Interessantester lebender Interpret der Beethoven Klaviersonaten

  • Liebe Forianer,


    Um wieder mal das Thema "Wiener Klassik" in den Mittelpiunkt zu rücken starte ich diesen (hoffentlich) interessanten Thread:


    Gesucht wird der (für Euch) "interessanteste LEBENDE" Interpret der Beethoven Klaviersonaten.


    Damit nicht ausschliesslich immer die gleichen alten Namen genannt werden hier die "Spielregeln"


    Jeder Mitspieler darf maximal ZWEI Kandidaten nennen - ich weiß das ist schwer - aber ich erreiche durch diesen Kunstkniff, daß länger nachgedacht wird.


    Die Kandidaten sollen nicht nur am Leben sein - sie sollen auch noch AKTIV tätig sein - nicht als Dirigent oder ähnliches - sondern in ihrer Eigenschaft als Pianist - und ihre Aktivitäten sollen natürlich auf CD erhältlich sein.


    Es müssen nicht ALLE Sonaten vorhanden sein - aber doch einige.


    Live-Berichte sind erlaubt.



    Eine kurze Erläuterung WARUM man diesen oder jenen Pianisten gewählt hat - ist zwar NICHT PFLICHT - aber freuen würden wir uns darüber schon



    CD Empfehlungen werden gerne gesehen...



    Und nun viel Spaß


    Alfred

  • Salut,


    in noch immer von Bewunderung getränkter Erinnerung denke ich an Rudolf Buchbinders Klaviermatinee vom 02. Oktober 2005 in Baden-Baden [Festspielhaus], wo er nebem üblichem Mozartkram Beethovens Klaviersonate F-Dur op. 10 Nr. 2 sowie die Appassionata f-moll op. 57 spielte. Bestechend war der letzte Satz der F-Dur-Sonate - so habe ich das noch nie gehört, unbeschreiblich.


    Das Publikum faselte allgemein von dem Mozartinterpreten, was auch meine Intention zum Konzertbesuch war, nachdem ich Buchbinder zuvor mit einem Mozartkonzert [C# KV 467] live aus Essen im TV gesehen und gehört hatte.


    Die erhältlichen Einspielungen der Mozartkonzerte entsprechen nicht ganz dem, was ich da live hörte. Ich nehme an, dass es daher auch keine aktuellen Beethoven-Einspielungen gibt, die dem Gehörten entsprechen, aber man sollte das beobachten.


    Viele Grüße
    Ulli

  • Zitat

    Original von Ulli


    Die erhältlichen Einspielungen der Mozartkonzerte entsprechen nicht ganz dem, was ich da live hörte. Ich nehme an, dass es daher auch keine aktuellen Beethoven-Einspielungen gibt, die dem Gehörten entsprechen, aber man sollte das beobachten.


    Lieber Ulli,


    die Buchbinder-Aufnahmen der Klaviersonaten sind schon ein wenig in die Jahre gekommen (Entstanden ist der Zyklus Ende der Achziger/ Anfang Neunziger) Gehört habe ich Buchbinder einmal im Konzert mit dem fünften Klavierkonzert. Das war wirklich ein Erlebnis. Aber zurück zu den Sonaten... :D


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

  • Hallo!


    Ich stelle feat, hauptsächlich Beethoven-Aufnahmen von toten Pianisten zu kennen...oder lebt Gilels vielleicht noch? Nein? Und Gulda? :rolleyes:


    Best of the rest sind bei mir (größtenteils mangels Kenntnis anderer lebender Größen des Beethoven-Klavierspiels) Alfred Brendel und Stephen Kovacevich, wobei ich nicht weiß, ob letzterer noch aktiv ist.


    Schlaue Begründungen muß ich mir erst noch Ausdenken. ;)


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Sagitt meint:


    Buchbinder habe ich in ziemlich grausamer Erinnerung ( ich schrieb glaube ich recht böse aus Bad Kissingen).
    Ich kenne nicht so viele lebende Interpreten, aber es gibt hervorragende Aufnahmen von Pollini und auch von Korstick.


    Das wären ja dann schon zwei


    Pollini: op. 27,28,81 a
    Korstick: op. 53,106

  • Till Fellner!!! :jubel:

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Zitat

    Ich stelle fest, hauptsächlich Beethoven-Aufnahmen von toten Pianisten zu kennen...


    Ja das geht vielen von uns so - Und gerade aus DIESER Einsicht heraus ist der Thread entstanden. Meine Statements folgen später.


    Nein, vielleicht eine Zwischenfrage: Till Fellner ?
    Ich habe immerhin 2 CDs mit ihm (und eine weiter ist geplant)


    Aber daß er Beethoven Klaviersonaten aufgenommenhat - das wusste ich bisher nicht....


    LG


    aus Wien


    Alfred

  • Die Frage ist für mich insofern recht einfach zu beantworten, weil ich unter meinen Favoriten einen habe, der schon einen kpl Zyklus eingespielt hat:


    Andrea Lucchesini


    Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1999-2001 und sind live. Näheres im einschlägigen Thread. Es gibt auch heute noch etliche Pianisten, die bei Beethoven ausgezeichnete Einzelleistungen bringen, aber einen kpl Zyklus so geschlossen, durchdacht, ohne Durchhänger hinzulegen, (und technisch sehr gut aufgenommen), das muß man erst mal nachmachen.



    Und mein zweiter Mann ist gerade dabei es zu tun!


    Andras Schiff


    Ohne Zweifel ist der Ungar einer der besten aktiven Pianisten. Sein ECM - Projekt einer Einspielung aller Sonaten verspricht viel. Mir gefällt sein Stil ohnehin, ob er für alle Beethoven-Sonaten angemessen ist, bleibt abzuwarten.

  • Pollinis späte Sonaten sind 30 Jahre alt und seine einzelne CD aus der Zeit um ca. 1990 fand ich nicht interessant genug, um mir neuere Lieferungen anzuhören. Aus Richard Goodes Einspielung hatte ich eine CD (op.10), die ich auch eher blaß fand. Der zuverlässigste und beste mir bekannte aktive (Anfang 60) Beethovenspieler ist daher Stephen (Bishop) Kovacevich, ohnehin ein anscheinend eher unterschätzter Pianist.
    Da ich aber schon seit längerer Zeit keinen zusätzlichen Bedarf an Beethovensonaten habe (obwohl die Lucchesini-Empfehlung vor ein paar Monaten mich in Versuchung geführt hatte), erhebe ich gar nicht den Anspruch hier up to date zu sein.
    Eine herausragende Einzelplatte (IIRC aus den frühen 90ern) enthält vier Sonaten mit Zoltan Kocsis, aber da der wohl nicht viel Beethoven spielt und noch weniger aufnimmt, scheint es vorerst bei dieser einen zu bleiben.
    Ein hochinteressanter Musiker, der sich aber wohl inzwischen auf neuere Musik zu konzentrieren scheint und von dem ich gerne Beethovensonaten hören würde, ist Peter Serkin (Sohn v. Rudolf).


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von sagitt


    Buchbinder habe ich in ziemlich grausamer Erinnerung ( ich schrieb glaube ich recht böse aus Bad Kissingen).


    Salut sagitt,


    wann war das? Ich fürchte, dass es bei BuBi eine entscheidende Rolle spielt.


    Viele Grüße
    Ulli

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    Nein, vielleicht eine Zwischenfrage: Till Fellner ?
    Ich habe immerhin 2 CDs mit ihm (und eine weiter ist geplant)


    Aber daß er Beethoven Klaviersonaten aufgenommenhat - das wusste ich bisher nicht....


    Hat er aber, wenn auch nicht besonders viele:


    Für EMI Austria:


    L.v.Beethoven Sonate für Klavier "Appassionata" f-moll



    Claves Records:


    L.v.Beethoven Sonate für Klavier c-moll op.10 Nr.1


    Bedeutende (lebende) Beethoven-Interpreten?


    Da kommen mir spontan Michael Korstick und Gerhard Oppitz in den Sinn. Der Beethoven-Zyklus von Gerhard Oppitz ist jetzt bei der dritten Folge angelangt, Michael Korstick erste Aufnahme seines Zyklus bei Oehms erscheint nächste Woche. Zuvor hat Korstick schon einige Sonaten bei Ars Musica eingespielt, darunter zwei Marksteine für jeden Beethoven-Interpreten: Waldstein und Hammerklaviersonate, daneben noch die Sonaten Nr. 30 - 32.
    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian

  • hat er leider, leider auch nicht, sondern bloß die Cellosonaten gemeinsam mit Heinrich Schiff. (Außer ganz, ganz jung die Appassionata bei EMI Austria und dem op.10/1 bei Claves - beides außer Konkurrenz.)


    Dennoch gehört er (im Konzert erlebt :jubel: ) zu den größten Beethovenspielern, die ich jemals (im Konzert, auf Platte, CD oder Radio) gehört habe!

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

    2 Mal editiert, zuletzt von a.b. ()

  • Mir fällt die Antwort auf diese Frage ebenfalls nicht schwer:


    Ronald Brautigam.


    Erst vor kurzem ist die dritte Folge in seinem im Entstehen begriffenen Beethoven-Zyklus bei BIS erschienen, womit die Sonaten 1 - 11 sowie 19 und 20 vorliegen. Er verwendet dabei ein Fortepiano von Paul McNulty nach Walter & Sohn ca. 1802, dem die Aufnahmetechnik auch die volle Entfaltung seines Klangreichtums ermöglicht.


    Und der ist in Worten kaum zu beschreiben - ich kann jedenfalls die jeweils nächste Folge kaum erwarten um mich daran zu ergötzen. Allein der nachtschwarze, knorrige und volle Bass dieses Instruments ist eine Offenbarung - die Oktavtremoli im Kopfsatz der Pathétique kommen so erst so richtig zu Geltung und voller dramatischer Entfaltung. Auch die großen klanglichen Unterschiede zwischen den Registern und den verschiedenen dynamsichen Graden machen das Hörerlebnis erheblich reicher und differenzierter als bei einem modernen Flügel, der im direkten Vergleich geradezu steril anmutet.


    Und der klanglichen Wunder sind viel mehr als nur ein knorriger Beethoven'scher Schicksalsbass - das reiche Obertonspektrum jeweils beim Anschlag eines Tons ist auch für eine Fülle magischer Momente gut - viele Albertibässe und Arpeggien verwandeln sich dadurch in eine schimmernde Klangwolke auf der die Obertonspitzen der Anschläge wie glitzernde Schaumkronen vorbeischweben.


    Ein pianissimo wird dadurch zu einem wirklichen Flüstern - das Anschlagsgeräusch sorgt für den wispernden Charakter.


    Hinzu kommt, dass Ronald Brautigam auch Musiker genug ist, um diese reiche Palette voll auszuschöpfen ohne in Effekthaschereien oder Maniriertheiten abzugleiten. Er spielt einen Beethoven zügiger, aber frei und organisch mit dem Melos fluktuierender Tempi, artikuliert seinen Vortrag äußerst beredt, kann lange Bögen gestalten und ist in den stillen Momenten genauso gewachsen wie donnernden Fortes oder bukolischer Heiterkeit. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Beethoven selbst so gespielt haben könnte (was ich mir zB bei dem von mir sehr hoch verehrten Wilhelm Kempff nicht denken kann).


    Auch die neue Folge bestätigt diesen Höreindruck und ich kann nur hoffen, dass er seinen Zyklus bald abschließen wird.


    Herzlich,
    Flo

  • Von beiden gibt es eine vollständige Einspielung der Beethoven-Sonaten, die eine auf historischen Flügeln, die andere aufe einem modernen. Die Rede ist von Malcolm Binns, britischer Pianist und heuer 70 geworden, der 1982 die Beethoven Sonaten auf historischen Flügeln aufgenommen hat. (Bei den histrorischen Flügeln werden die Wiener jetzt natürlich auf Paul Badura-Skoda verweisen, der sich da sehr verdient gemacht hat und auch noch lebt). Für Interessierte: dieses alte Edition soll in diesem September als CD-Edition auf dem Markt erscheinen. Meine Nr. 1 bei den (noch) lebenden ist zweifelsohne Aldo Ciccolini. Mittlerweile 81 Jahre alt, erscheinen immer noch neue Platten -pardo- CD's von ihm, jüngst noch Giregs Lyrische Stücke kplt. Die Beethoven Sonaten hat er beginnend in den 1990ern eingespielt. Bekannt ist dieser grandiose Pianist vor allem für das mustergültige Erinnern in Gesamteinspielungen von Severac, Satie oder Massenet, natürlich auch seine Liszt-Platten. Leider nimmt er nicht mehr für EMI auf, die Aufnahmtechnik seiner jüngeren CD's ist zwar digital, die Aufzeichnungsqualität erreicht die analogen ENMI-Aufnahmen gewiss nicht. Bleibt zu rühmen der warme Klavierton, die ungekünstelte Darbietung, der ein intellektuelles über- und verbauen nicht anhörbar ist. Womit ich gerade sein Beethoven-Spiel gemeint habe. Sein Geburtstag liegt übrigens gerade knapp drei Wochen zurück, daher: Ad multos annos Aldo Ciccolini.

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Wer der interessanteste lebende Beethoveninterpret/in ist, hängt natürlich vom individuellen Hörer ab, da dieser ja entscheidet, welchen Intepreten/Intepretin er für besonders interessant hält.
    Ausgehend davon, dass mit "interessant" auch "hervorragend" gemeint ist, möchte ich für mich folgende Namen nennen, ohne wertende Reichenfolge:


    Alfred Brendel
    Maurizio Pollini
    Mitsuko Uchida


    Uchida hat meines Wissens erst diese Beethovensonaten aufgenommen:



    Anspieltip bei jpc: auf die 3 klicken. Diese heikle Stückchen Musik klingt für mich bei ihr vielversprechend - von Pollini weiss ich, dass auch er diese scheinbar so einfache Melodie wunderbar spielt.


    Von allen dreien Musiker/innen kann ich wirklich behaupten, dass mich ihre Beethoven-Deutungen sehr interessieren und ich mir zukünftig deren Aufnahmen nach und nach zusammenkaufen werde, sofern ich sie nicht schon habe.
    Und am Leben sind sie ja - Gott sei Dank - auch noch alle!


    Gruss :hello:
    Glockenton

  • Nachdem ich mich mit ein paar Einzelaufnahmen der Beethoven-Klaviersonaten mit Kempf und Gilels (DG) beschäftigt hatte kam mir ein günstiges Angebot der Gesamtaufnahme aller Klaviersonaten mit Ashkenazy auf Decca sehr gelegen. Das war vor ca. 15Jahren.


    Diesen Kauf habe ich nie bereut, denn Ashkenazy interpretiert sehr kraftvoll mit energischem Ton. Auch teilweise energischer als die erst 2005 gekaufte ebenfalls hervorragende Goulda-GA (Decca-Ovation).
    Man müßte um genauer zu werden natürlich die Sonaten einzeln betrachten. Aber es soll ja hier grundsätzlich nur um einen lebenden Pianisten gehen.

    Ich habe oft den Eindruck, dass Ashkenazy im Tamino-Forum allgemein nicht so beliebt ist - sei es drum ! Aber mir gefallen auch seine Beethoven-Klaviersonaten ganz hervorragend.


    :hello: Weitere Stimmen was ihr von Ashkenazy haltet würde mich sehr interessieren.

  • wenn ich mir den guten wüterich um die ohren blasen lassen will, greife ich zu cds von bruno leonardo gelber.
    der mann ist inzwischen 65, auf den covers erscheint er immer als jugendlicher schönling. seinen beethovenzyklus hat er nicht vollendet, der glasklare klang dürfte auch der firma denon zu schulden sein.


    :hello:

  • Sagitt meint:


    In den sechzigern hat Gelber bei EMI einige Sonaten eingespielt, eine fulminante Appassionata darunter.


    Der begonne Zyklus bei Denon hat in meiner Version alles andere als einen glasklaren Klang.


    Aufgenommen in einer Kirche war bei der ersten Ausgabe unglaublicher Hall vorhanden, der die Aufnahmen ziemlich ungeniessbar machte.

  • Ich bin kein Klangspezialist,. aber mir schienen Denons Gelber-Aufnahmen einen außerordentlich guten Klavierklang zu liefern (besonders etwa verglichen mit dem harsch-glasigen Digitalklang, denn DGG Gilels oder Pollini in den 80ern bescherte). auch interpretatorisch hervorragend, Gelber hatte ich tatsächlich vergessen.
    Wer nicht teuer in Japan bestellen will, findet im Nachbarland eine sehr schöne preiswerte Auswahl "Les Rarissimes de B.L. Gelber", bei EMI France.
    Zwar keine Appassionata dabei, aber Pastorale, Les Adieux und op. 27,1, dazu Schumanns Carnaval, Sinf. Etüden, die Wandererfantasie und Chopins 3. Sonate.




    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Da zur Zeit gleich mehrere neue Gesamtaufnahmen eingespielt werden, verspricht dieser Thread spannende Diskussionen, jedenfalls glaube ich, dass man die von Alfred gestellte Frage erst nach einigen Aufnahmen der neuen Zyklen beantworten kann:


    - Andreas Schiff (ECM)
    - Gerhard Oppitz (Hänssler)
    - Paul Lewis (harmonia mundi)
    - Michael Korstick (oehms)
    - Ronald Brautigam


    Habe ich jemanden vergessen?


    Von diesen Neueinspielungen ist mir bislang leider nur op. 31 mit Paul Lewis bekannt: langsame, aber nie schleppende Tempi, herrlicher Klang, alles gut ausgeleuchtet, ohne den Stücken ihre Poesie zu rauben. Ein vielversprechender, sehr eigener Anfang! Ob das eher auf Klangfarben zielende Konzept von Lewis sich auch auf die anderen Sonaten übertragen lässt, wird sich erst zeigen.
    Meines Erachtens besteht aber die Herausforderung einer neuen Gesamteinspielung darin, für die sehr unterschiedlichen Werkgruppen jeweils einen eigenen Zugang zu finden und nicht alles gleich zu behandeln (Motorik, Klang, Polyphonie). Die viel gelobte Gulda-Aufnahmen ist bspw. in erster Linie unter motorischen Gesichtspunkten interessant, aber vieles geht da auch unter. Das mag in seiner Zeit wichtig gewesen zu sein, hat sich inzwischen aber überholt.


    Eine der aufregendsten Beethoven-Aufnahmen der letzten Jahre stammt m.E. von Zoltan Kocsis (bereits weiter oben erwähnt): die Sprengladungen, die er in op. 13 entdeckt, sind einfach atemberaubend. Das ist ein Quantensprung in der Technik des Klavierspiels, vieles wirkt im Vgl. dazu altmodisch. Schade, dass keine weiteren Einspielungen gefolgt sind, sonst würde ich hier Kocsis an erster Stelle nennen.


    Da die o.g. Zyklen noch nicht vollständig sind, vermag ich derzeit nur Alfred Brendel als Favorit anzugeben. Ich schätze ihn, weil er den individuellen Chrakter ein jeder Sonate betont udn immer wieder überrascht.


    Soweit der Zwischenstand aus meiner Sicht.


    Viele Grüße,
    Christian

  • Eine weitere Einspielung der Beethoven Sonaten ist von Angela Hewitt geplant, bei jpc findet man folgende Angaben:


    Klaviersonaten Vol. 1
    Klaviersonaten Nr. 4 (Es-Dur op. 7);Nr. 7 (D-Dur op. 10 Nr. 3);
    Nr. 23 (f-moll op. 57 "Appassionata")
    Hyperion
    DDD, 2005
    Veröffentlichung geplant
    zum 11.9.2006


    Damit sind nach meiner Zählung bereits sechs (!) neue Gesamtaufnahmen im Entstehen. Es bleibt die Frage, ob und wenn ja welche Impulse davon für die Interpretationsgeschichte der Beethoven-Klaviersonaten ausgehen.


    Viele Grüße,
    Christian

  • Sagitt meint:


    Das ist ja das Schöne, dass die Diskussion anregt, mal wieder Aufnahme zu hören, die man seit langer Zeit hat, aber in der Fülle der anderen CDs dann herumstehen. Gelber war ja eine grosser Virtuose.
    In der Tat ist auch seine Denon-Aufnahme, die klanglich mit dem Equipment, das ich gerade einsetze,Laptop mit KossPro,gut anhörbar.
    Auch die zweite Aufnahme, Gelber war damals 46 Jahre, ist voll aufbrausender Virtuosität, Appassionata.
    Wir hatten im Forum schon einmal einen Austausch über Gelber. Er konzertiert zwar noch, aber wer kennt neuere Aufnahmen von ihm?


    Ist es einer von denen, den die Industrie links liegen lässt ?

  • Hallo sagitt,


    nein, Gelber läßt die Industrie links liegen. Es gibt keine neuen Aufnahmen seit 1995.
    Bei einem so hochkarätigen Musiker macht garantiert kein Label freiwillig eine mehrjärige Pause, das wäre ja geradezu geschäftsschädigend und macht eine sinnvolle Promotion nahezu unmöglich. Nicht verwunderlich, daß sich auch kein anderes Label auf ein Abenteuer mit Gelber einläßt (wo er noch dazu für kurzfristige Absagen bekannt ist, das ist einfach nicht mehr zeitgemäß).


    Gruß, Khampan

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl


    Wer nicht teuer in Japan bestellen will, findet im Nachbarland eine sehr schöne preiswerte Auswahl "Les Rarissimes de B.L. Gelber", bei EMI France.
    Zwar keine Appassionata dabei, aber Pastorale, Les Adieux und op. 27,1, dazu Schumanns Carnaval, Sinf. Etüden, die Wandererfantasie und Chopins 3. Sonate.





    Diese Doppel-CD gibt es bei uns auch. Ich wollte sie neulich kaufen. Leider war sie in dem Laden gerade nicht da, aber mir wurde gesagt, dass sie immer wieder nachbestellt wird. Ist sogar ziemlich billig.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.