• Heute gilt Varèse als wichtigster amerikanischer Komponist der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts neben Ives, obwohl er kein Amerikaner ist.


    Außerdem gilt er mitunter als der radikal-modernste dieser Zeit und einflußreichste für die Nachkriegsavantgarde neben Webern obwohl im Gegensatz zu dessen kristalliner Reihenmusik die Vorbildfunktion Varèses weniger deutlich zutage tritt.


    Angenehmerweise hinterlies er uns nur ein überschaubares Werk (auch das wie Webern), allerdings weil er 1. alles, was vor seiner Einreise in die USA entstand, vernichtete und 2. lange Komponierpausen hatte (nicht wie Webern).


    Sein radikaler Neubeginn ist allerdings doch nicht so punktuell, wie die Vernichterei älterer Werke vermuten ließe, in Ameriques für Orchester und Offrandes für Sopran und Ensemble ist noch mach impressionistischer Klangeffekt neben dem dominierenden Blech und Schlagzeug, das die traditionelle Ballance des Orchesters umdreht und in Verbindung mit der Vorliebe für möglichst laute Instrumentnutzung einen radikal neuen Gesamtklang anstrebt, der dem starken Eindruck der amerikanischen Großstadt angemessener sein sollte und dürfte, als impressionistische Düfte.


    Der "Reinigungsprozess" der Varèseschen Musik ist erst in Hyperprism abgeschlossen, einem 4-minütigen Werk für kleine (aber laute) Besetzung, in der die knappen, anrufungsartigen Motive, die dissonanten Akkordballungen, die vielleicht bisweilen eher als (agressive) Klänge denn als Akkorde wahrgenommen werden, und die gleichmäßige Schlagzeug(über)präsenz ohne Zutaten aus traditioneller Gestaltung musikalischer Abläufe auskommen.


    Erstaunlicherweise folgt mit Octandre ein Werk, das sowohl in Besetzung (7 Bläser + Kontrabaß) als auch in der Form (Mehrsätzigkeit, Fugato(?)elemente im letzten Satz) Klassizismen aufweist. Diese erfüllen aber ihre Funktion m.E. vorbildlich, indem die Rolle der einzelnen Instrumente pro Stück z.T. gut durchhörbar ist und Entwicklungsmöglichkeiten angeschnitten werden, die das etwas monolithische Hyperprism vielleicht nicht direkt verspricht.


    Diese Mutationen einfacher Motive erreicht ihren Höhepunkt in dem absolut umwerfenden Arcana für großes Orchester, in dem die Gewaltexzesse entfesselter Orchestermassen oft in nachvollziehbarem Zusammenhang zum Urmotiv und seinen Ableitungen stehen. Aber welch emotionale Macht er mit seinen karg-strengen Materialien entfaltet ist unfassbar.


    Für seine Motivarbeit hat er das Bild des gleichnamigen Werks Intégrales geprägt, das Projiziertwerden des Materials auf unterschiedliche Ebenen. Leider nicht immer hörend nachvollziehbar und gerade in Intégrales etwas trocken und langatmig.


    Um in der Physik zu bleiben: Ionisation für Schlagzeug allein (jaaa, das Klavier ist ein Schlaginstrument) ist wieder eine klassizistische Sache: Ein Sonatenhauptsatz ohne bestimmbare Tonhöhen vor der Coda.


    Vielleicht das kusioseste aus Varèses Feder ist Ecuatorial für Männerchor, Orgel, Ondes-martenots und natürlich Blech und Schlagzeug. Der Männerchor archaisiert vor sich hin während die schrillen Ondes-martenots und weniger schrillen Orgeleinwürfe ganz eigenartige Verbindungen mit dem klassischen Varèse-Instrumentarium eingehen.


    Density 21.5 für Flöte ist dann ein Ausnahmewerk, bevor Varèse in der Hoffnung auf elektronisches Equipment, das seinen Intentionen weitere Möglichkeiten bieten solle, in Komponierpause geht.


    Der ausbrechende Tonband-Boom der 50er sieht dann in Poeme electronique Varèse dabei, seine Träume zu realisieren, wobei er gewissermaßen stilistisch wieder nach Frankreich zurückkehrt, nämlich zur musique concrète ...


