Großes Liedinteresse herrscht im Forum nicht mehr. Oder die Leute wollen halt nur Fischer-Dieskau hören ...
Letzeres ist ja kein Wunder. Speziell im meiner Jugend kommte man weder im Radio noch auf Platte etwas anderes hören als Fischer Dieskau und Hermann Prey. Wobei Fischer Dieskau die Balance zwischen Ausdruck und Schönklang schaffte - zumindest meistens - und Hermann Prey in erster Linie auf den schönen Klang seiner Stimme baute - Was vom Publikum honoriert wurde und zu seiner Berühmtheit beitrug.
In späterer Zeit - aber auch (wenngleich weniger beachtet) gab es Aufnahmen von Interpreten die - ich sage es jetzt subjektiv und euphemistisch - ihre weniger schöne Stimme durch ausdrucksvollen Vortrag wettmachen (ich sagte damals : kaschieren) wollten.
Aber im Laufe der Zeit hat sich alles geändert - (Siehe Kleidung, siehe Regietheater, Siehe Bauwerke, siehe Statussymbole etc.) und eine gewisse Gruppe des Publikums scheint den Ausdruck vor den schönen Klang zu stellen.
Auch im Falle Wunderlich überwiegt die Schönheit der Stimme andere Aspekte . zumindest wurde dem vom Publikum (also auch von mir) besondere Bedeutung zuerkannt. Spezialisten mögen das schon damals anders bewertet haben.
Ich habe mir heut die Mühe (oder beglückende Mühe) gemacht den kompletten Thread zu lesen - und vor allen dank Helmut Hoffmann - neue Erkenntnisse gewonnen, was den Text und allfälligen Doppelsinn, Ironie etc betrifft.
Und ich bin mir darüber klar geworden, daß der Geschmack an Stimmen ein anderer geworden ist - allerdings habe ich heute (beim Hineinhören in die Beispiele dieses Mammut-Thread bemerkt, daß ich mich an einige der neuen Stimmen doch einigermaßen gewöhnt habe. Ferner habe ich gemerkt daß man für "Liedaufnahmen offenbar Toningeneure der 3. Reihe einsetzt, denn die Balance zwischen Stimme und Klavier stimmt in den seltensten Fällen, von übertriebnem Hall ganz zu schweigen: In der "Steinzeit" Tonaufnahme hat man generell die Stimme in den Vordergrund gezogen und das Klavier als "Begleitung" gesehen, was den Stimmen mehr Volumen verlieh als sie in Wirklichkeit hatten und sie "angenehmer" und imposanter erscheinen ließ. Dabei nahm man es billigend in Kauf, daß der "Müllerbursche" in Wahrheit als Mittvierziger mit entscpechendem Baritonfundament wahrgenommen wurde - was zwar (meistens) der Wirklichkeit entsprach - aber nicht rollendeckend war, ein Jüngling mit liebeskranker Seele. Aber wer will schon die Liebesnöte anderer hören ? Schubert musste seine Zeitgenossen auch erst von der Qualität dieser Leider Überzeugen (KS. Vogel und einigen Eingeweihten waren sie aber bewusst)In der Tat hat Schubert die Texte ernst genommen - und ich glaube ein Gutteil des Publikums tut das heute noch.....
mfg aus Wien
Alfred

![Franz Schubert, Nicolai Gedda, Jan Eyron – Die Schöne Müllerin D. 795 – Vinyl (Gatefold, LP, Album, Stereo), 1972 [r11906974] | Discogs](https://i.discogs.com/bfqrFKaHoM73YaPg1RGhYjfEhFngOe62OxISFO1HYWw/rs:fit/g:sm/q:90/h:598/w:600/czM6Ly9kaXNjb2dz/LWRhdGFiYXNlLWlt/YWdlcy9SLTQ1ODE2/NTMtMTUwNTczMzYw/MS03ODM2LmpwZWc.jpeg)

