Die schöne Müllerin - Kleiner Bruder der Winterreise?

sagitt · 441 Beiträge · letzte Antwort von Ulli

441 Beiträge
  • Ich sehe nicht, dass aus dem Wechsel von Dur nach Moll bei der direkten Wiederholung der Wörter "Mein Schatz hat's Grün/Jagen so gern" (wir sprechen von vier Takten) eine tiefere Bedeutung der Wörter "Grün" bzw. "Jagen" herauszulesen wäre.


    Der Dur-Moll-Wechsel spiegelt zunächst allgemein die getrübte Heiterkeit durch Melancholie, bzw. den zuvor heiteren Gemütszustand auf der Kippe zur Wehmut, wider.


    Die Wörter "Grün" und "Jagen" werden durch die Wiederholung gleichwohl betont. Durch die Molleintrübung werden sie zusätzlich mit Wehmut oder Schmerz aufgeladen.

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Musikprofessor Elmar Budde (a.a.O.):


    „Wenn Schubert das Gedicht ‹Die liebe Farbe› in der Tonart h-Moll vertont, dann hat er ihm damit gleichwohl von vornherein eine bestimmte inhaltliche Perspektive gegeben. Das Lied ist eine Todesmusik, und mit dieser Bestimmung geht es über die Gedichtvorlage hinaus; der Müller weiß jetzt um sein Ende, um seinen Tod. Die ständige Repetition des Tons fis, der Quinte von h-Moll, bedeutet mehr als das lautmalerische Pendant einer Totenglocke; die Unabänderlichkeit des endgültigen Endes tönt in diesem nicht enden wollenden Ton. Zu erwähnen sind die plötzlichen Ausweichungen nach H-Dur zu den Worten «Mein Schatz hat’s Grün so gern». In diesen Ausweichungen verbinden sich Schmerz und bittere Ironie".


    Man kann das ja einfach ignorieren, auch das was Helmut hier sehr präzise geschrieben hat, aber richtiger wird‘s nicht, wenn man sich nur den Text der Vorlage ansieht und die harmonischen Ereignisse des Lieds ausblendet.

  • Auch ein Gerald Moore wittert in DIE LIEBE FARBE den Jäger:


    "Usually in a strophic song the singer looks for ways and means whereby he can vary his tone colour, his rhythm or phrasing according to the sense of the words. This is a laudable routine, generally, but the singer who puts this precept into practice in Die liebe Farbe misunderstands the song. It is to be sung without any attempt to underline or "colour' the words, without any well-tempered nuances. The miller is hardly more, aware of the significance of what he is saying than poor mad Ophelia - at his head a grass-green turf, at his heels a stone'. Even the dim idea of the hunt and its association with the man who has supplanted him does not rouse the boy from his torpor. His mind seems fixed on one theme "mein Schatz hat's grün so gern' murmured over and over again; he says it without emotion, he says it almost mechanically and because of this it conveys a world of sadness.


    And yet there is something else that seems to penetrate into his consciousness, something that hammers away, softly but unremittingly, and says 'Death' to him."


    Aus Geralde Moore, Schuberts Song Cycles, S. 51ff.

    Danke an querstand für den Hinweis auf dieses Buch, das ich nicht kannte!


    Nach Ansicht von HK haben somit weder Musikprofessor Budde, noch Helmut Hofman noch ein Gerald Moore das Lied verstanden.

  • Da ich das Buch auch habe, kann ich nur mitteilen, das Budde in der oben zitierten Ausführung die Ausweichung nach H-Dur gar nicht auf das ausgelassene Lied bezieht, sondern das folgende Lied Die böse Farbe.


    Das ist falsch, er bezieht sich auf DIE LIEBE FARBE, sonst würde das Zitat auch keinen Sinn machen:


    "Ausweichungen nach H-Dur zu den Worten «Mein Schatz hat’s Grün so gern»"

  • Es ist nicht zu erkennen, welches Zitat Du überhaupt meinst.


    Der von mir zitierte Absatz von Budde bezieht sich auf DIE LIEBE FARBE und auf die Ausweichung nach H-Dur beim jeweiligen ersten Einsatz von "Mein Schatz hat's Grün so gern". Die gleichlautende WH geht dann nach h-Moll, siehe die von Ulli oben eingestellten Noten (im Bass Dis > d).

  • Die liebe Farbe → h-moll
    Die böse Farbe → H-Dur (endet in h-moll)


    Ist das nicht schon ein In-sich-Widerspruch zwischen lieb ←→ moll und böse ←→ Dur?

    Ich hatte schonmal darauf hingewiesen, daß sich dies reziprok verhält.

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

  • Ist das nicht schon ein In-sich-Widerspruch zwischen lieb ←→ moll und böse ←→ Dur?

    Vielleicht verdeutlicht Schubert damit die Dissonanz zwischen Wort und Empfindung, im Sinne der bereits angeführten bitteren Ironie.

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    (Igor Levit)

  • Vielleicht verdeutlicht Schubert damit die Dissonanz zwischen Wort und Empfindung, im Sinne der bereits angeführten bitteren Ironie.

    Die Musik ist in „die liebe Farbe“ m. E. schon einen bedeutenden Schritt weiter als der noch ahnungslose Müller; das ist kein bloßes Unterwandern: vergleichsweise im Film, wenn sich bei fröhlicher Szenerie durch die Musik bereits andeutet, daß das nicht gut geht oder gar böse endet. Die Ironie erhält ihren Farbtupfer musikalisch erst in „die böse Farbe“ (auch verglichen mit dem Film, in dem fröhliche Musik zur bösen Tat erklingt).

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

  • Das ruft mir den Guitarrenspieler Schubert vor Augen :S - wie auch bei Nr. 6, dito 9



    Georg Poplutz (Tenor)

    Antje Asendorf (romantische Gitarre)

    Stefan Hladek (Quintbassgitarre)



    Könnte auch ein Tafelklavier sein. 8o

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
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  • Wer die Musik nicht mag und lieber philosophiert kann chatGPT zu Elmar Budde fragen:


    Die Tabelle wird nicht ordentlich kopiert:



    BTW chatGPT kennt das Tamino-Klassikforum und bruft sich auf diesen Thread :P

  • Dann bist Du schlauer als Prof. Budde

    Selbst Wickie und die starken Männer unterscheiden zwischen Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert.


    Hinzu gesellt sich, wie dort w. u. beschrieben die Änderung des Stimmtons.


    SchubArt der KI folgend (nicht überprüft)


