Wann geht der nächste Schwan? - Richard Wagner: Lohengrin

  • Zitat von Theophilus

    Genau. Wagner hat sie bereits gestrichen. Möglicherweise wirklich, um die Handlung an dieser Stelle nicht noch länger zu unterbrechen. Tatsächlich aber auch in weiser Voraussicht, denn die zweite Strophe wäre für die meisten Lohengrine absolut tödlich. Die armen Tenöre haben im dritten Akt ohnehin sehr viel zu singen und das Finale ist recht heikel, so dass man noch mehr als nur einen Rest von Kraft und Kontrolle benötigt, um gut über die Runden zu kommen.


    1936 hatte man mit Franz Völker aber einen ungemein ausdauernden Sänger in Bombenform zur Verfügung, so dass man auf die Idee kam, doch einmal die vollständige Gralserzählung zu bringen. Das wurde ganz still und heimlich vorbereitet und es gibt eine Anekdote von Winifred Wagner, die bei der Premiere einen höchst prominenten Gast in ihrer Loge hatte, der das Werk sehr gut kannte. Als Völker die zweite Strophe begann, erschrak der Gast einen Moment lang, da er meinte, Völker habe sich versungen. Doch erkannte er dann sehr schnell, dass es sich um den aufgemachten Strich handelte...


    :hello:


    Aber Aufnahme gibts davon, von dieser speziellen Aufführung, keine?


    LG joschi

  • Hallo Joschi,


    Bild.jpg;l
    es gibt von Völker als Lohengrin (die Abbildung zeigt ihn im Bayreuther Kostüm) eine Studioaufnahme von 1936 unter Heinz Tietjen mit der vollständigen Gralserzählung. Du kannst sie u.a. auf dieser CD finden:




    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)


  • Dankevielmals.. :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

  • Aufnahmen, die bei konzertanten Aufführungen entstanden sind, bescheren mir mitunter die schönsten Hör-Erlebnisse, so geschehen beim Londoner Runnicles-Tristan.


    Hier eine sehr vielversprechende Lohengrin-Aufnahme, die ich noch nicht kenne:


    Lohengrin steht nicht so weit oben auf der Liste meiner liebsten Wagner-Opern, aber eine sehr gute Aufführung bedeutet für mich höchsten Musikgenuss.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.


  • Die konzertante Aufführungs-Serie in der Kölner Philharmonie war seinerzeit Thema in diesem Thread. Davidoff war bei der Aufnahme dabei und hat Bericht erstattet!


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Habe gerade reingehört in ein paar Stellen per mp3-Download: Klingt hervorragend! Chor und Orchester sensationell. Und dieser Lohengrin-Sänger haut einen um!

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Und dieser Lohengrin-Sänger haut einen um!

    Ja Joseph II, habe soeben reingehört und kann das nur bestätigen. Das ist wahrlich eine hervorragende Lohengrin-Stimme. Dank Harald für den Hinweis, werde ich mir zulegen.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"


    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Ich mag es ja am liebsten, wenn ich die Oper auch gleichzeitig sehen kann, sofern denn Bild und Ton sich ergänzen und nicht widersprechen.


    Nach den für mein Empfinden guten Erfahrungen mit der Kombination Nagano/Lehndorff bei Parsifal würde ich mir - ohne die Produktion zu kennen- wohl diese Blueray hier noch vor Weihnachen zulegen:



    Die Sängerbesetzung ist nach meinem bescheidenen Wagnererfahrungen wohl vielversprechend....
    Da denke ich vor allem auch an Waltraud Meier.
    Klang- und bildtechnisch dürfte diese Blueray-Produktions ja auf dem neuesten Stand sein.


