Korngold: Die tote Stadt

  • Zitat

    Wer die Oper ganz hören will, dem sei die folgende - konzertante - Aufnahme aus Stuttgart empfohlen


    Auch die Leinsdorf-Aufnahme ist ungekürzt. Und wenn ich die Anmerkung von Michael aufgreifen darf:


    Zitat

    Original von Michael Schlechtriem


    Ein Grund für mich, mir das nicht anzuhören.


    Und zwar ein wirklich schwerwiegender - dem schliesse ich mich gerne an.

  • Hallo Theophilus,


    Zitat

    Original von Theophilus
    ... aber Paul muss an die zwei Stunden gegen das Riesenorchester ansingen. Das entspricht einer langen Wagner-Partie, aber mit der zusätzlichen Erschwernis, viel länger in hohen Lagen singen zu müssen. Wie sieht es da mit Das Wunder der Heliane aus?


    keine Ahnung. Abgestoppt habe ich das nicht. :D Aber, ich könnte mir vorstellen, daß die Tenor-Partie der 'Heliane' nicht leichter zu bewältigen ist, zumal das Orchester an manchen Stellen noch massiver in Aktion tritt als in der 'Toten Stadt'.
    Aber, trotz der besetzungstechnischen Schwierigkeiten leuchtet mir nicht ein, warum das Werk nicht wenigstens hin und wieder mal in den Spielplänen auftaucht, sondern überhaupt nicht. :boese2:


    Bemerkenswert in diesem Zusammenhang finde ich aber, daß ein kleineres Haus wie das Theater Bielefeld im Jahre 1988 in der Lage war, Aufführungen dieses monumentalen Stückes zu stemmen. :jubel:


    :hello:
    Johannes

  • Hai Johannes,

    Zitat

    Bemerkenswert in diesem Zusammenhang finde ich aber, daß ein kleineres Haus wie das Theater Bielefeld im Jahre 1988 in der Lage war, Aufführungen dieses monumentalen Stückes zu stemmen.


    Zusammen mit Mitgliedern der Korngold-Clique, u.a. Bernd O. Rachold, Brendan G. Carroll , Stefan Esser und- vor allem- Ernst Korngold, war ich damals zugegen.


    Dirigent war der sehr gute und charismatische Michael Luig ( er ist selber ein Fan von Korngold, Steiner, Waxman ), unter dem ich kurz zuvor im Orchester der MHS Köln Mahler's erste Sinfonie spielte.


    Bielefeld ist ein mittleres Haus, aber der Graben damals war trotzdem zu klein für die Heliane, deshalb haben sie das gesamte Schlagzeug von der Probebühne via Mikrofone in den Saal eingespielt, und die zwei Harfen saßen in einer Parkettloge.


    Schmittberg hat bei uns Lohengrin sowie Tannhäuser regelrecht hingerichtet. :stumm:
    Mir war bekannt, daß er vorher bereits den Paul gesungen hat.
    Wie um Himmels willen ist das möglich? :stumm:


    Und wie um Himmels Willen ist es möglich, daß er als Lohengrin in Aachen tolle Kritiken bekam?


    Ich stehe vor einem sehr großen Rätsel................ ?(


    Sein Lohengrin bei uns war dermaßen schwach (durchweg durch alle Aufführungen übrigens - mal schlimm und mal etwas, äh... schlimmer), daß es sich die Kritiker nicht nehmen ließen, ein "Mein lieber Schwan" diesbezüglich in Ihre Kritiken einfließen zu lassen.
    Ich habe mich damals - ehrlich gesagt - dafür geschämt. :stumm:


    Er war als Gast engagiert, und deshalb erlaube ich mir auch diese, ähem....., Kritik hier zu schreiben.


    Ansonsten wäre diese Kritik eine Nestbeschmutzung von mir und somit ein Abmahnungsgrund für mich von Seiten des Theaters. :pfeif:
    Also lasse ich es besser dabei.......... :rolleyes:


    Zitat

    Aber, ich könnte mir vorstellen, daß die Tenor-Partie bei der 'Heliane' nicht leichter zu bewältigen ist, zumal das Orchester an manchen Stellen noch massiver in Aktion tritt als in der 'Toten Stadt'.


