Giacomo Puccini: Turandot - Unvollendetes Meisterwerk

  • Zitat

    Ihm konnte eine Pracht gelingen ( was Wunder, bei dieser Unterstützung), die andere Inscenierungen in dieser Hinsicht verblassen lässt,zB diejenige aus der MET, die sich durchaus Pracht-voll gibt, aber wer kann schon ganze Regimenter auf die Bühne stellen.


    Das mit der Pracht scheint dann wohl doch Geschmackssache zu sein- ich empfinde es eher als extrem kitschig.
    Ausserdem verstehe ich nicht, wenn der Schwerpunkt eindeutig auf dem optischen liegt, dass dann z.B. eine Turandot gewählt wird, die mal abgesehen von ihrer schlechten schauspielerischen Leistung, auch schlicht zu alt aussieht für diese Rolle, und das der Timur eine so schlechte Maske hat, dass man den jungen Mann auch von weitem schon erkennt. Und die vielen chinesischen Statisten wirken derart unbeteidigt, dass mich das auch ziemlich stört. Was mich auch wundert ist, dass gerade filmische Mittel, interessante Kameraseinstellungen und schnelle Schnitte gar nicht genutzt werden.


    Gruss :hello:
    Syrinx


  • Mein lieber Peter337,


    "durchschnittliche" Leistungen bewertest Du also so?


  • Lieber Thomas!


    Da ich nur die Liú gut finde, so kann ich nicht die anderen Sänger besonders gut finden.


    Ich persönlich habe etws gegen diese statischen Aufführungen, das gilt bei mir auch für Verona oder in Österreich für St. Margareten.


    Man hat eben kaum Platz, das gilt für Bejings Verbotene Stadt halt auch - nur ist für die Zeit von 1998 eine besondere Zeit,die Öffnung der Verbotenen Stadt, und da finde ich wieder es mit einer Oper zu machen - und welche wäre die Geeignetere als Turandot.


    Lieb Grüße Peter aus Wien. :hello::hello:

  • Hallo!


    Eigentlich wollte ich ja nie mehr Puccini-CDs kaufen, aber das Puccini-Jubiläum und die ausführliche Besprechung des Turandot-Themas hier lassen mich in Erwägung ziehen, eventuell doch zumindest eine Turandot-Querschnitt-CD zu kaufen.


    Welche wäre denn empfehlenswerter: Mehta oder Karajan? (beide gibts gerade bei Zweitausendeins)



    Beide GAs wurden hier ja gelobt. Ist einer der Querschnitte vielleicht repräsentativer?


    Vielen Dank im voraus,
    Pius.

  • tttt.... Pius.... Querschnitt-CDs kauft man als Tamino doch nicht...


    Ich werde mir jedenfalls demnächst die Mehta/Pavarotti-Gesamtaufnahme holen.


    Was war denn Dein anderes Puccini-Erlebnis? War dir Tosca zu aufdringlich?


  • Mir wurde mal die Einspielung mit Nilsson/Molinari-Pradelli (EMI) empfohlen, (Die Gesamtaufnahme) kostet z.Zt. ca. EUR 20, mit etwas Suchen vermutlich billiger.
    (Ich habe sie auch schonmal gehört, aber sagen kann ich nichts dazu)


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ihr Lieben,


    ich kann nur raten: bloß die Hände weg von Ricciarelli oder Sutherland als Turandot!


    Meine Empfehlung: Nilsson/Corelli unter Molinari-Pradelli, oder für die, die ihren Tenor gerne etwas stubenreiner mögen, Nilsson/Björling unter Leinsdorf. Für den schmalen Geldbeutel bietet sich an: Borkh/del Monaco/Tebaldi unter Erede 1955 oder, wenn historischer Klang nicht abschreckt, die ganz hervorragende 1938er-Einspielung mit Cigna/Merli (und Magda Olivero als Liù).


    Grüße,
    Micha


  • Sind beide gut, z. T. sehr gut, aber es gibt, wie bereits erwähnt wurde, ebenso gute Alternativen.


    Von daher würde ich einfach nach den Lieblingssängern und dem Dirigenten gehen.


    Die besseren Sänger hat Mehta, aber auch bei Karajan keine Totalausfälle, Domingo sogar sehr gut.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Für Liebhaber gibt es noch einen großartigen live Szenen-Querschnitt aus dem Jahr 1937 (ist vielleicht bereits erwähnt worden):
    Coronation Season an der Londoner Covent Garden Opera
    Szenen von 2 Abenden


    Turandot: Eva Turner (für mich die beste Turandot- die schneidet in der Rätselszene durch Orchester und Chor wie ein Laserschwert!!)
    Calaf: Giovanni Martinelli
    Liù: Magda Olivero / Licia Albanese

  • Zitat

    Original von La Gioconda
    Calaf: Giovanni Martinelli


    Ein Sänger, der mir sehr gut gefällt.
    Ich kenne ihn auch als Calaf, aber von 1938, wenn ich mich nicht irre.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

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  • Turandot

    La Principessa Turando, Birgit Nilsson

    L´Imperatore Altoum, Peter Klein

    Timur,Re tartaro spodestato, Nicola Zaccaria

    Principe ignoto (Calaf)sugo figlio, Giuseppe di Stefano

    Liú, Giocane Schiava, Leontyne Price

    Ping, gran Cancelliere,Kostas Paskalis

    Pang, gran Provveditore, Ermanno Lorenzi

    Pong, gran Cuciniere, Murray Dickie

    Un Mandarino, Alois Pernerstorfer

    Chor der Wiener Staatsoper

    Die Wiener Sängerknaben

    Orchester der Wiener Staatsoper

    Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

    Francesco Molinari-Pradelli

    Live: Wiener Staatsoper, 22.06.1961

    Birgit Nilsson ist eine brilliante Turandot, die die Figur mit all ihren Facetten ausfüllt und auch stimmlich und schauspielerisch hervorragend darstellt. Giuseppe di Stefano ist hier in seiner Blütezeit zu erleben und präsentiert einen überzeugenden Calaf. Stimmlich und schauspielerisch reiht er sich in ein überzeugendes Ensemble mit hervorragenden Künstlern ein. Die große Sängerin ist hier Leontyne Price, die eine fantastische Liu verkörpert. hat. Stimmlich von Natürlichkeit und Treffsicherheit geprägt, verleiht sie der Liu eine besondere Note und Präsens, die in Liu's Tod (in den beiden Arien) ihren Höhepunkt findet. Nicola Zaccaria spielt den Timur überzeugend und einfühlsam. Seine Bassstimme ist eindringlich und bewegend, mit einem warmen Klang. Alle weiteren Figuren, wie zum Beispiel Ping, Pong und Pang, sind ebenso Klasse besetzt und bilden mit dem großartigen Chor ein stimmgewaltiges und hervorragendes Ensemble.

    Der Dirigent Francesco Molinare-Pradelli stellt einmal mehr unter Beweis, dass er nicht nur das sehr gute Orchester der Wiener Staatsoper im Griff hat, sondern das gesamte Bühnengeschehen.

    Ich kann diese Aufnahme absolut empfehlen!

    Liebe Grüße

    Patrik







    Bruckner+Wand So und nicht anders :)

  • Meine Lieblingsaufnahme dieser Oper ist und bleibt diese:

    Living Stereo - Turandot

    mit der unvergleichlichen Birgit Nilsson als Turandot! Dann Renata Tebaldi (Liù), Jussi Björling (Kalaf) und Giorgio Tozzi (Timur). Den Kaiser singt überzeugend Alessio De Paolis, und das Minister-Terzett ist mit Mario Sereni (Ping), Piero di Palma (Pang) und Tommaso Frascati ((Pong) großartig besetzt.

    Erich Leinsdorf leitet Chor und Orchester des Opernhauses Rom. Es mag spektakulärere Aufnahmen geben, die von Karajan (DGG), Mehta (Decca) oder Molinari-Pradelli (EMI), aber auch orchestral kommt kann keine diese alte Aufnahme von 1959 toppen. Karajn hat natürlich klanglich die Nase vor, aber dafür eine völlig überforderte Katia Ricciarelli in der Titelrolle.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Wie Patrik und Nemorino weiß auch ich Birgit Nilsson als Turandot über die Maßen zu schätzen, wenngleich sie mich stimmlich mitunter zu monströs dünkt. In Calafs Haut möchte ich nicht stecken. ;) Aber das ist es ja wohl gerade, was so an ihr fasziniert. Kurzum: Ich weiß keine bessere, obwohl ich manchmal mit ihr hadere. Als Gegengewicht hole ich dann die Caniglia, die Cebotari oder gar die Borkh und die Callas hervor. Die finde ich menschlicher.



    1964 weilte die Scala zu einem Gesamtgastspiel in Moskau. Auf dem Programm stand auch "Turandot" mit der Nilsson. Die sowjetische Firma Melodia brachte davon auf einer LP die wichtigsten Szenen heraus. Ein Umschnitt ist bei YouTube zu finden. Unglaublich, wie präsent die Sängerin auch live ist. Wie sie sich in dem riesigen Bolshoi nach der Rätselszene fast mühelos über Chor und Orchester erhebt. Obwohl es auch andere Mitschnitte gibt - Patrik hat einen vorgestellt - ist die Moskauer Aufnahme für mich eines der faszinierendsten Operndokumente, das ich kenne.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Neben ihren Wagner und Strauss Partien war wohl die Turandot das begklückenste ihrer Interpretationen!


    Zitat von Klassikfan1

    di Stefano ist hier in seiner Blütezeit zu erleben und präsentiert einen überzeugenden Calaf.

    Der Meinung bin ich allerdings nicht, er hat Probleme in Höhe und überhaupt ist er für meine Ohren kein überzeugender Calaf, das geht auch aus div.Rezensionen hervor, obwohl ich letztendlich lieber meinen Ohren traue ^^!

    Nilsson, di Stefano, Carteri, Modesti

    Votto

    LIVE Mailand 1958

    Hierauf bin ich di Stefano etwas wohlgesinnter, aber ein Calaf ist er auch hier nicht.



    Diese beiden Live Aufnahmen mit Nilsson und Corelli sind für mich das >Nonplusultra< was die beiden in der Rätselszene abliefern ist unbeschreiblich!, davon ist die Studio Aufnahme weit entfernt, obwohl sie auch gut ist!


    Eine Aufnahme die mir auch gut gefällt ist diese.....



    ....ein tolles Gespann, aber nicht so explosiv wie N. u.C.! ;)


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Rein orchestral wäre Karajan schon eine Empfehlung wert, aber eine Oper besteht eben auch aus Sängern. Leider hat er um 1960 keine Einspielung für Decca vorgelegt. Diese könnte heute wohl so legendär sein wie seine "Bohème".


    Leinsdorf ist insgesamt sicherlich adäquater, allerdings ist mir Jussi Björling zu lyrisch, nicht mehr ganz auf der Höhe und Birgit Nilsson auch nur bedingt gewachsen. Dann doch lieber die berühmte Einspielung mit Franco Corelli unter Molinari-Pradelli von 1965. Er war Calaf. Dass Nilsson/Corelli 1961 live unter Stokowski noch etwas besser gewesen sein mögen, täuscht leider nicht über die sehr bescheidene Klangqualität hinweg. Die Studioeinspielung (natürlich schon in Stereo) war nach meinem Eindruck über Dekaden hinweg schlicht und ergreifend die Standardempfehlung. Ein neueres digitales Remastering stünde vielleicht mal an - bis heute gibt es nur dasjenige von 1988. Da lässt sich gewiss noch mehr herausholen.



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    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Rein orchestral wäre Karajan schon eine Empfehlung wert, aber eine Oper besteht eben auch aus Sängern. Leider hat er um 1960 keine Einspielung für Decca vorgelegt. Diese könnte heute wohl so legendär sein wie seine "Bohème".

    Davon bin ich auch überzeugt, lieber Joseph!

    Seine späte "Turandot" bei der DGG ist zwar orchestral ein wahrer Luxus, aber sie krankt vor allem an der Besetzung der Titelrolle. Mir ist bis heute schleierhaft, wie ein Stimmenkenner vom Range Karajans mit Katia Ricciarelli als Turandot zufrieden sein konnte. War es die äußere Erscheinung der Sängerin, der er erlegen ist? Ihre Interpretation kann es doch wohl kaum gewesen sein. Ricciarelli ist in dieser Partie bestenfalls "eine halbe Portion", nicht weniger, aber ganz bestimmt nicht mehr.

