Hei Glockenton!
Jeg har en venn, som er norsk, - og jeg har hat ogsaa ei norsk vennine... Jeg kan lese, jeg forstaar, men dessverre jeg snakker ikke so godt...
(Für alle nicht-norwegischen Forumsteilnehmer: Ich habe einen Freund, der Norweger ist, und ich hatte auch eine norwegische Freundin... Ich kann lesen, ich verstehe, aber ich spreche leider nicht so gut. Da ich auf dieser Tastatur kein a mit Ring habe, schreibe ich aa; kennt man ja von Aase, die sich "Ose" spricht.)
Und wo hast Du Dein perfektes Deutsch gelernt?
Zum Thema.
In Wien wird man mit Harnoncourt tatsächlich so verwöhnt, daß man mittlerweile nicht mehr merkt, welch außergewöhnlichen Dirigenten man da in seiner Arbeit verfolgen kann. Es ist sozusagen "Normalbetrieb".
Harnoncourt ist einer jener Dirigenten, die die spannendsten Proben machen, weil sie über die Hintergründe eines Werkes einfach wunderbar Bescheid wissen. Ich werde niemals vergessen, wie Harnoncourt die Streicher von einer anderen Bogenführung überzeugen konnte, ohne den Chef hervozukehren, nur mit Argumenten. Das war wunderbar!
Seltsamer kam mir vor (ich bitte um Verständnis, daß ich jetzt vom "Figaro" abweiche), wie Harnoncourt Bruckners 5. geprobt hat - wobei ich nicht den Probenmitschnitt auf der CD meine. Mich hat seltsam berührt, daß er weder mangelhaftes Zusammenspiel noch mitunter arg verschobene Balancen korrigiert hat, sondern immer wieder Ausdrucksnuancen. Die technische Kompenente war für ihn wesentlich weniger interessant als die inhaltliche. Und auch hier gab es Temporelationen, die nicht sofort einsichtig waren, die Harnoncourt aber entweder sachlich oder auf der Basis der Emotion begründen konnte (offenbar war ihm klar, daß das Orchester etwas befremdet reagierte).
Was ich meine: Harnoncourt hat seine "Figaro"-Interpretation zweifellos minutiös durchdacht und erfühlt. Sein "Anders-Machen" kommt nicht aus dem Empfinden, daß er es eben nur anders machen will, sondern aus der Überzeugung, daß er es anders machen muß, um etwas ganz Bestimmtes zu zeigen.
Hier sehe ich aber ein gewisses Problem: Mitunter findet der Dirigent etwas wahnsinnig faszinierend, was man als Zuhörer hingegen als nebensächlich erachtet.
Ich glaube also, daß die Verlangsamung des Fenstersprunges für Harnoncourt aus einem musikalischen Grund heraus sinnvoll war, den man als Zuhörer nicht erkennt. Bei den anderen angesprochenen Stellen war es sicherlich ebenso.
Rein subjektiv muß ich somit zum Schluß kommen, daß mich Harnoncourts Dirigat nicht überzeugt hat - mich aber vielleicht noch überzeugen kann, nämlich dann, wenn ich seine Begründungen kenne.
Und, wie gesagt: Lieber falsch gedacht als gar nicht gedacht. Mir ist also, auch wenn mich Ulli zerfleischt, ein nicht so überzeugender Harnoncourt lieber als ein Davis, der für mich eine solide aber sicherlich nicht risiokobereite Kapellmeisterei ist. Überspitzt: Ich ärgere mich lieber über Harnoncourt als mich bei Davis zu langweilen.
Vennligst hilsen
Hallo Ulli!
Ein interessantes Beispiel - aber, fürchte ich, nicht auf eine Oper von den Ausmaßen eines "Figaro" übertragbar, weil da ja wesentlich mehr unterschiedliche Tempi vorkommen.
Ich denke da etwa an Wagners "Parsifal" unter Boulez und unter Kegel: Beide brauchen wesentlich kürzer als etwa Knappertsbusch, beide sind bis auf ein paar Minuten gleich lang. Dennoch haben beide oft völlig unterschiedliche Tempi in einzelnen Abschnitten. Wo der eine Zeit verliert, holt der andere auf und umgekehrt.
LG

