfe gekommen sind. Diese Nachhilfe lautet: GOLD. Er Graf verspricht ihm reichen Lohn, wenn er die Hochzeit in die Wege leiten könnte.
    Figaro gibt dem Grafen zwei Tipps:
    1. Er soll sich als Soldat verkleiden, da neue Truppen in der Stadt angekommen sind. Damals war es verpflichtend für jeden Bürger einen Soldaten zu beherbergen, aber nur wenn dieser ein Einquartierungsschreiben bei sich trägt. Der Graf verspricht sich dieses zu besorgen, da der Oberst ein alter Freund von ihm ist.
    2. Wenn er ins Haus kommt, soll er sich betrunken stellen, sodass der Doktor ihn für harmlos hält und sich in Sicherheit wiegt. Der Graf sollte sich dann frei im Haus bewegen können und kann so auch Rosina besuchen.
    Der Graf stimmt zu und beide verschwinden. Der Graf, um sich das Einquartierungsschreiben zu holen und Figaro, um Rosina von ihrem Verehrer zu berichten.


    Szenenwechsel.
    Ein Zimmer in Bartolos Haus. In der Mitte eine Glastür, die zum Balkon führt. Die erste Tür links führt in Rosinas Zimmer, die zweite ins Innere des Hauses. Die erste rechts gehört zu Bartolos Zimmer, die zweite ist der allgemeine Eingang. Im Zimmer befinden sich ein Klavier, ein Schreibpult und ein Ohrensessel.


    Zu Beginn der Szene kommt ein Mädchen auf die Bühne. Sie ist ca. 20 Jahre alt, hat lange, schwarze Haare, rote Wangen und ist mittelgroß. Sie sieht wunderschön aus. Es ist Rosina. Rosina singt ein Liebeslied für Lindoro und schreibt währenddessen einen Brief, den sie in ihrem Kleid versteckt. Sie hofft, dass es Figaro gelingt sie mit Lindoro zu verkuppeln und dass Bartolo, ihr Vormund und Haustyrann sie endlich wie eine Erwachsene behandelt. Als Bartolo das Zimmer betritt verlässt sie es.
    Bartolo ahnt dass Figaro wieder etwas im Schilde führt und will die Hochzeitsvorbereitungen beschleunigen.
    Dann tritt Basilio, der Musiklehrer, ins Zimmer. Basilio ist ein leidenschaftlicher Spieler des wohl beliebtesten Gesellschaftsspiel aller Zeiten: dem Intrigieren. Basilio hat wieder Neuigkeiten für Bartolo. Er berichtet ihm dass der Graf Almaviva in der Stadt sei und dass dieser um Rosina werbe. Er verspricht Bartolo den Grafen in der ganzen Stadt anzuschwärzen, sodass dieser die Stadt verlassen muss. Bartolo und Basilio gehen den Ehevertrag formulieren. Rosina ist freilich gegen die Ehe mit Bartolo.
    Figaro und Rosina betreten das Zimmer erneut und Figaro muss sich einem Verhör von Rosina unterziehen, die ihn beobachtet hatte, wie er mit dem Grafen sprach. Figaro erzählt ihr, dass es sein Vetter Lindoro gewesen sei, der Sevilla zu Studienzwecke besucht. Er erzählt weiter, dass Lindoro ganz in Ordnung sei, bis auf einen kleinen Fehler. Rosina, schon in Liebe zu Lindoro entflammt, will natürlich alles wissen und fragt ihm nach dem Fehler. Figaro erzählt
    ihr, dass er in eine gewisse Rosina verliebt sei. Rosina ist über
    glücklich und will endlich mit ihrem Geliebten sprechen. Figaro
    erklärt weiter, dass Lindoro kommen will, er warte nur auf
    ein Zeichen ihrer Liebe. Sie gibt ihm das zuvor geschriebene Briefchen, worauf er verschwindet um es zuzustellen.
    Rosina ist überglücklich, doch als ihr Vormund wieder kommt merkt er,
    dass ihre Finger voll Tinte sind. Er will wissen, was und an wen sie geschrieben hat. Rosina findet zwar eine Erklärung, aber keine wirklich gute, sodass Bartolo ihr klarmacht, dass sie erst gar nicht versuchen sollte ihn zu betrügen, er käme ja sowieso dahinter.


    Nach einiger Zeit klopft es. Dem Grafen, der als Soldat verkleidet erscheint, wird von Marzellina die Türe geöffnet. Da er sich betrunken stellt, macht er, wie es sich für einen Betrunkenen gehört, Lärm. Soviel Lärm, dass Bartolo aus seinem Zimmer kommt, um nachzusehen was denn da los sei. Der Graf stellt sich als Soldat Lindoro vor und ist froh endlich seinen Gastherren Doktor Ballotto gefunden zu haben. Bartolo, der eitle Kauz, ist natürlich sauer und beginnt mit dem Grafen zu streiten. Er hofft diese Plage, Lindoro (den Grafen) loszuwerden. Der Streit wird etwas lauter, sodass auch Rosina nachsieht was da los ist. Der Graf gibt sich Rosina als Lindoro zu erkennen und als Bartolo merkt, dass Rosina im Zimmer ist, schickt er sie sehr unfreundlich wieder auf ihr Zimmer. Der Graf will mitgehen, aber der Doktor hindert ihn mit der Begründung, dass er hier kein Quartier für ihn habe. Kein Quartier!! Jetzt fällt es Bartolo wieder ein. Er wurde doch von der Pflicht Soldaten zu beherbergen freigestellt. Er beginnt dieses Schreiben zu suchen. Der Graf will Rosina ein Briefchen geben, sie lehnt aber ab, da es zu riskant sei. Sie wollen zu plaudern beginnen, da eilt Bartolo mit der Urkunde zu Lindoro und zeigt sie ihm. Weiters fordert er ihn auf zu gehen. Er schlägt die Urkunde weg und macht es sich auf dem Ohrensessel bequem. Der Doktor, inzwischen ziemlich wütend, droht ihm Gewalt an, wenn er nicht sofort verschwinde. Der (sich betrunken stellende) Graf fordert den Doktor zum Duell und wirft Rosina das Briefchen vor die Füße, die ihr Taschentuch darauf fallen lässt. Als der Graf zu kämpfen anfangen will, fällt ihm auf, dass das Taschentuch am Boden liegt. Er hebt es mitsamt seinem Briefchen auf und überreicht es Rosina.
    Bartolo hat bemerkt, dass er ihr ein Briefchen gegeben hat und verlangt dieses zu lesen. Rosina beteuert, es sei nur der Wäschezettel gewesen, doch trotzdem entreisst ihr Bartolo den Zettel. Er staunt nicht schlecht, als er wirklich den Wäschezettel liest. Der Grund: Rosina hat ihn gegen das Briefchen ausgetauscht. Basilio, inzwischen eingetroffen wundert sich über die Szene, die er sieht. Der Graf verspottet den Doktor, der sich mit seinem Misstrauen ein Eigentor geschossen hat. Rosina spielt die Beleidigte und beginnt zu Weinen. Als Bartolo sie trösten will zieht der Graf seinen Säbel und fordert ihn zum Kampfe. Der Graf spielt einen Blutrausch vor und tut so als wolle er den Doktor erstechen.
    Figaro, mit seinem Rasierzeug bewaffnet, betritt den Raum und will den Streit schlichten, was ihm aber scheinbar nicht gelingt. Er bittet den Grafen nicht zu übertreiben. Bartolo, wird inzwischen aggressiv, da er sich von einem betrunkenen Soldaten nicht beleidigen lassen will. Als es wieder einmal beinahe zum Kampf kommt, platzt die Stadtwache ins Haus und will den Grafen ins Gefängnis bringen. Der Graf aber weist die Soldaten zurück, zeigt dem Offizier einen Zettel, der sich daraufhin zurückzieht. Allgemeines Staunen!!


    2. Akt
    Bartolos Studierzimmer mit Sessel am Klavier, mit Noten darauf.


    Bartolo versteht die Welt nicht mehr, er vermutet dass der Graf Almaviva diesen Lindoro geschickt hat. Es klopft. Der Graf, als Musiklehrer verkleidet, tritt ein. Dem Doktor kommt das Gesicht bekannt vor, er kann es aber nicht zuordnen. Der Graf stellt sich dem Doktor als Don Alonso vor. Er gibt vor ein Schüler Basilios zu sein, der plötzlich erkrankt sei und deshalb nicht kommen könnte. Bartolo traut ihm nicht recht, der Graf merkt dies und bedauert wieder gehen zu müssen, da er von Graf Almaviva erwartet werde. Bartolo, auf einmal hellhörig, bittet ihn wieder herein. Der Graf zeigt ihm das Briefchen Rosinas und bittet sie zu sprechen. Er wolle ihr sagen dass er den Brief von einer anderen erhalten habe. Dies soll beweisen, dass der Graf mit Rosinas Liebe nur spielt. Er versichert ihm weiter, dass Basilio von diesem Briefe nichts wisse. Der Doktor traut ihm jetzt, will er doch Rosina selbst heiraten, in der Hoffnung so den Grafen bei Rosina unbeliebt zu machen.
    Bartolo ruft Rosina ins Musikzimmer, stellt ihr Don Alonso vor, den sie aber als Grafen erkennt, aber so tut als sähe sie ihn zum ersten Male.
    Kurze Zeit später kommt Figaro herein, um Bartolo zu rasieren. Bartolo bittet ihn morgen wieder zu kommen, doch Figaro bedauert er hätte erst in einer Woche Zeit. Figaro bereitet alles für die Rasur vor, vergisst aber die Handtücher. Er bietet Bartolo an, sie selbst aus der Wäschekammer zu holen, wofür er den Schlüsselbund benötige. Bartolo will sie selbst holen und geht.
    Sie werden sich fragen, warum, Figaro den Schlüsselbund braucht. Auf diesem Schlüsselbund ist auch der Schlüssel für die Balkontür, die der Doktor immer verschließt. Da der Graf und Rosina in der Nacht fliehen wollen, brauchen sie den Schlüssel, um diesen Plan zu verwirklichen.
    Der Doktor kommt gleich darauf zurück und befiehlt Figaro selbst zu gehen, da er fürchtet Figaro könnte eine Intrige anzetteln. Da ertönt ein Klirren, es hört sich an als sei Geschirr zerbrochen worden. Der Doktor läuft hinaus, um zu sehen was Figaro wieder ver- (in diesem Fall zer-) brochen hat.
    Der Graf und Rosina sind endlich allein. Der Graf fragt Rosina, ob sie seine Frau werden will. Rosina schwebt auf Wolke sieben und bejaht. Da kommen die beiden anderen wieder zurück, streitend da Figaro mehrere Teller und Gläser zerbrochen hat. Bartolo setzt sich und Figaro will zu rasieren beginnen, nachdem er dem Grafen heimlich den Schlüssel gezeigt hat.
    Da betritt Basilio den Raum, nicht wissend, dass er eigentlich krank sein sollte. Der Schwindel des Grafen droht aufzufliegen, er kann aber den verliebten Bartolo überreden, nicht gegen ihn zu reden. Figaro, Rosina und der Graf reden Basilio ein nach Hause zu gehen, da er das gelbe Fieber zu haben scheint. Basilio weigert sich zuerst, doch als der Graf ihm ein Säckchen Gold für Medizin gibt, geht er nach Hause.
    Jetzt kann Figaro mit der Rasur des Doktors beginnen.
    Der Graf und Rosina können nun endlich miteinander reden, Figaro lenkt den Doktor in der Zwischenzeit durch allerlei Täuschungen ab. Trotz der Bemühungen Figaros gelingt es Bartolo den Liebesschwur der beiden mitzubekommen. Er jagt Figaro und den vermeindlichen Musiklehrer fort, Rosina zieht sich in ihr Zimmer zurück. Bartolo beauftragt Ambrosio, seinen Diener Basilio zurückzuholen, da er mit ihm zu reden habe.


    Szenenwechsel.
    Das gleiche Zimmer wie im ersten Akt. Draussen regnet es. Es ist Abend.


    Basilio und Bartolo sprechen miteinander. Basilio intrigiert aus vollem Herzen und teilt dem Doktor mit, dass der Musiklehrer in Wirklichkeit der Graf Almaviva war, der Rosina entführen will. Bartolo gibt Basilio den Haustorschlüssel und bittet ihn zum Notar zu eilen und ihn herzubringen. Er will Rosina noch in dieser Nacht heiraten.
    Bartolo zeigt seinem Mündel den Brief des Grafen, für Rosina der Brief Lindoros und redet ihr ein, dass Figaro und Lindoro sie in die Hände des, dank Basilios Intrigen, niederträchtigen Frauenheldens Graf Almaviva treiben wollen. Rosina glaubt ihm und erzählt in ihrer Wut vom Plan Lindoros sie in der Nacht zu entführen, weiters willigt sie in die Heirat mit Bartolo ein. Der befiehlt ihr nicht aus dem Hause zu gehen, er selbst will die Wache holen, um die beiden als Einbrecher verhaften zu lassen.
    Ein heftiges Gewitter geht über Sevilla nieder. Während des Gewitters steigen der Graf und Rosina, beide in schwarze Mäntel gehüllt über das Fenster in das Zimmer ein. Figaro ist ausserdem mit einer Laterne bewaffnet, da es ja schon Nacht ist. Figaro zündet einige Kerzen an, da kommt Rosina aus dem Kabinett und beschimpft den Grafen, der die Welt nicht mehr versteht. Als Rosina ihn mit den Vorwürfen des „Mädchenhandels“ konfrontiert, gesteht sie ihm auch dass sie Lindoro wirklich liebt. Da wirft der Graf den Mantel weg und gibt sich ihr als Graf und als Lindoro zu erkennen.
    Rosina traut ihren Augen kaum und alle sind glücklich. Als die drei fliehen wollen, bemerken sie, dass die Leiter weg ist. Warum? Bartolo hat sie auf dem Weg zur Wache nichtsahnend weggeräumt. Sie gestehen sich ihre Liebe und können es kaum erwarten vor den Traualtar zu schreiten.
    Da kommen Basilio und ein Notar herein, die eigentlich für die Hochzeit Bartolos mit Rosina gekommen waren. Doch wenn schon ein Notar zu Hand, warum nicht nutzen. Der Graf kann die Einwände Basilios schnell aufheben, indem er ihm einen Ring gibt und eine Pistole zieht, die er auch benützen würde, wenn Basilio sich weigern sollte als Zeuge zu fungieren. Basilio und Figaro zeichnen den Ehevertrag zwischen dem Grafen und Rosina als Zeugen ab. Das junge Paar schwebt ihm siebten Himmel, schließlich sind sie jetzt ja verheiratet.
    Da kommt Bartolo mit ein paar Soldaten, die den Grafen festnehmen sollten. Der aber gibt sich zu erkennen und Bartolo erfährt von dem soeben geschlossenen Ehevertrag. Er fühlt sich zu Recht betrogen, als der Graf ihm aber die übliche Mitgiftzahlung erlässt, ist auch er glücklich. Alle feiern und als Figaro alle Kerzen gelöscht hat, fällt der Vorhang.

    Ich hoffe, verehrte Leser, dass Ihnen meine Erzählung vom Grafen Almaviva und dem Barbier von Sevilla gefallen hat. Der Barbier von Sevilla von Gioacchino Rossini ist die erste große italienische Oper im damals neuen „Belcanto-Stil“. Rossini war der erste Komponist, dessen Arien und Ensemblestücke in diesem Stil geschrieben waren. Donizetti. Verdi und Bellini vollendeten diesen Stil cirka 10-30 Jahre später.


    Der Barbier von Sevilla ist die wohl bekannteste Oper Rossinis. Weitere bekannte Werke sind:
    ¯ Wilhelm Tell
    ¯ La Cenerentola (Aschenputtel)
    ¯ L´ Italiana in Algier (Eine Italienerin in Algier) und
    ¯ Il Turco in Italia (Der Türke in Italien)


    Das Theaterstück von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais aus dem Jahre 1782 ist der erste Teil der Figaro-Trilogie und war ein großer Erfolg. Sein Nachfolger, „Ein toller Tag oder Die Hochzeit des Figaro“ löste in ganz Europa einen Riesenskandal aus. Genaueres siehe: Mozart: „Die Hochzeit des Figaro“
    Im Jahre 1784 vertonte ein gewisser Giovanni Paisiello dieses Theaterstück und brachte es auf die Bühne. Paisiello war zur damaligen Zeit der beliebteste und berühmteste Komponist Italiens, der in Italien wirkte. Die meisten anderen wirkten an großen Kaiserhöfen und Opernhäusern in ganz Europa. (z.B. Antonio Salieri und Domenico Cimarosa in Wien, Niccolo Piccini in Paris u.v.m.)
    Paisiellos Barbier war ein gigantischer Erfolg und im Jahre 1816 noch immer äußerst populär.
    Rossini, der damals in einem wahren Schaffensrausch mehrere Opern gleichzeitig für verschiedene Häuser in ganz Italien schrieb, war damals schon sehr bekannt, hatte aber nicht den Status einer “lebenden Legende“ wie Paisiello. Rossini bekam den Auftrag für einen „Barbier von Sevilla“ von der Oper in Rom, den er in weniger als vier Wochen erledigte. Das Libretto verfasste Cesare Sterbini. Der in Rom ansässige Paisiello, schon ein alter Mann, hatte wie gesagt sehr viele fanatische Anhänger. Diese Anhänger betrachteten den neuen „Barbier“, der damals als “Almaviva“ aufgeführt wurde, als einen Skandal. „Wie konnte es ein Neuling wie Rossini wagen, das Meisterwerk von Paisiello verbessern zu wollen???“ Diese Anhänger boykottierten die Proben und die Uraufführung am 20. Februar 1816 im Teatro Argentina in Rom. Paisiello war selbst anwesend und fand die Oper „recht originell“. Die Premiere war ein voller Reinfall. Aber schon bei der ersten Wiederaufnahme in Mailand wenige Monate später startete die Oper einen Siegeszug durch ganz Europa. Die Popularität des „Barbier von Sevilla“ ist bis heute ungebrochen und Rossini ist bis heute der beliebteste Komponist Italiens, nach dem musikalischen „Nationalhelden“ Giuseppe Verdi.


    DIE MUSIK UND IHRE BEDEUTUNG


    Wie schon gesagt, war Rossini der erste Komponist, der seine Arien im Belcanto-Stil schrieb. Der Belcantostil wurde damals als Neuerung empfunden, da die bisherige italienische Opernpraxis als vollendet und nicht mehr verbesserbar galt. Schuld daran war der Österreicher Wolfgang Amadeus Mozart mit seinen Meisterwerken „Die Hochzeit des Figaro“, „Cosi fan tutte“ und vor allem aber mit seinem „Don Giovanni“. Der Belcanto-Stil ist viel virtuoser und der Sänger kann bzw. muss viel intensiver singen. Eine weitere, von Mozart beeinflusste, Neuerung war, dass der Bariton in fast jeder Oper zum Einsatz kam. Vorher war das eher selten. Rossini setzte in seinen Opern viele stimmliche Verzierungen ein, sogenannte Koloraturen. Mozart tat dies auch, aber nur in manchen seiner Opern und großteils nur in den weiblichen Partien. Rossini machte sie zur Mode und benutzte sie zur Charakterbildung seiner Figuren.
    Rossini entwickelte die italienische Oper im Orchester und Arienstil weiter, trotzdem beharrte er auf die altmodischen Cembalorezitative, die aber schon 10 Jahre später vollkommend verschwunden waren.


    Der Barbier von Sevilla hat eigentlich gar keine eigene Ouvertüre. Rossini hatte aufgrund seiner so zahlreichen Opernaufträge (er schuf zwischen 1812 und 1831 an die 40 Opern) einfach keine Zeit zu jeder Oper eine eigene Ouvertüre zu komponieren. Daher verwendete er seine Ouvertüren mehrmals. Er forderte die Ouvertüre der „Italienerin in Algier“, da dass Opernhaus aber keine Abschrift dieser Oper besaß, spielte man einfach zur Premiere die Ouvertüre der Oper „Aureliano in Palmira“, die wiederum auch in anderen Opern zum Einsatz kam z.B. bei „Elisabetta, Regina di Inghilterra“. Dies sind zwei ernste Opern, was auch die sehr festliche und prunkvolle Einleitung erklärt, die so gar nicht zu dieser eher kleinen, komischen Oper passt. Diese Ouvertüre ist seitdem als die des Barbier von Sevilla bekannt. Teile der Ouvertüre kommen auch in der Oper vor, genauer gesagt ein Thema, dass Rossini auch bei der Gewittermusik im 2.Akt verwendet.


    DIE FIGUREN


    Graf Almaviva


    Der Graf Almaviva ist, wenn man nach der Stimmlage geht der strahlende Held der Oper, da Tenöre so gut wie immer die Helden sind. Der jugendliche Graf, er wird gerade die 20 überschritten haben möchte sich nun endlich binden. Da er sich unsterblich in Rosina verliebt hat, will er sie natürlich heiraten. Zuerst bringt er ihr ein Ständchen um ihr zu zeigen, dass er sie liebt. Da er unerkannt in der Stadt ist, will er natürlich unerkannt bleiben, doch Figaros plötzliches Auftreten verhindert dies. Weiters nennt er sich in Sevilla LINDORO. Er bezahlt Figaro für seine Hilfe in Sachen Rosina. Figaros Ratschlägen folgend, verkleidet er sich zuerst als Soldat und stellt sich betrunken um so Zutritt zu Bartolos Haus zu erhalten. Er übertreibt aber mit seinem Spiel, sodass es zu einem heftigen Streit kommt, der schließlich mit Eintreffen der Stadtwache beendet wird. Anschließend gibt er sich als Gehilfe von Don Basilio aus und zieht den Doktor durch kleine Intrigenspiele gegen Graf Almaviva auf seine Seite. Der Doktor vertraut ihm und wimmelt sogar Don Basilio ab. Leider bekommt Bartolo mit, dass er nicht der echte Gehilfe Basilios ist, da er sich, in seiner Verliebtheit, etwas verplappert hat. Als er den Fluchtplan gemeinsam mit Figaro in die Tat umsetzt, muss er zuerst Rosina wiedergewinnen, da sie Bartolos Lügen geglaubt hat. Als dies geschehen ist, steht der Flucht nichts im Wege. Doch zur Flucht kommt es nicht, da ihnen Basilio und ein Notar in die Quere kommen. Der Graf zückt eine Pistole und schwupp-di-wupp hat er eine Ehefrau.
    Der Graf ist deshalb unerkannt, da er als Weiberheld bekannt ist und dadurch die „Operation Rosina“ gefährdet werden könnte. Der Sänger des Grafen sollte ein Lyrischer Tenor, jung und vor allem nicht zu ernst sein. Der Graf ist nach der Hochzeit glücklich, er liebt ja Rosina wirklich, doch insgeheim freut er sich schon auf die nächsten Abenteuer mit dem weiblichen Geschlecht. Die Ehe der beiden verläuft zu Beginn glücklich, doch mit der Zeit leben sie sich etwas auseinander und er beginnt wieder seiner Lust zu frönen. Da er nicht der hellste ist, kann das nicht lange gut gehen. Wie es mit dem Grafen weitergeht erfahren sie in „Der Hochzeit des Figaro“.


    Doktor Bartolo


    Doktor Bartolo, ein erst seit kurzem in Sevilla ansässiger Doktor der Medizin, hat ein wunderschönes Mündel Rosina. Er will sich diese Perle nicht entgehen lassen, darum macht er ihr auch ordentlich den Hof. Da er ihr kaum Freiheiten lässt, ist er sich in seiner Leichtgläubigkeit sicher, dass sie ihn eines Tages heiraten wird. Als er einen Widersacher spürt, beschleunigt er die Hochzeitsvorbereitungen gemeinsam mit Basilio, der ihm den Widersacher vom Halse schaffen soll. Der einfältige, ordnungsliebende und leichtgläubige Doktor erkennt auch nicht, dass der Graf alias Lindoro ihn in beiden Verkleidungen an der Nase herumführt. Erst als er durch Zufall die Schliche des Grafen und Figaros durchschaut, spielt er seine Trumpfkarte aus: Die Identität des Grafen, er redet Rosina ein, Lindoro sei ein Diener des Frauenhelden Almaviva und wolle sie ihm nur gefügig machen. Rosina glaubt ihm und verspricht ihm noch in der selben Nacht die Ehe. Er wähnt sich am Ziele seiner Wünsche läuft zur Stadtwache um den Grafen und Figaro anzuzeigen, obwohl er Basilio eben mit der Herbeischaffung eines Notars beauftragt hat. Bartolo scheint seinen Verstand ausgeschaltet zu haben, als er eine Leiter die zu Rosinas Zimmer führt wegnimmt, obwohl er weiß dass sie eigentlich fliehen wollte, doch er glaubt immer noch die Liebe in Rosinas Herzen ausgelöscht zu haben. Als er mit der Wache zurückkehrt, verpasst er seine Hochzeit und sieht Rosina schon verheiratet, allerdings mit Almaviva. Der Doktor steht als großer Verlierer da, da es aber in der opera buffa nicht üblich ist, einen Verlierer zu haben, erlässt ihm der Graf die Mitgift, sodass auch er glücklich ist. Weiters schwört er Rache an Figaro, die er nimmt, indem er ihm dessen Hochzeit vermasseln will.
    Er ist ein alter, verschrobener, aber liebenswerter Kauz, dessen Motive immer verständlich sind. Der Bartolo wird in der Regel vom ersten Bass des Hauses gesungen, da der Bartolo ein Glanzrolle für jeden Bass ist. Der Bartolo muss immer seriös klingen, klar soll er auch lustig sein, aber er darf nie durchgeknallt gesungen werden, da der Doktor sonst als verrückt angesehen werden könnte, was er ja nicht ist. Weiters ist der Doktor ein Ehrenmann und Gentleman, sehr würdevoll zugleich, sodass eine „durchgeknallte“ Variante des Bartolo die Atmosphäre der Oper stören würde. Der Bartolo ist meine Lieblingsfigur der Oper.


    Rosina


    Rosina ist das Mündel Bartolos. Rossini gibt sogar das Aussehen der Rosina an, was sehr selten ist, da Rossini meist nicht die Zeit hatte, seine Figuren so intensiv zu charakterisieren. Sie ist von normaler Statur, nicht zu schlank, aber auch nicht fett. Das Haar der Rosina ist lang, schwarz und gelockt. Sie hat wunderschöne blaue Augen und ist cirka 20 Jahre alt. Sie ist ein lebensfrohes und zu jedem Scherz bereites Mädchen, dass sich endlich nach Liebe, Freiheit und Geborgenheit sehnt, da sie ja von Bartolo eingesperrt wird. Als ihr der Graf seine Liebe gesteht, entbrennt auch sie in Liebe zu ihm. Sie glaubt an die wahre Liebe und sieht in Lindoro den Mann ihres Lebens. Sie zweifelt nie an seiner Liebe, schreibt ihm Briefe, versucht, wann immer es geht, mit ihm zu sprechen, bis Bartolo den Grafen Almaviva mit Lindoro in Verbindung bringt. Rosina fühlt sich hintergangen und verletzt, darum verspricht sie Bartolo aus Ärger die Ehe. Als dann Lindoro Rosina abholt klärt sich alles wieder auf, sie kann ihre Gefühle nicht vergessen. Die beiden sind wieder vereint und Lindoro gibt sich als Almaviva zu erkennen. Gleich darauf geht es zur Hochzeit.
    Die Partie der Rosina ist eine Glanzrolle für junge Mezzosopranistinnen, die eine nicht zu ernste Stimme haben. Für viele Sängerinnen war die Rosina der große Durchbruch u.a. Cecilia Bartoli. Ihre vielen Koloraturen, die Rossini als Zeichen ihrer jugendlichen Übermut und als Zeichen ihrer Verliebtheit einsetzt, sind eine Herausforderung für jede Sängerin. Die Rosina ist ebenfalls eine sehr beliebte Partie, da der Sängerin meist die Sympathien des Publikums zufliegen, weil man einfach Mitleid mit der armen Rosina haben muss.


    Figaro


    Der Barbier Figaro ist der Held der Oper. Figaro ist ein listiger, bauernschlauer Mensch, der sehr redegewandt ist, Ironie bzw. Sarkasmus an den Tag legt, keine Angst und schon gar keinen Respekt zeigt. Er ist ein sehr hilfsbereiter Mensch, aber immer auch auf seinen Vorteil bedacht. Als er nach seiner Vorstellung den Grafen trifft, hilft er ihm sofort nachdem er eine Belohnung zugesichert bekommen hat. Er entwickelt zwei Pläne, die der Graf auch brav in die Tat umsetzt. Weiters fungiert er zu Beginn des Stückes als Kurier zwischen Rosina und (seinem Vetter) Lindoro. Danach versucht er den Streit zwischen Bartolo und dem betrunkenen Soldaten zu schlichten, was ihm aber nicht gelingt. Im zweiten Akt ist er der Kuppler, der Rosina und Almaviva einige ungestörte Minuten verschafft, indem er den Doktor rasiert und ihn so an den Stuhl bindet. Am Ende steigt er mit Almaviva bei Rosina ein und fungiert als Treuzeuge. Obwohl er kaum sichtbares Kapital aus der ganzen Geschichte geschlagen hat, (die Belohnung hat er ja noch nicht erhalten) ist er glücklich, da er seinem Hobby, dem Verkuppeln, frönen konnte und dabei seinen Spaß hatte. Der Figaro ist die Glanzrolle für jeden Buffo-Bariton. Der Figaro ist zwar schwer, aber wenn der Sänger keine großen Schwächen oder zuviel Ernst zeigt, ist ihm die Sympathie des Publikums gewiss. An der großen Arie des Figaro erkennt man meist auch die Anlage des Stückes, eher ernst oder komisch.


    Don Basilio


    Der Musiklehrer Don Basilio ist der Oberintrigant des Stückes. Er ist ein Meister des Intrigenspinnens und daher in der ganzen Stadt bekannt. Dem Mündel seines alten Freundes Bartolo, Rosina; gibt er Musikunterricht. Bartolo selbst gibt er immer nützliche Tipps, um dessen Problem zu lösen. Er ist es, der Bartolo zur schnellen Hochzeit mit Rosina drängt. Er rät dem Doktor ebenfalls, den Grafen, den er als erstes in Lindoro erkannt hat, in der ganzen Stadt zu verleumden. Basilio hat das Talent oder Gespür zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Weiters taucht er immer dort auf, wo man ihn am wenigsten erwartet oder benötigt. Der zweite Plan des Grafen und Figaro, sich als Musiklehrer und Schüler Basilios auszugeben, um so in Bartolos Haus zu gelangen wird durch sein unerwartetes Auftauchen fast zum Scheitern gebracht. Schließlich kann man ihm eine Krankheit einreden, die er dann gegen Bezahlung auch vorgibt zu haben. Am Ende des Stückes holt er den Notar für Bartolos Hochzeit. Da Bartolo nicht da ist benutzen Almaviva und Rosina den Notar und heiraten. Basilio fungiert als Zeuge, zuerst widerwillig, doch als man ihn mit einer Waffe bedroht willigt er ein. Zur Belohnung erhält er dann noch einen Ring, damit er den Verrat an seinem Freund Bartolo auch „mit seinem Gewissen vereinbaren kann“.
    Die Rolle des Basilio ist lange Zeit bei den Bässen verpönt gewesen. Erst Feodor Schaljapin, ein berühmter russischer Sänger, machte diese Rolle bei den Sängern populär. Die Partie des Basilio ist anspruchsvoll, gekrönt wird sie durch die Arie im ersten Akt („La calunnia e un venticello“).


    Marzellina


    Marzellina, eine Dienerin Bartolos und Rosinas Vertraute hat hier noch eine relativ kleine Rolle, ganz im Gegensatz zur nachfolgenden Geschichte (“Die Hochzeit des Figaro”). Hier spielt sie die gute Seele des Hauses, die treue Dienerin Bartolos. Den meisten Teil der Oper steht sie im Hintergrund bis auch sie zum Zuge kommt. Ihre Arie im zweiten Akt („Il vecchiotto cerca moglie“; „Sich vermählen will der Alte“) wird oft gestrichen, da sie von der Handlung nicht benötigt wird. Rossini hat sie aber komponiert, um den Sängern der Hauptrollen eine kleine Atempause zu gönnen. In dieser Arie singt sie von der Gespaltenheit im Hause und davon, dass auch sie verliebt ist. In wen, dass lässt sie offen. Die Arie ist auch ihr letzter Auftritt.


    Fiorillo


    Fiorillo ist ein treuer Diener des Grafen, der mit ihm nach Sevilla gekommen ist. Er engagiert Musikanten für den Grafen und sollte ihm eigentlich helfen, Rosina zu erobern. Als Figaro auftaucht, wird er vom Grafen einfach im Gebüsch vergessen. Erst in der Mitte des zweiten Aktes geht er zornig nach Hause. Fiorillo hat die Ehre die Oper zu eröffnen („Piano, pianissimo, senza parlar!“), weshalb diese Rolle bei guten, aber faulen Sängern sehr beliebt ist.


    Ambrosio


    Ambrosio ist ein Diener Bartolos, genauer gesagt ein ziemlich fauler und nicht gerade heller Diener. Er kommt sehr kurz vor und hat daher fast keinen Text. Die Rolle des Ambrosio wird in manchen Inszenierungen überhaupt weggelassen.


    Der Offizier


    Der Offizier hat keinen Namen, kommt nur sehr kurz vor und hat daher kaum Text. Genauer gesagt kommt er nur vor, als der Streit zwischen Almaviva und Bartolo eskaliert, er nach dem Rechten sieht und den Grafen festnimmt, den er aber gleich darauf wieder freilässt.


    Der Notar


    Der Notar hat ebenfalls keinen Namen und keinen Text, er vollzieht einfach die Hochzeit.


    Meine Meinung zum Werk:
    Rossinis bekannteste Oper ist zwar nicht seine beste, doch der Reichtum an melodischen Schätzen ist enorm. Diese Oper muss man einfach mögen.



    Ich hoffe, dass Sie sich jetzt in Rossinis Meisterwerk besser zurecht finden bzw. dass Sie den „Barbier von Sevilla“ mit anderen Augen sehen bzw. mit anderen Ohren hören. Ich wünsche Ihnen viele angenehme und schöne Stunden mit dem „Barbier von Sevilla“.

  • Warum die Entführung aus dem Serail??
    Mozarts zweites deutsches Werk (nach Bastien und Bastienne) war sein größter Erfolg zu Lebzeiten und mein zweiter Kontakt mit dem Opernschaffen Mozarts.


    Die Entführung aus dem Serail


    Singspiel in 3 Akten


    Uraufführung: 16.7.1782 in Wien (Burgtheater)


    Musik: Wolfgang Amadeus Mozart
    Text: Gottfried Stephanie d.J.


    Ort der Handlung: Auf dem Landgut des Bassa Selim
    Zeit der Handlung: Mitte des 16. Jahrhunderts


    Personen:
    Bassa Selim (Sprechrolle)
    Osmin, Aufseher des Landgutes (Bass)
    Belmonte (Tenor)
    Konstanze, dessen Geliebte (Sopran)
    Pedrillo, Diener Belmontes (Tenor)
    Blondchen, Dienerin Konstanzes (Sopran)
    Klaas, ein Schiffer (Sprechrolle)
    Ein Stummer (Stumme Rolle)


    Handlung:
    Die Entführung aus dem Serail erzählt eine Entführung zweier Frauen aus den Händen eines türkischen Bassas.


    1. Akt
    Vor dem Palast des Bassa.


    Belmonte, der Verehrer der Konstanze ist angekommen! Er hat den Palast des Bassa gefunden, der ihm seinen Schatz Konstanze, seinen Diener Pedrillo und dessen Geliebte und Konstanzes Dienerin Blondchen von Piraten hat entführen lassen. Er ist fest entschlossen die drei zu befreien, doch hat er keine Idee, wie er in den Palast hineinkommen soll. Da trifft er Osmin, den Aufseher des Landgutes des Bassas. Er weist ihn schroff an zu gehen, doch am Ende kommt es gar zum Streit, in dem Osmin mit Gewalt droht. Da kommt Pedrillo, der sogleich mit seinem Erzfeind, Osmin zu streiten beginnt. Osmin ist nämlich eifersüchtig auf Pedrillo, da er selbst Blondchen besitzen will.
    Osmin verschwindet. Belmonte und sein Diener treffen sich wieder und Pedrillo erzählt seinem Herren wie es steht: Konstanze wird vom gütigen Bassa umschwärmt, da es diesem fern liegt sich die Liebe einer Frau mit Gewalt zu nehmen. Konstanze will aber nichts von den Avancen des Bassas wissen. Die beiden beschließen die Damen zu befreien. Da ertönt Musik. Die beiden verstecken sich.
    Der Bassa wird von seinen Janitscharen gefeiert. In seinem Gefolge befindet sich auch Konstanze, der er nach dem Huldigungschor den Hof macht. Sie macht ihm eindeutig klar, dass er sie nie besitzen werde. Sie zieht sich aus Sehnsucht nach ihrem Belmonte auf ihr Zimmer zurück.
    Pedrillo, der inzwischen ja Gärtner des Bassa geworden ist, stellt Belmonte als Baumeister dem Bassa vor. Er zeigt sich sehr freundlich, und nimmt Belmonte in seine Dienste. Der Bassa geht in den Palast zurück.
    Belmonte und Pedrillo wollen ihm nach, werden aber von Osmin aufgehalten. Nach einigen Rempeleien kommen sie jedoch doch hinein.


    2.Akt
    Garten im Palast des Bassa


    Osmin ist auf Freiersfüßen unterwegs. Er versucht, allerdings ziemlich grob und schroff, Blondchen den Hof zu machen. Sie lehnt ab und sie schickt ihn weg.
    Der Bassa wird in seinem Werben immer heftiger, Konstanze erklärt ihm dass sie sogar sterben würde, als sich ihm zu geben. Pedrillo weist seine Geliebte in einen Plan ein: Er erzählt ihr, dass Belmonte hier sei und die beiden Damen um Mitternacht befreit werden sollten. Sie müssten nur am Balkon warten, sie würden schon abgeholt, auch um Osmin wird man sich kümmern.
    Und wie!! Pedrillo verleitet Osmin zum Weintrinken. Da Osmin Muslime ist und der Islam verbietet Alkohol zu trinken, verträgt er dementsprechend wenig und hat schnell einen Rausch, Pedrillo natürlich nicht, da er ja geübter ist als Osmin.
    Es kommt zum ersten Treffen der beiden Paare im Garten. Noch einmal wird der Plan durchgegangen. Um Mitternacht beim Balkon wollen sie sich treffen.


    3.Akt
    Platz vor dem Palast des Bassa. Mitternacht.


    Pedrillo uns Klaas richten inzwischen die Leitern her, auch Belmonte ist schon da. Alles wartet auf die Damen. Pedrillo gibt das Signal und Belmonte steigt zu Konstanze ins Fenster und bringt sie herunter. Während Pedrillo sein Blondchen befreit, wird Osmin aus seinem Rausch gebeutelt. Der Stumme weckt ihn auf und signalisiert ihm, dass da etwas nicht stimmt. Osmin ruft die Wache, die die vier Fliehenden gefangen nimmt. Er freut sich über seinen Triumph und auf die Hinrichtung, insbesonders auf die des Pedrillo.


    Szenenwechsel
    Zimmer des Bassa. Morgen.


    Die vier Gefangenen werden dem Bassa vorgeführt. Alles erwartet ein Todesurteil. Vor allem als sich herausstellt, dass Belmonte der Sohn seines Erzfeindes ist, doch der Bassa lässt sie frei. Er möchte nicht als brutaler, blutrünstiger und rachsüchtiger Herrscher, sondern vielmehr als großmütiger, edler Herrscher in Europa bekannt sein. Osmin ist wütend und traurig und verlässt das Zimmer. Die vier Europäer huldigen dem Bassa. Die Janitscharen stimmen in die Huldigung ein und es fällt der Vorhang.



    Ich hoffe, dass Ihnen, verehrter Leser, meine Erzählung von der Entführung aus dem Serail gefallen hat. Die Entführung aus dem Serail ist Mozarts erste mehraktige, deutsche Oper. Sie wird vom Librettisten Gottlieb Stefanie des Jüngeren als Singspiel bezeichnet, als solches ist sie auch konzipiert. Doch Mozart selbst bezeichnete sie als Operette (!!!!), als kleine, komische Oper.
    Mozart erhielt den Kompositionsauftrag von Kaiser Joseph II., da dieser ein deutsches Singspiel begründen wollte. Der Kaiser schätzte Mozart als Pianist aber als Opernkomponist war er in Wien fast unbekannt. Auch wenn der Erfolg des Idomeneo (München) groß war, gelangte das Stück nicht bis nach Wien. Mozart machte sich voll Begeisterung an die Kompositionsarbeit, er war vom Türkensujet begeistert. Noch mehr aber war er begeistert, dass die Hauptfigur Konstanze hieß, genauso wie seine damalige Verlobte.
    Die Premiere der Oper am 16. Juli 1782 wurde trotz vieler Intrigen ein gigantischer Erfolg. Der Kaiser lobte Mozart folgendermaßen: „Grandios, mein lieber Mozart! Aber ein bisschen viele Noten.“ Mozart darauf: „Gerade so viel als nötig.“ Die Entführung wurde Mozarts größter Erfolg bis zur Zauberflöte.


    PS: Mozart heiratete seine Konstanze am 4. August 1782 im Stephansdom.


    DIE MUSIK UND IHRE BEDEUTUNG


    Viele Musikkritiker meinen, dass die Entführung aus dem Serail nur gespielt wird, weil die Musik so wunderschön ist. Die Handlung sei banal und lächerlich.
    Dem gibt es einiges entgegenzusetzen. Die Geschichte ist einfach und daher gut geeignet um viele (noch) nicht Opernfans anzusprechen. Aber seien wir uns einig, komische Opern sind meist sehr einfach oder unglaublich kompliziert (wegen der vielen Intrigen). Mir gefällt die Geschichte, sie ist meiner Meinung nach der beste Einstieg für Kinder in das Opernschaffen, beweiten geeignet als die Zauberflöte.


    Nun aber wirklich zur Musik. Sie ist, das merkt man schon an der Ouvertüre, voll türkischer Einflüsse. Mozart verlangt zum Beispiel Piccoloflöten, Becken uva, also alles, damit es nach Janitscharenmusik klingt. Sonst aber ist die Musik einfach nur überirdisch schön. Große Arien des Belmonte, des Osmin und der Konstanze, sowie kleinere Arien des Blondchen sowie des Pedrillo, Duette, Quartette, Terzette und eine Chorszene kommen vor. Die Entführung hat einfach alles, was das Herz begehrt.
    Das Cembalorezitativ wird durch gesprochene Dialoge ersetzt. Es ist nun ein besseres Verständnis des Textes möglich, sofern der Sänger keine schlechte Sprechstimme hat. Daher bevorzuge ich Aufnahmen mit Sänger/innen mit deutsch als Muttersprache. Natürlich tut man sich leichter, da auf deutsch gesungen wird.


    Die Entführung aus dem Serail entspricht dem damals sehr beliebten Türkenklischee. Entweder brutal und dumm (Osmin) oder gütig und edel (Bassa) stellte man sich den Türken, der als Synonym für alle Moslems steht, vor. Die Türkenoper war sehr beliebt, daher gibt es unzählige Opern, die im türkischen Kulturkreis spielen.


    Die schwierigste Partie der Oper ist der Osmin. Eine unglaubliche Partie, in der der Sänger keine Tiefe scheuen darf. Oft plagt sich der Sänger, denn welcher „normale“ Bass muss schon Triller singen.
    Der Belmonte ist der Held, daher die schwerere Tenorpartie, so ziemlich jeder große deutschsingende Tenor hat ihn schon gesungen. Seine erste und schwerste Arie hat er gleich zu Beginn der Oper („Hier soll ich dich denn finden“). Er braucht hier großes Lungenvolumen, denn der geschulte Zuhörer erwartet hier ein langes „bringe.
    Konstanze leidet in der ganzen Geschichte eigentlich nur. Sie hat die große Marternarie, in der sie alle Register der Gesangskunst ziehen kann.


    Höhepunkte sind die Finali der drei Akte und das Saufduett Osmin-Pedrillo. Eine unglaublich komische Szene, die vor musikalischer Komik nur so strotzt. Rossini und Donizetti könnten es nicht besser machen.


    Die Entführung aus dem Serail ist mein Favorit unter den deutschen Mozartopern, noch vor der Zauberflöte, da hier keine Langeweile aufkommt. Es passiert einfach immer etwas.


    Ich hoffe, meine sehr verehrten Damen und Herren, sie hatten viel Spaß mit meinem „Entführungsversuch“.

  • Die Hochzeit des Figaro (Le nozze di Figaro)


    Opera buffa in 4 Akten


    Uraufführung: 1.5.1786 in Wien (Altes Burgtheater)


    Musik: Wolfgang Amadeus Mozart
    Text: Lorenzo da Ponte (frei nach Beaumarchais)


    Ort der Handlung: Schloss des Grafen Almaviva bei Sevilla
    Zeit der Handlung: um 1780


    Personen:
    Graf Almaviva (Bariton)
    Gräfin Almaviva, Rosina (Sopran)
    Susanna, deren Kammerdienerin (Sopran)
    Figaro, Diener des Grafen (Bassbariton)
    Cherubino, Page (Sopran)
    Marzellina, Beschließerin (Alt)
    Doktor Bartolo, Arzt (Bass)
    Don Basilio, Musiklehrer (Tenor)
    Don Curzio, Richter (Tenor)
    Antonio, Schlossgärtner (Bass)
    Barbarina, Tochter des Gärtners (Sopran)
    2 Mädchen (Sopran und Alt)
    Bauern und Bäuerinnen


    Handlung:


    Diese Geschichte, die so denkbar kompliziert und doch einfach ist, handelt vom Hochzeitstag des Barbiers und Kammerdieners Figaro.


    1.Akt
    Ein kaum möbliertes Zimmer. Nur ein großer Sessel befindet sich darin.


    Figaro will seine Geliebte Susanna nun endlich heiraten. Lange hat er auf diesen, seinen großen Tag gewartet. Auch ein Zimmer hat das junge Paar schon vom Grafen erhalten. Als Zeichen seiner Gunst liegt es den Gemächern des Grafen und der Gräfin sehr nahe. Figaro misst am Anfang des Stückes aus, ob das von ihm bestellte Ehebett auch tatsächlich in das, bis auf einen Sessel und einige Leintücher unmöblierte Zimmer passt. Seine baldige Ehefrau Susanna richtet sich für die Zeremonie die Haare. Währenddessen erzählt sie Figaro, dass ihr das Zimmer nicht gefällt und sie nicht einziehen will. Grund dafür sei der Graf, der sie ins Bett kriegen will und die Nähe des Zimmers sei für seine Pläne nur förderlich. Weiters überlege der Graf das kürzlich abgeschaffte Recht der ersten Nacht für Susanna wieder zu aktivieren. Figaro macht sich Sorgen.
    Die Unterhaltung wird durch das Läuten der Gräfin unterbrochen, die nach Susanna verlangt, welche sofort zu ihr eilt. Figaro ist die Lust am Messen vergangen und er plant nun eine Intrige gegen den Grafen, für die er nun Helfer sucht.
    Marzellina, die alte Jungfer, erzählt Doktor Bartolo, ihrem früheren Herrn, von einem schriftlichen Heiratsversprechen Figaros ihr gegenüber (welches sie selbst verfasst hat, da sie Figaro liebt und hofft ihn so zur Heirat mir ihr bewegen zu können). Barto-lo, der mit Figaro noch eine Rechnung offen hat, verspricht ihr zu helfen.
    Als Susanna in ihr Zimmer zurückkehrt, bittet sie der (ca. 15-jährige) Page Cherubino um Hilfe, der vom Grafen vom Schloss verbannt wurde, weil ihn der Graf bei Barbari-na, der Tochter des Gärtners erwischt hat.
    Ein weiterer Grund für die Verbannung ist die Tatsache, dass Cherubino dem Grafen „nacheifert“. Der Graf, der mit sehr vielen seiner weiblichen Dienerinnen im Schloss schon im Bett war, also ein fürsorglicher Ehemann, sieht in Cherubino Konkurrenz. Und da er in der Lage ist, sich seiner Konkurrenz sehr leicht, und noch dazu legal, zu entledigen schickt er ihn fort, in der Hoffnung nun wieder der Herr im „Revier“ zu sein.
    Der Page, der mit Susanna sehr gut befreundet ist, und heimlich in die Gräfin verliebt ist, bittet seine Freundin bei der Gräfin ein gutes Wort für ihn einzulegen und um Gnade zu bitten. Dafür gibt er Susanna eine selbst verfasste Canzonetta. Als Cheru-bino noch bei Susanna ist, hört sie den Grafen kommen und, um Cherubino und sich nicht in Verlegenheit zu bringen, versteckt sich der Page hinter dem Sessel, der mit einigen Leintüchern bedeckt ist.
    Der Graf „gesteht“ Susanna seine Liebe und seine Wünsche und bietet ihr für den Liebesdienst sogar Geld. Da hört der Graf Basilio, den Gesangslehrer und Oberintri-ganten, der die Pläne des Grafen so ziemlich jedem im Schloss erzählt hat, und sucht sich ein Versteck. Den Sessel!! Er setzt sich hinter den Sessel und gleichzeitig klettert Cherubino auf die Sitzfläche des Sessels, die Susanna sogleich mit einem Leintuch bedeckt.
    Basilio verrät Susanna die neuesten, von ihm ausgedachten Gerüchte, welche da lauten, dass sie ein Verhältnis mit dem Grafen und dem Pagen hätte. Der sehr wü-tende Graf stürmt aus seinem Versteck, es kann ihm ja nichts passieren, er ist ja der Herrscher und Basilios „Vorgesetzter“, und beginnt Basilio nach dem Ursprung seiner Gerüchte zu fragen. Der erklärt ihm, dass er den Pagen kurz vor dem Grafen zu Su-sanna gehen gesehen habe. Der Graf ist verwundert, da er der Meinung war, mit Su-sanna allein gewesen zu sein, und beginnt den Pagen zu suchen.
    Da wird Susanna ohnmächtig und Basilio bringt Susanna den Sessel, damit sie sich erhole könne. Der Graf nimmt das Leintuch weg, um der inzwischen erwachten Su-sanna Platz zu machen und erblickt zu seinem Entsetzen den Pagen. Basilio hindert ihn an der Flucht und versucht sich beim Grafen herauszureden, dass er das mit dem Pagen und Susanna nur vermutet hätte.
    Susanna ergreift die Initiative, erklärt den wahren Sachverhalt und bittet um Verge-bung für Cherubino. Der Graf glaubt ihr und vergibt ihm, mehr noch, er befördert ihn zum Offizier mit dem sofortigen Befehl zum Regiment zu reiten.
    Figaro, der inzwischen mit den Hochzeitsvorbereitungen begonnen hat, kommt mit einigen Bäuerinnen, die dem Grafen huldigen sollen und bittet ihn danach Susanna den Brautkranz anzustecken. Der Graf bedankt sich bei seinem treuen Diener und lehnt mit der Begründung ab, dass die Zeremonie im Schloss stattfinden solle und er noch einiges vorzubereiten hätte. Der Page erzählt Figaro von der Beförderung, die Figaro denkbar ungelegen kommt, da er schon eine Intrige ausgeheckt hat, die den Grafen vor der Gräfin bloßstellen soll. Figaro verspottet den Pagen indem er im Gleichschritt durchs Zimmer marschiert.


    2. Akt
    Das Zimmer der Gräfin. Rechts die Eingangstür. In der Mitte und links zwei weitere Türen, eine führt ins Kabinett, eine andere in das Nebengemach der Gräfin. Gegen-über der Eingangstür befindet sich ein Fenster.


    Die Gräfin, Rosina, hat Sehnsucht nach ihrem Gatten, dem sie treu in Liebe ergeben ist. Sie ist die einzige, die nichts von den Liebschaften des Grafen weiß, aber sie vermutet es. Nun will sie ihn der Untreue überführen. Figaro und Susanna gehen zur Gräfin um sie von ihrem Plan zu unterrichten. Figaro schreibt dem Graf einen Brief von einer heimlichen Verehrerin, die ihn bittet sich im Garten, in der Nacht, mit ihr zu treffen. Der Page, als Frau verkleidet, soll zu dem Treffen gehen, in das die Gräfin dann „hineinplatzt“ und den Grafen der Untreue überführt. Soweit der Plan. Nachdem der Graf auf der Jagd ist und vor dem Abend nicht zurückkehren sollte, wähnen sie sich in Sicherheit, dass der Plan nicht auffliegen wird.
    Figaro macht sich, nachdem er den Brief geschrieben hat, wieder an die Hochzeits-vorbereitungen. Der Page singt der Gräfin die Canzonetta, die er für sie geschrieben hat, um sie um Gnade zu bitten. Sie gewährt ihm die Gnade und weiht ihn in den Plan ein. Susanna holt inzwischen alte Kleider der Gräfin, zieht Cherubino an und lernt ihm sich damenhaft zu bewegen und zu benehmen. Als der Page sich entklei-det, fällt ihm das Offizierspatent aus der Tasche, dass er von Basilio zurückerhalten hat, da das Siegel fehlt. Da hört die Gräfin ihren Gatten kommen, und Cherubino ver-steckt sich im Kabinett der Gräfin, Susanna versteckt sich ebenfalls, aber in einem Nebenraum.
    Nachdem die Gräfin nicht sofort geöffnet hat, wird der Graf, immerhin erwartet er als Ehemann, dass seine Frau ihm treu ist, misstrauisch und eifersüchtig. Als ein Schep-pern aus dem Kabinett ertönt, wird der Graf energischer in seinem Vorhaben nach-zusehen, worauf ihm die Gräfin erklärt, dass Susanna ihr Hochzeitskleid anprobiert und dass das keinen Mann etwas angeht. Er „wittert“ einen Liebhaber und will nach-sehen. Die Gräfin verwehrt ihm den Zugang, worauf er wütend wird und einen Schlosser holen will, um die Tür aufzubrechen. Die Gräfin erklärt ihm, dass es ihre und auch seine Ehre verletzen würde, wenn er das tun würde. Er gibt ihr Recht und beschließt nur Werkzeug zu holen. Zuvor sperrt er aber noch das Nebenzimmer und die Haupttür zu und geht dann mit der Gräfin hinaus. Doch bevor er das Kabinett versperren kann, schwindelt sich Susanna durch ein Ablenkungsmanöver der Gräfin aus dem Zimmer heraus und versteckt sich unter dem Bett der Gräfin.
    Als das Grafenpaar das Zimmer verlassen hat, öffnet Susanna dem Pagen, der in-zwischen wieder in seiner „Männerkleidung“ steckt, die Tür. Beide haben Angst er-wischt zu werden, als sie merken, dass sie eingesperrt sind. Der Page springt aus dem Fenster, trotz der Warnung seiner Freundin Susanna, dass er sich nur „den Tod holen werde“. Er überlebt und läuft auf der Suche nach einem Versteck davon. Su-sanna verschwindet im Kabinett.
    Als der Graf dann die Tür zum Kabinett öffnet, staunt er nicht schlecht als Susanna herauskommt. Noch mehr staunt allerdings die Gräfin, deren Ehre damit gerettet ist. Als der Graf seine Frau wegen seines Misstrauens um Verzeihung bitten will lehnt sie ab, da sie tief verletzt wurde. Sie wirft ihm vor, dass er an der Treue seiner ihn über alles liebenden Gattin zweifelte und ist beleidigt.
    Dann findet der Graf jedoch den Brief Figaros. Als Figaro ins Zimmer kommt und Su-sanna zu den weiteren Vorbereitungen holen will wird er vom Grafen auf das Brief-chen angesprochen, von dessen Existenz sein Diener aber nichts wissen will.
    Kurz darauf kommt der leicht angetrunkene Antonio, der Gärtner ins Zimmer der Grä-fin und beschwert sich, dass jemand aus dem Fenster gesprungen sei und ihm die Beete und ein teures Blumengeschirr zerstört hat. Dieser Jemand sei der Page ge-wesen. Der Graf, der nun sein Misstrauen gegenüber seiner Frau bestätigt sieht, zweifelt nun wieder an seiner Gattin. Figaro nimmt die Schuld auf sich und behaup-tet, dass er selbst aus dem Fenster gesprungen sei, da er Angst hatte sich wegen des Briefes rechtfertigen zu müssen. Weiters meint er, dass Antonio ein Säufer sei und man ihm nichts glauben dürfe. Antonio spielt darauf seinen letzten Trumpf aus. Er gibt seinem Gebieter das Offizierspatent des Pagen. Figaro erklärt dem Grafen, der Page hätte es ihm gegeben da etwas fehle. Der Graf will wissen, was das sei und Figaro kann ihm, mit Hilfe Susannas, die richtige Antwort geben, nämlich dass das Siegel fehle. Der Graf ärgert sich und hofft, dass es Marzellina gelingt Figaro zu hei-raten und so von Susanna fernzuhalten.
    Marzellina stürmt mit ihrem Verbündeten, Doktor Bartolo und Oberintrigant Basilio, in das Gemach der Gräfin und sie fordern den Grafen auf, die Hochzeit zu verhindern, da es ein schriftliches Eheversprechen von Figaro gegenüber Marzellina gibt. Dieses Eheversprechen kann nur durch die Zahlung von 1000 Gulden gelöst werden. Der Graf, nun eigentlich am Ziel, kündigt eine Untersuchung an.


    3. Akt
    Ein festlich, zur Hochzeit geschmückter Ballsaal.


    Der Graf will herausfinden, ob Cherubin wirklich zum Regiment geritten ist und sen-det Basilio um es herauszufinden. Weiters schmiedet er im Ballsaal Pläne und wird von Susanna unterbrochen, die um Medizin für die Gräfin bittet, da diese sich nicht wohlfühle. Der Graf versucht Susanna zu verführen und Susanna vereinbart mit dem Grafen ein nächtliches Treffen im Schlossgarten. Als der Graf verschwindet um Mar-zellina zu suchen, taucht der Page wieder auf. Er ist aber nicht allein. Er hat Barbari-na, sein Techtelmechtel, bei dem ihn der Graf erwischt hat, um Hilfe gebeten. Barba-rina, die ihn liebt, schlägt ihm vor sich als Frau zu verkleiden, sich in den Damenchor zu schmuggeln um so bei der Hochzeit dabei sein zu können.
    Wenig später kommen Marzellina, der Graf, Doktor Bartolo und der senile, stotternde und bestechliche Richter Don Curzio und warten auf Figaro, dem hier das Urteil ver-kündet werden soll. Als Figaro endlich kommt, verkündet Don Curzio endlich das Ur-teil, dass da lautet: „E-e-e-e-ntweder er z-z-z-z-ahlt oder er h-h-h-heiratet!“ Figaro, der mit diesem Urteil gerechnet hat, versichert, dass er nicht heiraten kann, da er auf das Einverständnis seiner Eltern warte. Auf die Frage nach seinen Eltern erzählt Fi-garo seine Geschichte. Als kleiner Junge wurde er bei einer Burg an einer Kreuzung seinen Eltern entrissen und wurde dann als Findelkind aufgenommen. Marzellinas und Bartolos Mienen wandeln sich von erfreut zu nachdenklich. Als Figaro erzählt, dass er ein Mal an der Schulter habe, wird Marzellina alles klar. Sie bittet Figaro das Mal zu zeigen und umarmt ihren verlorenen Sohn. Sie erzählt ihm von diesem Tag an der Burg, wo Figaro seiner Mutter Marzellina und seinem Vater Bartolo geraubt wurde. Curzio stellt demnach richtig fest, dass Figaro der uneheliche Sohn von Dok-tor Bartolo und seinem damaligen Dienstmädchen Marzellina ist. Die beiden nannten ihn damals Raffael. Als Figaro seine Eltern umarmt kommt Susanna mit 1000 Gul-den, die sie sich von der Gräfin ausgeliehen hat und bittet den Grafen die Hochzeit zu verhindern. Als sie von Marzellina eingeweiht wird, beschließen die beiden Paare die Doppelhochzeit Susanna-Figaro und Marzellina- Bartolo zu feiern. Der verbitterte Graf zieht sich zurück, ebenso wie die zukünftigen Eheleute.
    Etwas später sieht man die Gräfin auf Susanna warten. Als Susanna endlich kommt und ihr von den Verführungsversuchen des Grafen erzählt, ist sich die Gräfin sicher, dass der von ihr so geliebte Gatte nicht mehr dasselbe empfindet wie sie. Weiters erzählt Susanna ihr von ihrem Plan den Grafen der Untreue zu überführen. Dieser Plan sieht vor, dass die Gräfin und Susanna die Kleider tauschen und die Gräfin sich verschleiert zu dem „Date“ im Garten begibt. Kurz bevor es zum Äußers-ten kommt, soll sich die Gräfin zu erkennen geben. Damit wäre der Graf überführt. Die Gräfin stimmt zu und fügt hinzu, dass es doch eine gute Idee wäre, dem Graf einen Liebesbrief zu schreiben um sicher zu gehen, dass er auch wirklich kommt. Susanna schreibt den Brief und versiegelt ihn mit einer Nadel und den Worten „Sie-gel bitte zurück“.
    Der Damenchor bringt der Gräfin ein Ständchen und eine, von Susanna ausgewähl-te, besonders hübsche Dame darf der Gräfin die Blumen bringen. Die Gräfin stellt in dieser Dame eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Pagen fest.
    Der Graf und Antonio, der von der Liebe seiner Tochter zu Cherubin Wind bekom-men hat, betreten den Ballsaal. Antonio erkennt in der Dame den Pagen und verrät es dem Grafen. Dieser will ihn, wie schon so oft, töten. Barbarina erinnert den Gra-fen, dass er ihr für einen Kuss jeden Wunsch erfüllen würde. Sie fordert Cherubin zum Mann. Der Graf willigt ein, da Barbarina droht der Gräfin von diesem Verspre-chen zu berichten.
    Da kommt Figaro in den Saal, um nun endlich zu heiraten. Er erinnert den Grafen, dass es, wenn sich dieser noch länger Zeit lasse, dann kein Fest mit Gesang und Tanz geben werde. Figaro wird vom Grafen mit Fragen durchlöchert und kann sich gerade noch aus der Affäre ziehen, sogar als der Graf ihm mit dem „Geständnis“ des Pagen als Lügner überführen will.
    Nun bekommen die 3 Bräute ihre Kränze, anschließend wird getanzt. Während des Tanzes gibt Susanna dem Grafen den, mit der Nadel versiegelten, Brief. Figaro sieht wie der Graf den Brief liest.


    4.Akt
    Der Schlossgarten, an beiden Seiten befinden sich je ein Pavillon. Es ist Nacht.


    Barbarina, mit einer Laterne bewaffnet, sucht die Nadel, die der Graf ihr gegeben hatte, um sie Susanna zu bringen. Als Figaro sie fragt, was sie denn suche, erzählt ihm die nichtsahnende Barbarina die Geschichte mit Susanna und dem Grafen. Figa-ro findet die Nadel und Barbarina läuft davon. Figaro ist verzweifelt und sucht bei Marzellina Trost. Diese glaubt nicht an die Untreue Susannas und rät ihm optimis-tisch zu sein. Figaro beschließt das Treffen zu verhindern und sie der Untreue zu überführen.
    Barbarina wartet indes im linken Pavillon auf ihren Geliebten Cherubino.
    Figaro hat Basilio und Doktor Bartolo überredet im Garten zu warten und ihm Be-scheid zu geben, falls sie Susanna sähen. Alle drei verstecken sich an verschiede-nen Orten im Garten.
    Marzellina kommt mit Susanna und der Gräfin, die die Kleider getauscht und sich verschleiert haben, und erzählt ihnen von den Absichten ihres Sohnes. Die Damen beschließen, mit dem Spiel zu beginnen ohne Figaro Bescheid zu geben. Marzellina geht ebenfalls in den linken Pavillon.
    Die Gräfin versteckt sich, während Susanna (als Gräfin) ein Liebeslied (für den Gra-fen singt). Figaro, inzwischen sehr wütend, hört alles mit an.
    Nun betritt Cherubino die Bildfläche. Er ist auf dem Weg zu Barbarina, als er Susan-nas Kleider erblickt. Der Page flirtet ziemlich heftig und fordert einen Kuss, sogar noch als der Graf näher kommt. Die Gräfin versucht ihn loszuwerden, aber es gelingt ihr nicht. Der Graf erwischt die beiden und der Page gibt den für die Dame bestimm-ten Kuss dem Grafen. Figaro, dem nun der Kragen geplatzt ist, will dazwischen ge-hen. Der Graf holt aus um dem Pagen einen Ohrfeige zu geben erwischt aber Figaro, der sich wieder zurückzieht. Der Page flüchtet in den linken Pavillon.
    Der Graf wendet sich Susanna (der Gräfin) zu und die beiden gehen in den rechten Pavillon. Als sie drinnen sind, beginnen Basilio und Bartolo Wirbel zu machen, so-dass der Graf gezwungen ist nachzusehen was da vor sich geht.
    Figaro geht durch den Garten und trifft die Gräfin (Susanna),der er seine Erlebnisse berichtet und ihr erklärt, dass sie sich jetzt an ihrem Gatten rächen könne, wenn sie nur noch ein paar Minuten warte. Susanna, vorher mit verstellter Stimme sprechend, verspricht ihm zu warten, vergisst aber die Stimme zu verstellen, sodass Figaro sie erkennt, aber so tut als halte er sie für die Gräfin.
    Figaro schwört der (als) Gräfin (verkleideten und verschleierten Susanna) seine Lie-be, was Susanna natürlich nicht gefällt. Sie wird wütend und gibt Figaro eine Ohrfei-ge. Als er aber weiter singt, schlägt sie ihn immer weiter, bis Figaro sie als Susanna anspricht und ihr erklärt, dass er ihre Stimme erkannt habe. Die beiden vertragen sich wieder und beschließen, dem näherkommenden Grafen etwas vorzuspielen. Figaro kniet sich vor die Kleider der Gräfin (Susanna) und singt ihr ein Liebeslied. Der Graf wird wütend und ärgert sich, dass er seine Waffen nicht bei sich hat. Als Figaro mit der eben angehimmelten ins Gebüsch gehen will, schreitet der Graf ein und schreit nach seinen Getreuen.
    Curzio, Basilio, Antonio und der Doktor eilen herbei um zu sehen, was hier los sei. Der Graf löst die Intrige auf, indem er Figaro und, nach seinem Glauben, die Gräfin aus dem Gebüsch, Marzellina, Barbarina und Cherubino aus dem linken Pavillon zerrt.
    Die Intriganten bitten um Verzeihung, was der Graf aber verweigert, da er, an diesem für ihn nicht wirklich erfolgreichen Tag, doch noch etwas von seiner Macht zeigen kann. Der Graf staunt nicht schlecht, als er seine Frau aus dem rechten Pavillon kommen sieht, die den Intriganten verzeiht. Der Graf bittet seine Frau um Verzeihung für seine Untaten. Sie verzeiht ihrem geliebten Ehemann. Da nun alle glücklich ver-eint bzw. wiedervereint sind, wird für den nächsten Tag ein großes Fest geplant, wo dann endlich die Hochzeit des Figaro (und der anderen beiden Paare) stattfinden kann. Mit dem Sonnenaufgang fällt der Vorhang.



    Zuerst einmal hoffe ich, dass sie meine Inhaltsangabe verstanden haben. Nicht, dass ich sie, geehrte Leser; für schwer von Begriff halte, aber das Problem mit der Hoch-zeit des Figaro ist, dass die Geschichte sehr schwer zu erzählen ist. Wenn man aber die Oper sieht, (nicht hört) fällt es einem leicht die Intrigen, Streiche und Wünsche der Beteiligten zu verstehen. Allein das Finale mit den ganzen Verkleidungen und Verstecken ist sehr verwirrend zu erzählen oder zu lesen. Ich selbst habe einige O-pernführer gelesen, bevor ich die Oper zum ersten Mal hörte, und habe die Ge-schichte NICHT verstanden. Bis zum Ende des dritten Aktes war ich dabei, im vierten Akt bin ich dann ausgestiegen und habe mich am Schluss nur mehr auf die Musik konzentriert. Erst als ich mir die Oper auf DVD angesehen habe, war mir alles klar.
    Der Grund warum ich die Handlung auf CD nicht verstanden habe, ist der dass ich immer auf die Stimmen achtete. Durch die Verkleidungen wird alles durchgemischt und verwirrend, daher mein Ratschlag: SEHEN SIE SICH DIESE OPER AN!!!
    Aber passen sie auf, durch ein schlecht harmonierendes Ensemble, schwache Solis-ten oder eine, nicht dem 18. Jahrhundert entsprechende Inszenierung (Salzburger Festspiele 1995 unter Leitung von Nikolaus Harnoncourt, Inszenierung von Luc Bon-dy) kann viel von der Stimmung zerstört werden.


    Geschichte dieses Stückes


    Dem Libretto von Lorenzo da Ponte liegt das Theaterstück “Ein toller Tag oder Die Hochzeit des Figaro“ („La folle journeé ou Le mariage de Figaro“) von Pierre Augus-tin Caron de Beaumarchais zu Grunde. Beaumarchais´ Stück war in Frankreich we-gen „revolutionärer Inhalte“ verboten. Und nicht nur in Frankreich. Auch in Deutsch-land, Spanien, England und Österreich war die Hochzeit des Figaro verboten. Grund dafür war die Darstellung der Adeligen als dümmliche Lustmolche und die Darstel-lung der schlauen, über die Adeligen triumphierenden, Diener. Im absolutistischen Europa ein riesiger Skandal.
    Als Lorenzo da Ponte endlich das Libretto fertig hatte, gab es trotzdem die Forderung der Adeligen die Aufführung dieser Revolutionsoper zu verbieten. Kaiser Joseph II. hatte das Theaterstück eben erst auf den Index gesetzt und nun wollte man sogar eine Oper machen. Was für ein Skandal!
    Mozart wurde vor den Kaiser zitiert um einige Kostproben aus seinem Werk vorzu-spielen. Nach diesen Kostproben erlaubt der Kaiser die Aufführung, trotz starker Pro-teste. Da Ponte hatte aber noch Änderungen vorzunehmen. Er musste Personen streichen und kürzte das Werk von 5 auf 4 Akte.
    Als das Werk am 1. Mai 1786 im Wiener Hofoperntheater uraufgeführt wurde, war das Publikum hingerissen, die Premiere war ein gigantischer Erfolg. Dass der Oper aber der weitere Erfolg in Wien versagt blieb, ist vermutlich den Intrigen der Adeligen und der italienischen Hofkomponisten zu verdanken.
    Erst in Prag wurden auch die weiteren Aufführungen ein gigantischer Erfolg. Prag war im Mozartfieber. Der gigantische Erfolg des „Figaro“ brachte Mozart den Auftrag für eine weitere Oper, den „Don Giovanni“ ein.


    DIE MUSIK UND IHRE BEDEUTUNG


    Die Hochzeit des Figaro ist die zweite der fünf „großen“ Mozart-Opern (die anderen sind: „Die Entführung aus dem Serail“, „Don Giovanni“, „Cosi fan tutte“ und „Die Zau-berflöte“). In dieser Oper hat Mozart zum ersten Mal nicht das Schema der Opera buffa eingehalten, sondern sich auf die Charaktere und deren Handlungen konzent-riert. Das Arienschema der Opera buffa war ihm egal, er wollte, dass sich die Men-schen mit seinen Charakteren identifizieren konnten, so wie auch er es tat. Mozart versuchte sich in jede der Personen hineinzudenken, versuchte zu fühlen was diese Person fühlt und denkt und die Taten und Gedanken der Person in Musik umzuwan-deln. Das ist ihm, wie keinem anderen Komponisten vor und kaum einem nach ihm, gelungen.
    Er verstand es aber auch, diese Gefühle in Melodien umzuwandeln, die einem nicht mehr aus dem Ohr gehen (z.B.„Non piu andrai“, die Schlussarie des Figaro im ersten Akt). Durch diese Identifizierung Mozarts mit den Figuren, die er als Menschen mit Gefühlen und Empfindungen sah, nicht als leere Hüllen, wie die meisten vor ihm, ist es dem Zuhörer bzw. dem Zuschauer möglich zu erkennen, ob eine Person ihre Wor-te ernst nimmt, lügt oder jemanden verspottet. Diese Technik brachte er 1790 mit „Cosi fan tutte“ zur Vollendung.


    Eine weitere Besonderheit der „Hochzeit“ ist, dass kein Rezitativ, keine Arie oder ein sonstiges Musikstück an das Publikum direkt gerichtet ist, bis auf eine Ausnahme, die aber nur an einen Teil des Publikums gerichtet ist. Sie werden sich jetzt denken: „ Ja, spinnt der, die singen doch ins Publikum!!“. Ja schon richtig, aber jede Nummer hat einen Adressaten auf bzw. hinter der Bühne. Sie glauben mir nicht! Hier einige


    Nicht zu vergessen ist die wohl bekannteste Melodie aus dem „Figaro“, die Ouvertü-re. Diese ist im Presto 4/4 Takt geschrieben und zeichnet musikalisch die Hektik am Grafenhof. Mozart soll sie am Vorabend der Uraufführung geschrieben haben, erdacht hatte er sie schon lange vorher, doch er hatte einfach nur vergessen sie auf-zuschreiben. Mozart war in der Lage während des Aufschreibens, dass er ohne scheinbare Beteiligung tat, neue Musik zu erdenken. Die Ouvertüre beginnt mit ei-nem Streicherintro, dem dann die Holzbläser folgen. Es ist eines der fröhlichsten Stücke, das Mozart je geschrieben hat und ich bin mir sicher die meisten Menschen kennen diese Melodie, können sie aber nicht zuordnen. Grund: In Werbungen wird sie oft verwendet z.B. Gösser, wo die letzten Takte des Streicherintros eingespielt werden. Eine weitere Besonderheit der Ouvertüre ist, dass in ihr kein Thema der ei-gentlichen Oper vorkommt und sich dieses Thema auch im Stück selbst nicht wie-derholt. Spätere Komponisten schrieben die Kennmelodien der Oper schon in der Ouvertüre nieder. Auch Mozart tat dies z.B. „Don Giovanni“, „Cosi fan tutte“.