    Hingegen gefällt mir der Kalaf von Plácido Domingo ausgesprochen gut, ich ziehe ihn sogar Pavarotti (bei Mehta, Decca) vor. Doch das mag Geschmacksache sein.

    allerdings ist mir Jussi Björling zu lyrisch, nicht mehr ganz auf der Höhe und Birgit Nilsson auch nur bedingt gewachsen.

    Da kann ich Dir nicht beipflichten, lieber Joseph, für mich ist Björling, dessen letzte GA diese "Turandot" aus dem Jahr 1959 sein sollte, eine fantastische Besetzung, obgleich ich zugeben muß, daß er stimmlich nicht ganz auf der gewohnten Höhe ist. Wer ihn als Kalaf in seiner Bestform erleben möchte, der greife zu seiner EMI-Aufnahme von "Nessun dorma" aus dem Jahr 1944, da läßt er IMO sämtliche Konkurrenten hinter sich:

    Jussi Bjoerling: Opera Arias Great Recordings of the Centrury by Umberto Giordano (2003-12-05)

    Track 11, Aufnahme: 27.3.1944.


    Franco Corelli unter Molinari-Pradelli von 1965. Er war Calaf.

    Vom reinen Stimmaterial her gebe ich Dir recht, aber ich kann mich mit Corelli so wenig anfreunden wie mit Mario del Monaco. Deren ständiges Forte- bzw. Fortissimo-Singen geht mir tierisch auf den Geist. Darum habe ich ihre Aufnahmen stets "weiträumig umfahren". In der von Dir gezeigten Molinari-Pradelli-GA sind die Duette mit Nilsson eine Stimm-Olympiade der besonderen Art, für die ich mich allerdings nicht erwärmen kann, so imponierend dieser Totaleinsatz auch sein mag.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Zitat von nemorino

    da läßt er IMO sämtliche Konkurrenten hinter sich

    Aber auf keinen Fall Franco Corelli, lieber nemorino, naja Gottseidank ist das deine Meinung! :)


    Zu Katja Ricciarelli, es ist allseits bekannt, das Karajan sie genötigt hat diese Partie zu singen, sie wollte es gar nicht.

    Wer konnte schon einem Karjan NEIN sagen, der war unten durch, da gibt es ja noch andere Beispiele.


    Aber egal ich liebe ihr singen ja sowieso :P!



    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Hallo, Nemorino!

    Mir ist bis heute schleierhaft, wie ein Stimmenkenner vom Range Karajans mit Katia Ricciarelli als Turandot zufrieden sein konnte.

    Zu der Frage, weshalb HvK die Turandot mit Katia Ricciarelli besetzte, habe ich bereits am 3. 12. 2019 im Thread „Karajan – Meine liebsten Aufnahmen“ als Beitrag Nr. 139 u. a. folgendes geschrieben:


    Hinzu kommt, dass der 'Maestro' in seinen letzten Lebensjahren von seinem 'Personal Producer' Michel Glotz regelrecht manipuliert wurde. Der früher bei der französischen EMI-Tochter "La voix de son maitre" tätige Aufnahmeleiter ließ sich sogar von einigen Sängern (darunter Katia Ricciarelli und Ruggero Raimondi) bezahlen, damit sie prestige-fördernde Aufnahmen mit Karajan machen konnten; nachzulesen in dem Buch "Drei Tenöre und ein Sopran" der Opern-Agentin Ilse Zellermayer. (Auch Nicolai Gedda ließ in seinen Memoiren kein gutes Haar an dem Franzosen.)

    Vermutlich werden einige Taminos über mich herfallen, weil ich mit diesem Beitrag mal wieder 'Denkmalschändung' betrieben habe. Aber Dirigenten sind auch nur Menschen, was die aktuelle Diskussion darüber im Thread zu Gundula Janowitz zeigt.