    Gruss
    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Es ist mir ein Bedürfnis, auf Clemens Bieber einen ganz hervorragenden Sänger des "Lohengrin " hinzuweisen. Wir hatten diesen Tenor im diesjährigen Festkonzert mit dem Titel "Faszination Richard Wagner" bei der Gottlob-Frick-Gesellschaft. Clemens Bieber sang an diesem Abend Szenen aus "Lohengrin" und dem "Fliegenden Holländer". Erstaunlich mit welcher Bravour er die unterschiedlichen stimmlichen Anforderungen des lyrischen Steuermanns, des heldischen Lohengrin und dann noch des dramatischen Erik meisterte. Besonders als Lohengrin, in der gesamten Brautgemachszene und mit Lohengrins Abschied begeisterte der Sänger mit einer strahlend höhensicheren, männlich markant klingenden, technisch ausgezeichnet geführten Stimme und außergewöhnlich präsziser Artikulation. Da eine ganze Reihe von Tamino-Freunden bei diesem Konzert dabei waren, können diese sicherlich mein Urteil bestätigen und eventuell ergänzend vertiefen. Für mich ganz erstaunlich, dass dieser exzellente Wagner-Sänger außer seinem langjährigen Bayreuth-Engagement und seinem verdienstvollen Wirken an der Deutschen Oper Berlin, nicht die breite Popularität genießt, die er zumindest nach seinen Leistungen bei diesem Konzert in drei verschiedenen Partien verdienen würde.
    Als kongeniale Partnerin hatte er die koreanische Sängerin Hyuna Ko. Der jugendlich-hochdramatische Sopran besticht durch ein interessantes Timbre, das aufhorchen läßt und glühende Intensität des Vortrags. Durch diese sängerischen Tugenden wurde u. a. die Senta-Ballade zu einem miitreissenden Ereignis. Der jungen Sopranistin dürfte bei klugem Aufbau eine Karriere bevorstehen, die zu großen Hoffnungen berechtigt. Da auch das Heilbronner Sinfonie Orchester unter seinem Dirigenten Peter Braschkat durch musikalische Kultur, differenzierende Gestaltung und Spielfreude eine reife Leistung bot entfatlete sich in der Tat die "Faszination Richard Wagner" auf's Schönste.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

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  • Was wäre denn, wenn wir Zeit und Raum überspringen könnten, die beste Truppe für den "Lohengrin", weil wir es hier Richard Wagner: Lohengrin (auf DVD) gerade davon haben, dass man nicht alles haben könne. Stellen wir uns heute also eine gediegene und moderate Inszenierung vor, die die Waage zwischen klassischem Zuschnitt und Moderne hält, und natürlich von den neuesten Aufnahmetechniken profitiert; und suchen uns dazu die Bestbesetzung für die jeweilige Rolle. Ich bin eigentlich erst bei zwei Rollen sicher ...

    • Heinrich der Vogler
    • Lohengrin
    • Elsa von Brabant
    • Friedrich von Telramund - Fischer-Dieskau
    • Ortrud, Friedrichs Gemahlin - Christa Ludwig
    • Der Heerrufer des Königs
  • Da der von mir hochverehrte Dietrich Fischer-Dieskau den Telramund lediglich einmal im Studio eingespielt, aber nicht live gesungen hat, dürfte das mit einer DVD-Aufnahme schwierig geworden sein. Ich weiß auch nicht, so sehr ich seinen Studio-Telramund auch schätze, ob diese Rolle live wirklich das Richtige für ihn gewesen wäre. Er war offenbar nicht der Meinung, dass das gut für ihn gewesen wäre, sonst hätte er es wenigstens mal probiert.


    Ansonsten könnte ich mir - zu unterschiedlichen Zeiten - idealerweise zum Beispiel so sehr gut vorstellen:


    Kipnis - Melchior - Traubel - Janssen - Varnay - Warren (40er an der MET)


    oder


    Frick - Windgassen - Grümmer - Uhde - Varnay - Fischer-Dieskau (als Heerrufer) (50er in Bayreuth oder anderswo)


    oder auch


    Adam - König - Hajossyova - Wlaschiha - Priew - Ketelsen (80er in Dresden oder Berlin)


    oder auch


    Salminen - Seiffert - Anthony - Ketelsen - Henschel - Schulte (90er zum Beispiel an der Deutschen Oper Berlin oder anderswo)

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Ich möchte nicht den ganzen Beitrag 129 von Operus noch einmal zitieren. Ich kann nur sagen, dass meine Frau und ich das große Glück hatten, bei dem Künstlertreffen und dem hervorragenden Konzert in Mühlhausen dabei sein zu dürfen und dass wir von den beiden Solisten Clemens Bieber und Hyana Ko mit ihren Ausschnitten aus "Der fliegende Holländer" und "Lohengrin" vollauf begeistert waren. Leider findet man auf dem Markt nur sehr wenige Aufnahmen mit Clemens Bieber, vor allem nicht als Lohengrin, aber im Internet ist eine ganze Menge über ihn zu erfahren. Ich kann Operus nur voll bestätigen.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Ich schätze die stimmliche Souveränität von Clemens Bieber sehr, aber ich fürchte, dass er einfach am falschen Haus singt. Für die riesige "stimmmordende" Deutsche Oper, wo schon ganz andere Sänger eingebrochen sind, scheint mir seine Stimme doch zu klein und schmal, um im ersten Wagner-Fach bestehen zu können.


    An seinem Stammhaus, der Deutschen Oper Berlin, erhält er allerdings am 12. Januar 2013 die Gelegenheit, in der Titelpartie des "Parsifal" das Gegenteil zu beweisen.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Lieber Stimmenliebhaber,


    an Deiner Ursachenforschung über die nach Meinung zahlreicher Opernfreunde nicht seinem Rang und den gezeigten Leistungen entsprechende Würdigung von Clemens Bieber ist sicherlich wahres dran. Nur verwundert es dann, dass der zwar mit einer wunderschönen Stimme - Knabensopran - beschenkte Florian Vogt im selben Haus so hervorragend bestehen kann. Hoffen wir, dass die Karriere von Clemens Bieber, nicht zuletzt durch die Diskussionen und Bestätigungen im Tamino-Forum einen kräftigen Schub erhält. Der auch menschlich so bescheidene und gewinnende Tenor hätte dies verdient.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Man täusche sich nicht durch die eher mediokre Gesamtaufnahme dieses Werks 1971 unter Kubelik, habe ich doch in den Sechtzigern James King oft als Lohengrin erleben dürfen. Und welch grandioser Rolleninterpret er damals doch war! Seine herrliche Stimme mit der silbrig-auratischen Höhe, seine hoheitsvolle, intensive Gestaltung, ja auch seine ideale Erscheinung nahmen das Publikum regelmäßig gefangen. Lediglich Jess Thomas und gelegentlich auch Wolfgang Windgassen waren ernstzunehmende Rivalen. (Johan Botha allerdings verfügte über eine konkurrenzlose Stimmenfülle, dem auch der offene Strich in der Graalserzählung keine Probleme bereitete, aber leider war sein Unvermögen, stimmlichen Ausdruck oder Farbe in die Rolle zu bringen, doch recht begrenzt.)


    Was Clemens Bieber betrifft - ich habe ihn in Mühlhausen ebenfalls erlebt, muß ich meine Überraschung eingestehen, einen Tenor gehört zu haben, der der subtilsten lyrischen Ausdrucksmöglichkeiten fähig war und noch dazu über eine sehr schöne Stimme verfügte, die es ihm ermöglichte, auch in der Brautgemachszene zu beeindrucken. Ob er allerdings schon auf Grund seiner Jugend einer derartigen Spinto-Partie in einer vollständigen "Lohengrin"-Produktion gewachsen wäre - da bin ich in meiner Meinung sehr vorsichtig. Aber er ist ja noch recht jung, und wenn er die Zukunft vernünftig in die Hände nimmt, dann könnte einmal schon was Großes werden aus diesem sympathischen Kerl.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Ich habe gestern zufällig in die deutsch gesungene Aufnahme der Gralserzählung von Mario Del Monaco (1964 unter Carlo Franci) gehört und war begeistert. Natürlich, der italienische Akzent ist da, aber mit welchem Schönklang er das singt, unglaublich! Und natürlich hat er die nötige Kraft. Von wegen "schreiend", eher sehr piano kommt das daher. Das beweist ja nur wieder, dass Del Monaco sogar in späteren Jahren noch zu solchen jugendlichen Heldentenor-Rollen wie der des Lohengrin fähig war.