    DIE FIGUREN


    Figaro


    Er symbolisiert bei Beaumarchais den nach politischer Mündigkeit schreienden 3. Stand, den bürgerlichen Stand. In der Oper ist er der verliebte, glückliche und treue Diener des Grafen, der mit allen Mitteln versucht seinen Herren von Susanna fernzu-halten, bis er sie geheiratet hat. Figaro ist ein listiger, bauernschlauer Mensch, der sehr redegewandt ist, Ironie bzw. Sarkasmus an den Tag legt, keine Angst und schon gar keinen Respekt vor den Adeligen zeigt. Figaro hofft vielleicht, dass der Graf nicht vergessen hat, was damals in Sevilla los war, als der Graf heiraten wollte (siehe: „Der Barbier von Sevilla“). Als Figaro merkt, dass der Graf sich Susanna in verführerischer Absicht nähert, schwört er den Grafen bloßzustellen, doch dieser schafft es immer wieder, seine Intrigen zu vereiteln und Figaro muss aufpassen, dass ihn Marzellina nicht erwischt, denn sonst kann er seine Heirat ja sowieso vergessen.
    Als ihm dann noch seine Geliebte Susanna in den Rücken fällt, indem sie sich mit dem Grafen verabredet, dreht er den Spieß einfach um und bringt seine Braut in die selbe Gefühlslage in die sie ihn gebracht hat. Figaro, der sich schon als Verlierer sieht, als die vermeintliche Susanna mit dem Grafen im Pavillon verschwindet, nutzt die Gelegenheit es beiden Untreuen heimzuzahlen und flirtet mit der (falschen) Grä-fin. Als er in der vermeintlichen Gräfin die Stimme seiner Geliebten Susanna erkennt, spielt er ihr eine Affäre mit der Gräfin vor. Er testet Susannas wahre Gefühle, findet heraus, dass sie ihn wirklich liebt und den Grafen nur gelinkt hat und kassiert neben-bei noch ein paar Ohrfeigen, da er sich an die (falsche) Gräfin herangemacht hat.
    Der Figaro ist der geplante Held des Stückes, immer liebenswert, der Zuseher kann sich meist mit ihm identifizieren, er erregt Mitleid (zu Beginn des großen Finales, als er seine Susanna verloren glaubt) und er bringt den Zuseher meist (wenn richtig in-szeniert wird; darf nie in Slapstick ausarten!) auch zum Lachen.


    Susanna


    Sie ist die eigentliche Heldin. Sie ist im Gegensatz zu Figaro nicht rachsüchtig, aber auch sie weiß mit ihren Stärken zu spielen und ihre Wirkung auf den Grafen gezielt für ihre und auch für die Pläne der Gräfin einzusetzen. Wie Figaro ist auch sie sehr redegewandt, hat einen Sinn für Sarkasmus und Ironie und hat ebenfalls keine Angst vor den Adeligen. Die Gräfin ist für sie keine wirkliche Vorgesetzte, sondern eher ei-ne Freundin, die sie bei ihren Plänen den Grafen zurückzuerobern unterstützt. Nicht nur aus Freundschaft, sondern weil sie hofft ihn so loszuwerden. Sie bewahrt die Gräfin nicht nur vor der Verstoßung wegen Ehebruches sondern rettet dem Pagen auch das Leben.
    Sie liebt Figaro wirklich, wird aber im Laufe des Stückes zu jenem „Weib“, dass Figa-ro in seiner Arie im 4. Akt verdammt, obwohl sie ihm in Wirklichkeit immer treu geblieben ist. Figaro hat ja nur ihre Kleider mit dem Grafen gehen sehen, er wurde ja nicht in den Verkleidungsplan Susannas eingeweiht.
    Man hat den Eindruck sie sei die gute Seele im Schlosse, ihre Erzfeindin zu Beginn, Marcellina, wird am Ende ja zu ihrer Vertrauensperson. Sie ist eine sehr extrovertier-te Person, die mit jedem gut auskommt. Außer mit dem Grafen, vor dem sie ein klein bisschen Angst hat, es aber nicht offen zeigt. Susannas liebenswerte Art macht es für den Zuschauer leicht, sich in sie hineinzuversetzen, da sie in Liebesdingen sehr gerade denkt. Kurz: Sie hat das Herz am rechten Fleck.
    Susanna ist meine weibliche Lieblingsperson, da ich glaube, wenn es eine solche Susanna wirklich geben würde, sehr gut mit ihr auskommen würde.


    Der Graf


    Er ist der Bösewicht des Stückes. Bösewicht ist vielleicht übertrieben, da Mozart kei-ne Guten und Bösen schaffen wollte. Sagen wir er ist der typische Adelige des Roko-ko. Der Graf vernachlässigt seine Frau, er betrügt sie mit so ziemlich jeder jungen, gutaussehenden und weiblichen Person in der Umgebung. Nur Susanna und Barba-rina hat er noch nicht verführen können, da es da ein Hindernis gibt. Deren Gelieb-ten. Als er Barbarina wieder einmal zu verführen versucht, erwischt er den Pagen bei ihr und verbannt ihn. Der Graf sieht in Cherubino Konkurrenz und will ihn loshaben. Als ihm die Lust bei Barbarina vergangen ist, versucht er Susanna ins Bett zu krie-gen. Er geht in ihr Zimmer und versucht sie zu verführen, ködert sie sogar mit Geld. Weiters droht er das Recht der ersten Nacht wieder zu aktivieren, dass er bei seiner Hochzeit aus Liebe zu seiner Frau abgeschafft hat. Als der Graf bei seinem Werben von Basilio, dem Musikmeister gestört wird versteckt er sich hinter einem Sessel. Basilio erzählt Susanna die neuesten Gerüchte, die man sich vom Grafen erzählt. Der Graf, ihm kann ja nichts passieren, er ist der mächtigste Mann im Schloss, stürzt hervor und will die Quelle Basilios erfahren. Er entdeckt seinen Erzfeind, den Pagen bei Susanna und schickt ihn wieder weg, diesmal zur Armee, um ihn endgültig loszu-sein.
    Wie jeder Ehemann ist der Graf eifersüchtig und zeigt dies sehr offen als er seine Frau verdächtigt einen Liebhaber zu haben, obwohl diese beteuert Susanna sei im Zimmer nebenan, Brautkleid probieren. Er versteht keinen Spaß und verdächtigt die Gräfin der Untreue, er glaubt sogar den Namen des Liebhabers zu wissen: Cherubi-no. Als er die Türe nach langem Hin-und-Her öffnet bleibt ihm nichts anderes übrig als sich zu entschuldigen, da wirklich Susanna im Zimmer war.
    Er hat zwar im ganzen Stück mehr Glück als Verstand, er kommt meist durch Zufall hinter die Intrigen seiner Diener und zeigt sich sehr herrschsüchtig. Erst als Susanna gegen ihn intrigiert (3.Akt), wird er vom Bösewicht zum „armen Schwein“. Er versucht immer freundlich zu bleiben wird aber von den Bürgerlichen (die Gräfin ist ja eben-falls bürgerlich, sie ist keine geborene Gräfin) immer weiter hinters Licht geführt. Nur gegenüber dem Pagen bleibt er hart, kann aber dann ihn dann aber doch nicht be-strafen, da er eines seiner Versprechen, dass er bei einer „Verführungstour“ gemacht hat einlösen muss Er muss Cherubino schweren Herzens verschonen. Am Ende des Stückes zeigt der Graf sein wahres Herz indem er seine Frau um Verzeihung bittet und sie so wieder gewinnt.
    Der Graf ist bis zum 3. Akt der Bösewicht wird aber dann dem Publikum meist immer sympathischer. Die Partie des Grafen ist die wahrscheinlich schwerste in der Oper.
    Der Graf symbolisiert bei Beaumarchais den Adelsstand, den herrschenden Stand, der als dekadent, faul und vergnügungssüchtig (um nicht zu sagen sexsüchtig) hin-gestellt wird. Das war ein Hauptgrund, warum das Theaterstück fast überall in Euro-pa verboten wurde.


    Die Gräfin


    Die Gräfin heißt mit Vornamen Rosina und hätte um ein Haar ihren Vormund Doktor Bartolo heiraten müssen. Dass es dazu nicht gekommen ist, verdankt sie dem Gra-fen und dessen Diener Figaro. Der Graf verspricht ihr ewige Treue und gibt aus Liebe sogar das „Herrenrecht“, das Recht der ersten Nacht auf. Die Ehe läuft zu Beginn gut, das junge Paar ist schwer verliebt. Mit der Zeit aber vernachlässigt der Graf sei-ne Frau und wendet sich wieder seinem alten Leben zu. Es scheint, dass er sie nicht mehr lieben würde. Rosinas Gefühle für ihren Mann haben sich aber nicht geändert. Sie vermisst ihn und seine Zärtlichkeiten und möchte ihn wiederhaben. Ihr ist zu Oh-ren gekommen, dass er ein Auge auf ihre Dienerin Susanna geworfen hat und möch-te ihn nun der Untreue überführen und ihn so zwingen zu ihr zurück zu kehren. Die Intrige schlägt fehl, und sie wird sogar des Ehebruches bezichtigt. Die Gräfin versteht die Welt nicht mehr und nimmt die Beleidigungen ihres Mannes hin. Als er sie dann um Verzeihung bittet, bleibt sie schweren Herzens hart und lässt ihn zappeln. Die Gräfin versucht ebenfalls die Hochzeit Marzellinas mit Figaro zu verhindern, da der Graf sonst freie Bahn zu Susanna hätte.
    Sie ist es auch, die die Nadelintrige plant und mit Susanna gemeinsam durchführt. Am Ende kennt sich kaum einer der Herren mehr aus und alle halten Susanna für die Gräfin. Als dann aber die echte Gräfin auftaucht verblüfft das alle, auch ihren Mann den sie nun endlich wieder zurückbekommt. Wäre ich die Gräfin, hätte ich ihn zum Teufel geschickt aber was tut und erträgt man nicht alles aus Liebe?
    Die Gräfin ist die traurige, bemitleidenswerte Figur in dieser Oper. Ihre beiden Arien gehören zu den rührendsten Stücken, die je geschrieben wurden. Diese Arien gehen fast schon in die Höhe eines Koloratursopranes, meistens wird die Gräfin aber nicht von einer reinen Koloratursängerin gesungen.



    Cherubino, der Page


    Der Page, ein junger Mann, der ein großes Vorbild hat: den Grafen Almaviva. Er ei-fert ihm nur in einer Beziehung nach: in dessen Beziehung mit Frauen. Er weiß, dass er gut aussieht und eine gewisse Wirkung auf Frauen hat. Als er aber vom Grafen bei Barbarina erwischt wird, rennt er zu Susanna und gesteht ihr, dass er für die Gräfin ein komisches Gefühl hege, dass immer zittere wenn er sie sehe und dass er immer rot werde, wenn er an sie denke. Er kann das Gefühl der Liebe noch nicht beschrei-ben. Er entdeckt die Liebe in dem Alter, in dem sie die meisten Menschen entdecken: in der Pubertät. Da der Page noch kein richtiger Mann ist muss er von einer Frau ge-sungen werden. Der Page ist daher eine Hosenrolle, und nebenbei bemerkt die wohl schwierigste in der ganzen Opernliteratur (neben dem Quinquin aus dem „Rosenka-valier“ von Richard Strauss.)
    Cherubino hat das Talent, dem Grafen immer in die Quere zu kommen, so auch bei Susanna, als er vom Grafen unter dem Sessel erwischt wird. Der Graf verbannt ihn zur Armee, er bleibt aber auf Figaros Wunsch. Er geht danach mit Susanna zur Grä-fin um sie um Gnade zu bitten. Er fühlt dasselbe wie oben, als er die Gräfin um Gna-de bittet, die sie ihm auch gewährt. Er verkleidet sich als Frau um den Grafen so der Untreue zu überführen, muss sich aber im Nebenzimmer der Gräfin verstecken, da der Graf einen Liebhaber seiner Frau vermutet. Susanna, lässt den Pagen aus dem Zimmer, als das Grafenpaar Werkzeug holt um die Tür des Zimmers aufzubrechen. Er springt gegen Susannas Willen aus dem Fenster und zerbricht dabei Antonios Vase, was Figaro beinahe zum Verhängnis wird.
    Später findet er im Damenchor bei der Hochzeitsgesellschaft Unterschlupf wird aber von Antonio entlarvt. Um dem Tode zu entkommen muss er Barbarina heiraten, da sie ein Versprechen des Grafen einlöst: „Gib mir einen Kuss und ich erfülle dir jeden Wunsch!“ Er ist eben der Wunsch Barbarinas. Im Garten kann er es nicht lassen, seiner Freundin Susanna (in Verkleidung: die Gräfin) etwas näherzukommen und schließlich versehentlicherweise den Grafen zu küssen, was dieser ihm mit einer Ohrfeige bezahlt, die aber Figaro trifft. Am Ende geht es auch für ihn zum Hochzeits-fest, zwar nicht freiwillig, aber doch.


    Marzellina


    Marzellina, die alte Jungfer, war früher einmal Dienstmädchen von Doktor Bartolo, der mit ihr auch ein Verhältnis hatte. Aus dieser Verbindung entsprang ein Sohn: Raf-fael. Raffael wird von seinen Eltern geraubt und nennt sich später Figaro.
    Marzellina ist mit der Gräfin auf das Schloss gezogen, da sie einen nicht geringen Anteil an der Hochzeit der Gräfin mit dem Grafen Almaviva hatte. Marzellina ist eifer-süchtig auf Susanna und möchte auf ihre alten Tage endlich heiraten. Doch wer wür-de freiwillig eine alte Jungfer heiraten? Basilio will nichts von Frauen wissen. Antonio ist zu betrunken, Bartolo sinnt immer noch auf Rache, da ihm sein Mündel Rosina von Graf Almaviva und Figaro ausgespannt wurde und Curzio ist bereits verheiratet. Wer bleibt da noch über? Richtig, Figaro! Er plant zu heiraten, ist es aber noch nicht. Also fälscht sie ein Eheversprechen und bittet Bartolo um Hilfe dieses durchzuset-zen, da sie weiß, dass er sich an Figaro rächen will. Marzellina und Susanna fechten eine erbitterte Verbalschlacht im ersten Akt aus und auch der Graf setzt große Hoff-nungen in sie, dass sie Figaros Hochzeit mit Susanna verhindern könnte.
    Marzellina erkennt im 3. Akt, dass Figaro und Raffael dieselbe Person sind und er-klärt sich dadurch ihre Zuneigung für Figaro. Sie freundet sich mit Susanna an und kommt sogar noch zu ihrer Hochzeit mit dem Vater ihres Sohnes, Doktor Bartolo.
    Marzellina ist mir persönlich noch in keiner Inszenierung sympathisch gewesen, die Sängerinnen der Marzellina waren aber immer spitze.


    Doktor Bartolo


    Doktor Bartolo, ein angesehener Bürger von Sevilla wird seiner Braut beraubt. Und nicht von irgendjemanden sondern von einem echten Grafen, dem Grafen Almaviva. Er wird von Figaro einem Barbier unterstützt. Bartolo, der sich immer für sehr schlau hielt, wurde von einem „dummen“ Diener übertölpelt. Er schwört Rache zu nehmen und wartet. Und die Gelegenheit ergibt sich, als Marzellina ihm von einem Heirats-versprechen dieses Dieners mit seinem ehemaligen Hausmädchen (Marzellina) er-zählt. Der Doktor leitet die Hochzeit in die Wege, wird aber von seiner Vergangenheit eingeholt, als er von Marzellina erfährt, dass er einen Sohn hat und dass genau die-ser Sohn ihn damals um seine Braut betrogen hat. Bartolo, ein Ehrenmann, weiß was sich gehört, verzeiht seinem Sohn und heiratet die Mutter seines Sohnes. (Spät, aber doch!)
    Bartolo ist die „graue Eminenz“ des Stücke. Ein perfekter Doktor Bartolo muss groß sein, sehr erhaben wirken und ein gepflegtes Auftreten haben. Bartolo wird von dem „bösen“ Intriganten zum „guten“ liebevollen Vater und Freund Figaros, der ihm in dessen schwersten Minuten des Stückes beisteht. Auch hier zeigt sich, dass hinter der rauesten Schale ein weicher Kern stecken kann! Seine Arie „La vendetta“ im ers-ten Akt ist eine der schwersten und besten dieses Stückes. Obwohl der Doktor nicht oft auftritt, muss ihn doch ein Charakterbass singen, da er sonst lächerlich und über-dreht wirken könnte.


    Basilio, der Musiklehrer


    Basilio ist der Oberintrigant des Schlosses. Er will alles wissen und will jeden gegen jeden ausspielen und er tut es auch. Basilio ist ein guter Freund Bartolos, obwohl er die Hochzeit Rosinas mit dem Grafen, gegen Entgeld, nicht verhindert hat. Er hat den lieben langen Tag nichts besseres zu tun als zu intrigieren. So auch als er zu Susan-na geht um ihr zu erzählen, dass man sich erzähle der Page sei ihr Liebhaber. Der Graf hört dass mit an und es kommt zum Rededuell. Als der Graf dann noch den Pa-gen bei Susanna findet, entlockt dies Basilio ein schadenfrohes: „Ha, immer besser!“
    Basilio hält nicht viel von Frauen, unterstützt aber Marzellina bei ihrem Heiratsplan nur um des Intrigierens willen. Als er im 3. Akt vom Grafen nach Sevilla geschickt wird um herauszufinden, ob der Page dort ist, reitet er nicht, sondern er versteckt sich im Saal um ja alles mitzubekommen. Dabei muss er für das Publikum sichtbar sein, aber für die anderen unsichtbar.
    Am Ende erzählt er noch warum er nichts von Frauen hält und er lockt den Grafen durch Geräusche aus dem Pavillon als dieser sich schon auf die vermeintliche Su-sanna stürzen will.
    Der Basilio ist meine männliche Lieblingsfigur, da er der gemeinste Charakter dieses Stücke ist. Er darf verlogen, hinterhältig und intrigant sein, darf aber niemals über-treiben, da er dem Zuseher zu sehr auf die Nerven gehen könnte. Mein absoluter Lieblingsbasilio ist Peter Schreier, da er aufgrund seiner Stimme und Statur der idea-le Fiesling ist. Der Basilio ist auch schauspielerisch sehr schwer und er war lange Zeit bei den Sänger verpönt, da diese Rolle beim Publikum nie gut ankam. Warum wohl??


    Barbarina


    Barbarina ist die Tochter des Gärtners Antonio und stellt das bauernschlaue, aber nicht wirklich intelligente Bauernmädchen dar. Sie liebt den Pagen, der Graf aber will sie ins Bett kriegen. Sie ist auch an der ersten Verbannung Cherubinos Schuld, da der Graf ihm bei ihr erwischt. Barbarina darf den Pagen, gegen seinen Willen, heira-ten und sie ist es auch die die Intrige der Gräfin und Susannas indirekt vereitelt, näm-lich dadurch, dass sie die Nadel verliert. Auch sie hat von Mozart einen „großen Auf-tritt“ komponiert bekommen, die Eröffnungs- Kavatina des vierten Aktes („L´ho perdu-ta...me meschina“), in der sie die Nadel sucht, die sie Susanna vom Grafen geben sollte. Auch sie wird von Grafen im Finale als Intrigantin entlarvt, darf aber ihren Pa-gen trotzdem heiraten.


    Antonio, der Schlossgärtner


    Antonio ist der besorgte Vater von Barbarinas und ein Verwandter Susannas. Er ist ein Trinker, weshalb er es in seinem Leben nur zum Gärtner gebracht hat und von den anderen Schlossbewohnern nur belächelt wird. Er ist ein gutmütiger Kerl, aber hat etwas gegen den Pagen, weshalb er mit allen Mitteln versucht Barbarina von Cherubino fernzuhalten. Als er einsieht, dass er die beiden nicht auseinanderbringen kann, resigniert er und wird wahrscheinlich im Wein Vergessen suchen. Antonio hat keine große Arie, aber er ist das kleine Glied in der Kette der Intrigen, dass es immer wieder schafft scheinbar gewonnene Schlachten der „Hauptpersonen“ in Unent-schieden oder gar in Niederlagen zu verwandeln. Warum Antonio keine eigene Arie hat, Text hat er mehr als seine Tochter, ist nicht klar. Mozart konnte Antonios Sorgen zwar verstehen, aber er konnte ihn nicht leiden. Er erinnerte an seinen eigenen Va-ter, der Wolfgangs Hochzeit (mit Konstanze Weber, 4.8.1782) lange Zeit verhindern wollte, aber dann doch gegen den Willen seines Sohnes keine Chance hatte.


    Don Curzio


    Der alte, senile und bestechliche Richter von gräflicher Gnaden, Don Curzio, ist die Witzfigur in dieser Komödie. Er stottert und wirkt nicht wirklich ehrwürdig. Curzio kennt Figaro schon aus Sevilla. Er hatte seiner Frau die Haare gemacht (nicht nur die Haare), und zwar 9 Monate vor der Geburt von Curzios Lieblingssohn. Curzio hat keine Arie, er hat nur Rezitative und kleine Einlagen in zwei „Ensemble-Stücken“ (im 3. Akt und im großen Finale).



    Ich hoffe, dass ich Ihnen die „Hochzeit des Figaro“ ein klein wenig schmackhaft ma-chen konnte, falls Sie sie noch nicht kennen sollten. Falls doch, hoffe ich, dass sie nun mehr wissen und sie vielleicht mit anderen Augen sehen bzw. mit anderen Oh-ren hören, will sagen gezielter hören. Ich wünsche Ihnen viele angenehme Stunden mit der „Hochzeit des Figaro“.

  • Warum „Die Räuber“???
    Weil mir Schillers Werke gut gefallen und weil ich Verdis Oper „I masnadieri“ gut kenne. Die Oper beruht auf dem Stück Schillers, darum lag es nahe, mich mit dem Werk zu beschäftigen.


    Die Räuber
    Ein Schauspiel in 5 Akten


    Maximilian, regierender Graf von Moor
    Karl und Franz, seine Söhne
    Amalia von Edelreich
    Spiegelberg, Schweizer Grimm, Razmann, Schufterle, Roller, Kosinsky und Schwarz, Libertiner, nachher Banditen
    Hermann, Bastard von einem Edelmann
    Daniel, Hausknecht des Grafen von Moor


    Ort: Deutschland und Böhmen
    Zeit: im 16. Jahrhundert


    Inhalt:


    Der Graf von Moor erhält einen Brief über seinem Sohn Karl (von einem Korrespondenten in Leipzig), den ihm sein Sohn Franz vorliest. Der Brief berichtet, dass Karl ein Lasterhaftes Leben dort führt und den Namen Moor in den Dreck zieht. Der Graf wird tot unglücklich darüber, da Karl sein liebster Sohn war. Deshalb kann ihn Franz, dazu überreden, Karl zu verstoßen. Von seiner Traurigkeit geblendet stimmt der Graf zu. Als er geht, stellt sich heraus, dass der Brief von Franz geschrieben worden war, um Karl anzuschwärzen.
    Als Karl den Brief erhält wird er sehr niedergeschlagen. Da überredet Spiegelberg, ihn und die anderen Libertiner, eine Räuberbande zu gründen. Sie stimmen ihm zu und wählen Karl zum Hauptmann.
    Währenddessen versucht Franz Amalia, die Geliebte Karls, zu umgarnen und auch bei ihr Karl schlecht zu machen. Doch sie hört nicht auf ihn und weiß was für ein Schuft er ist.
    Deshalb heuert er Hermann, einen Bastard (unehelicher Sohn eines Adeligen) an. Da dieser seiner Geburt wegen, von niemandem geachtet wird, nimmt er an. Am nächsten Tag erscheint Hermann beim Grafen von Moor und gibt sich als Kriegskamerad, Karls aus. Auch Amalia und Franz sind anwesend. Hermann erzählt dass Karl in einer Schlacht gefallen sei, gejagt vom Fluch seines Vaters und mit dem letzten Wunsch, dass Franz sich um Amalia kümmere. Daraufhin, so scheint es, stirbt der alte Moor vor Trauer.
    Im Böhmerwald. Karl kommt von einer Befreiungsaktion zurück. Roller sollte gehängt werden. Im Zuge der Befreiung haben sie auch den Pulverturm in die Luft gesprengt. Deshalb ist ihnen jetzt eine ganz Armee auf den Fersen. Als sie sich zum Kampf bereit machen, erscheint ein Pater und bittet ihnen Strafmilderung an, wenn sie sich ergeben. Doch die Bande jagt ihn davon und der Kampf beginnt.
    Inzwischen ist Franz Graf geworden und bedrängt Amalia immer mehr. Doch Hermann verrät ihr dass Karl noch lebt.
    Karl und seine Bande sind jetzt in den Gebieten der Donau. Sie habend den Kampf gewonnen und sogar nur einen Mann verloren. Bei einer Rast sucht sie ein Mann namens Kosinsky auf. Er will sich ihnen anschließen und erzählt ihnen vom Schicksal seiner Geliebten Amalia. Bei der Erwähnung dieses Namens erinnert sich Karl auch an seine Amalia und beschließt nach ihr zu sehen. Beim Schloss Moor angekommen, gibt er sich als Graf aus und erfährt dass sein Vater tot ist.
    Franz vermutet inzwischen schon immer und überall Verrat. Und obwohl er es nicht wissen kann, vermutet er hinter dem Grafen Karl. Deshalb gibt er Daniel, dem alten Hausknecht, den Befehl den Grafen zu ermorden.
    Doch als Daniel, den Grafen in seinem Zimmer besucht, erkennt er ihn als Karl. Sie umarmen sich und Karl verspricht zurückzukehren. Gemeinsam mit Kosinsky reitet er zu seiner Bande zurück.
    Sie lagern in einem kleinen Wäldchen, unweit des Schlosses, indem sich ein altes verfallenes Schloss befindet. In der Nacht erspäht Karl Hermann, wie dieser mit einem Beutel Essen zum verfallenen Schloss geht. Er stellt ihn und fragt, was er hier tut. Da hört er eine Stimme aus dem alten Schloss. Karl öffnet die Tür und erblickt seinen Vater. Dieser erzählt ihm, dass Franz ihn hier einsperren ließ. Daraufhin befiehlt er Schweizer, Franz lebend zu ihm zu bringen.
    Franz hat indessen einen Pastor holen lassen und streitet mit ihm über die Existenz Gottes. Doch als er hört wie die Räuber plündernd auf dem Weg zu ihm sind erdrosselt er sich. Als Schweitzer ihn findet und erkennt, dass er den Auftrag seines Hauptmannes nicht erfüllen kann, erschießt er sich.
    Die Bande kehrt zu Karl zurück und berichtet von Schweitzers und Franz’s Tod. Außerdem haben sie Amalia mitgebracht. Die beiden Liebenden fallen sich um den Hals und küssen sich. Doch die Räuber gehen dazwischen und erinnern ihn an seinen Meineid, dass er sie nie verlassen werde. Da gesteht Karl seinem Vater, dass er ein Räuber ist, worauf hin dieser stirbt. Amalia bittet ihn ebenfalls um ihren Tod, denn sie will nicht alleine bleiben. Schließlich tötet er sie. Nun vollends gebrochen, macht er sich auf den Weg zu einer armen Familie, damit sie das Kopfgeld für ihn bekomme.


    Der Autor


    Friedrich von Schiller wurde 1759 in dem Städtchen Marbach am Neckar in der Nähe von Stuttgart geboren.
    Auf Befehl des Herzogs von Württemberg musste er mit 13 Jahren eine Militärakademie bei Stuttgart besuchen, also eine Schule für zukünftige Soldaten. Hier blieb er acht Jahre. Er kam sich an dieser Schule wie in einem Gefängnis vor.
    Aus dieser Zeit stammt Schillers Liebe zur Freiheit. Er schrieb heimlich in diesen Jahren sein erstes Schauspiel "Die Räuber". In diesem Drama ruft er zum Kampf gegen alle Tyrannen und Diktatoren auf.
    Nach Beendigung der Schulzeit wurde Schiller ein einfacher Militärarzt, denn er hatte auf der Schule etwas Medizin lernen müssen.


    Anonym ließ Schiller dann in Mannheim sein Schauspiel "Die Räuber" aufführen. Das Drama hatte einen riesigen Erfolg. Daraufhin verbot der Herzog von Württemberg Schiller, Schauspiele zu schreiben. Deshalb floh Schiller 1782 aus Württemberg in einen anderen deutschen Staat. So wanderte Schiller in den Jahren von 1782 bis 1789 durch Deutschland hin und her. Er litt viel Not. Manchmal wurde ein Gedicht vom ihm abgedruckt. Auch sein in diesen Jahren entstandenes Schauspiel "Kabale (= Intrige) und Liebe" wurde aufgeführt.
    Aber durch das alles bekam Schiller nicht viel Geld. Auch war er öfter krank. Aber immer wieder nahmen Freude und Bewunderer ihn bei sich auf und halfen ihm eine Zeitlang aus der Not.


    In den folgenden Jahren schrieb Schiller kein Drama und nur wenige Gedichte. Er beschäftigte sich jetzt viel mit Geschichte und philosophischen Fragen, besonders mit der Philosophie Kants. Durch Kant lernte er, dass der Mensch ein moralisches, ethisches Wesen ist. Er hat die Aufgabe, seine schlechten, niedrigen Regungen in sich zu bekämpfen und ein immer vollkommenerer, besserer Mensch zu werden.


    1794 lernte Schiller Goethe näher kennen. Beide Männer waren sehr verschieden. Goethe hatte nie äußere Not gelitten, Schiller dagegen musste viel Not durch Geldsorgen und Krankheit durchmachen. Aber trotz dieser Gegensätze entstand zwischen beiden Dichtern eine immer enger werdende Freundschaft und große Hochachtung.


    Wie kein anderer Dichter hat Schiller darum gekämpft, ein immer vollkommenerer Mensch zu werden und andere durch seine Dramen und Schriften zu bessern. Er jagte dem Ideal nach, dem Höchsten und Größten. Deswegen nennt man ihn auch einen Idealisten.


    Schiller war ein tapferer Mensch, ein mutiger Kämpfer und ein fleißiger Arbeiter. Er verlangte viel von sich. Deshalb war er oft krank. So ist er schon 1805 mit 46 Jahren in Weimar gestorben.


    Interpretation


    Die Geschichte und dürfte ungefähr im 16. Jahrhundert stattfinden und spielt in Deutschland.
    Im Grunde ist dieses Buch die Darstellung eines Kampfes zwischen zwei Brüdern um die Liebe ihres Vaters. Karl, der sie schon immer hatte, wird sie entzogen durch Franz, der glaubt die Liebe seines Vaters gewinnen zu können indem er seinen Bruder schlecht macht. Doch das wird letztlich überdeckt von seiner Machtgier und Verbitterung. Der Vater lässt gar zu leicht von seinem jüngeren Sohn überzeugen und verstößt seinen älteren Sohn. Karl wiederum sieht in einem Leben ohne die Liebe des Vaters keine Zukunft mehr und wird zum Gesetzlosen. In seinem Übermut schwört er ewig ein Räuber zu bleiben. Zum Schluss glaubt man sogar dass sich alles zum Guten wendet und Karl in sein früheres Leben zurückkehren kann. Doch der Schwur an die Räuber bindet ihn. Alle Menschen die ihm je etwas bedeutet haben sterben. Sein Freund Schweitzer begeht Selbstmord aus Ehrgefühl, sein Vater stirbt vor Kummer und seine Geliebte Amalia lässt sich von ihm töten, da sie ohne ihn keinen Sinn mehr im Leben sieht. Ob Karl sich an den Schwur hält weil er ein Ehrenmann ist oder weil er sowieso keine Hoffnung mehr sieht weiß man nicht.
    Friedrich Schiller steht dem was er geschrieben hat, kritisierend gegenüber. Kritisiert wird meiner Meinung nach, die Bevorzugung von bestimmten Kindern in der Familie und das ständige Verlangen der Menschen nach Macht. Hätte der Vater Karl nicht bevorzugt, wären in Franz niemals Gefühle wie Neid und Hass auf seinen Bruder aufgetaucht.
    Der Text richtet sich an alle Eltern, und mahnt sie ihre Kinder gleich zu behandeln, damit kein Wettstreit zwischen ihnen um ihre Liebe entsteht. Er richtet sich aber auch an Geschwister. Als Bruder oder Schwester sollte man einander nicht hassen und Konflikte lieber beilegen, bevor man sich deswegen für immer trennt.

  • Warum „Don Pasquale“???
    Weil es die größte Opera buffa aller Zeiten ist.


    Don Pasquale


    Dramma buffo in 3 Akten


    Uraufführung: 3.1. 1843 in Paris (Theatre-Italien)


    Musik: Gaetano Donizetti
    Text: Giovanni Ruffini & Gaetano Donizetti (nach Angelo Anelli)


    Ort der Handlung: Rom
    Zeit der Handlung: im 19.Jhdt.


    Personen:
    Don Pasquale, ein alter Junggeselle (Bass)
    Ernesto, dessen Neffe (Tenor)
    Norina, Ernestos Herzensdame (Sopran)
    Doktor Malatesta, Arzt (Bariton)
    Ein Notar (Bass)
    Ein Haushofmeister, eine Putzmacherin, ein Friseur (Stumme Rollen)
    Knechte und Diener


    Handlung: Die Oper handelt von einer Intrige gegen Don Pasquale.


    1.Akt
    Saal im Hause Don Pasquales.


    Don Pasquale ein alter, leichtgläubiger, geiziger und eigensinniger Junggeselle wartet auf seinen Hausarzt und Freund Malatesta. Pasquale, bisher ein strikter Gegner der Ehe, hat beschlossen sich nun doch zu binden. Malatesta soll ihm eine Braut besorgen. Malatesta hat aber erfahren, dass Pasquale gegen die Heirat seines Neffen Ernesto mit dessen Herzensdame Norina ist und selbigen versprochen zu helfen. Er hat einen Plan und ist fest entschlossen diesen umzusetzen.
    Der Doktor hat eine Braut gefunden. Es soll seine Schwester sein, die vor kurzem aus dem Kloster ausgetreten ist: Sofronia. Er schildert Pasquale ihre unglaubliche Schönheit, preist ihre Tugend und ihre Schüchternheit und lobt ihre Reinlichkeit und Bescheidenheit: kurz er preist sie als perfekte Braut. Don Pasquale will sie ,in einem Anfall von Liebe, sofort heiraten. Malatesta ein von dannen, um die Heirat zu arrangieren.
    Da kommt Ernesto zum verliebten Pasquale. Pasquale erinnert ihn an ein Angebot: er bot Ernesto eine adelige Braut, eine Rente von 4000 Talern und nach seinem Tode seinen kompletten Besitz, wenn er auf die bürgerliche Norina verzichtete. Er fragt ihn nun abermals, ob er das Angebot annehmen wolle. Ernesto beharrt auf Norina und wird prompt von Pasquale enterbt und sogar vor die Tür gesetzt, da er nun ja Platz für Sofronia, seine Braut brauche. Ernesto ist verblüfft, vor allem da er Malatestas Schwester heiraten will und Ernesto will seinem Leben ein Ende setzen, da er seiner Norina nun gar nichts mehr bieten könne.


    Szenenwechsel
    Zimmer im Hause Norinas


    Norina schwärmt von der zärtlichen Liebe Ernestos und wartet auf Malatesta. Als er eintritt, gibt er ihr einen Brief von Ernesto. Er schreibt, dass Pasquale auf Anraten des „Freundes und Helfers“ Malatesta heiraten werde und er deshalb enterbt und vertrieben wurde. Weiters plant er Europa zu verlassen. Sie ist entsetzt, aber Malatesta beruhigt Norina rasch wieder, als er ihr seinen Plan vorträgt. Norina soll in die Rolle seiner Schwester schlüpfen, die immer noch im Kloster ihren Dienst verrichtet. Bis zur vorgetäuschten Hochzeit, die Malatestas Vetter abhält, soll sie Pasquale die „Keuschheit und Bescheidenheit in Persona“ vorspielen. Nach der Hochzeit soll sie mit ihren Launen Pasquale zur Weisglut bringen, da es die einzige Chance ist, Ernesto wiederzuerlangen. Die beiden feiern den Einstand zu einer gelungenen Intrige.