    Tonartnach SchubArtMozartBeethoven
    C-DurIst ganz rein. Sein Charakter ist:
    Unschuld, Einfalt, Naivität, Kindersprache.
    ok
    Cosí; Jupiter
    eher majestätisch,
    glänzend
    c-mollLiebeserklärung, und zugleich Klage der unglücklichen Liebe.
    Jedes Schmachten, Sehnen, Seufzen der von Liebe trunkenen
    Seele liegt in diesem Tone.
    KV 491? KV 477?
    KV 361, 375, 388?
    Große Messe
    eher feierlich
    mürrisch, düster
    D-DurDer Ton des Triumphs, des Hallelujahs, des Kriegsgeschreies,
    des Siegesjubels. Daher setzt man die einladenden Sinfonien,
    die Märsche, Festgesänge und chörigen Jubelrufe in diesen Ton.
    okok
    d-mollSchwermütige Weiblichkeit, Spleen und BrütenKV 466?
    dämonisch oder doch
    eher Sturm-und-Drang?
    Sturmsonate?
    Es-DurDer Ton der Andacht, des Gesprächs mit Gott, des Glaubens,
    der heiligen Trias.
    ok; insgesamt
    eher weihevoll
    dto.
    E-DurLautes Aufjauchzen, lachende Freude, und noch nicht ganz voller,
    Genuss.
    Friedhofsszene
    KV 542?
    e-mollNaive, weibliche unschuldige Liebeserklärung, Klage ohne Schmerz,
    Seufzer von wenigen Tränen begleitet.
    matt, anämisch
    KV 304?
    F-DurGefälligkeit und RuheseltenPastoral
    G-DurAlles Ländliche, Idyllische und Eklogische, jede sanfte und befriedigte
    Leidenschaft.
    Unbedarft, fröhlichop. 61, ländlich eher F
    g-mollMißvergnügen, Unbehaglichkeit, Zerren an einem unglücklichen Plan;
    mißmuthiges Nagen am Gebiß.
    „Todestonart“Zuspitzung op. 55?
    A-DurEnthält Erklärungen unschuldiger Liebe, Zufriedenheit über seinen Zustand;
    Hoffnung des Wiedersehens beim Scheiden des Geliebten; jugendliche
    Heiterkeit und Gottvertrauen.
    Liebe
    a-mollFromme Wehmut, Charakterwechsel, sanfte BeschwichtigungTrauer? alla tuca
    KV 511?
    h-mollIst gleichsam der Ton der Misanthropie, Melancholie, das Düstere.
    Er harrt selten auf die Rückkehr der Freude.
    Verlorenheit
    KV 540?


    Ich vermisse fis-moll, B-Dur und H-Dur. Bei SChubErt müsste man sich das mal genauer anschauen; da wäre vielleicht c-moll tragisch und d-moll der Tod.


    Zudem:


    Im Februar 1835 beschäftigte sich Robert Schumann in der von ihm gegründeten Neuen Zeitschrift für Musik mit der Frage des Tonartencharakters. Dabei macht er gleich zu Beginn deutlich, daß er von extremen Ansichten zu diesem Thema nichts hält.

    Richtig lustig macht sich Schumann über die konkrete Tonartencharakteristik, die Christian Daniel Schubart 1806 in seinen "Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst" veröffentlichte.

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

  • Wir lesen zu Schumanns Kritik an Schubart:

    Zitat

    Schumann erkennt an, daß verschiedene Tonarten unterschiedliche Empfindungen ausdrücken können; die Wahl der zum Gefühl passenden Tonart geschehe aber unbewußt: "Der Proceß, welcher den Tondichter diese oder jene Grundtonart zur Aussprache seiner Empfindungen wählen läßt, ist unerklärbar, wie der schaffende Genius selbst, der mit dem Gedanken zugleich die Form, das Gefäß gibt, das jenen sicher einschließt."

    Die Tonartenwahl ist also Teil der künstlerischen Intuition. Davon ausgenommen ist die Dichotomie von Dur und Moll: "Der Unterschied zwischen Dur und Moll muß vorweg zugegeben werden. Jenes ist das handelnde, männliche Princip, dieses das leidende, weibliche." Ob es darüber hinaus feststehende Tonartencharaktere gibt, möchte Schumann mangels statistischer Basis vorerst unbeantwortet lassen:

    Schumanns Haltung zur Wahl der Tonarten als Teil eines unbewussten, intuitiven Prozesses muss sich natürlich nicht mit der Schuberts decken. Schumanns Haltung könnte vielmehr aufzeigen, dass Schubarts Tonartencharakteristik in der Romantik nicht mehr streng befolgt wurde, zumal das Fortschreiten des Klavierspiels auch "neue", bis dato kaum verwendete, Tonarten eroberte.


    Siehe auch hier.

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

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    (Igor Levit)

  • Anders als Schumann, der sich auch theoretisch äußert, war Schubert Praktiker. Wir wissen nicht, wie er zur Tonartencharakteristik stand. Wir können nur aus seinen Werken selbst Schlüsse ziehen.

