Interessantester lebender Interpret der Beethoven Klaviersonaten

  • Zitat

    Original von observator
    wäre ursupa, wenn du noch schreiben würdest, wo und wie billig.
    :hello:


    Gesagt worden ist es mir bei daCaruso. Gesehen habe ich sie außerdem vor nicht allzu langer Zeit bei EMI auf der Kärntner Straße (unter den EMI-Billig-CDs im EMI-Wühltisch an der Seite), Preis kann ich jetzt nicht mehr konkret erinnern, aber es war ungefähr ein Naxos-Preis.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Zitat

    Original von Melot1967


    ich hab da gestern reinschauen (nicht -hören!) können. was mich irritiert: auf beiden cds steht mono, auf dem cover hinten stereo...

  • alfredo perl :jubel::jubel::jubel:

    "Der moderne Komponist darf seine Werke einzig und allein auf der Grundlage der Wahrheit schreiben."
    Claudio Monteverdi


    "Der Komponist komponiert erstens für sich selbst und zweitens für das Publikum; aber für ein ideales Publikum und nicht für das...welches real existiert"
    Nikolai Rimski-Korsakow


    "Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche."
    Gustav Mahler

  • Der junge Till Fellner, ein Schüler Alfred Brendels, plant für 2008 - 2010 eine Gesamtaufführung der 32 Sonaten. Ich kenne seine Musik weder von Aufnahmen noch aus Konzerten, aber das, was es auf seiner Website zu lesen gibt, Interviews, Programmplanungen und anderes, wirkt so interessant, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, für ein Fellner-Konzert auch eine längere Anreise in Kauf zu nehmen. Dabei hat dieser Pianist nicht nur die 32 im Repertoire, sondern hat auch beide Bücher des Wohltemperierten Klaviers aufgeführt, in sehr originellen Kombinationen mit Etüden von Ligeti, Messiaen-Stücken und anderem mehr. Auch seine Programmplanung für die sieben Beethoven-Abende ist sehr gekonnt und nahezu perfekt. Sie lässt die 3er-Gruppen zusammen, geht aber im Ganzen nicht chronologisch vor. Dadurch verbindet der Zyklus die Zusammenstellung zeitlich und stilistisch verwandter und weit auseinanderliegender Werke. Aber einen Schönheitsfehler hat die Planung des Sonatenzyklus allerdings doch. Zur Zeit fehlen - leider, leider - noch die beiden wunderschönen Sonaten Opus 49.

  • Kurz gesagt:


    Korstick und Barenboim


    Korstick ist für mich ein überragender Interpret, der Virtuosität, Tiefgang und Humor unter einen Hut bringt, herausragend auch die Diabelli-Variationen (ja, gut, keine Sonate, aber trotzdem)


    Und Barenboim, gut der schwingt zwar gelegentlich auch den Taktstock, trotzdem ist es immer wieder ein GEnuss, wenn er sich ans Klavier setzt. Von den mittlerweile drei Zyklen halte ich den ersten für den besten, aber auch der DVD-Zyklus ist durchaus hörens- und sehenswert.


    Vielleicht kein revolutionärer Ansatz, den Barenboim verfolgt, aber von Klangerzeugung am Klavier versteht der Mann eine ganze Menge.



    Gruß, Flo

    "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"


    Wise Guys 2000

  • Zitat

    Original von pianoflo
    ..
    Korstick ist für mich ein überragender Interpret, der Virtuosität, Tiefgang und Humor unter einen Hut bringt, herausragend auch die Diabelli-Variationen (ja, gut, keine Sonate, aber trotzdem)
    ...


    Schon erstaunlich, wie unterschiedlich persönliche Eindrücke sein können. Humor ist so ziemlich das Letzte, womit ich Korstick in Verbindung bringen würde. Gerade die Diabelli-Variationen sind derart staubtrocken und so was von humorlos, dass man sich förmlich nach der Erlösung durch Brendel sehnt...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von Theophilus
    Schon erstaunlich, wie unterschiedlich persönliche Eindrücke sein können. Humor ist so ziemlich das Letzte, womit ich Korstick in Verbindung bringen würde. Gerade die Diabelli-Variationen sind derart staubtrocken und so was von humorlos, dass man sich förmlich nach der Erlösung durch Brendel sehnt...


    Geht mir auch so.


    Von den bisher erschienenen Beethoven-Aufnahmen Korsticks überzeugen mich die Diabelli-Variationen am wenigsten. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Aufnahme ist sicher nicht schlecht- aber auf mich wirkt sie so trocken wie ein Pfälzer Riesling. Die Sonaten sind Korstick besser gelungen, besonders op. 2 fand ich sehr überzeugend.


    Herzliche Grüße,:hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Alfred Brendel zu nenne wäre mir ein leichtes- und ich würde es voller Überzeugung tun - Mit gleichem Recht könne ich Paul Badura Sloda nennen:
    Beide leben noch, konzertieren noch und nehmen noch auf.


    Indes sehe ich den Sinn des Threads vorzugsweise Leute zu nennen, welche man vor 30 Jahren noch nicht hören konnte.


    Von den neueren Aufnahmen, die als Gesamtaufnahmen konzipiert sind - was nicht heißt, daß alle davon fertiggestellt werden - hat mich, was ich von Angela Hewitt hören durfte, am meisten überzeugt. Es ist noch zu früh für eine Analyse, aber sie ist eindeutig mein Favorit.


    Markus Schirmer war auch sehr gelungen und individuell, dazu noch superb aufgenommen - aber leider hat sein Label - wie es aussieht - derzeit eher nicht vor, einen Beethoven Zyklus einzuspielen......


    Michael Korstick- Ich besitze eine Aunahme der Sinfonien Nr 21 und 21, welche er für das Label "Ars music" eingespielt hat. Sie ist IMO unbvergleichlich überzeugender, als das was ich bisher auf Oehms von ihm gehört habe. (vielleicht auch teilweise der Tontechnik zuzuschreiben) Jedoch ist auch bei der Ars-musici Aufnahme ein gewisser Hang zum "Eigensinn" nicht überhörbar - eine Dosierungsfrage. Und natürlich auch eine Geschmacksfrage. Was der eine als "Individuell" und "mutig" einstuft, das wird vom anderen bereis als "schrullig" empfunden. Das ist jetzt keineswegs abfällig gemeint - Beethoven selbst war ja auch schrullig.....


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Salüt,


    der wahrhaft für mich interessanteste wäre eindeutig Arthur Schoonderwoerd. Nachdem ich seine Interpretationen des 4. und 5. Klavierkonzertes kennen lernen durfte, würde ich mir auch die ein oder andere Solosonate wünschen. Gleiches kann ich von Robert Levin sagen - hier kenne ich nur Kammermusikalisches, keine Solowerke also: Aber es macht viel Lust auf Solches!


    Was hier unter "interessant" zu verstehen ist, leuchtet mir aber nicht so richtig ein.


    Als meinen Liebling kann ich aber derzeit Steven Lubin nennen.


    :hello:


    Ulli

  • Als meinen Liebling kann ich aber derzeit Steven Lubin nennen.


    Ganz Deiner Meinung.
    Nach Schoonderwoerd werde ich sehen.


    Gruß aus Bonn :yes:

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu

  • auch wenn bislang kaum cd-veröffentlichungen erschienen sind:
    mein "lebendiger" favorit bei beethoven (und nicht nur dort..) ist sicherlich


    GRIGoRY SOKOLOV


    erlebt habe ich ihn live mit opp. 14/1 & /2, op. 111, op. 22, über radioaufnahmen kenne ich noch op. 27/2; op. 31/1, op. 109, op. 110 sowie op. 106 (diese auf CD) - fast jedesmal bestechend lebendig und zupackend (seltsamerweise hat mich op. 111 am wenigsten überzeugt - vielleicht bin ich da auch am kritischsten)


    gruß aus freiburg
    john lackland

  • Na endlich finde ich einen Mitliebhaber! kam mir schon ein bißchen außenseiterisch vor.
    Ebenso schätze ich Radu Lupu, auch der ist hier im Forum irgendwie nicht vorhanden.


    Gruß aus Bonn :hello:

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu

  • Zitat

    Original von Stabia
    Na endlich finde ich einen Mitliebhaber! kam mir schon ein bißchen außenseiterisch vor.


    Nicht die Spur :D


    Sokolov hat sogar seinen eigenen Thread:


    Sokolov, der letzte der Titanen oder so ähnlich :D


    Allerdings würde es dieser Thread verdienen mal wieder wachgeküsst zu werden. Konzertkarten für sein nächstes Konzert bei mir in der Nähe habe ich schon geordert. Seine Beethoven- und Chopin Einspielungen schätze ich sehr. Warum er so scheinbar unbekannt ist? Nun, die Zahl seiner Veröffentlichungen ist relativ gering. Aber vielleicht können wir die Frage ja im Sokolov thread weiterverfolgen?


    Radu Lupu? Den habe ich vor vielen Jahren einmal mit Schubert in Ludwigshafen gehört, im Gedächtnis geblieben ist mir von dem Abend allerdings wenig, was aber definitv an mir und nicht an Lupus Spiel liegt. Übrigens höre ich Lupu am Dienstag mit Bartoks drittem Klavierkonzert.


    Wenn gewünscht poste ich gerne mien Eindrücke, nur sind Bartoks Klavierkonzerte für mich relatives Neuland.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Liebe Taminen!


    Ich sage nur:


    Friedrich Gulda – Sämtliche Klaviersonaten (Diabelli gibt’s extra, Klavierkonzerte auch.)




    Ich höre den Schrei der Entrüstung durchs Forum beben, den grünschnabligen Neuling verfluchend, welcher sich nicht entblödet, Themenvorgaben links liegen und meilenweit unter sich zu lassen. Ich spüre den Schwall von Protest- und Drohbriefen in seiner PN-Box, dessen ich mich nur erwehren kann aufgrund des simplen Gebotes, dass eine solche jenem verwehrt ist.


    Doch bin ich gewillt, mich zu erklären und rechtfertigend vor Euch zu stehen mit den abschließenden Worten: „Wanderer, kommst du nach Sparta…“.


    Schon einmal hat, wie sicher viele wissen, Friedrich Gulda im März 1999 die Welt der „stinkreaktionären Kunstlemuren“ durch gezielten Einsatz von Publikationsgeflügel von seinem irdischen Abtritt überzeugen können mit dem Präfix, Nachrufe zu seinem Ableben hätten zu unterbleiben. Seine Reinkarnationsfeier umgab ihn dann mit der Go-Go-Truppe "Paradise Girls" in Salzburg.
    Dass er ein knappes Jahr später und noch dazu ausgerechnet an Mozarts Geburtstag tatsächlich die irdische Mühsal überwunden haben soll, mutet an wie eine Verschwörung von CIA, FBI und RTL.
    Oder eben ein weiterer PR-Gag vom Hasser der „hundertjährigen Gelähmten“.


    Schon hier ein Ansatz möglicher Beweisführung dessen, was unten provokant in zwei Worten postuliert werden wird:
    Wer anderes als der Op.111-Jazzer selbst wird sich vorgenommen haben, in 23 Jahren den staunenden Völkern die zweite Gesamtaufnahme des „Neuen Testamentes der Klavierspieler“ eines mopsfidelen hundertjährigen Ungelähmten zu präsentieren? (Bis dahin soll diese unpathetische, kraftvolle, ehrliche und ewige Aufnahme weiter ihre bewährten Dienste tun.)


    Drum, liebe Taminen, lasst Euch nicht ein zweites Mal an der Nase herumführen!
    Drum, zornesrote Gesichter, nehmt gesunde Farbe wieder an!
    Drum lasst Donner schwüles Gedünst, trüben Druck und bleiches Gewölk mit dem Hammer zerschlagen!


    Drum - Glaubt unsereinem! - gehört Gulda hierher!
    Denn der dies geschrieben hat, der hat es bezeuget, und sein Zeugnis ist wahr:


    Elvis mag tot sein –



    GULDA LEBT!!!



    Ein kämpferisch-esoterisches „Fürchtet Euch nicht!“


    Euer
    audiamus

    Einmal editiert, zuletzt von audiamus ()

  • Hallo, audiamus!


    Auf Fritze aus Österreich! (Was soll hier Elvis? :no: )


    Bei dem 111er-Jazz fühle ich mich längst zu Hause, aber Deinen 100er-Schubert-Tango habe ich doch prompt nachhören müssen. :D


    (Nur "esoterisch" müsstest Du so schreiben - wie ich grad! ;))


    Besten Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • ups...


    Es gibt eine nicht unbeträchtliche Gemeinde, die der Überzeugung ist, auch ihr "King" weile noch unter den Lebenden.
    Also, auf den guadn oidn Fritz!


    audiamus

  • Zitat

    Original von Christian B.
    ...Eine der aufregendsten Beethoven-Aufnahmen der letzten Jahre stammt m.E. von Zoltan Kocsis (bereits weiter oben erwähnt): die Sprengladungen, die er in op. 13 entdeckt, sind einfach atemberaubend. Das ist ein Quantensprung in der Technik des Klavierspiels, vieles wirkt im Vgl. dazu altmodisch. Schade, dass keine weiteren Einspielungen gefolgt sind, sonst würde ich hier Kocsis an erster Stelle nennen...


    ... ich fand diese CD von 1991 heute für weniger als fünf Euro in einem Buchgeschäft in Herford. Der erste Höreindruck bestätigt genau das, was du geschrieben hast. Aber die Aufnahme enthält ja immerhin auch noch die Opus 2/1, Opus 10/1 und Opus 31/2. Alle Aufnahmen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen gestalterischer Vollendung und emotionaler Hochspannung. Die klassische Tradition, die es in diesen frühen Sonaten noch gibt, ist ebenso spürbar wie die Eroberung neuer Ausdruckswelten. Die Aufnahmen können auf jeden Fall mit denen aus Friedrich Guldas Einspielung aus den 1960er Jahren konkurrieren. Und natürlich muss ich nach dem Hören dieser CD bedauern, dass Kocsis nicht auch noch wenigstens die Opus 27/2, Opus 57 und Opus 111 aufgenommen hat.

  • Zitat

    Original von Kulturvermittler


    ... ich fand diese CD von 1991 heute für weniger als fünf Euro in einem Buchgeschäft in Herford. Der erste Höreindruck bestätigt genau das, was du geschrieben hast. Aber die Aufnahme enthält ja immerhin auch noch die Opus 2/1, Opus 10/1 und Opus 31/2. Alle Aufnahmen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen gestalterischer Vollendung und emotionaler Hochspannung. Die klassische Tradition, die es in diesen frühen Sonaten noch gibt, ist ebenso spürbar wie die Eroberung neuer Ausdruckswelten. Die Aufnahmen können auf jeden Fall mit denen aus Friedrich Guldas Einspielung aus den 1960er Jahren konkurrieren. Und natürlich muss ich nach dem Hören dieser CD bedauern, dass Kocsis nicht auch noch wenigstens die Opus 27/2, Opus 57 und Opus 111 aufgenommen hat.


    Diese CD ist eine der besten Beethovenaufnahmen, die ich kenne! leider anscheinend der einzige Beethoven, den es mit Kocsis gibt. Bartok und Debussy hat er recht umfassend eingespielt; bei hungaroton gibt es einige Mozart-Konzert (allerdings mit einer relativ faden Begleitung)


    Leider scheint er seit Jahren kaum noch zu spielen, geschweige denn aufzunehmen, nur noch (sporadisch?) zu dirigieren, und ist gerade mal um die 50. Ich weiß auch nicht, warum... Ein Jammer


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Stimmt. Und von den anderen Beethoven Sonaten spielte er vor wenigen Jahren noch die Opus 90 in La Roque d'Anthéron, in meiner Erinnerung an eine TV-Sendung ebenfalls äußerst gelungen, und wie ich jetzt sehe, im Jahr 1998 auch die Opus 111. Diese erschien auf DVD, zusammen mit KV 475 und D 960 und wird bei Amazon z.T. unter Wert verkauft.

  • Zitat

    Original von Kulturvermittler
    Der junge Till Fellner plant für 2008 - 2010 eine Gesamtaufführung der 32 Sonaten.


    Ich hoffe sehr und fast sehnsüchtig auf eine Gesamtaufnahme von Till Fellner, aber nachdem schon bei ECM Andras Schiff zum Zuge gekommen ist, befürchte ich das Schlimmste!

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Hallo


    Koczis hat in den 70 Jahren für Hungaroton die Mozart Sonaten aufgenommen. Soweit ich mich erinner hat er sich diese Aufgabe mit seinem Landsmann Dezö Ranki geteilt. Leider sind diese Aufnahmen nicht erhältlich.


    Schade, dass er sich jetzt dem Dirigieren widemt und nur noch selten als Pianist auftritt. :hello:


    Lg
    Niko

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    Indes sehe ich den Sinn des Threads vorzugsweise Leute zu nenne, welche man vor 30 Jahren noch nicht hören konnte.


    Das wirft Ciccolini freilich aus dem Rennen, greift mir als Idee dennoch ein wenig kurz. Musizieren ist ja kein Abarbeiten. Ciccolinis leider viel zu früh verstorbener Altersgenosse Samson Francois hat eine Platte mit Beethoven-Sonaten hinterlassen. Nicht unwahrscheinlich, daß der sich die Beethoven-Sonaten im fortschreitenden Alter angeeignet hätte (Francois war grandios bei Ravel, Chopin und Debussy). Ciccolini - dies zu Erinnerung - war lange Zeit festgelegt auf Liszt, Satie (das in Frankreich auf Schallplatte veröffentlichte Programm war freilich erheblich umfangreicher) und hat sich in seinem siebten Jahrzehnt mit Beethoven dergestalt auseinandergesetzt, daß es eine Plattenaufnahme lohnte. Opitz hingegen hat früh mit Beethoven begonnen. Wenn ich also dieses Beispiele anschaue, könnte ich mir ja in die Zukunft projiziert vorstellen, daß Leif Ove Andsnes in sagen wir 20 Jahren einen atemberaubenden Beethoven-Zyklus einspielen könnte.


    Will heißen: vor 30 Jahren ließ sich Ciccolini mit Beethoven zumindest auf Schallplatte nicht hören. Seit 15 Jahren tut er's aber. Und wer mag, kann ihn live im Juli d.J. in Montpellier erleben. Mit Czerny, Clementi und zwei Beethoven Sonaten (Mondschein und Waldstein).


    Somit reihe ich den durchaus aktiven Ciccolini in diese Liste ein (zumal ich mich vor wenigen Wochen live davon überzeugen konnte, daß der Mann kein Jota seiner Virtuosität eingebüßt hat und am Flügel nicht spielt, sondern gestaltet).


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Hallo liebe Beethovenfreunde,


    ich habe vorhein schon versucht einen Beitrag zu posten, aber ich weiß nicht, ob ein Timeout erfolgte oder ober der Beitrag zu lang war. jedenfalls war er plötzlich weg.
    Ich möchte hier Alfredo Perl und Michael Korstick nennen, Perl, weil er wirklich einen veritablen Zyklus in den 90er Jahren aufgenommen hat, der sich durch eine ruhige, entspannte Art zu musizieren auszeichnete, wobei er keine technischen Grenzen un kennen schien und den ich durch ein Live-Konzert kennenlernte, in der er die Schlusstrias spielte.
    Dabei fiel mir, obwohl ich die Zyklen von Kempff und Gulda schon mehrere Male gehört hatte, zum ersten Mal auf, dass Beethoven eine Variation in der Arietta in einem waschechten Boogie-Woogie-Rhythmus komponiert hat. Dieser Zyklus ist sehr geschlossen, auf einem konstanten Spitzenniveau. Leider konnte ich bisher keine weiteren Konzerte von ihm besuchen.
    Korstick lernte ich durch seine Aufnahme 2003 mit der Waldstein-Sonate und der Hammerklaviersonate kennen. Er ist ja bekannt dafür, dass der Notentext für ihn verbindlich ist, und so spielt er es auch, sei es nun sehr langsam oder sehr schnell. Auch er kennt keine technischen Grenzen. In der o.a. Aufnahme braucht er für das Adagio sostenuto aus op. 106 28:42 Minuten; aber mit welch einer pianistischen Meisterleistung hält er die Spannung unverändert hoch. Dieser Satz kann nur noch verglichen werden mit dem Kopfsatz aus der G-dur-Sonate D.894 von Schubert, die Sviatoslav Richter mit einer ebensolchen Meisterleistung und ebenso langsam spielte, obwohl sie nur 26:18 Minuten dauerte.
    Man kann sich auf weiter Großtaten von Michael Korstick freuen.

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • In der Reihe der genannten Interpreten darf Gerhard Oppitz keinesfalls
    fehlen. Über seine Beethoven-Einspielung schreibt Johannes Salzwedel im Kultur Spiegel:
    "Gerhard Oppitz der bedächtige Großmeister unter den deutschen Pianisten hat seinen Beethoven-Zyklus vollendet. Er liefert damit ein Lehrstück selbst für Kollegen: So orchestral hat das Klavier lange nicht mehr geklungen.Unendliche Klarheit, ein wundervoll transparenter Klavierklang, ein Beethovenspiel, das bei aller intellektueller Durchdringung ganz offensichtlich aus tiefster Seele kommt, von Herz zu Herzen, wie Beethoven es wollte."
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Wie der Thread zeigt ist es schwierig bei dem Thema sich an aktuelle Aufnahmen und lebende Pianisten zu halten.
    ;) da fallen so einige Leckerbissen raus !





    Zitat

    Jedenfalls war er plötzlich weg.


    @ Hallo William,


    Du bist sicher nur an eine Taste gekommen (warscheinlich STRG).
    Kleiner TIPP:
    : Schreibe deine Beiträge, wenn diese länger werden sollten, vorher mit WORD und speichere diese ab. Wenn der Beitrag steht, dann kopieren und zum Posten dann den fertigen Beitrag einfügen - fertig !
    8o Es ist immer ärgerlich, wenn man alles neu schreiben muß. Und so frei wie zuerst geschreiben, bekommt man es dann auch nicht unbedingt beim zweiten Mal wieder hin !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Einen einzigen herausragenden Beethoven - Interpreten gibt es sicherlich nicht .


    "operus" hat zu meiner Freude GERHARD OPPITZ hinzugefügt .


    Dann darf ich an die Beethoven - Zyklen um 2000 durch BUCHBINDER erinnern ( leider nicht auf CDs erhältlich ) .


    Dann der us-amerikanische Pianist RICHARD GOODE ( der auch die Klavierkonzerte sehr überzeugend interpretiert ) .


    Und Goodes Kollegin in Tanglewood M. UCHIDA . ( Die Klavierkonzerte sind ihr dann wegen des Dirigenten und des Orchetsers nicht sonderlich gelungen ) .


    ALDO CICCOLINi , von Thomas Pape hier zu Recht hervorgehoben , ist s e h r höresnwert !


    S. KOVACEVICH auf jeden Fall mit seine Diabelli - Variationen .


    ZOLTAN KOCSIs CD bei Philis ist grossartig !


    Und dann d e r Klangpoet RADU LUPU ( Decca ) .
    Lewis und Schiff haben mich nicht annähernd berühren können .


    S . BUNIN , hier eher ein Insidertipp , ist hörenswert .



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Was sagt ihr eigentlich zu der Aufnahme der letzten drei Sonaten Beethovens durch den jungen Schweizer Cédric Pescia, die neu bei Claves erschienen ist?
    :hello:


    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke


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    Werte Leser,
    Auf Empfehlung hier aus dem Thread habe ich mir diese CD geladen.
    Op.7 und Op.101 sind ja wichtige Werke im Sonatenzyklus Beethovens. Zum Vergleich habe ich die GA von Gerhard Oppitz, welche mir auch sehr gut gefällt. Aber was Sokolov mit Op. 7 macht, ist einfach traumhaft. Ein ganz anderes Spiel als Oppitz, der doch sehr bieder Op.7 interpretiert. Sokolov variiert die Tempi, betont wichtige Takte, ohne zu aufdringlich zu werden.
    Bei Op.101 sind die Unterschiede nicht so gravierend, obwohl der Klang der Instrumente natürlich sehr unterschiedlich ist.
    Ich werde mich bei Sokolov auf die früheren Sonaten Beethovens konzentrieren.
    Nochmals herzlichen Dank für diese tolle Empfehlung.
    Viele Grüße Thomas

  • Leider ist besagte CD die einzige problemlos erhältliche CD Sokolovs mit Beethoven-Sonaten. Er hat in den 1970ern und 1980ern für Melodiya noch LPs mit, wenn ich recht erinnere op. 106 und op.111 (und wohl schon einmal op.101 oder war es op.110?) eingespielt, die gab es aber wohl nie oder nur sehr kurz auf CD. Auf einer DVD gibt es irgendwo noch frühe Sonaten (op.14?).


    Auf jeden Fall empfehlenswert und problemlos erhältlich sind aber die Diabelli-Variationen. Eine recht breit angelegte, sehr differenzierte Lesart.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)