    Glücklicherweise nahm er sich aber auch noch einmal der guten alten (Blechblas- und Schlag)instrumente an (jaja ich weiß, Holz ist auch dabei) und schaffte mit Deserts eine weitere Steigerung an Kargheit was Melodie(un)seeligkeit betrifft. Die (eventuell durch Tonbandpassagen getrennten) musikalischen Wüsten sind in ihrer abweisenden Blockhaftigkeit tatsächlich den viel jüngeren Nachkriegsavantgardekollegen (Xenakis) viel näher als den Werken der Gleichaltrigen (aus Varèses Jahrgang stammen Bax, Casella, Klenau, Hauer und Webern).


    Welche Werke habt ihr lieber, welche weniger lieb (ranking), welche Aufnahmen sind besser/schlechter, über welches Werk habe ich nur Käse verzapft?

  • Endlich! - ein wichtiger Thread über einen der meiner Meinung nach bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, dessen Schaffen noch längst nicht so ins Bewußtsein gedrungen ist, wie es notwendig wäre.


    Ich will einmal sagen, was mir bei Varèse alles aufgefallen ist: Er verwendet nur in drei Werken einen Streicherkörper, nämlich in "Amériques", "Arcana" und "Offrandes". Nur in "Offrandes" spielen die Streicher auch herkömmliche Streichermusik. In "Amériques" und "Arcana" würde ich die von ihnen gespieltenn Akkorde vor allem als Resonanzklänge für diverse Rhythmusschichten ansprechen.


    Wichtig ist, daß Varèse nie mit Reihen gearbeitet hat, weder mit Tonhöhenreihen noch mit Tondauernreihen. Seine Musik kennt keine Dogmen und keine Verbote, er schreibt etwa Oktavparallelen ebenso wie Terzschichtungen, wenn es ihm aus musikalischen Gründen notwendig scheint.


    Was ist nun das Besondere an Varèse? - Ich glaube, es handelt sich um vier stilistische Eigenheiten:
    1) Die Musik ist scharf dissonant, aber aus irgendeinem Grund nimmt man die Dissonanz als Klangwert wahr, ohne daß sich das Ohr dagegen sträubt.
    2) Die Thematik ist formelhaft, meist führt ein Einschwingvorgang zu einem Halteton oder es werden zwei Haltetöne durch eine melismatische Bildung verbunden. Melodien kreisen, sofern vorhanden um einen oder zwei Töne. Durch diese thematischen und melodischen Eigenarten erhält die Musik oft den Charakter des Statischen, Rituellen.
    3) Auffällig ist, daß Varèse mit Klangblöcken arbeitet, die allenfalls in sich bewegt sind, aber kaum Kontrapunkt im herkömmlichen Sinn bieten.
    4) Varèse wählt primär selbstdefinierte Formen. Der Sonatensatz bei der "Ionisation" ist natürlich ein brillanter Schachzug, um zu beweisen, daß Rhythmus und Klangfarbe formbildende Kräfte sein können - auch dann, wenn es um die Erfüllung traditioneller Formen geht. Sonst allerdings gibt es kaum etwas wie Durchführung oder/und Variation im Werk Varèses: Eher werden Themen wiederholt und dann abgelegt - wofür "Amériques" ein ideales Beispiel ist: Das prägnante Anfangsthema kommt in immer größeren Abständen vor.


    Schwer fällt es mir, ein wirkliches Lieblingswerk zu benennen - ich mag sie alle, vielleicht "Density" und "Offrandes" etwas weniger.
    Wenn ich aber drei Stücke nennen müßte, wären es "Arcana", eine aufgepeitschte Komposition, deren Anfang ich niemand auch nach nur einmaligem Hören je wieder aus dem Ohr verliert. Strawinskij meinte boshaft, auf "Arcana" sei der Schatten des "Sacre" gefallen - was aber nur die halbe Wahrheit ist. Arcana ist vielmehr die logische Konsequenz aus dem "Sacre". Und eine Musik, deren wilde Schönheit einzigartig ist.


    Dann wäre da "Ecuatorial" - ebenfalls wieder die reine Magie. Auf mich wirkt diese Musik wie ein urzeitliches Ritual, nicht "schön" im herkömmlichen Sinn, aber faszinierend. Die kleinzelligen Motive im Männerchor mit ihren Repetitionen singen sich in eine eigentümliche Ekstase, das Instrumentarium begleitet weniger, als daß es eher einen Klangraum schafft, in dem sich die Stimmen entfalten.


