Beethoven: Klaviersonate Nr 29 in B-Dur Op. 106 - ein Hammer

  • Sagitt meint:


    Beethovens Neunte am Klavier, meinte Hans von Bülow und Serkin bezeichnete sie als Mount Everest. Beethovens mächtigste Sonate.


    Ich lernte sie von Jahrzehnten von Backhaus kennen. Ich erinnere genau das Decca- Cover, an die Aufnahme habe nicht wirklich eine Erinnerung und Backhaus ging mir nicht wirklich nah.


    Aber die op. 106- die Hammerklaviersonate. Keine ist so schwer, so umfangreich und so kühn. Ich will nicht von einer Lieblingssonate sprechen, ich habe keine, schätze im Gegenteil viele Beethovensonaten.Aber sie hat schon eine Sonderstellung. Vielleicht gibt es ja im thread noch einmal wichtige musik.wissenschaftlich-historische Kenntnisse.


    Ich kenne ziemlich viele Aufnahme der Sonate, möchte aber nur drei Varianten vorstellen, die alle (?) nicht zum main-stream gehören. Erstens auch hier Korstick, der ein aberwitziges Tempo anschlägt ( und dies, im Gegensatz zu Schnabel, auch fehlerfrei exekutiert). Seine Aufnahme wird als " genial" bezeichnet, ich würde eher großartig schreiben. Sehr beeindruckend ist die Sonate gespielt von Solomon, liegt in der Sammlung von Kaiser in eine verbesserten Fassung vor.
    Mein Favorit ist allerdings ein Geheimtipp. Es ist der australische Pianist Micheal Leslie- 1943 geboren- eher allgemein unbekannt. Aber er hat eine Hammerklavier-Sonate gespielt, mit einer Kraft, einer Farbe, einer intellektuellen Durchdringung, die ihresgleichen sucht. Ich wurde auf diesen Pianisten aufmerksam bei einem kleinen live-Konzert in Bremen. Da lag dann von Aktionsforum München diese CD herum. Ich dachte, er war beeindruckend,nimm sie mal mit. Und war hingerissen.Leider ist die technisch suboptimal.
    Auf weitere high-lights dieses Mammutwerks bin ich gespannt.

  • Tag,


    wenn einer diese Sonate genau anhand der Metronomisierungen von Beethoven spielen wollte, dann wird das Majestätische des Werkes zum Verschwinden gebracht. Tempo ist eben nur Moment von Gestaltung, nicht Pol. Volker Banfield spielte einst für Radio Bremen fast im Metronomtempo, fast, weil in Wahrheit so fast unspielbar (sage ich, andere sagen's auch). Beethoven hatte die Umstellung der Reihenfolge der Sätze 2 und 3 gestattet, Ferdinand Ries berichtete, Banfield machte von dieser Erlaubnis aus der Vergangenheit Gebrauch.


    Die Hammerklavier-Sonate gestaltete Claudio Arrau als Architektur aus Trieb und Notwendigkeit, LP von Philips, Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts, auch auf CD in Überspielung erschienen (die LP gefällt mir klangästhetisch besser, man braucht aber einen guten Tonabnehmer). - So sei es.


    MfG
    Albus

  • Hallo!
    In einem anderen thread habe ich die These gelesen, daß die Beethoven-Sonaten, die einen Beinamen haben, durchweg populärer sind, da sie sich so leichter "verkaufen" lassen. Das scheint auf sein op. 106 aber nicht zuzutreffen; Indiz dafür ist auch, daß dieser thread nach nur zwei Beiträgen in Vergessenheit geriet. Dabei gibt es zu dieser Sonate sicher viel zu sagen!
    Zunächst mal zum von Beethoven selbst gewählten Beinahmen "Große Sonate für das Hammerklavier". Wieso hat sich der Name "Hammerklaviersonate" eingebürgert? Es ist doch selbstverständlich, daß sie für Hammerklavier komponiert wurde. Die Betonung im Titel liegt eindeutig auf "Große Sonate", was meiner Ansicht nach der korrekte Beiname wäre. Ich nene sie (nicht nur deswegen) auch Beethovens "Große". Das Werk beeindruckt mich bei jedem hören und ist für mich wirklich der "Mount Everest der Klaviersonaten".
    Daß das Werk nicht so populär wurde wie die "Pathetique" oder die cis-moll-Sonate, überrascht mich dennoch nicht. Der "späte Beethoven" benötigt schon einige Hörerfahrung, und es ist ein (vergleichsweise) sehr langes und sperriges Werk.


    Ich habe diese Sonate zuerst durch eine Aufnahme mit Glenn Gould kennengelernt, also erst mal nicht richtig. Obwohl fairerweise: Diese Sonate hat er wohl etwas ernster genommen, man kann bei keinem Satz sagen, daß er hier Beethoven lächerlich machen wolle (wie bei manch anderer Sonate). Den vierten Satz mit der grandiosen Schlußfuge finde ich bei ihm sogar auf jeden Fall hörenswert! Wenns ums polyphone geht, scheint sich Gould auch bei Beethoven Mühe zu geben... Seine Äußerung "Dieses Werk hat mich seit jeher von der ersten bis zur letzten Note verunsichert" merkt man der Einspielung jedenfalls nicht an.


    Die Aufnahme mit Friedrich Gulda, die ich besitze, ist sehr gut, aber doch manchmal zu schnell, vor allem im dritten (langsamen) Satz, der für mich mit das beste ist, was Beethoven je komponiert hat. Die Tiefe der Empfindung kommt durch wirkliches "adagio sostenuto" am besten zur Geltung.


    Absolut beeindruckt war ich bei einem Konzertbesuch von der Interpretation Daniel Barenboims. Über seine Einspielungen wird ja (wohl auch zurecht) in der Regel nicht geschwärmt, aber an diesem Abend konnte er das gesamte Publikum mit seiner außergewöhnlichen Interpretation in seinen Bann ziehen... ein unvergeßliches Erlebnis! Dieser dritte Satz!


    Fazit: Wer Beethoven-Klavierwerke schätzt und diese Sonate noch nicht kennt: Unbedingt kennenlernen!
    Ich hoffe, es kommen noch ein paar Beiträge hier dazu!
    Viele Grüße,
    Pius.

  • Tag,


    also etwas zur Hammerklaviersonate und deren Interpreten? Was meinte ich gelegentlich?


    Artur Schnabel, dessen Ruhm sich auf seine Aufführungen von Werken Beethovens, Brahms (der ihn mit zum Sonntagsfrühschoppen nahm) und auch Schubert-Sonaten gründete, 1936/37 EMI: Espressivo, atemlos, an das imaginäre Publikum appellierend, zeigt das ganz besonders große Werk vor, gelegentliche Fehlgriffe sind belanglos.


    Alfred Bendel, eine der mittleren LP-Aufnahmen, nicht die frühe Aufnahme für Turnabout (die verwarf Brendel einst selbst): Etwas Wichtiges aus der Musikgeschichte darstellend, eine Verifikation am Flügel ausführend, noch die letzte Aussage dazu suchend, untersuchend.


    Richard Goode, der Amerikaner, für Nonesuch: Die Hammerklaviersonate als ein Stück ganz großer Kulturtradition vorgetragen, die Gestalt des Werkes steht fest, unverrückbar, die Musik geschieht als europäisches Kulturgut.


    Claudio Arrau: LP für Philips, 1962, Phänomenologie eines einzigartigen Kunstwerkes, Trieb und Notwendigkeit, der Ausführende wird die Sonate am lebendigen Leib, homo creator. Stille.


    Solomon Kutner, der sich Solomon nannte: Die Hammerklaviersonate in kantianischer Manier, in Schönschrift, als Erhabenes gegeben. Auf ein Publikum kommt es nicht an. Das Schöne steht für sich.


    Friedrich Gulda, Amadeo-LP: Besitz und Demonstration einer großen Komposition des Ludwig van Beethoven durch den interpretierenden Künstler.


    Nichts für alle Tage oder doch für immer.


    MfG
    Albus

  • Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen ....


    1. Solomon
    2. Gulda
    3. Brendel (spät!)
    4. Arrau
    5. Schnabel


    Herzliche Grüße, :hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Morgen,


    Kleinigkeiten noch dazu. - Solomon Cutner (nicht: Kutner - wie ich schrieb), geb. 9.8.1902, gest. 2.2.1988, Sohn eines polnischstämmigen Schneiders aus dem London East End, galt als ein Wunderkind, hatte mit 8 Jahren seinen ersten Klavierunterricht, 1956 erlitt er einen schweren Unfall, der seine Musikertätigkeit zum Ende verurteilte. Als Professional nannte er sich stets nur Solomon. Solomon wurde von der internationalen Kritik für sein "zivilisiertes, klassizistisches" Spiel sehr geschätzt. Man stellte ihm Dame Myra Hess und Clifford Curzon an die Seite, als von verwandter Geistesart.


    Claudio Arrau, die 13 LPs der Kassette mit Beethovens 32 Klaviersonaten wurden in Amsterdam aufgenommen, in 1962-1966, die Hammerklaviersonate in 9/1963.


    Artur Schnabel, dessen Hammerklaviersonate stammt von 1935, nicht 1936 (wie ich schrieb), EMI ist wieder richtig.


    Die Hammerklaviersonate hat eine Sonderstellung von der Art, dass der Philosoph Friedrich Nietzsche verlangte, man solle das enorme Werk orchestrieren. Nietzsche befasste sich immer wieder mit Musik als Kunst; mit Beethoven war er gedanklich stark beschäftigt. In der Philosophie Nietzsches war der Hammer eine starke Denkfigur, er philosophierte schon auch mit dem Hammer, seine antiakademische fröhliche Wissenschaft umspannte die unfassbare Tiefe, das Vegetativ-Animalische, die Leidenschaften, den Geist - bis er selbst am Unerreichbaren des göttlichen Wissens scheiterte (im Wahnsinn; "Ich gegen den Gekreuzigten" auf einer Postkarte). Hammerklaviersonate, orchestrieren, Felix Weingartner, prägender Dirigent der Epoche zwischen den beiden Weltkriegen, hatte dann die Orchestrierung der Sonate in B op. 106 unternommen. Vom ersten Satz, vom ganzen Werk (!) gab es eine LP (ich müsste im Katalog nachschlagen). Die Orchestrierung bedarf der Erinnerung an den Ursprung für Klavier (auch eine CD von PEARL, ist ca. 1990 erschienen).


    MfG
    Albus

  • Hallo, Albus!


    Zitat

    Original von Albus
    Die Hammerklaviersonate hat eine Sonderstellung von der Art, dass der Philosoph Friedrich Nietzsche verlangte, man solle das enorme Werk orchestrieren. Nietzsche befasste sich immer wieder mit Musik als Kunst; mit Beethoven war er gedanklich stark beschäftigt.


    Das klingt interessant! Kannst Du mir sagen, wo in Nietzsches Werken ich etwas über seine Gedanken zu Beethoven nachlesen kann? Bis jetzt kenne ich nur sein Wagner-Bild...
    Viele Grüße,
    Pius.

  • Tag erneut,
    und Tag Pius,


    im Registerband zur dreibändigen Schlechta-Ausgabe findet man fast eine halbe Seite kleingeschriebener Fundstellen unter dem Stichwort 'Beethoven', ich schätze an die 50 Fundstellen, davon gelten der Sonate op. 106 mindestens 5 Verweise für den Band I.


    MfG
    Albus

  • Aber lieber Albus ,
    was denn in aller Welt soll Myra Julia Hess in der Spitzengruppe der beethoven-Interpreten ??? Nichts , definitiv nichts !
    Sie ist ein typisch englisches Original . An einer Ehe mit ihr ist der grosse Benno Moiseiwitsch gottlob vorbeigekommen .
    Auch Clifford Curzon war in erster Linie an feinsinniger Kammermusiker , dann in seinen frühen ud mitlleren Jahren ein alle überragender Schubert-interpret und ein Mozart-Spezialist von höchstem Rang ( alle Gieseking-Fans mögen mir dies nachsehen ) .
    Beste Grüsse,
    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Ach lieber Christian,
    der späte Beethoven durch Gulda ist doch nur wegen der Metronomangaben interessant . Und wo bleibt der bis zu seinem Tode mit Beethoven-Interpretationen kämpfende S. Richter ???
    Beste Grüsse !
    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    Ach lieber Christian,
    der späte Beethoven durch Gulda ist doch nur wegen der Metronomangaben interessant . Und wo bleibt der bis zu seinem Tode mit Beethoven-Interpretationen kämpfende S. Richter ???
    Beste Grüsse !
    Frank


    Lieber Frank,


    ich habe mit meiner Liste ja keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben wollen. Das waren einfach die Interpreten die mir aus dem Stand einfielen, wenn ich an "Hammerklaviersonate" denke, und selbstredend keinesfalls alle die mir gefallen. Die Liste wäre erheblich länger.


    Im übrigen glaube ich, dass Gulda neben der Motorik noch mehr zu bieten hat, das hieße ja in auf einen Pianisten zu reduzieren der nur technisch perfekt spielt, aber sonst nicht viel kann. Gulda macht für mein Empfinden die ganze Architektur der Sonate deutlich, er baut gewissermaßen einen monumentalen Bogen, aus dem kein Stein herauszubrechen droht.


    Zu Richter muß ich zu meiner Schande gestehen, dass ich ihn als Beethoveninterpreten leider kaum kenne. Aber das ist ja das Schöne an unserer Passion, der Musik, sie ist ein unendlicher Kosmos, in dem es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Welche Sonaten hat Richter den eingespielt?


    Herzliche Grüße, :hello: :hello:


    Chrisitan

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Hallo,


    bei zweitausendeins gibts die Sonaten op.2 No.3, 31 No.2, op.90, op.101 und op.109-111 von Richter.
    Dazu die h-moll Sonate von Liszt und die Klaviersonaten D 566, 575, 894 und 960 von Schubert. Das ganze (5 Cds) für 9,99 €.


    Hab sie selber noch nicht gekauft, aber bald..


    Kann deshalb auch keine Aussagen zur Qualität machen.


    Liebe Grüsse, Moritz

    "Das beste, an dein Übel nicht zu denken, ist Beschäftigung."
    Ludwig van Beethoven

  • Zitat

    Original von Moritz
    bei zweitausendeins gibts die Sonaten op.2 No.3, 31 No.2, op.90, op.101 und op.109-111 von Richter.
    Dazu die h-moll Sonate von Liszt und die Klaviersonaten D 566, 575, 894 und 960 von Schubert. Das ganze (5 Cds) für 9,99 €.


    Danke trotzdem für den Tipp! Werde mich dann mal nach Mannheim zu 2001 begeben und mir die Box mal ansehen. Ich bin immer wieder begeistert über dieses Forum! :beatnik: :beatnik:


    Herzliche Grüße,


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Lieber Christian ,
    bei meinen Anmerkungen zu Guldas beethoven geht es mir ausschliesslich um Beethovens Sonaten ab opus 90 . Gulda hat sich in seinem Leben selbst reduziert , indem er sagte , dass er als beethoveninterpret post mortem vergessen werden wolle . Die Produzenten der Edition "Great Pianists of the Century" ( Philips 198 / 1999 ) haben ihm diesen Wunsch erfüllt : er ist darin mit keinem Beethoven vertreten !
    S. Richter hat vor allem die Sonaten ab opus 26 ( mit dem Trauermarsch ) live und auf LP / CD gespielt . Vor allem erhältlich in der "Praga-Serie" und Aufnahmen aus der UdSSR und späten Aufnahmen . Legendär bleibt natürlich seine Live-interpretation der "Appassionata" 1960 in New York . Richter freilich hat sich später von dieser extremen Leidenschaft distanziert ( nicht wegen der Patzer in der Hitze des musikalischen Startes im Goldenen Westen ! ).
    Beste Grüsse
    Frank :hello: :hello:

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Christian,


    sehr gerne!


    Ich würde mich freuen, wenn Du mir dann sagst, ob die Aufnahmen gut sind.


    Kann mir das Gegenteil aber beim besten Willen nicht vorstellen (es sei denn die Qualität der Aufnahme ist so schlecht).


    Liebe Grüsse, Moritz

    "Das beste, an dein Übel nicht zu denken, ist Beschäftigung."
    Ludwig van Beethoven

  • Lieber Moritz,
    es sind Aufnahmen aus der UdSSR . Aus derselben reihe gibt es auch 5 CDs mit Gilels.
    Packende Interpretationen !!!
    Was zählen da kleine technische Mängel ( aus heutiger Sicht ) ? Nichts .
    Also : Morgen kaufen , wenn noch welche da sind !
    Beste Grüsse
    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank,


    dann mal schönen Dank. Morgen gehts zum 2001. Und wenn es die mit Gilels auch noch gibt, sind die ebenfalls fällig...



    Gruss, Moritz

    "Das beste, an dein Übel nicht zu denken, ist Beschäftigung."
    Ludwig van Beethoven

  • Morgen,
    und guten Morgen Frank,


    bitte, die Aussage mit Dame Myra Hess war nicht eine Rangreihenbildung, sprach nur von "verwandter Geistesart".


    Ich lehne überhaupt Rangreihenbildungen in der Musik ab. Ich besuche auch Konzerte von als weniger bedeutend vermeinten oder gar unbekannten Künstlern. Es gibt immer etwas Schätzenswertes.


    MfG
    Albus

  • Hallo,
    also - ich finde die technischen Mängel schon gravierend - gerade bei den Klaviersonaten stören mich Live-Hintergrundgeräusche erheblich. Die Aufnahmen stammen ja aus 1961-1984, da ist auch die Aufnahmequalität an sich nicht immer toll. Interpretatorisch wurden sie allerdings in einer Rezension der SZ hochgelobt.
    Dennoch - ich will meine Box demnächst bei Ebay verkaufen...

    Herzliche Grüße
    Uranus


  • Kann ich nur unterstreichen! Auch Richters Aufnahmen aus der Praga-Serie sind Dokumente von Rang. :jubel: Ich kann da nur Schumann empfehlen. Die Aufnahme habe ich an anderer Stelle besprochen.


    Und sind wir doch mal ehrlich: Von mir aus darf es auch knacken und rauschen, denn die Live-Atmosphäre ist durch nichts zu überbieten. Fischers WT knackt und knarzt auch, aber mindert das den Wert seines Spiels? Im Gegenteil, ein gelegentliches Knacken und Rauschen finde ich höchst charmant!


    Herzliche Grüße, :hello: :hello:


    Christiana

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Hallo Frank Georg


    Zitat

    Gulda hat sich in seinem Leben selbst reduziert , indem er sagte , dass er als beethoveninterpret post mortem vergessen werden wolle . Die Produzenten der Edition "Great Pianists of the Century" ( Philips 198 / 1999 ) haben ihm diesen Wunsch erfüllt : er ist darin mit keinem Beethoven vertreten !


    Da muss ich dir (und zwar nicht! leider ;) ) widersprechen: Friedrich Gulda ist einer der wenigen, die in dieser Serie mit zwei Doppelalben vertreten waren. Neben dem von dir angeführten Album mit Debussy und Ravel gab es ein zweites mit Musik von Beethoven, Chopin, Strauss und Webern.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Lieber Thephilus ,
    ich kenne dieses CD-Set natürlich . Aber es ist nicht der "grosse" Beethoven daruf , mit dem Gulda immer wieder in Verbindung gebracht wird / worden ist .
    Viele Grüsse
    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank Georg,


    es mag ja sein, dass dort kein "großer" Beethoven drauf ist (wie auch immer das zu verstehen ist), aber es ist Beethovens 1. Klavierkonzert drauf, und das widerspricht ganz eindeutig deiner oben getätigten Aussage.


    ;)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Lieber Theophilus ,
    es ist consensus omnium , dass wir Pianisten oder geiger an ihren Soloaufnahmen primär messen sollten . Bei Konzerten kann sich jeder Interpret , auch Gulda , hinter und zwischen Orchestr plus Dirigent verstecken . Live kommt dies nicht selten vor .
    Gulda bezog seine Aussage über sein Vergessenwerden in erster Linie auf seine Interpreattion der Sonaten !
    Viele grüsse
    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank Georg,


    dein Argument hat im Prinzip etwas für sich (obwohl das bei Geigern schon sehr problematisch ist; ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass du viel Zustimmung ernten wirst, wenn du Geiger primär nach Solo-Einspielungen von Bach und Paganini bewerten willst). Aber wir können doch wohlwollenderweise davon ausgehen, dass eine repräsentative Auswahl von Werken eines Künstlers nicht gerade eine Aufnahme beinhaltet, in der er sich hinter dem Orchester versteckt.


    Ein anderes grundsätzliches Problem solcher Ausgaben ist die Verfügbarkeit. Der Herausgeber musste die Schallplattenfirmen abklappern und war auf ihr Entgegenkommen angewiesen um überhaupt das gewünschte Repertoire zusammenstellen zu können. Es ist wahrscheinlich, dass er überhaupt keine Möglichkeit hatte, Amadeo-Aufnahmen zu veröffentlichen. Und Decca hatte immer ein Doppelalbum mit Beethoven-Sonaten im Programm und bereitete, wie wir jetzt wissen, eine Neuausgabe aller Sonateneinspielungen vor. Es erscheint mir wesentlich wahrscheinlicher, dass es eher Probleme der Verfügbarkeit (und/oder Finanzierung) waren, als Rücksichtnahme auf irgendwelche Aussagen des Künstlers. Darauf kann man nämlich wirklich keine brauchbare Anthologie aufbauen.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Lieber Theophilus ,
    bei den grossen Geigern denke ich schon , dass die Partiten und Sonaten ein , wenn nicht d e r Prüfstein für ihr technisches Können wie ihre interpretatorische Leistungen darstellen . Darum gibt es wohl auch bei der grossen Anzahl von berühmten Geigern so wenige überragende Aufnahmen .
    Szeryng u d Milstein einsam an der Spitze .
    Leider unvollständig sind bislang die wundervollen Interpretationen durch Hilary Hahn .
    Der grosse Jascha Heifetz wird bei BWV 1004 dann ein Opfer seiner selbst . Aberwitzige Griffe , schier unfassbare Technik ist bei Bach nicht alles . Im Gegenteil . Im Zweifelsfall gebe ich Hahn eindeutig den Vorzug .
    V. Mullova war eine exzellente Bach-Interpretin . Ich habe sie leider in den letzten jahren nicht mehr live hören können . Und neue Aufnahmen kenne ich auch keine . Vieles ist aus dem Philipskatalog leider ! gestrichen .


    Bei Violinkonzerten kann sich ein Solist doch hin und wieder "verstecken" ; aber auchden Dirgenten plus Orchester geradezu blossstellen . Wenn dann gar nichts mehr zusammengeht , dann höre man Mutter mit Previn oder Masur - ein Rätsel für mich , dass sie sich das angetan hat ( und den Hörern )!


    Guldas "Amadeo"-Aufnahmen sind sehr gut und live war er noch besser ( Mozart!!! und J S Bach ) .
    Die Decca-CD-technik finde ich bei seinen mittleren Beethoven-Sonaten dann leider schlecht .
    Wann sollen die Sonaten "neu" , also wahrscheinlich technisch be- und überarbeitet - erscheinen ?
    Beste Grüsse
    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank Georg


    Zitat

    Wann sollen die Sonaten "neu" , also wahrscheinlich technisch be- und überarbeitet - erscheinen ?


    Schon passiert! Und zwar angeblich am 17. Mai 2005 (ich habe sie bereits gesehen).


    Friedrich Gulda - Decca Beethoven Recordings 1950-1958


    Beethoven: Klaviersonaten Nr. 1-32; Violinsonaten Nr. 7 & 10;
    Klavierkonzert Nr. 1; Variationen op. 35; Bagatellen op. 126 Nr. 2 & 3


    Friedrich Gulda, Ruggiero Ricci, Wiener PO, Karl Böhm



    Und die Pointe dabei ist, dass Decca, welche die Rechte an den Amadeo-Beethoven-Aufnahmen besitzt, und die Amadeo-Kassette vor nicht allzulanger Zeit aus dem Verkehr gezogen hat, diese mit den Klavierkonzerten unter Horst Stein ganz still und heimlich ebenso wieder aufgelegt hat. Decca hat also innerhalb weniger Wochen zwei komplette Beethoven-Zyklen mit einem Interpreten neu herausgebracht! Fast eines Eintrages im Buch der Rekorde würdig!



    Diese 12CD-Kassette um ca. 75,-- ist vom Preis-Leistungsverhältnis bei Beethoven schwer zu übertreffen (Brilliant lasse ich dabei einmal weg). Und ja, ich gebe dir vollkommen Recht, von Gulda sollte man einige Live-Aufnahmen kennen, nicht zu vergessen auch sein 3CD-Album "The Complete Musician", das ein Musikerporträt ist, wie ich es kaum von irgend jemand anderem kenne.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo liebe TaminoanerInnen


    Schon einige Namen zu den verschiedenen Interpretationen sind im Verlaufe eines Jahres in diesem Thread gefallen und auch in unserem Regal befinden sich diverse Aufnahmen des Opus 106.


    So wollten wir uns etwas orientieren und verglichen sechs unserer Aufnahmen blind.


    Rudolf Serkin 1970
    Dies ist eine Live-Einspielung. Serkin hat an diesem Abend sehr auf Kontraste gesetzt mit sehr bedant ausformulierten Akkorden. Gegenüber den anderen Einspielungen viel Serkin eindeutig ab.


    Michael Korstick 2003
    Eine sehr ausgefallene eigene Interpretation mit sehr ungewohnten Tempi. Die langsamen Sätze werden bis fast zum bersten und zerfallen gedehnt und die schnellen Passagen wiederum äusserst schnell vorgetragen, ohne jedoch die Noten zu verfehlen. Leider manchmal etwas scheppernd aber dennoch klar akzentuiert. Uns machte diese aussergewöhnliche Interpretation grosse Mühe.


    Emil Gilels 1983
    Auffallend stakato vorgetragen manchmal gar etwas abgehackt. Das Agato wird bewusst gespielt und eingesetzt. Sehr bewusst wird jede einzelne Note ausformuliert. Die Tempi werden langsam gehalten.


    Alfred Brendel 1995



    Wiederum eine Liveaufnahme. Sehr leicht und perlend gespielt mit wenig betonten Akkorden. Sehr lebendig und witzig vorgetragen mit wunderbarem klaren Anschlag. Eine sehr schöne meditative Aufnahme mit singendem Brendel.


    Nikolai Demidenko 2002



    Eine sehr ausgeglichene Aufnahme mit klaren Strukturen. Leicht vorgetragen und kontrastreich (laut-leise). Die einzelnen Sätze sind durchdacht mit sehr schönen Kontrasten. Eine wunderbare Aufnahme.


    Maurizio Pollini 1977



    Eine singende klar gespielte Aufnahme mit sehr guten Strukturen und wunderbar ausgeglichen. Emotional aber doch gut struktuierter Spannung wo gefordert feurig aber klar gespielt. Eine wunderbar singende Aufnahme.


    Zusammenfassend lässt sich schwer sagen welche Aufnahme einem am Meisten anspricht. Brendel, Demidenko und Pollini ragen für uns gegenüber den anderen hervor und alle Drei haben ihre Vorzüge. Wir möchten diese drei Interpretationen nicht missen.


    Viele Grüsse


    romeo&julia

  • Andernorts schon vermeldet:


    Für mich mit Abstand vorne: Pollini!


    Ich möchte hier noch eine Frage loswerden:
    Mich erinnert die Stelle im Adagio VOR Beginn der langen Passage mit den immer wieder anders betonten 32steln (meine Ausgabe hat leider keine Taktzählung) deutlich an den Beginn der 4. Sinfonie von Brahms.
    Bisher habe ich noch nie etwas über diesen Bezug gelesen.
    Vielleicht höre ja nur ich nur so verquer und ich blamiere mich hier mit dieser Ansicht.
    Aber hat Brahms mit dem Thema seiner Vierten wirklich die Hammerklaviersonate zitiert?

    "Muss es sein? - Es muss sein!" Grave man non troppo tratto.