    Die KI sagt (und gibt gleich zwei hilfreiche Hinweise, nämlich zu h-moll und zum Dur-Moll-Wechsel):

    Zitat

    Schuberts implizite Tonartenästhetik in der Praxis

    Obwohl Schubert schwieg, spricht seine Musik eine klare Sprache. Er wählte Tonarten in seinen über 600 Liedern und Instrumentalwerken hochgradig systematisch aus, um bestimmte Sphären darzustellen: [1, 2, 3]

    • h-Moll (Die "Schicksalstonart"): Steht bei Schubert oft für das Unheimliche, Erstarrte, Fabelwesen oder den Tod (z. B. „Die unvollendete Sinfonie“, das Lied „Der Zwerg“ oder „Der Doppelgänger“). [1, 2, 4]
    • es-Moll / b-Moll: Nutzen für tiefe Schwermut, Grabesruhe und das Jenseits.
    • G-Dur / A-Dur: Werden meist für das Lichte, Naturidyllen, den Frühling oder naive Frömmigkeit reserviert. [1]
    • Das Prinzip der Rückung: Berühmt ist Schubert für das plötzliche Umschlagen von Dur nach Moll (und umgekehrt), was bei ihm oft den unvorhersehbaren Wechsel zwischen Hoffnung und bitterer Realität symbolisiert.

    Fazit: Schubert war kein Theoretiker. Er hat keine Tonartencharakteristik formuliert, besaß aber eine zutiefst verinnerlichte, konsistente Tonartenpraxis, die sich stark mit den damals populären Theorien Christian Friedrich Daniel Schubarts deckte. [1, 2]

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    (Louis Spohr)

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    (Igor Levit)

  • Thomas Pape

    Hat das Thema geschlossen
  • Dieser Thread hat zwei Austauschrichtungen (korrigiert mich, wenn ich falsch liege): Aufnahmen der "Müllerin" und die Erörterung darüber, ob Sie angemessen sind, wobei Begründungen, warum man etwas persönlich für angemssen hält, sehr erwünscht sind. Nur so lässt sich ein Kenntnishorizont erweitern. Der zweite Aspekt ist die Komposition, sowohl absolut betrachtet als auch in ihrer Verbindung zum Text. Das ermöglicht auch allerlei Querverweise auf historische Zusammenhänge auf andere Kunstformen und das alles geht auch im freundschaftlichen Austauschton. In dem Sinne bitte ich um die sachliche und angemessene Fortsetzung der Diskussion über die Schöne Müllerin. Schon jetzt mache ich darauf aufmerksam, daß ich jeden Kommentar löschen werde, der sich auf die verschobenen Beiträge bezieht um dann kundzutun, wer da wem was Böses an den Kopf geworfen hat. TP

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zwar wurde die Aufnahme bereits hier erwähnt, doch komme ich nicht umhin, sie auch an diesem Ort gebührend zu würdigen.

    Sie hat nicht die, zumindest von einigen hier angemerkten, Mängel jener von Georg Nigl und Alexander Gergelyfi in Klanggestalt des Tafelklavieres und zu präsent eingefangenen Sängers, teilt aber vieler ihrer Vorzüge, nämlich den ausgezierten Vortrag und das historische Instrument. Auch wartet sie, wie jene, mit einem Bonus auf: Statt der Rezitation der von Schubert nicht vertonten Texte bringt sie mit Ludwig Bergers opus 11 dessen Vertonung des Müllerinnen-Stoffes aus dem Jahre 1818 (fünf Jahre vor Schubert) auf Basis des Liederspiels "Die schöne Müllerin", also des Vorläufers von Wilhelm Müllers Dichtung.


    Die Rede ist von der Einspielung aus dem Jahre 2015 in welchem Markus Schäfer und Tobias Koch als congeniale Partner auftreten. Markus Schäfer garniert und würzt seinen Vortrag mit Auszierungen und agogischen Freiheiten text-adäquat zur emotionalen Steigerung des Ausdruckes. Sein Partner am Fortepiano von Johann Fritz, Wien um 1830 - ein wunderbar ausgewogen klingendes Instrument - geht weit über das hinaus, was man von Liedbegleitern gewohnt ist: auch er bereichert den Vortrag mit improvisatorischen Elementen. Beide, Sänger und Pianist, haben gleichen Anteil an der Gestaltung des Werkes und führen es einigen Geistes zu höchster Form.


    Für mich ist das endlich die Aufnahme, in welcher der historisch-informierte Ansatz und die musikalische Durchdringung zu seltener Vollendung kommen.

    Wer ihr bis zum Ende gebannt folgt, der spürt die Zerrissenheit, die sich kosmisch auftut zwischen dem kühlenden Bach und den blinkenden Sternlein da droben, fürwahr am eigenen Leibe auf berückend-beglückende Weise.


    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Es gibt ja einige Stimmen im Forum, die Verzierungen bei Schubert-Liedern ablehnen. Dabei ist es historisch verbürgt, dass diese üblich waren. Es gab dazu auch schon weiter oben einige Beiträge. Allerdings habe ich bei der Aufnahme von Schäfer und Koch den Eindruck, dass deren Vortrag noch einen großen Schritt weiter geht, Du schreibst ja auch von "Improvisationen" (auch beim Klavier). Vor allem beim wunderbaren letzten Lied, das gerade aufgrund seiner Einfachheit so eindrignlich ist, finde ich, dass Koch mit diesen Improvisationen die Wirkung eher stört?

  • Es gibt ja einige Stimmen im Forum, die Verzierungen bei Schubert-Liedern ablehnen. Dabei ist es historisch verbürgt, dass diese üblich waren.

    Ebenso verbürgt ist, daß Schubert das nicht mochte.


    Das Problem bei solchen Aufnahmen ist, daß sie eben nur ein Beispiel sind und nichts in den Fels Gemeißeltes. Das wird m. E. oft missverstanden. Um das mal so hören zu können, ist das schon okay. ICh möchte lieber nicht wissen, wie Mozartopern zur Hoch-Zeit von Rossini dargeboten wurden ...

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

  • Ebenso verbürgt ist, daß Schubert das nicht mochte.

    Interessant, wo steht das? Ich bezog mich auf Vogl, von dem es überliefert ist. Deine Argumentation kann ich ansonsten nachvollziehen. Bei Schäfer/Koch ist es mir deutlich zu viel, bei Julien Prégardien finde ich es gelungen und sehr dezent.

  • Albert Stadler (1794-1884):


    Zitat

    Wer Schubert recht singen will, der überlasse sich ganz dem Strome der herrlichen Melodie, aber hüte sich wohl, eigenmächtige Verzierungen anzubringen. Er [Schubert] litt sie im Leben nur von Vogl, und auch von diesem ungern, wenn sie zu weit gingen; er wollte seine Sachen rein, wie er sie geschrieben.

    Wir haben das Thema auch schon in diesem Thread behandelt:


    Unnotierte Verzierungen im Kunstlied

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
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  • Immer wieder diese verborgenen Schätze auf Tamino!

    Hier ein kurzer Mitschnitt der der letzten ausgearteten Diskussion:



    *lol**sm*

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

  • Ich möchte die Katze sein. Bei 1 min 42 s ;)


    * * * * *


    Professor Walther Dürr ist übrigens der Mitherausgeber der Franz-Schubert-Urtextausgabe der Lieder beim Bärenreiterverlag.


    Er ...war über zwei Jahrzehnte geschäftsführendes Mitglied der Editionsleitung der Neuen Schubert-Ausgabe in Tübingen. Als Dozent lehrte er an den Universitäten Stuttgart, Freiburg, Bern und Tübingen. Walther Dürr gilt als einer der profiliertesten Schubert-Forscher weltweit.


  • Das Schubert Liedlexikon (3. Auflage 2023) von Walther Dürr ist ein Ziegelstein und in seiner Genauigkeit und Detailverliebtheit faszinierend - und unersetzlich für alle, die sich für Schuberts Lieder interessieren. Von jedem Lied wird die erste Notenzeile eingestellt, dann der gesamte Liedtext, es folgen Anmerkungen zu Text und zur Musik. Zyklen wie die MÜLLERIN und WINTERREISE erfahren zusätzlich eine übergreifende Berachtung ("Zum Text/Zur Musik des ganzen Zyklus")


    Über den Text von DAS GRÜNE LAUTENBAND schreibt Dürr beispielsweise (Auszug, S. 651):


    Das volkstümlich-heiter wirkende Gedicht (3 Strophen, Sechszeiler, Reimschema aabccb, c bei allen Strophen identisch, steigendes Metrum) spielt mit der traditionellen Farbsymbolik und bildet den Auftakt für eine Gruppe von Gedichten des Zyklus, die um die Farbe Grün kreisen. Hier wird zunächst das Motiv des grünen Bandes behandelt, das in Pause eingeführt wurde. Die schöne Müllerin, die hier erstmals im Zyklus in direkter Rede zu Wort kommt, offenbart ihre Liebe zur Farbe Grün. Obwohl dem Müller farbsymbolisch das Weiß zugeordnet ist - und er demnach kein Kandidat für die Müllerstochter sein kann -, überzeugt er sich mit vielen Argumenten selbst davon, dass er »das Grüne gern« hat. Das grüne Band, das von der Laute abgeknüpft wird, um schließlich im Haar der Müllerin zu landen, stellt die Themen von Poesie, Liebe und Hoffnung in einen gemeinsamen Kontext. Gleichzeitig wird auf subtile Weise der Auftritt des (grünen) Jägers vorbereitet.


    Helmut Hofman kann sich in seiner Analyse nur bestätigt sehen. Aber das weiß er natürlich.


    Das Lexikon kann ich jedem empfehlen, es ist differenziert und durchaus anspruchsvoll, aber immer gut lesbar. Für mich sind die Analysen der nachfolgenden Lieder noch interessanter. Vielleicht komme ich darauf noch einmal zurück.

  • Obwohl dem Müller farbsymbolisch das Weiß zugeordnet ist - und er demnach kein Kandidat für die Müllerstochter sein kann -, überzeugt er sich mit vielen Argumenten selbst davon, dass er »das Grüne gern« hat.

    Was sich Interpreten alles für seltsame Gedanken einfallen lassen, überrascht immer wieder. Die Interpretation ist natürlich völlig abwegig. Argumentieren? Man sieht, dass der Interpret sich nicht um die Sprachform schert und einfach schreibt, was er da hineinliest.

    Gleichzeitig wird auf subtile Weise der Auftritt des (grünen) Jägers vorbereitet.

    Schon wieder der grüne Jäger. Nein, der Jäger der kommt, ist nicht grün und wird auch nicht vorbereitet.


    Wenn ich das lese, dann weiß ich, warum mein Kolumnenartikel nötig ist. ^^

  • Wenn ich das lese, dann weiß ich, warum mein Kolumnenartikel nötig ist.

    Das wissen inzwischen alle. Man kann ja auch mal unwissenschaftliche bzw. skurrile Gedanken anbringen. Oder kreativ deuten, siehe Regietheater. Aber doch nicht mit dieser Penetranz. Das lagert man dann besser aus. Pingel macht es genauso.

  • Das wissen inzwischen alle. Man kann ja auch mal unwissenschaftliche bzw. skurrile Gedanken anbringen.

    Natürlich, gegenüber eigenwilligen Deutungen habe ich nichts. Nur sollten sie einen irgendwie im Verständnis des Textes weiterbringen. Das tut diese Deutung leider nicht.

  • Holger scheint es besser zu wissen als die renommierten Schubert-Experten Walther Dürr, Elmar Budde, Arnold Feil und andere, ganz zu schweigen von dem großen Lied Experten hier im Forum.

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