    Und dann natürlich "Deserts", das der Kurzstueckmeister zurecht als "karg" beschreibt. Nur kann sich kaum jemand vorstellen, wie reich diese Kargheit ist: Reich nämlich an Farben und Gestalten, an kleinen Veränderungen und plötzlichen Brüchen. Es ist tatsächlich eine Klanglandschaft, die Varèse entwirft und die mit ihren geradezu körperlichen Klängen etwas völlig Einzigartiges darstellt.

  • Hallo kurzstückmeister,


    Du hast keinen Käse verzapft, sondern einen angemessenen, interessanten Thread über Edgar Varese gestartet.
    Interessant auch Edwin´s Meinung zu Verese, der ihn für einen bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts halt und das obwohl sein gesamtes Schaffen auf 2CD´s passt.


    Ich mag von Varese am liebsten seine beiden großen Orchesterstücke Ameriques und Arcana.


    :hello: Nun meine Frage an die Fachleute Kurzstückmeister und Edwin:
    Welche Aufnahme favorisiert ihr?


    Mein erster Varese-Kontakt war eine Decca-LP mit Zubin Metha, mit dem Werk Arcana, das mir mit Metha nach wie vor am besten gefällt, sowie Integrales und Ionisation. Die Einspielung ist mit dem Konzert für 4 Percussionisten & Orchester von William Kraft gekoppelt. Diese Aufnahme habe ich inzwischen auch als Decca-CD aus der audiophilen CD-Reihe THE CLASSIC SOUND (derzeit aber wieder gestrichen (deshalb ohne Bild)).


    Es folgte die SONY-CD mit Boulez um mehr von Varese kennen zu lernen.

    Arcana; Ionisation; Ameriques; Density 21.5;
    Offrandes; Octandre; Intregales

    Ensemble InterContemporain, New York PO, Boulez
    SONY, Aufnahme 1977/84 ADD/DDD
    Boulez scheint mir im Vergleich zwar sehr gut durchhörbar, aber erreicht nicht das Metha-Feuer bei Arcana und bleibt auch klanglich hinter Decca zurück.


    Die klanglich beste Aufnahme ist eine Gesamtaufnahme aller Varese-Werke auf CD mit Ricardo Chailly.
    Diese Doppel-CD fiel mir Ende 2005 in die Hände - und ich frage mich ob dies nicht sogar die beste Interpretation ist, da alles perfekt zu sein scheint.

    Das Gesamtwerk
    Tuning up;Ameriques;Poeme electronique;
    Arcana;Nocturnal;Un grand sommeil noir (in
    2 Versionen);Offrandes;Hyperprism;Octandre;
    Integrales;Ecuatorial;Ionisation;Deserts;
    Density 21.5;Dance for Burgess
    Leonhard, Delunsch, ASKO Ensemble,
    Concertgebouw Orchestra, Chailly
    2 CDs
    DECCA, Aufnahmen 1992 - 1998 DDD

  • Hallo teleton!
    Der Chailly ist wohl unumgänglich, zumal er ja beide Versionen der "Amériques" bietet. Ich halte seine Einspielungen für starke Leistungen mit einem tollen Orchester, ungeheuer sinnlich geht es da zu - und die Noten stimmen obendrein.


    Ich habe dann noch die Orchesterwerke unter Boulez auf DG: Das ist sehr genau musiziert, man hört deutlich Details, die bei Chailly nur ein Beitrag zum Gesamtklang sind - überhaupt ist Boulez deutlicher. Aber für mich ist er etwas zu "leicht", diese ungeheure Wucht von "Arcana" vermittelt mir Chailly doch eine Spur besser. Boulez sollte man dennoch kennen - und zwar um zu erfahren, daß diese Musik keineswegs mit breitem Pinsel gemalt ist, sondern ungeheuer detailliert.
    :hello:

  • Hallo zusammen,


    ich habe zu Zeiten so meine Schwierigkeiten mit dem Herrn Varese.
    Ich muß mir eingestehen, daß ich von den Werken, die ich kenne (es sind nicht ganz alle), mir am besten Arcana und Density 21.5 gefallen, als im Prinzip der "Varese für Anfänger". Achso, Ionisation habe ich vergessen, auch ein fantastisches Werk!


    Ich selbst besitze die Aufnahme unter Nagano, damals noch bei erato erschienen.
    Kennt die jemand und wie ist die im Vergleich zu Boulez oder Chailly zu bewerten?


