Peter I. Tschaikowsky: Violinkonzert D-Dur op.35

  • Lieber lutgra


    Da bin ich ganz deiner Meinung. Was ist das Besondere, denn wunderbare Aufnahmen gibt es von diesem Konzert mehr als genug?


    Vilde Frang d u r c h l e b t mit G e f ü h l diese Musik, was in der Partitur eingeschrieben ist ohne ins Gefühlsselige abzugleiten. Das hebt sie von anderen Aufnahmen ab, deren Solisten technisch perfekt die Noten spielen, aber nicht berühren.


    Das Tschaikowsky-Konzert ist mit dem Violinkonzert von Carl Nielsen gekoppelt. Vilde Frang spielt es ebenso auf hohem Niveau.


    Es gibt auf YouTube nur diesen kurzen Ausschnitt der Plattenfirma.



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    Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer


    Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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  • Das hört sich schon sehr interessant an, lieber Bertarido.
    Mit Kopatchinskaja´s "auf der Stuhlkante musizieren" hätte ich ja keine Probleme, aber ich frage mich ob mir Currentzis recht dünne Orchesterbesetzung überzeugen könnte ?
    Denn ich bin dahingehend von der aufwühlenden Oistrach/Ormandy-Aufnahme absolut verwöhnt, die auch orchestral keine Wünsche an packendem Gestus in jeder Beziehung übrig lässt.


    ;) ^^ Ich wäre eher geneigt mir die bei mir noch fehlende Heifetz/Reiner - Aufnahme mit den Tschaikowsky+Brahms-VC zuzulegen. Dort sind auch die Tempi in beiden VC für meinen Geschmack im grünen Bereich.


    Lieber Wolfgang, den satten Orchesterklang der Wiener Philharmoniker hat man bei dieser Aufnahme natürlich nicht. Ich habe mir gerade einmal die Mutter/Previn-Aufnahme angehört, die so ziemlich das Gegenteil von Kopatchinskaja/Currentzis ist. Die Virtuosität ist schon beeindruckend, da kommt Kopatchinskaja nicht mit. Aber trotzdem lässt mich das Spiel von Anne-Sophie Mutter irgendwie kalt. Und Previns Orchesterbegleitung ist doch ziemlich lahm. Von den neueren eher traditionellen Aufnahmen hat mir Repin/Gergiev gut gefallen, auch wenn das Klangbild suboptimal ist. Eine ältere Aufnahme, die mich so richtig begeistert, habe ich gar nicht, so dass ich mir unbedingt einmal Heifetz/Reiner anschaffen muss, nachdem mich Heifetz kürzlich schon mit Beethovens und Mendelssohns Konzerten begeistert hat (da allerdings mit Munch und dem Boston Symphony).

  • Das Konzert kennengelernt habe ich in meiner Jugend durch die Aufnahme des jungen Pinchas Zukerman mit Leonard Bernstein (zusammen mit Mendelssohn). Das ist wunderbar! Warum gibt es diese Platte nur nicht mehr als Einzelveröffentlichung?


    Zuletzt hörte ich es im TV Open Air in Berlin mit Lisa Batiashvili und Daniel Barenbiom. Das war auch wirklich toll!


    Schöne Grüße
    Holger

  • Hallo,


    zur Zeit arbeite ich mich durch die vielen Einspielungen dieses Werkes, welches eine schöne Abwechslung zu den deutschen Klassikern darstellt.


    Die russische Seele hat ja eine besondere Hingabe zur Musik, welche der deutsche Klassikliebhaber etwas argwöhnisch betrachtet.


    Emotionen ja, aber bitte mit Vernunft und Verstand!


    Was mir bei Tchaikovsky op.35 sehr wichtig erscheint, ist die bewußte Kontrolle beim Solisten.


    Die Violine muß neutral bleiben, bitte, bitte keine ungarischen Klänge.


    Dieses Ursprüngliche und Lebhafte in der Musik kommt alleiin aus den Noten und dem Rhythmus, nicht von den Instrumenten!


    Karl

  • Die Violine muß neutral bleiben, bitte, bitte keine ungarischen Klänge.


    Dieses Ursprüngliche und Lebhafte in der Musik kommt alleiin aus den Noten und dem Rhythmus, nicht von den Instrumenten!

    Interssant - und vielleicht eine Diskussionsgrundlage - wären ja mal Beispiele. Eines, wo es Deiner Meinung nach funktioniert und eines, wo Du die "ungarischen Klänge" hörst.


    Bin neugierig...

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Ich bin eigentlich nie ein großer Fan dieses Werks gewesen. Aber neulich habe ich die Live-Aufnahme mit Repin/Gergiev gekauft (eher wg. Miaskowsky) und die hat mich mehr gepackt als praktisch jede andere, die ich vorher gehört hatte (2x Heifetz, Oistrakh, Francescatti u.a. übliche Verdächtige). Nicht nur wg. der Kopplung eine sehr deutliche Empfehlung!



    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • … Aber neulich habe ich die Live-Aufnahme mit Repin/Gergiev gekauft (eher wg. Miaskowsky) und die hat mich mehr gepackt als praktisch jede andere, die ich vorher gehört hatte …
    … eine sehr deutliche Empfehlung!

    Diese Empfehlung möchte ich ausdrücklich unterstreichen! :hello:

    Habe diese Scheibe schon länger – was dieser Mann hier leistet, kann sich hören lassen!!

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Oistrach; Moskauer Philharmoniker/Roschdestwenski (1968)

    Ganz bewegend David Oistrakh zu seinem 60ten Geburtagstag in Moskau

    Und wie! Das dürfte schwerlich zu toppen sein. Kongenial auch die Moskauer Philharmoniker unter Gennadi Roschdestwenski. Der Mitschnitt ist von 1968, in astreinem Stereo und bei Melodija erschienen (soll besser sein als der Transfer bei Brilliant).




    Spielzeiten: 18:48 - 6:01 - 9:44

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ormandy und Francescatti


    Hallo Josef,


    seinerzeit hatte mich diese Oistrach/Roshdestwensky-Aufnahme (Melodiya, 1968) klanglich nicht überzeugen können. Ich muss allerings einräumen, dass ich die Brillant - Ausgabe hatte. Die Brilli-Oistrach-Box hatte insgesamt einen derart schlechten Klang, sodass ist dieses "Ärgernis" nicht behalten wollte.

    Ohne die Melodiya-Ausgabe (Abb von Josef) dieser Aufnahme zu kennen, bin ich überzeugt, dass diese wohl besser sein muss !


    *** Ich bin aber einfach schon zu sehr verwöhnt von Oistrachs späterer Aufnahme mit Ormandy (CBS, 1974), die mit nahezu identischen Spielzeiten aufwartet, aber ein derart spannendes orchestral packendes Zusammenspiel liefert. Selbst meine alte CBS-Ausgabe ist klanglich auf der Hörspassseite (gekoppelt mit der ebenso fabelhaften Aufnahme des Sibelius - VC).

    Diese Oistrach/Ormandy - Aufnahme gefällt mir auch besser, als die etwas klassisch wirkende mit Stern/Ormandy (SONY), die in der Tschaikowsky-Ormandy-Box enthalten ist. Auch wenn das wenige teilen werden: Der "Kitschfaktor" wirkt bei Stern für meinen Geschmack stellenweise zu ausgeprägt.


    In diesem Thread hatte ich die CD bereits auch in den verschiedenen erhältlichen SONY-Ausgaben abgebildet.

    Spielzeiten Tschaikowsky = 18:46 - 6:40 - 9:39

    CBS, 1974, AAD



    *** Absolut virtuos ist auch die Aufnahme mit Zino Francescatti/Schippers von 1965. Francescatti entdecke ich bei den klassischen VC immer wieder als eine Alternative ersten Ranges.

    Schon die Spielzeiten des 1.Satzes lassen auf eine fetzige Int schliessen, die einfach Spass macht = 16:35 - 6:49 - 9:30

    Und Schippers ist auch bei Tschaikowsky wieder eine "Institution", von dem es viel zu wenige Aufnahmen gibt !


    - (Nebenbei: Das Mendelssohn - VC hier mit Szell ist meine absolute Lieblingsaufnahme. Diese wird von einigen wegen des straffen Tempos nicht so geschätzt ... ;):angel: aber von mir !) -


    SONY, 1961 (Mendelssohn), 1965 (Tschaikowsky), ADD

  • Hallo Josef,


    seinerzeit hatte mich diese Oistrach/Roshdestwensky-Aufnahme (Melodiya, 1968) klanglich nicht überzeugen können. Ich muss allerings einräumen, dass ich die Brillant - Ausgabe hatte. Die Brilli-Oistrach-Box hatte insgesamt einen derart schlechten Klang, sodass ist dieses "Ärgernis" nicht behalten wollte.

    Ohne die Melodiya-Ausgabe (Abb von Josef) dieser Aufnahme zu kennen, bin ich überzeugt, dass diese wohl besser sein muss !

    Hallo Wolfgang,


    so muss es wohl sein. Heute fand ich eine Rezension der Brilliant-Box, die das bestätigt:


    "Comparison with the Melodiya transfer in their big Oistrakh CD box favours the Russian disc – clearer at a higher level." (musicweb-international.com)


    Also ich könnte am Klang der Melodija-Ausgabe nichts aussetzen. Das ist räumlich, direkt und wenige Störgeräusche durchs Publikum. Kein Wunder: Dieses war sicher gebannt, wie sich Oistrach und Roschdestwenski gegenseitig zu Höchstleistungen anspornten. Sollte Dir die CD mal günstig über den Weg laufen: Nicht zögern. Den echt russischen Orchesterklang wird man in Philadelphia trotz aller Meriten ja eher nicht finden. :pfeif:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid