Denn alles Fleisch, es ist wie Gras - Johannes Brahms: Ein Deutsches Requiem

  • Da ich auch die Klemperer Aufnahme mit Elisabeth Schwarzkopf und Dietrich Fischer-Dieskau habe,


    muss ich Recht geben, Klemperer dirigiert streng nach den Worten, und die sind zum Großteil aus den Paulus - Briefen.


    Man kann nicht sagen, ob hier Brahms evangelisch dachte, oder katholisch, er dachte Ökumenisch,
    etwas was dem deutschen Papst fehlt.


    Das wirkt sich auch in der Interpretation aus.


    Beide Solisten sind nicht nur blitzgescheite Interpreten, sondern nehmen Brahms und Paulus, so wie es diese geschrieben haben.

    3 Mal editiert, zuletzt von oper337 ()

  • Zitat

    Original von oper337
    Man kann nicht sagen, ob hier Brahms evangelisch dachte, oder katholisch, er dachte Ökumenisch, etwas was dem deutschen Papst fehlt.


    Soso, da wird also mal so schlapp drüber über Joseph Ratzinger geurteilt, und dies unter Verweis auf das Brahms-Requiem.


    Ich bin mir wirklich nicht sicher, inwieweit die Ökumene zur Brahms-Zeit ein Thema war, fast möchte ich vermuten, daß sie es eher nicht war (warum auch; Bendikt versucht auch heute zunächst, die Risse dort zu kitten, wo die Gemeinsamkeiten am größten sind, und die findet er eher bei den Ostkirchen - auch kirchenrechtlich - als bei uns Protestanten).


    Also lassen wir die Benedikt-Stichelei mal getrost vor den Tamino-Pforten. Und bleiben wir bei Brahms. Hier wende ich gegen dessen vorgebliche Ökumene ein, daß er die deutschen Texte (übrigens kaum Paulus: "Herr lehre auch mich" ist dem Psalm 39 entnommen, und auch sonst finde ich keine Paulus-Texte hier vertont außer im letzten Stück: "Siehe, ich sage Euch ein Geheimnis..." - 1 Kor. 15, 51 und 52, 54 und 55) der Bibel in der Übersetzung von Dr. Martin Luther entnimmt. Protestantischer geht's eigentlich nicht. Für die Luther-Übersetzung spricht freilich deren wunderschöne Sprachmacht (die sie auch im Laufe der Jahrhunderte durch vielerlei "Angleichungen" nicht eingebüßt hat). Immerhin: die Freiheit, sich aus selbst gewählten Bibelzitaten die Grundlage für eine musikalisches Requiem zusammnzustellen ist ausgesprochen protestantisch. Die katholische Kirche hätte das zur Brahmszeit niemals zugelassen (und heute wohl auch nicht, was ich ihr allerdings absolut nicht ankreide). Das Brahms'sche Requiem ist jedenfalls absolut nicht liturgisch im katholischen Sinne. Aber es entspricht der weitestgehenden Korsettfreiheit der evangelischen Liturgie.


    Gleich drei Hörempfehlunegn kann ich geben. Zunächst Ernest Ansermet mit seinem Orchestre de la Suisse Romande und den Solisten Hermann Prey und Agnes Giebel, sodann die CD von Philipp Herreweghe und die Londoner Fassung für zwei Klaviere mit Brigitte Engerer und dem Ensemble Accentus. Die letzgenannte Fassung übrigens klingt sehr protestantisch. Ich liebe sie sehr.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Obwohl ich Theologie studiere, habe ich nicht in diese Richtung gedacht, lieber Thomas.


    Ja, Du hast Recht es hat mit Benedikt nichts zu tun.


    Liebe Grüße Peter

    Einmal editiert, zuletzt von oper337 ()

  • Zitat

    Man kann nicht sagen, ob hier Brahms evangelisch dachte, oder katholisch, er dachte Ökumenisch, etwas was dem deutschen Papst fehlt.


    Brahms selber bezeichnete sich als "bibelfester Atheist" , und hatte sein lebenlang mit Glaubensgemeinschaften, egal welcher Art, nix am Hut.
    Schon aus diesem Grunde macht es keinen Sinn, sein Werk als "evangelisch" oder "katholisch" zu apostrophieren. Brahms fühlte sich durch die von ihm vertonten Texte persönlich angesprochen, mehr nicht.


    Viel bedenklicher erscheint mir jedoch, daß hier immer wieder Aufnahmen des "Deutschen Requiem" präferiert werden, in denen die im Grunde eher bescheidenen solistischen Einlagen gegenüber dem chorischen Ganzen unangemessen in den Vordergrund gestellt werden; das "DR" ist in erster Linie Chorwerk und nur durch diesen steigt oder fällt eine Interpretation.


    PS: Benedikt XVI. hat mit Sicherheit ein grösseres Wissen um die Kantaten Bachs bis in die Details als z.b. unser Berliner ev. Landesbischof Huber Palestrina-Messen kennt.

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Lieber BBB, spätestens der, der im Brahms-Requiem schon selbst mitgesungen hat, kann Dir nur vollkommen Recht geben!!!!!


    Es handelt sich um ein Chorwerk der anstrengendsten Sorte und der Chor ist hier wahrlich Hauptträger der Aktion.
    Das kurze Sopransolo "Ich will euch trösten" ist zwar wunderschön, aber wird genauso wie das Bariton-Solo vom Chor mitgetragen.
    Die Fassung für zwei Klaviere von Accentus (siehe Thomas Pape) liebe ich acuh serh, denn der Chor ist zwar klein aber excellent udn das Werk wirkt insgesamt ein wenig arg schlank, aber dadurch sehr transparent und irgendwie frisch und neu.
    Nicht unbedingt für Liebhaber der "Voll-Dröhnung", doch musiklaisch allererste Klasse. :jubel:


    F.Q.

  • Ich habe mir eben wieder einmal alle Beiträge durchgelesen. Oft lese ich etwas von "Musik, die bewegt". BigBerlinBear beschreibt das Werk für mich zu Recht als "vor allem ein Chorwerk".


    Fasse ich beide Schlagworte zu einer Aufnahme zusammen, so kommt für mich folgende heraus:



    Klangpuristen werden keine Freude an der Einspielung haben. Sie entstand 1955 und klingt selbst für "Mitte 50er Monoverhältnisse" nicht optimal.
    Chor und Holz-, sowie Blechbläser sind gut abgebildet, aber die Streicherbässe klingen nicht immer unverzerrt, manchmal hört man eher ein Brummen. Ein leichtes Grundrauschen ist ebenfalls vorhanden.


    Auch wer "perfekte Gesangssolisten" sucht, wird wohl eher nicht fündig. Otto Wiener ist anzumerken, daß er sich in der Höhe nicht sonderlich wohl fühlt, er singt aber sehr wortverständlich und meidet, wie auch Maria Stader, jeglichen Anflug von "Opernhaftigkeit". Sie stellen sich nicht selbst zur Schau, sondern treten hinter den Geist der Musik zurück.


    Auffallend sind die breiten Tempi. Mit einer Gesamtspielzeit von fast 80 Minuten ist Lehmann fast 20 Minuten langsamer als Bruno Walter in der fast zeitgleich enstandenen Aufnahme mit den New Yorker Philharmonikern.


    Tempi alleine sind kein Qualitätskriterium einer Aufnahme. Entscheidend ist, ob sie stimmig sind und zu dem Charakter eines Werkes passen. Beides erfüllt Lehmann vortrefflich in meinen Augen. Die Ruhe, die er dem Deutschen Requiem angedeihen läßt, nutzt er dazu, sehr differenziert Dynamik- und Betonungszeichen zu beachten. In kaum einer anderen Aufnahme klingt der (wunderbare) Chor (der St.-Hedwigs-Kathedrale und des Berliner Motettenchors) derart fein abgestuft und variabel.


    Alle Chorstimmen sind deutlich zu hören, viel Wert wurde auf Textverständlichkeit gelegt; man spürt, daß der Chor weiß, was er singt und daß er die Botschaft des gesungenen Wortes transportieren möchte.


    Ruhig und tröstlich erklingt die Botschaft des 1. Satzes "Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.", die Frage "Nun, Herr, wes soll ich mich trösten?" (3. Satz) klingt verzweifelt, und der letzte Satz "Selig sind die Toten" bringt tief empfundene Ruhe und inneren Frieden.


    Viele Dirigenten setzen auf "Knalleffekte" und versuchen Eindruck durch Klangmassen zu schinden. Bei Lehmann ist das Gegenteil der Fall. Er zwigt mustergültig auf, wie viel Piani in Brahms' Werk vorhanden sind und wie differenziert ein Chor klingen kann, wenn man sorgfältig arbeitet und Wert auf deutliche Aussprache legt.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Auch ich habe nochmals den ganzen Fred durchlesen und meine ungläubig abermals gesehen zu haben, daß einer der Top-Anwärter auf den vordersten Aufnahmeplatz noch gar nicht erwähnt wurde.


    Ich spreche von Kempes EMI-Einspielung, die sich in zeitlicher Nähe zu der eben von Norbert angeführten Lehmann befindet.


    Kempe hat ebenfalls, wie so oft, den von Karl Forster geleiteten Chor der St. Hedwigs-Kathedrale zur Verfügung und ich muß sagen, daß mich dieser Chor immer überzeugt und bewegt hat, sei es in einer entlegenen "Schöpfung", in den Kempe-Meistersingern oder in Beethovens Neunter unter Fricsay.


    Der junge Fischer-Dieskau und die innige Elisabeth Grümmer bilden ein Solistengespann, wie ich es mir nicht geeigneter wünschen noch denken könnte.


    Auch Kempe rast freilich nicht durch die Partitur, aber wer möchte das schon im "Deutschen Requiem"? Das "Hölle, wo bleibt Dein Sieg?" kann trotzig bereits auf eine ganze große "Geschichte" an Verinnerlichung, an musikalischer Durchdringung und wohl auch Zwiesprache mit dem allgemeinen Menschenschicksal zurückblicken in dieser Einspielung.


    Ich möchte hier dies "Requiem" nicht zu einer wirklichen musikalischen Handlungsfolge stilisieren, aber wenn nicht auch eine in bestimmter Weise "sachhaltige" Entwicklung zu verzeichnen wäre, verfiele doch einiges zu lose verflickten Einzelstückchen. Solche Entwicklung wissen Kempe und Forster am Material zu vollziehen, was eine der vertieftesten und feinstufigsten Aufnahmen des Werks gezeitigt hat.


    Auch wenn es sich um Mono handelt, kommen Auffächerung des Klangbildes sowie (dies ein kleiner Mono-Vorzug) die Präsenz der Stimmen nicht zu kurz.


    Abschließend sei noch auf Barenboims Edinburgher-Festival-Einspielung verwiesen, die gleichwohl im Studio entstanden ist. Wer mit einem recht stark anglophonen Chor zurechtkommt, findet ein dunkel timbriertes und fast sogar ein wenig pessimistisch angetöntes Requiem, bei dem Edith Mathis und abermals Fischer-Dieskau die Solistenparts übernommen haben.


    Mit lieben Grüßen,


    Alex.

  • Da ich Bruno Walter vorhin schon erwähnte: Seine 1954 aufgenommene Aufnahme stellt in vielerlei Hinsicht eine Art Gegenpol zu Lehmanns Einspielung dar.



    Walter ist mit ca. 62 Minuten Spielzeit ca. 17 Minuten schneller als Lehmann. Trotzdem klingt nichts verhetzt. Walter bietet Ruhe, wo Ruhe angebracht ist, Trost, wo tröstliches verkündet wird und Dramatik, wo es dramatisch wird.


    Beide Solisten (Irmgard Seefried und George London) gehören für mich mit zu den besten aller mir bekannten Einspielungen. Irmgard Seefried glänzt mit kristallklaren Sopran und uneitlem Vortrag, George London mag Geschmackssache sein. Manchem klingt die Stimme vielleicht zu "schwer", aber die Botschaft, die London transportiert (z.B. "Siehe, ich sage Euch ein Geheimnis", 3. Satz) wird durch die Stimmkraft verstanden. Des Weiteren zeigt er sich frei von jeglichen Problemen in der Gesangshöhe.


    Leider klingt der Westminster Choir längst nicht so präsent wie das Orchester und die Solisten. Er gerät aufnahmetechnisch zu sehr in den Hintergrund und singt recht textunverständlich.


    Das Orchester hingegen ist sehr präsent und fein abgestuft (gemessen am Alter der Aufnahme) abgebildet. Man beachte die Pauken in "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras".


    Wer sich vor Mono nicht fürchtet und "Ein Deutsches Requiem" als Werk für Orchester, Solisten und Chor begreift, der ist mit Bruno Walter bestens bedient.
    Wer Brahms' Opus in erster Linie als Chorwerk sieht, der wird eindutig Lehmann den Vorzug geben.


    Mehr "auszusagen" als viele Nachfolger der Stereozeit (mit Ausnahme von u.a. Klemperer, Kegel und Kubelik) haben beide für mich auf jeden Fall.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Ich glaube, Rattles Aufnahme wurde noch gar nicht erwähnt:



    Dadurch, dass diese Aufnahme im letzten Jahr den Grammy bekommen hat, wurde er bei uns im Laden ein absoluter Verkaufsrenner (momentan für 10 € auch relativ günstig zu haben).
    Ich habe mir die CD jetzt mal angehört, kann aber den ganzen Hype nicht ganz nachvollziehen. Insgesamt wirkt die Interpretation recht bieder und etwas lasch. Es ist nicht unbedingt schlecht oder langweilig, aber der Funke, der auf den Hörer überspringen soll, fehlt. Ich habe das Gefühl, Rattle ist hier nicht ganz drin im Werk, beleuchtet es nicht von allen vielschichtigen Facetten, sondern spielt es eher relativ normal runter.
    Was mir aber positiv aufgefallen ist, ist die Aussprache des Chores, die wirklich vorbildlich ist, gleiches gilt für die Solisten Quasthoff und Röschmann.


    Es gibt aber insgesamt doch deutlich bessere Aufnahmen.



    LG, Peter.

  • Zitat

    Original von petemonova


    Es gibt aber insgesamt doch deutlich bessere Aufnahmen.


    Hallo Peter,


    definitiv!


    Ich hatte mir die Aufnahme zweimal angehört und nichts gefunden, was mich dazu verleiten wird, sie demnächst einmal wieder in den CD-Spieler zu legen...


    Das Deutsche Requiem wird von Rattle wie ein 08/15 Repertoirestück dargeboten.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Liebe Taminos und Paminas,


    BBBs Beharren darauf, Brahms Requiem sei vor allem Chorgesang, wundert mich dann doch ein wenig. Meines Erachtens hat ihm da nie jemand widersprochen. Nicht entgegen steht, dass die Gesangsleistungen der Solisten oder die Pauken hervorgehoben wurden. Wahrscheinlich hört jeder das Werk etwas anders. Aber wahrscheinlich nicht nur nach meinem Empfinden sind die Solisten nicht nur unwesentliche Anhängsel, nicht nur I-Tüpfelchen - so scheint es BBB zu sehen - sondern wesentlicher Teil der Aufführung.


    Wenn ich mir schnell einen Eindruck über eine Aufnahme dieses Requiems machen möchte, höre ich vier Stellen:


    - einen Gutteil des zweiten Satzes, um zu überprüfen, ob genug machtvoller Schub, genug Power drin ist - da sind mir auch die von BBB oben als nicht so wichtig dargestellten Pauken sehr wichtig. Ohne die Wichtigkeit des Chores unter den Tisch kehren zu wollen: Nur wenn die Pauken richtig kommen, packt mich dieser Satz. Exemplarisch für die von mir geliebte Wucht an dieser Stelle ist Klemperer.


    - dann höre ich die beiden Soli. Mir fällt der Vergleich zum Fußball ein. Ja, Fußball ist ein Mannschaftssport. Aber das ganz Besondere, das, worüber man noch lange spricht, ist nicht die Leistung des Kollektivs, sondern sind die unfassbaren Einzelleistungen der Spitzenfußballer der Marke Maradona. Sie erst machen den Gänsehautfaktor aus. Ähnlich ist es meines Erachtens beim Deutschen Requiem. Natürlich muss die Leistung des Chores hervorragend sein, um von einer hervorragenden AUfnahme zu sprechen. Aber erst wenn die Solisten auftreten und mich durch ihren Gesang berühren, entsteht dieser ganz besondere magische Moment des Ergriffenseins, der Gänsehautfaktor. So kommt es vor, dass ich mir Aufnahmen des Requiems nur deshalb kaufe, weil ich irgenwo gehört habe, dass z. B. Auger den Sopranpart so toll gesungen habe. Das gilt z. B. für die unten kurz vorgestellte Shaw-Aufnahme. Schwarzkopf, das will ich an dieser Stelle kurz anmerken, gefällt mir in der Klemperer-Aufnahme ebenfalls überhaupt nicht, Fischer-Dieskau aber sehr.


    - schließlich höre ich noch den sechsten Satz ab "Herr, du bist würdig". Die Unterschiede, die bei den Chören an dieser Stelle zutage treten, sind in der Tat gravierend.


    Klarstellend: Natürlich besteht das Requiem nicht nur aus diesen Stellen. Aufgeschrieben habe ich das alles nur, um zu verdeutlichen, dass das Requiem eben doch nicht nur ein Chorwerk ist, sondern ein Gesamtpaket vonnöten ist, um von einer hervorragenden Aufführung bzw. Aufnahme sprechen zu können.


    @BBB: Bitte missverstehe das hier nicht als persönlichen Angriff gegen dich. Da du dich oben klar positioniert hast, bot es sich schlicht an, deine Position als Anknüpfungspunkt zu wählen. Mir ist bewusst, dass du das Werk differenzierter sehen dürftest, als ich es soeben dargestellt habe.


    Die oben erwähnte Shaw-Aufnahme ist folgende:



    Irgendwo - vielleicht im Gramophone-Guide? Ich weiß es nicht mehr - wurde sie und insbesondere der Gesang von Auger sehr empfohlen. Da die Aufnahme nicht sehr teuer ist, habe ich sie mir gekauft. Gestern ist sie angekommmen, gestern habe ich sie gehört. Mein Eindruck:


    Ja, Auger singt berückend schön. Ansonsten kommt die Aufnahme über ein solides gut nicht hinaus. Der Chor gehört zu den besseren, erreicht allerdings nicht die Spitzenqualität der besten Aufnahmen - z. B. Kegel. Der männliche Solist, Stilwell - nie von ihm gehört - macht seine Sache nicht mehr als ordentlich. Das Orchester fällt im Vergleich z. B. zu Klemperer deutlich ab. Ja, das Orchester steht nicht im Vordergrund, aber wennn Instrumente mal zu hören sind - nicht nur die Pauken -, dann sollte ihr Spiel auch stimmen. Das, was hier zu hören ist, klingt unmotiviert, ja, seelenlos. Villeicht liegt es daran, dass Shaw vor allem ein Chordirigent ist?


    Zudem ist der Klang der CD nur eingeschränkt zu genießen. Er ist stumpf, wirkt beschnitten. Im Booklet ist man stolz darauf, dass es sich um eine reine Digitalaufnahme handelt Nun, die Aufnahme stammt von 1983. Die Digitalen Anfangszeiten waren eben nicht so doll.


    Viele Grüße
    Thomas

  • Erwarte mir viel von der 2007 entstandenen Harnoncourt-Aufnahme des Brahms-Requiems, das im März herauskommen soll:



    Die Klangschnipsel gefallen mir schon.
    Wer das dirigiert hätte ich auch bei einem Blindtest sofort erraten ^^


    Eine Vorbestellung ist mir da Pflicht, auch weil ich dieses Requiem so sehr mag.


    :hello:


    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Lieber Glockenton,


    da mich die Aufnahme potenziell interessiert, wäre ich für ein paar Eindrücke nach Erhalt dankbar...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Lieber Norbert,


    mache ich gerne.....komme in etwas über einem Monat dann darauf zurück :D


    :hello:


    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Ich habe Brahms Requiem in der Gardiner Einspielung kennen gelernt und war tief beeindruckt.



    Gruß enkidu2

    Nach Schlaganfall zurück im Leben.

  • Zitat

    Zitat von Glockenton:


    Eine Vorbestellung ist mir da Pflicht...

    Lieber Glockenton,


    ich bin deinem Beispiel gefolgt und habe es auch vorbestellt. Das Deutsche Requiem ist mir noch lebhaft im Ohr, da ich es noch am 7. November 1910 live in einem sehr schönen Konzert mit dem Windsbacher Knabenchor und dem Deutschen Sinfonie-Orchester Berlin unter Friedrich-Karl Behringer in Essen erlebt habe.


    Liebe Grüße


    Willi ^^

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Meine Lieblingsaufnahme: FURTWÄNGLER, Kerstin Lindberg-Torlind/Bernhard Sönnerstedt
    Musikaliska Sällskapetskör/Stockholms Kosertföreningsorkester (1948 )
    Trotz der minderen Tonqualität ist diese Aufnahme interpretatorisch ein Juwel, da die Ausführenden sehr genau aufeinander eingehen, Furtwängler "at his best".


    Dem kann ich voll zustimmen. Vielleicht darf ich das Posting von heldenbariton noch um die aktuelle Bezugsquelle dieser schwedischen Aufnahme ergänzen:

    Und noch ein weiterer Hinweis: es gibt auch noch eine weitere Version mit Elisabeth Schwarzkopf und Hans Hotter vom Luzern Festival 1947

    die allerdings wegen ihrer katastrophalen Tonqualität nur etwas für hartgesottene Fans entweder von Elisabeth Schwarzkopf oder von Wilhelm Furtwängler ist. Meine Empfehlung gilt daher der im Jahr danach entstandenen Stockholmer Aufnahme vom 19. November 1948, welche doch um einiges besser klingt und interpretatorisch wahrhaft ein Juwel ist.


    Den von Glockenton in Posting Nr. 32 erwähnten Ausspruch eines Mitglieds der Berliner Philharmoniker

    Einer erzählte sogar, dass der Klang sich deutlich verbesserte, als Furtwängler nur den Raum betrat, während ein anderer Dirigent am Pult stand...

    finde ich natürlich wunderbar :)

  • Den von Glockenton in Posting Nr. 32 erwähnten Ausspruch eines Mitglieds der Berliner Philharmoniker

    Zitat von »Glockenton«
    Einer erzählte sogar, dass der Klang sich deutlich verbesserte, als Furtwängler nur den Raum betrat, während ein anderer Dirigent am Pult stand...
    finde ich natürlich wunderbar

    ...und ich glaube ihm das aufs Wort.


    Ich kann mich auch an Berichte Harnoncourts erinnern, der unter Karajan bei den Wiener Symphonikern ja langjährig als Cellist spielte. Karajan merkte bei seinen Wiener Konzerten irgendwie in seinem Rücken, dass Furtwängler ( wie immer) absichtlich verspätet den Saal betrat und sich unters Publikum mischte.
    Sofort schnellte seine Konzentration und Energie noch einmal merklich hoch, was dann wohl auch einen anderen, noch besseren Klang im Orchester ergab.
    Der Mann hatte wirklich etwas im Überschuss, worauf man heute nicht mehr überall so viel Wert zu legen scheint. Das richtige Wort hierfür fehlt mir irgendwie....
    Wen es bei Furtwänglers Aufnahmen aber irgendwann gepackt hat, der weiss schon, wovon ich rede.


    Seinen Einfluss höre ich immer noch ab und zu bei einigen heutigen Dirigenten, die aber auch alle schon recht alt sind, bzw. schon verstorben: der reife Celibidache, Barenboim, Thielemann und, man wird es mir nicht abnehmen, auch Harnoncourt. Es ist ein Wissen von Atmung in der Musik, von musikantischer Subjektivität und durchaus auch unvorhersehbarer Spontanität. Wie gesagt, Worte können das nur schlecht beschreiben und auch schnell missverstanden werden.


    :hello:


    Glockenton


    PS: das mit dem Zitieren bei der neuen Software kann ich noch nicht wirklich, bitte um Nachsicht.

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Wen es bei Furtwänglers Aufnahmen aber irgendwann gepackt hat, der weiss schon, wovon ich rede.


    Klasse, Dein Beitrag, lieber Glockenton. Ich weiß, wovon Du redest. Und ich freue mich über Deine Sicht der Dinge.
    Herzliche Grüße
    Dein Swjatoslaw

  • Aus dem Thread "Frisch erstanden 2012" komme ich nun mit einem ersten Beitrag zu dieser Aufnahme hier herüber:

    Hui... Wow! Puh... Wo beginnen? Dazu muss ich bei Gelegenheit mal den passenden Thread rauskramen. [ist hiermit geschehen]
    Ich sage mal so: es ist lange her, dass mir ein Stück, noch dazu dieses, was ich so gut kenne, feuchte Augen gemacht hat. Und das mit dem letzten, sicherlich am kontroversesten musizierten Satz, "Selig sind die Toten". Sehr schnell, sehr abrupt beginnt dieser Teil, ich war geradezu erschrocken - und sofort berührt von der starken Unmittelbarkeit der Musik und der Musizierenden. Dieses Requiem wird für Tote gesungen, nicht von Toten, das ist sofort klar, und darin unterscheidet sich diese Version von manch gefülsduseliger Schwülstigkeit, die man gerne serviert bekommt.
    Ich habe die CD jetzt ein erstes Mal gehört, es werden weitere folgen und beim Lesen der Partitur fallen mir ganz viel Dinge auf. Ich müsste ein Band besprechen, beim Hören, und markieren, sonst geht das alles wieder flöten.
    Freunden Gardinerscher Interpretation sei diese Aufnahme an dieser Stelle ans Herz gelegt.
    Beste Grüße
    Accuphan
    :hello:

    "mit Bravour"

  • Die in diesem Thread ab Beitag Nr. 50 bereits angesproche Fassung für 2 Klaviere des Deutschen Requiems von Brahms
    wurde gestern beim Annecy Festival 2012 aufgeführt.Diese von Brahms komponierte Fassung wurde 1871 in London uraufgeführt.
    Heute am 26.08.2012 um 21.00 Uhr sendet medici.tv das Werk.


    Johannes Brahms
    Ein Deutsches Requiem, Op. 45


    Diana Higbee soprano
    Klaus Häger bass
    Claire-Marie Le Guay piano
    Christine Lajarrige piano
    Christophe Roldan timbales


    Annecy Classic Festival Choir
    Choeur Accentus
    Maîtrise de Paris, Patrick Marco


    http://www.medici.tv/#!/german…ecy-classic-festival-2012

    mfG
    Michael


  • Ich besitze auch diese Aufnahme von Brahms, Ein deutsches Requiem, mit der ich sehr zufrieden bin.

    In der kommenden Saison läuft Ein deutsche Requiem wieder in der DOR, sowohl in Düsseldorf als auch in Duisburg. Zu finden bei den Ballettaufführungen, b.09.


    Ich habe eine Aufführung davon gesehen. Sopran: Silvia Hamvasi, Barition: Adrean Sempetrean.
    Musikalisch war es hervorragend. Mit dem modernen Ballett konnte ich nichts anfangen. Ich kann allerdings generell mit den Ballett-Aufführungen von Herrn Schläpfer nichts anfangen. :no:

    Viele Grüße,


    Marnie


  • Da ich keine Vergleichseinspielung in meiner Sammlung habe, kann ich keine Aussage zur Interpretation machen.
    Die Sopranistin Elizabeth Watts und der Bariton Stéphane Degout sowie das London Philharmonic Orchestra & Chor werden von Yannick Nézet-Séguin geleitet (Jahrgang 1975). Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2009.


    Die Tempi, finde ich, sind vom Dirigenten breit gewählt. Die Aufnahme dauert 75min 22sec. Da ich keine Partitur zur Hand habe, kann ich nicht beurteilen, ob die Tempi den Intentionen des Komponisten entsprechen.

    Der Dirigent Yannick Nézet-Séguin spricht über das Deutsche Requiem.


    (Das Bild auf dem Cover der CD finde ich unpassend ausgewählt. Da hat wohl jemand in der Grafik-Abteilung gearbeitet, der keinen Bezug zur Musik und Aussage des Werkes hatte. Es ist keine Weihnachts-CD!)
    .

    Die Beschäftigung mit Musik, selber spielend, hörend, im Nachdenken über sie und in der Diskussion im Forum soll Freude bereiten.

    Den Bratschenklang liebe ich wie der anderer tief klingender Instrumente: Bariton-Saxophon, Bassklarinette, Fagott, Kontrabass spiele ich neben anderen selber. Schubert ist mein Lieblingskomponist. Musik geniesse ich.

    .

  • Es ist November - Totenmonat!


    Er beginnt für die Katholiken am 2. mit dem Fest "Allerseelen", am 3. Sonntag des Monats ist in Deutschland "Volkstrauertag" (ein kirchlich ungebundener Gedenktag), dazwischen gab (in Sachsen gibt) es noch den Buß- und Bettag, und am letzten November-Sonntag begehen die evangelischen Christen den Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag genannt.

    Grund genug, sich mal wieder mit Musik zu beschäftigen, die speziell für solche Tage am besten geeignet ist. Diesmal habe ich mir "Ein Deutsches Requiem" von Johannes Brahms nach längerer Pause mal wieder aufgelegt, und zwar in einer Aufnahme, die seit Jahren meinen Schrank "ziert", jedoch noch nie gehört wurde:

    die es auch in dieser Fassung gibt:

    mit Ileana Cotrubas (Sopran), Hermann Prey (Bariton), Philharmonia Chorus and Orchestra London, Dirigent: Lorin Maazel (Aufnahme: 11-12/1976, London).


    Ich habe diese Aufnahme vor Jahren einmal günstig erworben, doch da ich u.a. Karajan (2x), Klemperer, Solti und Sinopoli habe, ist sie wohl aus dem Gedächtnis geschwunden. Zumal es noch meine Lieblingsaufnahme gibt, leider in Mono, aber künstlerisch besonders wertvoll:


    Das war mein erstes "Brahms-Requiem", noch auf LP, und ist bis heute mein Favorit geblieben, trotz des kompakten Klanges.

    Heute nun ist mein Urteil ein wenig ins Wanken geraten, denn was Maazel da vollbringt, ist einfach grandios! Der relativ große Philharmonia Chor sing mit einer bewundernswerten Präzision und Transparenz, daß es eine wahre Freude ist. Und das Orchester ist in Höchstform, vor allem die Pauken, die ich in diesem Werk noch nie in dieser Wucht gehört habe. Falls Wolfgang (teleton) an dem Werk interessiert ist, so kann ich Maazels Version nur als ganz heißen Tip empfehlen, zumal sie bei Amazon für ganz kleines Geld zu haben ist.


    Für mich war dieser Nachmittag ein wahrer Genuß!


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Falls Wolfgang (teleton) an dem Werk interessiert ist, so kann ich Maazels Version nur als ganz heißen Tip empfehlen

    Lieber nemorino,


    ich habe Ein deutsches Requiem mit Solti / CSO (Decca) ... und bin soweit ich das gehört habe auch voll zufrieden mit dieser Aufnahme.

    Du kennst das Requiem und verschiedene Einspielungen mit Sicherheit besser als ich ... :pfeif: ... deshalb meine Frage: Wie würdest Du Soltis Aufnahme im Vergleich mit Anderen beurteilen ?


    Rein zufällig habe ich von dem (ebenfalls) grossen Brahms-Dirigenten James Levine Ein Deutsches Requiem auch in seiner fabelhaften Brahms - Sinfonien - GA mit dem Chicago SO (RCA); hier ist auch das KK Nr.1 mit Emanuel Ax enthalten. :pfeif: Das Requiem habe ich aber aus dieser Box noch nie gehört.


    =O Jetzt sehe ich gerade nach ob das Requiem auch bei Klemperer mit dabei ist ... JA !

    Habe also auch die Klemperer-Aufnahme des Requiems in der Sinfonien_GA mit den Ouvertüren und Haydn-Variationen. :pfeif: Aber auch diese CD4 mit dem Requiem wurde noch nie aus der EMI-CD-Box entnommen.

    Wie Du inzwischen gemerkt hast ist Gesang nicht so meins. (Deshalb würde ich mir, trotz Deiner grossen Fürsprache für Maazel, diese SONY-Requiem-CD nicht kaufen wollen.) Solti - Levine - Klemperer sollten für mich ausreichen ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Lieber Wolfgang,


    danke für Deine prompte Reaktion!

    Ich habe Ein deutsches Requiem mit Solti / CSO (Decca) ... und bin soweit ich das gehört habe auch voll zufrieden mit dieser Aufnahme.

    Du kennst das Requiem und verschiedene Einspielungen mit Sicherheit besser als ich ... deshalb meine Frage: Wie würdest Du Soltis Aufnahme im Vergleich mit Anderen beurteilen ?

    Da werde ich "nachsitzen" müssen! Ich habe die Solti-Aufnahme, aber lange nicht gehört. Wenn ich es recht erinnere, fand ich sie nicht sonderlich spannend, nur Kiri Te Kanawas "Ihr habt nun Traurigkeit" hat sich meinem Gedächtnis eingeprägt. Das ist himmlisch gesungen! Weikl hingegen hat mich enttäuscht, aber um die Aufnahme aktuell als Ganzes zu beurteilen, muß ich zumindest mal reinhören. Das werde ich sobald wie möglich machen. Levines Einspielung kenne ich gar nicht.


    Jetzt sehe ich gerade nach ob das Requiem auch bei Klemperer mit dabei ist ... JA !

    Das ist natürlich ein ganz großer Wurf, ein typischer Klemperer! Eine große, wuchtige Aufnahme, die m.E. nur ein wenig durch die von mir sonst sehr geschätzte Elisabeth Schwarzkopf getrübt ist. Hier beeindruckt sie mich wenig, vor allem, wenn ich an ihre frühe Einspielung unter Karajan (EMI, 1947) denke. Da singt sie viel freier, mit deutlich mehr Anteilnahme, ja, fast mit Inbrunst. Auch Hotter ist großartig. Leider ist die Technik natürlich entsprechend dem Jahrgang, das war noch eine Originalaufnahme für 78er Schellack. Aber die Überspielung auf CD ist überraschend gut gelungen, wenn auch keine digitale Brillanz zu erwarten ist.

    Aber auch diese CD4 mit dem Requiem wurde noch nie aus der EMI-CD-Box entnommen.

    Ja, ich habe bemerkt, daß Du zu Gesangsaufnahmen wenig schreibst, demnach das Interesse sich in Grenzen hält. Aber trotzdem würde ich Dir den Klemperer heiß empfehlen, höre zumindest mal rein. Auch diese Aufnahme ist klanglich (von 1961) nicht das "Gelbe vom Ei", es gibt aus dieser Zeit besser klingende Klemperer-Aufnahmen. Vor allem der Chor, der übrigens fantastisch in Form ist, klingt ein ein wenig dumpf. Trotzdem: Ein Dokument von hohem Rang!


    Noch ein Wort zu der Maazel-Aufnahme: Bei jedem Paukeneinsatz (und es gibt deren viele in dem Werk) habe ich immer an Dich gedacht! Mich haben die Pauken fast vom Stuhl gehauen! Ich will Dich nicht zu überflüssigen Käufen animieren, aber für knapp 70 Cent erwirbst Du, zumindest scheint es mir so, ein wahres "Paukenfest"!


    Schönen Abend und liebe Grüße,

    Nemorino :hello:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Falls Wolfgang (teleton) an dem Werk interessiert ist, so kann ich Maazels Version nur als ganz heißen Tip empfehlen, zumal sie bei Amazon für ganz kleines Geld zu haben ist.

    Nachdem wir Wolfgangs klare Antwort gelesen haben, möchte ich doch noch in das selbe Horn blasen wie Nemorino. Bei mir ist fürwahr kein Mangel an Aufnahmen des Werkes. Ich komme aber immer wieder auf Maazel mit dem New Philharmoinia Orchestra zurück. Mit erscheint die Aufnahmen so schön diesseitig. Daran hat Hermann Prey einen erheblichen Anteil. Er mischt seinen Gesängen einen ganz kleinen Schuss Oper bei.


    Siehe, ich sage Euch ein Geheimnis:
    Wir werden nicht alle entschlafen,
    wir werden aber alle verwandelt werden;
    und dasselbige plötzlich in einem Augenblick,
    zu der Zeit der letzten Posaune.


    In dieser Passage, die eine meiner liebsten ist, kommt das nach meinem Eindruck besonders zur Geltung.


    Lieber Nomorino, gut, dass Du den Thread nach fast sechs Jahren wieder hervorgeholt hast. Derlei sollten viel öfter geschehen, wie es auch Helmut an anderer Stelle bereits ausdrückte. Es gibt kein Endpunkt bei der Beschäftigung mit Musik. Es ist nie alles gesagt. Deshalb mache ich mir thematisch um die Zukunft des Forum keinerlei Sorgen!