    Der Tenor der Heliane in Bielefeld 1988 war übrigens John Pickering, und sein Part ist mindestens so hart wie der des Paul, das sehe ich genau so.


    Hier ist die gesamte Besetzung der Bielefeld- Heliane von damals:


    Heliane, die Frau des Herrschers(Sopran): Ingeborg Schneider
    Der Herrscher (Bariton): Monte Jaffe
    Der Fremde (Tenor): John Pickering
    Die Botin (Mezzosopran): Krystyna Michalowska
    Der Pförtner (Bass): Gidon Saks
    Vier Richter: Lassi Partanen, John Pflieger, Eelco von Jordis, Michael Vier
    Chor: Chor des Stadttheater Bielefeld
    Orchester: Orchester des Stadttheater Bielefeld
    Dirigent: Michael Luig


    Bei Operashare gibt es übrigens einen In-House Mitschnitt- am Rande der Legalität-, den ich mir aber nicht angehört habe.
    Es gibt Dinge, welche irgendwann einmal vorbei sind.


    Ich saß selber damals mit zwei Mikros und einem Walkman, der aufnehmen konnte, in der zehnten Reihe.
    Rechts neben mir saß ein Herr, der mich seeeehr streng anschaute.


    Aber er ließ mich gewähren.... :D


    In der Pause sagte eine Dame, welche links von mir saß, zu mir:


    "Da haben Sie aber Glück gehabt mit Ihrer Aufnahme, denn der Herr rechts neben Ihnen ist der Intendant."
    :faint:


    Leider sind die Cassetten von damals- wie so vieles andere auch- längst in die ewigen Jagdgründe eingegangen. :(


    :hello:
    Micha

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    Und wie um Himmels Willen ist es möglich, daß er als Lohengrin in Aachen tolle Kritiken bekam?


    Lieber Michael,


    von mir nicht:


    Zitat

    Einen Sonderfall nimmt Norbert Schmittberg als Lohengrin ein. Der Sänger (eher ein Charakter-, denn ein Heldentenor) steckt hörbar in einer Stimmkrise. Schon zu Beginn war die Intonation unterirdisch. Sämtliche Töne ab der oberen Mittellage konnten nicht gebildet werden, die Stimme sprach nicht an – darauf reagiert der Sänger mit äusserster Kraft, um den Tönen Farbe zu geben. Die Folge: alle auf diese Art gestemmten Töne brechen ab. An die korrekte Bildung eines piano ist überhaupt nicht zu denken.


    Dazu kam, dass Schmittberg vor jedem höheren Ton angstvoll in Richtung Dirigent schaute, ob der wohl auf seine Schwierigkeiten irgendwie Rücksicht nehmen würde und dass er am Ende des Abends hoffnungslos einbrach.


    Eigentlich war das nicht mehr akzeptabel, aber der Sänger tat mir leid - das muss eine Quälerei gewesen sein. Immerhin fand sich auch für so einen Vortrag noch jemand, der diesem Lohengrin eine Ovation spendete, was wirklich angesichts der dreistündigen Zumutung reichlich peinlich war.


    Sein Loge in Wiesbaden war nur unwesentlich besser, die Partie steht er wenigstens durch, allerdings auch hier unter Zuhilfenahme eines recht freizügigen Umganges mit den notierten Werten.


    Er war jetzt in Darmstadt als Stolzing vorgesehen (sic!), wurde aber durch Herbert Lippert ersetzt.

  • Der Deutschlandfunk erinnert heute in seinem "Kalenderblatt" an die Uraufführung von Korngolds "Die tote Stadt" heute vor 90 Jahren:


    Vor 90 Jahren: Uraufführung "Die tote Stadt" in Köln und Hamburg
    Von Sabine Fringes


    "Die tote Stadt" von Wolfgang Korngold war eine der erfolgreichsten Opern der 20er-Jahre. Nur kurze Zeit später kam es auch an der New Yorker Met zum ersten Mal auf die Bühne - als eine der ersten deutschen Opern nach dem Ersten Weltkrieg.



