Mozarts Klaviersonate Nr 11 in A-dur KV331 "Alla Turca"

Alfred_Schmidt · 138 Beiträge · letzte Antwort von Ulli

138 Beiträge
  • Für mich ist Lang Lang niemand, der am Klavier ernster zu nehmen wäre als ein Richard Clayderman.

    Vorschlagsmässig bevorzuge ich ohnehin den Kollegen Kurz Kurz.

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

  • es freut mich, daß Du Solomons Aufnahme gefunden hast. Du wirst nicht enttäuscht sein. Es ist ein Jammer, daß diese große Künstler krankheitsbedingt so früh verstummen muße. Ein Schlaganfall im Jahr 1956 führte zu einer partiellen Fingerlähmung, so daß Solomon die letzten 30 Jahre seines Lebens nicht mehr auftreten konnte. Dabei verfügte er über ein großes Repertoire und galt als einer der bedeutendsten Pianisten Englands.

    Lieber Nemorino,


    ja, das ist traurig! Aber da ist sein "Testament" um so wertvoller!


    Zu Arrau werde ich mal meinen Lehrer fragen, der bei Arrau studiert hat. Es fällt auf, dass Arrau den Mozart fast ohne Pedal spielt, so, wie wir es früher gelernt haben im Klavierunterricht, dass man Bach ohne Pedal spielen soll. Er spielt also Mozart wie Bach! Das ist sicher gewollt. Denn genau zu der Zeit, Mitte der 1980iger, wo er diese Aufnahme gemacht hat, habe ich ihn in Düsseldorf mit Debussy Estampes gehört und er hat den Debussy unglaublich farbenreich gespielt, so dass ich es noch heute in Erinnerung habe. Arrau konnte Selbstzensur üben und hat alles der Suche nach musikalischem Sinn radikal untergeordnet, die unbequemeren, uneleganten Fingersätze genommen, nur wenn das die musikalische Textur verdeutlicht. Dass er die Klangschönheit u.U. opfern kann, passt also zu ihm. Ich ahne den Grund. Er hat in jungen Jahren das komplette Klavierwerk von Bach aufgeführt, später nicht mehr, weil er meinte, Bach sei auf dem modernen Flügel im Grunde nicht spielbar. Vielleicht dachte er ähnlich über Mozart? Im Interview mit Joseph Horowitz habe ich nichts in Erinnerung, dass er da etwas zu Mozart sagt. Mal sehen, ob ich etwas herausfinde. :hello:


    Liebe Grüße

    Holger

  • Zu Arrau werde ich mal meinen Lehrer fragen, der bei Arrau studiert hat.

    Lieber Holger,


    Claudio Arrau ist in meiner Sammlung reichhaltig vertreten, Beethoven, Brahms, Schubert, Schumann, Tschaikowsky, Liszt etc., aber nichts von Mozart. Ich erinnere mich an eine Kritik von Ulrich Schreiber aus den 80ern, leider finde ich sie nicht. Da ging es um Mozart-Sonaten, und ich meine, daß sich seine Begeisterung in Grenzen hielt. Aber genau weiß ich es nicht mehr. Wenn ich die Rezension noch finde, melde ich mich.


    Schönen Abend nach Haltern am See

    Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich erinnere mich an eine Kritik von Ulrich Schreiber aus den 80ern, leider finde ich sie nicht. Da ging es um Mozart-Sonaten, und ich meine, daß sich seine Begeisterung in Grenzen hielt. Aber genau weiß ich es nicht mehr. Wenn ich die Rezension noch finde, melde ich mich.

    Lieber Nemorino,


    das wäre schön, wenn Du die findest. Meine Begeisterung hielt sich auch in Grenzen, als ich mich durch die Mozart-Box von ihm durchhörte, nachdem ich sie angeschafft hatte. Desto mehr überraschte mich KV 331. Ich bin ein Freund von unbequemen, radikalen und herausfordernden Sichtweisen, weil sie zum Denken anregen. Bei Arrau hört man hier wirklich jeden Ton, das ist die musikalische Textur wie mit dem Röntgenapparat durchleuchtet. Wenn man das einmal bewusst gehört hat, vergisst man es nicht mehr. Ob man das sich immer anhören kann, ist freilich eine andere Frage. Das kann ich bei Horowitz, Kempff oder Solomon, bei Arrau würde ich sagen, vielleicht ab und zu... Ein bisschen ähnlich geht es mir bei Schubert D 960. Da hat mir Arrau nie wirklich gefallen. Heute denke ich: Das ist zwar nicht "mein" Schubert, aber was Arrau macht, enthüllt einem Dinge, die man sonst schlicht überhört. Es gehört eine gewisse Selbstüberwindung dazu, sich auf seine Sicht einzulassen, aber wenn man es tut, ist das dann doch eine wirkliche Entdeckungsreise und ungemein lehrreich. Man hört danach einfach "bewusster". Mein Lehrer sagte mir übrigens, Arrau sei einer der beiden gebildetsten Menschen, die ihm in seinem Leben überhaupt begegnet seien. Er muss eine extrem beeindruckende Persönlichkeit gewesen sein, nicht nur als Musiker, sondern auch als wirklich geistvoller, hoch gebildeter Mensch.