    Von Birgit Nilsson, die für etliche Jahre eine Monopolstellung als Puccinis 'eisumgürtete Prinzessin' inne hatte, habe ich neben ihren beiden Studio-Produktionen (mit Björling und Corelli) und dem Wiener Mitschnitt von 1961 noch die folgende Aufnahme:


    „Turandot“ (Giacomo Puccini): Turandot – Birgit Nilsson / Altoum – Italo Pasini / Timur – Victor de Narké / Calaf – Dimiter Uzunov / Liù – Montserrat Caballé / Ping – Ricardo Catena / Pang – Nino Falzetti / Pong – Virgilio Tavini / Un mandarino – José Crea / Il principe di Persia – Horacio Mastrango / Ancelle – Africa de Retes, Aida Fileni, Tota de Igarzábal, Corrada Malfa, Sofia Schulz, Maria Ziegler / Coro y Orquesta del Teatro Colón, Buenos Aires / Chorltg.: Tullio Boni / Dirigent: Fernando Previtali (Buenos Aires, Teatro Colón, 3. 9. 1965) 'Memoria sonora del Teatro Colón' (2 CD, 2006).


    Der 'Star' in diesem Mitschnitt (in bester Klangqualität, sogar in Stereo) ist aber m. E. der Bulgare Dimiter Uzunov, der mit seinem kompakten und doch strahlkräftigen Tenor der Nilsson Paroli bietet. Er war ein Liebling des (vor allem weiblichen) Wiener Opernpublikums, doch schon nach wenigen Jahren hatte die so sensationell begonnene internationale Karriere (1959 „Aida“ an der Pariser Oper neben Renata Tebaldi und Rita Gorr mit Fernsehübertragung) ein Ende, als seine Stimmbänder bei einer Operation beschädigt wurden. Er ging nach Bulgarien zurück und arbeitete am Opernhaus von Sofia im administrativen Bereich, doch 1976 kehrte er an die Wiener Staatsoper zurück, trat in vielen sogenannten 'Wurzen' auf und war dort auch Abendspielleiter; 1985 ist er in Wien 63jährig gestorben. Geblieben sind einige wenige Schallplattenaufnahmen und Mitschnitte, so auch diese „Turandot“ aus Argentinien.



    Eine heimliche Liebe von mir ist die rumänische Sopranistin Maria Slatinaru, die ich zu Beginn der 70er Jahre an der Deutschen Oper am Rhein mehrfach (als Manon Lescaut, Tosca und auch als Elsa von Brabant) hörte, aber nicht als Turandot (diese Rolle sangen 'bei uns' Marion Lippert und Ghena Dimitrova); später war sie längere Zeit an der Deutschen Oper Berlin. Ich finde, dass die Turandot nicht zu dramatisch klingen darf und eine Spur Mädchenhaftigkeit in ihrer Stimme haben sollte, damit die Anziehungskraft auf ihre vielen Bewerber (auch akustisch) glaubhaft klingt. Dieser Rollenverkörperung kommt Maria Slatinaru m. E. sehr nahe:


    „Turandot“ (Giacomo Puccini): Turandot - Maria Slatinaru / Altoum – George Mircea / Timur – Nicolae Florei / Calaf – Ludovic Spiess / Liù – Teodora Lucaciu / Ping – Octav Enigarescu / Pang – Valentin Teodorian / Pong – Corneliu Fanateanu / Un mandarino – Dionisie Konya / Il principe di Persia – Mircea Stefanescu / Ancelle – Georgeta Dumitru und Florica Martin / Corul si Orchestra de Studio ale Radioteleviziunii Romane / Chorltg.: Elena Vicica / Dirigent: Carol Litvin (Bukarest, Casa Popurului, Sala Marmura, Januar 1970) 'Carlton Classics' (2 CD, 1996).


    Die Liù in dieser Aufnahme ist ein zarter, anrührend klingender Sopran; Ludovic Spiess – mit dem es ja auch einen deutsch gesungenen „Turandot“-Querschnitt aus Dresden (mit Ingrid Bjoner und Anneliese Rothenberger) gibt – bleibt hier leider etwas unter seinen Möglichkeiten. Technisch ist die Aufnahme, die in Ceaucescus gigantischem 'Haus des Volkes' (heute 'Parlamentspalast' genannt) entstand, in Ordnung.


    Carlo