    2.Akt
    Saal im Hause Don Pasquales


    Ernesto hat seine Sachen gepackt und ist bereit zu gehen. Er bedauert sich selbst und schwört Norina nie zu vergessen. Er verschwindet und macht damit die Bühne frei für die Intrige.
    Don Pasquale in Festtagsgewand tritt auf und weist einen seiner Diener an, einen Notar zu holen, da er auf Nummer sicher gehen will und weil Malatesta nicht recht traut. Da aber kommen schon Malatesta und die verschleierte Norina alias Sofronia. Die Braut stellt sich dem Bräutigam als schüchternes Fräulein vor, da sie niemals vor einem Manne den Schleier lüften werde. Pasquale verliebt sich immer mehr in das schüchterne Geschöpf. Als Malatesta den Notar rufen lässt bemerkt man einen Fehler: Es fehlt der zweite Trauzeuge. Doch da kommt Ernesto, der sich noch einmal bei seinem Onkel verabschieden will, aber nicht in den Plan des Doktors eingeweiht ist. Malatesta kann Ernesto kurz bevor er Norina erkennt einweihen und er unterschreibt nach einer kleinen Abschiedseinlage. Damit ist die Trauung vollzogen.
    Als erstes wünscht die Braut spazieren zu gehen. Sie wünscht mit Ernesto zu gehen, da man Don Pasquale nicht herzeigen kann. Die erste Enttäuschung für den Hausherrn und Ehemann.
    Nun wünscht Norina/Sofronia die gesamte Dienerschaft zu sehen. Malatesta läutet den beiden Dienern und dem Haushofmeister.
    Als Sofronia die drei sieht, beginnt sie zu spotten und fordert mindestens zwei Dutzend Lakaien, unter ihnen Kammerzofen, Putzmacherinnen und ähnliches. Don Pasquale ist baff und leicht angesäuert. Weiters will sie zwei neue Kutschen aus Zedernholz, danach möchte sie dass das ganze Möbilar ausgeräumt wird, da es wie in einer „Rumpelkammer“ aussieht. Als sie um vier Uhr nachmittags ein Festessen mit fünfzig Personen bestellt, ist Pasquale schon sehr baff und sehr angesäuert. Als er, als der Herr des Hauses nicht zahlen will, holt er sich den ersten Rüffel von Sofronia. Die Anwesenden sind sehr erfreut über Norinas Schauspielkünste und bekommen fast Mitleid mit Don Pasquale, der nun eine solche Furie am Halse hat.


    3. Akt
    Saal im Hause Don Pasquales


    Die Diener haben alle Möbel in Kisten verpackt und tragen sie nun vor den Augen des Hausherrn nach draussen. Dieser ist verzweifelt, da er eine Unmenge von Rechnungen begleichen muss. Er verflucht seine Heiratsentscheidung schon jetzt.
    Da erscheint Sofronia im Ausgehkleid. Ihr ist langweilig und daher möchte sie ins Theater gehen. Als Pasquale ihr befiehlt zu bleiben, kommt es zum Streit der mit einer Ohrfeige für den Hausherren und Ehemann. Nun reicht es Don Pasquale, der seine Ehefrau vor die Türe setzt. Als selbige ins Theater geht, lässt sie, plangemäß, einen Brief fallen. Pasquale findet den Brief und ist verzweifelt, er hält die Ehe nicht mehr aus und muss nun auch noch einen Nebenbuhler dulden, und er lässt nach Malatesta rufen.
    Die neu eingestellten Diener machen sich über Don Pasquale lustig.
    Das ruft nun Malatesta und Ernesto auf den Plan. Ernesto soll den Liebhaber der Sofronia spielen und das im Briefe angekündigte Rendezvous halten. Der Doktor werde sich um den Rest schon kümmern. Ernesto vertraut ihm und geht in den Garten.
    Malatesta hat Mitleid mit seinem Freund Pasquale und rät ihm seine Frau auf frischer Tat beim Fremdgehen zu ertappen. Er verspricht ihm zu helfen. Beide sind zufrieden, der eine weil der Plan aufzugehen scheint und der andere weil er Rache nehmen kann. Die beiden gehen ebenfalls in den Garten.


    Szenenwechsel
    Der Garten Don Pasquales im Mondschein


    Ernesto bringt Sofronia eine leidenschaftliche Serenade. Die eben erscheinende Sofronia und er gestehen sich feurig ihre Liebe. Malatesta und Pasquale stürzen aus dem Gestrüpp hervor und wollen den Liebhaber fangen, der sich aber inzwischen aus dem Staube gemacht hat. Sofronia beteuert einen Liebhaber zu haben, doch Pasquale glaubt ihr nicht. Malatesta will Sofronia nun auch beschuldigen, er erzählt ihr, dass morgen eine neue Gattin eintreffen wird und er bittet sie zu verschwinden. Pasquale stimmt zu, will aber wissen wer eintreffen wird. Malatesta bittet um die Eheerlaubnis Ernestos mit Norina, die einziehen werden, wenn Sofronia verschwunden ist. Pasquale willigt ein.
    Da kommt Ernesto wieder. Er erfährt, dass er die Rente nun doch bekommt und sogar wieder zum Erben gemacht wurde. Weiters darf er nun sogar Norina heiraten. Er ist überglücklich. Als Sofronia nicht verschwinden will, will Pasquale Norina holen. Erst da zeigt Sofronia ihr wahres Gesicht und fällt Ernesto in die Arme. Pasquale ist nicht sauer, im Gegenteil, er ist glücklich wieder solo zu sein. Mit der Moral der Geschicht´, welche da lautet: „Will ein Mann in reifen Jahren noch ein junges Mädchen freien, dann wird ihm täglich wiederfahren Spott und tausendfache Pein“ endet die Oper.



    Ich hoffe Ihnen hat die Erzählung vom schlimmsten Tage des Junggesellen Don Pasquale gefallen. Der Don Pasquale ist einer von Donizettis größten Erfolgen und eine der komischsten Opern überhaupt, vom Stil der Komödie mit Falstaff von Giuseppe Verdi zu vergleichen.


    Der 3. Jänner 1843 war Donizettis letzter großer Abend. Die Uraufführung seines Opera buffa-Meisterwerks „Don Pasquale“ in Paris war ein gigantischer Erfolg, die meisten der Nummern mussten wiederholt werden und Donizetti wurde sogar schon nach dem zweiten Akt auf die Bühne geholt. In Paris waren seine komischen Opern sehr gefragt, auch wenn der Don Pasquale in italienisch uraufgeführt wurde, anders als sein erster komischer Triumph „Die Regimentstochter“, die 1840 auf französisch uraufgeführt wurde.
    Den gigantischen Erfolg, den der „Pasquale“ hatte zeigt allein schon die Tatsache, dass er schon im April in London, Wien, wo Donizetti meist Erfolge feierte, und an der Scala gespielt wurde.
    Der Grund für die gelungene Premiere war natürlich in erster Linie, die hinreißende Musik, die vor Komik nur so sprüht und das Ensemble, dass die Topstars der damaligen Zeit versammelte:


    Luigi Lablache Don Pasquale
    Antonio Tamburini Maltesta
    Giulia Grisi Norina
    “Mario” Ernesto


    Die Namen werden Ihnen vielleicht nichts sagen, aber ich möchte versuchen Ihnen ein bisschen etwas über diese Sänger sagen, von denen und keine Tonaufnahmen erhalten sind.


    LUIGI LABLACHE
    Er war ein gebürtiger Neapolitaner und seit 1817 Mitglied der Scala und seit 1824 auch der Wiener Hofoper. Während seiner Wiener Zeit lernte er auch Franz Schubert kennen, der für ihn die „Drei Gesänge“ op.83 komponierte. 1836/37 war er der Gesangslehrer der königlichen Familie in London. Er wirkte an den Uraufführungen von z.B.: Bellinis „I Puritani“ im Jahre 1835 in Paris mit. Vor allem aber der Don Pasquale machte ihn zu einem beliebtesten Bässen des 19.Jahrhunderts.


    ANTONIO TAMBURINI
    Über ihn ist wenig bekannt, aber zahlreiche Zeitungen berichten von einer sehr weichen und koloraturgewandten Stimme.


    GIULIA GRISI
    Sie war DIE Primadonna des 19.Jahrhunderts. Sie genoss zur damaligen Zeit einen Ruf wie ihn nur die Callas hatte und immer noch hat. Sie debütierte im Alter von 17 Jahren in Rossinis Oper „Zelmira“ und sang die meisten von Rossinis Sopranpartien.
    Ihr erster Auftritt in London als „Semiramide“ war ein gigantischer Erfolg. Als sie später den Cavaliere Giovanni Matteo di Candia, auch als Mario bekannt, einen Tenor heiratete, wurden die beiden DAS Traumpaar der Oper. Ihr „kokettieren“ im Don Pasquale soll einmalig gewesen sein. Sie beeindruckte viele Dichter wie z.B. Heinrich Heine und Franz Grillparzer, die ihr Gedichte widmeten. Sie war u.a. die erste Norma.


    MARIO
    Der Cavaliere Giovanni Matteo di Candia, ein Mann aus altitalienischem Adel gab sich den Künstlernamen Mario und eroberte zuerst mit seiner Frau Giulia Grisi und später mit einer gewissen Adeliana Patti, eine von Verdis Lieblingssängerinnen (von ihr gibt es Aufnahmen) die Opernbühne. Viele Komponisten z.B. Meyerbeer schrieben ihm schwierigste Arien. Er war ua der erste Herzog von Mantua in der Pariser Fassung von Verdis „Rigoletto“ und eine imposante Erscheinung in den Salons. Einige seiner Freunde waren z.B. Georges Sand, Alexandre Dumas, Honore de Balzac und Heinrich Heine.


    Wie gesagt, der Abend des 3. Jänner war Donizettis letzter großer Erfolg bis zu dessen Tode 1848. Er starb in geistiger Umnachtung in einer Irrenanstalt. Ein unwürdiges Ende für einen der größten Tondichter aller Zeiten, der uns mit solchen großartigen Melodien beschenkt hat.


    DIE MUSIK UND DIE CHARAKTERE


    Die Musik des Don Pasquale ist eine unwerfend komische. Das zeigt sich in kleinen Themeneinwürfen, zum Beispiel am Vorspiel zur großen Leidensarie des Ernesto im zweiten Akt. Die Bläser spielen ein Thema, dass einem Cartoon hätte entnommen werden können, allerdings ist es eher umgekehrt. Die Ouvertüre beginnt sehr übermütig, etwas das im Opernschaffen des Gaetano Donizetti, immerhin 74 Werke sehr selten vorkommt, meist wird er schneller, genauso wie Kollege Rossini.
    Enttäuschend finde ich das Finale des dritten Aktes., ich hatte es mir wuchtiger erwartet, etwa so wie im „Liebestrank“. Das die Moral von der Geschicht´ dargestellt wird, ist in seinem Opernschaffen auch nicht alltäglich. Aber trotz des schwachen Finale ist der Don Pasquale ein Buffo-Meisterwerk sondergleichen.
    Der Ruhm des Don Pasquale bleibt seit der Uraufführung bestehen. Hans von Bülow, ein bedeutender Wagnerdirigent des 19.Jahrhunderts sagte einmal: „Ein merkwürdige, aber anbetungswürdige Musik“. Die Don Pasquale-Produktionen lassen nicht nach, an den großen Opernhäusern wird er jede Saison gespielt, z.B.: Im Londoner Covent Garden wird die Saison mit ihm abgeschlossen.


    Highlights der Oper: „Povero Ernesto“ – Leidensarie des Ernesto, eine Paradearie für jeden Tenor und natürlich
    „Chieti, chieti immaginente“ das Duett Don Pasquale-Dottore Malatesta im dritten Akt. Dieses Duett ist ein absolutes Highlight der gesamten Opernliteratur, die “alten Säcke” plappern vor sich hin, freuen sich und strahlen gute Laune und Komik aus. Unterlegt wird das Duett von einer einfach göttlichen Musik, einfach, aber komisch.


    Don Pasquale ist ein alter, verschrobenener, geiziger, rechthaberischer alter Junggeselle, der die Ehe strikt ablehnt. Er bleibt zunächst gegenüber seinem Neffen hart, zeigt aber doch, dass er im Grunde ein guter Kerl ist.


    Ernesto ist ein impulsiver, leidenschaftlicher Liebhaber, der, wenn es darauf ankommt auch hinterhältig sein kann.


    Dottore Malatesta ist der Mann im Hintergrund. Er zieht die Fäden und plant die Intrige, obwohl er ein Freund des Don Pasquale ist. Schöne Freunde hat er da!!!


    Norina ist eine gute Person, die aber Don Pasquale mit ihren (typisch weiblichen) Launen zum Verzweifeln bringt.



    Meine Meinung zum Don Pasquale:


    Man kann sagen, der Don Pasquale ist eine Satire auf den Ehestand und eine komische Demonstration gegen Zwangsehen. Den Rest siehe Warum Don Pasquale??

  • Warum habe ich dieses Werk gewählt?
    Ich habe den „Werther“ gewählt, da ich Goethe sehr schätze und seinen Faust nicht interpretieren will, da ich mich nicht über dieses grandiose Werk „drüber getraut“ habe. Weiters ist Massenets Oper „Werther“ ein Grund, warum ich dieses Werk gewählt habe.


    Die Leiden des jungen Werthers


    Um für seine Mutter eine Erbschaftsangelegenheit zu regeln, ist der etwa 20jährige Werther in eine Stadt gereist, deren Namen verändert wurde, damit keine Personenrechte verletzt werden. Das ganze Werk ist in Briefe an seinen Freund Wilhelm oder an seine Angebetete Lotte verfasst. Er streift viel durch die Landschaft und fühlt sich dabei wie im Paradies. Etwa eine Stunde von der Stadt entfernt begegnet er einer jungen Mutter von drei Jungen, deren Mann in die Schweiz gereist ist, um ein ihm vorenthaltenes Erbe einzutreiben. Gleich darauf kommt er mit einem Knecht ins Gespräch, der sich in die verwitwete Bäuerin, für die er arbeitet, verliebt hat und darauf hofft, von ihr erhört zu werden.
    Im Juni 1771 findet ein Ball auf dem Land statt. Werther führt ein Mädchen hin, das ihm nichts bedeutet. Unterwegs hält die Kutsche bei einem besonders fürstlichen Jagdhaus. Dort wohnt der verwitwete Amtmann S. mit seinen neun Kindern. Seine älteste Tochter, die 19jährige Charlotte (Lotte) führt den Haushalt und ersetzt ihren Geschwistern die Muter. Ihr Tanzpartner hat Werther darum gebeten, sie in seiner Kutsche mitzunehmen. Lotte ist verlobt mit dem elf Jahre älteren, gutmütigen und anständigen Albert, der gerade verreist ist, um nach dem Tod seines Vaters Familienangelegenheiten in Ordnung zu bringen. Werther ist von der Kinderschar begeistert und von Lotte hingerissen. Er verliebt sich Hals über Kopf in sie.
    Er weiß, dass sie Albert versprochen ist und seine Liebe deshalb unerfüllt bleibt, aber er kommt nicht los von ihr.
    Ende Juli kehrt Albert von seiner Reise zurück und die beiden Männer befreundeten sich. Zwei Wochen später fallen Werther die beiden Pistolen in die Augen, die bei Alberta an der Wand hängen. Albert erzählt ihm von einem Unfall eines Bediensteten mit der Pistole und Werther drückt sich eine der Pistolen an die Schläfen. So kommen sie zu der Diskussion darüber ob jemand der sich selbst tötet, mutig oder schwach ist.
    Mit der Zeit sieht Werther ein, dass das mit ihm und Lotte keine Zukunft hat, dass er an dieser unerfüllten Liebe zugrunde geht. Er will fort, um sich zu befreien. Im Herbst tritt er in den Dienst eines Gesandten. Einige Wochen lang fühlt er sich wohl und denkt kaum noch an Lotte. Im Dezember beginnt er sich über die Pedanterie, Umständlichkeit und Unentschlossenheit des Gesandten zu ärgern. Außerdem wird er auf einer Gesellschaft von Aristokraten gedemütigt. Er ist todunglücklich ohne seiner Lotte und schreibt ihr auch einige Briefe in denen das deutlich herauskommt.
    Einen Monat später erfährt er zu spät, dass Lotte und Albert geheiratet haben. Eigentlich wollte er an ihrem Hochzeitstag den Schattenriss, den er von Lotte angefertigt hatte, von der Wand nehmen, doch jetzt will er das Bild auch weiterhin hängen lassen.
    Im März verlangt er seine Entlassung und im Mai reist er ab. Seine Absicht, irgendwo in den Krieg zu ziehen, redet ihm ein im Dienst des Fürsten stehender General aus. Anfang August trifft er in der Stadt ein, in deren Nähe Lotte und Albert leben. Werther trifft die junge Mutter wieder, die er von seinem ersten Aufenthalt her kennt. Sie hat ihren jüngsten Sohn verloren, und ihr Mann ist krank und erfolglos aus der Schweiz zurückgekehrt.
    Am 12. September sieht Werther Lotte wieder und erscheint von da an, wieder oft bei ihr. Währen eines Spaziergangs begegnet er Ende November einem Verrückten und erfährt danach, dass es sich um einen ehemaligen Schreiber von Lottes Vater handelt, den seine leidenschaftlichen Gefühle für Lotte zugrunde gerichtet haben.
    Der Knecht, mit dem sich Werther damals unterhalten hatte, versuchte in seiner Verzweiflung, die Bäuerin mit Gewalt für sich zu gewinnen, aber ihr Bruder kam dazu und jagte ihn davon. Der Bruder wollte ihn schon lang aus dem Haus haben, um eine zweite Ehe seiner Schwester zu verhindern und ihr Erbe in der Familie zu behalten. Bald darauf erschlug der entlassene Knecht den neuen Burschen der Bäuerin. In der von Albert in seiner Eigenschaft als Amtmann geleiteten Gerichtsverhandlung setzt Werther sich für den verzweifelten jungen Mann ein, findet aber kein Gehör.
    Kurz vor Weihnachten versucht Lotte, Werther möglichst behutsam von sich zu weisen. Die Leute würden schon tuscheln.
    Werther kommt zu dem Schluss, dass einer von ihnen drei weg muss: Lotte, Albert oder er. Und er beschließt sich selbst zu opfern.
    Weinend beginnt er zuhause den Abschiedsbrief zu schreiben. Am nächsten Tag lässt er seine Sachen ordnen und begibt sich gegen Abend zu Lotte, Albert ist gerade abwesend. Werther liest einige Lieder Ossians vor. Diese Lesung wühlte beide auf und er küsste sie. Lotte reißt sich los und sagt ihm, dass er sie nie wieder sehen werde.
    Werther schreibt weiter an seinem Abschiedsbrief, schickt einen Diener zu Albert um sich, unter dem Vorwand einer bevorstehenden Reise, dessen Pistolen zu leihen, regelt seine letzten Angelegenheiten und beendet den Brief. Nachdem er die Pistolen bekommen hat, zieht er sich mit einer Flasche Wein in seinem Zimmer zurück. Nachts um 12 schießt er sich eine Kugel in den Kopf. Am nächsten Morgen findet ein Diener den Sterbenden. Er stirbt erst um 12 Uhr Mittag.
    Der Amtmann arrangiert die Beerdigung.

    Nach dem Erscheinen des Werthers in Jahre 1774 fanden in Deutschland viele Selbstmorde statt. Alle diese Selbstmorde waren durch den Werther „motiviert“, da sich viele junge verzweifelt verliebten Männer mit dem Werther identifizieren konnten. Goethes Werk ist seit seinem Erscheinen ein Klassiker der Weltliteratur.
    Goethe schreibt 1815 dem Komponisten Carl Friedrich Zelter:
    „Das alle Symptome dieser wunderlichen, so natürlichen als unnatürlichen Krankheit auch einmal mein Innerstes durchrast haben, daran lässt Werther wohl niemanden zweifeln. Ich weiß noch recht gut, was es mich damals für Anstrengungen kostete, den Wellen des Todes zu entkommen...“
    Im Werther kommen viele biographische Fakten aus Goethes Leben vor. Ende Mai 1772 kommt Goethe, mit abgeschlossenem Jurastudium nach Wetzlar. Er lernt dort die 19jährige Charlotte Buff und ihren älteren Verlobten Johann Christian Kestner kennen. Er verliebt sich in Charlotte und ist häufig bei ihr zu Gast. Die Biographien Lottes und Charlottes decken sich auffällig.
    Ebenfalls in Wetzlar machte Goethe Bekanntschaft mit Carl Willhelm Jerusalem, einem Legationssekretär, der später wegen einer unerfüllten Liebe Selbstmord begeht und sich dazu vom nichts ahnenden Kestner Pistolen borgt. Bei der Beschreibung von Werthers Selbstmord hat Goethe oft wortwörtliche Textstellen aus Kestners Brief über das tragische Ende Jerusalems verwendet.
    Goethe schrieb im Frühjahr 1774 in nur 4 Wochen „Die Leiden des jungen Werther“. Er traf offenbar den Nerv der Zeit und das Werk erschien deshalb innerhalb von kurzer Zeit in mehreren Auflagen. Die jungen Leute sahen in Werther einen verzweifelten Mann, der durch leidenschaftliche Gefühle und künstlerische Empfindsamkeit geadelt und zugleich zerstört wurde.


    Meine Einschätzung:
    Ich mag den „Werther“. Vor allem der junge Werther tut mir Leid. Ich hätte mich zwar nicht umgebracht, aber ich verstehe ihn.

  • Die Entstehung der Oper


    Im Europa des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit legten die Menschen das mittelalterliche Denken langsam ab und wandten sich wieder den Denkweisen und Erkenntnissen der Antike zu. Die antike Kunst erwachte wieder zum Leben. Darum nennt man diese Zeit „Renaissance“ (frz. Wiedergeburt). Was diese Tatsache mit der Oper zu tun hat, will ich Ihnen nun erklären!


    Die Menschen, vor allem die Künstler, versuchten die Antike wiederzubeleben. Das galt auch für die Theaterschaffenden. Diese glaubten aber, dass in der antiken griechischen Tragödie, GESUNGEN und NICHT GESPROCHEN wurde. Heute weiß man, dass das nicht stimmt, aber damals war man eben dieser Meinung. Darum beschloss eine florentinische Künstlergemeinschaft, die „Camerata“, ein solches Theaterstück nach griechischem Vorbild zu schaffen. Dies geschah im Jahre 1589. Nun begannen die Mitglieder der Camerata sich genauer zu informieren und sich vorzubereiten.
    Vincenzo Galilei, ein Musiker (und Vater von Galileo Galilei) veröffentlichte einige altgriechische Musikstücke, die er in Bibliotheken gefunden hatte.
    Nicola Vicentino, ein Instrumentenbauer, stellt ein „Instrument zu Erzeugung griechischer Tonleitern“ her, das er „Archicembalo“ nannte. Es ist der Vorgänger des Cembalo, klang aber noch um einiges leiser und lautenähnlich.
    Die Camerata wurde immer bekannter und bald übernahmen einige Adelige das „Sponsoring“ dieser Gemeinschaft. Der wichtigste Geldgeber wurde Jacopo Corsi.
    1591 verstarb Galilei.
    Es stießen immer mehr Künstler aus Florenz zu Camerata, die sich an der Wiederentwicklung und Rekonstruktion des griechischen Theaters beteiligten: die Dichter Ottavio Rinuccini und Gabrielo Chiabrera, die Musiker Jacopo Peri, Giulio Caccini und Emilio de´ Cavalieri seien hier genannt.
    Alle diese Künstler sollten einen mehr oder weniger großen Anteil an der Entstehung der allerersten Oper haben.


    Im Jahre 1594 oder 1597 (so genau weiß man das nicht) war es dann so weit. Die erste abendfüllende Oper wurde in Florenz uraufgeführt.
    „DAFNE“ war der Titel. Der Oper lag eine Dichtung aus der griechischen Antike zugrunde. Das Libretto (Textbuch) stammte von Rinuccini und Chiabrera, die Musik von Peri und Caccini. Der Text ist heute noch erhalten, die Musik ging im Laufe der Zeit leider verloren.


    Aus dem Jahre 1600 stammt die älteste noch vollständig erhaltene Oper „Euridice“. Das Textbuch wurde von Rinuccini verfasst, die Musik stammt von Peri. Diese Oper behandelt die Geschichte der Eurydike, die durch einen Schlangenbiss ums Leben kommt und von Ihrem Geliebten Orpheus wieder ins Leben zurückgebracht wird. Diese Geschichte wurde unzählige Male vertont, (die bekannteste „Orfeo ed Euridice“/ „Orphee et Eurydike“ von Christoph Willibald Gluck aus den Jahren 1762/1774) hier aber liegt das Hauptaugenmerk auf Eurydike, nicht auf Orpheus.
    PS: Von dieser Monteverdi-Oper gibt es einige CD-Aufnahmen.


    Rinuccini und Chiabrera schrieben weitere Textbücher. Sie waren die ersten echten Librettisten der Musikgeschichte. Rinuccini sollte der wichtigere der beiden werden, da er wenig später mit einem gewissen Claudio Monteverdi zusammenarbeitete. Dieser Monteverdi ist auch der Grund warum man den Namen Rinuccini öfter hört als Chiabrera.


    Peri und Caccini schrieben weitere Opern, die entweder verloren sind oder aufgrund ihrer „Schwäche“ nicht aufgeführt wurden und daher nicht bekannt sind.


    Der Begriff „Oper“ wurde in der Renaissance aber noch nicht verwendet. Man nannte die tragischen Opern „Dramma per musica“ (Drama für Musik) oder „Favola in Musica“ (Fabel in Musik). Der Begriff Oper (von Opus-Werk) setzte sich erst ab etwa 1650 durch.


    Im Jahre 1607 fand am herzöglichen Hofe zu Mantua eine Hochzeit statt. Für diesen Anlass gab der Herzog eine „Favola in Musica“ in Auftrag. Alessandro Striggio schrieb den Text für „L´ Orfeo“. Er greift wieder die Geschichte mit Orpheus und Eurydike auf, da sich diese (weil der unsterblichen Liebe gehuldigt wird), am besten für Hochzeitsfestivitäten eignet.
    Die Musik dazu komponierte Claudio Monteverdi, der damalige Hofkapellmeister von Mantua. Diese Oper wird als die erste populäre Oper angesehen, da sie einen Riesentumult im positiven Sinne auslöste. Jeder in Italien wollte sie sehen und hören. Monteverdi wurde als Genie gefeiert.


    Der Unterschied zwischen Peris und Monteverdis Erzählweise ist klar zu erkennen:


    ¯ Während Peri Rezitative aneinanderreihte, findet man in
    ¯ Monteverdis Oper schon arienähnliche und liedartige Abschnitte.


    Ein wichtiger Grundsatz, den Monteverdi selbst aufstellte und nach dem er seine Opern schrieb, war: „L´ oratione sia padrone della musica non serva“, „Das Wort ist die Herrin der Musik und nicht deren Dienerin.“ Monteverdi war der Ansicht, dass die Musik die menschlichen Gefühle am besten erreichen und beschreiben kann, besser als jedes gesprochene Wort.


    Im darauffolgenden Jahr schuf Monteverdi „Arianna“, eine damals unerhört populäre Oper. Ihre „Kennmelodie“, das „Lamento“ soll die Zuhörer immer zu Tränen gerührt haben. Dieses Lamento nahm Monteverdi auch in einen seiner Madrigalbände auf. So ist es uns erhalten geblieben, während der Rest der Oper verloren gegangen ist. Ein Madrigal ist ein mehrstimmiges Orchesterwerk. Das Libretto stammt von Rinuccini, es sollte sein letztes gewesen sein.
    Immer mehr Musiker komponierten nun Opern, da die Begeisterung für die Oper enorm zunahm.


    Im Jahre 1627 wurde „Dafne“ vom norddeutschen Heinrich Schütz uraufgeführt. Dieses Werk ist die erste deutschsprachige Oper der Musikgeschichte. Leider ist auch sie verloren. Der Text dazu stammte von Martin Oppitz, einem sehr bekannten deutschen Dichter.
    Schütz hatte Monteverdi, der inzwischen in Venedig arbeitete, besucht und bei ihm Unterricht genommen.
    Im selben Jahr veröffentlichte Monteverdi „Il combattimento di Tancredi e Clorinda“ (“Der Kampf zwischen Tankred und Clorinda”). Dieses Werk wird heute als das erste Oratorium/oder als erste Kantate angesehen, da es szenisch im Markusdom zu Venedig aufgeführt wurde.


    In den Jahren 1641 und 1642 komponierte Monteverdi seine Meisterwerke „Il ritorno di Ulisse in Patria“ („Die Heimkehr des Odysseus“; wörtlich „Die Rückkehr des Odysseus nach Hause“) und „L´ incoronazione di Poppea“ („Die Krönung der Poppea“). In der erstgenannten Oper probierte Monteverdi etwas total neues. Er schrieb die Titelpartie des Ulisse (Odysseus) nicht wie damals üblich für Tenor oder Sopran, sondern für einen Bariton. Die Oper wurde kein so großer Erfolg wie erwartet, dafür übertraf der der Poppea alle seine Erwartungen.
    Die Poppea wurde im ersten „echten“ Opernhaus der Welt, im Venediger Opernhaus, uraufgeführt. Dies war vermutlich 1642.


    Am 29.11. 1643 starb Monteverdi im Alter von 76 Jahren in Venedig.


    Monteverdi schrieb mehr als ein dutzend Opern. Er war es, der die Barockoper (um 1660) einleitete und die Grundlage für Komponisten wie Keiser, Fux, Cavalli, Caldara, Alessandro Scarlatti, Hasse, Händel, Vivaldi und sogar für den jungen Mozart bildete.


    Monteverdis Opern sind die ältesten, die heute noch regelmäßig aufgeführt werden. Er beeinflusste Opernkomponisten bis in das 19. Jahrhundert hinein.


    Die Oper wurde immer beliebter und kam nach Frankreich, wo sich eine eigene Opernpraxis entwickelte. Die Italiener und Franzosen entwickelten „ihren“ Stil weiter, sodass die barocke Prachtentfaltung auch auf der Opernbühne Einzug hielt.

  • Warum „Don Giovanni“???
    Weil ich diese Oper für das absolute Meisterwerk der Gattung Oper halte!


    Don Giovanni oder Der steinerne Gast


    Dramma giocoso in 2 Akten


    Uraufführung 29.10.1787 in Prag (Nationaltheater) (Prager Fassung)
    7.5.1788 in Wien (Burgtheater) (Wiener Fassung)


    Musik: Wolfgang Amadeus Mozart
    Text: Lorenzo da Ponte


    Ort der Handlung: Eine Stadt in Spanien
    Zeit der Handlung: irgendwann im 17. Jahrhundert


    Personen:
    Don Giovanni (Bariton)
    Leporello, dessen Diener (Bass)
    Don Ottavio (Tenor)
    Donna Anna, dessen Verlobte (Sopran)
    Donna Elvira, von Don Giovanni verlassen (Mezzosopran)
    Masetto (Bass oder Bariton)
    Zerlina, Bauernmädchen, Masettos Verlobte (Sopran)
    Der Komtur (Bass)
    Bauern, Bäuerinnen, Dämonen


    Handlung:


    Diese Oper erzählt die Geschichte von Don Giovanni (Don Juan), dem berühmten, um nicht zu sagen, den berüchtigten Frauenhelden.


    1. Akt
    Ein Vorhof eines Palais mit Balkon und einigen Hecken, weiter entfernt ein großes Eingangstor. Es ist Nacht.


    Leporello, der Diener Don Giovannis wartet in einen schwarzen Mantel gehüllt. Er beklagt sich, dass ihn sein Herr schlecht behandelt und er mit der Gesamtsituation unzufrieden ist. Als er ein Lärmen und Poltern hört, versteckt er sich. Donna Anna und ein Maskierter männlichen Geschlechtes tauchen auf dem Balkon auf. Donna Anna ruft um Hilfe, da der Maskierte unerlaubt eingedrungen sei. Es gelingt dem Maskierten vom Balkon in den Vorhof zu springen, doch die von Donna Anna geforderte Hilfe naht schon. Es ist der Komtur, der den Schänder seiner Tochter zum Duell fordert. Es kommt zum Duell, bei dem der Maskierte dem Komtur seinen Degen in die Brust stößt. Im Sterben liegend will der Komtur wissen, wer sein Mörder ist. Der Unbekannte nimmt seine Maske ab und zeigt ihm sein Gesicht: Es ist DON GIOVANNI. Kurz darauf stirbt der Komtur. Don Giovanni und sein geschockter Diener fliehen aus dem Vorhof in die Stadt.
    Donna Anna und ihr Verlobter Don Ottavio kommen gemeinsam mit einigen Dienern um zu sehen was vorgefallen war. Da entdeckt Donna Anna die Leiche ihres geliebten Vaters und verfällt in tiefe Trauer. Don Ottavio schwört ihr den Mörder zu finden.


    Szenenwechsel
    Eine Straße bei Nacht, mit der Zeit wird es immer heller.


    Leporello und Don Giovanni glauben sich in Sicherheit und Leporello beginnt seinem Herrn seine Probleme zu erzählen. Giovanni hört aber nicht zu, da er wieder auf der Jagd nach einem Mädchen ist und so sondieren die beiden das Terrain.
    Langsam, aber sicher wird es morgen und Donna Elvira kommt in Reisekleidern mitsamt Gepäck aus einem der Häuser in der Hoffnung ihren Geliebten zu finden, der ihr die Ehe versprochen hat. Don Giovanni und Leporello, von der Erkundungstour zurück, erkennen sie zu spät und werden erkannt. Donna Elvira hat ihren Geliebten Don Giovanni gefunden. Don Giovanni hat ihr beim damaligen Verführen die Ehe versprochen, worauf Donna Elvira immer noch wartet. Er sucht eine Ausrede nach der anderen, es gelingt ihm aber nicht sie zu beruhigen, also sucht er das Weite und lässt Leporello mit ihr allein. Leporello, der Mitleid für die leidgeplagte Elvira empfindet, versucht sie zu beruhigen, indem er ihr einzureden probiert, dass sie ihn gar nicht verdiene. Als Beispiel liest er ihr seine Liste über die Liebschaften des Don Giovanni vor.
    Als er damit fertig ist, ist Donna Elvira schockiert und geht zurück ins Haus. Leporello läuft seinem Herrn nach.
    Kurz darauf kommen einige Bauersleute vorbei. Sie feiern gerade Hochzeit zwischen Masetto und Zerlina. Es ist eine Liebesheirat, da beide arm sind und daher keinen Grund haben eine Zweckehe einzugehen. Don Giovanni und Leporello beobachten die Feier. Don Giovanni beobachtet mehr Zerlina, als die Feier und da er sie natürlich haben muss, lädt er die ganze Bauernschar zur Feier auf sein Schloss ein. Alle sind glücklich nur Masetto nicht, da er Don Giovannis Blicke auf seine Ehefrau bemerkt hat. Es gelingt Leporello die Bauern und Masetto zu Schloss zu führen. Jetzt hat Don Giovanni die Gelegenheit Zerlina auf sein Schloss zu führen und er beginnt heftigst zu flirten. Seine Flirterei wird aber durch Donna Elvira unterbrochen, die Zerlina vor Don Giovanni warnt. Dieser wimmelt sie ab, und flirtet so lange weiter, bis Zerlina einwilligt ihm auf sein Schloss zu begleiten. Er schickt sie voraus und freut sich schon auf die Liebesnacht.
    Da tauchen Donna Anna und Don Ottavio auf, der seine Verlobte in die Kirche begleitet. Don Giovanni wird angesprochen und glaubt erkannt worden zu sein. Als die beiden ihn von dem heimtückischen Mord erzählen, verspricht er ihnen, als Freund (Adelige unter sich!), den Mörder des Komturs zu finden. Da sich Don Giovanni unvorsichtig benimmt erkennt Don Ottavio ihn als dem Mörder und schwört sich Vergeltung. Die beiden bedanken sich und gehen in die Kirche, Don Giovanni jagt Zerlina nach.


    Szenenwechsel
    Der Garten vor Don Giovannis Schloss


    Masetto und Zerlina debattieren, da sich die beiden über die Absicht Don Giovannis im Klaren sind. Er glaubt, ihre Liebe verloren zu haben. Sie versichert ihm, dass sich an ihrer Liebe zu ihm nichts geändert habe. Weiters glaubt das einfältige Bauernmädchen an ein Ehrgefühl Don Giovannis. (Wuahahahaha!)
    Don Giovanni tritt auf und bittet die Bauern in den Festsaal. Er bemerkt auch drei in schwarze Gewänder gehüllte und maskierte Gestalten. Da er in Feierlaune ist, befiehlt er Leporello auch sie einzuladen.


    Szenenwechsel
    Der festlich geschmückte Ballsaal im Schloss Don Giovannis


    Don Giovanni und Leporello tanzen ausgelassen. Don Giovanni mit Bauernmädchen, Leporello mit den Bauern. Die beiden bieten ihnen Speis´ und Trank an. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung und der Wein fließt in Strömen. Don Giovanni befiehlt Leporello zu beschäftigen und ihn dadurch abzulenken, damit er Zerlina verführen und mit ihr ins Schlafzimmer gehen kann. Leporello tut wie ihm gesagt, und Don Giovanni bearbeitet Zerlina, mit der er dann aus dem Saal verschwindet. Masetto sucht seine Frau, findet aber weder sie, noch, Leporello und schon gar nicht Don Giovanni. Er hat Angst um Zerlina.
    Da ertönt ein Hilfeschrei! Es ist Zerlina. Sie läuft in den Saal. Sie sagt sie sei beinahe verführt worden. Masetto ist sich sicher, dass Don Giovanni dahinter steckt. Der aber, klagt Leporello des versuchten sexuellen Übergriffs an und besteht auf sein Recht die Bestrafung selbst durchzuführen. Nun hat Don Giovanni zwei neue Feinde.
    Da ergeben sich die drei Maskierten zu erkennen und fordern Don Giovanni auf seine Schuld zu gestehen. Die Maskierten sind: Don Ottavio, Donna Anna und Donna Elvira, die sich mit den beiden verbündet hat. Da sich Don Giovanni weigert seine Schuld(en) einzugestehen, zieht Don Ottavio eine Pistole und fordert Vergeltung. Don Giovanni schubst Leporello überraschend in Richtung der Maskierten und tut etwas, dass total gegen seine Überzeugung ist. Er flieht aus seinem eigenem Haus. Leporello läuft ihm nach.