    Dir auch noch einen schönen Abend! :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Lieber Holger,


    leider habe ich die Kritik von Ulrich Schreiber nicht finden können. Ich erinnere mich nur vage, daß er Arraus Mozart-Sonaten zu "grüblerisch" fand, dieses Wort ist mir in Erinnerung geblieben. Er zog die Aufnahmen von Clara Haskil, Backhaus und Kempff vor und lobte von den "neueren" Interpreten vor allem Brendel und Alicia de Larrocha, denen er mehr "Empfindsamkeit" zusprach. Sollte ich den Artikel noch finden (er muß ca. Anfang der 80er verfaßt sein), so werde ich darauf zurückkommen.


    Schuberts D. 960 kenne ich übrigens nicht mit Arrau, aber D. 959. Da diese hier OT ist, werde ich dazu etwas im entsprechenden Thread sagen. Was D.960 angeht, so sind meine Favoriten Svjatoslaw Richter (Eurodisc/Melodija) und Rubinstein (Aufnahme: 1965).


    LG Nemorino :hello:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

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  • Ich erinnere mich nur vage, daß er Arraus Mozart-Sonaten zu "grüblerisch" fand, dieses Wort ist mir in Erinnerung geblieben.

    "analytisch, schwer und grüblerisch"...........auch als "überintellektuell"


    . Bei Arrau hört man hier wirklich jeden Ton, das ist die musikalische Textur wie mit dem Röntgenapparat durchleuchtet.


    Aber als Gegengewicht hat Joachim Kaiser "die Ernsthaftigkeit" gelobt.....


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • leider habe ich die Kritik von Ulrich Schreiber nicht finden können. Ich erinnere mich nur vage, daß er Arraus Mozart-Sonaten zu "grüblerisch" fand, dieses Wort ist mir in Erinnerung geblieben. Er zog die Aufnahmen von Clara Haskil, Backhaus und Kempff vor und lobte von den "neueren" Interpreten vor allem Brendel und Alicia de Larrocha, denen er mehr "Empfindsamkeit" zusprach. Sollte ich den Artikel noch finden (er muß ca. Anfang der 80er verfaßt sein), so werde ich darauf zurückkommen.

    Lieber Nemorino,


    "grüblerisch" trifft es schon ganz gut. Es ist merkwürdig, dass im Arrau-Buch "Leben mit der Musik" Mozart gar nicht besprochen wird. Arrau hatte vielleicht tatsächlich zu Mozart weniger Affinität, genau deshalb, wie Ulrich Schreiber bemerkt, weil ihm vielleicht diese spezifische "Empfindsamkeit" nicht so behagte. Es gibt da eine gewisse Parallele zu Svjatoslav Richter, der zwar Mozart oft spielte, aber offen sagte, dass ihm Haydn mehr läge als Mozart.


    Nun ist Arrau ein Schüler von Martin Krause, der ein Liszt Schüler war. Und Arrau war ein großer Liszt-Spieler. Romantisch empfindsam spielte er, aber die romantische Empfindsamkeit ist doch eine andere als die des 18. Jhd. Um es vereinfacht zu sagen: Arrau spielt "Expressivo", eine immer auf Ausdruckstiefe bedachte einfühlsame Empfindsamkeit, während die Empfindsamkeit des 18. Jhd. vor allem wirken wollte, "Rührung" hervorbringen. Diese gewisse Rührseligkeit gepaart mit Rokoko-Possierlichkeit - "ach, ist das aber hübsch", wie diese Glöckchen im 2. Satz kling, kling, kling (Mozart ist so genial, dass man sich das gerne anhört, bei einem anderen Komponisten würde man sagen: oh Gott, was für ein Kitsch! ^^ ) - war sicher etwas, wofür Arrau gar keinen Sinn hatte. Ich würde seinen Interpretationsansatz als "idealisierend" bezeichnen. Er spielt diese Sonate als die Verwirklichung eines Klassizitäts-Ideals, wo die Gewichtung dann auf der "motivisch-thematischen Arbeit" liegt, also der "gedanklichen" Seite der Musik. Die Empfindsamkeit hat er reduziert auf die expressive Substanz und die ganze so gefällige Rührseligkeit der Musik schlicht und einfach verbannt. Das ist natürlich radikal und bei dieser viel zu oft gespielten Sonate eine Art "Kur", die einen zwingt, auch diese Musik als "ernste Musik" zu hören. Bei dieser Sonate finde ich das erhellend, obwohl das Hören mitunter etwas "anstrengend" ist, wirklich gelungen, bei anderen Sonaten wird es mitunter doch etwas sehr anstrengend. ^^


    Schuberts D. 960 kenne ich übrigens nicht mit Arrau, aber D. 959. Da diese hier OT ist, werde ich dazu etwas im entsprechenden Thread sagen. Was D.960 angeht, so sind meine Favoriten Svjatoslaw Richter (Eurodisc/Melodija) und Rubinstein (Aufnahme: 1965).

    Dazu habe ich ja einen Thread auf meiner Kolumnenseite, der wie so viele meiner Projekte unvollendet geblieben ist. Mir fehlt einfach die Zeit, alle meine Vorhaben durchzuziehen. ;( :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Ich finde die Aufnahme von KV 331 mit Claudio Arrau, im März 1986 in La Chaux-de-Fonds für die Philips gemacht, unspektakulär-großartig. So sollte Mozart klingen. Ich wüsste nicht, warum man grob anders spielen sollte.

    Arrau artikuliert fein aus, was das "Bügeleisen" Christoph Eschenbach glattbügelt.

    Er hat es nicht auf Effekt, sondern den musikalischen Inhalt abgesehen.


    Die HIP-Aufnahmen von Siegbert Rampe (MDG) und Andreas Staier (Harmonia Mundi France) übertreiben es, zumal im abschließenden Rondo, gar sehr. Besonders in einem Abschnitt improvisieren sie derart abweichend vom Notentext, dass man nicht mehr nachvollziehen kann, was sie dort eigentlich spielen, zumal in einem virtuosen Tempo, das so gar nicht mozartisch wirkt. Es mag sein, dass wenn man Muzio Clementi die Noten von KV 331 vorgelegt hätte, er ähnliches zur Verblüffung seines Publikums angestellt hätte. Heute habe ich allerdings andere Hörerwartungen. Wenn ich Mozart höre, will ich Mozart hören, nicht Rampe, Staier oder Clementi. Der Pianist darf nur Diener oder Überbringer der Musik sein, nicht den Komponisten zu verbessern und zu übertrumpfen versuchen.


    Arrau tritt selbst in den Hintergrund und gibt Mozart den Vortritt. Er spielt zwar nicht die Vorhalte in "Alla Turca" nach Vorstellungen Schoonderwoerds, doch ist seine Einspielung die erste, in der ich wahrnehme, dass der Pianist die Vorhalte (Vorschlagsnote und Achtelnote) bindet und von der dritten und vierten Sechzehntelnote hörbar absetzt und zudem die beiden Letzteren non-legato spielt. Damit ergibt sich eine Betonung der Vorschlagsnote, was ihrer Vorhaltwirkung gerecht wird. Diese Ausführungsmöglichkeit beschreibt Daniel Gottlob Türk in seiner Klavierschule als eine zu seiner Zeit auch geläufige, wenn auch aus seiner Sicht nicht richtige. Immerhin hat sich Arrau hier Gedanken gemacht und weicht in seiner Ausführung vom Gros ab.


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    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Ein wichtiges Detail zur "Favorit-Sonate" in A-Dur KV 331 verrät Lothar Hoffmann-Erbrecht übrigens im Booklet zur Arrau-Aufnahme: In der ursprünglichen Version von 1778 endet der Schlusssatz in a-moll. Die Coda in A-Dur hat Mozart erst vor der Drucklegung im Jahre 1784 hinzugefügt.

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Wenn man sich Arraus Mozart aus dem Jahr 1964 anhört und bspw. KV 283 III vergleicht, kommt man unweigerlich zum Schluss, dass - abgesehen von seiner auch hier unverkennbaren Ernsthaftigkeit - die Eigenwilligkeiten seiner späteren Aufnahmen aus den 80ern vor allem dem Alter geschuldet sind.


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  • Ich finde die Aufnahme von KV 331 mit Claudio Arrau, im März 1986 in La Chaux-de-Fonds für die Philips gemacht, unspektakulär-großartig.

    So geht es mir auch! :)

    So sollte Mozart klingen. Ich wüsste nicht, warum man grob anders spielen sollte.

    Auch da denke ich ganz ähnlich, würde es aber so formulieren: Wenn eine Interpretation in sich vollkommen überzeugend ist, dann steht sie für sich und man braucht keinen Vergleich - auch im Kopf nicht. Dann kann sie nur so und nicht anders sein, wie sie ist, ist also eine Singularität.

    Arrau artikuliert fein aus, was das "Bügeleisen" Christoph Eschenbach glattbügelt.

    Er hat es nicht auf Effekt, sondern den musikalischen Inhalt abgesehen.

    Ja. Das ist Arrau. Um Effekte ist es ihm nie gegangen, gerade auch bei Liszt nicht. Es ist natürlich so, dass jeder Interpretationsansatz immer eine gewisse Verkürzung darstellt. Man kann nicht alles haben, sondern muss sich irgendwo entscheiden. Das gilt aber für jede Interpretation.

    Die HIP-Aufnahmen von Siegbert Rampe (MDG) und Andreas Staier (Harmonia Mundi France) übertreiben es, zumal im abschließenden Rondo, gar sehr. Besonders in einem Abschnitt improvisieren sie derart abweichend vom Notentext, dass man nicht mehr nachvollziehen kann, was sie dort eigentlich spielen, zumal in einem virtuosen Tempo, das so gar nicht mozartisch wirkt.

    Rampe kenne ich nicht, aber Staier. Da würde ich Dir zustimmen. Ich schätze an Staier seine unspießige Art, so etwas zu riskieren. Aber letztlich geht es mir da so wie dem Sternekoch, der beim Kosten eines nicht so ganz überzeugenden Menüs eines Kochschülers anerkennend sagt: "Das schmeckt interessant!" (Ist tatsächlich so bei den Fernsehköchen und immer wieder lustig. ^^ ) Ich bin auch dafür, dass es letztlich immer um den Wesenskern der Musik gehen sollte und nicht das davon ablenkende Beiwerk drumherum, egal, wie "historisch" das nun ist.

    Es mag sein, dass wenn man Muzio Clementi die Noten von KV 331 vorgelegt hätte, er ähnliches zur Verblüffung seines Publikums angestellt hätte. Heute habe ich allerdings andere Hörerwartungen. Wenn ich Mozart höre, will ich Mozart hören, nicht Rampe, Staier oder Clementi.

    Das finde ich auch eine wichtige und ganz richtige Überlegung. Warum wird Mozart nach über 200 Jahren immer noch so gerne gespielt und gehört? Weil es diesen überzeitlichen Wesenskern seiner Musik gibt, der uns heute noch berührt. Was der Mensch im 18. Jhd. mit dieser Musik alles verbunden hat, das entzieht sich uns zum größten Teil, weil wir eben ganz andere Menschen sind.

    Der Pianist darf nur Diener oder Überbringer der Musik sein, nicht den Komponisten zu verbessern und zu übertrumpfen versuchen.

    So sehe ich das auch. Es gibt nur wenige Ausnahmen, wo ich gelten lasse. Z.B. bei Geza Anda und Chopin (bei einer Etüde aus op. 25), wo seine vom Notentext abweichende Version sogar überzeugender klingt als die von Chopin. Dafür muss man aber die Größe eines Geza Anda haben, und die haben die allermeisten Pianistenkollegen nicht, die so etwas versuchen.

    Arrau tritt selbst in den Hintergrund und gibt Mozart den Vortritt. Er spielt zwar nicht die Vorhalte in "Alla Turca" nach Vorstellungen Schoonderwoerds, doch ist seine Einspielung die erste, in der ich wahrnehme, dass der Pianist die Vorhalte (Vorschlagsnote und Achtelnote) bindet und von der dritten und vierten Sechzehntelnote hörbar absetzt und zudem die beiden Letzteren non-legato spielt. Damit ergibt sich eine Betonung der Vorschlagsnote, was ihrer Vorhaltwirkung gerecht wird. Diese Ausführungsmöglichkeit beschreibt Daniel Gottlob Türk in seiner Klavierschule als eine zu seiner Zeit auch geläufige, wenn auch aus seiner Sicht nicht richtige. Immerhin hat sich Arrau hier Gedanken gemacht und weicht in seiner Ausführung vom Gros ab.

    Das ist eine sehr interessante Überlegung. Das ist natürlich auch eine Frage der Altersweisheit, dass sich ein Interpret, der auf ein ganzes Leben mit der Musik zurückblickt, "sperrige" Dinge zutraut in einer auch für den Hörer mitunter herben Konsequenz, die er sich früher nicht getraut hat. In diesem Sinne hat Bernard Haitink mal gesagt: Früher habe ich mich einfach nicht getraut, den Kopfsatz von Mahlers 7. so langsam zu dirigieren, wie ich es heute tue und meine, dass es so richtig ist. :hello:


    Einen schönen Sonntag wünschend

    Holger

  • In der Literatur über diese Sonate findet sich der Hinweis, dass der erste Satz unterschiedliche technische Anforderungen stellt, was darauf hindeute, dass das Werk auch für den Unterricht komponiert worden sei. Das fand ich aufgrund des hohen musikalischen Niveaus überraschend.

    Tatsächlich sind bspw. in der dritten Variation Oktaven legato zu spielen, in der vierten Variation werden die Hände überkreutzt und in der fünften Variation spielt der Gegensatz von Legato und Staccato eine Rolle. In dieser Hinsicht ist diese fünfte Variation sehr schön realisiert von Wilhelm Kempff (ich bin kein blinder Bewunderer seiner Kunst).


    Var. 5 ab 8:30


  • Ist diese Sonate (KV 331) vielleicht eine der modernsten Mozarts? Einen Sonderstatus hat sie ja bereits durch den einleitenden Variationensatz.

    Darüberhinaus lässt mich das Trio (also der Mittelteil des zweiten Satzes) immer an Franz Schubert denken.


    Zwar wird es nach dieser Sonate bis zur ersten vollendeten von Schubert, der Sonate in a-moll D. 537, noch 34 Jahre dauern. Dennoch greift Mozart hier zu Mitteln, die später für Schubert charakteristisch sein werden.


    Da ich meine gefühlte Einschätzung zunächst - ohne gründliche analytische Vergleichsstudien zwischen Mozart und Schubert - nicht ad hoc begründen könnte, habe ich die KI um Argumentationshilfe gebeten, zumal ich mit Noten zu Schuberts Klavierwerk noch schlecht ausgestattet bin:


    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Kann sein. D934 partizipiert auch von KV 331, im Andantino im 3/4-Takt:



    [ab 8:30]



    [ab 9:06]


    Und ein alla turca von Schubert gibt's natürlich auch - mit unüberhörbaren Parallelen ab 1:46 ...


    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

  • Passender Weise gerade ein Curiosum:


    Fritz Neumeyer (1957!) mit Fagottzug (und falschen Vorschlägen):


    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

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  • Die Ähnlichkeit in der Melodieführung ist faszinierend!


    Auch querstands Hinweis auf die klangliche Besonderheit des Trios im Menuett finde ich treffend. Bezuidenhout setzt hier den Moderator ein oder ein anderes Pedal und man ist klanglich in einer anderen Welt. Leider finde ich von ihm kein Video des Menuetts.

  • Eine zauberhaft-anrührende Einspielung auf dem Clavichord. Sie hat mich bisher am meisten überzeugt, unabhängig von der Instrumentenwahl. Das Instrument eröffnet freilich ganz neue Klangsphären, die einem modernen Flügel, auch dem historischen Hammerklavier, für immer verschlossen bleiben.



    Giovanni de Cecco spielt die Kopie eines Silbermann Clavichords (1775) von Michele Chiaramida (2015).

    Tastaturumfang: FF - f3 (61 Tasten).

    Stimmton: a1 = 415 Hz


    Aus der Gesamteinspielung der Klaviersonaten Mozarts, erschienen bei dem Label da Vinci Records.



    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Also die weißen Tasten auf dem Cover schauen echt lecker und zum Reinbeißen aus ... wie weiße Schokolade.


    Das alla turca ist mir definitiv zu abgeha(c)kt und buchstabiert gespielt.

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

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