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Reinhard

    Hat den Titel des Themas von „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras- Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem“ zu „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras - Johannes Brahms: Ein Deutsches Requiem“ geändert.
  • Mit erscheint die Aufnahmen so schön diesseitig. Daran hat Hermann Prey einen erheblichen Anteil.

    Lieber Rüdiger,


    das ist mir heute auch aufgefallen. Ehrlich gesagt, ich war sehr angenehm überrascht, denn Hermann Prey ging ja immer der Ruf des unbeschwerten Naturburschen voraus (der er aber gar nicht war, wie etliche Berichte belegen), und darin seinem früh verstorbenen Freund und Sangesbruder Fritz Wunderlich ähnlich. Deshalb dachte ich, ob Prey wohl die richtige Besetzung in einem Requiem ist? Doch er macht seine Sache hervorragend, nicht so geheimnisvoll wie sein Kollege und Rivale Fi-Di, der unter Rudolf Kempe und Otto Klemperer die Bariton-Partie ergreifend gesungen hat. Prey klingt, wie soll ich es sagen, weniger tiefgründig, natürlicher, und stimmlich in guter Form.

    Obwohl mir die alte Kempe-Aufnahme von 1955 und gleich danach Klemperers Londoner Produktion von 1961 sehr am Herzen liegen, bin ich von Maazels Version total begeistert, eben weil sie ganz anders ist und den ersten Tönen einen kleinen Schuß Lebensbejahung, ja Lebensfreude beimischt. Brahms hat ja kein streng liturgisches Requiem verfaßt, wie beispielsweise Mozart, Verdi oder Cherubini, die dem Text des Missale Romanum folgen, sondern aus Bibeltexten ein Werk zusammengestellt, daß vor allem den Hinterbliebenen Trost und Hoffnung spenden soll, während die katholische Liturgie die Bitte um das Seelenheil des/der Toten in den Vordergrund rückt. Das verleiht der Brahms'schen Komposition ihre Einmaligkeit.


    Ich habe mir fest vorgenommen, baldmöglichst mein Hörerlebnis von heute mit Maazels Aufnahme zu wiederholen. Sie hat mir ganz neue Einblicke in das Werk vermittelt.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • voc_cd_brahms.jpg


    Eine durchaus hörenswerte Aufnahme, die es allerdings nicht im freien Handel gibt. Die Solisten waren für mich bis zum ersten Hören dieser Einspielung neu, dagegen besitze ich mehrere CDs von "vocapella" unter Marcus R. Bosch. Das Ensemble wurde 1990 gegründet und ist in Heidenheim beheimatet:

    Jacqueline Treichler (Sopran), Thomas Jesatko (Bariton)

    Chor und Orchester der vocapella - Musikalische Leitung: Marcus R. Bosch

    Hier wird kein sinfonisch-bombastischer Brahms geboten, sondern ein durchweg schlankes, wunderbar durchhörbares Trost-Requiem.

    Ich füge eine Rezension aus dem Wiesbadener Kurier bei:

    Brahms’ größtes und großartigstes Chorwerk war durch Geradlinigkeit der Tempi und eine geradezu beeindruckend ausgeführte Dynamik geprägt. Marcus Bosch leitete Chor und Orchester mit Umsicht und sehr plastischer Zeichengebung, klug differenzierend, gestaltete sensibel nachgehend schwebendes Piano, fand aber auch zu machtvoller Steigerung. Beachtlich, wie trotz der verhältnis-mäßig kurzen Probenzeit eine solche Homogenität des Klanges erreicht wurde, wie sicher die Sängerinnen und Sänger in Intonation und Deklamation waren.


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Lieber Rheingold!

    Siehe, ich sage Euch ein Geheimnis:
    Wir werden nicht alle entschlafen,
    wir werden aber alle verwandelt werden;
    und dasselbige plötzlich in einem Augenblick,
    zu der Zeit der letzten Posaune.

    Sollte diese Passage nicht etwas Prophetisches haben, das aus dem Dunkel ins Licht führt? Bei Prey kann ich davon nichts erkennen! Das unergründlich Metaphysische dieser Zeilen führt doch zu der Gewissheit:


    "Tod, wo ist dein Stachel?

    Hölle, wo ist dein Sieg?"


    Der Protestant Brahms präsentiert hier ein Auferstehungsvision die nichts zu tun hat mit den Drohungen des Jüngsten Gerichtes sondern mit dem Triumph des Lebens, des ewigen Lebens! Der Text stammt zwar aus dem Korintherbrief aber er verweist unmittelbar auf die Offenbarung.


    Für mich ist das ideal verwirklicht von Dietrich-Fischer Dieskau in der Aufnahme unter Rudolf Kempe:


    51PiVgO11AL.jpg


    Gerade bei diesem Satz stört mich auch überhaupt nicht die eher begrenzte technische Qualität der Einspielung.


    Und eine Interpretation, die ich auch sehr eindrücklich finde, hat Hans Hotter in einer Aufführung unter Celibidace in Köln gesungen. Die gibt es ja auch längst auf etlichen CD-Veröffentlichungen. Da muss man allerdings noch mehr Abstriche bei der Klangqualität machen! Trotzdem lohnt es, die Aufnahme mal zu hören.





    Beste Grüße


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!