Das Beispiel "Mozart" ist mir auch gleich eingefallen. Gerade heute kann man ja durchaus öfter mal einer Opera seria von Mozart auch auf der Bühne begegnen. Da dürften dann im Normalfall zumindest in den Rezitativen Striche zu finden sein, aber wahrscheinlich fällt auch die eine oder andere Arie dem Rotstift zum Opfer, um eine gute Spielbarkeit für ein heutiges Publikum zu erreichen.
Ich kann mich gut daran erinnern, dass noch vor ca. 30 Jahren die "Poppea" von Monteverdi an den Bühnen gerne in der Fassung von Raymond Leppard gespielt wurde - ein Surrugat von ca. 2 Stunden Spielzeit. Heute spielt man die "Poppea" weitgehend strichfrei, bestenfalls die Frage nach der Fassung muss noch beantwortet werden, also Neapel oder Venedig. Damals hingegen war die Leppard-Version für viele Musikfreunde die einzige Chance, mit diesem Stück von Monteverdi in Berührung zu kommen.
Bei der französischen Barockoper kommt allerdings noch ein wichtiger Punkt hinzu: die Form. Die ist relativ streng, der Ablauf der einzelnen Akte folgt bestimmten Regeln. Bei Kürzungen muss man da sehr geschickt vorgehen, benötigt also einen erfahrenen Dirigenten. Die Prologe lassen sich allerdings oft relativ problemlos streichen, jetzt auf den Inhalt bezogen. Dass da immer auch Musik geopfert wird, ist schon klar.
Bei CD-Einspielungen finde ich es hilfreich, wenn der Dirigent erläutert, wo und warum er sich für Eingriffe entschieden hat: bei Jacobs und Curtis ist mir das schon mehrfach postiv aufgefallen. Und das Ergebnis ist für mein Empfinden durchaus vorzeig- und achtbar.