    LG


    ;)

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Diese Oper möchte ich sehr gerne mal sehen. Ich liebe die Arie der Marietta "Glück das mir verblieb." Am liebsten höre ich es von Renée Fleming.


    :hello:

  • Eigentlich ist das in der Oper ein Duett Marietta/Paul.
    Gibt es einzeln auf Platte allerdings genauso oft als Tenorarie und für Sopran.


    Als Duett allerdings unübertroffen von Melitta Muszely / Rudolf Schock.Download


    Aber auch Fritz, der Bariton, hat eine schöne Arie: "Mein Sehnen, mein Wähnen..."
    (Tipp: Matthias Goerne)


    LG


    ;)

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

    Einmal editiert, zuletzt von Harald Kral ()

  • Hallo, Harald!


    Eine sehr schöne Oper, aber etwas langatmig. Ich habe die Gesamtaufnahme mit Carola Neblett und Rene Kollo schon öfter aufgelegt, aber nie zu Ende gehört. Sie besteht, wie Du auch schon erwähntest, aus zwei Arien und einem Duett. Desweiteren gibt es kaum Höhepunkte, die Musik plätschert so dahin. Ein Querschnitt der Oper reicht mir völlig aus.



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Lieber Wolfgang,


    "langatmig" - da muß ich aber widersprechen. Wenn Du die Oper auf der Bühne erlebst, hast Du keine Minute den Eindruck, dass es langweilig wäre!


    Es gibt eine Aufzeichnung einer Inszenierung von Götz Friedrich aus der DOB, die ist wirklich sehenswert (zugegeben, etwas gekürzt). Die Gesamtaufnahme auf CD unter Leinsdorf, die Du oben erwähnst, ist ungekürzt 20 min. länger.


    Vor ca. 20 Jahre gab es eine Inszenierung der Oper hier an der Düsseldorfer Rheinoper (Günter Krämer) - die immer noch in bester Erinnerung ist (trotz einiger Verfremdungen durch den Regisseur).


    Der Bekanntheitsgrad dieser Oper wurde nachhaltig gesteigert durch Inga Levant und ihre Produktion an der Strassburger Rheinoper mit Thorsten Kerl, Angela Denoke und Stephan Genz unter Jan Latham-Koenig.



    Seitdem wurde "Die tote Stadt" immer öfter gespielt, u.a. in Zürich, Salzburg, Wien, Berlin, Paris, Madrid, Kopenhagen...


    LG


    ;)

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo, Harald!


    Nach meinen bisherigen Eindrücken kann ich nicht anders urteilen. Aber ich werde mir die Oper mit Sicherheit noch öfter anhören, vielleicht geht mir dann "das Herz auf" und ich komme zu einem anderen Ergebnis.



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Im letzten Jahr lief die "Tote Stadt" in einer tollen Inszenierung in Gelsenkirchen, die auch musikalisch keine Wünsche offen ließ - bis auf einen. Neben demgroßartigen Burkhard Fritz als Paul sang alternierend Norbert Schmittberg. Daraufhin habe ich hier im forum in einem anderen thread eine sehr böse Kritik über Norbert Schmittberg losgelassen, und es wurde heftig diskutiert. Hätte ich mal vorher diesen thread hier gelesen, da steht schon ab 2005 wenig Schmeichelhaftes über Norbert Schmittberg. Die Lektüre hier war wieder sehr erhellend, manches von dem, was hier vorgeschlagen wird, ist in Ausschnitten auch auf YouTube zu hören (natürlich "Glück, das mir verblieb!"). Die hier gerühmte Inszenierung von Günther Krämer in Düsseldorf mit Cynthia Makris und Mario Brell habe ich auch 3x gesehen, wobei das dritte Mal durch William Cochran sehr getrübt wurde, denn weder seine falstaffische Körperfülle noch seine angestrengte Stimme schienen mir für die Rolle sehr geeignet zu sein. Als Detail weiß ich noch, dass der Chor als Brüggener Volk mit weißen Fahrrädern durch die Stadt gondelte, William Cochran zum Glück nicht. Die Klagen hier im forum über die Länge des Stückes kann ich nicht nachvollziehen, da außer den Schlagern die andern Sachen sehr gut sind, vor allem in einer lebendigen Inszenierung. Als CD ziehe ich nach wie vor Erich Leinsdorf mit Kollo und Neblett (die allerdings mit Abstrichen) vor, wobei sich die Segerstam-Aufnahme aber gut hält.

    Laut "The Hitchhiker´s Guide to the Galaxy" von Douglas Adams war der Sinn des Lebens dieser: 42.

    Abgelöst wurde diese Antwort jetzt, dokumentiert in unzähligen Quizsendungen, durch: "Wir nehmen B!"

  • Die Klagen hier im forum über die Länge des Stückes kann ich nicht nachvollziehen, da außer den Schlagern die andern Sachen sehr gut sind, vor allem in einer lebendigen Inszenierung.

    Genau so sehe ich das auch!! :thumbup:


    Dazu war (und bin) auch ich ein begeisterter Fan der Düsseldorfer Inszenierung, die ich damals zwei Mal sah — beide Male nicht mit William Cochran, daher kann ich zu dessen Auftritt auch nichts sagen. Scheine aber nichts verpaßt zu haben.

  • Bei mir war es übrigens Richard Versalle als Paul - tadellose Leistung!


    Die Besetzung:
    A. Habereder, N. Azarmi, C. Berger, R. Versalle, H. Becht, O. Garcia de Gracia, A. Eberz, M. Busch, H. Leyer
    Dirigent: Bohumil Gregor (DOR - 1988 )


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Allzu üppig ist die Discographie der Oper ja nicht, so daß es zu begrüßen ist, dass die Fa. Oehms jetzt die Frankfurter Inszenierung auf CD veröffentlichen wird:



    Erich Wolfgang Korngold (1897-1957)
    Die tote Stadt

    Klaus Florian Vogt, Michael Nagy, Anna Ryberg, Julian Pregardien, Hans-Jürgen Lazar, Hedwig Fassbender,
    Opern- & Museumsorchester Frankfurt,
    Sebastian Weigle
    Label: Oehms , DDD/LA, 2009
    Erscheinungstermin: 16.9.2011


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Kurz vor dem Lied des Pierrot (Fritz) "Mein Sehnen, mein Wähnen, / Es träumt sich zurück." singt Marietta die Zeilen "Pierrot, auf! Du triffst es fein! / Ein Deutscher bist du, bist vom Rhein!". Frage: Ist der nun folgende melodische Übergang ein Rheingold-Zitat? Oder trügt mich hier die allzu offensichtliche Idee?

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Zitat von Harald Kral

    Allzu üppig ist die Discographie der Oper ja nicht, so daß es zu begrüßen ist, dass die Fa. Oehms jetzt die Frankfurter Inszenierung auf CD veröffentlichen wird:

    Hallo, Harald!


    Ich habe schon mehrfach versucht, diese Oper in ganzer Länge zu hören. Das habe ich noch nie geschafft. Ich kann mir nicht helfen, aber trotz einiger Höhepunkte ist mir diese Oper zu langathmig.


    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Kurz vor dem Lied des Pierrot (Fritz) "Mein Sehnen, mein Wähnen, / Es träumt sich zurück." singt Marietta die Zeilen "Pierrot, auf! Du triffst es fein! / Ein Deutscher bist du, bist vom Rhein!". Frage: Ist der nun folgende melodische Übergang ein Rheingold-Zitat? Oder trügt mich hier die allzu offensichtliche Idee?


    Es ist kein Rheingold-Zitat, wohl aber klingt in dieser Kürze und Dichte dieses Übergangs eine musikalische Stimmung an, die durchaus aus der ersten Szene des "Rheingold" hätte sein können. Mir gefällt Deine Beobachtung jedenfalls sehr gut.