    2. Akt
    Die selbe Gasse wie im ersten Akt. Es ist dämmerig. Während der Geschehnisse wird es immer dünkler.


    Leporello ist wütend auf seinen Herrn und kündigt. Don Giovanni gelingt es aber ihn mit Geld zu überreden. Weiters gibt er ihm das Versprechen, nicht mehr so gemein zu sein. Als sich Don Giovanni so umschaut, erkennt er das Haus Donna Elviras wieder. Ihm war am Vormittag eine hübsche Kammerzofe aufgefallen, die er unbedingt haben wollte. Da die Hausherrin nicht da ist, beschließt er die Gelegenheit zu nutzen. Doch die Kammerzofe kennt ihn und kennt auch seine Abenteuer. Also tauschen Don Giovanni und sein Diener Hüte und Mäntel. Da kommt Donna Elvira nach Hause. Don Giovanni ist verärgert hat aber eine für sein Vorhaben förderliche Idee. Leporello soll ihr ein Ständchen bringen und um sie um Verzeihung bitten. Falls sie annehmen sollte, was er sich sicher ist, da sie ihn ja liebt, soll Leporello mit ihr einen romantischen Spaziergang machen, aber immer den Mantel vor das Gesicht halten, da er sonst erkannt werden würde. Leporello weigert sich mit der Begründung man würde seine Stimme erkennen. Don Giovanni gibt ihm Recht und befiehlt ihn sie zu verstellen. Das Ständchen würde er singen, Leporello müsse nur die Lippen bewegen. Der aber weigert sich weiter. Nach kurzem Zögern, nachdem er von Don Giovanni Prügel angedroht bekommen hat, kniet er sich hin und singt das Ständchen bzw. bewegt die Lippen zum Ständchen. Alles geschieht so, wie von Don Giovanni vorhergesagt und als die beiden den Spaziergang starten, bringt er sein Ständchen.
    Nachdem er fertig gesungen hat öffnet die Zofe das Fenster und winkt ihn hinein. Als Don Giovanni gerade einsteigen will bemerkt er, dass Masetto und die Bauern mit Mistgabeln bewaffnet sind und nach ihm suchen. Er steigt nicht ein und gibt sich als Leporello aus, der die Bauern in falsche Richtungen lockt. Nur Masetto bittet er zu bleiben, da er etwas wichtiges zu besprechen habe. Masetto bleibt und wird von Don Giovanni (Leporello)verprügelt. Nun klettert er ins Fenster der Zofe und lässt Masetto verletzt liegen.
    Masetto hat natürlich Schmerzen. Er schreit um Hilfe. Zerlina findet ihn, verbindet seine Wunden, tröstet ihn und verspricht ihm ewige Liebe. Masetto ist glücklich und die beiden hinken davon.


    Szenenwechsel
    Dunkle Vorhalle in Donna Annas Haus.


    Leporello (Don Giovanni) und Donna Elvira schlendern umher, Doch als sie Fackeln sehen verstecken sie sich. Diese Fackeln werden von Donna Anna und Don Ottavio getragen. Donna Anna trauert um ihren Vater, ihr Verlobter tröstet sie. Da stürmen Zerlina und Masetto herbei, die Don Giovanni tot sehen wollen, Donna Elvira tritt aus dem Versteck um um Gnade für ihren Verlobten zu bitten. Die wird aber nicht gewehrt. Als der vermeintliche Don Giovanni entdeckt wird, wollen die vier ihn töten. Da bricht Donna Anna zusammen und wird von einigen Dienern fortgetragen.
    Nun muss Leporello versuchen, heil aus der Sache herauszukommen. Er tut das einzig mögliche, der gibt sich als er selbst zu erkennen. Er erklärt die Sachlage und läuft dann davon, da Donna Elvira schwer enttäuscht und dementsprechend wütend ist. Als er weg ist, schwört sich Don Ottavio Don Giovanni zu töten. Er erzählt den beiden Bauern vom Mord am Komtur. Die drei gehen, um den echten Don Giovanni zu suchen. Donna Elvira klagt ihr Leid und geht ebenfalls.


    Szenenwechsel
    Ein Friedhof, mit einer Mauer im Hintergrund. In der Mitte eine Statue des Komturs. Es ist Nacht.


    Don Giovanni, ist neugierig wie die Geschichte mit Donna Elvira ausgegangen ist. Da klettert Leporello über die Mauer und wird von Don Giovanni gesehen, der ihn sogleich ausfragt. Leporello erzählt ihm alles. Nun beginnt Don Giovanni seine Erzählung. Er erzählt ihm vom Liebesabenteuer mit der Zofe der Donna Elvira und davon, dass diese ihn für Leporello hielt. Als sie ihn dann erkannte, schrie sie um Hilfe, dann seien einige Leute gekommen und so hatte er zu flüchten. Er erzählt weiter, dass er hierher geflüchtet sei. Leporello merkt, dass sich Don Giovanni mit seiner Freundin vergnügt hat und ist erschüttert mit welcher Gleichgültigkeit sein Herr diese Geschichte erzählt. Als Don Giovanni über die Einfältigkeit seines Dieners zu lachen beginnt, beginnt die Statue zu sprechen. Don Giovanni ist erheitert und befiehlt dem verängstigten Leporello sie zum Essen einzuladen. Da Leporello vor Angst kaum ein Wort herausbringt, droht ihm sein Herr mit dem Degen. Nun spricht Leporello die Einladung aus, die Statue nickt zustimmend. Sie hat die Einladung angenommen. Man spürt, dass etwas furchtbares geschehen wird.


    Szenenwechsel
    Speisesaal in Don Giovannis Schloss


    Im Speisesaal spielen einige Musikanten bekannte Stücke aus damals sehr beliebte Opern (alle mit einem Text von da Ponte; Werbung in eigener Sache). Don Giovanni nimmt an der Tafel Platz und wartet auf sein Essen. Leporello serviert zuerst die Suppe, dann den Fasan. Er kann dem Geruch nicht widerstehen und nimmt sich ein Stück. Don Giovanni bemerkt es und wird zornig. Als er nun den Rest vom Fasan serviert bekommt, klopft es an der Tür. Es ist Donna Elvira. Sie warnt Don Giovanni vor seinen Feinde, allen voran Don Ottavio. Sie tut dies aus Liebe, sie will auch keine Gegenleistung aber Don Giovanni verspottet sie nur. Als sie aus dem Hause gegangen ist, hört man einen markerschütternden Schrei. Leporello erschrickt furchtbar und wird ängstlich. Don Giovanni setzt sich an die Tafel und beginnt zu speisen. Da klopft es.
    Leporello wird befohlen zu öffnen, da er sich, total verängstigt weigert, zu öffnen, öffnet der zornige Don Giovanni.
    Als er die Tür öffnet, steht die Statue des toten Komturs davor. Don Giovanni bittet ihn, als guter Gastgeber, herein. Leporello ahnt schreckliches und versucht sich zu verstecken. Don Giovanni aber befiehlt ihm, in seinem Sadismus, die Tafel für eine weitere Person zu decken. Don Giovanni unterhält sich mit der Statue, die von ihm verlangt seinen Lebensstil zu ändern, da er sonst sterben werde. Don Giovanni weigert sich, entgegen der Warnungen seines Dieners. Er rühmt sich seiner Taten, und sieht keinen Grund sein Leben zu ändern. Als er dem Komtur die Hand reicht um ihn an seinen Platz zu führen, packt sie ihn und lässt ihn nicht mehr los. Das Zimmer färbt sich rot und der Komtur fordert Don Giovanni auf, sich zu ändern. Der verneint, trotz der Androhung in die Hölle zu kommen. Er verneint wieder, während alle mögliche Höllengestalten auftauchen und ihn anklagen. Am Ende der Anklage verschwinden die Gestalten, der Komtur und Don Giovanni, der vom Komtur mit in die Tiefe gerissen wird. Don Giovanni stößt mehrere erschütternde Schreie auf, dann verschwindet auch die rote Färbung.
    Leporello, der nicht glauben kann, was er eben gesehen hat, wird sich der Tatsache bewusst, dass sein Herr zur Hölle gefahren ist. Da kommen Don Ottavio, Donna Anna, Donna Elvira, Zerlina und Masetto hinzu und fragen nach Don Giovanni. Leporello erzählt vom Ende seines Herren. Alle sind erleichtert, dass die Untaten des Bösewichtes ein Ende haben. Sie schmieden Zukunftspläne(Leporello geht ins Wirtshaus, um einen neuen Herren zu suchen, Donna Elvira geht ins Kloster, die beiden Bauern gehen nach Hause und Donna Anna erbittet von Don Ottavio ein Jahr Geduld bis sie die Hochzeit vollziehen will) und suchen nach der „Moral von der Geschicht´“. Als sie sie gefunden zu haben glauben, fällt der Vorhang.

    Ich hoffe, dass Ihnen, verehrter Leser, meine Erzählung vom letzten Tage des Don Giovanni gefallen hat. Der Don Giovanni ist Mozarts erste „große“ ernste Oper, die nicht auf den Schemen der Opera seria basiert. Es ist die zweite Zusammenarbeit des Komponisten Mozart und des Librettisten da Ponte.


    Mozart erhielt nach dem riesigen Erfolg der „Hochzeit des Figaro“ in Prag einen Auftrag für eine neue Oper. Mozart wandte sich an da Ponte, da die beiden einender sehr schätzten und da Ponte, trotz des Misserfolges in Wien Mozarts Musik außerordentlich schätzte. Da Ponte lieferte das Libretto ab und Mozart begann sogleich zu komponieren. Doch während der Arbeit am 1. Akt verstarb sein Vater. Mozart versank in Trauer und musste sich erst einmal aufheitern, damit er sich wieder richtig auf die Oper konzentrieren konnte. Er tat dies auf seine Weise. Er komponierte eine Serenade, die ihn fröhlicher machen sollte. Er nannte sie „Eine kleine Nachtmusick“.
    Als der Don Giovanni endlich am 29. Oktober 1787 in Prag uraufgeführt wurde, war man überrascht, wie schwer dieses Werk war. Ganz anders als der „Figaro“. Trotzdem wurde es ein Erfolg, aber kein so großer wie der „Figaro“.
    Joseph II., der regierende Kaiser, hatte vom Erfolg des „Don Giovanni“ in Prag gehört und wollte ihn auch in Wien aufgeführt sehen. Da das Wiener Publikum eines der kritischsten der Welt war und ist, mussten einige Änderungen vorgenommen werden. In der Prager Urfassung waren lange Rezitativstrecken, die das Publikum langweilen könnten. Also komponierte Mozart einige Arien hinein. Die bedeutendste Änderung war der Schluss. In der Prager Fassung fiel der Vorhang nach der Höllenfahrt. Die Schlussszene, wo alle noch lebenden Personen nach der Moral suchen, wurde erst für die Wiener Premiere, die am 7. Mai 1788 über die Bühne ging, dazukomponiert.
    Der Erfolg des Don Giovanni hielt sich in Grenzen. Joseph II. soll Mozart gesagt haben: „Ein sehr schönes Werk, aber nichts für meine Wiener!“ Er sollte Recht behalten.
    Erst bei der Wiederaufnahme 1793, also fast zwei Jahre nach Mozarts Tod wurde der Don Giovanni ein Erfolg. Danach verbreitete er sich schnell in ganz Europa. 1819 wurde er, als erste Mozart-Oper überhaupt in Russland (auf russisch) aufgeführt. Im Jahre 1825 inszenierte der emigrierte Lorenzo da Ponte den Don Giovanni sogar in New York.
    Der Don Giovanni war die Lieblingsoper vieler anderer Künstler, unter ihnen: Johann Wolfgang von Goethe, der sich eine solche Musik für seinen Faust gewünscht hätte, Richard Strauss, der über das Finale des ersten Aktes sagte, er hätte ganze Opern vom ihm gegeben, um etwas so geniales schreiben zu können, und viele andere. Dieser Oper ist es zu verdanken, dass erst wieder Rossinis ernste italienische Opern erfolgreich gespielt wurden, da sie einen neuen Stil hatten. Mozart hatte mit dem Don Giovanni, die ernste italienische Oper vollendet und zu ihrem Höhepunkt geführt!


    DIE MUSIK UND IHRE BEDEUTUNG


    Der Don Giovanni ist die wohl “schwerste” und zukunftsweisende Oper Mozarts. Die Musik ist, wenn notwendig, voll Düsternis und an manchen Stellen auch furchteinflössend. Ebenso finden sich komische Element in ihr, sodass es schwer fällt, die Oper in ein Genre zu zwängen. Mozart bezeichnete sie als Dramma giocoso, ein „tänzelndes Drama“, heute würden wir Tragikomödie sagen!


    Die Ouvertüre beginnt schon mit dem Querflötenthema, dass auch in ihrer Schlüsselszene, der Höllenfahrtsszene, vorkommt. Danach ähnelt sie sehr stark den Ouvertüren der Opera buffa Mozarts. Hier bedient er sich Themen aus der Oper, was er nicht immer tat (z.B: Le nozze di Figaro, Die Zauberflöte).


    Mozarts große Kunst des Ensemblekomponierens ist beinahe unverbesserbar. Die Finali im ersten (das Fest) und im zweiten Akt (Höllenfahrt), die Massenszene, in der Leporello entlarvt wird, all´ das sind musikalische Höhepunkte der Opernliteratur, wie es sie kaum besser geben kann.
    Auch setzt Mozart hier wieder seine Tonartenphilosophie ein, er hat für jede menschliche Regung eine Tonart. Beim Mord am Komtur herrscht g-moll vor, seine Todestonart.
    Musikalische Höhepunkte: es fällt schwer einige wenige zu nennen, darum kann ich nur eines sagen: Die ganze Oper!!


    DIE FIGUREN


    Don Giovanni


    Der Titelheld der Oper. Ein unverbesserlicher Lüstling, der für seinen Spaß über Leichen geht und kein weibliches Wesen „ungeliebt“ lassen kann und will. Ein echter Frauenversteher also. Seine Kaltblütigkeit kennt keine Grenzen, er wäre bereit selbst seinen Diener zu opfern (Finale 1. Akt). Trotz dieses Charakter wird er dem Publikum immer sympathisch bleiben, beinahe hat man mit ihm Mitleid, als er verdientermaßen zur Hölle fährt.


    Leporello


    Sein Diener. Er ist zwar nicht der Hellste, aber ein herzensguter Kerl, der seinem Herrn treu dient, auch wenn es ihm nicht gut geht. Er ist die gequälte Seele im Stück.


    Don Ottavio


    Der Tenor. Er ist seiner Stimmlage der eigentliche Held des Stückes. Er benimmt sich auch so, schließlich hat er geschworen, den Mörder des Vater seiner Verlobten zu finden und dessen Tod zu rächen. Er findet ihn zwar, kann ihn aber nicht rächen. Das erledigt der Vater schon selbst.


    Donna Anna


    Seine Verlobte, die ihn über alles liebt. Trotzdem vergisst sie ihn für einige Zeit für Don Giovanni. Als ihr bewusst wird, dass sie eigentlich verlobt ist und sie soeben ihrem Verlobten einen Grund gibt, sein Versprechen zu lösen, stellt sie sich als Opfer eines Überfalls hin. Das sie daraufhin ihren Vater verliert, stürzt sie verständlicherweise in eine Krise. Sie kommt erst wieder zu Ruhe nachdem Don Giovanni tot ist, spannt aber Don Ottavio ein weiteres Jahr auf die Folter.


    Donna Elvira


    Eine Verflossene von Don Giovanni. Sie liebt ihn, hat er ihr doch die Ehe versprochen. Er will sein Versprechen nicht halten und ist davongeeilt. Sie reiste lange durch ganz Spanien, um ihn endlich zu finden, erfährt aber dann nur Enttäuschung. Don Giovannis „hohe“ Meinung von ihr zeigt sich vor dem Finale des zweiten Aktes. Er schickt sie weg, obwohl sie ihm nur helfen will.


    Masetto und Zerlina


    Ein frisch verheiratetes Paar, dessen Eheglück von Don Giovanni schon am ersten Tag auf die Probe gestellt wird, da er ihr nachstellt. Beide sind, typisch bäuerlich, von da Ponte, als eher dumm und einfältig dargestellt worden. Zerlina glaubt an die wahre Liebe und lässt sich von Don Giovanni beschwatzen, Masetto aber hat alles durchschaut, kann aber auch nichts machen. Am Ende merken die beiden, dass sie glücklich miteinander sind, aber erst als Masetto schwer verletzt von Zerlina gefunden wird (Arie: Vedrai, carino, a-dur, Liebestonart).


    Der Komtur


    Vater von Donna Anna, der von Don Giovanni im Kampf getötet wird. Er holt ihn aber in einer eindrucksvollen Szene in die Hölle und rächt seinen eigenen Mord. Eine beeindruckende Bassrolle!


    Ich hoffe, meine sehr verehrten Damen und Herren, sie hatten viel Spass mit meinem Don Giovanni!!


    Meine Meinung:
    Siehe Grund, warum ich Don Giovanni genommen habe.

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  • Götz von Berlichingen
    Ein Schauspiel in 5 Akten


    von Johann Wolfgang Goethe


    Warum ich dieses Werk für mein Kulturportfolio gewählt habe:
    Ich interessiere mich sehr für das Mittelalter und allem was damit zu tun. Da dieses Werk über einen echten Ritter, wie er im Buche steht handelt, weckte es mein Inte-resse. Weiters kenne ich eine Biografie des echten Götz, darum war klar, dass die-ses Werk in mein Portfolio muss.



    Kaiser Maximilian
    Götz von Berlichingen
    Elisabeth, seine Frau
    Maria, seine Schwester
    Georg, sein Knappe
    Bischof von Bamberg
    Weislingen
    Adelheid von Walldorf
    Liebetraut, ein Mann am Hofe des Bischofs
    Hans von Selbitz
    Frank von Sickingen


    Ort der Handlung: Deutschland
    Zeit der Handlung: im 16. Jahrhundert.


    Erster Akt


    Götz ist ein Ritter mit Lehen in Deutschland. Er und der Bischof von Bamberg sind einander Feinde. Der Grund ist, das sich Götz lieber auf die Seite der Schwachen stellt die im Recht sind, als dem Bischof treue zu heucheln. Ein getreuer Ritter des Bischofs ist Weislingen. Dieser wird von Götz gefangen genommen und auf dessen Burg gebracht. Götz hat Weislingen gefangen da der Bischof einen Knappen von ihm eingesperrt hält, und um mit ihm zu sprechen.
    Sie waren früher als Kinder und in ihrer Jugend die besten Freunde. Tatsächlich scheint es so als ob Weislingen nun erkennen würde, dass alles was der Bischof ü-ber Götz erzählt, gelogen ist. Er verliebt sich sogar in Götz’ Schwester Maria. Weis-lingen schwört nie mehr eine Fehde zwischen ihm und Götz entstehen zu lassen und dem Bischof den Rücken zu kehren. Götz glaubt ihm und lässt ihn wieder auf seine eigene Burg ziehen. Er will bald zurückkehren um Maria zu heiraten.


    Zweiter Akt


    Als der Bischof hört, das Weislingen nicht mehr an seinen Hof kommen will, schickt er Liebetraut um ihn zu überzeugen. Tatsächlich schafft es dieser ihn zu locken. Weislingen will zwar nicht lange bleiben, aber Adelheid schafft es geschickt ihn um den Finger zu wickeln. Aus einem geplanten Aufenthalt von Stunden wurden Tage und dann Wochen. Doch nicht nur er ist in sie verliebt. Auch sein Knappe Franz. Weislingen bricht den Schwur an Götz und jagt dessen Knappen Georg davon, als dieser erfahren will wie es um ihn steht.


    Dritter Akt


    Der treue Freund von Götz, Sickingen, bittet ihn um die Hand von Marie. Gerade deshalb weil sie von Weislingen verschmäht wurde möchte er sie heiraten. Weislin-gen indes überzeugt den Kaiser Götz gefangen nehmen zu lassen. Ein Heer zieht deshalb nach Jaxthausen, zu der Burg von Götz. Man bietet ihm ritterliches Gefäng-nis, wenn er sich ergibt. Götz erwidert daraufhin die berühmten Worte: „Er aber, sag’s ihm, er kann mich am Arsch lecken.“ Kurz zuvor taucht bei ihm ein Mann na-mens Lerse auf, der sich ihm anschließen will. Auch Selbitz kommt um seine Hilfe anzubieten. Sie greifen das Bündische (Bezeichnung für das Heer des Kaisers) Heer noch vor der Belagerung an. Doch zu viele fliehen während des Kampfes und Selbitz wird verwundet. Bevor die Belagerung beginnt heiraten Maria und Sickingen, dann verlassen sie auf bitten von Götz die Burg.
    Sie konnten sich nicht mit genug Proviant eindecken um einer Belagerung lange standzuhalten. Deshalb nimmt Götz das Angebot des Heerführers an und will in frei-em Geleit mit seinem Gefolge abziehen. Doch kaum tritt er aus dem Tor, fallen die Bündischen über sie her. In dem Gemenge verliert Götz seinen linken Arm.


    Vierter Akt


    Götz wird nach Heilbronn gebracht und vor ein Gericht gestellt. Man wirft ihm Eid-bruch gegenüber dem Kaiser und Fehdelust (Streitsucht)vor. Er entgegnet, er habe nie gegen den Kaiser Eidbruch begangen und seine Fehden waren stets zu seinem Rechte und zur Verteidigung ausgetragen worden. Der Richter lässt bewaffnete Bür-ger der Stadt hereinkommen, die Götz zusammenschlagen sollen. Doch selbst mit nur einem Arm kann er sie ohne Probleme abwehren. Dann erscheint ein Gerichts-diener und berichtet das Sickingen mit einem Heer vor der Stadt steht und droht sie nieder zu brennen, falls Götz etwas passiert. Sie lassen ihn ziehen. Er begibt sich nun wieder auf seine Burg und gelobt, sich aus Fehden von anderen herauszuhalten. Von so viel Demut und Treue beeindruckt, lässt ihn der Kaiser gewähren.
    Weislingen tobt, muss sich aber vorerst geschlagen geben. Götz fühlt sich einge-sperrt und ist trübselig. Dann bringt sein Knappe Georg Nachricht, dass ein blutiger Bauernaufstand tobt.


    Fünfter Akt


    Die Bauern fordern Götz als ihren Anführer. Dieser nimmt an, aber nur unter der Be-dingung dass sie aufhören zu plündern und zu morden. Die Bauern stimmen zu. Doch ein paar von ihnen stacheln die andern an, die Stadt Miltenberg anzuzünden. Daraufhin erscheint Weislingen mit einem Bündischen Heer um den Aufstand nieder-zuschlagen. Das Heer von Weislingen verfolgt nun den restlichen Trupp Bauern. Götz wird verwundet und flüchtet in den Wald zu ein paar Zigeunern. Sie nehmen ihn auf und kämpfen als die Bündischen zu ihnen kommen. Sie werden getötet und Götz gefangen genommen. Währenddessen hat Weislingen, Franz zu Adelheid geschickt um sie auf sein Schloss zu bringen. Sie weigert sich jedoch. Man erfährt dass sie bereits Angst vor ihm hat und in Wirklichkeit Franz liebt. Sie entschließen sich ihn zu vergiften.
    Götz wird wieder nach Heilbronn gebracht. Seine Schwester Maria begibt sich auf Weislingens Schloss um für das Leben ihres Bruders zu bitten. Er gewährt es ihr. Auch Franz taucht auf und gesteht seinem Herrn dass er vergiftet wurde. Daraufhin stürzt sich Franz aus dem Fenster. Ein heimliches Gericht entscheidet dass Adelheid für den Mord an Weislingen zum Tode verurteilt wird.
    Götz ist wegen seiner Wunde sehr schwach. Seine Frau Elisabeth bittet die Wache, sie in den Garten zu lassen. Götz ist traurig darüber keine Nachkommen zu hinter-lassen. Außerdem erfährt er das Georg und Selbitz getötet wurden. Er sieht schlim-me Zeiten kommen und bittet Lerse auf seine Frau auf zu passen. Danach stirbt er.


    Interpretation


    Götz von Berlichingen ist ein Ritter, so wie man ihn sich vorstellt. Er ist edel, tapfer, loyal und gerecht. Götz kennt auch keine Angst vor Herausforderungen. Immer wie-der stellt er sich auf die Seite der derjenigen, die im Recht, aber zu schwach sind um es durchzusetzen. Sein Charakter und sein Wille sind sehr stark. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Szene vor Gericht, in der die Bürger erscheinen um ihn zusammen zu-schlagen. Trotz der Übermacht, des Verlustes seiner Burg und seines linken Armes, erwehrt er sich seinen Feinden.
    Georg ist ein Knappe wie er im Buche steht. Er ist stets treu und steht loyal zu sei-nem Herrn, sogar bis in den Tod.


    Weislingen ist ein sehr zwiespältiger Charakter. In seiner Jugend war er der beste Freund von Götz. Dann entwickelt sich zwischen ihnen eine Feindschaft, da er dem Bischof von Bamberg dient. Als Weislingen von Götz gefangen wird, scheint sich wieder alles zu ändern und er bittet sogar um die Hand von Götz’s Schwester Maria. Doch nur ein paar Tage am Hof des Bischofs und die Schönheit Adelheids reichen aus um ihn abermals zu ändern. Man könnte ihn natürlich als Opportunisten be-zeichnen (da er gegenüber Götz nur so freundlich getan haben könnte um wieder freizukommen), aber ich glaube das er einfach leichtgläubig war. Sein Wandel bei Götz schien doch sehr ehrlich zu sein.


    Adelheid von Walldorf bringt Weislingen dazu, sein Versprechen gegenüber Götz zu brechen. Das tut sie indem sie ihm Hoffnungen macht und ihn dann zappeln lässt. Zum Schluss fühlt sie sich sogar schon von seiner Begierde bedroht. Denn in Wirk-lichkeit liebt sie seinen Knappen Franz.


    Meine Meinung zum Werk:
    Mir gefällt, wie Götz die ritterlichen Ideale hochhält. Tragisch ist es, dass er deshalb ein schweres Leben hat. Aber genau deshalb mag ich ihn. Er ist einfach ein armer Hund. Das Werk an sich ist ganz ok, aber nicht herausragend wie z.B. sein Faust.

  • Historische Persönlichkeiten in der Oper


    In der Geschichte gab es so viele große, oder auch weniger große, Persönlichkeiten, so dass es gar nicht möglich ist alle hier zu erwähnen. Ich bitte Sie um Verständnis, wenn einer oder eine hier nicht erwähnt wird, die es Ihrer Meinung nach verdient hätte.


    Ich möchte Sie nun einladen, einige bekannte historische Persönlichkeiten, die sie aus Geschichtsbüchern kennen (oder auch nicht, aber glauben Sie mir, es gab sie wirklich) einmal anders kennen zu lernen. Sie lernen diese Menschen auf der Bühne kennen, auf der sich diese ganz anders benehmen als sie es in ihrem wirklichen Leben taten.


    Beginnen wir im alten Ägypten:


    µ Echnaton, der Ketzerkönig,
    er verbot alle ägyptischen Götter bis auf den Sonnengott Aton. Er errichtete für sich eine neue Hauptstadt, die aber nach seinem Tod wieder verlassen wurde. Seine Reformen wurden nach seinem Tod wieder rückgängig gemacht. Ebenfalls bekannt ist seine Gemachlin: Nofretete.
    In der 1984 in Stuttgart uraufgeführten Oper Echnaton von Philipp Glass werden seine Taten auf der Bühne erzählt. Besonders an der Oper ist, dass Echnaton eine Countertenor-Partie ist, eine solche gab seit ca. 1800 nicht mehr.


    µ Sesostris III., Pharao von Ägypten,
    er ist der Pharao, der den Auszug der Israeliten aus Ägypten und die Begegnung mit Mose miterlebt hatte. Die Geschichte ist zwar nicht historisch erwiesen, der Auszug ist es allerdings schon. Gioacchino Rossini beschäftigte sich dreimal mit diesen beiden Personen: Es gibt zwei Versionen von der italienischen Version „Mose in Egitto“ und eine französische Version „Moise et Pharaon ou Le passage de la Mer Rouge“. Auch hier sind beide Widersacher in der gleichen Stimmlage (Siehe Roberto Bruce), beides Bässe.


    Einige Jahrhunderte später wurde im Zweistromland Mesopotamien eine Stadt mit Namen Babylon gegründet. In dieser Stadt, die im Alten Testament (woraus die meisten Anregungen für die hier genannten Opern stammen) eine wichtige Rolle spielte, siedelten Librettisten und Komponisten eine Vielzahl an Opern an. Als Hauptpersonen kommen oft die Könige oder Königinnen der Babylonier vor. So z.B:


    µ Belsazar, König von Babylon
    Seine Geschichte stammt aus der Bibel, allerdings ist seine Person historisch gesichert. Er ist es, dem der Gott der Juden die Unglücksbotschaft überbringt. Er überbringt sie in Form einer feurigen Schrift während einer großen Orgie. Da er die Schrift nicht versteht, lässt er den Propheten Daniel rufen, der ihm mitteilt, dass er seine Königswürde an den Perserkönig Kyros (II.) verlieren wird.


    Soweit die Bibel, die als Vorlage für das Oratorium „Belsazar“ von Georg Friedrich Händel herangezogen wurde. Das Oratorium weicht kaum von der Vorlage ab, nur wird das orgiastische Fest sehr entschärft erzählt. Vor allem die Chöre, die Deutungs- und die Rätselszene fesselten mich enorm.



    µ Kyros II., Perserkönig
    Giaocchino Rossini befasst sich mit seinem Einzug in Babylon nach dem alten Opera-seria-Schema in der Oper „Ciro in Babilonia“. Das heisst, hier wird viel intrigiert, es wird immer geheiratet oder gemeuchelt. Kyros tritt hier als edler, gerechter und schwer verliebter König auf. Mit dem historischen, brutalen Kyros hat diese Oper nichts zu tun.


    µ Nebukadnezar, König von Babylon und Jerusalem.
    Der Name Nebukadnezar wird jedem geschichtlich interessierten Menschen schon einmal untergekommen sein. Der Name Nabucco wird jedem Opernfan ein Begriff sein. Nur wenige wissen, dass die beiden ein und die selbe Person sind. Er war der König der den Tempel in Jerusalem zerstören ließ.
    „Nabucco“ von Giuseppe Verdi handelt von dieser Tatsache. Er erlaubt aber den Juden in Babylon die „Götzen“ anzubeten, Ismaele, der Sohn des Königs liebt Fenena, Nabuccos Tochter, deren Liebe von der Sklavin Abigail behindert wird. Nabucco lässt die Gefangenen frei, nachdem Abigail vom Blitz erschlagen wurde. Bekannt aus Nabucco ist vor allem der Gefangenenchor „Va pensiero!“, den die italienischen Unabhängigkeitskämpfer als Hymne annahmen.


    µ Semiramis, Königin von Babylon.
    Historisch weiß man von ihr wenig, ausser das sie die Hängenden Gärten erbauen ließ, die später zu einem der 7 Weltwunder erklärt wurden. Viele Komponisten gaben sich mit der sagenhaften Königin beschäftigt, am bekanntesten sind die Opern von Gioacchino Rossini und Antonio Vivaldi. In Rossinis Oper stirbt Semiramide, weil sie vom eigenen Sohn irrtümlich erstochen wurde, da er eigentlich den Mörder seines Vaters, den Prinzen Assur töten wollte. Eine Prophezeihung aber befand den Mord für richtig und vorhergesehen. Rossinis Oper erfreut sich seit den 60er Jahren immer größerer Beliebtheit, da Marilyn Horne und Joan Sutherland die Oper wiederentdeckt und populär gemacht haben.


    µ Xerxes II, Perserkönig.
    Xerxes II. ist in der Geschichte hauptsächlich durch seine Eroberungszüge gegen die griechischen Polis bekannt. Er war der persische Feldherr bei der Seeschlacht von Salamis. Sein Gewalttaten waren berüchtigt.
    In der Opernliteratur ist Xerxes, wie in allen Opera seria, ein einfacher König, der sich verliebt und in Intrigen gestürzt wird und selbst intrigiert. Xerxes war ein beliebter Opernheld der Barockzeit. Francesco Cavalli vertonte „Serse“ 1654, Giovanni Bononcini 1694 und natürlich Georg Friedrich Händel 1738. Diese ist die bekannteste Oper Händels, vor allem wegen „Ombra mai fu“, das auch als Largo bekannt ist.


    Wenden wir uns nun dem griechischen Kulturkreis zu. Sagengestalten möchte ich hier nicht oder nur bedingt erwähnen, da es eine Unzahl von Oper mit den griechischen Sagenhelden als Hauptfiguren gibt.


    µ Alexander der Große (356-323 v.Chr), König von Mazedonien und Eroberer eines Weltreiches.
    Alexander wurde 356 in der Hauptstadt des damaligen Kleinkönigreiches Mazedonien geboren. Er wurde von Aristoteles unterrichtet und erobert innerhalb von 13 Jahren den ganzen Orient, Ägypten, Persien (das er in der Schlacht von Issos 333 v.Chr. besiegt), Indien, und viele andere Reiche. Unter anderem auch die phönizischen Niederlassungen im vorderen Orient. Dort traf er 334 v.Chr. ein. Und in diesem Jahr spielt auch die Geschichte „Il Re pastore“ („Der König als Hirte“).
    In dieser kleinen Oper tritt Alexander als Hirte verkleidet auf, da er sich in die Königstochter der Phönizier, die als Hirtin verkleidet ist, da sie einen Mann sucht, der sie ehrlich liebt. Am Ende gewinnt Alexander ihr Herz und die beiden regieren ein Weltreich. Auch ihre Freundin und Alexanders Freund Agenor heiraten. Alexander heiratete aber in Wirklichkeit die Tochter des Perserkönigs Dareios, natürlich aus politischen Gründen, aber erst, nachdem er sich von seinem Lebensgefährten(!) getrennt hatte.
    „Il Re pastore“ wurde mehrmals vertont, die Grundlage, also das Libretto stammt von Pietro Metastasio. Die beiden bekanntesten Opern stammen von Christoph Willibald Gluck und Wolfgang Amadeus Mozart.


    Nun kommen wir schön langsam zu den römischen Persönlichkeiten bzw. zu Persönlichkeiten, mit denen die Römer zu kämpfen hatten. Sagenhelden sind, wie schon bei den Griechen, weggelassen.


    µ Scipio Afrianus, Feldherr.
    Er war der Gegner und Besieger Hannibals. In „Il sogno di Scipione“ von Wolfgang Amadeus Mozart erscheinen ihm drei Göttinnen und buhlen um seine Gunst. Alle drei zeigen ihm, wie es ihm ergehen wird, wenn er sich zu einer bekennt. Als er sich schließlich entscheiden soll, wacht er auf und besiegt anschließend die Karthager.


    µ Lucius Sulla, römischer Diktator.
    Er war es, der im römischen Bürgerkrieg gegen Marius kämpfte, und diesen schließlich besiegte, allerdings schaffte er es nur, indem er in Rom einmarschierte. Er missachtete eines der Grundgesetze Roms, nämlich jenes, dass ein Feldherr niemals mit seinen Truppen die Stadt betreten dürfe. Daher galt er in der römischen Geschichtsschreibung als Schandfleck für Rom.
    In der Operngeschichte tritt er aber als gütiger Herrscher auf, der immer auf Gerechtigkeit bedacht ist. Er vergibt sogar seinen Attentätern und schenkt ihnen die Freiheit und das Leben. Er wurde hauptsächlich in der Barockzeit beachtet, da in dieser Zeit solche Geschichten beliebt wurden.
    Die beiden bekanntesten Opern mit Sulla als Hauptperson sind: Lucio Silla von Wolfgang Amadeus Mozart und Lucio Giunio Sulla von Georg Friedrich Händel. In beiden Opern kamen Kastraten vor, sodass heute Countertenöre oder Altistinnen oft die Rolle des Diktators oder des Attentäters singen.


    µ Kleopatra/Julius Caesar
    Wahrscheinlich DAS Liebespaar der Weltgeschichte. Julius Caesar der römische Eroberer Ägyptens verliebt sich in Kleopatra, die für die Freiheit ihres Landes kämpft und liebt. Unzählige Opern beschäftigen sich mit dieser Liaison, vor allem die Barockzeit war verrückt nach diesem Stoff. Die bekannteste Oper ist wahrscheinlich „Giulio Cesare in Egitto“ von Georg Friedrich Händel. Weitere Opern: „Cleopatra“ von Johann Mattheson und „Cleopatra e Cesare“ von Carl Heinrich Graun.