    :hello:
    Wulf.


    P.S. Ich hatte es bereits in einem anderen thread erwähnt - die Uraufführung von Deserts unter Scherchen wurde zum - angeblich - größten Aufführungseklat der neueren Musikgeschichte. Der gute Scherchen hatte zuvor Beethovens Pastorale zum Besten gegeben und damit die Erwartungen der Konzertbesucher wohl in etwas falsche Richtungen gelenkt. Im Vergleich zu dieser Aufführung soll wohl die Sacre-UA der reinste Kindergeburtstag gewesen sein.... :stumm:

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Sonst allerdings gibt es kaum etwas wie Durchführung oder/und Variation im Werk Varèses: Eher werden Themen wiederholt und dann abgelegt - wofür "Amériques" ein ideales Beispiel ist: Das prägnante Anfangsthema kommt in immer größeren Abständen vor.


    Und ich dachte, in den späteren Werken würden die unterschiedlichen Motive und Akkorde sehr wohl irgendwie auseinander abgeleitet sein, nicht dass ich wüßte wie, aber einerseits bilde ich mir ein, irgendwann einmal sowas gelesen zu haben, andererseits spricht das Bild der Projektion auf unterschiedliche Ebenen, das den Werktitel "Intégrales" motiviert, dafür, dass es sich um "verschiedene Erscheinungsformen" desselben Motivs handelt. Nun habe ich wiederholt vergeblich versucht, das hörend zu verstehen, um wieder davon abzugehen und die verschiedenen Motive und Akkordballungen als zwar aufeinander bezogen zu denken aber nicht zu hören.


    In jedem Falle gibt es aber immer wieder, dass ein Motiv um weitere Umspielungen oder Tonwiederholungen ergänzt wird. Und gerade in Intégrales scheint doch durch dieses lange Verharren auf dem einen sich langsam verändernden Motiv bevor es plötzlich "umkippt", also offenbar anders "projiziert" wird, die Aufmerksamkeit auf diese thematische Arbeit gelenkt werden zu sollen. Und gerade darum steige ich bei "Intégrales" gewissermaßen aus, weil die Aufmerksamkeit dann nicht kapiert, was passiert.


    Andere Stücke wirken dagegen ganz problemlos und die "Repriseneffekte" von Arcana, vor allem wenn das Urmotiv auf lauter Halbtöne reduziert irgendwie verstümmelt wirkt, liebe ich nun doch heiß, auch bei Varèse ist es mitunter schön, Motive wiederzuerkennen.


    Diese Beobachtungen sind sicher mit Schuld, dass ich Amerique und Intégrales am wenigsten schätze. Vielleicht kann mir jemand die Augen oder Ohren öffnen?

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    In jedem Falle gibt es aber immer wieder, dass ein Motiv um weitere Umspielungen oder Tonwiederholungen ergänzt wird. Und gerade in Intégrales scheint doch durch dieses lange Verharren auf dem einen sich langsam verändernden Motiv [...]


    Jetzt hatte ich eine kleine Erleuchtung ...


    Gerade dieses langsame "Entwickeln" durch Verlängerung und Ergänzung mit Wechselnoten dürfte wohl ein gegeneinander Verdrehen des musikalischen Objektes und der Projektionsfläche sein. Die Wechselnoten werden sozusagen erst hörbar, wenn sie auf der Projektionsfläche deutlich genug wahrnehmbar sind? Wenn ich mir nun den Anfang von Intégrales vorstelle (den ich als Jugendlicher gerne in Freibädern pfiff), kommt mir die Assoziation von sich langsam drehenden Objekten vor Projektionsflächen schon recht plausibel vor.


    Bleibt die Frage, ob dann wirklich ein anderes Objekt kommt (im - sagen wir mal - zweiten Abschnitt) oder ob es dasselbe Objekt bei total anders gelagerter Projektionsfläche ist?

  • Ich würde sagen, es ist dasselbe Objekt bei anders gelagerter Projektionsfläche - aber die Wahrnehmung seitens des Zuhörers ist wohl die eines anderen Objekts.


    Bei den späten Werken Varèses ist für mich die große Frage, was nun eigentlich der thematische Keim ist. Natürlich kann man von sukzessiver Veränderung sprechen. Nur ist die Abwandlung schon beim ersten Mal so groß, daß eine Diskussion gerechtfertigt ist, ob es sich noch um eine Variation eines Themas handelt oder um eine andere Gestalt mit Ähnlichkeiten zur ersten Gestalt.