    Es grüßt Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876

  • Als Vorbereitung auf meinen nächsten Opernbesuch (Die tote Stadt, Stadttheater Lübeck; siehe auch hier) habe ich mir heuer diese DVD angeschaut:


    Die Besetzung King/Armstrong wurde in diesem Thread schon an verschiedenen Stellen besprochen (vgl. hier und hier), wobei - wenn ich es recht verstehe - die identische Produktion an der Wiener Staatsoper gemeint ist. In Berlin bzw. auf der DVD würde ich die Leistung Karan Armstrongs in der Doppelrolle Marietta / Marie mindestens als solide bezeichnen. Bei James King gilt dies sicherlich nicht uneingeschränkt: Stellenweise kostet ihn die (hochgradig anspruchsvolle) Partie des Paul offensichtliche Mühe. Besonders im forte ist die Grenze zum Schreien statt Singen nur knapp unterschritten. Ist man allerdings bereit, ihm dieses nachzusehen, erlebt man einige sehr gelungene Momente tenoralen Gesanges. Störend einzig sein häufiger Blick zum Dirigenten (ebenfalls untadelig Heinrich Hollreiser) besonders im ersten Bild. Sehr gut gefallen haben mir in den Nebenrollen Margit Neubauer als Brigitta und ganz besonders William Murray in der Doppelbesetzung als Frank und Fritz (Pierrot).


    Die Inszenierung stammt von Götz Friedrich und ist demgemäß im Wesentlichen werktreu. Die schaurig-morbide Atmosphäre der Vorlage kommt sehr schön zur Geltung. Leider, ein Manko des Mediums an sich, bekommt man nicht alles zu sehen, was auf der Bühne geschieht. Etwas problematisch scheint mir einzig das Schlussbild, in welchem Paul alleine in einem Sessel sitzend mit einem gespannten Revolver zurückbleibt. Zumindest in meinem Libretto steht dazu: "[...] ergreift die Tischlampe und schreitet gesenkten Hauptes auf die Ausgangstüre im Hintergrunde zu. Wenn er sie erreicht hat, öffnet und Abschied nehmend zurückblickt, fällt langsam der Vorhang.", also keine Rede von einem Revolver! -


    Während also gemäß Libretto zu erwarten ist, dass Paul das kurz zuvor geäußerte Angebot seines Freundes Frank: "Ich reise wieder ab. / Sag, willst Du mit mir? / Fort aus der Stadt des Todes?" angenommen zu haben scheint: "Ich wills - Ich wills versuchen.", läßt der Revolver in seiner Hand doch einen anderen Schluß zu ... Prinzipiell halte ich diesen Gedanken durchaus für zulässig, da Paul sich nicht klar zu einem Neubeginn bekennt; er will versuchen, nicht tun, aber - und jetzt werde ich ein bewußt ein wenig bissig - man stelle sich vor, ein sogenannter Regietheater-Regisseur hätte sich einen derartigen Frevel erlaubt ... !?

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Während also gemäß Libretto zu erwarten ist, dass Paul das kurz zuvor geäußerte Angebot seines Freundes Frank: "Ich reise wieder ab. / Sag, willst Du mit mir? / Fort aus der Stadt des Todes?" angenommen zu haben scheint: "Ich wills - Ich wills versuchen.", läßt der Revolver in seiner Hand doch einen anderen Schluß zu ... Prinzipiell halte ich diesen Gedanken durchaus für zulässig, da Paul sich nicht klar zu einem Neubeginn bekennt; er will versuchen, nicht tun, aber - und jetzt werde ich ein bewußt ein wenig bissig - man stelle sich vor, ein sogenannter Regietheater-Regisseur hätte sich einen derartigen Frevel erlaubt ... !?


    Du liebe Zeit, Michael, wenn er sich keinen schlimmeren "Frevel" erlaubt, würden wir vor Dankbarkeit auf den Knien liegen!!


    Viele Grüße


    Mme. Cortese

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)


  • Sehr gut gefällt mir einmal mehr KVF, desen eigenwilliges Timbre m.E. ausgezeichnet zu der Rolle des Paul passt. Ein ziemlicher Ausfall ist hingegen Frau Pavlovskaya als Marietta / Marie: Sie singt zwar recht gut, allerdings einen vollständig anderen Text ... Ansonsten klingt Hedwig Fassbenders Brigitta im ersten Bild noch etwas rau, erholt sich dann aber und Michael Nagy liefert einen soliden Frank.