    µ Salome/Herodes
    Ein weiteres großes Paar in der Antike. Salome kommt zwar nur in der Bibel vor. Herodes ist aber historisch bedeutend, da er unter anderem den Tempel in Jerusalem wieder errichten ließ und er ist berüchtigt für den Kindermord von Bethlehem, den man nicht historisch beweisen kann.
    Richard Strauss nahm sich gemeinsam mit Hugo von Hofmannsthal des biblischen Stoffes an und erzielten mit der Oper „Salome“ einen Welterfolg. Die Partie der Salome war bis dahin einzigartig und daher ein Skandal. Die Oper handelt von einem Versprechen Herodes, Salome für ihren Tanz jeden Wunsch zu erfüllen. Sie tanzt und verlangt den Kopf Johannes´ des Täufers. Er zögert, muss aber einwilligen. Als sie den Kopf küsst, befiehlt Herodes „dieses Weib zu töten“. Die Opern des Richard Strauss mögen nicht jedermanns Geschmack sein. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. sagt nach der Berliner Premiere zu Strauss. „Mit dieser Oper haben sie aber einen großen Fehler begangen!“ Strauss schmunzelte und sagte: „Majestät, mit diesem Fehler habe ich mir meine Villa in Garmisch gekauft!“


    Mittelalter:


    µ Gottfried von Bouillon, Eroberer Jerusalems
    Gottfried von Bouillon war der erste König des fränkischen Königreiches von Jerusalem im heiligen Land. Er führte den ersten Kreuzzug zu Ende (1099), dem Blutbad in Jerusalem. Er starb 1100 an einer Seuche, wahrscheinlich der Pest.
    In der Opernliteratur führt er ein Schattendasein, da er immer nur der Freund des (fiktiven) Kreuzfahrerhelden Rinaldo im Kampf gegen die Sarazenen ist. Weiters findet er nie eine Frau, während Rinaldo seine Armida immer heiraten darf. Er kommt daher zum Beispiel in den Opern „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel und in den „Armida“s von Joseph Haydn und Gioacchino Rossini vor.


    µ Richard Löwenherz, König von England 1157-1199
    Richard Löwenherz ist wahrscheinlich die schillerndste Gestalt des europäischen Mittelalters. Erst streitet er sich mit dem französischen König um Land, dann geht er mit ihm gemeinsam auf Kreuzfahrt. Im heiligen Land schlägt er Sultan Saladin in einer Schlacht und erobert Akkon, den wichtigsten Handelspunkt in Palästina für die Christenheit zurück. Er schließt Freundschaft mit den Arabern, macht sich aber Feinde in Europa. Zum Beispiel Leopold von Österreich, dessen Fahne er durch den Schmutz ziehen lässt. Auf der Heimreise wird er von dessen Häschern erwischt und in der Burg Dürnstein festgehalten. Später wird er nach Trifels in Deutschland überstellt und gegen Lösegeld freigelassen. Im Jahre 1199 stirbt er durch einen Armbrustbolzen bei der Belagerung von Chalus.
    Am bekanntesten wurde die Legende seines treuen Sängers Blondel, der Richard in Österreich suchte und findet. Andre Modeste Gretry schuf mit seiner 1784 uraufgeführten Oper „Richard Coeur de Lion“ ein Meisterwerk der französischen Oper, die genau diese Legende als Sujet hat.


    µ Tannhäuser/Walther von der Vogelweide, Minnesänger.
    Die beiden Minnesänger lebten im 12. und 13. Jahrhundert, und haben eines gemeinsam: sie sind gebürtige Österreicher. Tannhäuser wurde im Waldviertel, Walther von der Vogelweide in Südtirol geboren. Über ihr Leben weiß man wenig, aber viele ihrer Minnelieder sind überliefert. Das bekannteste von ihnen ist „Unter der Linden“ von Walther von der Vogelweide. Über sein Leben ist mehr bekannt, man weiß, dass er um 1230 in Bozen gestorben ist, nachdem er dort lange Jahre bei Hofe tätig war.
    In der Oper „Tannhäuser“ von Richard Wagner sind die beiden Rivalen, in Wirklichkeit sind sie sich höchstwahrscheinlich nie begegnet. Tannhäuser wird in der Oper als „Lüstling“ dargestellt, Walther hingegen als Verfechter der reinen Liebe. Man weiß von ihren Charakterzügen und ihrem Liebesleben wenig, doch wenn es nach ihren Liedern geht, sind beide echte Minnesänger.


    µ Wilhelm Tell, Nationalheld
    Der schweizer Nationalheld Wilhelm Tell kämpfte zu Beginn des 14.Jahrhunderts für die Unabhängigkeit der Schweiz gegen die Habsburger und damit gegen das Heilige Römische Reich deutscher Nation. Sein Leben ist weitgehend im Dunkeln geblieben, aber in der Literatur nimmt er eine ganz große Stelle ein. Friedrich Schiller setzte ihm mit seinem gleichnamigen Drama ein Denkmal, durch das ihn jeder kennt. Gioacchino Rossinis Oper „Guillaume Tell“ basiert auf dem gleichnamigen Schiller´schen Drama und wurde 1829 in Paris uraufgeführt. Es sollte Rossinis letzte Oper vor seiner Kompositionspause sein. Bekannt ist die Oper vor allem durch seine Ouvertüre, genauer durch das Crescendo-Finale der Ouvertüre, welches weltbekannt geworden ist. Hier besetzt Rossini die beiden Widersacher mit gleichen Stimmen: Beide sind Bass bzw. Bariton.


    µ Robert Bruce, erster König von Schottland
    Er war der erste König Schottlands, nachdem er das englische Heer 1314 in der Schlacht von Bannockburn besiegt hatte wurde er zum König der Schotten gekrönt. Und genau diese Episode der schottischen Geschichte erzählt uns Gioacchino Rossini in seiner Oper „Roberto Bruce, re di Scozia“. In dieser Oper arbeitet Rossini zur Charakterbildung mit den Stimmlagen. Er hatte sich angewöhnt, die beiden großen Widersacher die gleiche Stimmlage zu schreiben. Hier tat er es nicht: Robert Bruce ist eine Bassrolle und der englische König Edward ist eine Tenorrolle. Dieses Schema zieht sich auch auf den Rest der Charaktere durch: Tenor-Engländer; Bass/Bariton-Schotte.


    µ Jeanne D´Arc, Nationalheldin
    Auch ihr Leben wurde von Friedrich Schiller in ein Drama umgewandelt, welches ziemlich frei von Giuseppe Verdi in der Oper „Giovanni d´Arco“, einem Jugendwerk Verdis vertont wurde. Die junge Französin Jeanne wird von Heiligenerscheinungen beauftragt, Frankreich im Krieg gegen die Engländer die Unabhängigkeit zu schenken. Sie gewinnt für den französischen König Karl VIII. mehrere Schlachten und wird dann von den Engländern gefangen genommen. De französische König hilft ihr nicht und sie schwört nicht ab eine Hexe zu sein. Darum wird sie am Scheiterhaufen verbrannt.


    Neuzeit:


    µ Vasco da Gama, Seefahrer
    Entdecker des Seeweges nach Indien für Portugal, was den Portugiesen einen neuen Handelsweg schuf. Er umrundete das Kap der guten Hoffnung und gründete in Indien die Stadt Goa. Er war in Portugal äußerst beliebt und ist dor immer noch ein Nationalheld.
    Giacomo Meyerbeer nahm ihn als Titelheld seiner letzten Oper „L´ Africaine“, in der er eine tragische Liebe Vasco da Gamas zu einer Afrikanerin schildert. Bekannt wurde vor allem seine Arie „O Paradiso“, die jeder große Tenor schon gesungen hat.


    µ Elisabeth I./Maria Stuart, Königinnen
    Diese beiden Damen sind jedem allgemein gebildeten Menschen ein Begriff, daher werde ich auf ihr Leben nicht eingehen sondern den Opernstoff genauer betrachten.
    Opern mit den beiden Damen als Hauptpersonen gibt es viele. Zum Beispiel Gaetano Donizettis „Maria Stuarda“, nach Friedrich Schiller, die die letzten Tage der Maria Stuart vor ihrer Enthauptung schildert. Dieselbe Zeitepoche behandelt Gioacchino Rossini, mit seiner Oper „Elisabetta, Regina d´ Inghilterra“. Etwas anders, aber mit der englischen Königin Elisabeth als Hauptfigur schildert Gaetano Donizetti die tragische unerfüllte Liebe der Königin zum Fürsten Robert Devereux, der schließlich hingerichtet wird in seiner Oper „Roberto Devereux“. Diese Episode wurde auch unter der Regie von Michael Curtiz verfilmt. Bette Davis und Errol Flynn geben die beiden Hauptdarsteller im Film „Günstling einer Königin“.


    µ Philipp II.
    Der glücklose spanische König Philipp II. war der Widersacher der englischen Königin im Jahre 1588, als seine Armada von deren Schützling Francis Drake versenkt wurde. In Giuseppe Verdis Oper „Don Carlos“, basierend auf Schillers Drama „Don Carlos, Infant von Spanien“ ist er sein Widersacher und stellt die weltliche Staatsgewalt in der Oper dar und ist eine der beiden großen Bassrollen, neben dem blinden Großinquisitor. Der beste Philipp II war Nicolai Ghiaurov.


    µ Giovanni Pierluigi di Palestrina (1532-1594), Komponist.
    Giovanni Pierluigi Palestrina war der bedeutendste Komponist sakraler Musik in der Spätrenaissance. Er war ein äußerst fruchtbarer Komponist, der zeitweise auch päpstlicher Hauskomponist war. Sein bedeutendstes werk ist die „Missa Papae Marcelli“ aus dem Jahre 155(6). Sie war dem nur wenige Monate im Amt gewesenen Papst Marcellus II. gewidmet.
    In der Oper “Palestrina” von Hans Pfitzner aus dem Jahre 1917 wird Palestrina als Retter der Kirchenmusik hervorgehoben. Der Papst Pius IV. will nämlich die Kirchenmusik verbieten, es sei denn jemand komponiere ihm eine Messe, die ihn eines besseres belehre. Nach mehreren Erscheinungen seiner toten Frau, seit deren Tod er nichts mehr geschrieben hat, und vergangenen Meistern der Tonkunst, schreibt er in einer Nacht diese eine Messe, die dem Papst so gut gefällt, sodass er die Pläne wieder verwirft.
    Solche Pläne gab es zwar wirklich, aber der Papst konnte sie nicht durchsetzen, weil er zu früh starb.


    µ Christine I., Königin von Schweden (1632-16??)
    Königin Christine I. war die erste Königin Schwedens. Sie übernahm das Amt von ihrem Vater Gustav Adolf, der 1632 in der Schlacht bei Lützen fiel. Nach ihrem Amtsantritt förderte sie weiter das Kriegsengagement der Schweden im 30-jährigen Krieg. Lohn dafür waren reiche Landgewinne in Norddeutschland. Bis zu ihrem Tod war sie eine im Volk sehr beliebte Königin.
    Gioacchino Rossini erzählt in seiner Oper „Edoardo e Cristina“ wie die junge Königin den englischen Edelmann Edward heiraten darf, obwohl sie eigentlich mit jemand anderen, dem Königssohn der Engländer, verlobt ist. Weiters gibt es einen Film über ihr Leben, „Königin Christine“ mit Greta Garbo in der Hauptrolle erzählt ebenfalls eine Liebesgeschichte der Königin, die mit ihrer Hochzeit endet.


    µ Peter der Große
    Peter der Große war der erste Zar, der sich mit der europäischen Kultur auseinandersetzte und von den Europäern lernte. Seine Europareise führte ihn nach Italien, genauer nach Venedig. Hier spielt Gaetano Donizettis Oper „Pietro il Grande” aus dem Jahre 1819. Der Zar hielt sich ebenfalls in Holland auf, um dort die Kunst des Schiffbaues zu erlernen. Der Legende nach soll er sich als Zimmermann verkleidet haben und die Gesandten aller Länder sollen versucht haben ihn zu einem Bündnis zu überreden. Von dieser kleinen Geschichte erfuhr Gaetano Donizetti und schrieb die Oper „Il borgomastro di Saardam“ im Jahre 1832, der kein Erfolg zuteil wurde.
    Bekannter wurde die Oper „Zar und Zimmermann“ von Albert Lortzing, die heute als eine der volkstümlichsten Opern überhaupt gilt, obwohl sie zu Beginn abgelehnt wurde. Sie ist auch der Grunde, warum man Lortzing noch auf den Spielplänen der Opernhäuser findet. Leider werden seine anderen Werke kaum beachtet.


    Zeitgeschichte:
    µ Richard Nixon/Mao Tse-Tung
    Das Treffen von Richard Nixon und Mao Tse Tung im Jahre 1987 wurde von John Adams vertont. In der Oper „Nixon in China“ werden allerdings nicht die Gräueltaten Maos erwähnt, sondern die Oper ist als Aufruf zur Toleranz gegenüber fremden Kulturen zu verstehen.




    Ich hoffe Sie hatten Spaß daran, gute alte Bekannte einmal anders zu erleben.

  • Warum Idomeneo??
    Weil mir die Oper gut gefällt.


    Idomeneo, König von Kreta


    Dramma per musica in drei Akten


    Uraufführung: 29.1.1781, München (Neues Hoftheater)


    Musik: Wolfgang Amadeus Mozart
    Text: Giambattista Varesco


    Ort der Handlung: Sidon, Hauptstadt der Insel Kreta
    Zeit der Handlung: Kurz nach Beendigung des trojanischen Krieges


    Personen:
    Idomeneo, König von Kreta (Tenor)
    Idamantes, sein Sohn ((Counter)Tenor)
    Elektra, Tochter des Agamemmnon (Sopran)
    Ilia, Tochter des Priamos (Sopran)
    Arbaces, Vertrauter des Königs (Tenor/Bariton)
    Oberpriester Poseidons (Tenor)
    Stimme des Orakels (Bass)
    Volk, Schiffsvolk, heimkehrende Soldaten, gefangene Trojaner, Priester und Priesterinnen


    Handlung:


    Idomeneo handelt von dem Schwur des Königs, der beinahe ganz Kreta in eine Katastrophe stürzt.


    1.Akt
    Eine Galerie im Königspalast


    Ilia, die Tochter des Priamos, der ehemaligen Trojanerkönigs wurde im trojanischen Krieg gefangen genommen und ist nun im Königspalast. Sie ist die persönliche Kriegsbeute Idomeneos und möchte lieber sterben, als in Gefangenschaft zu leben. Weiters will sie ihre Eltern rächen und wünscht Idomeneo den Tod. Sie selbst war ihm erst vor kurzem entronnen, denn ihr Schiff war in einem Sturm gekentert, Sie wurde von Idamantes, dem Sohn Idomeneos, gerettet worden. Seitdem liebt sie ihn und hofft, dass er die Liebe erwidert.
    Ihre Konkurrentin, Elektra, die Tochter des Agamemmnon und der Klytämnestra will Idamantes ebenfalls, da sie so Königin von Kreta werden würde. Ilia befürchtet, dass die Wahl Idamantes auf Elektra fallen könnte.
    Idamantes hat aber im Moment andere Sorgen. Er vermutet, dass sein Vater in einem Sturm ums Leben gekommen ist. Er betet zu den Göttern.
    Ilia umgarnt Idamantes, der daraufhin den trojanischen Gefangenen die Freiheit schenkt. Die Gefangenen preisen seine Güte. Elektra sieht die Würde Griechenlands verletzt, wenn die Feinde so gute Behandlung erfahren.
    Arbaces kommt, er berichtet vom Tode des Königs. Ilia fühlt sich nun gerächt, tröstet aber Idamantes, der sich um Strand begibt, um zu den Göttern zu beten. Elektra ist sauer über den Lauf der Dinge, da es so aussieht, als ob sie nun doch nicht Königin werden kann.


    Szenenwechsel
    Strand mit Schiffswrack.


    Ein Schiff ist gestrandet. Die Schiffbrüchigen klagen ihr Leid, sind aber froh am Leben zu sein. Einer von ihnen ist der todgeglaubte König. Er ist aber in Sorge wegen eines Schwures, den er dem Meeresgott Neptun gegeben hat. Er hat geschworen ihm den ersten Menschen zu opfern, der ihm am heimischen Festland begegnet. Da erkennt er seinen Sohn und dreht sich weg. Idamantes, überglücklich seinen Vater lebend zu erblicken, versteht nichts. Der König verbietet Idamantes mit ihm zu sprechen und ihm zu folgen. Das kretische Volk freut sich über die Ankunft des Königs und preist den Meeresgott.


    2.Akt
    Königliche Gemächer


    Idomeneo erzählt Arbaces von seinem Schwur. Arbaces rät ihm, Neptun zu betrügen und Idamantes fort zuschicken. Idomeneo beschließt, dass Elektra Idamantes nach Argos begleiten soll. Er ahnt aber von Ilias Liebe zu seinem Sohn und befürchtet, dass das Leben aller drei durch den Zorn Neptuns beendet werden könnte. Er möchte sich vom Schwur lösen.


    Szenenwechsel
    Der Hafen von Sidon


    Elektra wartet auf Idamantes, der sich verwirrt und betroffen dem Willen seines Vaters beugt. Idomeneo segnet die beiden Reisenden. Kurz bevor die beiden in See stechen wollen, taucht ein Seeungeheuer auf. Dessen Erscheinen wird als Zorn Neptuns gedeutet, der die Tilgung einer Schuld fordert. Idomeneo betet zu Neptun und fordert die alleinige Bestrafung seiner selbst, da er der Alleinschuldige ist. Als ein Sturm aufzieht, fliehen alle.


    3.Akt
    Königlicher Garten


    Ilia singt Idamantes ein Liebeslied, da sie glaubt er sei schon auf See. Er aber hat es gehört und erwidert seine Liebe und verspricht ihr das Seeungeheuer zu besiegen. Idomeneo besteht auf die Reise. Nun will Ilia sterben und Elektra will Rache an Ilia.


    Szenenwechsel
    Großer öffentlicher Platz


    Der Hohepriester weissagt die Zerstörung Kretas, da Neptun ein Opfer fordert. Idomeneo will Idamantes nun opfern. Allgemeines Entsetzen!


    Szenenwechsel
    Vor dem Tempel des Neptun


    Das Opfer wird vorbereitet. Die Vorbereitungen werden durch Arbaces unterbrochen, der den Sieg Idamantes über das Seeungeheuer verhindert. Idamantes ist bereitet sein Leben für das Wohl Kretas zu opfern, wenn es nach dem Willen der Götter sein. Idomeneo sieht sich als Mörder seines Sohnes und umarmt ihn ein letztes Mal.
    Da ertönt Neptuns Stimme. Er fordert den Thronverzicht Idomeneos und erhebt Idamantes zum König. Ilia soll seine Frau werden und Elektra geht leer aus. Elektra bebt vor Wut verlässt Kreta.
    Idomeneo dankt mit Freuden ab und huldigt dem neuen Königspaar, ebenso freut er sich auf einen ruhigen Lebensabend. Das Volk ist erfreut und man bereitet die Krönung vor. Mit einem Jubelchor endet die Oper.




    Ich hoffe Sie hatten Freude mit dem Idomeneo, Mozarts erster großen Oper, seiner ersten nach mehr als 5 Jahren. Idomeneo war ein Auftragswerk für den Karneval in München. Er machte sich mit Freuden an die Arbeit, da er hoffte in München eine feste Anstellung zu erhalten.
    Am 29. Jänner 1781 wurde die Oper im Münchner Hoftheater uraufgeführt. Die Premiere war ein Erfolg, doch vermochte sich die Oper nicht durchzusetzen. Auch auf den heutigen Spielplänen der Opernhäuser findet man den Idomeneo nicht so häufig wie die großen italienischen Opern Mozarts, auch wenn die Aufführungszahl des Idomeneos stark zunehmen.
    Besonders zu erwähnen ist die Aufführung im Jahre 1991 bei den Salzburger Festspielen mit Luciano Pavarotti als Idomeneo.


    DIE MUSIK UND IHRE BEDEUTUNG


    Die Musik des Idomeneo ist eine Vorankündigung, worauf wir uns in den großen Opern Mozarts freuen können. So trivial möchte ich es aber nicht belassen, denn von der Dramaturgie her ist der Idomeneo den großen Opern ebenbürtig. Die Szenenfolge erfolgt zwar nach dem Opera seria-Schema, aber nicht nur das. Auch die grobe Charakteristik der Figuren entspricht den Opera seria Schemen:


    Idomeneo der Vater, der Verzweifelte, nicht der Held der Oper daher der Tenor
    Idamantes der strahlende Held und auch Frauenheld, für einen barocken Königssohn daher typisch Countertenor (in neuerer Zeit auch Tenor)
    Elektra die böse, vom Vater bevorzugt, daher Mezzosopran bzw. dunklerer Sopran
    Ilia die gute, die spätere Königin, heller Koloratursopran


    Die Musik des Idomeneo ist einzigartig in Mozarts Opernschaffen. Sie ist noch nicht in seiner Tonartenphilosophie und so genial wie in den späteren Opern, aber nicht mehr jugendlich-naiv. Besondere Highlights sind das Terzett im 2.Akt (Idamantes/Elektra/Idomeneo), die Arien der vier Hauptprotagonisten und die wuchtigen Chöre, die Mozart nie wieder in einer Oper einsetzen wird.


    Besonders bemerkenswert ist der Marsch nach der Arie der Elektra im zweiten Akt. Hören Sie einmal genauer hin. Erkennen Sie das Thema. Richtig! Es ist der Marsch aus der Hochzeit des Figaro, allerdings in leicht abgeänderter Variation.
    Mozart weist hier auf all das hin, dass von ihm noch kommen wird und er nimmt die ernsten musikdramatischen Ansätze der Belcantozeit vorweg. (Einige Szenen erinnern mich in der Musiksprache an Bellinis Norma.)


    Ich hoffe, Sie hatten Spaß mit meinem Idomeneo!



    Meine Meinung zum Idomeneo:


    Man kann also sagen Idomeneo ist die viel zu wenig beachtetste große Oper, die oft unterschätzt wird. Vielleicht wird sie wegen der Ablehnung gegenüber der Opera seria so selten gespielt. Doch ich finde die Opera seria ist ganz großes Musiktheater und sollte glechbehandelt werden wie eine Oper desBelcanto, der Klassik und des Verismo.

  • Warum La Cenerentola???
    Ich habe Rossinis Musik erst vor kurzem kennengelernt und war fasziniert von seinen komischen Opern, darum habe ich mich entschlossen La Cenerentola in mein Portfolio aufzunehmen.


    La Cenerentola (Aschenbrödel)


    Oper in 2 Akten


    Uraufführung: 25.1. 1817 Rom (Teatro Valle)


    Musik: Gioacchino Rossini
    Text: Jacopo Ferretti


    Ort der Handlung: Märchenland
    Zeit der Handlung: Märchenzeit


    Personen:
    Angelina, Stieftochter Don Magnificos (Mezzosopran)
    Don Magnifico, ein verarmter Adeliger (Buffo)
    Clorinda, leibliche Tochter Don Magnificos (Sopran)
    Tisbe, ebenfalls (Sopran)
    Don Ramiro, Fürst (Tenor)
    Dandini, dessen Diener (Bariton)
    Alidoro, Ramiros Vertrauter (Bass)
    Einige Damen (stumme Rollen)
    Diener des Don Ramiro


    Handlung: Die Oper La Cenerentola erzählt das Märchen von Aschenbrödel, allerdings in einer leicht veränderten Version.


    1.Akt:
    Ein Saal im Schlosse Don Magnificos


    Clorinda und Tisbe, die leiblichen Töchter Don Magnificos schminken sich und beschäftigen sich mit der richtigen Kleiderwahl. Da kommt Angelina, die sie Cenerentola nennen, und kehrt den Dreck, den die beiden machen weg. Angelina ist die Stieftochter Magnificos. Die beiden Töchter behandeln sie schlecht und machen dem Mädchen nur noch mehr Arbeit. Als Angelina zu singen anfängt, verbieten sie ihr sogar das.
    Da kommt ein Bettler zur Tür herein. Die beiden Töchter wollen ihn fortjagen, Angelina gibt ihm aber zu essen und zieht sich verächtlichte Blicke der beiden Töchter zu. Da kommen die Boten Don Ramiros, die verkünden, dass der Fürst eine Frau sucht und eine der beiden Töchter seine Zukünftige sein könnte. Die beiden Töchter sind außer sich vor Freude und als die Diener, der Bettler und Angelina fort sind erscheint der Vater, Don Magnifico. Ein älterer, verarmter Adeliger, der von einem komischen Traum mit einem Esel, einem Kirchturm und anderen sonderbaren Gegebenheiten erzählt, die die Geschichte vorwegnehmen.
    Nun kommt der Reitknecht Don Ramiros, um sich das Haus schon einmal anzusehen. Er tritt in zerknitterter Dienerkluft auf, doch als er zu singen anfängt, erfährt er, dass er der echte Fürst ist und sein Diener und er die Rollen getauscht haben. Er trifft Angelina, die gerade putzt und sie beginnen sich zu unterhalten. Er erkennt ihr gutes Wesen und verliebt sich in sie.
    Der prächtig angezogene falsche Fürst mustert die beiden Töchter und die beiden kriechen ihm gemeinsam mit ihrem Vater in den Hintern, da sie hoffen, so Eindruck zu schinden.
    Nach einiger Zeit zieht sich der Fürst und sein Hofstaat mitsamt falschem Diener auf das Schloss zurück.
    Da kommt Alidoro, der Berater des echten Fürsten, um Don Magnifico und seine drei Töchter auf das Fest am Abend einzuladen. Der Alte aber erklärt seine dritte Tochter sei tot, und das in Anwesenheit selbiger. Angelina fleht ihn an, dass sie sich in den vermeintlichen Diener verliebt hat und hofft ihn so wiederzusehen. Der Vater schlägt sie und droht sie sogar sie umzubringen, falls sie dort erscheine. Alidoro aber hilft ihr, indem er den Alten wegschickt. Er gibt ihr ein Kleid und sie steigen in seine Kutsche ein. Davor aber gibt er sich noch als der Bettler von vorhin zu erkennen.


    Szenenwechsel
    Ein Gang in Don Ramiros Schloss


    Don Ramiro, besser gesagt sein Diener, flirtet mit den beiden Schwestern aufs heftigste, denn schließlich soll er für den Fürsten testen, welche der beiden den besseren Charakter hat. Als er die leerausgehende darauf hinweist, dass sie den Diener heiraten müsse, wenden sich beide entsetzt vom Fürsten ab. Der falsche Diener hat alles gesehen und will die beiden schlagen. Inzwischen wetten der falsche Fürst und Don Magnifico um den Posten des Kellermeisters. Er soll den Posten erhalten wenn er je ein Glas von mehr dreissig verschiedenen Weinen trinken kann und danach noch stehen kann. Er nimmt an.
    Der falsche Diener und der falsche Fürst flirten mit den Schwestern, der eine mehr (falsche Fürst), der andere weniger (der echte Fürst als falscher Diener). Da kommt Alidoro herein und verkündet die Ankunft einer geheimnisvollen Schönen. Alle stürmen in den großen Saal, um sie zu sehen.


    Szenenwechsel
    Der Weinkeller


    Don Magnifico hat seine Wette gewonnen, allerdings hat er einen Rausch. Er diktiert den Dienern seinen ersten Brief als Kellermeister und wird dann von ihnen auch in den großen Saal getragen, denn gehen kann er nicht mehr aufrecht.


    Szenenwechsel
    Der große Saal


    Alle warten gespannt auf die Ankunft der geheimnisvollen Schönen, die ihr Gesicht verschleiert hat, um nicht erkannt zu werden. Es ist Angelina. Es wird geschwätzt und man geht zum Büffet. Don Magnifico und die beiden Schwestern sehen ihre Chance beim Fürst zu landen durch das Auftreten „der Cenerentola so ähnlichen Frau“ schwinden.


    2. Akt
    Garten beim Schloss
    Der falsche Diener trifft Angelina, die schon gehen muss, da sie vor ihrer Familie im väterlichen Schloss sein muss, da sie sonst merken würden, dass sie belogen worden wären. Er will mit ihr sprechen, doch sie gibt ihm nur einen Armreif mit den Worten:“ Wenn du den selben an meinem Arm findest, bin ich dein!“ Danach ist sie auf und davon.
    Da kommen Don Magnifico und seine beiden Töchter in den Garten. Er unterrichtet sie, dass er erwartet Fürstenhausmitglied zu werden, das heißt für eine von beiden Gemahlin des Fürsten zu werden. Er erzählt von seinen Wünschen, die aber komisch als ernst sind.
    Der falsche Diener schwört in einer großen Arie sie zu finden und macht sich auf den Weg. Da trifft er den echten Diener und die beiden tauschen wieder die Gewänder.
    Alidoro richtet sich her, alles so in die Wege zu leiten, dass sich die beiden auch wirklich finden.
    Der etwas traurige Diener ist noch im Garten geblieben, um seiner so gut gespielten Rolle nachzutrauern, wie gerne wäre er nicht Fürst! Da begegnet er Don Magnifico, dem er erzählen wird, dass er auf einen Hochstapler hineingefallen ist und alles nur Schwindel war. Der hochnäsige, eitle Don Magnifico will zuerst nicht glauben, kann aber dann nur mit Mühe davon abgehalten werden, dem Diener etwas anzutun. Er reist enttäuscht ab.


    Szenenwechsel
    Saal in Don Magnificos Schloss. Es ist Nacht.


    Angelina wartet auf den Fürsten. Es kommen aber nur die drei Verwandten nach Hause, die sich wundern, wie sehr sie der geheimnisvollen Schönen ähnlich sieht.
    Da klopft es an der Tür. Es ist Dandini, der um Quartier für die Nacht bietet, da ein Rad am Wagen gebrochen ist. (Alidoros gezielter Anschlag) Don Magnifico hat sich inzwischen zwar beruhigt aber er hat noch eine Rechnung mit Dandini offen. Er und seine Töchter staunen nicht schlecht, als der Fürst hereinkommt und er und der alte Diener dieselbe Person sind. Sie drängen ihn sich zu entscheiden.
    Er gibt seine Entscheidung bekannt: Er entscheidet sich für Angelina, da sie ein sanftes, bescheidenes Wesen hat und er sie von ganzem Herzen liebt. Sie kann ihr Glück nicht fassen. Der Fürst will ihre Familie bestrafen, doch sie erbittet Gnade für sie.


    Verwandlung
    Großer Saal im fürstlichen Schloss


    Es gibt ein großes Fest. Don Magnifico, Clorinda und Tisbe entschuldigen sich auf Betreiben des Fürsten bei Angelina. Sie nimmt die Familie in die Arme und damit die Entschuldigung an. Die neue Fürstin wird nun gefeiert.

    Ich hoffe, meine Damen und Herren, Sie hatten Freude mein Aschenbrödel zu lesen, denn ich hatte Freude daran es zu schreiben, da ich nebenbei diese grandiose Musik hören konnte. Zur Musik komme ich etwas später, nun aber zur Geschichte des Stückes.
    Rossini war in Italien schon ein ruhmreicher und berühmter Komponist, als er mit der Komposition des „Cenerentola“ beauftragt wurde. Trotz der Katastrophe des „Barbiers“ setzte man wieder auf ihn. Der Barbier wurde zwar in einem anderen Haus uraufgeführt, im Teatro Valle wurde bisher nur „Torvaldo e Dorliska“ uraufgeführt, diese allerdings mit großem Erfolg. Die Uraufführung des „Barbier“ in Rom hatte seinen Ruf in der ewigen Stadt leicht angeknackst. Die beiden Opern, die Rossini nach dem Barbier in Neapel geschrieben hatte, „La gazzetta“ und „Otello“ waren gigantische Erfolge, sodass man wieder eine neue Rossini-Oper in Rom haben wollte.
    Erste Probleme gab es schon mit dem Textdichter. Gaetano Rossi, der Textdichter von Rossinis erstem „Hit“ Tancredi (1813) hatte sogar schon einen Entwurf parat: Er plante das Leben von Francoise de Foix, der Mätresse Karls I auf die Opernbühne zu bringen, die Zensur verhinderte dies aber. (Francesca di Foix sollte erst 1831 mit der Musik von Gaetano Donizetti auf die Bühne kommen)
    Jacopo Ferretti, der Beauftragte vom Teatro Valle, fand erst zu Weihnachten einen Stoff der Rossini (sein Barbier-Libretto hatte er verschmäht) und den Zensurbehörden gefiel. Das Märchen „Cendrillon“ von Charles Pertrault, dieses Märchen sollte auch den Gebrüdern Grimm als Vorlage dienen!!
    Rossini hatte zuerst Bedenken, da auch dieser Stoff schon vertont wurde, z.B. „La buona figliola“ von Niccolo Piccini (1760), vor allem aber von Stefano Pavesi (1814).
    Da die Oper im Karneval 1817 uraufgeführt werden musste, drängte die Zeit und Rossini komponierte die Oper in nur 3 Wochen, für ihn also recht gemütlich.
    Die Uraufführung am 25. Jänner 1817 war kein besonderer Erfolg. Die Zeitungen waren wohlwollend, das Publikum eher weniger. Schon bald aber sollte sich Cenerentola durchsetzen und in Italien populärer als der Barbier werden. Nur in Frankreich, Rossinis späterer Heimat fand das Werk keinen Erfolg, da zu sehr von Pertrault Märchen abgewichen wurde.
    Cenerentola wird den meisten von den Salzburger Festspielen von 1988 bekannt sein, die Oper wurde hier mit grandiosem Ensemble (Ann Murray, Francisco Araiza, Walter Berry ua) und genialer Inszenierung sehr erfolgreich aufgeführt.


    DIE MUSIK UND IHRE BEDEUTUNG


    Um mich wieder einmal recht kurz zu fassen: Rossinis Beste. Er versteht es hier noch viel besser als im Barbier sein Ensemble zu Höchstleistungen zu treiben. Seine musikalische Komik kommt hier noch viel besser zu tragen als im Barbier, die Italienerin in Algier ist am ehesten mit dieser Komik versehen. Seine Ensemblestücke, eigentlich ist die ganze Oper ein Stück mit mindestens zwei Protagonisten auf der Bühne. Ausnahmen: 2 Arien des Don Magnifico („Miei rampolli feminini“ und „Sia qualunque delle figlie“), des beschränkten, bösen, einfältigen, Schwiegervaters. Seine Hommage an die Opera buffa Schemen. Arie des Cenerentola, auch ein zentrales Thema der Oper („Una volta c´era un re“) und je eine Arie des Prinzen und Alidoros, die meist weggelassen werden, um die Handlung zu straffen.


    Rossinis Ensembleszenen sind von Grund auf ein Highlight der Opernliteratur. In seinen komischen Opern kommen diese noch besser zur Geltung, da er hier sein Dur Crescendo einsetzt. In Cenerentola kommt es besonders „aggressiv und beinahe gefährlich“, natürlich positiv gemeint. Wie der Name Belcanto (Schöner Gesang) schon sagt, wird höchster Wert darauf gelegt, dass die Stimme virtuos verziert wird. Heute muss sich der Belcanto oft den Vorwurf anhören, dass er nur auf Schönheit und nicht auf Handlung ausgelegt ist. Dem ist entgegenzuhalten, dass auch die Koloraturen und des Crescendo als Charakteristik der Figuren eingesetzt werden kann. Die Koloraturen der Personen werden hier als Ausdruck der Jugend und der Freude eingesetzt. Das Crescendo ist einfach ein Stilmittel Rossinis, um das ganze Geschehen auf der Bühne zu verstärken.


    Besonders zu bemerken ist der Einsatz der Koloraturen mancher Personen. Angelina singt Koloraturen nur, wenn sie im Abendkleid auf dem Fest erscheint und vor der Hochzeit. Im „Armenkostüm“ bleibt sie weg von den Stimmverzierungen.
    Dandini hat eine sehr schwere Baritonpartie, wie es sich für einen Prinzen gehört. Er muss Triller, Tonleitern und ähnliche Stimmverzierungen einsetzen, aber nur solange er im Prinzenkostüm herumläuft. Ab dem Duett mit Don Magnifico, dem diese Verzierungen erspart bleiben, singt auch Dandini „einfach“. Don Magnifico bleiben die Verzierungen erspart, er muss dafür „plappern“, er hat viel Text, aber wenig Zeit. Er braucht viel Kraft aber wenig Höhe. Ein typische Buffopartie!! Meiner Meinung eine der größten. Bartolo (Barbier), Don Pasquale (Donizetti), Sulpizio (Donizetti-Regimentstochter), Taddeo (Italienerin in Algier), Falstaff und Dulcamara (Donizetti-Liebestrank) sind ebenfalls zu erwähnen.
    Don Ramiro ist das Gegenteil von Dandini, zuerst einfach, aber dem Kleidertausch Belcanto. Na ja nicht ganz; Angelina gibt ihm den Armreif schon vor dem Tausch und er hat hier schon die erste Arie mit Chor, die etwas verzierter ist. Das Duett Ramiro-Angelina im ersten Akt ist bewusst einfach gehalten, da sie ja beide Diener sind. Aber der Funke der Liebe springt über, und gerade wegen dieser Einfachheit merkt man das ganz besonders.
    Musikalische Highlights: Die ganze Oper (vor allem Scena ultima!!)


    Ich hoffe, ich konnte Ihnen, Rossinis Aschenbrödel näher bringen und wünsche Ihnen viele schöne Gänsehautmomente (davon gibt es genug) mit der Oper!


    Meine Meinung zum „Aschenbrödel“:
    Eine traumhafte Oper, die man unbedingt kennen muss!!!

  • Warum “La clemenza di Tito”???
    Weil mich das alte Rom fasziniert und weil Mozart oft historische Stoffe vertont hat. Historische Stoffe faszinieren mich allgemein.


    La clemenza di Tito


    Opera seria in zwei Aufzügen


    Uraufführung: 6.9.1791 in Prag (Altstädtisches Theater)


    Musik: Wolfgang Amadeus Mozart
    Text: Caterino Mazzolá (nach einem Libretto von Pietro Metastasio)


    Ort der Handlung: Rom
    Zeit der Handlung: 79 n.Chr.


    Personen:
    Titus Vespasianus/Tito Vespasiano, römischer Kaiser (Tenor)
    Vitellia, Tochter des Imperators Vitellio (Sopran)
    Servilia, Schwester des Sextus (Sopran)
    Sextus/Sesto, Freund des Titus (Mezzosopran)
    Annius/Annio, Freund des Sextus (Sopran)
    Publius/Publio, Anführer der Prätorianergarde (Bass)
    Senatoren, Abgesandte, Prätorianer, Liktoren, Volk


    Handlung:
    Die Oper handelt von einem Mordkomplott und der Güte eines römischen Imperators.


    1.Akt
    Ein prächtiges Zimmer der Vitellia


    Vitellia will Titus stürzen, da er ihren Vater Vitellius gestürzt hat. Weiters sieht sie in ihm den Zerstörer Roms. Sie versucht Sextus, ihren Geliebten zu einem Attentat auf den Kaiser zu überreden, doch der will nicht, da ihm die Freundschaft des Kaisers teuer ist. Vitellia, von Machtgier getrieben, möchte selbst Kaiserin werden und sie hat Angst, dass Titus´ nichtrömische Geliebte den Thron besteigen könne.
    Annius erzählt, dass Titus diese Geliebte soeben zum Wohle Roms verstoßen habe. Vitellia schwört nun erneut ein Attentat. Annius und Sextus wollen nun zu Titus gehen, um die Eheerlaubnis für Sextus´ Tochter Servilia mit Annius einzuholen.


    Szenenwechsel
    Ein öffentlicher Platz nahe dem Kapitol


    Gesandte der römischen Provinzen bringen dem Kaiser die Tribute, preisen seine Güte und huldigen ihm. Publius möchte ihm sogar einen Tempel erbauen lassen, was der Imperator aber ablehnt, da das nicht dem Wohle seines Volkes dienen würde. Titus möchte nun eine Frau aus römischem Adel zur Gattin nehmen, seine Wahl fiel auf Servlilia. Annius, am Boden zerstört, muss einsehen, dass er dem Wohl des Reiches nicht im Wege stehen darf. Titus ernennt Sextus nun zu seinem Nachfolger.
    Annius meldet Servilia die Wahl des Kaisers. Sie schwören sich ewige Liebe und sehen ein, dass das Wohle Roms im Vordergrund steht.


    Szenenwechsel
    Kaiserliches Gemach
    Publius überbringt dem Imperator eine Liste von Verschwörern gegen den Kaiser. Titus begnadigt sie, ohne die Liste gelesen zu haben.
    Servilia und Vitellia streiten. Vitellias Machtgier ist noch nicht ausgeschöpft, sie versucht weiter Sextus zu einem Attentat zu überreden. Er zögert zu Beginn noch, dann macht er sich auf den Weg zum Attentat.
    Publius und Annius erzählen Vitellia, dass der Kaiser seinen Entschluss abgeändert hätte und nun sie zur Kaiserin machen will. Titus möchte sie sprechen und lässt sie zu sich rufen. Sie ist überglücklich über die Wahl, aber entsetzt über den Auftrag, den sie Sextus soeben mitgegeben hat.


    Szenenwechsel
    Platz nahe dem Kapitol


    Sextus ist verzweifelt. Er hat es getan, er hat Vaterlandsverrat begangen, er hat Titus getötet. Da sieht er das Kapitol in Flammen.
    Das Volk flieht vor den Flammen, da erfährt man vom Tode des Kaisers. Man trauert um ihn.


    2. Akt
    Wie Vorher


    Sextus wünscht sich den Tod, und er fühlt Rache für seine Tat. Er ist erleichtert als ihm Vitellia eröffnet, dass Titus lebe und Sextus den falschen getötet habe.
    Publius nimmt Sextus trotzdem fest, da sein Opfer, ein gewisser Lentulus, überlebt hat und ihn identifiziert hat. Vitellia rechnet mit dem Todesurteil für Sextus, sie sieht nun ein, dass ihre Machtgier ihren Geliebten in den Tod bringen wird.


    Szenenwechsel
    Thronsaal


    Titus will nicht glauben, dass sein Freund Sextus ihn habe töten wollen. Annius bittet um Gande für Sextus, er glaubt ihm nicht. Erst als Publius das Todesurteil vom Senat bringt, glaubt er. Er befiehlt Sextus zu ihm zu bringen. Er ist fest entschlossen sich für die Tat zu rächen.
    Als Sextus vor Titus gebacht wird, sieht er einen gebrochenen Mann, der die Gründe für sein Verbrechen nicht preisgeben will, da sonst auch Vitellia in den Tod geschickt werden würde. Der Kaiser erkennt, dass Sextus etwas verschweigt, doch Sextus will nur seinen Tod. Irgendwann reicht es dem Kaiser und er unterschreibt Sextus´ Todesurteil.


    Szenenwechsel
    Zimmer der Vitellia


    Vitellia glaubt, dass Sextus sie verraten habe. Annius und Servilia hoffen, sie könne als zukünftige Gattin des Kaisers die Begnadigung Sextus´ erreichen. Sie beschließt zu handeln


    Szenenwechsel
    Platz vor dem Amphitheater


    Titus wünscht die Todeskandidaten zu sehen. Sextus, in Ketten ist einer von ihnen.
    Da stürmt Vitellia herein und klärt das Komplott auf, indem sie sich als Anstifterin zum Mord selbst anzeigt. Titus verzeiht ihr und Sextus und schenkt ihm die Freiheit.
    Er möchte als großmütiger Herrscher bekannt sein und nicht als blutrünstiger Schlächter. Das Volk und die Verschwörer huldigen ihm. Mit einem Jubelchor auf die Güte des Kaisers fällt der Vorhang.

    Ich hoffe Sie hatten Freude mit der Clemenza di Tito, Mozarts vorletzter Oper und der letzten altmodischen Opera seria der Opernliteratur. Sie war ein Auftragswerk des Kaisers zu den Krönungsfeierlichkeiten Leopolds in Prag. Mozart unterbrach hierfür die Arbeit an der Zauberflöte, um sich dem dringenderen Auftrag zuzuwenden. Die Arbeit ging schnell voran, obwohl ihm die Arbeit nicht sonderlich viel Freude bereitete, da er die Opera seria nicht leiden konnte.
    Mozart reiste anlässlich der Uraufführung am 2. September 1791 der Oper zum fünften und letzten Mal nach Prag (er sollte dort auch das Klavierkonzert KV 537 uraufführen, das extra für die Krönungsfeierlichkeiten geschrieben wurde, man kennt es daher als „Krönungskonzert“), dem Ort seiner größten Triumphe (Don Giovanni, Le nozze di Figaro). Dieses Mal war ihm das Glück nicht hold. Die Oper wurde kühl und distanziert aufgenommen, manche Kritiken waren sogar katastrophal. Aber die Oper war in den ersten Jahren nach Mozarts Tod nach der Zauberflöte am beliebtesten. Der Clemenza di Tito ist es zu „verdanken“, dass in den nächsten Jahren, kaum mehr Opera seria geschrieben werden sollten, da die Komponisten nichts mehr zu verbessern sahen. Erst Rossini bediente sich wieder dieser, eigentlich antiquierten und steifen Opernform, allerdings in bekannt virtuosem Belcantostil, z.B. Ciro in Babilonia, Tancredi, Semiramide, uva.
    Mozarts „Tito“ wird heute wieder öfter aufgeführt, nach Jahrzehnten der Vergessenheit ist das auch gut so, da dem Hörer einige Stücke wunderschöner Musik entgehen würden.


    DIE MUSIK


    Die Musik ist einfach und einfühlsam. Die Tonartenphilosophie kommt auch hier wieder zum Einsatz. Musikalische Höhepunkte sind das Duett Sesto/Vitellia gleich zu Beginn, die großen Sopranarien und natürlich die koloraturengespickte Partie des Sextus.
    Den Chor setzt Mozart hier nicht so wuchtig ein, wie in Idomeneo, seiner letzten Opera seria vor dem Tito. Er ist hier einfühlsam und fast schon kommentierend präsent. Im zweiten Akt findet man wunderschöne Chorszenen („Ah, grazie si regano“), die zu den großen Opernchören wie denen aus Nabucco, Fidelio, dem Troubadour uva gehören.
    Die Ouvertüre ist bekannt, da sie lange Zeit das einzige war, das man von dieser Oper hören konnte, vor allem im Konzertsaal wurde sie gerne aufgeführt.


    Bedeutend ist auch das Libretto. Man sieht das die meisten Rollen von Frauenstimmen gesungen werden. Außer Titus und Publius kommen Sopran und Mezzosopran und falls vorhanden der Countertenor. Dies entspricht noch dem barocken Schönheitsideal, das helle, hohe Frauenstimmen und tiefe Bassstimmen bevorzugt. Der Tenor wird hier eher missachtet, da er als Zwitterstimmlage galt. Darum sind die stimmlichen Anforderungen an den Sänger des Titus nicht so hoch, wie an die Damen, die in dieser Oper singen.


    Mozart bekam das Textbuch vom Hofe zugesandt, er konnte es sich nicht aussuchen. Caterino Mazzola hatte das Libretto des ehemaligen Hoflibrettisten Pietro Metastasio überarbeitet und es zur Huldigung des Kaiser, vor allem seiner Gnade und Weisheit umgeschrieben. Da Metastasio´sche Urlibretto wurde unzählige Male vertont, unter anderem auch von Christoph Willibald Gluck (1752).


    Abschließend noch eine kleine Empfehlung meinerseits: Sehen Sie sich die Oper auf DVD an, aber achten Sie darauf, dass sie keine grauenhafte Modernisierungsversuchsinszenierung wie jene bei den Salzburger Festspielen 2004 erwischen. Nehmen Sie lieber eine Inszenierung aus Glyndebourne!!!


    Ich hoffe, ich konnte Ihnen die letzte klassische Opera seria etwas schmackhafter machen.


    Meine Meinung zum Titus:
    Eine grandiose Oper, die zu Recht als letzte klassische Opera seria bezeichnet werden kann, denn, was soll man noch besser machen. Mozart hat das beste aus dem „verstaubten“ Opera seria Prinzip herausgeholt.

  • Warum „Les Indes galantes“??


    Warum ich die galanten Inder gewählt habe um Rameau vorzustellen, werden sich nun einige fragen. Die Antwort ist kurz und bündig: Ich wollte sie nicht mit einem der griechischen Mythologie entnommenen Thema langweilen. Nicht, dass ich die Mythologie der alten Griechen langweilig fände, aber die komplizierte Erzählweise in der Tragedie-lyrique und der Grand Opera machen das Erzählen sehr schwer. Darum habe ich einen leichteren Stoff gewählt. Und außerdem ist es ein wunderschönes Bühnenwerk mit grandioser Musik, auch wenn die Charaktere nicht sehr tiefgründig beschrieben werden.


    Les Indes galantes


    Opera-Ballett in einem Prolog und vier Akten


    Uraufführung: 23.8.1735 Paris (Grand Opera)


    Musik: Jean Philippe Rameau
    Text: Louis Fuzelier


    Ort der Handlung: Türkei, Peru, Persien, Nordamerika
    Zeit der Handlung: 16. Jahrhundert


    Personen:
    Hebe (Sopran)
    Bellona (Bariton)
    Amor (Sopran)
    Osman (Bass)
    Emilie (Sopran)
    Valerian (Tenor)
    Huascar (Bass)
    Phani (Sopran)
    Don Carlos (Tenor)
    Tacmas (Tenor)
    Ali (Bariton)
    Zaire (Sopran)
    Fatime (Sopran)
    Adario (Bariton)
    Damon (Tenor)
    Don Alvaro (Bass)
    Zima (Sopran)
    Priester, Offiziere, Soldaten, Aufseher, Wachen, Händler, Gefangene, Sklaven & Sklavinnen, Volk


    Handlung:
    Die Oper erzählt vier kleine Geschichten um das wichtigste im Leben, die Liebe.


    Prolog
    Vor dem Tempel der Hebe


    Hebe empfängt Jugendliche aus vier Ländern der Erde. Sie alle feiern und tanzen zum Wohl der Hebe. Da erscheint Bellone, der die Jugendlichen auffordert mitzukommen um Triumphe am Schlachtfeld zu feiern. Bellone führt die Jugendlichen fort. Da kommt Amor und schickt seine Amoretten, seine Helfer, in alle Welt, da diese mehr Triumphe feiern werden, als Bellones Streiter. Amor und Hebe fordern die Amoretten auf, sich in die fernsten Länder der Welt zu zerstreuen.


    1.Akt „Der großmütige Türke“
    Die ans Meer grenzenden Gärten des Pascha Osman


    Emilie wurde von Piraten entführt und befindet sich nun in den Fängen des Paschas Osmin, der sie zu seiner Geliebten machen will. Sie aber will, von ihrem Geliebten Valerian, einem Edelmann, getrennt, den Tod.
    Ein Sturm kommt auf, Schiffbrüchige, in Ketten, retten sich an den Strand. Emilie kümmert sich um einen von ihnen. Es ist Valerian, der auf der Suche nach Emilie, von den Piraten Osmans gefasst wurde. Es stellt sich nun heraus, dass beide Osmans Sklaven sind. Emilie erklärt Valerian die Lage und die beiden versichern sich erneut ihrer Liebe. Da kommt Osman, der Valerian töten lassen will, da er sein Liebesgeständnis an Emilie belauscht hatte. Die beiden beginnen zu streiten.
    Da erkennt er Valerian als seinen ehemaligen Herren. Osman beschließt den beiden die Freiheit zu schenken, da ihm von Valerian dasselbe geschenkt wurde. Nun erkennt auch Valerian seinen ehemaligen Sklaven.
    Osman geht zwar traurig davon, ist aber glücklich gutes getan zu haben. Valerians Schiffe kommen und man feiert die Wiedervereinigung des Paares.
    Die Liebe hat über die Gewalt triumphiert.


    2.Akt „Die Inkas von Peru“
    Einöde in Peru, im Hintergrund eine ein kahler Berg


    Don Carlos, ein spanischer Konquistador und Phani, eine Inkasprinzessin lieben sich, sie wollen sogar heiraten. Sie hat aber Angst vor ihrem Volk und der Rache der Götter, denen man heute im Fest der Sonne huldigen wird. Phani wird mittendrin, statt nur dabeisein. Carlos verspricht ihr, seine Kameraden zu holen und sie zu befreien.
    Huascar, ein edler Inka möchte sie, so sagt er, nach dem Willen der Götter, heiraten. Er beleidigt die europäische Kultur im Allgemeinen und die Konquistadoren im Speziellen. Phani verteidigt beide und Huascar ahnt, dass sie einen Europäer liebt.
    Da kommen Priester, das Volk und man begeht das Sonnenfest.
    Auf einmal bebt die Erde. Das Volk gerät in Panik, zu allem Überfluss droht auch der kahle Berg, ein Vulkan, auszubrechen. Alles flieht.
    Huascar fordert Phani auf seine Gattin zu werden, da ihr sonst der Tod gewiss sei. Da erscheint Carlos, der zurückgekehrt ist, um sie zu befreien. Er entreisst Huascar Phani und flieht mit ihr glücklich vereint. Da bricht der Vulkan aus. Seine Trümmer begraben Huascar unter sich.
    Die Liebe hat nun sogar eine Naturgewalt überstanden.


    3.Akt „Die Blumen- Ein persisches Fest“
    In den Gärten von Alis Palast


    Tacmas, ein persischer Fürst, hat sich als Haremshändlerin verkleidet und sich so in die Gärten seines Freundes Ali eingeschlichen, um so den Charakter seiner Auserwählten zu prüfen. Er trifft Ali und erzählt ihm von seiner Liebe zu Alis Sklavin Zaire. Er fürchtet, Ali könnte auf Zaire bestehen, doch er erzählt ihm, dass sie ihn bisher kaum beachtet hatte. Nun gesteht Ali seinem Freund seine Liebe zu dessen Sklavin Fatime, die bisher Tacmas keines Blickes gewürdigt hatte.
    Ali verspricht Tacmas zu helfen, bis zum Blumenfeste werde er mit ihr vereint sein. Ali geht, um das Fest weiter vorzubereiten.
    Kurz darauf trifft Tacmas Zaire, die ihm (er ist immer noch verkleidet) erzählt, dass sie verliebt sei. Er vermutet einen Nebenbuhler. Er zeigt ihr, unter dem Vorwand ihr Kunst zu zeigen, sein Porträt. Sie benimmt sich eigenartig und geht seufzend von dannen.
    Tacmas will ihr nach und wird von einer polnischen Sklavin um Hilfe gebeten. Die Sklavin ist zwar eine Sklavin, jedoch keine Polin. Es ist Fatime, die Tacmas um Hilfe in Liebesdingen bittet. Sie erzählt ihm, dass sie unsterblich in den Herren dieses Anwesens verliebt sei, jedoch nicht wisse, wie sie es im sagen solle.
    Ali führt Zaire herein. Tacmas und Ali reden über den Nebenbuhler des Tacmas, der daraufhin einen Dolch zieht. Fatima wirft sich in den Staub und bittet um Gnade bei ihrem Herren, den sie nun erkannt hat. Tacmas übergibt Fatima Ali und die beiden fallen sich verliebt in die Arme.
    Zaire gesteht Tacmas ihre Liebe, sie hatte bei dem Bild nur Sehnsucht bekommen. Die beiden Paare sind nun vereint und man feiert das prächtige Blumenfest mit Musik, Tanz und einem kleinen Schauspiel.
    Die Liebe hat einen zweifachen Triumph gefeiert.


    4.Akt „Die Wilden“
    Eine Lichtung in Nordamerika


    Adario, der Anführer der Krieger eines Eingeborenenstammes, plant mit seinen Kriegern das Fest des Friedens gemeinsam mit den französischen und spanischen Kolonialisten zu feiern. Er sieht keine militärische Bedrohung mehr für den Stamm durch die Europäer, jedoch sieht er den Anführer der spanischen Truppen, Don Alvar und den Anführer der französischen Truppen, Damon, als Bedrohung für seine große Liebe Zima, der Tochter seines Stammeshäuptlings. Und er sollte Recht haben.
    Als die beiden genannten auftauchen, versteckt er sich. Zima weist die sehr stürmische Werbung des Spaniers und die sehr romantische Werbung des Franzosen zurück. Die beiden wirken auf Zima sehr gekünstelt und verlogen. Der Spanier liebe zu stark und der Franzose zu schwach, meint sie.
    Da taucht Adario wieder auf. Sie liebt ihn und gesteht es ihm nun. Sie hat ihm sein Herz geschenkt, da er ehrlich liebt. Adario ist überglücklich.
    Beinahe kommt es zum Kampf zwischen Damon, der sie anscheinend wirklich liebt (im Gegensatz zu Don Alvar) und Adario, der nur von Trompetenfanfaren verhindert wird. Zima und Adario wollen sich auf dem Fest vermählen, sehr zum Ärger der beiden Europäer. Trotz alledem wird man gemeinsam auf das Fest.
    Das Indianervolk, das französische Kolonialistenvolk und das spanische Kolonialistenvolk feiern ein großes Friedensfest.
    Amor hat nun auch die Gewalt besiegt, denn nun herrschen Frieden und Liebe vor.

    Ich hoffe meine Damen und Herren meine „Galanten Inder“ haben ihr Interesse an der Musik des Jean Philippe Rameau geweckt, den ich ihnen nun näher bringen möchte, da er mein absoluter Lieblingskomponist aus Frankreich ist.


    JEAN PHILIPPE RAMEAU


    Zuerst möchte ich kurz mit der Biografie des Komponisten beginnen:


    Jean Philippe Rameau wurde am 25.9 (Taufdatum).1683 in Dijon als Sohn eines Organisten geboren. Wahrscheinlich erhielt er den ersten Musikunterricht bei seinem Vater, aber so genau weiß man das nicht, denn viele Jahre seines Lebens, vor allem seine ersten 40 Lebensjahre sind im Dunkel der Geschichte verschwunden.
    Fest steht aber, dass er im Alter von 18 Jahren beschloss Musiker zu werden, darum ging er für einige Monate nach Italien, um dort zu studieren.


    Im Jahr 1702 wurde er Organist in Clermont. Vier Jahre später wurde er Organist in Paris, wo er Louis Marchand, den damals berühmtesten Organisten Frankreichs hörte, der manchen durch einen Wettkampf mit J.S. Bach ein Begriff ist. Marchand inspirierte Rameau zu seinem ersten Livre de pièces de clavecin, einem Band mit Cembalostücken, zwei weitere sollten folgen (1724 & 1728).
    Im Jahre 1709 starb sein Vater und Rameau wurde sein
    Nachfolger an der Notre Dame in Dijon.
    Im Jahre 1713 findet man ihn in Lyon und kurz darauf in Clermont wieder, genaueres weiß man auch hier wieder nicht.


    Ab dem Jahre 1722/23 wird Rameau in Paris bleiben. Er sollte es nie wieder verlassen.
    Seit 1723 lässt sich Rameaus Interesse an der Oper nachweisen, 1733 erfolgt die erste und entscheidende Berührung mit der Bühne durch "Hippolyte et Aricie"; mit diesem Werk beginnt die Reihe der großen und bedeutenden Opern Rameaus.
    1745 erhält Rameau den Titel eines königlichen Komponisten der Kammermusik.
    1750 erschien sein theoretisches Werk "Dèmonstration du principe de l'harmonie".
    Am 12.9. 1764 stirbt Rameau in Paris.


    WERKE


    32 Opern (Opera-ballettes und Grand Opera, hier die wichtigsten:
    Hippolyte et Aricie 1733
    Les Indes galantes 1735
    Castor et Pollux 1737
    Dardanus 1739
    Platee 1745
    Le Princesse de Navarre 1745
    Pygmalion 1748
    Nais 1749
    Anacreon 1754
    Zoroastre 1756
    Les Boreades 1764, erst 1964 uraufgeführt


    Klavierwerke:
    3 livres de pièces de clavecin 1708, 1724, 1728


    Vokalmusik
    7 cantates profanes (1720-1730)


    Orchestermusik
    Opernsuiten, Suiten, Kammermusik


    Geistliche Werke
    4 Grand Motets (große Motetten)


    AUSWIRKUNGEN AUF DIE NACHWELT


    Rameau war der erste der Lullys uneingeschränkte Vorherrschaft auf den Opernbühnen Frankreichs brechen konnte. Dies geschah durch die Uraufführung seiner ersten Oper „Hippolyte et Aricide“ im Jahre 1733. Viele andere Komponisten hatten nach Lullys Tod 1687 seine Vormachtstellung zu brechen, unter ihnen Antonio Caldara, Marc-Antoine Charpentier, der Komponist des Te Deums, aus dem später die Eurovisionshymne herausgenommen werden sollte, und vielen mehr ist es nicht gelungen die Opernbühnen permanent zu erobern.
    Rameau war der erste, der es schaffte. Nun war er der König der französischen Oper.


    Lernen Sie Jean Philippe Rameau kennen, sie werden es nicht bereuen, am besten mit dieser CD:



    Darauf finden sie viele Suiten und Orchesterstücke, die in Rameaus Opern vorkommen, unter anderem auch Teile aus dem 2. und dem 4. Akt.





    Wie hat es mir gefallen??
    Gut. Eine leichte Geschichte mit toller Musik, was will der Opernfreund mehr. Ok, die stimmliche Virtuosität der Sänger wird nicht so gefordert, wie bei den italienischen Barockopern, aber trotzdem hat das leider viel zu selten gespielte Werk seinen Reiz.

  • Warum Lorenzo da Ponte?
    Weil er ein interessantes Leben hatte und weil er eine bedeutende Persönlichkeit in der Operngeschichte ist.
    Lorenzo Da Ponte
    In Ceneda (nördlich von Venedig; heute Vittorio Veneto) wurde am 10.März 1749 dem jüdischen Lederhändler Geremia Conegliano und dessen Frau Ghella ein Sohn geboren, dem er den Namen Emanuele gab. Nach dem Tod der Frau wollte Geremia seinen 3 Söhnen wieder eine Mutter geben. Wegen der kaum 17- jährigen Braut konvertierte der Vater samt den Söhnen zum katholischen Glauben.
    Es ist in den Büchern des Klosters „Da Ponte" vermerkt, daß der Abt Lorenzo den jüdischen Lederhändler samt den 3 halbwaisen Söhnen am 29. August 1763 taufte. Der Abt gab Emanuele seinen Namen. Die neue Stiefmutter bescherte Lorenzo in den nächsten Jahren noch 3 Brüder und 11 Schwestern.
    Nach dem Tod seines Paten, der ihn als erster gelehrt hatte, durfte Lorenzo am Seminar von Portogruaro studieren. Schon nach einem Jahr wurde er dort Lehrer, und bald darauf, 1770, Vizedirektor des Seminars. 1773 wurde er zum Priester geweiht.
    Es entsprach der geistliche Stand "so wenig meinem Temperament und Charakter, meinen Grundsätzen und Lieblingsbeschäftigungen, dass er notwendig zu vielerlei sonderbaren Begebenheiten Anlass wurde." Dieser Satz in seinen Memoiren sagt in dezenter Weise aus, wie es wirklich war. Zu bedenken ist aber, dass damals der Bildungsweg nur zwei Möglichkeiten kannte: über den Adel und die Kirche.
    Von einem Tag auf den anderen ließ er Kirche und Posten fahren. Grund war eine heißblütige Venezanerin, Angela Tiepolo, deren "Cavaliere Servente" er war. In deren Kreisen freundete er sich mit bedeutenden Dichtern an.
    Schließlich flüchtete er aus Venedig, kehrte aber auf Drängen der Geliebten zurück, überlebte ein von ihr angestiftetes Attentat, wurde am Seminar Treviso Professor für Literatur. Für eine Feier schrieb er Gedichte, die ihn als staatsgefährdenden Revolutionär verdächtig machten.
    Ihm wurde gekündigt und er fand beim Senator Bernardo Memmo, ein Schüler Casanovas Aufnahme. Nachdem ihn dessen Tochter der Verführung anklagte, musste er das gastliche Haus verlassen. Nach einem Aufenthalt in Padua kehrte er zum dritten Mal nach Venedig zurück.
    Diesmal wohnte er beim Senator Antonio Zaguri. Sein neuerliches Verhängnis hieß Angioletta Belaudi, sie gebar ihm 3 Kinder, das dritte Kind auf der Flucht vor ihrem Haus, das sie wegen eines Mordkomplotts ihres Gatten verließ. In der "Bocca del Leone" wurde eine Anklage gegen Lorenzo deponiert. Das darauf folgende Verfahren schloss mit 15 Jahren Verbannung, Lorenzo floh rechtzeitig nach Görz.
    Zu seiner Ehrenrettung soll erwähnt werden, dssß seine moralischen Verfehlungen nicht der wahre Grund für das Urteil waren, vielmehr hatte er sich in fortschrittliche Kreise begeben und ein Sonett auf Giorgio Pisani - einen glühenden Patrioten - verfasst, das bald Tagesgespräch in der Lagunenstadt war.
    In Görz logierte er in einem Gasthof bei einer schönen Wirtin, deren Reizen er bald erlag. Hier widmete er eine Ode "Wettstreit der Vögel" dem Grafen Cobenzl, wodurch er Bekanntheit erlangte. In die Zeit in Görz fallen auch die ersten Arbeiten fürs Theater. Und wieder verfasste er ein Pamphlet, diesmal für einen Verleger gegen Joseph von Coletti.
    Einer fingierten Einladung folgend reiste er nach Dresden zum dortigen Hofdichter Mazzola. Neben der Arbeit an Mazzolas Seite fürs Theater verliebte er sich in die beiden Töchter des Malers Guiseppe Varese - und in deren Mutter. Seine eigene Angaben zufolge wurde er neuerlich Opfer von Intrigen und musste fliehen – diesmal nach Wien
    Man schrieb das Jahr 1782. Die folgenden 9 Jahre sollten die Erfüllung seines Lebens bedeuten. Durch die Empfehlung Mazzolas kam er zu Antonio Salieri. Und er traf Pietro Metastasio, den "poeta cesareo", kurz vor dessen Tod, wurde gar Kaiser Josef II vorgestellt, der sein Protektor wurde. 1784 verfasste er das 1. Libretto, „Il ricco d' ungiorno" für Salieri. Werke für Vincente Martin y Soler (genannt Padre Martini), Guiseppe Gazzaniga, Giovanni Paisiello, Bianchi, Weigl, folgten. Und natürlich er, Mozart. Für ihn schrieb er 3 Libretti, durch die sie beide unsterblich wurden: 1786 „Le nozze di figaro“, 1787 „Don Giovanni“ und 1790 „Cosi fan tutte“. Insgesamt schrieb er in Wien 19 „Bücheln“, wie es Mozart bezeichnete. Darunter “Un cosa rara”(Soler), “L'arbore di diana”(Soler). Die meisten Werke dieser Epoche stehen im Schatten Mozarts und wurden vergessen.
    Im Jahr 1787 scheint der Höhepunkt seiner Schaffenskraft zu liegen: Er verfaßte gleichzeitig drei Libretti: für Mozart "Don Giovanni", für Salieri "Assur" und für Martini "L' arbore di Diana". In seinen Memoiren liest sich das folgendermaßen:
    "Sobald ich zu Hause war, begann ich zu schreiben, zwölf Stunden hintereinander, eine Flasche Tokaier zur Rechten, das Tintenfass in der Mitte, eine Schachtel Sevilla- Tabak zur Linken. Ein schönes sechzehnjähriges Mädchen kam herbei, sooft ich schellte. Und das tat ich, recht oft und besonders, wen ich merkte, dass mein poetisches Feuer zu erkalten begann. ..." In dreinundsechzig Tagen waren die ersten beiden Opern ganz und fast zwei Drittel der letzten fertig."
    Er wäre nicht Da Ponte, hätte nicht auch die Liebe in Gestalt der Sopranistin Gabriele de Bene, nach ihrem Geburtsort "La Ferrarese" genannt, eine bedeutende Rolle in jenen Tagen gespielt und den Grundstein für neuerliche Probleme gelegt. Deren Gatte, der Römer Luigi Del Bene schien die Liaison zu dulden, aber Salieris Favoritin, die Sängerin Catarina Cavalieri, fühlte sich durch Da Ponte benachteiligt. Nach diversen Streitereien wandte er sich in einem Brief an Kaiser Leopold, Josef II. Nachfolger auf dem Habsburgerthron, der ihn offenbar nicht unterstützte. Leopold verwies ihn 1791 der Stadt. Er nahm in der Hinterbrühl Quartier, wurde auch hier verwiesen.
    Im Sommer war Da Ponte in Triest, wo er beim durchreisenden Kaiser Audienz erhielt, der aber anscheinend auf die Bitten nicht im gewünschten Ausmass eingegangen sein soll.
    Hier in Triest nahm sein Leben eine Wendung: Er lernte die Tochter eines Kaufmanns kennen, Nancy Grahl, mit der er unter seltsamen Umständen ehelich verbunden wurde.
    Im Spätsommer 1792 verließ er Triest. Er wollte nach Paris, ging aber auf Anraten Casanovas nach London. Im dortigen Theatermilieu traf er auf alte Bekannte aus Wien, den Komponisten Stephen Storace, dessen Schwester Ann, den Tenor Michael Kelly. Nach einem kurzen Zwischenspiel in Holland wurde er 1793 Impressario am King's Theater. Von 1794 bis 1804 sind 28 Premieren mit seinen Texten verzeichnet. Im Herbst 1798 reist er für 5 Monate nach Italien.
    Zurück in London fand er sich seines Amtes als Impressario enthoben. Lorenzo wurde nun Buchhändler, allerdings erfolglos. Er hatte Wechsel für den Parlamentarier Taylor mit unterschrieben und wurde 3 x verhaftet, weil sein Partner das Vorrecht genoss, "schuldenhalber nicht in das Gefängnis gesteckt werden zu können".
    Lorenzo schickte Frau und Kinder nach Amerika und folgte ihnen 1805 nach. In New York angekommen, wurde er Spezereienhänder. Auch hier gab es riskante Unternehmen, fragwürdige Partner, Bürgschaften. Amerikanische Biographen nannten ihn einen "professionellen Bankrotteur". Zum Beispiel hatte er sich 1811 in Pennsylvania als Branntweinerzeuger und Apotheker versucht.
    1811 wieder in New York beginnt der letzte Abschnitt seines Lebens. Hier wirkte er durch seine Förderung der italienischen Sprache. Seine Memoiren sind nicht nur die Schilderung seines Lebens, sie sind ein beredtes Zeugnis seiner Epoche. Und er trat für die Oper ein, bis dahin in Amerika kaum beachtet. Ende November1825 wurde der "Barbier von Sevilla" als erste Oper in New York gegeben, Mai 1826 "Don Giovanni". Es war Lorenzo vergönnt, den Erfolg seiner Werke erleben zu können.
    1831 starb seine geliebte Nancy.
    Er gewann Sponsoren für den Bau eines Opernhauses, das 1832 mit Rossinis „La Gazza Ladra“ eröffnet wurde. Der wirtschaftliche Erfolg stellte sich, wie leider bei allen seinen Projekten, nicht ein. Lorenzo verließ den Direktionsposten, 1836 brannte die Oper ab.
    Er betrieb neuerlich einen Buchladen, hat aber keinen wirtschaftlichen Erfolg.
    Am 17. August 1832 stirbt Lorenzo Da Ponte in seiner Wohnung in New York
    3 Tage später wurde er mit einem imposanten Trauerzug zu Grabe getragen.
    Es sollte ihm ein würdiges Grabmal errichtet werden. Da aber der Plan dazu immer wieder verschoben wurde, war es rund 50 Jahre nach seinem Tod nicht mehr auffindbar. Der damalige Friedhof liegt in der Gegend der heutigen 11. Straße.

  • Warum Macbeth???
    Siehe „Die Räuber“
    Macbeth
    Tragödie in 5 Akten
    Von William Shakespeare


    Wichtige Personen:


    Duncan, König von Schottland
    Malcolm und Donalbain, seine Söhne
    Macbeth und Banquo, Anführer des königlichen Heeres
    Fleance, Banquos Sohn
    Lady Macbeth
    Hekate und drei Hexen
    Macduff, schottischer Edler


    Ort der Handlung: Schottland
    Zeit der Handlung: im 11. Jahrhundert


    Der Inhalt des Buches:


    Nach einer gewonnenen Schlacht erscheinen Macbeth und Banquo drei Hexen. Macbeth sagen sie voraus, dass er der Than (schottischer Landherr) von Glamis und Cawdor und schließlich König werden wird. Banquo sagen sie das aus seinem Geschlecht viele Könige entstammen werden, auch wenn er keiner ist. Danach verschwinden sie.
    Kurz darauf bringen ihnen Edelleute die Nachricht, dass der König, Macbeth zum Than von Glamis und Cawdor ernannt hat. In der kommenden Nacht übernachtet der König in Macbeths Schloss. Als Lady Macbeth von ihrem Gatten die Prophezeiung hört, überredet sie ihn den König zu ermorden. Sie tun es schließlich und die Prophezeiung erfüllt sich, da die beiden Söhne Duncans aus Furcht nach England fliehen. Dadurch fällt der Verdacht auf sie und Macbeth wird König.
    Doch er fühlt sich immer noch bedroht und zwar durch Banquo und seinen Sohn Fleance. Er beauftragt Mörder die beiden umzubringen. Aber Fleance entkommt ihnen. Bei der Krönungsfeier erscheint Macbeth der Geist von Banquo. Daraufhin sucht er die drei Hexen auf. Sie sagen ihm das erst wenn der Birnamswald zu gehen beginnt und ein Mann der nicht von einer Frau geboren wurde gegen ihn kämpft, wird er fallen.
    Da Macduff (ein schottischer Edler) nicht bei der Krönungsfeier war und nach England geflohen ist lässt Macbeth seine Familie ermorden. Daraufhin ziehen Macduff und Malcolm mit einer Englischen Armee nach Schottland um Macbeth zu stürzen. Dort angekommen schließen sich ihnen auch die anderen schottischen Edelleute an. Sie befehlen dass jeder Soldat einen Zweig nimmt um so ihre wahre Truppenstärke zu verbergen. So marschieren sie nach Dunsinan (Macbeths Festung). Für ihn sieht es so aus als ob
    der Birnamswald laufen würde. Doch er entscheidet sich trotzdem zu kämpfen.
    Währenddessen begeht seine Frau Selbstmord, da sie Nacht für Nacht von Erinnerungen an ihre Mordtat gequält wird.
    In der darauf folgenden Schlacht kommt es zum Zweikampf zwischen Macbeth und Macduff. Es stellt sich heraus das Macduff nicht geboren, sondern aus dem Mutterleib herausgeschnitten wurde. Schließlich tötet er Macbeth und Malcolm wird rechtmäßiger König.


