Haydnkenner und Brucknerguru: Eugen Jochum

  • Hallo!


    Zitat

    Original von Antracis



    Ich horche immer wieder auf, wenn Jochum das Orchester im Finale plötzlich förmlich explodieren lässt, die Streicher fideln um ihr Leben von Behäbigkeit keine Spur. Diesen extrem leidenschaftlichen Ausbrüchen steht an anderen Stellen eine geradezu liebenswürdige Einfalt gegenüber, mit dem für Hadyn so typischen humorigen Einschlägen. Das ist weder altbacken, noch behäbig - auf mich wirkt das durchaus modern.
    Ohne Alfreds Rat wäre ich wohl allerdings nie darauf gekommen, bei Hadyn zu Jochum zu greifen. Nachträgliche Recherchen bezeugten aber den hohen Stellenwert, der seinen Aufnahmen von der Kritik zugesprochen wird.


    Neben der legendären Aufnahme der "Londoner" Symphonien für die DGG gibt es auch noch dieses Kleinod:



    Das sind ebenfalls wunderbare Einspielungen der Symphonien 93, 94, 95 und 98. Besonders hervorheben möchte ich Nr. 93 und Nr. 95, die ich nie so überzeugend gehört habe wie mit der Dresdner Staatskapelle unter Jochum! :jubel::jubel:


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo!



    Ich stelle hier auch nochmal die Frage:


    Kann zufällig jemand mit Jochums DGG-Aufnahme der Symphonie vergleichen? Ich überlege, ob die Anschaffung der Londoner-Box lohnt. Das wäre dann der Fall, wenn die 93,94,95,98 da noch besser als in der BerlinClassics-Aufnahme sind.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Auf zwei Sendungen des BR möchte ich hinweisen:


    Donnerstag, 21. Mai, 10.00 - 10.45 Uhr sowie am Freitag, 22. Mai 2009 um 0.35-1.20 Uhr:


    60 Jahre Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
    Eugen Jochum – eine Hommage
    Ein Film von Eberhard Görner


    Zitat

    Als Eugen Jochum am 26. März 1987 in München stirbt, ist der 84-Jährige eine Legende. Er hat zwischen 1949 und 1960 das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks aus dem Nichts aufgebaut; er hat seit seinem 30. Lebensjahr regelmäßig die Berliner Philharmoniker dirigiert und wird zeitweise sogar als Kandidat für die Furtwängler-Nachfolge genannt. Ab 1961 ist er ständiger Direktor des Concertgebouworkest Amsterdam, und 1961 wird er, als Nachfolger von Josef Keilberth Leiter der Bamberger Symphoniker. Zwischen seinen Konzertauftritten in aller Welt ist Jochum bis zuletzt unermüdlich im Studio tätig und hinterlässt eine Diskographie, die sich wie ein Pantheon der abendländischen Musikgeschichte liest.


    In unserer Filmhommage auf Eugen Jochum kommen nicht nur seine Töchter Romana und Veronica zu Wort; auch Wegbegleiter wie Wolfgang Wagner von den Bayreuther Festspielen, der Opernsänger Hans Hotter, Freunde seines Geburtsortes Babenhausen, Musiker vom Berliner Philharmonischen Orchester, dem Bayreuther Sinfonieorchester, der Staatskapelle Dresden, die unter seinem Dirigat musizierten; der Theologe Eugen Bieser, Intendant Klaus Schultz sowie der langjährige Intendant des Bayerischen Rundfunks, Professor Albert Scharf, erinnern lebendig und spannend an ihre Begegnungen mit Eugen Jochum. Dazu setzt der Film seltenes Archivmaterial über Jochum ein.


    Und außerdem:


    Sonntag, 24. Mai, 12.00 Uhr


    60 Jahre Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
    Eugen Jochum spielt
    Anton Bruckner: Symphonie Nr. 7
    Aus dem Herkulessaal der Residenz in München, 1974



    Freundliche Grüße, Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Bei der Durchsicht verschiedener Bruckner-Threads im Forum fiel mir auf, daß gerade der Name des "Bruckner-Papstes" Jochum relativ selten fällt. Wird er genannt, dann meist mit Zusätzen wie "antiquiert", "veraltet", "(zu) weihevoll" und dergleichen, was per se zwar nicht abwertend sein muß, aber doch eine Tendenz widerspiegelt.