    Alles in allem eine Aufnahme, die man durchaus besitzen sollte, wenn man diese Oper mag. Ansonsten ist man wohl mit der Referenz unter Leinsdorf ausreichend bedient.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.


  • Du liebe Zeit, Michael, wenn er sich keinen schlimmeren "Frevel" erlaubt, würden wir vor Dankbarkeit auf den Knien liegen!!


    "Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube." :angel: - :hello:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • ein wenig seltsam, die "tote Stadt" unter Opern der Moderne zu finden... aber ich verstehe, dass man nicht für jede musikalische Form dutzende Ordner für jede Epoche erstellt.


    lg,
    Wolfgang

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Zitat

    Zitat von M.Schenk:"Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube."

    Die Aussage Pauls kann man durchaus unterschiedlich auslegen. In der von Harald unter Nr. 39 vorgestellten DVD-Aufnahme, die auch ich habe und die ich durchaus für gelungen und dem Stoff angemessen halte, begeht Paul den "Frevel", sich am Ende die Pulsadern aufzuschneiden, den ich in diesem Fall durchaus nicht für abwegig halte.
    in der unter Nr. 28 vorgestellten Naxos-Aufnahme, die ich schon länger habe, und die ich ebenfalls empfehlen kann, schließt er sich seinem Freund Frank an und verlässt Brügge.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Nachdem ich Kollo/Prey und Walhalla bereits hatte, habe ich jetzt die Frankfurter Aufnahme angeschafft. Mir gefällt die Aufnahme sehr gut; Weigle schafft es, dass das surreale und irreale Moment der Musik dem Hörer vermittelt wird. Ratlos lässt mich mal wieder Vogt zurück. Nachdem ich bereits den Janowski Lohengrin angeschafft habe (allerdings hauptsächlich wg. Janowski und Dasch) und ihn da gehört habe, bin ich mir auch nach der Stadt noch immer nicht sicher, was ich von diesem Tenor halten soll.

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Hallo,


    mir gefällt "Die tote Stadt" auch sehr gut, obwohl ich nur die Gesamtaufnahme unter Leinsdorf besitze. In einer Biographie von Richard Tauber heißt es, daß die Oper in dem Moment von den Spielplänen verschwand, als Tauber die sehr anspruchsvolle Partie des Paul nicht mehr sang, bzw. er nicht mehr da war, um sie zu singen. Die Oper verschwand aus dem Bewußtsein musikalisch Interessierter. Ich selbst hörte das Duett "Glück, das mir verblieb" erstmals 1990 auf einem Schock-Recital. Wenn die Partie des Paul so schwierig ist, daß ein Belcantist wie Tauber für die adäquate Interpretation gebraucht wird, muß die von der Kritik festgestellte gute Leistung von Rene Kollo und Klaus Florian Vogt sehr hoch bewertet werden !


    Gruß,


    Antalwin

  • Angesichts der Renaissance, die die Oper ggw. erlebt, würde ich gern zusammentragen, wen man als Paul auf der Bühne erleben kann.


    Ich habe in den letzten gut zwei Jahren gehört und gesehen:


    • Norbert Ernst in Kiel
    • Klaus Florian Vogt in Hamburg
    • Jonas Kaufmann in München
    • Aleš Briscein dreimal in Berlin
    • Burkhard Fritz in Dresden

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Hat ein Tamino Andreas Schager in der Partie des Paul gehört?


    Das ist eine Probe, die man auf YT findet:


    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • In Schwerin steht für den 3. April die nächste Premiere der Oper an. Wahrscheinlich werde ich hinfahren.

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Ich habe seinerzeit in Wien bei der Premiere unserer aktuellen Inszenierung (ist schon einige Jährchen her) Stephen Gould als Paul gehört, danach Klaus Florian Vogt...


    Ich liebe diese Oper ...

    Hear Me Roar!