Vladimir Ashkenazy - Pianist am Prüfstand(?)

  • In der Neuen Musik wurde und wird aber genau das diskutiert: die Abschaffung des Interpreten.

    Das scheint mir nur bei reiner Computermusik oder den Klavierrollen von Nancarrow gelungen zu sein. :)



    Beispiel Claudio Abbado. Die große Box für über 700 Euro verkauft sich sehr gut, so gut, dass sie offenbar sogar schon mehrfach aufgelegt worden ist.

    Die Abbado Box wurde nach Angaben der Grammophon in einer Auflage von 2650 Stück produziert und offensichtlich noch nicht vollständig verkauft, denn der Preis wurde von € 799,- auf € 499,- gesenkt



    was bei einer Anzahl von 257 CDs noch als Schnäppchenpreis durchgehen kann :)


    Wenn man aber über die Bedeutung von Interpreten heute spekulieren will, scheint es mir müßig zu sein, die aussterbende Spezies der Leute zu fragen, die mit diesen Interpreten groß geworden sind. Vielleicht sollte man sich Streamingzahlen anschauen. Schließlich und endlich werden die Labels ja so ausbezahlt.

  • Das scheint mir nur bei reiner Computermusik oder den Klavierrollen von Nancarrow gelungen zu sein.

    Mir sind schlicht keine subjektiven Interpretationen von Stockhausen bekannt. ^^

    Wenn man aber die Bedeutung von Interpreten heute spekulieren will, scheint es mir müßig zu sein, die aussterbende Spezies der Leute zu fragen, die mit diesen Interpreten groß geworden sind. Vielleicht sollte man sich Streamingzahlen anschauen. Schließlich und endlich werden die Labels ja so ausbezahlt.

    Tatsache ist, dass die Verkaufsschlager bei der DGG interessanter Weise Karajan und Wilhelm Kempff waren (meistverkaufte Aufnahmen) zu Zeiten, als sie schon sehr lange tot waren. Und: Gerade im Streaming sind doch die "großen Alten" alle leicht präsent und präsenter als die Neuaufnahmen. Bei physischen Tonträgern ist es umgekehrt. Da stehen die aktuellen Stars im Vordergrund, die auch entsprechend beworben werden.

  • Mir sind schlicht keine subjektiven Interpretationen von Stockhausen bekannt. ^^

    Ich verstehe nicht, was Du damit sagen möchtest. Alle meine Einspielungen sind unterschiedlich und zwar sehr deutlich.



    Gerade im Streaming sind doch die "großen Alten" alle leicht präsent und präsenter als die Neuaufnahmen.

    Ja klar sind die präsent. Aber man sieht doch leicht, wo das Schwergewicht liegt. Man sollte einfach mal die Streamingdaten kennen, die die Label natürlich nicht veröffenlichen ;). Ich vermute aber dass mit den "Alten" nicht so viel Geld gemacht wird, wie mit den neuen Stars. Man kann es ein wenig am Aufwand sehen, der in die Aufnahmen gesteckt wird. Ein paar Pollinis, ein paar Karajans, ein paar Michelangelis und natürlich noch andere, wo teure Remasterings gemacht werden. Das wird aber nur gemacht, wenn auch die Verkaufs- und Streamingzahlen stimmen.


    Bei physischen Tonträgern ist es umgekehrt. Da stehen die aktuellen Stars im Vordergrund, die auch entsprechend beworben werden.

    Wir sehen doch (und haben in einem anderen Thread darüber gesprochen), dass Neuaufnahmen immer mehr ins Streaming wandern und bestenfalls noch die LP eine Nischenchance hat. Die "großen Alten" werden hier nur noch für ein aussterbendes Publikum im Riesenboxen vermarktet.

  • Bei mir steht eine Plattenwaschmaschine (Hannls Flüsterbär). Rohrbruchschaden hatte ich noch nicht bislang, aber versuchen kann ich es, wenn nemorino Interesse hat.

    Lieber Thomas,


    das habe ich soeben erst gelesen! Vielen herzlichen Dank für Dein Angebot, aber ich habe einige meiner durch Wasser verdorbenen Platten zum Waschen weggegeben, doch der Erfolg war mehr als bescheiden. Die LPs haben einige Wochen im Wasser gestanden, ohne daß ich es bemerkt habe, in einem Raum, den ich nur selten betrete. Da war "Hopfen und Malz" verloren. Betroffen waren ca. 100 LPs , u.a. die 32 Beethoven-Sonaten mit Artur Schnabel und einige Raritäten. Zu allem Überfluß waren die Kassetten und auch die Hüllen völlig durchweicht. Kein schöner Anblick!


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich verstehe nicht, was Du damit sagen möchtest. Alle meine Einspielungen sind unterschiedlich und zwar sehr deutlich.

    Um mich vielleicht ein wenig verständlicher zu machen: Die Schönberg-Klavierstücke z.B. haben die Zweideutigkeit, dass sie eben nicht nur ein reiner moderner Konstruktivismus sind, sondern eben auch eine Reflexion der Brahms-Tradition darstellen. Wenn man vor diesem Hintergrund Glenn Gould mit Pollini vergleicht, dann ist das sehr spannend. Bei Gould hört man die Spiegelung der Brahms-Tradition, während bei Pollini die konstruktivistische Seite dominiert. Das wurde allerdings in seinen späten Jahren anders, da kommt der Traditionsbezug auch bei Pollini viel deutlicher heraus. Ich habe es ja in Köln von ihm gehört. Bei einem rein konstruktivistischen Stockhausen-Klavierstück gibt es solche Zweideutigkeiten ganz einfach nicht, woraus sich wirklich wesentliche, konträre interpretatorische Ansätze ergeben könnten. Da herrscht Eindeutigkeit vor. Klar, dass Aufnahmen deshalb nie gleich klingen. Aber der Grund, warum das so ist, liegt nicht etwa an offen gebliebenen, gleichsam unentscheidbaren Interpretationsfragen. Bei Schönberg gibt es Ambiguitäten, welche den Interpreten herausfordern, bei Stockhausen nicht. ;)

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  • Bei einem rein konstruktivistischen Stockhausen-Klavierstück gibt es solche Zweideutigkeiten ganz einfach nicht, woraus sich wirklich wesentliche, konträre interpretatorische Ansätze ergeben könnten.

    Ein Stockhausen Klavierstück (ich rede jetzt von den frühen) bietet und erfordert einen anderen Zugang als die Schoenberg Klavierstücke. Trotzdem habe ich in den Interpretationen beträchtliche Unterschiede in den Längen aber auch im Anschlag, am Ende also in der musikalischen Rezeption. Es entfällt halt eine Deutung und traditionelle Einordnung, wie man sie bei Schoenberg noch sehr leicht findet und machen kann.


    Es gibt aber interessante Zusammenstellungen dieser Stücke mit Beethoven-Werken, (Pi-Hsien Chen), mit Scriabin (Daniele Pollini, Vanesssa Mosell) , die diese Werke durchaus im historischen Kontext neu beleuchten können.

  • Brahms Klavierkonzert Nr. 1 mit Ashkenazy/Haitink


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    Eigentlich wollte ich diese Aufnahme nur kurz anspielen wegen der Aufnahmetechnik. Am Tag zuvor gehört hatte ich den kompletten 1. Satz des Klavierkonzerts Nr. 2 mit dem Kopfhörer. Eine sehr schöne Ashkenazy-Aufnahme - er gefällt mir hier besser als Pollini auch mit den Wiener Philharmonikern 1976 mit Abbado. (Auch musikalisch deutlich besser ist sind Pollini/Abbado in der Live-Aufnahme aus Berlin von 1995). Fälschlich habe ich heute beim 1. Konzert auch wieder die Wiener Philharmoniker und eine Aufnahme aus dem Sophiensaal erwartet. Dann war ich erst einmal überrascht von der vorzüglichen DECCA-Aufnahmetechnik, so wie man sie kennt von den Rachmaninow-Konzerten, die Ashkenazy ebenfalls mit Bernard Haitink aufnahm. Bis ich dann nachschaute: Das ist ja das Concertgebouw Orkest und eine Aufnahme aus dem Concertgebouw Amsterdam von 1981! ^^


    Aus dem Anspielen wurde eine meiner schönsten Hörsitzungen der letzten Zeit - das ganze lange Konzert konnte ich einfach nicht nicht hören! Gleich zu Beginn, im langen Orchestervorspiel, fesselt Bernard Haitink. Haitink gilt eher als Mann der moderaten Töne ("I don´t like overemphasizing", sagte er mal), manchen Musikfreunden deshalb gar als "langweiliger" Dirigent. Aber er hatte auch eine ganz andere Seite, die er bei Mahler während der Kerstmatinees zeigen konnte: Das ist der extrovertiert leidenschaftliche Haitink, der ungemein mitreißend dirigieren konnte. So einen leidenschaftlich-bewegten Tag, wo er aus sich herausgeht, hatte er offenbar bei dieser Aufnahme. Schon das Vorspiel fesselt mit seiner leidenschaftlichen Intensität und das Concertgebouw Orkest, das mit ihm im vollkommenen Einklang ist, liefert eine nur fabelhaft zu nennende Orchesterleistung ab. Bei dieser Aufnahme realisiert man, warum Journalisten das KCO einmal zum "besten Orchester der Welt" wählten - vor den Berliner und Wiener Philharmonikern. Ashkenazy lässt sich von dieser Leidenschaftlichkeit und zugleich höchsten Konzentration offenbar anstecken: Er spielt dieses Konzert jugendlich frisch und zugleich hoch poetisch und differenziert, mit spontanen leidenschaftlichen Ausbrüchen wie in einem Live-Konzert. Wunderbar der langsame Satz. Zu Ashkenazy und Haitink im Finale passt Wagners Wort über die 7. Beethoven: die "Apotheose des Tanzes" - das ist ungemein rhythmisch mitreißend und kraftvoll gespielt, alle Stimmungs- und Charakterwechsel kommen voll zur Geltung. Eine Ashkenazy-Sternstunde und meisterhafte Interpretation, die nicht nur abstrakt beeindruckt, sondern einen von Anfang an wirklich fesselt. Ich habe ja so viel von Ashkenazy - diese singuläre Aufnahme war aber nicht auf meinem Schirm. Ab sofort ist dies meine "Lieblingsaufnahme" des 1. Brahms-Konzertes! :) :) :)


    Die CD enthält die Händel- und Haydn-Variationen als "Zugabe", wo Ashkenazy das Cleveland-Orchestra dirigiert. Die Händel-Variationen höre ich mir jetzt an! :)


    Schöne Grüße

    Holger