    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich habe gestern zufällig in die deutsch gesungene Aufnahme der Gralserzählung von Mario Del Monaco (1964 unter Carlo Franci) gehört und war begeistert. Natürlich, der italienische Akzent ist da, aber mit welchem Schönklang er das singt, unglaublich! Und natürlich hat er die nötige Kraft. Von wegen "schreiend", eher sehr piano kommt das daher. Das beweist ja nur wieder, dass Del Monaco sogar in späteren Jahren noch zu solchen jugendlichen Heldentenor-Rollen wie der des Lohengrin fähig war.


    Einspruch! - Ich habe diese Aufnahme in den vergangenen Tagen mehrfach gehört und kann diese Begeisterung leider nicht teilen: Bei aller Hochachtung vor del Monaco als italienischem Tenor kommt mir seine Gralserzählung vor allem unverstanden vor. Er bleibt besonders im ersten Drittel auf einer Linie ohne für mich erkennbare Dynamik um dann bisweilen "einen herauszuschmettern". Auch, wenn der Lohengrin oft als Wagners italienische Oper bezeichnet wird, bleibt mir der italienische Ansatz del Monacos fremd. Dass es auch anders - wenngleich ebenso textunverständlich - geht, hat z.B. Placido Domingo bewiesen; wobei auch dessen Gesamtinterpretation unter Solti m.E. nicht unbedingt für eine Aufnahme in den Kreis der Gralsritter hinreicht :pfeif:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Auch, wenn der Lohengrin oft als Wagners italienische Oper bezeichnet wird, bleibt mir der italienische Ansatz del Monacos fremd.

    Donnerwetter, das hätte ich genauso geschrieben; ganz meine Meinung! Wie sähe denn deine überhistorische Rollenbesetzung aus, die ich im Beitrag 131 zu skizzieren versuchte?

  • Donnerwetter, das hätte ich genauso geschrieben; ganz meine Meinung! Wie sähe denn deine überhistorische Rollenbesetzung aus, die ich im Beitrag 131 zu skizzieren versuchte?


    Ach, ... "Nie sollst Du mich befragen"! - So unterhaltend eine solche Frage bei einem guten Schoppen oder wahlweise einer kühlen Hopfenschorle zu disputieren ist, so theoretisch und eigentlich - zumindest ernsthaft - unbeantwortbar ist sie doch auch. Um eine auch nur ansatzweise diskutable, d.h. vor mir selbst bestehende Antwort liefern zu können, müsste ich mich mehrere Tage hörenderweise einschließen und kennte am Ende doch nur die halbe Wahrheit. Abgesehen von der praktischen Unmöglichkeit eines solchen Unterfangens im Angesicht meiner vierköpfigen Familie stellt sich mithin die Frage, ob es überhaupt erstrebenswert wäre ... !?


    Und dann: Reicht ein singender Lohengrin? Braucht es deren nicht viele? - Z.B. einen Peter Hofmann für das heldische (ich bin da vorbelastet, da er der erste Lohengrin war, den ich via TV überhaupt wahrgenommen habe), einen Klaus Florian Vogt für die überirdischen Momente (wieder vorbelastet durch Live-Erlebnis) und einen Jonas Kaufmann für das gebrochene, anti-heldische (siehe Scala-Lohengrin).


    Es muss also reichen, wenn ich feststelle, in der Gesamtschau den Kempe-Lohengrin (E.Grümmer, C.Ludwig, J.Thomas, D.Fischer-Dieskau, G.Frick) für die Insel-Mitnahme in Betracht zu ziehen ;)

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

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  • Die Kempe-" Lohengrin"-Aufnahme ist auch mein abslouter Favorit: Jess Thomas ist trotz englischem Akzent stimmlich und darstellerisch als Schwanenritter eine ideale Besetzung, Elisabeth Grümmer als Elsa die Erfüllung, die Ortrud ist eine der grandiosesten Leistungen von Christa Ludwig. Dietrich Fischer-Dieskau meistert im Studio stimmlich die gefürchtete Heldenbaritonpartie gut, gestalterisch ist er wie immer eine Klasse für sich, Gottlob Frick steigert als König Heinrich das Königsgebet zu einer gewaltigen, stimmlich überwältigenden Anrufung, Otto Wiener verkörpert einen Heerrufer mit hoher Autorität. Der größte Pluspunkt dieser Aufnahme für mich ist die musikalische Interpretation durch Rudolf Kempe mit den Wiener Philharmonikern. Kempe gelingt es trotz stellenweise fast kammermusikalisch dezentem Klang alle Feinheiten und Höhepunkte der "Lohengrin-Partitur" meisterhaft auszuleuchten. Bereits das Vorspiel zum ersten Akt fasziniert durch nahezu überirdisch schönen Streicherklang, opulente Steigerungen und einen lyrisch-zart verlöschenden Schluss. Ingesamt eine meisthafte Leistung.
    Die Kempe Aufnahme wird deshalb auch zu Recht im Harenberg-Opernführer als Refenzaufnahme eingestuft.


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ohne andere Sänger abwerten zu wollen (um Himmels Willen kein Ranking, sondern eine persönliche Meinung!) - ich höre in der Gralserzählung trotz altersbedingter Schwächen der Aufnahme Franz Völker am Liebsten.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Ich glaube auch, dass die Kempe-Aufnahme unter den Studio-Einspielungen die gelungstenste ist, auch wenn ich Otto Wiener als Heerrufer etwas zu "gemütlich" empfinde, Gottlob Fricks König Heinrich unter Kempe sicher nicht zu meinen zehn Lieblingsaufnahmen diesen unvergleichlichen Sängers zählt und Jess Thomas mir irgendwie doch eine Spur zu "langweilig" und ausdruckslos ist.


    Wenn ich da den fast 60-jährigen Lauritz Melchior in einem MET-Mitschnitt höre, kommt da für mich viel mehr von der Rolle herüber. Überhaupt haben viele Studioaufnahmen immer eine gewisse "Sterilität", die Sänger singen dort anders als auf der Bühne, wo einfach das Stück stattfindet. Insofern ziehe ich dann Live-Mitschnitte wie MET 1950 unter Stiedry mit Traubel, Varnay, Melchior, Janssen (als Telramund!) und Ernster oder Bayreuth 54 unter Jochum mit Nilsson (wenn auch in dieser Rolle natürlich nicht so ideal wie Grümmer), Varnay, Windgassen, Uhde, Adam und FiDi (als Heerrufer) der perfekten(?) Studio-Aufnahme doch vor.


    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Ich bin, wie ich schon zugegeben habe, nicht der große Wagner- Experte, wie hier die meisten von Euch. Aber ich habe alle Beiträge mit großem Interesse gelesen. Ich kenne auch nicht jeden hier erwähnten Sänger in der Partie des Lohengrin.
    Mario del Monaco, hier von Joseph II. dankenswerterweise als Link reingestellt, habe ich mir angehört und ich gebe Joseph recht, eine tolle Stimme, kein Zweifel. Trotzdem klingt er mir zu "italienisch" und da meine ich nicht den Akzent.
    Bei den vielen von Euch genannten Interpreten fällt mir aber auf, daß einer diesmal gar keine Erwähnung findet, "Sandor Konya". Von allen Lohengrin´s die ich kenne, ist er für mich der Größte.
    Ich weiß nicht recht, wie ich mich ausdrücken soll, Konyas Interpretation klingt mir so wunderbar "verklärt und entrückt", lyrisch und heldisch zugleich, ein Wohlklang der Stimme.


    Herzliche Grüße
    CHRISSY


    Jegliches hat seine Zeit...

  • Aber ich habe alle Beiträge mit großem Interesse gelesen. ... Bei den vielen von Euch genannten Interpreten fällt mir aber auf, daß einer diesmal gar keine Erwähnung findet, "Sandor Konya". Von allen Lohengrin´s die ich kenne, ist er für mich der Größte.


    Na, wohl doch nicht annähernd alle Beiträge gelesen, denn Konya kam schon mehrmals vor (sogar als "Traumbesetzung")...


    ;)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Bei den vielen von Euch genannten Interpreten fällt mir aber auf, daß einer diesmal gar keine Erwähnung findet, "Sandor Konya". Von allen Lohengrin´s die ich kenne, ist er für mich der Größte.
    Ich weiß nicht recht, wie ich mich ausdrücken soll, Konyas Interpretation klingt mir so wunderbar "verklärt und entrückt", lyrisch und heldisch zugleich, ein Wohlklang der Stimme.


    Fraglos ein wunderbarer Lohengrin, der die schwere "Gralserzählung" so ganz ohne für mich wahrnehmbare Anstrengung zu singen vermag. - Besser allerdings gefällt mir dieser Live-Mitschnitt, der mir etwas weniger auf Schönklang, denn auf Ausdrucksstärke verweist; man vergleiche:


    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Na, wohl doch nicht annähernd alle Beiträge gelesen,

    Doch, schon. Ich bezog mich aber auf die jüngsten und aktuellen Beiträge ab 127 ff. Denn obwohl Konya vorher auch ein paarmal erwähnt wurde, sind die meisten vorigen Schreiber nicht mehr Mitglied in unserem Forum und werden wohl kaum noch meine Antwort, bzw. meinen Beitrag lesen.



    Besser allerdings gefällt mir dieser Live-Mitschnitt, der mir etwas weniger auf Schönklang, denn auf Ausdrucksstärke verweist;

    Hallo Michael, danke für diesen interessanten Link.


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Abgesehen von der praktischen Unmöglichkeit eines solchen Unterfangens im Angesicht meiner vierköpfigen Familie stellt sich mithin die Frage, ob es überhaupt erstrebenswert wäre ... !?

    Klare Antwort: Ja! :) Allerdings: Was um Himmels Willen ist eine Hopfenschorle?



    Zitat

    Und dann: Reicht ein singender Lohengrin? Braucht es deren nicht viele? - Z.B. einen Peter Hofmann für das heldische (ich bin da vorbelastet, da er der erste Lohengrin war, den ich via TV überhaupt wahrgenommen habe), einen Klaus Florian Vogt für die überirdischen Momente (wieder vorbelastet durch Live-Erlebnis) und einen Jonas Kaufmann für das gebrochene, anti-heldische (siehe Scala-Lohengrin).

    So weit hatte ich gar nicht gedacht! Aber ich will ja nicht noch die Künstler teilen, es reicht, wenn ich sie über Zeit und Raum verteile:


    Dirigent: Kempe

    • Heinrich der Vogler - Gottlob Frick
    • Lohengrin - Lauritz Melchior
    • Elsa von Brabant - Elisabeth Grümmer
    • Friedrich von Telramund - Fischer-Dieskau
    • Ortrud, Friedrichs Gemahlin - Christa Ludwig
    • Der Heerrufer des Königs- Horst Günter
    Zitat

    Es muss also reichen, wenn ich feststelle, in der Gesamtschau den Kempe-Lohengrin (E.Grümmer, C.Ludwig, J.Thomas, D.Fischer-Dieskau, G.Frick) für die Insel-Mitnahme in Betracht zu ziehen ;)

    Wenn ich meine anachronistische Version nicht haben kann, ich auch! :)

  • Allerdings: Was um Himmels Willen ist eine Hopfenschorle?


    Bitte! - Diese Frage kann ich nicht ernst nehmen :hello:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

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