    Ich persönlich mag seinen Stil offenbar, höre mir gerade nebenbei seine DGG-Aufnahmen (1958–1967) das erste Mal an. Soweit ich das bis dato sagen kann, hat Jochums Deutung etwas Titanisches, Monumentales, Gewaltiges, was freilich mit "unzeitgemäß" umschrieben werden könnte. Es klingt wie aus einer anderen, Bruckners Zeit, ganz subjektiv gesagt.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Guten Tag,
    im Rahmen dieses Threads möchte ich noch einmal darauf hinweisen,daß Jochum auch 3 Gesamtaufnahmen der Beethoven-Symphonien eingespielt hat.
    Die erste mit für die DGG mit den Berliner Philharmonikern bzw. dem Symphonieorchester des BR , die zweite für Philips mit dem Concertgebouw Orchester und schließlich die dritte für EMI mit dem London Symphony Orchestra.
    Für mich rangieren alle drei Aufnahmen in der vordersten Reihe der Gesamteinspielungen,wobei ich die Concertgebouw-Ausgabe für die in sich geschlossenste halte.
    Dazu kommen noch 3 Beethoven-Symphonien aus der Schellack-Ära für Telefunken, nämlich die 3. und 7. mit den Berlinern sowie die 9.mit dem Hamburger Staatsorchester,die mich trotz ihrer naturgemäßen technischen Mängel in ihren Bann schlagen (insbesondere die 9.)
    Viele Grüße
    Santoliquido

    M.B.

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Die wenigsten Leuite wissen heute noch, welch guter Dirigent Jochum war.


    Kann man nur unterstreichen.


    Jochum ist insofern durchaus mit Böhm vergleichbar. Beide haben irgendwie ein ähnliches Image: streng, bieder, antiquiert. Der eine (v. a.) bei Bruckner, der andere (v. a.) bei Mozart.


    Beide waren hervorragende Wagner-Dirigenten, was bei Jochum vielleicht noch etwas mehr in den Hintergrund rückte als bei Böhm, der zudem öfter in Bayreuth dirigierte. Jochum dirigierte 1953 den "Tristan", 1954 "Tannhäuser" und "Lohengrin" und schließlich 1971–73 die letzten drei Jahre der Wieland-Wagner-Inszenierung des "Parsifal". Hervorheben will ich den besonders durchs Dirigat höchst interessanten, tontechnisch freilich mangelhaften letzten "Parsifal" von 1973 (der '71er ist bei Golden Melodram offiziell erschienen und vermutlich klanglich vorzuziehen).



    "Tristan", 1953



    "Lohengrin", 1954



    "Parsifal", 1971


    Die bekannteste Wagner-Opern-Aufnahme Jochums dürfte allerdings die 1976 im Studio für die DGG entstandene der "Meistersinger" mit z. T. heftig angefeindeter Besetzung (u. a. Fischer-Dieskau und Domingo) sein. Sie zeichnet sich nicht nur durch die ungewöhnliche Sachs-Besetzung mit Dieskau (die m. E. – es klang an anderer Stelle bereits an – zwar "merkwürdig", aber keineswegs schlecht ist), sondern auch durch ein überraschend frisches Dirigat des damals immerhin schon 74jährigen Schwaben aus, ohne ganz aufs Feierliche zu verzichten. Freilich ist der Unterschied zu Jochums "Meistersinger"-Live-Dirigat von 1949 (u. a. mit Hotter als Sachs) nicht gering: damals schwelgte er noch in viel pathetischerem Stile, der Schlußmonolog gerät zeittypisch sehr theatralisch (das Reich war eben wirklich wenige Jahre zuvor "in Dunst" zergangen, und es blieb allein "die heil'ge deutsche Kunst").



    "Die Meistersinger", 1949



    "Die Meistersinger", 1976

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Heute vor 25 Jahren ist er gestorben:



    Eugen Jochum (* 1. November 1902 in Babenhausen im Unterallgäu; † 26. März 1987 in München) war ein deutscher Dirigent. Er baute das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks auf und leitete die großen Orchester Europas. Als Bruckner-Apostel wurde er weltweit bekannt.


    Der Deutschlandfunk erinnert heute in seinem Kalenderblatt an den Dirigenten. Zum Nachlesen und -hören: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kalenderblatt/1711107/


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Eugen Jochum hat auch Oper dirigiert in Erinnerung sind mir seine Abende an der Deutschen Oper Berlin mit der Entführung aus dem Serail mit Erika KÖTH, Josef Greindl, Ernst Haefliger.


    Es gab auch bei DGG eine Aufnahme von Cosi fan tutte mit Irmgard Seefried, die wurde krank während der Aufnahmen und das war leider auch zu hören.


    Natürlich galt er als der BRUCKNER Dirigent auch in Berlin bei den Philharmonikern, mit denen er ja die Sinfonien bei der DGG einspielte, aufgenommen in der Berliner Jesu Christi Kirche. Zu seiner Zeit stand er immer ein bisschen im Schatten von Karl Böhm und Herbert von Karajan.


    :)

    mucaxel

  • Legendär ist auch seine Einspielung von Mozarts "Entführung aus dem Serail" aus dem Jahre 1965 mit Fritz Wunderlich als Belmonte, Erika Köth als Konstanze, und Kurt Böhme als Osmin - ebenfalls für "Deutsche Grammophon



    Die beiden abgebildeten Gesamtaufnahmen sind vom Inhalt her identisch.
    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Jochum war von Carl Orff auch autorisiert, seine Werke aufzuführen und einzuspielen.
    Hier die frühen Aufnahmen:



    Die späteren Einspielungen wurden weiter oben schon gezeigt.


    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

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  • Im Rahmen der preiswerten ICON-Serie erscheint jetzt bei EMI eine 20-CD-Box:



    Eugen Jochum - Complete EMI Recordings
    (Icon Series)
    20 CDs
    Beethoven: Symphonien Nr. 1-9;
    Fidelio-Ouvertüre;Coriolan-Ouvertüre;Egmont-Ouvertüre;Leonore-Ouvertüre Nr. 3
    +Brahms: Symphonien Nr. 1-4;Tragische Ouvertüre op. 81;Akademische Festouvertüre op. 80
    +Bruckner: Symphonien Nr. 1-9
    +Bach: Messe h-moll BWV 232
    +Mozart: Messe C-Dur KV 317 "Krönungsmesse";Vesperae solennes de Confessore KV 339


    Künstler:
    Edda Moser, Kiri te Kanawa. Julia Hamari, Helen Donath, Brigitte Fassbaender, Stuart Burrows, Nicolai Gedda, Robert Holl,
    London SO, Staatskapelle Dresden, Bayr. RSO,
    Eugen Jochum
    Label: EMI, ADD


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Schönen Dank für den Tipp, lieber Harald, schon bestellt. Aber auch bei Mozart, Beethoven und Weber war der gute Eugen Jochum nicht ganz unbedarft.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Die Jochum-box mit der Staatskapelle war das erste, was ich überhaupt an Bruckneraufnahmen besaß. Und ich habe sie oft gehört! Insofern sind diese Aufnahmen für mich "Original-Bruckner". Alles, was ich nachher hörte, waren dann für mein Gefühl Bearbeitungen. Und ich muss sagen, dass diese Bearbeitungen immer mehr Raum eingenommen haben, die Box neigt seit einiger Zeit zum Verstauben. Und das liegt tatsächlich daran, dass ich JOchum als - nun ja - altbacken empfinde. Es hat so etwas vernünftiges. Im entscheidenden Moment nimmt er m.E. oft etwas zurücik. Man kann ihm bestimmt nciht vorwerfen, dass er auf den Effekt arbeitet - eher im Gegenteil. Am Deutlichsten wird es für mich bei der 7. im Vergleich mit dem Bayrischen Rundfunkorchester unter Jansons. - Und da mag ich es einfach lieber, wie dieser auf die Tränendrüse drückt, dass man schier verrückt werden will. Eine Erklärung auf ganz dünnem Eis: Jansons ist so selbstbewusst, dass er ganz genau weiß, wie ein Stück zu wirken hat (vielleicht besser als der KOmponist) und Jochum arbeitet mit großer Achtung vor dem eigentlichen Schöpfer und möchte nicht zu viel Eigenes dazutun.
    Dafür gehörte Jochum natürlich Hochachtung, aber Begeisterung kommt eher bei Jansons auf.
    Jochum scheint mir der Typ für den Wisschenschaftler, den Forscher zu sein. Wie gesagt, bei mir verstaubt die Box zunehmend.
    (andere Aufnahmen mit Jochum besitze ich nicht).


    Tschö
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • er hat heute seinen 110. Geburtstag:


    Eugen Jochum (* 1. November 1902 in Babenhausen im Unterallgäu; † 26. März 1987 in München); deutscher Dirigent und einer der bekanntesten Interpreten der Werke Anton Bruckners.



    :jubel::jubel:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Eugen Jochum starb am 26. März 1987. Da er bis auf die Jahreszahl das gleiche Sterbedatum hat wie Beethoven, habe ich eine Box mitgebracht auf der auch seine GA der Beethoven-Symphonien enthalten ist:



    Heute ist Jochums 28. Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Zitat von lutra

    Jochums DGG Nachlass
    Die Würfel-Mania geht weiter, alle DG-Aufnahmen von Eugen Jochum stehen ins Haus.


    Gewiß ist der Nachruhm EUGEN JOCHUMs vor allem eng mit ANTON BRUCKNER verbunden, doch sollte dabei auf keinen Fall vergessen werden, daß EUGEN JOCHUM nicht zuletzt auch ein ganz hervorragender Dirigent der Werke JOSEPH HAYDN's war. Keine der so zahlreichen Einspielungen der Sinfonien HAYDNS fesselt und überzeugt mich so wie seine Aufnahme der Sinfonien Nr. 88 und 98 mit den BERLINER PHILHARMONIKERN bei der DGG. Obwohl JOCHUM kein Freund harter Konturen war und seine große Kunst darin bestand, die Musik wunderbar strömen zu lassen, läßt er die großartig aufspielenden BERLINER PHILHARMONIKER in den schnellen Sätzen und Passagen feurig sprühen und HAYDN's Schalk und oft so überraschende Wendungen immer wieder aufblitzen. Man weiß am Ende nicht, an was man sich da mehr ergötzen soll: an HAYDN's so herrlich purer Melodik und genialen Einfällen, oder der mitreißenden Orchestermusik, die EUGEN JOCHUM zum Klingen bringt!


    .com/watch?v=R3iM9ErNgv0


    Ebenfalls für mich ein wertvolles Dokument und Nachweis, daß er auch ein Gespür für so romantische Musik wie SCHUMANN's Klavierkionzert hatte, ist seine Aufnahme mit der fabelhaften Pianistin MONIQUE HAAS, wiederum mit den BERLINER PHILHARMONIKERN:

    wok

  • Aus irgendwelchen Gründen ist hier der Brahms-Dirigent Jochum bisher unter den Tisch gefallen. Dabei gilt bereits sein erster Zyklus für DGG mit den Berliner Philharmonikern vielen noch heute als ein Maßstab - und das trotz Mono. Eine spätere Aufnahme entstand in den 70ern in London. Auch als Begleiter von Emil Gilels in den Klavierkonzerten und von Nathan Milstein im Violinkonzert hat er Eindrucksvolles hinterlassen.


  • Ich habe soeben auf Youtube etwas Bruckner mit Jochum gehört und bin schon ziemlich angetan. Das gefällt mir tatsächlich gut, am Ende vielleicht dann doch nicht ganz so gut wie bei Wand und vor allem wie bei meinem Bruckner-Oberguru Celibidache. Bei dem höre und empfinde ich noch mehr dieses menschliche Atmen und die Liebe zum lebendigen Ausformen der Dynamik, von mittleren bis zu längeren Einzeltönen hin, und noch viele Dinge mehr.
    Technisch sind die Aufnahmen wohl nicht immer so ganz dem heutigen Stand annähernd entsprechend, wie die von Wand, Celi und dem späten Karajan....oder wie ist es, von wann sind die Aufnahmen? Es geht sicherlich...


    Gerade bin ich mit dem 2. Satz der 4. von Bruckner fertiggeworden......-> sehr schön, auch von der Grund-Klangauffassung des Orchesters her.
    Ich frage mich nur, weshalb er sich genötigt sieht, vor der Schlusssteigerung auf einmal das Tempo derart anzuziehen, denn m.E. wird die Spannung keineswegs geringer sondern höher, wenn man das vorherige Tempo durchzieht. Nun, er wird seine Gründe gehabt haben.


    Beim 3. Satz ist er tempomäßig mittendrin ein weiteres Mal recht flexibel, fast so, als wenn er es auf dem Piano spielen würde.
    Ich respektiere das und finde es immer musikalisch, würde es aber wahrscheinlich eher nicht machen, nicht so stark und nicht so häufig.
    Die Aufnahmetechnik holt einige Holzbläser wie die Querflöte etwas unnatürlich und obendrein akustisch trocken nach vorne (was schon beim Youtube-Film deutlich wird), aber gut, hier erwarte ich ja keine high-endige Puristenaufnahme, bei der vor den Lautsprechern 3D-Bilder von Musikern auftauchen.


    Der 4. Satz fängt sehr stark mit dieser unglaublichen Atmosphäre an - sehr beeindruckend.


    Jochum spielt den Bruckner romantisch flexibel - manchmal sehr sehr flexibel im Agogischen. Ich kann so etwas durchaus mögen, vor allem, wenn es eben so gut gemacht wird, wie es Jochum gelang. Allerdings meine ich nicht, dass diese durchaus immer auch möglichen Maßnahmen zwingend erforderlich wären. Mich überzeugt es meistens mehr, wenn Interpreten mit diesem Würzmittel etwas sparsamer umgehen.


    Die Gründe, warum er als wichtiger Bruckner-Interpret galt, leuchten mir nach kurzem Hören dennoch sehr schnell ein. Er wird nie sentimental und hat tatsächlich etwas zu sagen. Durch seine der subjektiven Flexibilität huldigenden Ausdrucksmittel öffnet er dem Hörer einige manchmal durchaus überraschend sich auftuende Türen für ein Werk-Verstehen im Sinne von " so könnte man es auffassen".


    Wohlgemerkt könnte, nicht muss. Wand und Celi finde ich in ihren Deutungen doch noch zwingender, vielleicht sogar in diesem Fall Böhm, den ich aber nicht mehr so gut in Erinnerung habe. Hinsichtlich der Agogik agierte Böhm sicherlich "anständiger". Aber wer weiß, vielleicht interpretierte man solche Musik in der Zeit Bruckners und kurz danach tatsächlich derart subjektiv und bewusst sehr flexibel, was das Tempo anbelangt. Da scheint mir eine alte Schule erkennbar zu werden. Die großen kathedral-artigen Architekturen waren gerade aufgrund der von Jochum stark eingesetzten Agogik nach meinem Dafürhalten bei anderen Bruckner-Interpreten klarer erkennbar, da hier das im Grundsatz ( gewisse Stellen sind immer ausgenommen) sicher durchgezogene Tempo sozusagen wie eine Art architektonische Statik wirken kann.



    Auch ich schätze die Brahms-Klavierkonzerte mit ihm und Gilels sehr. Bei denen kann einem das Herz aufgehen. ...


    Gruß
    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

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    In den letzten Lebensjahren Jochums entstanden einige Aufnahmen von späten Mozart Sinfonien für das Label Eurodisc. Aus mir unerfindlichen Gründen wurde mitten unter der Serie das Label gewechselt, die letzten Aufnahemen stammten von Orfeo. Die Serie wurde nie vollendet, aber ich glaube, dass hier gar keine Gesamtaufnahme geplant war, die frühen Sinfonien Mozarts hätten IMO die Bamberger gar nicht aufnehmen können, ich empfand sie als ein behäbiges Orchester....


    Eigenartigerweise wurden hier diese Aufnahmen noch gar nicht erwähnt..


    mfg aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU




  • Kürzlich erschien Vol. 2 (38 CDs) der sämtlichen Einspielungen Eugen Jochums für die Deutsche Grammophon (und für Philips, was aber, der fragwürdigen Linie von Universal folgend, total aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt wird).


    Enthalten sind Aufnahmen zwischen 1952 und 1976. Wirklich neu ist darunter eigentlich nur die offizielle CD-Erstveröffentlichung einer interessanten Studioproduktion des "Lohengrin" von 1952 mit Münchner Kräften (Fehenberger, Braun, Frantz u. a.). Der Rest ist altbekannt, aber war teilweise seit Jahren vergriffen (besonders die Bach-Aufnahmen bei Philips).


    Ich bilde mal die ursprünglichen Einzelausgaben ab. Daran wird auch ersichtlich, dass einiges eigentlich bei Philips erschienen ist:


    Opern:



    - Mozart: "Così fan tutte" (1962); "Die Entführung aus dem Serail" (1965)



    - Weber: "Der Freischütz" (1959)



    - Wagner: "Lohengrin" (1952); "Die Meistersinger von Nürnberg" (1976)


    Chorwerke:




    - Bach: Matthäus-Passion (1965); Johannes-Passion (1967); h-Moll-Messe (1957); Weihnachtsoratorium (1972)


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    - Beethoven: Missa Solemnis (1970)



    - Bruckner: Messen Nr. 1-3 (1962-1972); Psalm 150 (1965); Te Deum (1950 & 1965); Motetten (1966)


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    - Haydn: "Die Schöpfung" (1966); Cäcilien-Messe (1959)



    - Mozart: Requiem (1955, ein zweites Mal auch inkl. Messe im Stephansdom)



    - Orff: "Carmina Burana" (1952 & 1967); "Catulli Carmina" (1955 & 1970); "Trionfo di Afrodite" (1955)

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven