Schumann B-A-C-H Fugen

  • Liebe Forianer,


    vor kurzem war ich im Orgelkonzert und habe die B-A-C-H Fugen von Schumann gehört. Dieses Orgelwerk habe ich bis dato noch nicht gekannt; doch seit jenem Konzert zählen sie zu meinen Lieblingsstücken und darum möchte ich sie mir nun als CD zulegen. Welche Aufnahmen könnt ihr empfehlen?

    Gruß und K...
    Der Dux

  • Ich möchte diese beiden Aufnahmen empfehlen:



    Schumann, Robert (1810-1856)
    Orgelwerke
    Skizzen op. 58;Studien op. 56;Sechs Fugen über
    den Namen BACH op. 60
    A. Rothkopf
    Walcker-Orgel in Hoffenheim
    Audite
    DDD, 1987



    Robert Schumann
    Werke für Pedalklavier oder Orgel
    - Studien für den Pedalflügel op. 56 (6 Stücke in canonischer Form)
    - Skizzen für den Pedalflügel op. 58
    - Fugen über den Namen BACH op. 60.
    Ludger Lohmann
    Walcker-Orgel Neuhausen
    Motette-Ursina
    DDD


    Beide Aufnahmen wurden von sehr versierten Interpreten an historischen Walcker-Orgeln aus jener Zeit eingespielt. Die Neuhausener Orgel vor wenigen Jahren komplett restauriert.


    Gruß
    Karsten

  • Lieber Karsten,


    das ist ja eine Überraschung. Ich wusste gar nicht, dass an der walcker Orgel in neuhausen aufnahmen von schumann existieren. Tatsächlich beträgt die Entfernung meiner Wohnung bis zur Kirche in Neuhausen (und damit die Walckerorgel) 2 km. Das animiert mich natürlich besonders. Vielen Dank für deine Hilfe.

    Gruß und K...
    Der Dux

  • Hallo zusammen,


    ich möchte die Einspielung mit Olivier Latry empfehlen (SONY/Organa Viventia). Bietet die übliche und vernünftige Kopplung mit den Werken für Pedalflügel opp. 56 und 58, die ansonsten für die Nachwelt verloren wären.


    Zu den Fugen aus der Sicht des Organisten:


    Für den Gottesdienst sind Nr. 1 und 3 sehr gut brauchbar, je nach Anlass. Nr. 1 und 6 sind Crescendo/Accelerando-Fugen, wobei in Nr. 1 am Ende halt doch eine Antiklimax steht. Nr. 6 ist eventuell für eine nicht primär musikalisch interessierte Gemeinde zu lang.


    Nr. 5 ist ein technisches Kabinettstückchen im daherpurzelnden 6/8-Takt, das Bachs C-Dur Fuge (aus Toccata, Adagio und Fuge) in puncto Spaßfaktor noch übertrifft.

  • Andreas Rothkopf fand ich in Vergleich irgendwie etwas konturlos - im Vergleich z.B. mit meinem Favoriten:


    Thierry Mechler, der auf der Kern-Orgel in Masevaux im Elsaß spielt.
    Motette CD 11041, 1988


    Ebenfalls empfehlen kann ich Dan Zerfaß an der Klais-Schwalbennest-Orgel des Wormser Doms.
    ifo 000 63, 2000 - an der Enstehung dieser Aufnahme bin ich nicht ganz unschuldig, da ich den Organisten auf diese Stücke aufmerksam machte. Die Aufnahme ist etwas basslastig - liegt wohl an der Kombination Orgel/Kirchenraum, aber er spielt ausgezeichnet und hat sehr sinnvolles zu den Stücken geschrieben.


    Schumann selbst hielt diese Fugen übrigens für das Werk, was in den Augen der Nachwelt wohl am ehesten überdauern würde.
    Angeregt zu den insgesamt drei auf der Orgel spielbaren Opera wurde er allerdings durch einen Pedalflügel. Wer das hören möchte, kann die Aufnahme von Martin Schmeding hören, der in einer belgischen Instrumentensammlung eine spielbare Flügel/Pedalier-Kombination von Pleyel gefunden hat.
    Ars 38 011, 2005 (Hybrid-SACD)

  • Als eine Art Vorstudie kann man vielleicht die Sechs Stücke in kanonoischer Form op. 56 bezeichnen, wobei das Wort Vorstudie hier sicherlich nicht abwertend gemeint sein soll. Die Stücke wurden, wie auch das spätere op. 60, für den heute selten gewordenen Pedalflügel als Orgelersatz komponiert. Bei diesem Instrument handelt es sich um ein solches, welches nicht nur die heute üblichen Pedale für z.B. Dynamik besitzt, sondern eben Pedale, welche dem Instrument Töne entlocken - optisch jedenfalls ganz ähnlich der [Kirchen-] Orgel. Benutzt wurde der Pedalflügel, um in der Wärme der heimischen vier Wände Orgelstücke üben zu können. Selbstverständlich können bzw. sollen diese Stücke [auch] auf der Orgel präsentiert werden.


    Das Label Winter & Winter entschied sich jedoch für das saitenbespannte Instrument:



    Robert Schumann [1810-1856]


    6 Stücke in kanonischer Form op. 56
    Federica Valli und Lorenzo Ghielmi, Fortepiano [Conrad Graf, Vienna 1827]


    Über den verwendeten Graf wird hier nicht viel verraten, jedoch nehme ich an, daß es sich dabei eben nicht um ein seltenes Exemplar des Pedalflügels handelt, sondern um ein eher stinknormales Instrument, bei dem Ghielmi seine Hand quasi als Pedalersatz für die dritte Stimme der kanonischen Stücke zur Verfügung stellt... eine etwas seltsame Lösung, die aber klanglich vermutlich keinen großen Unterschied bedeutet. Die überaus häßlichen Pedalflügel des frühen und mittleren 19. Jahrhunderts können u.a. im Musikinstrumentenmuseum in Wien betrachtet werden.


    Die kanonoschen Stücke sind allesamt jeweils recht kurz und tragen folgende Bezeichnungen:


    [1] Nicht zu schnell
    [2] Mit innigem Ausdruck
    [3] Andantino
    [4] Innig
    [5] Nicht zu schnell
    [6] Adagio


    Mir gefallen die Stücke sehr. Kritik übe ich allenfalls am 1827er Graf, der leichte Besteckkastenallüren hat und mich klanglich nicht so überzeugt. Dafür entschädigt aber das wunderbare Spiel von Valli, auch im folgenden Klavierquartett op. 44, bei dem ein klanglich wesentlich interessanteres Instrument verwendet wird: Ein 1842er Erard.


    Viele Grüße
    Ulli

  • Hallo,


    eine weitere Einspielung (und endlich mal eine auf einem Pedalflügel :-) ist folgende mit M. Schmeding:



    Gruß pt_concours

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Drei Werkgruppen hatte Robert Schumann für Orgel bzw. Pedalflügel komponiert


    Studien für den Pedal-Flügel op. 56,

    Skizzen für den Pedal-Flügel op. 58,

    Sechs Fugen über den Namen BACH für Orgel oder Pianoforte mit Pedal op. 60.


    In diesem Thread geht es um die Sechs Fugen über den Namen B-A-C-H für Orgel oder Pianoforte mit Pedal op. 60.


    Auf der Seite der Robert Schumann Gesamtausgabe liest man diese Information:


    "Als solistische Kompositionen für Tasteninstrumente sind sie die ersten, die Schumann nach Abschluss der Leipziger Klavierperiode schrieb, und sie zeigen unübersehbar das Bemühen, auf keinen Fall die damals beendete Schaffensphase weiterzuführen. Sie standen im Zeichen eines grundlegenden kompositorischen Neubeginns, den Schumann nach dem krisenhaften Einschnitt des Jahres 1844 unternahm und der eine fundamentale Kritik seiner bisherigen Schaffensweise implizierte. Seine frühere Art, „fast Alles, das kleinste meiner Stücke in Inspiration […], vieles in unglaublicher Schnelligkeit“ zu schreiben, verfiel dem selbstkritischen Verdikt eines unkontrollierten und allzu wenig verantwortungsbewußten Musizierens. Vom „subjektiven Clavier“ loszukommen und „alles im Kopf zu erfinden und auszuarbeiten“, darauf war von nun an sein Streben hauptsächlich gerichtet. Entsprechend dieser Tendenz, die musikalische Idee nicht improvisierend, sondern notierend zu finden, ist die Quellenlage: eine, wenn auch nicht komplett erhaltene Manuskriptfolge von Entwurf – Kopistenvorlage – Stichvorlage – Originalausgabe. ..."



    Jetzt will ich's auch hören und sehen: Christoph Keller spielt ein Sonus Paradisi Hauptwerk Model der Buchholz Orgel in Brasov (Rumänien), Schwarze Kirche. Der Organist hat nur die drei ersten von sechs Nummern auf You Tube gepostet.


    Robert Schumann - Fuge über BACH op. 60, Nr. 1 bis Nr. 6


    Nr. 1: B-Dur "Langsam - Nach und nach schneller und stärker"





    Nr. 2: B-Dur "Lebhaft"




    Nr. 3: g-moll "Mit sanften Stimmen"



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    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Die Nr. 4 "Mässig, doch nicht zu langsam" spielt Joel Hastings an der Orgel im Hill Auditorium, Ann Arbor, MI



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    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Die Fugen


    Nr. 5 F-Dur "Lebhaft" sowie

    Nr. 6 B-Dur "Mässig, nach und nach schneller" aus op. 60


    spielt Mario Hospach-Martini live in St. Thomas, 5th Avenue, New York


    Ums hören zu können auf den unterstrichenen Text im YouTube Feld klicken: Dieses Video auf YouTube ansehen


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    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Wer das opus 60 in einem Guss von einem Organisten hören will, hört die sechs Fugen in der Interpretation von János Pálúr an der Orgel der Zisterzienserabtei zu Zirc (Ungarn).


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    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe