Franck: Violinsonate A-dur – welch ein Hochzeitsgeschenk!

  • Mir hat übrigens mal ein Cellist erzählt, dass Franck die Sonate ursprünglich für Cello und Klavier schreiben wollte und erst während der arbeit auf die Idee gekommen ist, sie für Ysaye als Violinsonate zu schreiben. Dies würde auch erklären, warum die Sonate für die Violine verhältnismässig wenig virtuos ist (im Gegensatz zum Klavierpart).
    Von den Violinaufnahmen gefällt mir am Besten diese hier:


    Ich kenne keine Aufnahme, die dermassen viel Spannung erzeugt, weitaus mehr als die Oistrakhaufnahme. Leider schwer zu bekommen- aber man findet sehr viel Kogan über ebay. (nebenbei ist auf der Arlecchinocd auch noch eine Aufnahme vom Faureklavierquartett mit Gilels und Rostro (!)
    Es gibt auch noch eine spätere aufnahme bei Orfeo, wo Kogan aber schon ziemlich krank ist, was man leider hört- das gleiche gilt auch für die aufnahme mit Orchester (!) in der Brilliantbox.


    Gruss
    :hello:
    Syrinx

  • Zitat

    Original von ChKöhn
    Für mich gehört die Sonate zu den Werken, an denen ich nichts zu kritisieren habe, die mir aber dennoch etwas auf die Nerven gehen. Vielleicht habe ich mich einfach etwas leid gehört


    interessant, mir geht es genauso, obwohl ich vieles von Franck sehr schätze. Ein wichtiges Werk zweifellos, aber man begegnet der Sonate so regelmäßig, daß mir das vollauf genügt und ich mich nie veranlaßt sah, mir eine Einspielung zuzulegen.
    Ganz anders dagegen das Klavierquintett: an dem kann ich mich gar nicht satthören, und das sollte meiner Meinung nach viel öfter gespielt werden (Wink mit dem Zaunpfahl an Christian).
    :hello:Khampan

  • Zitat

    Original von ChKöhn
    Angeblich soll Franck gegenüber dem Widmungsträger Eugène Ysaÿe ein Programm der Sonate erwähnt haben: Danach stellt der erste Satz das "Kennenlernen im Park" dar, der zweite die Hochzeitsnacht (offenbar eine ziemlich stürmische Angelegenheit), der dritte Satz eine Art Ehekrise (beide Instrumente spielen zunächst nur allein, danach folgt eine melancholische Kantilene und ein sehr trauriges Rezitativ), und das Finale die Versöhnung im Alter (der Kanon, bei dem mal das eine, mal das andere Instrument vorausspielt und beide zusammen sich an Episoden aus den vorherigen Sätzen erinnern.). Mir scheint das eher ein nachträglich und etwas augenzwinkernd zusammengeschustertes Programm zu sein.


    Könnte sein, muss aber nicht. Selbst wenn dieses Programm am Ende und nicht am Anfang des Kompositionsprozesses gestanden hätte, zeigt das nur, dass die Assoziation sogenannter außermusikalischer (!?) Inhalte zu scheinbar absoluter Musik im 19. Jahrhundert ein Standard des zeitgenössischen Rezeptionshorizontes war - und zwar nicht nur bei ausgewiesenen Programmusik-Komponisten (man müsste auch bei Brahms dieses Fass mal wieder aufmachen). Das Dogma der "absoluten Musik" hat hier ganze Arbeit geleistet. Zudem empfinden viele "Kenner" solche Programme wie das oben genannte im Vergleich zur relativ komplexen Struktur der Musik als geradezu schmerzlich banal. M.E. zu Unrecht, solange man nicht einer simplen Gleichsetzung von "Programm" und "Werk" verfällt, sondern hier eine zusätzliche semantische Dimension erkennt. In diesem Sinne wäre die Franck-Sonate ein gewissermaßen bürgerlich-zivilisierter Vorläufer von Janaceks ungleich radikaleren Ehe- und Beziehungs-Streichquartetten.



    Viele Grüße


    Bernd

  • Zitat

    Original von Zwielicht
    Selbst wenn dieses Programm am Ende und nicht am Anfang des Kompositionsprozesses gestanden hätte, zeigt das nur, dass die Assoziation sogenannter außermusikalischer (!?) Inhalte zu scheinbar absoluter Musik im 19. Jahrhundert ein Standard des zeitgenössischen Rezeptionshorizontes war - und zwar nicht nur bei ausgewiesenen Programmusik-Komponisten (man müsste auch bei Brahms dieses Fass mal wieder aufmachen). Das Dogma der "absoluten Musik" hat hier ganze Arbeit geleistet. Zudem empfinden viele "Kenner" solche Programme wie das oben genannte im Vergleich zur relativ komplexen Struktur der Musik als geradezu schmerzlich banal. M.E. zu Unrecht, solange man nicht einer simplen Gleichsetzung von "Programm" und "Werk" verfällt, sondern hier eine zusätzliche semantische Dimension erkennt. In diesem Sinne wäre die Franck-Sonate ein gewissermaßen bürgerlich-zivilisierter Vorläufer von Janaceks ungleich radikaleren Ehe- und Beziehungs-Streichquartetten.


    Mein Problem mit diesem Programm (von dem ich wie gesagt nicht einmal sicher bin, ob es wirklich von Franck so beschrieben wurde; ich habe das nur einmal von einem - allerdings normalerweise gut informiertem - Geiger so gehört) ist weniger, dass es im Vergleich zur Komposition zu simpel wäre, denn das sind ja eigentlich alle Programme (z.B. "per-aspera-ad-astra" bei Beethoven). Ich finde vielmehr, dass die Musik einfach über weiter Strecken diesem Programm geradezu entgegengesetzt ist: Ich höre z.B. die Ausbrüche des letzten Satzes nicht als melancholische "Erinnerungen" an frühere Zeiten, sondern eher als Explosionen von zuvor noch mühsam Gebändigtem. Der zweite Satz mag ja in seiner furiosen Leidenschaft noch zur "Hochzeitsnacht" passen, allerdings fehlt für meinen Geschmack doch die Zärtlichkeit ;). Und der Schluss des Werkes klingt ganz sicher nicht nach gehbehindertem älteren Ehepaar, das sich gegenseitig stützt und aufeinander wartet sondern strotzt nur so vor jugendlicher Kraft und Optimismus.


    Viele Grüße,


    Christian

  • Diese Aufnahme von César Francks Violinsonate in A-Dur mit Itzhak Perlman und Vladimir Ashkenazy fand noch keine Erwähnung. Die Fotografie mit dem blühenden Baum passt. Den vierten Satz lieb ich mit seinem Jubel besonders.


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    Die Beschäftigung mit Musik, selber spielend, hörend, im Nachdenken über sie und in der Diskussion im Forum soll Freude bereiten.

    Den Bratschenklang liebe ich wie der anderer tief klingender Instrumente: Bariton-Saxophon, Bassklarinette, Fagott, Kontrabass spiele ich neben anderen selber. Schubert ist mein Lieblingskomponist. Musik geniesse ich.

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  • Ashkenazy/Perlman habe ich in der großen Ashkenazy-Box - aber noch nicht gehört. :)


    Für mich die absolute Referenz ist das Duo Shlomo Mintz/Yefim Bronfman. Ich hatte vor Weihnachten Besuch und spielte die CD am Abend. Darunter war ein Musikkenner, der diese wirklich wundervolle Sonate (für mich repräsentiert sie geradezu die Gattung mit all ihren Vorzügen) natürlich kannte und meinte, so gut hätte er sie noch nie gespielt gehört. So sah das Originalcover aus:


    51sY1qmfR3L.jpg


    Heute bekommt man sie für 5 Euro in dieser Auflage:


    61MFbxR1giL.jpg


    Der Link:



    Schöne Grüße

    Holger

  • Hier kommt noch eine Konkurrenz-Aufnahme dazu – erst kürzlich erschienen:


    Franck, Cesar:

    Violinsonate A-Dur


    Alina Ibragimova (Violine);

    Cedric Tiberghien (Klavier)


    Ich bin gespannt … die beiden Solisten liefern eigentlich Qualitätsinterpretationen …

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Hier kommt noch eine Konkurrenz-Aufnahme dazu – erst kürzlich erschienen:

    ... und dazu noch mit einem hoch interessanten Programm: die Vierne-Sonate kenne ich gar nicht. Vierne hat man sonst ja nur als Komponist von Orgelmusik auf dem Schirm. Sehr verlockend für mich und besten Dank für den Hinwies, lieber Maurice! :)


    Schöne Grüße

    Holger