    Interpretation


    Shakesspears Drama spielt in einer Zeit in der Verrat, Mord und Krieg an der Tagesordnung standen. Niemand blieb davon verschont. Auch Macbeth nicht. Er stand bis zum Treffen mit den Hexen völlig loyal zu seinem König. Die Prophezeiung allein hätte wahrscheinlich nichts daran geändert. Doch als sich ein Teil von ihr bewahrheitet, schwankt er bereits. Seine Frau gibt ihm schließlich den letzten Schubs. Nun erliegt auch er, einer der treuesten Gefolgsleute, der Machtgier. Das der König in seiner Burg übernachtet, sehen sie als Wink des Schicksals, und töten ihn.
    Obwohl am Ziel, beginnt Macbeth plötzlich, wie jeder Machtgierige Mensch in allem und jedem einen Feind zusehen. Dies ist dann auch sein Untergang.
    Letztlich ist auch er nur ein Opfer einer Intrige. In diesem Fall waren die Drahtzieher die Hexen.
    Man könnte Lady Macbeth möglicherweise als machtgierig bezeichnen. Schließlich ist es sie, die ihren Mann dazu überredet Duncan zu töten. Es wird auch deutlich zu welcher Zeit Shakespeare das Stück verfasst hat, da sie keinen eigenen Namen trägt.
    Banquo war stets ein treuer Freund von Macbeth. Er hätte wohl niemals erwartet, dass sein Freund den König und ihn ermorden würde.
    Ich denke Shakespeare zeigt mit diesem Stück, dass die Aussicht auf Macht, selbst bisher treue Menschen zu Fall bringen kann. Er steht dem was er schreibt, neutral gegenüber.
    Macbeth ist eine von vielen Königstragödien Shakespeares. Macbeth hat wirklich gelebt, und zwar im 11. Jahrhundert nach Christus. Shakespeare hat Macbeths Leben zwar nicht biografisch aufbereitet, allerdings ist dessen Wahn historisch bewiesen.
    Shakespeares Stück zeigt, wie leicht sich Menschen, die ihre Ziele zielstrebig verfolgen, manipulieren lassen. Er stellt das Streben der Menschen als sinnlos da, da man am Ende sowieso scheitert, wie eben auch Macbeth, der es nicht schafft, seine Dynastie an der Macht zu halten. Macbeths Wahnvorstellungen erinnern mich an Erzählungen vom „Cäsarenwahn“ im antiken Rom, wonach die römischen Kaiser aufgrund der Verantwortung, die auf ihren Schultern lastete, wahnsinnig wurden. Bestes Beispiel ist Kaiser Nero, der Rom ja bekanntlich anzünden ließ.


    William Shakespeare
    William Shakespeare wurde laut Kirchregister am 26. April 1564 in Stratford-on-Avon, Warwickshire, getauft, sein Geburtstag wird heute der Einfachheit halber auf den 23. April datiert.
    Stratford-on-Avon besaß eine Schule von gutem Rufe, die Teilnahme war frei, da der Unterhalt der Schule vom Bezirk getragen wurde. Diese Tatsache lässt vermuten, dass William eine gute Ausbildung erhielt. Diese konzentrierte sich zur damaligen Zeit auf das Studium der lateinischen Sprache, Dichtung und Geschichte. William besuchte keine Universität.
    Im Jahre 1582 - im Alter von ganzen 18 Jahren - heiratete er die einige Jahre ältere Anne Hathaway.
    Wann genau Shakespeare nach London übersiedelte, ist nicht bekannt.
    Ab 1594 gehörte er als Schauspieler den "Lord Chamberlain´s Men" an. Diese Truppe besaß mit Richard Burbage den besten damaligen Schauspieler, später das beste Theater, nämlich das Globe, und den besten Dramatiker - William Shakespeare.
    Shakespeare galt als gewandter Geschäftsmann. Aus seinem privaten Leben sind nur wenige Details bekannt, private Briefe sind nie ans Licht der Öffentlichkeit gelangt.
    William Shakespeare starb am 23. April 1616.


    Meine Meinung zu Macbeth:
    Mir gefällt Macbeth gut, da ich Königsgeschichten sehr mag. Weiters mag ich Schottland und da passt es einfach gut, dass die Geschichte in Schottland spielt. Es ist nicht Shakespeares bestes Werk, meiner Meinung nach sind „Othello“ und „Julius Cäsar“ bei den Tragödien besser, aber das Werk hat durchaus seinen Reiz und ist sehr lesenswert. Mir gefallen Shakespeares Tragödien im Allgemeinen sehr gut, da sie relativ leicht lesbar sind (Hamlet ist für mich eine Ausnahme) und immer spannend bleiben.


    Allen Kennern der Opern wird Macbeth eher durch Giuseppe Verdis gleichnamige Oper (sehr empfehlenswert) bekannt sein, die auf Shakespeares Tragödie basiert.

  • Warum Maria Stuart??
    Weil mich große historische Persönlichkeiten sehr interessieren und weil es eben über sie viele Werke gibt, die man interpretieren kann.


    Maria Stuart


    Maria Stuart (1542-1587), Tochter König Jakobs V. von Schottland und dessen zweiter Frau, Maria von Guise wird am 8.Dezember 1542 geboren und nur wenige Tage später als Nachfolgerin ihres Vaters zur Königin erhoben. Maria wird im Alter von fünf Jahren dem Thronerben von Frankreich, Franz II versprochen.
    Sie wächst in Frankreich auf und wird 1558 mit dem Dauphin verheiratet. Im selben Jahr stirbt in England Maria I und England wird von nun an von Elisabeth regiert. Maria Stuart erhebt allerdings Anspruch auf die Krone und so werden die beiden Königinnen zu Rivalinnen. Diese beiden Frauen sind so unterschiedlich, wie es nur sein kann. Als am 10. Juli 1559 Heinrich II stirbt, übernimmt Franz II den französischen Thron, er stirbt jedoch schon im folgenden Jahr.
    Nach dem Tod ihres Gatten kehrt Maria Stuart 1561 nach Schottland zurück. Nun ist sie nicht mehr Königin von Frankreich. Die vom Schicksal so früh beglückte Frau muss sich nun mit weniger zufrieden geben. Zum leitenden Minister ernennt sie ihren Halbbruder Jakob Stuart, den sie wenig später zum Earl of Moray macht. Er ist ein mächtiger Mann und ein guter Politiker.
    Bald soll Maria wieder heiraten und so beginnt der Heiratsmarkt von neuem. Maria Stuart verliebt sich in Henry Darnley, den sie 1565 heiratet. Nach einiger Zeit fordert Darnley die Krone auf Lebenszeit. Erst da erkennt Maria Stuart den wahren Charakter ihres Gatten.
    Marias Sekretär und Berater ist der Florentiner David Rizzio, ihm vertraut sie. Er ist ein Katholik und Günstling bei Hofe. Außerdem stellt James Hepburn, der vierte Earl of Bothwell, seine Dienste der Königin zur Verfügung. Dem König wird nun eingeredet, Rizzio stehe seinem Streben nach der Krone im Weg. So stellt sich der König an die Spitze einer Verschwörung der Lords, gegen seine eigene Frau, die Königin. Ergebnis dieser Verschwörung war 1566 die Ermordung David Rizzios.
    Am 9. Juli. 1566 kommt der Sohn von Maria Stuart und Henry Darnley zur Welt. Er ist der rechtmäßige Thronerbe von Schottland nach Marias Tod.
    Anfang 1567 lässt der Earl of Bothwell Darnley ermorden. Eine Mitwisser- oder gar Mittäterschaft Marias bei Darnleys Ermordung kann nie bewiesen werden. Bothwell kommt vor ein Scheingericht und wird freigesprochen. Wenig später lässt er sich von seiner Frau scheiden und heiratet Maria.
    Dieser Schritt bringt Darnleys Partei sofort gegen Maria auf. Am 15. Juni 1567 wird Marias Armee bei Carberry Hill besiegt.
    Maria muss Bothwell verlassen und sich dem aufständischen Adel ergeben. Am 24. Juli dankt sie zugunsten ihres Sohnes Jakob V. ab. Maria schafft es jedoch 1568 aus der Gefangenschaft zu fliehen und versammelt innerhalb weniger Tage ein 6 000 Mann starkes Heer. Dieses wird von ihrem Halbbruder jedoch schnell niedergeschlagen.
    Vier Tage später sucht Maria bei Königin Elisabeth I Zuflucht. Elisabeth lässt sie jedoch gefangen nehmen.
    1586 wird eine Verschwörung gegen Elisabeth unter Antony Babington entdeckt und niedergeschlagen. Daraufhin wird Maria der Prozess vor 5 Oberrichtern gemacht. Sie wird der Teilnahme an den Plänen Babingtons angeklagt. Sie gibt zu, von den Plänen gewusst zu haben, leugnet aber das Wissen über einen Mordversuch an Elisabeth.
    Maria wird am 15. Oktober 1586 zum Tode verurteilt. Das Urteil nimmt Maria königlich auf. Der von ihr gewünschte Beistand eines kath. Geistlichen wird ihr nicht gewährt. Den Protestantischen Geistlichen weist sie zurück. Am Morgen des 8. Februars wird sie mit dem Schafott hingerichtet. Sie stirbt am 8. Februar 1587 im 19. Jahr ihrer Gefangenschaft im Alter von 45 Jahren.


    Interpretation:
    Im Allgemeinen haben die protestantischen Autoren alle Schuld restlos auf Maria Stuart und die katholischen auf Elisabeth gehäuft. Bei den englischen Darstellern erscheint sie beinahe immer als Mörderin, bei den schottischen als makelloses Opfer niederträchtiger Verleumdung", so Stefan Zweig in seinem Vorwort zu "Maria Stuart". Zweig war diesen widersprüchlichen Darstellungen nach einem Besuch im Britischen Museum begegnet, was sofort seine Neugier weckte und er 1934 mit der Maria-Stuart-Biographie begann, obwohl er nach der Vollendung seines Erasmus-Buches eigentlich einen lange geplanten Roman schreiben wollte. Trotz der teilweise gegensätzlichen Quellen musste sich Zweig zu bestimmten Deutungen entschließen; so betrachtete er Maria Stuart keineswegs als unschuldig (auch was den Mord an ihrem zweiten Gatten betrifft), aber er versuchte Verständnis zu wecken für eine kühne Frau, deren Taten und Untaten aus Liebesleidenschaft entsprangen. Maria Stuart war sich ihrer königlichen Berufung durchaus bewusst, doch ihren Leidenschaften gab sie sich ohne Rücksicht auf die Folgen hin.
    Stefan Zweigs Sympathien gehörten immer den Unterlegenen, die dennoch triumphieren, den siegenden Besiegten. So verfasste er eine Biographie über Erasmus ("Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam") und nicht über Martin Luther, so schrieb er über Castellio ("Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt") und nicht über Calvin, nicht Königin Elizabeth sondern Maria Stuart stand im Mittelpunkt seines biographischen Schaffens. Maria Stuart gehört für Stefan Zweig zu jenem Frauentypus, deren Erlebnisfähigkeit auf eine ganz knappe Zeitspanne zusammengedrängt ist. "Alles, was sie besitzt, alles, was sie ist, ihr Königtum, ihre Ehre, ihren Körper, ihre Seele, schleudert sie hinab in den Abgrund ihrer Leidenschaft, und in der Tiefe ihres Sturzes genießt sie zugleich den ganzen Überschwang ihres Gefühls", so Stefan Zweig selbst über Maria Stuart in der 1935 erschienenen Biographie.
    Meine Meinung: Eine tolle Biografie, vor allem da ich Zweig als Biografienautor sehr schätze.


    Weitere Maria Stuarts:
    Schiller-Maria Stuart (Theaterstück)
    Donizetti-Maria Stuarda (Oper)

  • Norma


    Melodramma in 2 Akten


    Uraufführung: 26.12.1831 in Mailand (Teatro alla Scala)


    Musik: Vincenzo Bellini
    Text: Felice Romani (nach Alexandre Soumet)


    Ort der Handlung: Gallien
    Zeit der Handlung: zur Zeit der römischen Besetzung (um 50 v.Chr)


    Personen:
    Pollione, römischer Prokonsul in Gallien (Tenor)
    Oroveso, Oberhaupt der Druiden (Bass)
    Norma, seine Tochter, Oberpriesterin & Seherin (Sopran)
    Adalgisa, Novizin (Sopran)
    Clotilde, Vertraute Normas (Mezzosopran)
    Flavio, Freund Polliones (Tenor)
    2 Kinder (stumme Rollen)
    Druiden, Barden, Priesterinnen, Gallische Krieger


    Handlung: Die Oper erzählt vom Schicksal der gallischen Priesterin Norma.


    1.Akt
    Der Hain des heidnischen Gottes Irmin. Es ist Nacht.


    Oroveso, der Oberste der Druiden und seine Untertanen beten zu den Göttern und flehen sie an Norma das richtige Zeichen zu geben. Sie soll nämlich voraussagen, wann und ob es zu Kampf mit den Römer kommen wird. Man betet zu den Göttern und geht dann von dannen.
    Da kommen Flavio und Pollione. Pollione eröffnet seinem Freund, dass er die Mutter seiner beiden Söhne nicht mehr liebt und nun Adalgisa begehrt. Norma hatte wegen Pollione ihr Keuschheitsgelübde gebrochen. Flavio ist entsetzt. Pollione preist Adalgisa, aht aber gelcihzeitig Angst vor Normas Rache, da er fürchtet sie könnte seine Söhne töten, so wie er es in einem Traum gesehen hatte.
    Da werden die beiden von den Druiden vertrieben, da der Mond aufgegangen ist und nun die Prophezeiung erfolgen soll.
    Zur Enttäuschung der Priester und Krieger erklärt Norma, dass die Zeit zum Kampf noch nicht gekommen sei. Sie verbietet den Druiden, den Soldaten und den Barden den Hain zu betreten. Dann stellt sich heraus, dass es die Gallier auf Pollione abgesehen haben, da er an ihrer Unterjochung schuld sein. Danach vollzieht Norma die heilige Handlung des Mistelbrechens und fleht die Mondgöttin um inneren Frieden an, einen Frieden, den sie sich selbst, zerrissen zwischen der Liebe zum Römer Pollione und ihrer Pflicht, ersehnt.
    Nachdem die Gallier den Hain verlassen haben, erscheint Adalgisa, um zu beten und um Pollione ihre Liebe zu gestehen.
    Da kommen Pollione und Flavius wieder und treffen auf die betende Adalgisa.Pollione drängt sie, mit ihm nach Rom, wohin er abberufen wurde, zu gehen, was sie ihm, als Liebesopfer, nach langem innerem Kampf ihm auch verspricht.
    Szenenwechsel
    Die Felsenwohnung Normas


    Clotilde bringt die Kinder Normas herein. Sie aber möchte alleine sein, da sie nicht weiß, ob sie Pollione nach Rom folgen darf/muss. Sie wünscht sich sein Vergessen.
    Da kommt Adalgisa. Sie eröffnet Norma, dass sie einen jungen Römer liebt und bittet um die Auflösung des Keuschheitsgelübde. Sie gewährt es ihr, um ihr ähnliche Qualen wie sie sie selbst durchleidet zu ersparen. Pollione kommt hinzu. Es stellt sich heraus, dass Pollione der junge Römer ist.
    Für beide ist es eine tragische Erkenntnis, dass der Pollione für die eine der Vater ihrer Kinder, für die andere der Geliebte ist. Adalgisa wendet sich von ihm ab, Norma droht ihm mit ihrer Rache.


    2.Akt
    Die selbe Felsenwohnung


    Norma will ihre beiden Knaben töten, doch ihre Mutterliebe siegt, stattdessen will sie sich selbst das Leben nehmen und die Kinder soll Adalgisa zu Pollione bringen. Sie fordert Adalgisa auf, Polliones Gattin zu werden, die Kinder mit nach Rom zu nehmen und ihnen eine gute Mutter zu sein. Die tief bewegte Adalgisa, die für Pollione keine Liebe mehr empfindet, möchte stattdessen Pollione dazu bewegen, zu Norma zurückzukehren. Ein neuer Hoffnungsschimmer erwacht in der Brust der unglücklichen Priesterin.


    Szenenwechsel
    Waldgegend im Morgengrauen


    Oroveso verkündet den zum Kampf gerüsteten Galliern den Orakelspruch Normas, demzufolge mit den Römern Frieden geschlossen werden soll. Aber er fügt hinzu, dass er nur auf die Gelegenheit warten würde, die Römer zu vernichten.


    Szenenwechsel
    Der Hain des Irmin. Es ist Tag.
    Norma ist erleichtert, sie fühlt sich von der Entscheidung zwischen Heimat und Liebe befreit. Sie muss aber von Adalgisa erfahren, dass sich der Prokonsul weigert, sie aufzugeben und selbst vor der Entweihung des Tempels nicht zurückschrecken würde. Da reicht es Norma: Sie schlägt mit dem Brennus-Schwert verbittert an den Schild, der an der heiligen Eiche hängt, um die Gallier zum Kampf gegen die Römer aufzuhetzen.
    Da verkündet Clotilde, dass Pollione, der in der Nähe war, gefangen genommen wurde. Gleich danach wird ihr Pollione als Gefangener vorgeführt. Stolz reicht er ihr sein Schwert, damit sie ihn töte. Sie zögert, gibt ihm eine letzte Gelegenheit, Adalgisa zu entsagen. Er tut es nicht. Norma droht, als Rache ihre gemeinsamen Kinder umzubringen, dann mit dem Opfertod Adalgisas. Er reagiert nicht.
    Da befiehlt sie den Scheiterhaufen zu richten. Er soll für eine für eine Priesterin sein, die das Keuschheitsgebot gebrochen habe. Als die Gallier den Namen der Priesterin wissen wollen, gibt sie nicht Adalgisas Namen bekannt, sondern ihren eigenen. Alle sind entsetzt.
    Norma zündet den Scheiterhaufen an und übergibt ihre Kinder Oroveso, der von den Kindern nichts wusste, der sie bittet sich nicht zu opfern. Oroveso ist zu Tränen gerührt, da er seine Tochter nicht verlieren möchte. Normas Entschluss ist unabänderlich, sie geht ins Feuer. Überwältigt und von neuer Liebe erfasst, folgt ihr Pollione. Mit den brennenden Körpern fällt der Vorhang.

    Ich hoffe, meine sehr geehrten Leser, Ihnen hat meine Norma gefallen. Bellinis heute wohl populärste Oper ist ein Meilenstein der Musikdramatik, da sie erstmals die Gesangskunst und die Handlung realistisch dargestellt hat.


    Die Norma wurde am 26. 12. 1831 an der Scala mit einer gewissen Giulia Grisi (siehe Don Pasquale) als Norma uraufgeführt. Die Menge erwartete eine zweite Sonnambula, sein vorhergehendes Werk, dass seinen Ruhm begründete. Aber es wurde keine Sonnambula, die bereits Ansätze der Norma trug, sondern es wurde die Norma. Und diese Norma wurde ausgebuht. Bellini war völlig fassungslos. Aber schon nach kurzer Zeit wurde das geniale an der Norma erkannt und die Vorstellungen häuften sich. So begann die Norma ihren Siegeszug, die den aufstrebenden Gaetano Donizetti wieder bedeutungslos werden ließ. Aber dessen Zeit sollte kommen.
    Bellini wurde von Opernkomponisten nach ihm verehrt. Giuseppe Verdis Opernschaffen wäre ohne Bellini, der viel zu früh im Alter von 35 Jahren in Paris verstarb, undenkbar. Auch Richard Wagner, der die italienische Oper wenig schätzte, verehrte Bellini. Bellinis Vermächtnis an die Nachwelt waren 10 Opern, die aber lange Zeit kaum beachtet wurden. Erst in den 50er Jahren des 20.Jahrhunderts wurden sie wiederentdeckt und seitdem regelmäßig aufgeführt.


    DIE MUSIK
    Die Musik der Norma ist meiner Meinung nach nicht Bellinis Beste. Sie zeichnet sich aber durch einfache, klar strukturierte Themen und Melodien aus. Die Schwierigkeiten des Gesanges sind aber dennoch hoch, da vor allem von der Norma und der Adalgisa immense Koloraturen verlangt werden. Große Arien, teilweise mit Chor findet man ebenfalls in der Norma. Ihre Arie „Casta Diva“ wurde die Hymne für DIE Norma überhaupt: Maria Callas. Möchte man Norma kennenlernen, so führt kein Weg an ihr vorbei. Der Pollione hat seine Arie „Meco all´ altar di Venere“, ein Liebeslied, nicht an Norma sondern an Adlagisa zu richten. Sie ist ebenfalls nicht einfach, doch bei weitem nicht so bekannt wie „Casta Diva“, obwohl sie mit besser gefällt.
    Wie gesagt, wer Norma kennenlernen will, sollte Maria Callas als Norma wählen, auch Gina Cigna ist in Betracht zu ziehen. Die Partner sollten sein: Mario del Monaco, Giuseppe di Stefano, Franco Corelli bzw. Giovanni Martinelli.


    Wer Bellini kennenlernen möchte, dem sei diese Aufnahme ans Herz gelegt. Diese Aufnahme ist ein Teil einer 10 CD-Box mit 5 Gesamtaufnahmen, die da wären: I Puritani (Gut, aber besser ist die Gesamtaufnahme aus Mailand 1969 mit Luciano Pavarotti, Mirella Freni und Sesto Bruscantini), La sonnambula (na ja, ich mag die Oper prinzipiell nicht), Zaira (toll), Adelson e Salvini (ebenso toll) und (meiner Lieblingsoper von Bellini) I Capuleti e I Montecchi (unbedingt anhören, vor allem Katia Ricciarelli und Diana Montague fesseln, eigentlich ist die ganze Oper von der Ouvertüre bis zum Finale ultima ein Genuß sondergleichen; Romeo und Julia auf Belcantistisch, ein Traum; unvergleichbare Melodien und große Stimmen. Mein LIEBLINGSBELLINI!!!)



    Meine Meinung zur Norma:
    Ein großes musikdramatisch-grandioses Werk, das durch eine geniale Titelheldin besticht.


    Ich hoffe, ich konnte Ihnen die Norma und ihren Schöpfer Vincenzo Bellini etwas näher bringen.

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  • Das Theater zu Zeiten Elizabeths I.
    Im elizabethanischen England gelangte das Theater zu einer Blüte, wie sie weder einem anderen Land noch ihm selbst zuvor oder danach je beschieden war.
    Nie wieder gab es eine solche Häufung dramatischer Talente, nie wieder eine an dramatischen Werken so überreiche Zeit. Aus geringen Anfängen nahm die dramatische Kunst in einer kurzen Spanne einen gigantischen Aufschwung, um in Shakespeares Werk die Vollkommenheit zu erreichen.
    Die Vorgeschichte des englischen Dramas reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Damals hatten Mönche begonnen, biblische Szenen zu dramatisieren und sie dem Volk in der Kirche als Mirakel oder Mysterienspiele vorzuführen. Dabei wurde auch gesungen, wie die beiden „Play of Herod“ und „Play of Daniel“ bezeugen. Diese beiden Stücke sind eine Art Oratorium in „primitiver“ Form, da konzertant aufgeführt und mit fixer Rollenverteilung. Die beiden sind als CD erhältlich.
    Derbkomische Elemente wurden später eingefügt, um die Zuschauer sicherer zu fesseln, und bald darauf wurden die Stücke auch außerhalb der Kirche unter Mitwirkung der Zünfte gespielt, die die komischen Szenen zu selbständigen Zwischenspielen (Interludien) ausbauten. Im 14. und 15. Jahrhundert kamen die typischen Moralitäten auf, in denen Tugenden und Laster leibhaftig auf der Bühne erschienen. In ihnen bot sich der Phantasie der Verfasser dieser Stücke breiterer Raum, als die kirchliche Bindung es vorher zugelassen haben mochte.
    Waren zuerst die Kirchen, danach im 13. Jahrhundert die Märkte der Schauplatz, auf denen die von Ort zu Ort mit fahrbaren Holzgestellen als Bühne reisenden Truppen spielten, so fanden später die Aufführungen in Wirtshaushöfen oder großen Privatgebäuden statt.
    Das erste feste Theater Englands, ,,The Theatre", wurde 1576 von James Burbadge erbaut. Es wurde, weil der Pachtvertrag abgelaufen war, 1598 abgerissen; aus dem Baumaterial wurde auf dem Südufer der Themse daraus das ,,Globe" gebaut, das berühmteste Theater des damaligen London. Es gehörte den beiden Söhnen und Erben des Erbauers, Richard Burbadge, dem neben Edward Alleyn berühmtesten Schauspieler seiner Zeit, und seinem Bruder Cuthbert.
    Die beiden teilten sich in die Hälfte der Anteile, Shakespeare und seine Schauspielerkollegen Phillips, Pope, Heminge und Kempe besaßen je ein Zehntel.
    1613 brannte das Globe während einer Aufführung des Stückes ,,König Heinrich VIII." ab, wurde wieder aufgebaut und 1644 von den Puritanern endgültig abgerissen. Seine berühmte Inschrift ,,Totus mundus agit histrionem" (,,Die ganze Welt schauspielert") ist ein Motto, das bei Shakespeare wiederholt anklingt.
    Neben dem ,,Theatre" und dem ,,Globe" sind von den nahezu zwanzig öffentlichen und privaten Theatern als bekannteste noch das "Curtain" (erbaut 1577), das ,,Rose" (1587) und das ,,Swan" (1595) zu nennen. Im damaligen London, einer Stadt, deren Einwohnerzahl rund 200 000 betragen haben dürfte, gab es 24 Schauspielertruppen und elf Knabentruppen.
    Jede dieser Schauspielertruppen stand unter dem Patronat eines Adligen oder der Krone selbst: So wurden die Schauspieler der Truppe des Lordkämmerers (,,Chamberlain's Men"), der Shakespeare angehörte, 1603 zu ,,King's Men" ernannt. Sie war eine der beiden wichtigsten Theatertruppen und später unter König Jakob I. die bedeutendste. Ihre Aufführungen fanden im ,,Theatre", ab 1598 im ,,Globe" statt.
    Die nächstbedeutende Schauspielertruppe waren die von Edward Alleyn angeführten ,,Admiral's Men", die im ,,Curtain" spielte, das Philip Henslowe gehörte. Alleyn war Henslowes Schwiegersohn, und in seinem Nachlaß fand sich eines der für uns wichtigsten Dokumente aus der elizabethanischen Zeit: das Tagebuch Philip Henslowes, das dieser von 1592 bis 1603 geführt hatte. Diese Aufzeichnungen, die mehr einem Kontobuch gleichen, blieben lange unbeachtet und wurden erst zu Anfang unseres Jahrhunderts als das erkannt, was sie sind: als eine unschätzbare Quelle für unsere Kenntnis über die Theatersituation, die gespielten Stücke, die Preise für Stücke, Revisionen etc. des elizabethanischen London.
    Henslowe erwähnt in den elf Jahren seiner Buchführung 280 Stücke; das bedeutet, daß allein an diesem einen Theater in der Saison etwa 25 Stücke neu einstudiert wurden.
    Von diesen 280 Stücken wurden nur 37 gedruckt, und so kennen wir die Titel der übrigen 243 nur aus Henslowes Notizen. Aus dem Verhältnis von bei Henslowe aufgezeichneten zu erhaltenen Stücken schließt man, dass von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1642, als die Puritaner die Theater schlossen, ungefähr 5000 Theaterstücke geschrieben und aufgeführt wurden, von denen uns etwa 620 im Druck erhalten sind.
    Shakespeare schrieb ebenfalls eifrigst und es ist erwiesen, dass alle seine Werke, seien es Tragödien, Komödien oder Historien zu seinen Lebzeiten uraufgeführt wurden. Ab den Puritaner und Cromwell kam es zu einem Einbruch des Theaterbooms.
    Mit den Rosenkriegen war auch die zweite Blütezeit des Theaters, nach der griechischen Antike vorbei.

  • Du liebe Zeit - das sieht aber nach einer Menge Arbeit aus! Alle Achtung!


    Glückwunsch zu Deiner Matura! Ein wichtiger Lebens-Abschnitt ist für dich nun zuende gegangen - weißt Du schon, was Du als nächstes machen möchtest (ok - erstmal sicher Ferien, aber dann :D ) ?


    Als Nicht-Österreicher bitte ich jedoch um kurze Aufklärung:
    Müssen in allen Fächern diese "Portfolios" erstellt werden? Du sagst, die sind öffentlich einsehbar - liegen die dann in der Schule in der Bibliothek (oder an einer ähnlich gut zugänglichen Stelle) aus?


    "Kultur" als Maturafach klingt sehr umfassend - es beinhaltet -vermute ich- eben nicht nur Musik und Theater, sondern evtl. auch bildende Kunst, Malerei oder sowas?


    Wird "Kultur" als Maturafach denn nicht so häufig gewählt? In Deiner Einleitung klang das so - vermutlich nehmen die meisten Deiner Mitschüler lieber Sprachen oder Naturwissenschaften?


    Wie ist denn die "offizielle" Resonanz der prüfenden Lehrerschaft so ausgefallen? Ich nehme an, ein derart bestücktes Portfolio eines ihrer Schüler begegnet denen auch nicht jeden Tag - ich hoffe, es war wenigstens einer dabei, der wenigstens ein bissel Ahnung von der "Materie" hatte und die ganze Arbeit, die Du Dir gemacht hast, auch entsprechend würdigen konnte...


    Eine Menge Fragen - aber sowas in der Form gibt es halt in Deutschland gar nicht und ich finde, es klingt interessant. Daher würde ich gern Näheres zum Prozedere erfahren. So ein Portfolio hätte ich damals auch gerne zusammenstellen wollen - es wäre zudem ziemlich ähnlich bestückt gewesen ;)

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Hallo Marc Cologne


    Zuerst einmal Danke für die Glückwünsche!!

    Zitat

    Müssen in allen Fächern diese "Portfolios" erstellt werden? Du sagst, die sind öffentlich einsehbar - liegen die dann in der Schule in der Bibliothek (oder an einer ähnlich gut zugänglichen Stelle) aus?


    Sie liegen für ein Jahr, also bis zur nächsten Matura an der Schule auf!! Was danach mit ihnen passiert, weiß ichnicht!


    Zitat

    "Kultur" als Maturafach klingt sehr umfassend - es beinhaltet -vermute ich- eben nicht nur Musik und Theater, sondern evtl. auch bildende Kunst, Malerei oder sowas?


    Hauptsächlich Literatur!! je nach Deutschunterricht. Wir hatten zwar nie was mit Opern zu tun, aber man durfte sich aussuchen, was man reintut, das konnte auch Film, Architektur, Malerei usw. sein. Mein "Leidensgenosse" hatte Schwerpunkt Film!
    Da ich mich bei den Opern ein bissi auskenn, hab ich diesen Schwerpunkt gewählt!


    Zitat

    Wird "Kultur" als Maturafach denn nicht so häufig gewählt? In Deiner Einleitung klang das so - vermutlich nehmen die meisten Deiner Mitschüler lieber Sprachen oder Naturwissenschaften


    Kultur ist nur im Probebetrieb!! Heuer wurde das erste Mal Kultur geprüft. Es könnte sein, dass es in 2 Jahren wieder abgeschafft wird, denn die Resonanz ist sehr gering. In ganz Niederösterreich gab es nur 17 Prüflinge (von mehreren Tausend Schülern!!!!!). Englisch, Französisch, Geographie und Biologie sind die Fächer, die am häufigsten gewählt werden. Kultur haben bei uns nur 2, Geschichte (meine zweite Wahl, wenn es Kultur nicht gäbe)1.
    Wenn Kulturmatura abgeschafft wird, steh ich dann da mit einer sehr seltenen Kulturmatura, mit Fachkenntnissen in BWL und Rechnungswesen und einer Fachmatura Informatik. Sind doch tolle Aussichten!!!


    Zitat

    Wie ist denn die "offizielle" Resonanz der prüfenden Lehrerschaft so ausgefallen? Ich nehme an, ein derart bestücktes Portfolio eines ihrer Schüler begegnet denen auch nicht jeden Tag - ich hoffe, es war wenigstens einer dabei, der wenigstens ein bissel Ahnung von der "Materie" hatte und die ganze Arbeit, die Du Dir gemacht hast, auch entsprechend würdigen konnte...


    Nur positiv!! Meine Prüferin hatte kaum Zeit mich zu unterbrechen. Sie stellte die Frage und ich legte los!! Wirklich Ahnung hatte niemand, sie merkten nur, dass ich mich auskannte.


    Zitat

    weißt Du schon, was Du als nächstes machen möchtest


    Zuerstmal Ferien (da muss ich aber arbeiten), dann zum Trachtenverein (Bundesheer) und danach probiere ich die Aufnahmeprüfung an der Universität für darstellende Kunst in der Fachrichtung Musiktheaterregie. Schaff ich sie studier ich das und geh nebenbei arbeiten, schaff ich sie nicht, geh ich arbeiten und nebenbei Geschichte/ Musikgeschichte studieren!


    Hoffe, ichkonnte dir weiterhelfen!!


    LG Joschi

  • Konntest Du, vielen Dank Joschi!


    Ich kann mir gut vorstellen, dass Du in Deiner mündlichen Prüfung zu dem Thema quasi ohne Punkt und Komma geredet hast - es gibt ja sooooo viel zu sagen.
    Es ist zwar schade, dass sich von den Lehrern keiner so richtig auskannte - oder sollte ich sagen "symptomatisch"?- aber die sind dann meistens noch beeindruckter, gerade weil sie keine Ahnung haben :D


    Jedenfalls wäre es mir bestimmt so gegangen wie Dir *OhnePunktUndKommaQuassel*


    So hat die Prüfung wenigstens Spaß gemacht ;)


    Und Deine geplanten Studienfächer klingen sehr interessant - ich wünsche Dir, dass alles so klappt, wie Du Dir das vorgenommen hast! (Aber das wird schon - bei den Vorkenntnissen :yes: )


    Grüße aus der "FIFA-WM-Stadt" Köln am Rhein :hello:

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Zitat

    So hat die Prüfung wenigstens Spaß gemacht


    Allerdings!!


    Als dann das DANKE der Prüferin kam, dachte ich nur: SCHON AUS??? SCHADE!!


    Aber der Vorsitzende (irgendein BWL Doktor) hat sich tief beeindruckt gezeigt!!


    Zitat

    Und Deine geplanten Studienfächer klingen sehr interessant - ich wünsche Dir, dass alles so klappt, wie Du Dir das vorgenommen hast!


    Wird schon schiefgehen!! :D :D


    LG Joschi

  • Zitat

    Original von DonBasilio
    Ich musste dazu ein Portfolio erstellen, dass öffentlich einsehbar ist.
    Nun möchte ich es hier reinstellen!!


    Wie "öffentlich" soll es denn sein?
    Hier im Tritsch-Tratsch-Bereich können es ja nur registrierte Taminos lesen...


    Auch mein Respekt für den Haufen Arbeit. Macht mich ja schon beim Lesen schwitzend.

  • Zitat

    Original von DonBasilio
    Nun möchte ich es hier reinstellen!! Zum Durchlesen und Kommentieren. Viele Inhaltsangaben werden euch bekanntvorkommen, sie wurden für das Portfolio geschrieben und dann in den Opernführer eingefügt!


    Bei den Beiträgen, die schon im Opernführer zu lesen sind, hätte es vielleicht auch gereicht, sie hier nur zu verlinken, anstatt sie zu wiederholen. Dann wäre dieser Thread nicht ganz so ausufernd...


    Aber auch von mir einen herzlichen Glückwunsch zur hervorragend bestandenen Matura!



    liebe Grüße,
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Zitat

    Original von DonBasilio
    Shakespeare schrieb ebenfalls eifrigst und es ist erwiesen, dass alle seine Werke, seien es Tragödien, Komödien oder Historien zu seinen Lebzeiten uraufgeführt wurden. Ab den Puritaner und Cromwell kam es zu einem Einbruch des Theaterbooms.
    Mit den Rosenkriegen war auch die zweite Blütezeit des Theaters, nach der griechischen Antike vorbei.


    Die Rosenkriege (Lancaster (rot) vs. York (weiß) waren vor Shakespeare (ca. 1455-85) und werden teilweise in dessen Königsdramen ausführlich abgehandelt, z.B. Richard III.:


    Now is the winter of our discontent
    made glorious summer by this sun of York. (Pun: sun/son)


    Es stimmt aber natürlich, dass die Puritaner Oper und Theater verboten bzw. veröden ließen, die haben aber mit den Rosen nix zu tun.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)