    Mir fällt ein natürlich hinkender Vergleich ein: Sprechen wir von Bäumen. Eine Buche und eine Linde sind zwei völlig unterschiedliche Bäume, obwohl sie in ihrer Eigenschaft als Baum mit Wurzeln, Stamm, Ästen, Zweigen und Blättern Gemeinsamkeiten haben. Rede ich von Bäumen ganz allgemein, sind Buchen und Linden sozusagen Variationen. Rede ich aber von Linden, ist die Buche keine Variation, sondern ein anderer Baum mit peripheren Ähnlichkeiten.

  • Das hat es vielleicht auch noch nie im Forum gegeben, Jemand startet einen Thread über einen Komponisten, von dem er noch nie eine Note gehört hat. Es ist so, dass mein Sohn in Hamburg war, dort in die Elbphilharmonie ging, ohne zu wissen, was eigentlich gespielt wurde. Und in der "ersten Halbzeit" gab es dann Ameriques von Edgar Varese. ER berichtete mir dann ganz aufgeregt, dass er von der Musik völlig erschlagen wurde und das folgende Sacre de printemps als ruhig und harmonisch empfand.
    So etwas macht ja wohl neugierig.
    Im Directory fand ich den Namen nicht, also hier mal der Versuch, Wissen und Erfahrung über und mit der Musik dieses Mannes hervor zu locken. Ich habe mir schon mal eine CD bei JPC bestellt und bin sehr gespannt.


    Tschö
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.


  • Es gab da schon mal einen Thread, aber das war schon vor meiner Zeit. Den habe ich gelesen, bevor ich selbst im Forum aktiv wurde, und er ist auch schnell wieder eingeschlafen....Edgar Varèse
    zusammengeführt, KSM

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ich habe mir schon mal eine CD bei JPC bestellt und bin sehr gespannt.


    Hallo Klaus,


    welche Aufnahme/CD hast Du denn bestellt ?
    Es ist so, das das Gesamtwerk von Edgar Varese auf 2 CD´s untergebracht werden kann. Er war kein Vielschreiber! Die Decca-Doppel-CD mit Chailly, die ich in Beitrag 4 unten abgebildet habe, macht die Sache für Varese bereits perfekt.


    Mit persönlich gefallen die für grosses Orchester gesetzten Werke Arcana und Ameriques am besten. Es sind einige Werke dabei, die recht experimentell anmuten. Auch die gewählten Instrumente und die Besetzung sind einmal mehr absolut untypisch und weisen Varese als wirklich sehr eigenständigen Komponisten aus, für den es kaum Vergleiche zu anderen Komponistenkollegen gibt.
    Es sind einige langweilge Sachen dabei (so empfinde ich das eben; z.Bsp Ofrandes) aber auch tolle Stücke mit dem richtigen Hörspassfaktor.


    :!: Es ist kein leichter "Stoff", den Du nicht ohne vorher das Textheft/oder den Konzertführer ausführlich gelesen hast hören solltest.
    Aber eines kann ich für Dich schonmal vorwegnehmen: Das dein Sohn Le Sacre dann im Konzert nach der Halbzeit als ruhiger und harmonischer Empfunden hat, als die Ameriques, würde ich nicht so sehen, denn Le sacre regt mich mehr auf/an (im positven Sinne). Egal - jedenfalls beides teletontaugliche Musik.


    Ameriques (1919-1921)
    Edgar Varese schrieb das knapp 25minütige Stück für sehr grosses Orchester. Es war seine erste Komposition nach seiner Ankunft in den USA 1915 und symbolisiert (knapp formuliert) seine Eindrücke der neuen Welten auf der Erde, im Weltraum, in den Köpfen der Menschen. Er hätte es nach eignen Worten auch Himalaya nennen können.
    Das Werk wurde 1926 von Stokowski mit seinem Philadelphia Orchestra uraufgeführt. Es existiert von den Ameriques noch ein Originalmanukript, das von Cou When-chung 1998 für die Chailly-Decca-Aufnahme editiert wurde und gegenüber der Originalfassung 1918-21 noch beträchtlich mehr Holzbläser verwendet, das Schlagzeug noch durch eine Dampfbootpfeife, eine Sturmpfeife und den Krähenschrei ergänzt (welch ein Instrumentarium) - es sind 27 Hölzbläser, 28 Blechbläser und eine riesige Schlagzeugtruppe dabei.

  • Vielleicht lag der Höreindruck des nicht so argen Sacre daran, dass Varèsens Werke nun wirklich sehr laut sind.


    Hallo KSM,


    ja, das kann gut sein. Aber für mein Empfinden ist bei Strawinsky "mehr gebacken", als bei Vareses Ameriques.
    Ich habe die Ameriques gerade in der Chailly-Aufnahme gehört - das Werk scheint mir im Finale (letzte 5-6Minuten, in denn es "Zur Sache" geht) wirklich durch die Kenntnis von Strawinsky´s Sacre geprägt zu sein - denn die rhythmischen Orchesterschäge hat Varese eindeutig "übernommen".

  • Es war ja ein sehr ungeübter Hörer. Insofern könnte sich das mit Lautstärke erklären.

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Die CD kann ich nicht bei JPC finden: Pierre Boulez , New York philharmonic, Ensemble Intercontemorain.
    Es sind drauf: Ionisation, Ameriques, Density 21,5, Offrandes, Arcana, Octandre und Integrales.

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Die CD kann ich nicht bei JPC finden: Pierre Boulez , New York philharmonic, Ensemble Intercontemorain.
    Es sind drauf: Ionisation, Ameriques, Density 21,5, Offrandes, Arcana, Octandre und Integrales.


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    Harald


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    (Vinícius de Moraes)

  • An den Namen Edgar Varèse erinnere ich mich gut. Als Teenager lernte ich die Querflöte spielen. Ich weiss noch, wie mein Lehrer das Notenblatt von Density 21,5 auf den Notenständer legte und sagte: "So spiel mal!". Nach wenigen Takten unterbrach er mich mit den Worten: "Da werden wir noch etwas üben müssen." Der Plural "wir" störte mich, denn die Übungszeit war allein meine Sache! Die in der Partitur geforderten extremen Höhen und p und fff Stellen waren eine Herausforderung. Ich musste "Density 21,5" in einer Vortragsübung spielen zusammen mit Debussys "Syrinx" und Honeggers "Danse de la chèvre".


    Der Titel des Stückes bezieht sich auf das Spezifische Gewicht des Elementes Platin. Mehr zum Stück in diesem Link.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Density_21.5



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    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • kurzstueckmeister hatte vor 13 Jahren diesen Thread eröffnet.


    Dieser Edgar-Varèse-Thread benötigt wieder etwas Anschub. In meinem Beitrag 18 hatte ich sein Solo-Flötenstück 21,5 gepostet.


    Ich bin kürzlich auf die Aufnahme des Orchestre National de France mit dem Dirigenten Kent Nagano gestossen, in der viele der bereits im Thrad erwähnten Werke enthalten sind. Weitere Mitwirkende sind Phyllis Bryn-Julson, Sopran, Philippe Pierlot, Flöte, Nicholas Isherwood, Bassbariton, Choeurs d'hommes de Radio France. (Dass die Doppel-CD zum Aktionspreis gegenwärtig zu haben ist, erwähne ich.)

    Ich gebe in der Trackliste noch die Entstehungszeit der Kompositionen an. Viele der Werke sind vor circa 100 bzw. 60 Jahren entstanden.


    Amérique (1920/21)

    Offrandes (1921)

    Hyperprism (1923)

    Octandre (1924)

    Arcana (1925-1927)

    Densite 21,5 (1936)

    Ionisation (1929-1931)

    Ecuatorial (1934)

    Nocturnal (1961)

    Integrales (1925)

    Deserts (1954)



    Mehr Information zum Komponisten im Wikipedia-Artikel:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Edgar_Varèse


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  • Hallo moderato,


    Es scheint tatsächlich keine wirklich schlechten Aufnahmen der Varese _ Orchesterwerke zu geben. Wer sich daran wagt, hat auch ein passendes Orchester zur Verfügung.

    :!:Aber an Chaillys wuchtigster und zudem klangstarker Aufnahme (Decca) kommt kein Klassikhörer vorbei, der sich für Varese interessiert . Siehe auch meinen Beitrag 4 zu dieser tollen GA seiner Orchesterwerke.

  • Diese Chailly-Aufnahmen sind (noch) erhältlich.


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